Titel: Neuerungen in der Papierfabrikation.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1894, Band 294 (S. 25–33)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj294/ar294009

Neuerungen in der Papierfabrikation.

Von diplom. Ingenieur Alfred Haussner.

(Fortsetzung des Berichtes S. 1 d. Bd.)

Mit Abbildungen.

Leimung.

Die Kosten, welche die Leimung verursacht, sind, auf das Einheitsgewicht des fertigen Papieres gerechnet, keineswegs unbedeutend. Ueberzeugend beleuchtet wurde dieser Punkt im Jahrgang 1893 der Papierzeitung von J. Serog. Serog stellte Untersuchungen darüber an, wie viel von dem angewendeten Harzleime wirklich im Papier verbleibt, und fand für feine Papiere bis gegen 88 Proc., während in gröberen Papieren dieser Procentsatz unter Umständen nur 50 Proc. betragen kann. Auf diese Untersuchungen fassend, berechnet er die Kosten der Leimung für jetzt übliche Preise und fand da verhältnissmässig so grosse Zahlen, dass er es für rathsam hält, für das Leimen einer Papiersorte so wenig Leim als möglich zu verwenden. Es ist selbstverständlich, dass Proben daraufhin versucht werden müssen, wie weit man heruntergehen kann, ohne die Leimfestigkeit zu beeinträchtigen.

Wenn auch die animalische Leimung nicht gerade an diese Stelle gehört, so sei doch einiges darüber hier anschliessend gesagt. Eine Frage von einschneidender Bedeutung ist die nach der Güte des Leimes. In der Praxis wird dies meist als Vertrauenssache angesehen, und zwar weil eine befriedigende Prüfung der „absoluten“ Güte des Leimes wenigstens derzeit nicht möglich ist. Es bleibt nichts anderes übrig, als zu versuchen, wie ein bestimmter Leim einem bestimmten Zweck entspricht. Hat man eine befriedigende Sorte gefunden, so kann man nach den Vorschlägen Dr. Theodor Schlossmann's in Altenburg (vgl. Papierzeitung Jahrgang 1893) andere Sorten mit dieser vergleichen, um dieselbe auf ihren relativen Werth zu prüfen. Maassgebend sind Quellbarkeit, Löslichkeit und Haltbarkeit. Für Zwecke der Buntpapierfabrikation z.B. soll ein guter Leim, ins Wasser gehängt, im Sommer noch nach 48, im Winter sogar nach 96 Stunden in gequollenem Zustande sich fest und hart anfühlen; es dürfen nur Spuren in Lösung gegangen sein und vor allem darf Leim nicht übel riechen.

Von anderer Seite wird empfohlen, den Leim auf Säuregehalt zu untersuchen, um festzustellen, ob man Leder- oder Knochenleim oder vielleicht ein Gemenge beider vor sich hat. Zu diesem Zweck lässt man einige Tropfen reines Wasser auf die zu prüfende Leimplatte fallen und prüft die feuchte Stelle nach einer halben Stunde mit Lackmuspapier, welches bei Anwesenheit von Säure sich röthlich färbt. Weil nun zur Herstellung von Knochenleim Säure verwendet wird, so lässt die röthliche Färbung des Lackmuspapieres auf die Anwesenheit von Knochenleim schliessen.

Für eine Einrichtung zur animalischen Leimung von Papier mit Erhitzung des verwendeten Leimes durch ein Dampfrohr hat William C. Edwards in Holyoke das amerikanische Patent Nr. 498775 erhalten. Trog a in Fig. 27 enthält das Leimbad, durch welches in der Pfeilrichtung um Walzen bb1 die Papierbahn c gezogen wird.

