Titel: Hohlsaumnähmaschinen.
Autor: Glafey, H.
Fundstelle: 1894, Band 293 (S. 49–57)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj293/ar293012

Hohlsaumnähmaschinen.

Von H. Glafey, Ingenieur in Berlin.

Mit Abbildungen.

Die Hohlsäume gehören bekanntlich zu den sogen. „Durchbrucharbeiten“ und werden entweder in der Weise gewonnen, dass man aus dem Gewebe eine bestimmte Anzahl von Kettenfäden entfernt oder aber dadurch, dass man ausser den Kettfäden gleichzeitig auch noch gewisse Schussfäden beseitigt. Die Nähmaschinen zur Anfertigung von Hohlsäumen führen keine dieser beiden Arbeitsprocesse aus, sondern sie verdrängen mit ihrer Nadel die Kett- bezieh. Schussfäden und binden sie durch Stiche zusammen, oder sie stellen zwischen zwei Stoffbahnen einen Hohlsaum durch freiliegende Stiche her. Das erste Arbeitsverfahren ist das üblichere und findet sich bei einer Reihe von Maschinen, welche in den letzten Jahren von der Schweiz aus in Vorschlag gebracht worden sind.

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Die erste Maschine der bezeichneten Art rührt von Johannes Tobler in St. Gallen her (D. R. P. Kl. 52 Nr. 60005) und arbeitet mit vier Nadel- und zwei Schiffchenfäden. Von den beiden hinter einander angeordneten Nadelstangen trägt jede je eine Doppelnadel, bestehend aus einer Maschinennadel und einer Messernadel, und es bindet die vordere Doppelnadel mit dem vorderen Schiffchen die links der Saummitte liegenden Stofflängsfäden, die hintere Doppelnadel mit dem hinteren Schiffchen die rechts der Saummitte liegenden Stofflängsfäden zusammen.

Die Hohlsaumnähmaschine ist, wie die beistehenden Fig. 1 bis 5 erkennen lassen, eine Doppelmaschine.

Vom Stirnrad a, dessen im Arm A1 gelagerte Welle direct vom Schwungrad A aus angetrieben wird, wird die Bewegung mittels des Zwischenrades a1 auf das Rad a2 und damit auch auf die Welle des Armes A2 übertragen. Der Bau der beiden Arme A1A2 mit ihren zugehörigen Theilen ist ein congruenter und dem System bekannter Langschiffchennähmaschinen entsprechender. Es findet also ein gleichzeitiges Heben und Senken der Nadelstangen BB1 statt. Jeder Arm A1 und A2 trägt zwei Fadenspulen b1b2 und b3b4, von wo die Fäden 1 und 2 über die Führungen cd nach dem Fadenhebel e und von da nach den Nadeln f1f2 geführt werden. Die Fäden 3 und 4 werden in analoger Weise über die Organe c1d1e1 nach den Nadeln f3 und f4 geführt.

Um den Hohlsaum zu erzielen, ist die eine Nadel eines jeden Nadelpaares, und zwar wenn vorn die rechte, hinten die linke, und umgekehrt, mit einem seitlichen, messerartigen Ansatz g versehen, welcher beim Niedersenken der Nadeln die Längs- und Querfäden des Stoffes theilt. Die andere Nadel des Nadelpaares ist vorzugsweise eine Stickmaschinennadel nach System Schatz. In Fig. 3 ist die vordere Doppelnadel dargestellt, welche in Fig. 5 im Querschnitt sichtbar ist. Mit jedem Nadelpaar arbeitet in selbständiger und mit einander übereinstimmender Weise ein Langschiffchen g1, wozu je ein besonderer Antriebsmechanismus nach bekannter Construction vorgesehen ist. Die Art der Stichbildung und Fadenverknüpfung ist dieselbe, wie bei allen Langschiffchennähmaschinen. Fig. 4 zeigt die eine Doppelnadel in jenem Augenblick, wo sich die bekannten Fadenschlingen ii der Nadelfäden 1, 2 bilden und das Schiffchen g1 im Begriff ist, in der Richtung des Pfeiles h die Schlingen zu passiren. Ist das Schiffchen g1 mit seinem Faden k durch die Schlingen ii hindurchgefahren, so kommt der Faden k in die punktirte Stellung, die Doppelnadel f1f2 hebt sich inzwischen und zieht den Schiffchenfaden fest auf die Unterseite des Stoffes D, worauf ein Stoffvorschub um eine Stichlänge erfolgt. Es ist indess für die Hohlsaumbildung ebenso wichtig, dass der Schiffchenfaden die mit ihm arbeitenden Nadelfäden und die zwischen denselben liegenden Längsfäden des Stoffes zusammenzieht, wodurch das Wülstchen entsteht. So veranschaulicht Fig. 6, wie der Schiffchenfaden k auf der |50| Stoffunterseite die beiden Nadelfaden 1 und 2 mit den dazwischenliegenden Längsfäden des Stoffes links der Mittellinie x-x zusammenzieht. Dasselbe ist auch in Fig. 5 zu erkennen, in welcher die Pfeile o1o2 die Richtungen angeben, nach denen die Fäden 1 und 2 durch den Schiffchenfaden k gezogen werden, n bedeuten die von der Messernadel f2 gebildeten Löcher im Stoff D, in welche die hintere Doppelnadel f3f4 derart eingreift, dass die von der Messernadel f2 nach rechts gedrängten Stofflängsfäden zwischen die Nadeln f3f4 gelangen und vom hinteren Schiffchen ganz in der gleichen Weise zusammengebunden werden, wie bereits beschrieben wurde. Die Pfeile o3o4 geben auch hier die Richtungen an, nach denen die Fäden 3 und 4 durch den hinteren Schiffchenfaden zusammengezogen werden, so dass das zweite Wülstchen entsteht. Der Saum gibt erst nach dem Verlassen der hinteren Doppelnadel, d.h. wenn er auf beiden Seiten gebunden ist, das Bild eines Staffelhohlsaumes (Fig. 7).

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Die Stichlänge kann geändert werden, doch muss die hintere Doppelnadel stets in die von der vorderen Doppelnadel gebildeten Löcher eintreten. Je nach der Spannung des Schiffchenfadens wird seine Lage eine gestreckte oder mehr oder weniger gekrümmte sein.

