Titel: Gewichte aus Yellow-Metall.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1894, Band 293/Miszelle 3 (S. 120)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj293/mi293mi05_3

Gewichte aus Yellow-Metall.

Gewichte aus Eisen haben den grossen Uebelstand, dass sie sich leicht verändern. Namentlich im Verkehr mit Salz und salzhaltigen Gegenständen werden solche Gewichte schon nach kurzem Gebrauche unrichtig sein, so dass für diesen Verkehr Eisengewichte geradezu als unbrauchbar gelten müssen. Es hat darum schon seit längerer Zeit das Bestreben bestanden, sie gegen äussere Einflüsse widerstandsfähiger zu machen bezieh. durch Gewichte aus einem anderen Material zu ersetzen, welches grössere Unveränderlichkeit besitzt und im Preise vom Eisen nicht allzusehr abweicht. Nach mit verschiedenen Metallen angestellten Versuchen scheint die im Handel als Yellow-Metall bezeichnete Legirung aus etwa 60 Proc. Kupfer und 40 Proc. Zink besser zu Handelsgewichten sich zu eignen als Eisen. Ein Satz von Gewichten aus dieser Legirung ist ein Jahr hindurch von einer Berginspection in einem Salzmagazin zu Wägungen von Salzmassen ständig verwendet worden. Obwohl alle seine Stücke, entsprechend ihrem starken Gebrauch, völlig mit Schrammen und Stosspuren bedeckt, wieder eingegangen sind, ist doch ein entsprechender Substanzverlust mit diesen Verletzungen nicht verbunden gewesen, weil die Stösse in der Hauptsache nur zu glatten Vertiefungen geführt haben. Die hieraus sich ergebende Zähigkeit des Materiales im Gegensatz zu der grossen Brüchigkeit besonders des verrosteten Gusseisens ist als der erste wesentliche Vorzug zu betrachten. Demnächst fand sich die Farbe und das äussere Ansehen des Materiales, abgesehen von dem grossentheils abgegriffenen oder abgesprungenen Lacküberzug, fast unverändert, so dass auch chemisch nur eine geringe Einwirkung auf die Gewichte stattgefunden haben kann. Der Lacküberzug hat sich besonders am Boden abgerieben, und vermuthlich ist damit auch ein kleiner Materialverlust verbunden gewesen. Daraus erklären sich in erster Linie die Ergebnisse der vorgenommenen Nachwägung, nämlich durchweg leichte Gewichtsverluste. Es hat jedoch nach mehr als einjährigem Gebrauch bei keinem der Gewichtsstücke die Veränderung die Verkehrsfehlergrenze erreicht; die beiden grössten Gewichte von 10 und 20 k sind sogar innerhalb der Aichfehlergrenze verblieben. Folgende Gewichtsverluste sind festgestellt worden:

Bei dem Stück
zu

Gewichtsverlust
Verkehrs-
fehlergrenze
20 k 1,80 g 8 g
10 „ 1,87 „ 5 „
5 „ 1,36 „ 2,5 „
2 „
2 „
1,00 „
1,02 „

1,2 „
1 „ 0,59 „ 0,8 „

Die Abnutzung im Vergleich zur Masse überwiegt naturgemäss bei den kleineren Stücken, entsprechend der im Verhältniss zur Masse grösseren Oberfläche dieser Stücke. Sie ist aber im Ganzen so gering, dass behauptet werden kann, die Gewichte haben sich unter den ungünstigsten Umständen, unter denen Eisengewichte zur Verwendung kommen, besser gehalten, als Eisengewichte unter den günstigsten Umständen. Denn es zeigt sich, dass, um die Gewichte aus Yellow-Metall für den Verkehr mit Salz und salzhaltigen Waaren dauernd innerhalb der Verkehrsfehlergrenze richtig zu erhalten, für die Stücke von 2 und 1 k eine einjährige, für die grösseren Stücke sogar eine zweijährige Nachaichung ausreicht, zumal wenn sie dabei um ein wenig innerhalb der Aichfehlergrenze zu schwer gelassen werden, während für Eisengewichte diese Fristen bekanntlich bereits im gewöhnlichen Verkehr nur zum Theil genügen. Offenbar unpraktisch hat sich aber der Lackanstrich gezeigt. Derselbe haftet auf dem glatten Metall nicht fest genug – Gusseisen ist darin weit günstiger – und ist ausserdem völlig überflüssig. Es ist sogar anzunehmen, dass die Gewichte ohne den Lackanstrich sich noch weit besser gehalten haben würden.

Das Ergebniss des Versuches ist deshalb dahin zusammenzufassen, dass Gewichte aus Yellow-Metall im Salzverkehr bei zeitweiliger Nachaichung vollkommen richtige Wägungen und dabei eine fast unbegrenzte Dauer gewährleisten, während Eisengewichte schon nach wenigen Wochen einer Zerstörung anheimfallen, welche auch nur einigermaassen richtige Wägungen ausschliesst und sich anfangs immer nur auf dieselbe kurze Zeit wieder beseitigen lässt, bis in wenigen Jahren das Stück ganz unbrauchbar wird.

Das Yellow-Metall ist, als zur Messinggruppe gehörig, an sich als Material für Gewichte zulässig, doch kann es als Ersatz für Eisen nur in Frage kommen, wenn an den daraus gefertigten Gewichten die Kosten der Bearbeitung gespart, die Gewichte also mit Justirhöhlungen versehen werden dürfen, wie sie der Probesatz hatte. Das Bedürfniss erstreckt sich jedoch nicht auf kleinere Gewichte als 0,5 k, weil gewöhnliche Messinggewichte von 200 g und weniger so billig sind, dass sie allerorten als Ersatz dienen können; es handelt sich demgemäss nur um Gewichtsgrössen, in denen die Formen eiserner und anderer Gewichte übereinstimmen.

Nachdem nunmehr durch Bekanntmachung vom 8. Mai d. J. überhaupt bei Gewichten aus allen beliebigen vorschriftsmässigen Materialien Justirhöhlungen zugelassen sind, kann auch das Yellow-Metall zu Handelsgewichten in Gebrauch genommen werden, so dass zu hoffen steht, dass den mit dem Gebrauch der Eisengewichte vielfach verbundenen Uebelständen Abhilfe geschaffen werden wird. (Mittheilungen der Kaiserlichen Normal-Aichungscommission vom 14. Juli 1894.)

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