Titel: Die Hartlothe für Messing.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1894, Band 293 (S. 89–93)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj293/ar293021

Die Hartlothe für Messing.

Von R. Schwirkus in Charlottenburg.

(Schluss des Berichtes S. 64 d. Bd.)

Erläuterungen zu Tabelle 2 (S. 92, 93).

Die Hartlothe sind, soweit dies möglich war, nach ihrer Zusammensetzung geordnet und die hierher gehörigen Versuchsschmelzen an den richtigen Stellen eingefügt worden. Diese Schmelzen hatten nur den Zweck, den Einfluss geringer Veränderung in der Zusammensetzung festzustellen.

Bei den Resultaten der Löthversuche fällt es auf, dass eigentlich nur wenige der Lothe, streng genommen deren acht, zu schwerflüssig und für Messing gänzlich ungeeignet sind. Dies erklärt sich aus dem Umstand, dass, wie bereits erwähnt, dasselbe Messing zu den Rohren und den Lothen Verwendung gefunden bat. Anderes Messing in den Lothen hätte auch hier ganz andere Resultate ergeben. Bei den Angaben über die Hämmerbarkeit bemerkt man, dass letztere nicht, wie man vermuthen sollte, mit zunehmendem Kupfergehalt wächst, sondern dass dieselbe von einer bestimmten Mischung an nach oben und unten abnimmt. Bei der Messing-Zink-Reihe spricht sich dies ganz deutlich aus, die grösste Hämmerbarkeit liegt dort zwischen Nr. 3 und Nr. 6 mit etwa 52 und 48 Proc. Kupfergehalt. Bei der Kupfer-Zink-Reihe zeigt Nr. 13 mit 46 Proc. Kupfer die grösste Dehnbarkeit. Lothe mit mehr als 65 Proc. Zinkgehalt können als ausreichend hämmerbar nicht mehr gelten.

Da auch von den geringsten Löthungen noch immer ein gewisses Maass von Festigkeit verlangt werden muss, so ist als untere Grenze der Hämmerbarkeit die Flanschbreite von 0,75 mm nach vorgegangenen Versuchen als erforderlich für Löthungen in mechanischen Werkstätten festgestellt worden. Die meisten der hämmerbaren Lothe gehen über eine Flanschbreite von 10 mm nicht hinaus; dies ist für den ersten Augenblick auffällig, da gerade diese Lothe der Messing-Zink- und der Kupfer-Zink-Reihe von den Kupferschmieden verarbeitet werden. Letztere und ähnliche Blecharbeiter, welche die Arbeit an den gelötheten Gegenständen mit dem Hammer vollenden, glühen aber ihre vom Hämmern hartgewordenen Arbeitsstücke wieder aus, um sie für die weitere Bearbeitung weich zu machen; sie geben also dem hart gehämmerten Lothe die ursprüngliche Zähigkeit |90| wieder. Die Mechaniker hämmern dagegen die vom Löthen weich gewordenen Gegenstände hart und dicht und verarbeiten sie ohne neues Ausglühen in hartem Zustand. Die zuerst erwähnten Handwerker Löthen zumeist Blech, welches dem Hammer leichter nachgibt als massives Metall, das fast ausschliesslich von den Mechanikern verarbeitet wird. Dies ist auch der Grund, weshalb die letzteren mit einem verhältnissmässig schwerflüssigen Lothe nicht sicher arbeiten können.

Von den untersuchten 38 Hartlothen fallen in Bezug auf Brauchbarkeit für Messing 14 wegen zu geringer bezieh. fehlender Hämmerbarkeit ganz heraus. Es sind dies sämmtlich leicht- bis sehr schnellflüssige Lothe, und zwar die Nr. 9, 15, 18–22, 25–29, 36 und 38. Als zu schwerflüssig sind mit Berücksichtigung aller Umstände diejenigen erkannt worden, deren Schmelzzeit mehr als 14 der oben erwähnten Zeitintervalle beträgt. Dazu gehören Nr. 1–5, 10–14, 16, 17, 23, 30, 31, 33, 34 und 37. Als maassgebend für die Beurtheilung dieser Hartlothe galt ausser dem für Messing überhaupt zu hochliegenden Schmelzpunkt zu träges Fliessen und leichte Oxydirbarkeit im Feuer.