Eine Doppelsteppstich-Langschiffchennähmaschine, bei welcher die Bildung des Hohlsaumes ebenso wie bei der Maschine von Tobler durch vier Nadelfäden und zwei Schiffchenfäden erfolgt, sämmtliche Nadeln jedoch von einer Nadelstange getragen werden, ist in den Fig. 8 bis 13 veranschaulicht und rührt von Richard Beyreiss in St. Gallen her (Schweizer Patent Nr. 3656). Das Doppelnadelpaar steht bei dieser Maschine in Parallelogrammform, und die auf den Endpunkten der grossen Achse des Parallelogramms stehenden äusseren Nadeln sind gewöhnliche Maschinennadeln, die auf den Endpunkten der kleinen Achse des Parallelogramms stehenden inneren Nadeln dagegen Messer- bezieh. Konusnadeln.

Auf dem Arm A ist die Querschiene a mit den vier hinter einander liegenden Fadenspulen a1 bis a4 angebracht. Die von den Spulen kommenden Fäden 1, 2, 3, 4 passiren zuerst je eine Oese im Führungsstift b und umschlingen je in einem Umgang ein Führungsröllchen b1.. b4, auf welche paarweise je eine mittels der Regulirschraube c einstellbare Spiralfeder c1 einwirkt. Von diesen Spannscheiben weg sind die vorderen und hinteren Fäden paarweise geführt und es passiren Fäden 1 und 2 zuerst die Oese C, dann den Raum hinter Draht d2, das Scheibchen d und gelangen wieder hinter dem Draht d2 hindurch von aussen her in die Oese e des Fadenhebels B, von wo sie durch Oese f hinter dem Draht f1 hindurch nach dem hinteren Nadelpaar D3D4 geführt werden.

Auf ganz gleiche Art und Weise gelangen auch die Fäden 3 und 4 durch die Organe c1d1e1 in die Oese f, gehen aber dann durch die Nadelstangenbohrungen gg1 in das vordere Nadelpaar D1D2.

An Stelle des einfachen Fadenhebels mit zwei Oesen können auch zwei getrennte Fadenhebel, sowie die Fadenführung und -Spannung nach Belieben geändert werden, ohne auf das Wesen der Erfindung ändernd einzuwirken.

Das Hauptgewicht der Erfindung liegt in den vier gleichzeitig arbeitenden Nadeln D1, D2, D3, D4, welche zu je einem vorderen und hinteren Nadelpaar (von dem die Maschine Bedienenden aus gesehen) vereinigt sind. Die Nadelspitzen bilden ein schiefwinkliges Parallelogramm und es seien die auf den Endpunkten der kleinen Achse stehenden Nadelspitzen die inneren und die auf den Endpunkten der grossen Achse stehenden Nadelspitzen die äusseren genannt. Um das Einfädeln der inneren Nadeln zu erleichtern, liegen dieselben nicht in einer Senkrechten zum Davorsitzenden, sondern sind genügend seitlich versetzt, so dass man frei zu den Nadelöhren gelangen kann. Die äusseren Nadeln D1 und D4 sind gewöhnliche Maschinennadeln, die inneren Nadeln sind über dem Oehr messerartig ausgebildet und es sind die Messerschneiden entgegengesetzt gerichtet (Fig. 11). Die Messernadeln verfolgen einen doppelten Zweck: erstens bilden sie die inneren Nähte m, m1 und zweitens zertheilen sie die Fäden des losen Stoffes M, z.B. Mousseline, Wolle u.s.w. (Fig. 14). Um zu bewirken, dass die hintere Messernadel D3 stets in das von der vorderen Messernadel D2 gebildete Loch in M eingreift, ist die Anordnung getroffen, dass die Messernadeldistanz gleich, bezieh. ein Vielfaches der Stichlänge ist.

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Die Bildung des Hohlsaumes geht nun auf folgende Art und Weise vor sich:

Nachdem die Vorarbeiten zum Nähen, bezieh. Säumen, wie Einfädeln der Nadeln, Aufnehmen der Schiffchenfäden und Ablegen aller Fäden auf die Stichplatte T gleich wie bei allen Langschiffchenmaschinen vollzogen sind, wird der |51| zu säumende Stoff unter den Drückerfuss N gelegt und letzterer gesenkt. Die nun in Function tretende Maschine bewirkt die Senkung der Nadelstange mit den vier Nadeln. Beim Aufwärtsgang der Nadeln bilden sich nun die bekannten Fadenschlingen s, durch welche die Schiffchen u mit ihrem Faden o in der Richtung des Pfeiles U (Fig. 13) hindurchgleiten, und zwar arbeitet mit dem vorderen und hinteren Nadelpaar je ein Schiffchen in identischer Weise. Der so in die Fadenschleifen s eingeführte Schiffchen faden wird beim Nadelhub an die Stoffunterseite angezogen und es bewirkt der Faden des vorderen Schiffchens seinerseits ein Zusammenziehen der vorderen Nadelfäden 3 und 4 auf der Stoffunterseite (Fig. 14 und 15). Dieses Zusammenziehen, bezieh. Verknüpfen der Fäden 3 und 4 hat nun die weitere Folge, dass die rechts von der Mittellinie vv zu ihr parallelen Längsfäden nach rechts gezogen werden, wobei indess die zwischen den beiden Messernadeln befindlichen Ouerfäden q in unveränderter Lage bleiben. Durch dieses Zusammenziehen der Längsfäden nach rechts ist das Wülstchen w entstanden.

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Je nachdem die hintere Messernadel in der Distanz einer, zweier oder mehrerer Stichlängen von der vorderen entfernt ist, greift dieselbe beim ersten, zweiten oder beliebig späteren Stich in das von Nadel D2 gebildete Loch in M ein. Hier tritt derselbe Vorgang ein, wie er bereits für das vordere Nadelpaar geschildert wurde: der Schiffchenfaden wird von den Nadelfäden auf der Stoffunterseite angezogen, er bewirkt seinerseits ein Zusammenziehen der links von der Mittellinie vv liegenden Längsfäden und vollendet so die im vorhergehenden Stich begonnene Höhlung zwischen zwei Querfadenlagen q. Auch auf dieser Seite entsteht demnach ein Wülstchen w1 und es wird der Hohlsaumzierstich (Fig. 14) durch Wiederholung des beschriebenen Vorganges gebildet.

