Titel: Neuerungen in der Papierfabrikation.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1894, Band 294 (S. 1–8)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj294/ar294001

Neuerungen in der Papierfabrikation.

Von diplom. Ingenieur Alfred Haussner.

(Vorhergehender Bericht Bd. 292 S. 97.)

Mit Abbildungen.

Zerkleinerung der Rohmaterialien.

a) Holländer.

Als Haupttheil der Holländer beanspruchen die Messerwalzen und in diesen die Messer besondere Beachtung und Fürsorge. Es ist ja unvermeidlich, dass auch Messer mit den besten Eigenschaften allmählich abgenutzt werden und Spänchen von dem abgearbeiteten Materiale in den Zeug gelangen. Stahl- oder Eisenspäne rosten aber dabei ganz sicher und erzeugen, wenn dieselben trotz Sandfang und ähnlicher Einrichtungen ins Papier gelangen, Rostflecken. Bei Packpapieren und anderen ordinären Sorten mag es wohl nicht viel verschlagen, wenn dies geschieht. Unbedingt vermieden werden müssen aber die Rostflecken bei weissen Papieren. Daraus folgt aber, dass für solche Fälle Bronzemesser oder doch solche aus einem Materiale gewählt werden müssen, welches die Gefahr einer Rostfleckenerzeugung nicht mit sich bringt. Dabei ist es wünschenswerth, den Härte- und Festigkeitseigenschaften des Stahles so nahe wie möglich zu kommen. Diese Aufgabe ist recht schwer zu lösen, wie die häufigen Klagen über schlechte Bronzemesser beweisen. Einerseits soll das Material der Messer hinreichende Festigkeit, andererseits auch eine gewisse Härte und doch entsprechende Zähigkeit besitzen. Um all dem gerecht zu werden, müssen unbedingt gewissenhafte Versuche in hinreichender Zahl ausgeführt werden.

Textabbildung Bd. 294, S. 1
Die Dürener Metallwerke und andere haben sich dieser mühevollen Arbeit unterzogen und ihren Erfahrungen gemäss eignen sich Bronzemesser sehr gut, welche noch wenigstens 50 k/qmm absolute Festigkeit und eine Streckgrenze von 45 k für 1 qmm bei einer Dehnung von mindestens 15 Proc. aufweisen. Die genannten Werke erzielen dabei noch eine hohe Indifferenz gegen Säuren und Alkalien, was ja für den vorliegenden Zweck nicht zu unterschätzen ist.

Von neueren Holländerconstructionen sehen wir in Fig. 1 eine durch englisches Patent Nr. 23130 vom 15. December 1892 geschützte von T. S. Tait und J. Hood. Sie hat die gewöhnliche Anordnung mit wagerecht liegender Walze D in der einen Abtheilung des zweitheiligen Troges; an das kleine Grundwerk schliesst sich eine Wand J bis zur Höhe des Kropfes ziemlich knapp an die Walze an und es reicht etwas unter der höchsten Kropfstelle eine scharfe Kante F so nahe wie möglich an die Walze, um mitgenommenen Stoff abzustreifen, diesen zu zwingen, über die Wand L herabzugehen, und im regelmässigen Umlaufe erst wieder von unten zur Walze zurückzukehren. Das ist sicher nicht schlecht für die Gleichmässigkeit des Productes, ist aber auch, wenigstens in Deutschland, nicht neu, wo überdies die Holländertröge noch praktischer hergestellt werden, derart, dass der plötzliche Fall, die starke Neigung der Wand L, vermieden und dafür das Gefälle einigermaassen vertheilt wird, so dass ohne weitere Mithilfe ein besserer „Zug“ im Holländer zu erreichen ist. Bei der vorliegenden Anordnung ist es wohl als ausgeschlossen zu betrachten, dass der Holländermüller ohne Rührscheit auskommt.

Textabbildung Bd. 294, S. 1
Bekannt ist, was mir auch einschlägige Versuche bestätigt haben, der Einfluss, welchen das Fliessen des Stoffes in verschiedenen Entfernungen von der Mittelwand ausübt; es gelangen eben nicht alle Stoffpartien gleich oft in derselben Zeit zwischen Grundwerk und Walze, so dass auch selbst bei ganz gleichmässigen Lumpen ungleichmässiger Zeug entsteht. Allerdings bewirken die unvermeidlichen Wirbel; insbesondere in der Nähe des Kropfes, dass der Zeug zum Theil durch einander gemischt wird, ein Uebriges geschieht auch mit dem Rührscheit. Würde der Stoffstrom nur immer in gerader Richtung sich bewegen, so kämen alle Theile gleich oft zur Bearbeitung; je länger also die geradlinigen Theile des Troges im Verhältniss zum gekrümmten ausfallen, desto weniger wird der oben bemerkte Umstand eintreten. Stark fühlbar wird er, wenn man nur krummlinige Kanäle hat, wie es bei dem Doppelholländer von Carl Pieper in Berlin nach D. R. P. Nr. 67720 der Fall ist (Fig. 2). Wir erkennen bei W die Messerwalze, welcher bei C der Stoff zufliesst, um bei D dieselbe zu verlassen. Hier sehen wir nun den |2| Kropf nach beiden Seiten, nach links und rechts abfallen, so dass der zwischen den Messern durchgegangene Stoff nach zwei Seiten abfliesst. Diese Stoffströme vereinigen sich aber wieder bei C in der Nähe der Walze, um wieder den Stoff von den Messern bearbeiten zu lassen. Der Erfinder erwartet nun deshalb, weil der Stoffumlauf hier wesentlich verkürzt ist, rasches Mahlen zu erreichen. Das dürfte auch innerhalb gewisser Grenzen gelingen; ob aber das Rührscheit entbehrt werden kann, mag wohl bezweifelt werden. Leicht ist es hier, durch Vergrösserung der Walzenlänge bedeutendere Stoffquantitäten zu bewältigen, während lange Walzen bei den gewöhnlichen Holländerconstructionen unförmlich grosse und daher auch bedeutenden Platz beanspruchende Tröge erfordern. Diese Holländer werden von der Maschinenfabrik Escher, Wyss und Co. in Ravensburg ausgeführt.