Von den verbleibenden 6 Lothen, die nun die eigentlichen Messinglothe darstellen sollen, fallen wieder die Nr. 6, 7 und 8 heraus, da Messing zu ihrer Herstellung Verwendung finden muss. Ausserdem ist es fraglich, ob ihre Hämmerbarkeit sich ebenso günstig gestalten wird, wenn anderes Messing benutzt wird. Nr. 24 und 26 sind nicht hämmerbar genug; so bleibt von allen untersuchten 38 Hartlotben nur eines, welches allen Anforderungen wirklich entspricht. Es ist dies das wenig bekannte, aber doch in manchen Werkstätten mit grösstem Erfolg benutzte Loth Nr. 32 mit Silberzusatz. Dasselbe ist für Messing jeder Art vollkommen leichtflüssig genug, seine Hämmerbarkeit übertrifft die der gebräuchlichen Lothe um das Doppelte. Das ähnlich zusammengesetzte, allerdings zu schwerflüssige Loth Nr. 31 zeigt eine ganz ungewöhnliche, völlig unerwartete Dehnbarkeit; es sind daher auf Grund dieser Vorzüge weitere Versuche mit solchen Lothen angestellt worden.

5. Erniedrigung des Schmelzpunktes mit gleichzeitiger Erhöhung der Hämmerbarkeit. (Hierzu Tabelle 3 und 4.)

Für die erwähnten Versuche wurden die Lothe der Kupfer-Zink-Reihe mit einem Silberzusatz von 2–6 Proc. neu hergestellt. Die nachstehende Zusammenstellung der Schmelzzeiten und der Dehnbarkeitsziffern lassen das damit erreichte günstige Resultat sofort erkennen.

KupferZink. KupferZinkSilber.

Nr.
Zusammen-
setzung
(Gewichts-
theile.)
Schmelz-
zeit.
Hämmer-
barkeit.

Nr.
Zusammen-
setzung.
(Gewichts-
theile.)
Schmelz-
zeit
Hämmer-
barkeit.

10
61 Kupfer
39 Zink

19,2

2

39
59 Kupfer
39 Zink
2 Silber

15,6

3

11
56 Kupfer
44 Zink

19

2

41
53 Kupfer
43 Zink
4 Silber

14,5

5

12
51 Kupfer
49 Zink

15,6

2

42
48 Kupfer
48 Zink
4 Silber

13,8

5

13
46 Kupfer
54 Zink

14,8

3

43
42 Kupfer
52 Zink
6 Silber

13,4

6

Trotzdem bei Nr. 39 der Schmelzpunkt sehr heruntergegangen ist, bleibt dieses Loth für Messing zu schwerflüssig. Nr. 41–43 haben dagegen so niedrige Schmelzzeit und so hohe Hämmerbarkeit erhalten, dass namentlich Nr. 42 und 43 sich als recht gute Lothe erweisen. Sie werden im Feuer so dünnflüssig, dass sogar Nr. 41 befriedigende Resultate ergeben hat, obwohl dieses Loth zu den strengflüssigen gehört.

Bei der einheitlichen Zusammenstellung in Tabelle 3 ist die Analyse des ausserordentlich dehnbaren Lothes Nr. 31 unter Nr. 40, eine Controlschmelze des Lothes Nr. 32 unter Nr. 44, eine weitere Versuchsschmelze mit 12 Proc. Silber unter Nr. 45 eingefügt. Das Silberloth Nr. 46 gehört streng genommen nicht hierher, es ist aber seiner häufigen Verwendung wegen analysirt und ebenfalls untersucht worden.