Sollen die Höhlungen des Saumes eine runde Gestalt haben, so werden anstatt der flachen Messernadeln konische Nadeln von entsprechender Querschnittsdimension eingesetzt.

Unter Weglassung des einen Schiffchens und blosser Benutzung einer Nadel kann die Maschine als gewöhnliche Zweifadennähmaschine verwendet werden.

Friedrich Gegauf in Tägerweilen, Thurgau (Schweizer Patent Nr. 4670) wendet zur Herstellung des Hohlsaumes keine Nähmaschine mit vier Nadeln und zwei Schiffchen, sondern eine Maschine, welche mit zwei Schiffchen (Lang- oder Rundschiffchen) und einer eigenartig gebildeten Nadel bezieh. Nadelgruppe ausgestattet ist, an.

Diese Nadel besteht im Wesentlichen aus drei Theilen, von welchen der mittlere als Lanzette nach beiden Seiten gleichzeitig und gleichmässig die Fäden nach den Säumen hin verschiebt, also den Hohleffect des Saumes erzielt und zwei Nadelöhre aufweist, während die beiden anderen, den mittleren Theil flankirenden Theile gewöhnlichen Maschinennadeln ähnlich sind und entsprechend bekannten Zierstichnadeln die Saum- oder Näharbeit besorgen.

Die in den Fig. 16 bis 20 veranschaulichte Hohlsaumnähmaschine ist im Bau der Nadelantriebmechanismen u.s.w. nach dem System der bekannten Langschiffchenmaschinen (Singer) ausgeführt und bedarf deshalb keiner besonderen Beschreibung, nur sei erwähnt, dass auf einer Querschiene a des Armes A vier Fadenspulen a1.. a4 angeordnet sind, von welchen die vier Fäden 1 bis 4 durch Führungsösen b nach den Spannscheiben c und dann durch Oesen des Spannhebels d nach der Nadel e geführt werden; solche Spannungsvorrichtungen lassen sich auch in anderer Weise ausführen.

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Die in eine Lücke der Scheidewand g mit jederseits vorhandener Fadendeckung (Schild g0), entsprechend den Nadelrinnen, versenkbare Nadel e, Fig. 19 und 20 ist dreitheilig gestaltet, d.h. sie besteht aus drei neben einander angebrachten Nadelspitzen e1e2e3, von denen die beiden äusseren e1 und e3 gewöhnlichen Nähmaschinennadeln gleichen und je ein Oehr besitzen, während die mittlere, mehr oder weniger steil verlaufende Spitze e2 eine Lanzette bildet und daher entsprechend breit gehalten ist und zwei Oehre besitzt.

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Die Nadel braucht dabei selbstverständlich nicht aus einem einzigen Stück zu bestehen, sondern die drei erwähnten Theile e1e2e3 können getrennte Stücke bilden und dann durch irgend eine Klemmvorrichtung zu der gekennzeichneten Nadelgruppe vereinigt sein. Wesentlich ist eben die Nebeneinanderstellung der Spitzen, so dass die Lanzettspitze e2 die zur Linken und Rechten befindlichen Fäden des Schiffes gleichmässig gegen die flankirenden Nadeln e1 und e3 drängt.

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Die Lanzettspitze e2 drängt also die links und rechts von ihr befindlichen Gewebefäden nach den Nähnadeln e1 und e3 (welche die Fäden 1 und 4 haben) hin, und die Lanzettfäden 2 und 3 bilden dabei gleichzeitig an der Innenseite des Hohlsaumes (Fig. 21) die Naht, während die äusseren Spitzen e1 und e3 den Stoff beidseitig des Hohlsaumes durchstechen und ihre Fäden 1, bezieh. 4 eigentlich je den äusseren Saum erzeugen. Es werden also je zwei Fäden zum Säumen jeder Seite des Hohlsaumes verwendet und mit jedem dieser Fadenpaare 1, 2 oder 3, 4 arbeitet selbständig ein Schiffchen (eventuell auch Rundschiffchen) f1, f2, welches je durch einen Antriebsmechanismus bekannter, passender Construction bethätigt wird. Die Art der Fadenverschlingung der Schiffchenfäden 5 und 6 mit den Nadelfäden 1, 2, bezieh. 3, 4 ist eine bekannte und ist schon vielfach für sogen. Zierstiche zur Verwendung gelangt. Es ist gleichgültig, ob die Schiffchen f1 und f2 in entgegengesetzter Richtung (wie auf der Zeichnung) oder in derselben Richtung laufen; mitten in der Nadelbewegung müssen dieselben bei entgegengesetzt gerichteter Bewegung natürlich neben einander stehen.

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Durch die eigenartige Nadel e wird die Arbeitsweise der Maschine bedingt; die Nadel schiebt beim Senken die Hohlsaumfäden zur Seite und führt gleichzeitig die Fäden zur Säumung ein; beim Aufwärtsgang ziehen sich die paarweise eine Naht bildenden Fäden 1, 2 und 3, 4 zu Schlingen aus, durch welche dann die Schiffchen hindurchgleiten, und zwar wird durch die sich nach jedem Schiffchen hin nur je zur Hälfte der Nadelbreite e öffnende Scheidewand g und durch die Fadenrinnen, welche sich stets auf der von dem zugehörigen Schiffchen weggewandten Seite der Nadel e befinden, erreicht, dass je mit dem vorderen oder linken und mit dem hinteren oder rechten Fadenpaare ein Schiffchen in übereinstimmender Weise arbeitet.

Die Hohlsaumbildung und der dazu gehörende Hohlsaumzierstich werden daher bei der vorliegenden Maschine äusserst gleichmässig (da mit einem einzigen Nadelstich) ausgeführt, und man kann ferner die Entfernung zwischen den einzelnen Stichen, das heisst die Stichlängen beliebig verändern, ohne wie bei den, mit mehreren getrennten Werkzeugen arbeitenden Vorrichtungen die Gleichmässigkeit und das Zusammentreffen der Stiche in Frage zu stellen.