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Zwischen den Walzen b und b1 wird der überschüssige Leim abgedrückt und überhaupt die Stärke der Leimschicht geregelt. Die Zufuhr des Leims geschieht stetig aus dem Bottich d, sowie durch die Rohrleitung ghh1 mit Hilfe der Pumpe e, deren Bewegung von der Drehung der Walze b, über welche die Papierbahn c geht, abhängig ist. Der Theil h der Rohrleitung ist erweitert und im Innern von h befindet sich das Dampfrohr k, in welches durch mm1 u.s.w. Heizdampf geleitet werden kann. Der Erfinder will den Druck, also auch die Temperatur des Heizdampfes nur mit Hilfe des Hahnes m1 regeln. Weil sich aber für den Leim eine bestimmte, beständige Temperatur empfiehlt, so wäre die Einschaltung eines Dampfdruckreducirventiles angezeigt. Die hier und da nothwendige Reinigung der Leimleitung kann durch Wasser aus dem Troge a geschehen, welches in das als Heber wirkende Rohr h1h eintreten und nach Oeffnung eines Hahnes durch h abfliessen kann.

Zeugbütten.

Der fertige Zeug, gefärbt, geleimt, mit Füllstoffen versehen u.s.w., wird bekanntlich in einem grösseren Gefässe, der Bütte, angesammelt und man muss darauf sehen, dass in derselben die verschiedenartigen Stoffe gleichmässig gemischt bleiben. Hierzu dienen die Rührer.

Einen interessanten und gewiss gut wirkenden Rührer haben G. D. Bracher Söhne in Hanau durch D. R. P. Nr. 64655 geschützt erhalten. Auf der Antriebswelle a |26| (Fig. 28) sitzen Arme b, welche durch zwei Rührwellen c verbunden sind. Auf letzteren befinden sich drehbar die Rührer d, welche neben der Drehung um a noch eine besondere Drehbewegung um ihre Achsen c dadurch bekommen, dass bei der Drehung von a die Arme b, also auch c und d im Kreise um a mitgenommen werden und die Rührleisten d1 an Nasen ee1 treffen, so dass die durch die Pfeile angedeuteten Bewegungen eintreten müssen. Es ist zweifellos, dass durch die eigenthümliche Bewegung der Rührer der Zeug gut durch einander gebracht wird. Wenn aber die Rührer zeitweise aus dem Zeug treten und so mit der Luft in Berührung kommen, ist auch bei dieser Anordnung, gemäss dem in einem früheren Berichte (1890 277 176) Gesagten zur Katzenbildung Gelegenheit gegeben.

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Knotenfänger.

Bei seinen Drehknotenfängern hat Chr. Wandel in Reutlingen nach D. R. P. Nr. 61285 eine Vorkehrung getroffen, um die Siebrüttelung veränderlich zu machen und sie der jeweiligen Stoffgattung anzupassen. Es ist dies (Fig. 29 und 30) mit Hilfe eines leicht verstellbaren Gummibuffers ausgeführt. Der Hals des Siebcylinders a ist in einer entsprechenden Rundung des Hebels b gelagert, welcher in gewöhnlicher Weise bei c mit Hilfe des Staffelrädcbens d auf und ab gerüttelt wird, so dass diese Bewegung sich dem Siebcylinder mittheilt. Je nachdem nun c höher oder tiefer steht, wird der Rüttelungshub kleiner oder grösser werden. Die Höhenstellung von c regelt ein am Hebel b befindlicher Ansatz n, der sich auf die Kautschukscheibe m auflegt, m wird von der Hülse l umfasst, welche unten nach einer Schraubenfläche geschnitten ist und mit dieser auf einer entsprechenden Fläche aufruht, die an einem Fortsatz des Wurmrades h angearbeitet ist. Dreht man h mittels des in h eingreifenden Wurmes i und eines an seiner Achse befindlichen Handrades, so verstellt sich die Hülse l in der Höhenrichtung, weil die Hülse l drehend nicht mitgenommen werden kann, vermöge des Schräubchens o im feststehenden Zapfen k. Damit wird zugleich die Kautschukplatte m, Ansatz n und Hebel b verstellt und zwar nur durch eine geringfügige Bewegung eines Handrades.

