Titel: Notiz über ein Röhrenniveau von variabler Empfindlichkeit von Ludwig Mach.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1894, Band 292/Miszelle 2 (S. 263–264)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj292/mi292mi11_2

Notiz über ein Röhrenniveau von variabler Empfindlichkeit1) von Ludwig Mach.

Der inneren Wand eines Libellenrohres ertheilt man bekanntlich die (schwach) tonnenförmige Gestalt durch Schleifen auf einem Stahldorne von derselben Form. Die Dicke dieses Dornes nimmt von seinen (genau gleich starken) Enden gegen die Mitte, entsprechend dem Radius, unter welchem die Röhre ausgeschlafen werden soll, allmählich zu. Bei sehr grossem Radius, also beim Schleifen von hoch empfindlichen Libellen, ist aus naheliegenden Gründen die Herstellung des Werkzeuges ausserordentlich schwierig. Das Schleifen erfordert nebst grosser Geduld beträchtliche mechanische Fertigkeit. Ich versuchte deshalb vor einiger Zeit, dieses umständliche Verfahren durch ein anderes recht einfaches zu ersetzen.

Textabbildung Bd. 292, S. 263
Textabbildung Bd. 292, S. 263
Von dem Gedanken ausgehend, dass ein an den beiden Enden fixirtes, in der Mitte, jedoch einseitig und senkrecht auf seine Achse, gedrücktes Glasrohr eine annähernd kreisbogenförmige Krümmung besitzt, führte ich die im Nachfolgenden näher beschriebene Libelle aus. Die Wand des Glasrohres gg (Fig. 1) trägt in der Mitte eine Bohrung, in welcher die Mutter eines feines Stahlschräubchens s (7/40 mm Gangsteigung) eingelassen ist. Ein gut cylindrisches Rohr, das ganz wie die gewöhnlichen Libellen eine Theilung und Aetherfüllung besitzt, wird an seinen Enden mit zwei aufgepassten, bogenförmigen Stahlstückchen m und n versehen. Diametral diesen beiden Klötzchen gegenüber und in der Mitte von g1g1 befindet sich ein ganz ähnlich gearbeitetes Stück o. Dieses Rohr wird in das erstere eingeschoben und mit Hilfe des in o eingreifenden Schräubchens s gedrückt. Da bei der ganzen Pressungsvorrichtung ausser Glas nur Stahl in Stücken von sehr geringer Ausdehnung verwendet wurde, so ist die Aenderung der Krümmung durch Temperaturschwankungen auf ein Minimum reducirt. Fig. 2 zeigt einen Schnitt durch die Vorrichtung. Eine Bestimmung der Empfindlichkeit (bei sanft gepresstem Rohre) ergab 1p = 7''. Innerhalb der Temperaturgrenzen von + 40° C. bis – 20° C. war diese Libelle nahezu denselben Variationen unterworfen wie irgend ein anderes durch Schleifen hergestelltes Röhrenniveau. Da an den Enden die gleiche Empfindlichkeit wie in der Mitte vorhanden war, so dürfte wohl die Biegungscurve einem Kreisbogen sehr nahe kommen. An manchen Stellen aber bemerkte ich sehr geringe Variationen der Empfindlichkeit, welche ich der nicht ganz vollkommen cylindrischen Form des Rohres zuschreiben muss.2) Wenn man ein möglichst cylindrisches Glas unter vielen Glasröhren systematisch |264| heraussucht, und dessen eventuelle Formfehler durch Nachschleifen auf einem cylindrischen Dorne corrigirt, was beiläufig gesagt eine sehr leichte Arbeit ist, so könnte man durch Einfügen desselben in die obige Biegungsvorrichtung eine gute Libelle von beträchtlicher Empfindlichkeit erhalten. (Zeitschrift für Instrumentenkunde.)

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Aus den Sitzungsberichten der kaiserl. Akademie der Wissenschaften zu Wien. Mathem.-Naturwissensch. Klasse Juli 1893, vom Herrn Verfasser mitgetheilt.

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Das Glas meiner Versuchslibelle war von A. Pessler, Mechaniker in Freiberg i. S., aus einem Röhrenvorrath ausgewählt worden. Obwohl es ohne jede Correction der Cylinderfehler mit Füllung und Theilung versehen wurde, so ersetzt es im gebogenen Zustande eine Libelle von der oben erwähnten Empfindlichkeit.

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