Die Hohlsaumnähmaschine von Gebrüder Gegauf (Schweizer Patent Nr. 7281) in Steckborn (Thurgau, Schweiz) arbeitet mit zwei seitlich beweglichen, hinter einander an der Nadelstange angeordneten Nadeln und zwei unbeweglich an der Nadelstange befestigten Bohrern mit seitlicher Aushöhlung in der Weise, dass jede Nadel am zugehörigen Bohrer anliegen und mit ihrer Spitze in die Aushöhlung des letzteren greifen, sowie sich vom Bohrer in seitlicher Richtung wegbewegen kann; damit dabei ein genauer Eingriff des hinteren Bohrers, in die vom vorderen gestochenen Löcher erfolgt, wird der Stoff durch unter dem Stoffdrücker über Rollen geführte schrittweise bewegte Stofftransportbänder verschoben.

Die Nadelstange A (Fig. 22, 25 und 26) ist an ihrem unteren Ende mit einem nach vorn gerichteten A1 versehen. In der Nadelstange A und im Arm A1 ist je ein Bohrer B auf geeignete Art festgeschraubt, welcher beim Abwärtsgang der Nadelstange A ein Loch in den Stoff bohrt. Die Spitzen der Bohrer B liegen in der Transportrichtung des Stoffes genau hinter einander und sind um ein Vielfaches der Stichlänge von einander entfernt. Es muss |53| demnach der hintere Bohrer genau in die vom vorderen Bohrer gestochenen Löcher eintreten. Der untere, etwas abgebogene Theil des Bohrers B ist mit einer Aussparung b versehen, deren Zweck weiter unten erläutert werden wird. Der Bohrer B ist in der einmal eingestellten Lage unbeweglich und macht nur die Bewegung der Nadelstange A mit. In den an der Nadelstange A und dem Arm At befestigten Scheiben a (Fig. 26) sind die in der Kniehebelform gebildeten Nadelträger C drehbar befestigt, von welchen jeder eine Nadel D trägt. In Folge der drehbaren Lagerung des Trägers C kann die Nadel D eine vom Bohrer B weg und gegen ihn zuschwingende Bewegung ausführen und so zwei Stichreihen bilden, wie das später näher dargelegt wird. In der Grundstellung der Nadel D (Fig. 22 und 25) kommt deren Spitze in die bereits erwähnte Aussparung b des Bohrers B zu liegen, so dass in dieser Stellung nur die Bohrerspitze den Stoff durchsticht. Die Lanzettform des Bohrers wird hierbei durch die Nadel, die etwas kürzer ist als der Bohrer, vervollständigt, so dass das beim Abwärtsgang des Bohrers gebildete Loch im Stoff gleichmässig ausgeweitet wird. Die vordere Nadel macht ihre Schwingungen nach rechts (strichpunktirte Stellung Fig. 25), die hintere Nadel nach links oder umgekehrt. Der die seitliche Bewegung der Nadeln D herbeiführende Mechanismus hat folgende Beschaffenheit:

Auf der Hauptwelle E ist Zahnrad F befestigt, welches das im Support G gelagerte Stirnrad H in Drehung versetzt. Auf der gegen die Stirnplatte der Maschine gerichteten Seite des Rades H ist ein Curvenkamm h angebracht, gegen welchen die im Support G und in der Oese g geführte, wagerechte Schubstange Y in Folge der auf ihr angeordneten Spiralfeder i gepresst wird.

Das ösenartige Ende i1 der Stange Y umfasst das freie Ende der mit dem drehbaren Nadelträger C fest verbundenen Stange K und setzt mittels derselben den Nadelträger C und dadurch auch die Nadel in schwingende Bewegung. Da das Rad H die dreifache Zähnezahl des Rades F hat, so kommt auf je drei Stiche eine Schwingung der Nadel D. Um der hinteren Nadel gleichzeitig mit der vorderen eine analoge, jedoch in der Richtung entgegengesetzte Bewegung zu ertheilen, ist auf einem, im Arm L befestigten Stift l ein Balancier M drehbar angeordnet, dessen eines Ende m in die Schubstange Y für die vordere Nadel und dessen anderes Ende m1 in die Schubstange Y1 für die hintere Nadel greift (Fig. 24). Es ist nun klar, dass wenn sich die Stange Y nach links bewegt und die Schwingung der vorderen Nadel nach rechts bewirkt, sich die Stange Y1 nach rechts bewegen und die Schwingung der hinteren Nadel nach links bewirken muss. Es lassen sich ausser der als Beispiel angeführten noch andere Vorrichtungen zur Nadelbewegung, welche anstatt eine schwingende eine wagerechte Gleitbewegung sein kann, anwenden.

Um zu bewirken, dass der hintere Bohrer genau in die vom vorderen Bohrer gestochenen Löcher des Stoffes eingreift, ist eine Stoffschalt Vorrichtung angebracht, deren Einrichtung folgende ist:

Auf der Nabe des Stirnrades H ist das Excenter N (Fig. 22) befestigt, gegen dessen Peripherie das eine Ende des im Support G gelagerten Doppelhebels O mittels der Feder P (Fig. 23) gepresst wird. Der Doppelhebel O steht durch die Stange Q mit dem auf der Schaltwelle R lose angeordneten Arm S in Verbindung, welcher die Schaltklinke s trägt. Letztere steht mit dem auf der Welle R befestigten Schaltrad T im Eingriff und schaltet dasselbe nach jeder Umdrehung des Excenters N um einen Zahn vorwärts. Dem Uebersetzungsverhältniss zwischen F und H entsprechend findet nach jedem dritten Stich eine Schaltung des Rades T, bezieh. des Stoffes statt. Auf der Schaltwelle R ist die doppelspurige Rolle r befestigt, über welche die auf der Aussenseite durch Schmirgel gerauhten, unter dem Stoffdrücker U hindurchgeführten Stahlbänder r1 gelegt sind. r2 ist eine vorn an der Maschine, vorzugsweise verstellbar angebrachte, ebenfalls doppelspurige Gegenrolle. Diese Vorrichtung ermöglicht eine sehr genaue, absolut sichere Schaltung des mittels des Drückers U auf die Stahlbänder r1 gepressten Stoffes.

