Titel: Verwendung des Kaolins zum Ausbessern der Giessereiöfen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1894, Band 292/Miszelle 3 (S. 120)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj292/mi292mi05_3

Verwendung des Kaolins zum Ausbessern der Giessereiöfen.

In der Zeitschrift Stahl und Eisen theilt Director Haedicke in Remscheid günstige Ergebnisse mit, die er bei Ausbessern der Cupolöfen mittels Kaolin erreicht hat, und regt zur Klärung die Frage an, ob anderwärts vielleicht gegentheilige Erfahrungen gemacht worden sind. Er sagt u.a.:

Unter den Körpern, welche für die gewöhnlichen Hüttenzwecke als feuerfest gelten, stehen bekanntlich die Kieselsäure (reiner Quarz) und die chemisch reine kieselsaure Thonerde (Porzellanerde oder Kaolin) obenan; je reiner dieser Körper ist, desto grösseren Widerstand leistet er der Schmelzhitze. Treten andere Körper, welche Basen enthalten, hinzu, wie namentlich die Metalloxyde, so bilden sich Doppel- und mehrfache Silicate, denen die Eigenschaft der Schmelzbarkeit nicht zukommt. Glücklicher Weise sind derartige Beimengungen meist an der Farbe zu erkennen. Je weisser also der Thon ist, desto sicherer sind wir seiner Schwerflüssigkeit. Reine Porzellanerde ist rein weiss. – Hieraus darf man folgern, dass die ungünstigen Ergebnisse, welche an anderen Orten mit Kaolin erhalten worden sind, sich wahrscheinlich nicht auf reines, weisses Kaolin beziehen, wie auch eine von dem betreffenden Lieferanten abgegebene zweite Sendung, sowie verschiedene andere vorgelegte Proben sich als vollständig werthlos erwiesen, die ihre Güte sofort an der Farbe erkennen liessen.

Angefeuchtet gibt das Kaolin einen weichen, leicht haftenden Körper, der zwischen den Fingern kein Korn fühlen lassen darf. Der Referent hat es sowohl in dieser Form als auch halb und halb mit Kokspulver gemengt zum Ausbessern des Cupolofens verwendet und namentlich mit der letztgenannten Mischung recht gute Resultate erzielt, bessere als mit der bis dahin verwendeten Chamotte.

Eine weitere Verwendung kann das Kaolin zum Beimischen von Formsand finden. Formsand soll ebenfalls einigermaassen feuerbeständig sein. Das Vollkommenste in letzterer Beziehung würde feiner Quarzsand bilden. Derselbe hat indessen keine Bindung und ist aus diesem Grunde unbrauchbar. Formsand besteht aus Sand und Thon, je mehr Thon, desto fetter, bündiger ist derselbe. Kaolin ist nun ein geeignetes Mittel, um mageren Formsand bündiger zu machen. Auch hier dürfte es wünschenswerth sein, wenn die Fachgenossen sich über ihre diesbezüglichen Erfahrungen äussern wollten.

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