Textabbildung Bd. 294, S. 2
Wie in früheren Berichten, so sei auch hier die Ansicht vertreten, dass die glücklichste und mechanisch richtigste Lösung der Aufgabe, guten Zug und gleichmässigen Zeug in den Holländern zu erzielen, in der Richtung zu suchen ist, dass man der Walze das Ueberheben des Stoffes abnimmt und einer eigenen Pumpe o. dgl. zuweist. Eine derartige Construction finden wir im englischen Patent Nr. 19107 vom 25. November 1890 an A. E. Reed in Gravesend und wir sehen dieselbe in Fig. 3 und 4 nach in den Industries erschienenen Skizzen wiedergegeben. Die Messerwalze C ist nahezu an der höchsten Stelle des Theiles A des Troges angebracht. Von C fliesst der Stoff in fortwährendem Falle den Kanal A, weiterhin den Kanal B hinab, um bei D einer Centrifugalpumpe F zuzuströmen, welche den Stoff wieder hinauf zur Walze hebt, wo er ihr auf dem kurzen Stück II einer schiefen Ebene zufliesst, um zwischen den Messern bearbeitet zu werden. Weil bei J ein Dreiwegehahn in die Rohrleitung eingeschaltet ist, kann man auch mit Hilfe der erwähnten Pumpe F nach Bedarf den Stoff auch weiter gegen K schaffen, wenn z.B. der Holländer entleert werden soll und die Abtropfkästen nicht tiefer als die Holländer stehen. Bei L erkennen wir eine gewöhnliche Waschtrommel. Es sei noch darauf aufmerksam gemacht, dass der Trogtheil B sich gegen den tiefsten Punkt hin allmählich verengt. Zugleich wird der Boden allmählich vollständig halbrund, was bekanntlich einen kleineren Strömungswiderstand zur Folge hat. Bis auf diese Einzelheit erkennen wir aber gewiss im Princip, wie in der ganzen Ausführung eine ungemein grosse Aehnlichkeit mit den Ausführungen der Maschinenfabrik Golzern, auf welche schon in früheren Aufsätzen 1888 268 490 aufmerksam gemacht worden ist.1)

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Eine Lösung für die Aufgabe, flotten Stoffumlauf zu erzielen, bildet der Holländer mit lothrechtem Stoffumlauf von Carl Kaempf in Saarbrücken nach D. R. P. Nr. 65509. Wir sehen in Fig. 5 und 6 die lothrecht stehende Walze B mit stark schraubenförmig gekrümmten Messern B1 ausgestattet, und diese sollen nun, ähnlich wie die Schraubenflügel einer Schraubenpumpe (vgl. 1888 268 491), den unten bei J, zufliessenden Stoff aufwärts heben gegen J, wo derselbe auf der in ihrer Neigung einstellbaren schiefen Wand A abwärts fliesst, bei J1 in die untere Abtheilung mit ebenfalls geneigtem Boden und dann wieder zur Messerwalze zurückgelangt. Während nun der Stoff gehoben wird, findet gleichzeitig die Zerfaserung desselben zwischen den Walzen- und den Grundwerksmessern C statt. Diese sind in den Grund werken H3 vereinigt, welche zwischen den Wänden H2 des Troges mittels der Schrauben G wagerecht stellbar sind. Dies dürfte ein heikles Detail sein. Weiter möge nicht verkannt werden, dass, trotzdem der Grundgedanke rückhaltlos als gut bezeichnet sei, doch die Arbeit mit dem Apparate sich schwerlich befriedigend darstellen dürfte. Wenn nämlich auch die Messer an der Walze weit vorragen und derart tiefe Zellen bilden, so müssen sich diese doch wegen des unvermeidlich nothwendigen |3| bedeutenden Druckes zwischen Grundwerk und Walze bald vollsetzen und lassen dann für das Heben von Flüssigkeit und Stoff wenig Raum. Es spielt da eben wieder der Umstand mit, dass es kaum angeht, zu verlangen, dass die Walze gleich gut zerfasere und dem Stoff ein bestimmtes Gefälle ertheile, denselben also anhebe. Principiell wäre ja die Construction gut, wie schon oben erwähnt, denn auch die Druckregelung zwischen den Messern liesse sich erreichen, weil eben die Grundwerke beweglich sind.