Um bei ungleich dicker Lage des Stoffes unter dem Stoffdrücker ein gleichförmiges Andrücken desselben zu bewirken, ist am Stoffdrücker U eine Stahlplatte U1 befestigt, aus welcher Lamellen u theilweise ausgeschnitten und abwärts ausgebogen sind. Fig. 28 und 29 zeigen diese Lamellen in der Seiten- und Unteransicht. Dieselben drücken den Stoff auf die Transportbänder r1, treten aber in Folge ihrer Federkraft an jenen Stellen in die respectiven Ausschnitte der Platte U1 zurück, an welchen der Stoff in zwei- oder mehrfacher Lage unter dem Stoffdrücker hindurchpassirt. Der Stoff wird demnach auf der ganzen Breite des Stoffdrückers auf die Unterlage gepresst und nicht nur an jenen Stellen, wo seine Lage mehrfach ist, wie das bei den bisherigen Stoffdrückern der Fall ist.

Die Wirkungsweise der vorliegenden Nähmaschine ist folgende:

Die Maschine arbeitet mit zwei Nadeln und zwei Schiffchen und es ist die Art der Stichbildung und der Verschlingung der Nadelfäden mit den Schiffchenfäden dieselbe wie bei allen Langschiffchennähmaschinen. Zwischen zwei auf einander folgenden Stoffschaltungen erfolgen drei Einstiche jeder Nadel. Da die Wirkungsweise beider Nadeln ganz analog ist, ist die Darlegung derselben auf die vordere Nadel und den vorderen Bohrer beschränkt. Beim ersten Einstich liegt die Nadel D am Bohrer B an (Fig. 22), so dass nur die Bohrerspitze den Stoff durchsticht, Bohrer und Nadel jedoch mit einander das Loch ausweiten. Bei diesem Einstich findet bei I (Fig. 31) die erste Bindung des Nadelfadens x durch den Schiffchenfaden y statt. Vor dem zweiten Einstich hat die Nadel D ihre Seitenbewegung gemacht (Fig. 25, punktirte Stellung), so dass sie bei dem nun erfolgenden Einstich den Seitenstich z erzeugt. Bei II erfolgt die zweite Bindung zwischen x und y. Vor dem dritten Einstich hat die Nadel D ihre Zurückbewegung zum Bohrer B ausgeführt. Bei diesem zusammen mit dem Bohrer B ausgeführten Einstich wird der Seitenstich z1 gebildet und bei III die dritte Bindung zwischen x und y bewirkt. Jetzt erfolgt die Fortschaltung des Stoffes und es wiederholt sich der Vorgang in der beschriebenen Art und Weise. Der über den Staffel St laufende Längsstich z2 erhält die Längsfaden in ihrer vom Bohrer und von der Nadel seitlich gedrängten Stellung. In ganz analoger Art vollzieht die hintere Nadel die Säumung der linken Saumseite, wobei der hintere Bohrer ganz genau in die vom vorderen gebildeten Löcher einsticht. Fig. 30 zeigt den Saum auf der Oberseite des Stoffes und Fig. 31 auf der Unterseite desselben.

Marie Elizabeth Hall in Boston, Nordamerika (D. R. P. |54| Kl. 52 Nr. 72140) stellt den Hohlsaum auf der Nähmaschine nicht in der Weise her, dass sie mittels geeigneter Nadeln Durchbrechungen im Stoff erzeugt und die hierbei verdrängten Fäden abbindet, sondern sie bildet den Hohlsaum in der Weise, dass sie zwei Stoffbahnen über einander liegend in gewissem Abstand durch Stiche verbindet und die so vereinigten Stoffbahnen dann in eine Ebene ausbreitet. Der zu diesem Zweck zwischen Stoffplatte der Nähmaschine und dem Drückerfuss derselben zu befestigende Apparat besteht aus einem Blocke, unter und über welchem die zusammenzunähenden Stoffstücke lagenweise vorbei bewegt werden, und aus einem besonderen Stoffschieber, welcher die Vorwärtsbewegung des Stoffes bewirkt. Dabei wird dieser Stoffschieber in dem Blocke hin und her bewegt und zwar in der Vorschubrichtung durch den eigentlichen Stoffschieber der Nähmaschine selbst und in der entgegengesetzten Richtung durch eine Feder oder andere geeignete Vorrichtung.

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Der Block A wird aus einem flachen, seiner äusseren Gestaltung nach rechteckigen Stück gebildet, dessen Dicke ungefähr der Breite des zu erzielenden Saumstiches gleich genommen wird (Fig. 32 bis 34). Zur Befestigung dieses Blockes an der Maschine dient eine zweckmässig aus federndem Metallblech bestehende Arm Verlängerung C desselben, deren Oberfläche sich in gleicher Höhe mit der Oberfläche b des Blockes befindet. Nach der Mitte seiner Länge zu besitzt der Arm C eine abwärtsgehende winklige Biegung C2, welche einen Absatz bildet, dessen Höhe ein wenig grösser ist, als die Dicke des Blockes beträgt. An diesen Absatz C2 schliesst sich ein flacher Theil C3, welcher in Seitenstücke C4 mit gebogenen Enden C5 ausläuft; die um die Stoffplatte D der Nähmaschine, beispielsweise einer solchen nach System Wilcox und Gibbs, herumgreifen. Dabei befindet sich der flache Theil C3 der Verlängerung C mit der Oberfläche der Stoffplatte in Berührung, während der Block A unterhalb und in der Längenrichtung des Drückerfusses D2 zwischen diesem und der Stoffplatte liegt, an welcher der ganze Apparat durch eine Stellschraube E (Fig. 32) festgehalten wird. Diese tritt lose durch eine in dem flachen Theile C3 vorgesehene Oeffnung hindurch und in ein Gewindeloch an der Stoffplatte ein.

In einer durch den Block A hindurchgehenden Oeffnung A2 ist in der Mitte, und zwar in der Längenrichtung der Oeffnung, eine Brücke A3A4 befestigt (Fig. 35). Die Oberfläche des vor der Maschinennadel F befindlichen Theiles A3 dieser Brücke liegt unterhalb und die Oberfläche des hinter der Nadel und um die Bewegungsbahn der Nadel herum sich erstreckenden Theiles A4 der Brücke liegt in gleicher Höhe mit der Oberfläche des Blockes. An der Stelle, wo beide Theile A3 und A4 an einander stossen, befindet sich ein steiler Absatz A5. Die untere Fläche der Brücke wird zweckmässig ein wenig oberhalb der unteren Fläche des Blockes liegend eingerichtet. In dem höher gelegenen Theile A4 der Brücke befindet sich eine senkrechte Durchgangsöffnung d für die Maschinennadel F. Von dieser Durchgangsöffnung d aus erstreckt sich eine Ausnehmung e bis nach dem hinter der Nadel gelegenen Ende des Theiles A4. Diese Ausnehmung liegt in der Bewegungslinie der beim Säumen entstehenden Stiche. Der Block A ist am vorderen und hinteren Ende an den unteren Kanten f und f2 abgerundet.