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Ein anderer Knotenfang mit cylindrischem Sieb, jedoch nur mit schwingender, nicht vollständig drehender Bewegung, ist der von F. L. Roeckner und R. L. Roeckner in North Kensington nach D. R. P. Nr. 67346. Wir sehen in Fig. 31 und 32 das cylindrische (oder prismatische) Sieb B auf der Achse C in einer Art Bütte A untergebracht, in welche der nicht sortirte Stoff an geeigneter Stelle gelangt, so dass der Stoff von aussen in den Siebcylinder dringen und dabei sortirt werden muss. Der sortirte Stoff fliesst durch einen elastischen Rohranschluss bei M oder R seitlich nach G und von dort nach der Verbrauchsstelle. Die elastischen Rohranschlusse bei M und R, sowie beim Eintritt der Siebwelle in den Trog A, also bei U, sind wegen der bereits oben erwähnten schwingenden Bewegung des Siebcylinders nöthig. Diese Schwingungen werden dadurch erzeugt, dass eine an der Siebwelle feste Stange oder Feder J bei K von einem Drilling oder Staffelrad angeschlagen wird, dessen Drehung vom Riemenkonus S und einem zweiten entsprechenden abhängig ist und so leicht dem jeweiligen Bedürfniss angepasst werden kann.

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Die so, oder auch in anderer Weise, zu Stande gebrachten Schwingungen der Welle und damit auch des Siebes B dürften in dem Sinne vortheilhaft wirken, dass gröbere Theilchen, welche sich aussen an das Sieb B angelegt oder auch in den Schlitzen festgesetzt haben, abgewaschen oder abgeworfen werden und solcherart das Sieb reiner gehalten wird, wie ja Rüttelung überhaupt beim Sortiren sich als vortheilhaft herausgestellt hat. Man vergleiche den Sortirer von Bruno Gerlach (1890 275 536) wo eine ähnliche Einrichtung getroffen ist. Statt der elastischen Rohranschlüsse bei M und R für die Ableitung des Zeuges wird von denselben Erfindern auch noch eine recht praktische Heberableitung nach Fig. 32 empfohlen. Wir bemerken am Siebcylinder eine hinreichend weite Kammer W angebracht, welche oben offen ist und in die das eine Ende eines Heberrohres W1 taucht, so das Absaugen des sortirten Stoffes ermöglichend.

Eine ganze Reihe von Patenten bezieht sich auf Knotenfänger mit ebenen Siebplatten, bei denen zur Beförderung des Durchganges des Papierstoffes eine Saugwirkung benutzt wird und die sich oft nur in Einzelheiten der Ausführung unterscheiden, etwa in der Trogform, in der Art der Bewegung des die Saugwirkung hervorrufenden Theiles und der Liderung desselben, was wohl der heikelste Punkt sein mag. Denn schon vor etwa dreissig Jahren wurde dieses ganz zweckmässige Princip versucht, ohne dass es zur Geltung gelangen konnte, weil der Anschluss des Saugtheiles durch Kautschuk u.s.w. zu sehr der Abnutzung unterlag. Heute ist man mit diesen Materialien besser daran und daher dürfte diese Art der Knotenfänger wohl nicht so bald verschwinden (vgl. hierüber 1890 277 180).