Textabbildung Bd. 294, S. 3
Die Construction von Guyon Miller in Downingtown für einen Holländer mit lothrechtem Stoffumlauf besitzt nach dem amerikanischen Patent Nr. 482 184 zur Beschleunigung der Arbeit auch zwei Grundwerke, von denen eines, D in Fig. 7, im Boden des Troges fest ist, während das zweite, E, gleichzeitig mit der Walze und auch relativ gegen dieselbe gestellt werden kann. Gewiss ist, dass bei der durch einen Pfeil angedeuteten Drehungsrichtung der Walze B und mit Rücksicht auf die knapp an die Walze schliessenden Ansätze C2C3C4 der wagerechten Mittelwand C eine Stoffströmung derart eintreten wird, wie es die Pfeile im Troge angeben. Es fragt sich nur, ob diese Bewegung befriedigend ausfällt. Gut denkbar ist es, dass der unten von rechts zuströmende Stoff von der Walze erfasst, vielleicht emporgehoben, oben abgeschleudert oder gleich auch zwischen dem oberen Grundwerk und der Walze durchgearbeitet und hierauf nach rechts ausgeschleudert wird, um dann in die untere Abtheilung zu gelangen und den beschriebenen Weg wiederholt zu machen. Aber es ist nicht zu erwarten, dass auf der linken Seite insbesondere schwere, gröbere Stoffpartikelchen aus der unteren in die obere Abtheilung aufsteigen, um solcherart wieder in den Kreislauf neu einzutreten. Wenn man daher auch hoffen kann, dass rechts von der Walze eine leidliche Arbeit zu Stande kommt und nicht viel liegen bleibt, weil der Weg zum Grundwerk kurz ist, so ist dies von der linken Seite durchaus nicht anzunehmen, und ist dem hier nicht einmal mit einem Rührscheit abzuhelfen, weil man nicht dazu kann. Wollte man dann den Trog durch den Rohrstutzen n entleeren, so würde gerade das Grobgebliebene abfliessen, während der rechts befindliche, vielleicht ordentlich gemahlene Stoff kaum gegen den Abfluss könnte, weil doch Grundwerks- und Walzenmesser ziemlich knapp an einander schliessen. So, wie die vorliegende Skizze es angibt, geht es also nicht.

Ein neues Princip in der Art der Bearbeitung finden wir in dem Papierstoffholländer von S. Berbuto und Ernest Marguet in Saventhem (Belgien) nach D. R. P. Nr. 67799. Hierbei haben wir keine rotirende Walze und festes Grundwerk, sondern es pendelt eine Messerplatte über dem festen Grundwerk hin und her. Wir erkennen in Fig. 8 bei B. das Grund werk, über dem die Messerplatte A, welche bei a aufgehängt ist, schwingt. Die Schwingung wird durch die Schubstange M, etwa mit Hilfe eines Excenters, bewirkt. Eine Transportschnecke D oder irgend eine Pumpe schafft den Stoff von der tiefer liegenden Trogpartie hindurch nach dem höher gelegenen Trogtheile, wo der Stoff zwischen den Messern durch nach unten fliesst. Wie können wir uns nun die Wirksamkeit dieser Einrichtung vorstellen? Etwa in der Art, wie man zwischen den Fingern irgend einen weicheren Körper zerreibt. Das wäre nun an und für sich gar nicht so schlecht. Aber die festliegenden Grundwerksmesser und die mit der Platte A pendelnden Messer haben ja keineswegs fortwährend gleichen Abstand von einander. Sind die Hängestangen T lothrecht, so stehen die Messer sich am nächsten, und wie die Platte dann nach rechts oder links ausschwingt, entfernen sich die in ihr befindlichen Messer mehr von den Grundwerksmessern, so dass also mit ungleichen Abständen der beiden Messergruppen und daher auch mit einem fraglichen Zeug gerechnet werden müsste. Dabei wäre nicht zu vergessen, dass die Grundwerksmesseroberkanten in einem Kreiscylinder liegen, wodurch der Uebelstand, welcher vermöge der eigenthümlichen Bewegung eintreten muss, einigermaassen gemildert wird. Auch die projectirte federnde Aufhängung der Platte A vermag günstig zu wirken. Ganz beseitigt wäre dieses Bedenken, wenn nur eine Drehachse a angewendet, wodurch allerdings das Ganze aber viel labiler würde. Jedenfalls wird es sich, vielleicht ganz besonders bei dieser Vorrichtung, empfehlen abzuwarten, wie die Arbeit sich bei thatsächlichem Gebrauche macht.

Textabbildung Bd. 294, S. 3
Textabbildung Bd. 294, S. 3
Für gröberes Material, wie gedämpftes Holz u. dgl., ist der Papierstoffholländer von John B. Carter und Jesse H. Berst in Kokomo nach dem amerikanischen Patent Nr. 487912 bestimmt. Auf der Walze B (Fig. 9), welche etwas excentrisch gegen das Grundwerk C liegt, befinden sich keine eigentlichen Messer, sondern die Walze ebenso wie das Grundwerk sind nur mit Riffen versehen. Gibt man nun die Faserbündel bei E, dort, wo Walze und Grundwerk von einander am weitesten abstehen, auf, so werden dieselben erfasst, unter fortwährend grösser werdendem Druck gequetscht, gleichzeitig gerieben und endlich bei F ausgeworfen. Mittels der Schraube D kann man das Grundwerk einstellen und seine Lage dem jeweilig verarbeiteten Material anpassen. Doch wird man eine vollständige Auflösung der Faserbündel wohl nicht erwarten dürfen.