Der Stoffschieber B des Hohlsaumapparates ist seiner äusseren Gestaltung nach rechteckig und kürzer als die rechteckige Oeffnung A2 des Blockes und greift mit seinem vor der Durchgangsöffnung d für die Nadel gelegenen Theile B2 lose um den vorderen Theil A3 der Brücke A3A4 herum, wobei er an dieser Stelle, ebenso wie an seinen beiden aus einander gehenden Theilen B3, die Oeffnung im |55| Block lose ausfüllt. Dabei stösst in der gewöhnlichen Stellung das vor der Nadel gelegene Ende des Stoffschiebers gegen das entsprechende Ende der Oeffnung und ist von dem Absatz A5 der Brücke abgewendet, während die Enden der aus einander gehenden Theile B3 sich mindestens in einem der Grösse der hin und her gehenden Bewegung des Stoffschiebers zum Block entsprechenden Abstande von dem hinter der Nadel gelegenen Ende der Oeffnung befinden.

Die obere und untere Fläche des Stoffschiebers B, welche an den entsprechenden Seiten des Blockes frei zu Tage liegen, sind gerauht oder mit in der Querrichtung verlaufenden, parallelen Nuthen h versehen, welche oben und unten einander entgegen gerichtete Zähne bilden. Diese Zähne sind oben auf die ganze Länge der beiden Theile B3 des Stoffschiebers vertheilt und erstrecken sich auch in dem Falle unmittelbar vor dem Nadelloche d über den dort befindlichen Theil des Stoffschiebers, wo dieses Nadelloch sich statt im Block A, wie bisher angenommen, in dem Stoffschieber selbst befindet.

Nach Fig. 34 erstrecken sich die Zähne auf der unteren Seite des Stoffschiebers von dem Nadelloche d aus oder in einiger Entfernung von demselben bis nahe an das hintere Ende des vor der Nadel befindlichen Theiles des Stoffschiebers, während der übrige Theil der unteren Seite des Stoffschiebers glatt bleibt. Bei der gewöhnlichen Arbeitsstellung des Blockes B des Hohlsaumapparates befindet sich der glatte Theil der unteren Seite des Stoffschiebers B über den Zähnen des Theiles G des unteren Stoffschiebers hinter der Nadel, während gleichzeitig die Zähne an der unteren Seite des Stoffschiebers B oberhalb der Zähne am Theile G2 des unteren Stoffschiebers vor der Nadel liegen. Die Einrichtung dieses in Fig. 34 für sich veranschaulichten unteren Stoffschiebers GG2 und seines Antriebes bei Nähmaschinen, beispielsweise bei solchen nach System Wilcox und Gibbs, darf als bekannt vorausgesetzt werden und bedarf deshalb an dieser Stelle keiner näheren Beschreibung, zumal da diese Einrichtung einen Theil der Erfindung nicht bildet.

Durch die Zähne des unteren Stoffschiebers wird der auf der Stoffplatte D der Nähmaschine und unter dem Block A des Hohlsaumapparates liegende Stoff H (Fig. 32 und 33) in bekannter Weise nach der Nadel zu vorgeschoben. Gleichzeitig wird eine zweite Stofflage J oben auf den Block A und unter den Drückerfuss D2 gelegt und ebenfalls vorgeschoben, indem alsdann der Stoffschieber B des Hohlsaumapparates durch den unteren Stoffschieber GG2 der Maschine bewegt wird, welcher sowohl auf denjenigen Theil der unteren Stofflage wirkt, der unter dem glatten Theil der Unterseite des oberen Stoffschiebers B liegt, als auch auf denjenigen Theil dieser Stofflage, welcher sich zwischen den Zähnen an der unteren Seite des oberen Stoffschiebers B und den Zähnen der oberen Fläche des unteren Stoffschiebers GG2 befindet.

Nach jedesmaligem Vorschieben der beiden Stofflagen H und J bewegt sich der untere Stoffschieber nach abwärts von der unteren Stofflage hinweg, und beide Stoffschieber, der untere und der obere B, bewegen sich dann zurück, um von Neuem eine Vorschubbewegung auszuführen. Die Rückwärtsbewegung des Stoffschiebers B wird durch eine bogenförmige Feder K veranlasst, welche an ihrem einen Ende mit dem Stoffschieber verbunden und mit ihrem anderen Ende an der unteren Seite der Armverlängerung C des Blockes A befestigt und lose durch einen Schlitz des Blockes hin durchtritt.

Es erhellt, dass bei der während der Vorschubbewegung der beiden Stoffstücke sich vollziehenden Stichbildung bei jedem einzelnen Stiche ein loser Theil des Fadens von der einen Stofflage zur anderen gehen wird und dass die Länge dieses losen Fadentheils im Wesentlichen den durch die Dicke des Apparates bestimmten Abständen der beiden Stoff lagen von einander entsprechen wird. Jeder einzelne Stich wird sofort bei seiner Entstehung sammt seinem losen Faden von- der Nadelöffnung d aus durch die Ausnehmung e hindurch- und am offenen Ende derselben hinausbewegt.

Nach Abnahme von zwei in beschriebener Weise an einander genähten Stoffstücken von der Maschine zieht oder breitet man dieselben aus einander. Man hat dann einen Hohlsaum L (Fig. 32), welcher zwei Stofflagen M und N mit einander verbindet. Diese beiden Stofflagen M und N entsprechen den beiden Stofflagen H und J, welche in den Figuren als noch unter bezieh. über dem Apparat befindlich dargestellt sind. In Fig. 32 ist von beiden Stofflagen H und J ein Stück abgebrochen gezeichnet, um den Apparat besser ersichtlich werden zu lassen. An jeder Seite des Hohlsaumes L ist ferner eine gewöhnliche Naht N und O veranschaulicht.

