Titel: Wettbewerb zwischen Dowsongasmaschine und Dampfmaschine.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1894, Band 292/Miszelle 7 (S. 216)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj292/mi292mi09_7

Wettbewerb zwischen Dowsongasmaschine und Dampfmaschine.

Sehr oft hört man die Frage, weshalb grosse Städte so lange ohne Elektricität bleiben, während viele kleine Städte bereits ausgedehnte elektrische Anlagen besitzen. Ein Grund ist der, dass die kleinen Städte oft noch keine Gasbeleuchtung besitzen, dagegen verfügen sie über eine Wasserkraft, die zu elektrischen Zwecken billig verwendet werden kann.

Seit einiger Zeit tritt nun noch die Dowsongasmaschine erfolgreich in den Wettbewerb; kleinere Städte, denen eine elektrische Anlage von 100 bis 200 genügt und die über keine Wasserkraft verfügen, sollten die Anlage einer Dowsongaseinrichtung in Erwägung ziehen; beweisen doch die bereits ausgeführten Anlagen, dass der Betrieb mit Dowsongas wesentliche Vortheile bieten kann. Es dürfte daher folgende Mittheilung aus dem Journal für Gasbeleuchtung, betreffend eine Vergleichung der Dowsongasmaschine und der Dampfmaschine von Interesse sein:

Auf der diesjährigen, von der Royal Agricultural Society of England zu Chester veranstalteten landwirthschaftlichen Ausstellung nahmen Gas- und Erdölmaschinen einen hervorragenden Platz ein. Es waren deren 40, darunter grössere Maschinen von 60 bis 100 ausgestellt, alle mit einer einzigen Ausnahme nach Otto'scher Bauart. Diese Ausstellung liefert einen erneuten Beweis, dass die Gasmaschine auch für grössere Kraftleistungen in einen ernstlichen Wettbewerb mit der Dampfmaschine mehr und mehr eintritt. Dafür spricht weiter, dass nach Mittheilungen in The Engineer, 1893 S. 431, in den letzten Monaten eine Midland-Firma, nicht einmal die bekannteste in ihrem Fach, über 1000 an Dampfmaschinenkesseln englischer Fabriken durch Gasmaschinen mit Gaserzeugern ersetzt hat. Die kleinste dieser Einrichtungen umfasste 100 , die grösste 400 . Einige von diesen mit Dowsongas betriebenen Maschinen sind schon lange genug unter befriedigenden Umständen gelaufen, um den Nachweis zu führen, dass sie im Stande waren, die Garantiebedingungen zu erfüllen, nämlich 1 mit weniger als 1½ Pfd. = 0,68 k Gaskohle in der Stunde zu erzeugen. Von einem mehrwerthigen Brennmaterial brauchten sie selbstverständlich weniger.

Wenn sich diese bedeutenden Neuanlagen, welche den verschiedensten Zwecken dienen, weiterhin in derselben Weise bewähren, so ist anzunehmen, dass die stationären Dampfmaschinen den Gasmotoren gegenüber einen schweren Stand haben werden.

Der Hauptpunkt, der hierbei ins Auge zu fassen ist, ist naturgemäss der relative Verbrauch an Brennstoff. Nun ist es nach der oben angeführten Quelle unbestreitbare Thatsache, dass es mit Dowsongas arbeitende Gasmaschinen gibt, die nur 0,45 k Anthracit für 1 -Stunde verbrauchen; selbst bei minderwerthiger Gaskohle wird der Verbrauch vermuthlich nicht über 0,8 k steigen. Es gibt keine stationäre Dampfmaschine, Verbund- oder sonstige, die dies Resultat erreicht; man wird nicht weit fehlgehen, wenn man den Verbrauch einer Fabrikdampfmaschine unter Durchschnittsverhältnissen mindestens auf das 2½fache davon (also 1,2 k besten oder 0,2 k minderwerthigen Brennstoff) beziffert. So wird also, auch wenn man den mechanischen Wirkungsgrad der Gasmaschinen um 10 Proc. geringer als den der Dampfmaschine annimmt und den höheren Preis von Anthracit und Kohle der Kesselkohle gegenüber in Rücksicht zieht, immer noch eine bedeutende Ersparniss erzielt werden.

Was die übrigen Vergleichspunkte anbelangt, so wird sich ein nennenswerther Unterschied der Anlagekosten von Gasmaschinen mit zugehörigen Gaserzeugern gegen Dampfmaschinen und Kessel nicht herausstellen.

Auf dem bisher verfolgten Wege ist die Möglichkeit wohl ausgeschlossen, die stationäre Dampfmaschine noch sparsamer als die vollkommensten Schiffsmaschinen zu machen; bei der Gasmaschine dagegen sind nach verschiedenen Richtungen hin Vervollkommnungen möglich.

Im Anschluss an das Vorgesagte gilt eine neuerdings ausgeführte Gaskraftanlage als weitere Bestätigung dieser Anschauung. Es ist dies eine kleine elektrische Licht- und Kraftstation zu Carignan, die von Malter und Co. in Rouen ausgeführt ist. Ein einziger Mann bedient den Generator, die Gasmaschine von 60 und die Dynamos. Der Kohlen verbrauch der Gasmaschine, die von 4 Uhr Morgens bis 11 Uhr Abends läuft, beträgt weniger als 0,68 k für 1 -Stunde.

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