Eine gewisse Verwandtschaft mit diesem Verfahren hat das von Friedrich Boegel in Partenstein nach D. R. P. Nr. 64193. Danach sollen die Hadern in gekochtem oder ungekochtem Zustande zu Packeten gepresst und dann auf einem Schleifapparat, wie solche z.B. in Holzschleifereien üblich sind, verschliffen werden. Natürlich sind dann auch Sortirapparate |4| nothwendig, um das jedenfalls ungleichmässig folgende Fasergemenge nach Feinheitsnummern zu trennen, worauf die zu grob gerathenen Fasern in Raffineuren fein gemahlen werden sollen. Man sieht, dass hier auf die Holzschleiferei zurückgegriffen worden ist. Wenn nun auch keineswegs bezweifelt werden mag, dass auf diese Art brauchbarer Papierstoff aus Lumpen erzeugt werden kann, so ist es doch fraglich, ob auf diese Weise weniger Kraft verbraucht würde, wie es der Erfinder behauptet, und gewiss ist die Einrichtung weniger einfach als eine Holländeranlage. Auch sei daran erinnert, dass in der Holzschleiferei gerade neuere Bestrebungen dahin gerichtet sind, die Schleifsteine zu ersetzen, unter anderen gerade durch messerartig wirkende Stahltheile, so dass die Erfahrung dafür spricht, nicht von den Messern der Holländer zum Steine zurückzugreifen.

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Die Stellen, wo die Walzenzapfen aus dem Troge treten, bringen häufig mancherlei Uebelstände mit sich. Einerseits tritt dort gern Stoff aus dem Troginneren nach aussen, andererseits rinnt manchmal Schmiere u. dgl. aus den Lagern nach innen und verunreinigt den Stoff unter Umständen derart, dass eine Menge Ausschuss erzeugt wird. Eine gute Abdichtung, die nach beiden Seiten wirkt, also auch die Lagerzapfen der Walze von Unreinigkeiten frei hält, damit besseren und doch auch weniger Kraft verzehrenden Gang bewirkt, überdies geringeren Verschleiss in den Lagern erzielen lässt, ist eine Construction, wie sie Carl Hemmer in Neidenfels durch D. R. P. Nr. 65016 geschützt worden ist. Die Abdichtung wird (Fig. 10 und 11) dadurch erzielt, dass ein Compositionsring k, welcher durch die Trogwand geht, an die Lauffläche b der Messerwalze angedrückt wird. Um dies verlässlich zu bewirken, ist eine Art Stopfbüchsenbrille l angewendet; welche knapp in das Innere des Ringes h passt und mit ihrem Flansch sich an die äussere Stirnfläche des Ringes h anlegt. Angezogen wird dieselbe mit Hilfe von Schrauben s, welche ihre Muttern in zwei Schildplatten hh1 finden, welche ganz zweckmässig den Schlitz der Trogwand einfassen, in welchen der betreffende Walzenzapfen eingelegt ist.

Eine Frage, die letzter Zeit in Folge einer Verfügung einer Gewerbebehörde vielfach erörtert worden ist, ist die, ob Holländer bei Riemenantrieb Leerscheiben erhalten sollen oder nicht. Es finden sich nämlich sehr viele Holländer, bei welchen nur eine Vollscheibe vorhanden ist, so dass beim Stillsetzen eines Holländers der betreffende Riemen abgeworfen werden muss. So einfach dies auch scheint, so kann es doch nicht gebilligt werden. Es ist ja richtig, dass bei Holländern, wo die Walze durch die Haube fast ganz versteckt ist, selten ein Unglücksfall geschehen könne. Doch ist ein solcher keineswegs ausgeschlossen, besonders beim Abwerfen des Riemens kann leicht etwas derartiges geschehen. Daher muss der Anwendung irgend einer Abstellvorrichtung, sei es eine Leerscheibe oder sonst eine Ausrückung, das Wort geredet werden.

b) Stoffmühlen.

Für die endgültige, insbesondere gleichmässige Verfeinerung der Papierrohmaterialien werden immer mehr die Stoffmühlen empfohlen. Dieselben kommen wohl so ziemlich alle auf das Princip des Kingsland'schen Centrifugalholländers zurück. So erkennen wir am englischen Patent Nr. 11956 vom 17. Juni 1893 von D. Pearson und D. N. Bertram eine Form, wie sie fast genau schon lange Zeit zum Raffiniren von Holzschliff verwendet und in Hoyer's Papierfabrikation in hübscher Zeichnung gegeben ist: eine rotirende Messerscheibe in lothrechter Ebene, beiderseits mit Messern besetzt und gegen beiderseits im Gehäuse festgemachte Mahlscheiben arbeitend.