Die Armverlängerung C des Hohlsaumapparates bildet mit ihrem nach unten gerichteten Absatze C2 einen begrenzten Hohlraum, in welchem ein Theil der unteren Stoff läge Platz hat, um an einer dem Abstande vom Absatz C2 entsprechenden Stelle mit einem Hohlsaum versehen werden zu können. Im Uebrigen bietet der Apparat keinerlei Hinderniss für eine beliebige Anlage und Handhabung der zu nähenden Stoffstücke H und J.

Wie bereits gesagt, ist es zweckmässig, die Armverlängerung C des Blockes A federnd einzurichten, da man dieselbe alsdann unbeweglich an der Maschine befestigen kann und dabei doch eine ausreichende Elasticität in senkrechtem Sinne gewährleistet ist, damit die Armverlängerung dem nach oben oder nach unten gerichteten Drucke des Stoffschiebers der Maschine und des Drückerfusses selbstthätig nachgeben kann. Es ist diese Eigenschaft der Armverlängerung indessen keineswegs durchaus erforderlich, sondern man kann dieselbe auch starr einrichten.

Bei Anwendung einer federnden Armverlängerung C empfiehlt es sich, dieselbe so einzurichten, dass man die federnde Wirkung regeln oder auch vollständig aufheben kann. Es lassen sich zu diesem Zweck verschiedene Einrichtungen treffen. Drei solcher Einrichtungen sind in den Zeichnungen veranschaulicht und sollen im Nachstehenden noch erläutert werden.

In Fig. 36 und 37 bezeichnet P einen Arm, der sich oberhalb der Armverlängerung C des Apparates bis nahe an den Block A erstreckt und um einen an der Armverlängerung angebrachten Zapfen P2 drehbar ist. Ein am Arm P befestigter Zapfen P7 bewegt sich über eine am flachen Theil C3 der Armverlängerung C vorgesehene erhöhte Führungsfläche C8. Dieser Zapfen kann mit Schraubengewinde ausgestattet sein, so dass man ihn vor und zurückschrauben kann. Je nachdem nun der Zapfen P7, wenn man den Arm P nach der einen oder anderen Richtung dreht, mehr oder weniger fest gegen die Führungsfläche C8 |56| zur Anlage kommt, wird der Block A sich weniger oder mehr gegenüber der Stoffplatte D der Maschine bewegen können. Ausserdem hängt der Grad von Beweglichkeit noch davon ab, ob der Arm selbst mehr oder weniger elastisch ist und wie der Zapfen P7 zur Führungsfläche C8 eingestellt ist.

In Fig. 37 bezeichnet m steile Absätze an beiden Enden der Führungsfläche C8 zur Begrenzung der Bewegung des Armes P nach jeder Richtung hin.

Nach Fig. 32 und 38 tritt der Arm P durch einen im Absatz C2 vorgesehenen wagerechten Schlitz P3 hindurch und geht dann zunächst im Bogen bei P4 nach aufwärts und bei P5 wieder nach abwärts, um schliesslich über der bereits erwähnten Führungsfläche C8 zu endigen.

Nach der in Fig. 39 veranschaulichten Ausführungsform wird der durch den Block A des Apparates ausgeübte Druck durch einen mit Schrauben köpf versehenen Zapfen P8 geregelt, welcher lose durch eine Oeffnung in der Arm Verlängerung hindurchtritt, die seinem Kopfe als Widerlage dient und welcher in die Stoffplatte D der Maschine eingeschraubt ist. Bei dieser Ausführungsform dienen zur Befestigung des Hohlsaumapparates in seiner Arbeitslage zwei Schrauben. von denen auf die eine, P8, oben Bezug genommen worden ist, während die andere, E, der ebenfalls bereits erwähnten und mit demselben Buchstaben bezeichneten Schraube entspricht, nur dass diese Schraube hier in gleicher Linie mit dem Schraubenzapfen und rechts von demselben in die Stoffplatte eintritt.

Statt an der Stoffplatte D der Nähmaschine kann der Hohlsaumapparat auch an der Stange D3 des Stoffdrückers D2 (Fig. 40), oder an dem in Fig. 40 nur theilweise sichtbaren Kopfe des Maschinenhalses befestigt werden. Zur Befestigung an der Stoffdrückerstange D3 kann ein bogen- oder U-förmiger Arm C9 verwendet werden. Derselbe ist in Fig. 40 durch voll ausgezogene Linien angedeutet und besteht zweckmässig aus federndem Metall. Er kann entweder von der rechten oder linken Seite (nach der Zeichnung von der linken) des Blockes A ausgehen und so weit zur Seite geführt sein, dass der Bogen ausreichend Platz zum Hindurchführen der oberen Stofflage bietet. Mit seinem anderen Ende wird der bogenförmige Arm C9 zusammen mit dem Drückerfusse durch eine Schraubenmutter D5 an dem nach unten verlängerten Zapfen der Stoffdrückerstange D3 gehalten. Zum Befestigen des Apparates am Kopfe der Maschine kann man, in gleicher Weise wie eben beschrieben, einen gebogenen Arm C10 (in Fig. 40 punktirt angedeutet) verwenden, den man mittels eines in den Kopf eingelassenen Blockes C11 durch Schrauben oder auf beliebige andere Weise am Kopf befestigt.

Im Vorstehenden ist bisher immer angenommen worden, dass der Hohlsaumapparat sich mit dem unteren Stoffschieber GG2 der Nähmaschine in Verbindung befindet. Man kann den Apparat aber auch mit dem oberen Stoffschieber E (Fig. 41) einer Nähmaschine verbinden, indem man dann einfach die bisher untere Seite des Stoffdrückers nach der oberen Seite des Blockes A kehrt und umgekehrt. Im Uebrigen ist die Wirkungsweise in diesem Falle im Wesentlichen die gleiche, wie bereits mit Bezug auf das Zusammenwirken des unteren Stoffschiebers GG2 der Maschine mit dem Stoffschieber B des Apparates beschrieben.