Bei der Vergleichung der Schmelzzeiten der Lothe Nr. 40 und 41 fällt es auf, dass das kupferreichere Loth Nr. 41 das leichtflüssigere ist. Ein Herstellungsfehler liegt nicht vor, da letzteres

Textabbildung Bd. 293, S. 90
|91|

gerade mit Rücksicht auf die Abweichung zweimal hergestellt und sorgfältig untersucht worden ist. Den Zahlenangaben des Lothes Nr. 40 liegt die Analyse zu Grunde. Die Ursache der Erscheinung dürfte wohl allein in der Anwendung des verschiedenen Materiales zu suchen sein. Zur Herstellung von Nr. 40 ist Messing, zu Nr. 41 dagegen Kupfer verwandt worden. Beide Lothe sind übrigens ziemlich gleichwerthig.

Der Gang des Silberzusatzes von Nr. 39 ab bis Nr. 46 lässt deutlich erkennen, dass mit abnehmendem Kupfergehalt der Silberzusatz zuerst weniger, später aber ganz erheblich gesteigert werden muss, wenn die Lothe hämmerbar bleiben sollen.

Auf Tabelle 4 sind die Resultate der Löthproben mit den neun verschiedenen Messingsorten angegeben. Danach ist der gute Erfolg beim Hartlöthen von Messing von Nr. 41 ab sicher. – Der Unterschied der Schmelzpunkte der beiden Lothe Nr. 40 und 41 macht sich auch hier bemerkbar.

6. Der Einfluss des Zinnzusatzes auf die Hämmerbarkeit der Hartlothe.

Aus Tabelle 2 (S. 92, 93) ist ersichtlich, in welcher Weise man bemüht gewesen ist, den Schmelzpunkt der Lothe herabzusetzen. Es ist dazu in je einem Falle Cadmium und Wismuth, sonst aber stets Zinn benutzt worden. Diese Lothe zeigen alle wenig oder gar keine Hämmerbarkeit. Namentlich ist in dieser Beziehung der Vergleich der Lothe Nr. 33 ohne und Nr. 34 mit 1,5 Zinnzusatz lehrreich. Um festzustellen, bis zu welchem Grade das Zinn im Hartloth unschädlich ist, wurde ein mittleres hämmerbares Loth aus 76 Theilen Messing und 27 Theilen Zink mit 1 bis 6 Proc. Zinngehalt hergestellt und untersucht.

Tabelle 5 ergibt, dass mit steigendem Zinnzusatz Schmelzzeit und Hämmerbarkeit ganz regelmässig abnehmen. Mit 5 Proc. Zinngehalt ist das Loth wohl leichtflüssig genug geworden, allein es hat seine Zähigkeit gänzlich eingebüsst. Hiernach darf ein Kupfer-Zink-Loth, das auch nur geringere Hämmerbarkeit besitzen soll, nur äusserst wenig Zinn enthalten. Ein so kleiner Zinnzusatz hat aber nicht die gewünschte Schmelzpunkterniedrigung zur Folge. Der schädliche Einfluss des Zinnes kommt stets zur Geltung, wie dies das Loth Nr. 23 mit dem hohen Kupfergehalt von 72 Proc., und nur 3 Proc. Zinn mit seiner verhaltnissmässig sehr geringen Hämmerbarkeit (172) zur Genüge beweist.

Tabelle 4.



Marke.
Nr. 39.
59 Th. Kupfer
39 „ Zink
2 „ Silber
Nr. 40.
50 Th. Kupfer
46 „ Zink
4 „ Silber
Nr. 41.
53 Th. Kupfer
43 „ Zink
4 „ Silber
Nr. 42*.
48 Th. Kupfer
48 „ Zink
4 „ Silber
Schmelz-
zeit.