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Eine andere, wenn auch nicht im Princip des Zerkleiners, so doch in der Anordnung abweichende Ausführung ist die Papierstoffmühle von Alfred Sheldon in Wells nach D. R. P. Nr. 71032 (Fig. 12 und 13). Die Mahlfläche, also auch die Mahlscheiben e und f liegen hier wagerecht und sind entsprechend mit Messern besetzt. Für die Lage derselben gilt das, was in früheren Berichten darüber gesagt worden ist, und finden wir gerade bei dieser Stoffmühle ein Detail, welches darauf hinweist, dass der Erfinder sich das Durchgehen des Stoffes zwischen den Mahlscheiben ähnlich wie in einer Centrifugalpumpe vorstellt. Es sind nämlich die beiden Mahlscheiben, von denen die obere e an der lothrechten, durch Riementrieb bewegten Welle d fest ist, während die untere Scheibe f ruht, von einem spiralig sich erweiternden Gehäuse, begrenzt durch die Wand h, umgeben. Zwischen diesem Gehäuse und einem weiteren mit Wand a, welches die ganze Stoffmühle umhüllt, findet hier eine Stoffcirculation statt, was als besonders beachtenswerth hervorgehoben sein soll. Es setzt sich nämlich an den Boden g des spiraligen Gehäuses bei g1 (Fig. 13) eine schiefe Ebene l an, welche dem von der rotirenden Messerscheibe ausgeschleuderten Stoff gestattet, in das äussere Gehäuse (mit Wand a) abzufliessen. Nun hat der untere Theil b des inneren Gehäuses eine Oeffnung b1, an welche sich die schiefe Ebene oder Schraubenfläche b2 allmählich ansteigend anschliesst, so dass auf dieser der Stoff wieder gegen die |5| Mahlscheiben e und f gelangen kann. Dabei muss also wirklich von der sich drehenden Mahlscheibe eine ähnliche Aufgabe, wie von einer Centrifugalpumpe erfüllt werden: auf der einen Seite muss die Flüssigkeit mit dem Zeug central angesaugt werden, auf der anderen Seite, am Umfange, wird dieselbe ausgeschleudert. Wenn dabei auch keine grossen Höhenunterschiede zu überwinden sind, das Wesen des Vorganges bleibt doch dasselbe, so dass auch die entsprechende Krümmung der Messer, welche als Schaufeln wirken müssen, hier noch mehr als bei anderen Systemen zu beachten wäre. Damit haben wir aber schon wieder die Doppelaufgabe, welche kaum allseitig befriedigend gelöst werden kann; der Kraftverbrauch muss im Vergleiche zur eigentlich zu leistenden Arbeit für den Umlauf gross sein, weil man doch in erster Linie auf das richtige Schaben, Verfeinern der Messer zu achten hat. Dafür entstehen allerdings Wirbel, welche den Stoff ordentlich durchmischen, so dass vielleicht gerade diesem Umstände die oft hervorgehobene Gleichmässigkeit des auf Stoffmühlen hergestellten Ganzzeuges zuzuschreiben ist. Im Uebrigen ist die vorliegende Mühle gut durchgebildet: die stehende Welle ist innerhalb des Gehäuses wohl umhüllt, die Mahlscheibe sitzt auf einem kegelförmigen Theil der Welle, die Welle d ist von unten stellbar u. dgl. Eine Stoffmühle mit wagerechten Mahlscheiben ist auch der Stoffraffineur von Hermann Schulte. Dieser Apparat kann ebenfalls beim Fertigmahlen gute Dienste leisten.

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Die 1890 277 176 beschriebene Stoffmühle von Edward R. Marshall in Turner's Falls ist weiter vervollkommnet worden. Wir sehen (Fig. 14), dass in den äusseren Kegelmantel A noch ein Mantel F eingesetzt ist, der verhältnissmässig leicht herausgenommen werden kann und die bei der Arbeit festliegenden Messer enthält, so dass diese leicht ausgewechselt werden können, während dies in dem äusseren Gehäusemantel recht schwierig durchzuführen ist. Aehnlich ist es bei den ebenen Mahlscheiben L. Bei diesen sind die Messer in Ringen montirt, welche auf die gusseisernen Mahlscheiben geschraubt werden können. Die Wirkungsweise ist dabei natürlich gleich geblieben. Der Stoff tritt bei B ein, wird vom Kegel bearbeitet, gelangt allmählich an das weitere Ende desselben, um die ebenen Mahlflächen zu passiren und dann auszutreten. Auch die Einstellung der Mahlflächen ist im Princip ähnlich ausgeführt wie früher: es wird das Kammlager bei M durch die Schraube s gestellt.