Der Stoffschieber B kann entweder, wie in Fig. 32, 33, 35, 41, aus nur einem oder aus mehreren Stücken bestehen, von denen sich jedes unter dem Einfluss einer besonderen Feder unabhängig vom anderen im Block A hin und her bewegt, in gleicher Weise, wie bereits mit Bezug auf den aus nur einem Stück bestehenden Stoffschieber beschrieben. Ferner können der Stoffschieber B einer- und die Seiten der Oeffnung A2 des Blockes A andererseits mit Nuth und Feder ausgestattet sein, welche zur Führung und Befestigung des Stoffschiebers B im Block A dienen. In diesem Falle könnte bei dem aus einem einzigen Stück bestehenden Stoffschieber die Brücke A3A4, sofern sie nur zur Führung und Sicherung des Stoffschiebers im Blocke dient, in Fortfall kommen, wogegen sie aber bei einem mehrtheiligen Stoffschieber wohl kaum entbehrlich sein würde, wenn nicht die Theile durch Nuth und Feder verbunden sind.

Nach den in Fig. 32, 33, 34, 35 verbildlichten Ausführungsformen kann man, nachdem man zuvor die Feder K aus dem Stoffschieber herausgezogen hat, diesen mit seinem vor der Nadel gelegenen Ende aus der bei A7 sich erweiternden Oeffnung A2 des Blockes herausnehmen.

Ein Gleiches gilt von dem in Fig. 42 gezeigten Stoffschieber B, sofern der Stoffschieber und der Block A in jeder Beziehung so eingerichtet wären, wie in Fig. 32 bis 35 angegeben. Nun sind aber in Fig. 42 der Stoffschieber und der Block mit Nuth und Feder ausgestattet. Ferner ist nach Fig. 42 die Brücke A3 A4 des Blockes abnehmbar eingerichtet, indem hier der Endtheil des Blockes A hinter der Nadel abnehmbar ist. Zu diesem Zwecke greift dieser Theil, sowie die Brücke mit flachen Seitenflügeln t an beiden Seiten in entsprechend geformte Nuthen an den Seiten der Oeffnung A2. Dabei ist eine zweitheilige federnde Zunge u vorgesehen, welche eine Fortsetzung der Brücke A3A4 bildet und beim Einbringen der letzteren in den Block in eine Hülse u2 eintritt, die in dem Endtheile des Blockes A vor der Nadel angebracht ist.

Diese Einrichtung ist an sich ausreichend, um die Brücke in ihrer Lage im Block zu sichern; indessen kann man diese Sicherung auch durch Schrauben wirksamer einrichten, welche die mit einander zusammenwirkenden Theile der Brücke und des Blockes am einen oder am anderen oder auch an beiden Enden zusammenhalten.

Bei der in Fig. 42 veranschaulichten Anordnung kann man die Brücke A3A4 und den Stoffschieber leicht aus dem Block herausnehmen und in denselben wieder einsetzen. Man kann also ein und denselben Block für verschiedene Stoffschieber verwenden.

Sämmtliche bisher beschriebenen Ausführungsformen können sowohl bei Nähmaschinen mit unterem, als auch bei solchen mit oberem Stoffvorschub angewendet werden, wobei die Wirkungsweise im einen wie im anderen Falle im Wesentlichen dieselbe ist, wie im Vorstehenden bereits beschrieben worden ist und nachstehend in Bezug auf verschiedene Einzelheiten noch näher erläutert werden soll.

Um den Durchgang der Stofflagen zu erleichtern, sind, wie bereits erwähnt, die unteren Kanten f und f2 am vorderen und hinteren Ende des Blockes A abgerundet. Die beim Zusammennähen der beiden Stofflagen entstehenden Stiche gelangen durch die von dem Nadeldurchgange d ausgehende Ausnehmung e nach aussen. Es empfiehlt sich, wie bereits erwähnt, den Stoffschieber nach dem hinter der Nadel gelegenen Ende zu glatt einzurichten, damit der |57| Stoff bei der Rückkehrbewegung des Stoffschiebers B nicht etwa mitgenommen werden kann.

Es ist ferner zweckmässig, dem Stoffschieber B in Bezug auf den Block mehr oder weniger Beweglichkeit in senkrechtem Sinne zu geben, damit er, wenn er sich nicht unter dem Einfluss des Stoffschiebers der Maschine befindet, sich so weit vom Stoffe frei machen kann, dass er denselben alsdann nicht etwa mitnimmt.

Der Block A und die Vorrichtungen, durch welche dieser in seiner gewöhnlichen Lage an der Maschine gehalten wird, bilden, soweit bisher auf diese Theile Bezug genommen worden ist, ein zusammenhängendes Ganzes. Es empfiehlt sich aber, den Block und die genannten Theile so einzurichten, dass sie aus einander genommen werden können, damit man die Theile auswechseln und für Blöcke verschiedener Dicke verwenden kann, und damit man ferner dieselben Blöcke in Verbindung mit verschiedenartigen Festhalte Vorrichtungen verwenden kann, je nachdem diese für Maschinen verschiedener Systeme in der einen oder in der anderen Weise eingerichtet sein müssen. In Fig. 43 einer- und Fig. 32 und 38 andererseits sind zwei verschiedenartige Einrichtungen zu diesem Zweck gezeigt.

In Fig. 43 ist die Armverlängerung C, welche, wie bisher angenommen, an dem Block befestigt war, nicht an diesem befestigt. An dem seitlichen Rande, von welchem, wie bisher beschrieben, die Armverlängerung C ausging, ist der Block mit einem Ansatz C12 ausgestattet, an dessen einander entgegengesetzt gerichteten Enden ein gebogener Theil C13 sich befindet. An dem Arme C sind zwei Querschlitze vorgesehen, deren Breite und Länge der Grösse der Theile C13 entspricht. Letztere treten durch diese Schlitze hindurch und legen sich gegen die untere Seite des Armes C an, während die Ansätze sich gegen die obere Seite desselben anlegen. Die auf diese Weise verbundenen Theile C und C12 lassen sich leicht aus einander nehmen. Man kann sie auch, wenn sie in beschriebener Weise mit einander verbunden sind, mittels hindurchgehender Schrauben an einander befestigen. Indessen wirkt auch die bereits beschriebene bogenförmige Feder K dahin, ein etwaiges zufälliges Auseinandergehen der erwähnten Befestigungstheile zu verhindern.

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