Titel: Einige Versuche über die sogen. Wasserfallelektricität.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1894, Band 293/Miszelle 2 (S. 24)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj293/mi293mi01_2

Einige Versuche über die sogen. Wasserfallelektricität.

Die sogen. Wasserfallelektricität entsteht durch das Aufschlagen von Wassertropfen auf Wasser oder einen benetzten Körper; das Wasser wird positiv elektrisch, während die Luft mit negativer Ladung von der Stelle des Auffallens entweicht. Die vorliegende Abhandlung bestätigt Lenard's Beobachtungen vollkommen und enthält die Beschreibung einiger Versuche, wie sich die Wasserfallelektricität in einfacher Weise demonstriren lässt.

Lässt man z.B. aus einer an eine Wasserleitung angeschlossenen Brause das Wasser in eine metallene Badewanne stürzen und stellt daneben ein mit einem Flammencollector – versehenes Exner'schen Elektroskop auf, so ladet sich letzteres stark negativ. Lässt man aus einem höher gehängten Gefässe durch eine Spitze Wasser in einen an Seidenfäden aufgehängten, mit einer Auffangplatte versehenen Zinkeimer tröpfeln, so zeigt sich der Eimer bald stark positiv elektrisch.

Diese von Lenard angegebenen Versuche gelangen dem Verfasser sehr leicht. Bei seinen weiteren Versuchen bediente sich derselbe eines gewöhnlichen Zerstäubers mit Gummigebläse, um einen Wassernebel zu erzeugen. Stellt man den Zerstäuber so auf, dass sein Ausflussrohr den Rand einer isolirt aufgehängten, etwas destillirtes Wasser enthaltenden Metallwanne nur wenig überragt, und setzt ihn in lebhafte Thätigkeit, so dass der Wasserstaub über die Wasserfläche hinstreicht, so nimmt die Wanne starke positive Ladung an. Wird der Nebel senkrecht gegen die Oberfläche des Wassers geblasen, so ergibt sich ein merklich langsameres Anwachsen der Ladung der Wanne. Das Blasen schief aufwärts, wobei der Wasserstaub in die Wanne hineinregnet, wirkt wie das Blasen in wagerechter Richtung. Richtet man den Zerstäuber gegen eine isolirte senkrechte Messingplatte, welche mit einem Elektrometer verbunden ist, so nimmt letzteres eine positive Ladung an. Mit einem in der Nähe der Platte aufgestellten Flammencollector zeigt man die negative Ladung der Luft, was besonders gut dort glückt, wo die Luft von der Platte wegstreicht.

Man kann auch die anzuspritzende Metallfläche, z.B. ein Neusilberblech, an einem nicht zu flachen, metallenen Auffanggefässe, das isolirt aufgehängt und mit einem Goldplattelektroskop verbunden ist, befestigen, und dagegen den Zerstäuber richten, oder einfach in ein solches mit dem Elektroskop verbundenes Gefäss kräftig hineinstäuben, wobei letzteres trocken sein oder Wasser enthalten darf; die Wasserelektricität wird sich auf solche Weise deutlich nachweisen lassen. Auch eine gläserne Spritzflasche kann man statt des Zerstäubers verwenden, nur darf nicht der zusammenhängende Strahl die Scheibe treffen, sondern der in Tropfen aufgelöste. Das Wasser lässt sich auch durch Alkohol ersetzen.

Der Verfasser hat verschiedene Vorsichtsmaassregeln, z.B. ein Schutznetz u. dgl. angewandt, um seinen Resultaten keine falsche Deutung zu geben, und allenfallsige Einwürfe hinreichend berücksichtigt. Wir begnügen uns, die prägnantesten Versuche herauszugreifen.

(Elektr. Zeitschr.)

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