Eine eigenthümliche Messeranordnung zeigt die Stoffmühle von Sharon D. Beach in Seymour nach dem amerikanischen Patent Nr. 463823. Wir sehen (Fig. 15) lothrechte Mahlscheiben, und die Messer sowohl in der festliegenden Scheibe B wie in der drehbaren H gesondert eingesetzt. Während nun derartige Messer meist geradlinig gemacht werden, sind dieselben hier kreisrund in Ringen angeordnet, wie aus Fig. 16 und 17 zu erkennen ist, und zwar sind die Messer auf der festliegenden Scheibe B concentrisch, auf der drehbaren Scheibe H excentrisch gegen die Drehungsachse gelegt. Dies bewirkt bei der Drehung eine relative seitliche Verschiebung der drehbaren gegen die festliegenden Messer, wie Fig. 18 zeigt, wo Kreis a ein festliegendes, b1 ein drehbares Messer in der äussersten Stellung links und b2 in der äussersten Stellung rechts andeuten soll. Die Folge von dieser Anordnung ist ein Verschieben der Stoffasern über die Messer weg und, weil diese mit einem gewissen Druck gegen einander arbeiten, ein Zerreiben der Fasern, also ein erwünschter Arbeitsvorgang. Von einem Scherenschnitt, wie in der Patentschrift gesagt, ist wohl keine Rede. Befestigt werden die aus Quadranten zusammengesetzten Messer (vgl. Fig. 16, 17 und 19) mit Hilfe von Leisten N, welche in Nuthen der Messer greifen und die in Nuthen der Mahlscheiben eingelegten Messerquadranten unter Zuhilfenahme von Schrauben s an die Mahlscheiben klemmen. Die Stoffbewegung ist derart gedacht, dass der Halbstoff durch J eintritt, die Mahlfläche passirt, in das Gehäuse ausgeschleudert wird und dann durch J1 abfliesst. Bei S ist eine Schraubenstellung für die Achse angedeutet.

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c) Verschiedene andere Zerkleinerungsmaschinen.

Dieselben sollen hauptsächlich altes Papier, allenfalls Zellstoff, Holzschliff u. dgl. wieder auflösen und geeignet machen als Zusatz zum Holländer. Bekannt ist für diesen Zweck der Kollergang, welcher gefeuchtetes oder sogar gekochtes Papier zerreibt und in einen ziemlich trockenen Brei verwandelt. Ein neuerer Kollergang mit Hartgussgrundwerk wird von der Maschinenfabrik A. Gutmann in Frankfurt a. d. Oder gebaut und ist nach Skizzen in der Papierzeitung, 1893, in Fig. 20 bis 24 wiedergegeben. Das Hartgussgrund werk liegt in Vertiefungen b des Troges A und wird aus Theilen gebildet, welche in Fig. 22 und 23 herausgezeichnet sind. Indem man diese Stäbe an einander legt und die Vertiefungen mit einer weicheren Metallegirung ausfüllt, erhält man ein Grund werk, von dem ein Theil in Fig. 24 so dargestellt ist, dass die dunklen Partien den vortretenden Hartguss, die helleren Theile das weiche Metall andeuten. Wälzen sich nun die Steine über das Grundwerk, so geben die weichen Theile nach, während die Hartgusstheile widerstehen und so eine feste Unterlage für das Zerreiben abgeben. Als vortheilhaft muss es bezeichnet werden, dass die nachgiebigere Masse |6| die Hartgusstheile offenbar nur ganz wenig vortreten lässt, was für die zerreibende Arbeit sicher genügt und doch auch nicht gestattet, dass irgendwo in Vertiefungen Material unbearbeitet liegen bleibt. Es erscheint glaublich, dass die Abnutzung des Grundwerkes nach sechsjährigem Betriebe kaum merklich war und daher auch das Einlaufen der Läufer in den Bodenstein völlig ausbleibt. Im Uebrigen sehen wir aus Fig. 21, dass die Läufer durch Schleppkurbeln von der drehenden Welle mitgenommen werden, dass die Läufer mit den Steinbüchsen nicht vergossen, sondern mit Hilfe von Platten g und Schrauben h geklemmt sind, dass das Schmieröl durch Büchsen k aufgefangen wird, der Stoff nach Oeffnung eines Schiebers bei c herausfallen kann u. dgl.

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Es ist unvermeidlich, dass selbst bei der verhältnissmässig schonenden Behandlung, wie sie auch im Kollergang statthat, das zu kollernde Papier nicht bloss aufgelöst wird, sondern dass die Fasern auch noch weiter zerkleinert, insbesondere kürzer werden. Wenn wir nun überlegen, dass ja im alten Papier die Fasern schon so weit gemahlen waren, wie es für die betreffende Papiersorte wünschenswerth ist, so folgt, dass die aus dem alten Papier durch Kollern gewonnenen Fasern eigentlich nur mehr für eine mindere Papiergattung brauchbar sein werden. Um dem zu steuern, hat Dr. C. Wurster einen beachtenswerten Vorschlag gemacht, der auch schon in der Praxis ausgeprobt worden ist. Es wird nämlich das alte Papier einer Knetmaschine überantwortet, und zwar hat Wurster die Knetmaschine nach System Paul Pfleiderer mit schraubenförmigen gegen einander arbeitenden, mit wagerechter Achse ausgestatteten Knetflügeln benutzt. Hierbei ist nun allerdings die Reibung auf ein geringstes Maass herabgedrückt, und es dürfte angehen, das Fasermaterial, sowie den verschiedenartigen Ausschuss, welcher während des Ganges der Papiermaschine fällt, sofort wieder aufzulösen und der letzten Holländerleere zuzugeben, und dies um so eher, weil nach den Erfahrungen Wurster's bei Zuführung der geeigneten Menge Wasser der eine Knetmaschine füllende Ausschuss, ungefähr 50 k, in 10 bis 15 Minuten verarbeitet werden kann.

