Titel: Methode zur Prüfung von Constructionsstahlsorten von Alfred E. Hunt.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1894, Band 292/Miszelle 3 (S. 144)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj292/mi292mi06_3

Methode zur Prüfung von Constructionsstahlsorten von Alfred E. Hunt.

Bei dem Ingenieurcongress in Chicago hielt Hunt vom Pittsburger Versuchslaboratorium einen Vortrag folgenden Inhalts: Einige Nachtheile der bisherigen Versuchsmethoden sind der Zeitaufwand, der Kostenpunkt, sowie das Bedürfniss, eine grosse Anzahl von Resultaten behufs Vergleichung zu haben; auch sind solche in den Differenzen der Resultate, wenn die Proben verschiedenen Stellen des Ingots entstammen und endlich in den Abweichungen, welche die verschiedenen Methoden bedingen, zu suchen. Ein weiterer Uebelstand ist endlich die enge Grenze, innerhalb welcher Versuche möglich sind, d.h., auf welche das Resultat als zutreffend bezogen werden kann. Biege- und Schmiedeproben geben keine genügend vergleichbaren Resultate.

Die von Hunt vorgeschlagene Methode besteht in der Vergleichung der bei einzelnen Stahlsorten zum Lochen und Abscheren geschnittener oder geschmiedeter Probestücke von einer bestimmten Dicke nöthigen Arbeitsleistung mit jener von Normalstücken bei gleicher Behandlung. Dieser Vergleich kann auch vorgenommen werden bei verschiedenem Fortschritte der Bearbeitung, wenn man den Raum, auf welchem sich dieselbe ausdehnt, und die Zeit, während welcher die bekannte Kraft einwirkte, in beiden Fällen kennt.

Die Methode stellt sich als besonders günstig heraus, wenn man die Resultate der Beobachtungen in Curven darstellt, deren Ordinaten die Kraft, die angewendet wurde, und deren Abscissen die Arbeitsleistungen, in Einheiten aufgetragen, vorstellen. Hunt benutzt einen Mechanismus, welcher die Curve zeichnet, während die Probe vorgenommen wird. Bei dieser Methode können auch die Enden der Walzstücke der Ingots oder die Blechabschnitte und ähnliche Abfallstücke des Fertigproductes benutzt werden. Diese Erleichterung in der Probenahme ist ein bedeutender Vortheil für die Praxis. Die durch diese Versuchsmethode erzielten Vergleichsresultate beziehen sich auf die Dehnung, Zug- und Abscherfestigkeit; Versuche zeigten, dass die Auswahl von Stahlqualitäten für Constructionszwecke, wie die Ausscheidung von unbrauchbaren Qualitäten mittels dieser Methode sehr gut und ungemein verlässlich vorgenommen werden kann. Hunt behauptet durchaus nicht, dass man derart für jeden Fall die Zugfestigkeit des Metalls wird feststellen können, man dürfte jedoch ein Prüfungsverfahren vor sich haben, welches über die Beziehungen zwischen der Festigkeit und Dehnung Aufschluss gibt. Man wird beispielsweise nicht unterscheiden können zwischen Stahlsorten von etwa 50 k Festigkeit (für 1 qmm), 27 Proc. Dehnung (bei 203 mm Markendistanz) kann mit einer Qualität, die 50 k trägt, mit Rücksicht auf die besondere Dehnbarkeit der ersteren Sorte verwechselt werden, doch würde Stahl von 54,5 k Festigkeit und 18 Proc. Dehnung erkannt werden. Es ist des Autors Ansicht, dass diese Prüfungsmethode für Stahlqualitäten für Constructionszwecke sicher und bequem wird angewendet werden können, und dass sie genügend empfindlich sei, um alle Sorten schlechten und unverwendbaren Stahles auszuscheiden, dass sie jedoch noch eine grosse Anzahl von Versuchen verlangt, ehe man rasch und genügend wird arbeiten können. (The Iron and Coal Trades Review, 1893 S. 263, nach Oesterreichische Zeitschrift für Berg- und Hüttenwesen.)

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