15,6

15,2

14,5

13,8
Neue Berliner Messingwerke
16,8

Verbrannt
An der
Grenze

Gut

Gut
Englisches Messing (Jens Müller, Söhne), Hamburg
17,2

Verbrannt
An der
Grenze

Gut

Gut
Basse und Selve, Altena
17,6

Verbrannt
An der
Grenze

Gut

Gut
K. und G. Schmoele, Menden
18,8

Verbrannt
An der
Grenze

Gut

Gut
Elbinger Messingwerke
18,8

Verbrannt
An der
Grenze

Gut

Gut
Julius und August Erbsloeh, Barmen
19,4
An der
Grenze

Gut

Gut

Gut
Ulmer Messingwerke (Max Kochius, Berlin S.) 21 Gut Gut Gut Gut
Dürener Messingwerke 22,6 Gut Gut Gut Gut
Sächsische Messingwerke, Auerhammer 23 Gut Gut Gut Gut

* Nr. 42 ist nur der grösseren Sicherheit halber bei diesen Versuchen mit in Betracht gezogen worden; die Resultate mit Nr. 41 sind für sich allein schon maassgebend.

Tabelle 5.

Textabbildung Bd. 293, S. 91
|92/93|

Tabelle 2.

Textabbildung Bd. 293, S. 92–93
|93|

Schlussbemerkungen.

Nach den gefundenen Resultaten sind für den Gebrauch in mechanischen Werkstätten folgende Hartlothe für Messing zu empfehlen:

Laufende Nr. Zusammen-
setzung
(Gewichts-
theile.)


Anwendung
Kupfer Zink Silber
41 53 43 4 Nur für besonders schwerflüssige Messingsorten.
42 48 48 4 Für mittleres Messing, erste Löthungen.
43 42 52 6 Für Blech und Draht.
44 43 48 9 Für zweite Löthungen, sowie für den gewöhn-
lichen Gebrauch in der Werkstatt.
45 38 50 12 Für dritte Löthungen und als Ersatz für alle
zinnhaltigen schnellflüssigen Hartlothe.

Im Allgemeinen dürften die Lothe Nr. 42, 44 und 45 für jede Werkstatt ausreichen. Die Lothe Nr. 39 und 40, sowie im Anschluss hieran Nr. 42 können recht gut für kupferne Apparate Verwendung finden, die geringe Beimengung des Silbers macht das Ausglühen weniger nothwendig, so dass die Einführung dieser Lothe für die Kupferarbeit trotz des etwas höheren Preises immer noch der Zeit- und Arbeitersparniss wegen als Vortheil erscheint. Die Lothe Nr. 42 bis 45 sind so sicher, dass nur grosse Ungeschicklichkeit Schaden anrichten kann; sie fliessen ganz vorzüglich. Ihre Hämmerbarkeit ist doppelt so gross, als die der gewöhnlichen bekannten Hartlothe der Kupferschmiede; sie sind mit Ausnahme von Nr. 45 ziehbar.

Das Silberloth Nr. 46, das eigentlich nur zum Löthen von Silber dient, ist nun entbehrlich geworden, da es nicht leichter fliesst als Nr. 45, und seine Verwendung des hohen Silbergehaltes wegen keinesfalls als ökonomisch für mechanische Werkstätten bezeichnet werden kann.

Durch die mitgetheilten Untersuchungen sind nun Hartlothe für Messing gefunden, die geeignet erscheinen, den Unsicherheiten in der Hartlöthtechnik ein Ende zu bereiten. Ihre Herstellung in stets gleichbleibender Zusammensetzung bietet nach dem angegebenen Verfahren keine Schwierigkeit. – Eine durchgreifende Besserung der erwähnten Misstande in mechanischen und verwandten Betrieben kann jedoch nicht früher erwartet werden, als bis die Werkstätten sich dazu entschliessen, die Hartlothe für Messing lieber selber herzustellen, als dieselben von Fabrikanten zu beziehen, deren Zuverlässigkeit nicht genügend bekannt ist.

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