Ganz ähnlich wirkt im Uebrigen der im Berichte 1892 286 13 besprochene Tritirateur, wie auch die hauptsächlich in Frankreich gebräuchlichen Barbottes (Quirl), welche zum Auflösen von altem Papier meist in Pappenfabriken gebraucht und letzter Zeit von der Firma M. A. Gaudillon in Senlis gebaut werden. Es sind dies ganz ähnliche Apparate wie der Zellstoffauflöser System Ziegelmayer (1890 276 55), nur sind bei den Barbottes die Quetschstäbe an der Achse und die festen Stäbe am Gehäuse weiter gestellt und vierkantig gemacht.

Endlich sei noch eines Apparates von Carl Sauer in Münster gedacht (D. R. P. Nr. 65699), welcher eine Zerreissmaschine für Zellstoffpappe betrifft. Bei dieser arbeiten Daumen an einer Walze gegen ein Grundwerk, dessen Schienen Zwischenräume lassen, so dass die Daumen passiren können. Eine erfasste Zellstoffpappe wird in kleinere Stücke zerrissen, welche dann dem Holländer oder einer Stoffmühle übergeben werden können. Ist die Zellstoffpappe noch entsprechend feucht, so genügt es wohl vollständig, wenn der Holländermüller dieselbe, wenn auch in ziemlich grossen Stücken, dem Holländer übergibt, da Zellstoff in solcher Form sich sehr leicht wieder auflöst.

Bleichen.

Die neueren Bestrebungen richten sich darauf, das bleichende Chlor möglichst billig herzustellen – entweder durch Verbesserung der altbekannten oder durch neue Verfahren, bei welch letzteren die Anwendung der Elektricität erstrebt wird – und das Chlor in richtiger Weise zu benutzen. Die Beobachtung, auf welche auch schon früher (1888 286 26) hingewiesen worden ist, dass bei der Chlorbleiche Zwischenproducte entstehen, welche wohl nicht in Wasser, aber in Alkalien löslich sind, scheint sich immer mehr zu bestätigen. Dafür spricht z.B., dass das Bleichen von mit Kalk gekochter Jute mit Chlor dann gut gelingt, wenn man durch Anwendung von Chlorgas während 12 bis 20 Stunden die Jute nur zu etwa drei Viertel bleicht, hierauf mit alkalischem Wasser (etwa 1 Proc. Soda) auswäscht, wobei das Waschwasser braun bis schwarz wird, und dann erst mit Chlorkalk fertig bleicht.

Auch das unter D. R. P. Nr. 59218 patentirte elektrische Verfahren von Carl Kellner geht darauf hinaus, auf das zu bleichende Fasermaterial abwechselnd Chlor und Alkalien in Lösung einwirken zu lassen. Für dieses Verfahren kann eine ähnliche Einrichtung, wie dieselbe 1894 292 123 für die Herstellung von Zellstoff auf elektrischem Wege von demselben Erfinder angegeben worden ist, benutzt werden, was nur begreiflich ist, wenn man bedenkt, dass in beiden Fällen ähnliche Aufgaben zu lösen sind. Von nicht unmittelbar interessirten Kreisen wird allerdings noch immer hervorgehoben, dass alle elektrischen |7| Bleichverfahren – so etwa das Holland-Richardson'sche mit Anwendung von Kohlenanoden und Entwickelung von Chlor aus Kochsalzlösung, oder das Verfahren von Sergius Stepanow in Petersburg nach D. R. P. Nr. 61708, wobei etwas mit Kalk versetzte Kochsalzlösung mittels des elektrischen Stromes behandelt wird – noch merklich theurer in der Anwendung sind, als die Benutzung des auf gewöhnlichem, bekanntem Wege gewonnenen Chlors bezieh. des Chlorkalks. Bedeutungsvoll wäre es daher gewiss, wenn die Nachricht sich bewahrheitete, dass es Kellner gelungen sei, die für die Abspaltung des Chlors nöthige elektrische Energie etwa auf den fünften Theil dadurch herabzusetzen, dass er die Wärme, welche durch Bildung und Lösung von Aetznatron an der Kathode frei wird, in elektrische Energie leicht umwandeln könne. Dadurch wäre es immerhin denkbar, die Fabrikation des Bleichchlors soweit zu verbilligen, dass man nach dem gewöhnlichen Verfahren theurer arbeitet, selbst wenn das in Amerika patentirte Verfahren einschlägt, welches darin besteht, dass sämmtliches Chlor bei der Behandlung von Salzsäure mit Braunstein dann gewonnen werden kann, wenn Salpetersäure zu der Lauge gesetzt wird, die nach der üblichen Entwickelung von Chlor aus Salzsäure mit Braunstein verbleibt.

Textabbildung Bd. 294, S. 7
Wenn direct mit Chlorgas gebleicht wird, und dies empfiehlt sich dann, wenn im Halbzeug noch Schaben u. dgl., also solche Partien vorkommen, welche noch die sogen. incrustirende Materie enthalten, wie es auch oben für Jute erwähnt wurde, so handelt es sich darum, das Gas möglichst innig mit Zeug in Berührung kommen zu lassen, also diesen in einer Form anzuwenden, die den Zutritt des Chlorgases sehr erleichtert. Hierfür kann der Halbstoff auf Entwässerungsmaschinen, das sind vereinfachte Papiermaschinen, in eine Art Pappe verwandelt und diese leicht gerollt in die Bleichkästen gebracht werden, oder aber man bleicht den Stoff in Flockenform in möglichst dünnen Schichten, wofür Carl Kellner ein D. R. P. Nr. 65670 erhalten hat. Hierbei ist eine Art Gegenstromsystem angewendet. In einer geeigneten Kammer oder in einem Thurm (Fig. 25 und 26) sind wagerecht liegende Abtheilungen gebildet, welche durch in den verschiedenen Abtheilungen gegen einander versetzte Schlitze d communiciren. In die oberste Abtheilung wird durch die Speisewalzen l Papierstoff zugeführt, in die unterste strömt durch Rohr h Chlorgas ein. Durch die Drehung einer Achse e, welche für jede Abtheilung einen Rechen f angesetzt erhält, wird nun der Stoff, indem er durch die Schlitze d fällt, allmählich nach unten, dem Gasstrome entgegen, geschafft, so dass am meisten gebleichter Stoff mit frischem Gase in Berührung kommt, während gegen oben hin das schon theilweise ausgenutzte Gas immer weniger gebleichten Stoff trifft. Es muss natürlich ausprobirt werden, wie für jede Stoffgattung die Geschwindigkeit des Gasstromes u. dgl. eingerichtet werden muss, damit oben bei i, wo das Gas den Bleichbehälter verlässt, kein empfindlicher Verlust an Chlor stattfinde. Der gebleichte Stoff gelangt dann unten vorbei an Schieber m in einen Behälter, wo man eine Art Nachbleiche vor sich gehen lassen kann, worauf der Stoff selbstverständlich gut ausgewaschen werden muss, um die beim Bleichen gebildete Salzsäure vollständig zu entfernen bezieh. unschädlich zu machen. Die Wände der Bleichkämmer müssen natürlich aus solchem Materiale, z.B. gebranntem Thon, hergestellt werden, welches der Einwirkung des Chlors widersteht, andererseits muss die Grösse der Kammer dem jeweiligen Erforderniss, Menge des Bleichgutes u. dgl., angepasst werden.

Für Bleichholländer benutzt man immer mehr Tröge, welche aus in Cement gemauerten Klinkern aufgebaut und mit Cement möglichst glatt verputzt werden. Um die Haltbarkeit des Verputzes zu erhöhen, kann man erfahrungsgemäss dem Verputzcementmörtel etwas Faserstoffe, z.B. Cellulosefasern, beimengen. Dabei werden diese Holländer gewöhnlich für ziemlich grossen Fassungsraum, bis etwa 1000 k Zeug, hergestellt. Sie halten sogar Erwärmung der Holländerflüssigkeit bis gegen 30°, was beim Bleichen vorkommt, ganz gut aus. Wichtig ist es aber, Vorkehrungen zu treffen, dass der Troginhalt ordentlich durchgemengt werde, um die Bleichflüssigkeit thunlichst gleichförmig zu vertheilen oder auch um durch allenfalls zugeführten Heizdampf den Inhalt gleichmässig zu durchwärmen. Die gewöhnliche Holländerwalze schafft wohl viele Wirbel, mischt also durch, ist aber für die Erzielung eines guten Zuges, wie schon oft bemerkt; ein ungeeignetes Mittel. Centrifugalpumpen mögen hier um so eher empfohlen werden, weil diese doch auch erwarten lassen, dass der Stoffstrom gut durchgemengt wird. Welche Detailconstruction dabei gewählt wird, ist vielfach Geschmackssache; es sei nur beispielsweise auf die Golzern'schen Constructionen (vgl. 1888 268 490) und auf den Nacke'schen Holländer mit Turbinenrad (vgl. 1888 268 492) hingewiesen. Von den Holländern, bei welchen die Stoffbewegung durch Schaufelräder, wie etwa beim Debié'schen, bewirkt wird, kann dagegen für den vorliegenden Zweck ein gleich günstiges Resultat aus dem Grunde nicht erwartet werden, weil eben die Durchmischung ohne Anwendung eines Rührscheites nicht so sicher stattfindet.

Das gebleichte und gewaschene Fasermaterial wird dann in die meist unter den Bleich- bezieh. Waschapparaten befindlichen Abtropfkästen abgelassen. Für diese werden |8| mit feinen, nach aussen sich erweiternden Oeffnungen versehene Cement- oder Thonsteine oder Platten als Auskleidung immer beliebter. Neuerer Zeit fertigt z.B. die Firma Wm. Schuler in Isny solche Steine derart an, dass die Cement- oder Thonmasse einem hohen Drucke ausgesetzt wird. Man erhält dadurch begreiflicher Weise einen dichteren und auch widerstandsfähigeren Stein, weil Säuren nicht so leicht ins Innere desselben dringen können. Dabei halten Cementsteine recht gut, wenn auch nicht so lange als Thonsteine; die letzteren sind allerdings auch die theureren.

(Fortsetzung folgt.)

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Dankend sei hervorgehoben, dass auch heuer die erwähnte Fabrik dem Berichterstatter Zeichnungen ihrer Constructionen zur Verfügung gestellt hat.

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