Ein Doppelknotenfang dieser Art von D. W. Rounds in Dexter ist nach dem amerikanischen Patent Nr. 505483 in Fig. 33 bis 35 skizzirt (Papierzeitung 1893). Der |27| Durchgang des auf das Sieb E fliessenden Stoffes wird befördert durch die Saugwirkung des Kolbens F, dessen Anschluss an den seitlich aus Hölzern C gebildeten festen Rahmen durch Kupferwellblech c ausgeführt wird. Erhält der Kolben F durch die Einwirkung der unrunden Scheibe J1 auf und ab schaukelnde Bewegung, so vermag bei geringem Hube, wie er hier genügt, der Wellblechrand gut zu folgen und wird auch bei geeigneten Abmessungen auf die Dauer den hier zu stellenden Anforderungen genügen. Der Erfinder will diesen Wellblechrahmen aus einer ganzen Tafel herausschneiden, denselben einerseits an den Rahmen C festklemmen, andererseits an ihn den Holzboden F und mit diesem mittels geeigneter Gusstücke F1 den Doppelhebel G und die Stangen F1 schliessen. Dabei sind die unrunden Scheiben J so gestellt, dass abwechselnd rechts und links Hebung und Senkung stattfinden. Die Hebestangen F2, welche sich auf H stützen, sind als Rohre gedacht, um sie leichter zu machen. Ein Scharnier bei n1 ermöglicht es, die oberen Wände D und B1 nach Bedarf bequem aufzudrehen, um die Siebplatten zu reinigen. Der sortirte Stoff fliesst aus dem Zwischenraum j, zwischen Sieb und Boden F seitlich nach K zu einem in der Höhenrichtung zu stellenden Ueberfall. Derselbe ist durch ein Rohrstück m (Fig. 35) ausgeführt, welches abgedreht, in dem Rohre L verschiebbar ist und mittels Stange m1 und vorgesetzter Mutter eingestellt werden kann. Dieser Knotenfänger ist derzeit der einzige mit federnder Metall Verbindung; sonst ist fast allgemein Kautschuk als nachgiebiges, federndes Material gewählt.

Textabbildung Bd. 294, S. 27
Textabbildung Bd. 294, S. 27
Eine einfache derartige Anordnung ist die von C. Chelius jr. in Rumbeck nach D. R. P. Nr. 62280. Wir bemerken in Fig. 36 auch eine doppelte Anordnung: in zwei Abtheilungen zwei durch Holzleisten versteifte Siebe s in Rahmen t. Diese können nun, da sie durch die Stangen a mit der Rüttelvorrichtung in Verbindung stehen, in dem im Troge q befindlichen Stoffe auf und ab bewegt werden. Der Stoff dringt sortirt auf die Oberseite der Siebe und fliesst durch den elastischen Rohranschluss u. gegen die Mitte ab.

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Eine Anordnung, bei welcher keine Liderung des Kolbens angewendet ist, jedoch möglichste Einfachheit bei geringen äusseren Abmessungen und grosser Siebfläche erstrebt wird, ist die von Paul Reinicke in Cöthen nach D. R. P. Nr. 69816 (Fig. 37 und 38). Wir bemerken in einem Gehäuse l Gusswände c, durch welche der Innenraum von l in verschiedene Abtheilungen geschieden wird. An c lehnen sich ringförmige flache Knotenfängerplatten an, die in Paaren einander gegenüberstehen. Aus Ueberläufen m fliesst der unsortirte Stoff in die eine Gruppe von Abtheilungen. Das, was durch die Schlitze der Knotenfangplatten zu gehen vermag, tritt auf die andere Seite der Siebplatten, in die andere Gruppe von Abtheilungen, welche von der ersten Gruppe durch Wände geschieden sind. Der gereinigte Stoff fliesst endlich, wie die Pfeile andeuten, bei p ab. In denjenigen Abtheilungen, in welche unsortirtes Material gelangt, sammeln sich die Knoten in der Rinne f, aus welcher sie zeitweise abgelassen werden können. Einigermaassen befördert wird der Process durch die Kolbenscheiben a, welche auf die Welle n senkrecht oder auch schief gegen n aufgebracht werden, so dass sich zwischen je zwei Siebringen eine Platte a befindet. Während die Welle n mittels der Riemenscheibe k gedreht wird, erhält sie gleichzeitig eine Längsbewegung hin und her dadurch, dass ein feststehender Zapfen i in eine unrunde Nuth einer auf der Welle n aufgekeilten Scheibe g greift. Hierdurch wird erzielt, dass abwechselnd der unreine Stoff, gegen den einen Siebring gedrängt, von dem andern abgesaugt wird, also eine Stoffbewegung eintritt, ähnlich wie sie bei den früher erläuterten Apparaten auch vorkommt. Nur haben wir hier wohl zu beachten, dass die Kolbenscheiben nirgends an die Gehäusewände anschliessen, der Stoff also allseits ausweichen kann; gut gerührt wird jedenfalls.

Schon 1883 269 101 wurde angedeutet; dass nur bei Anwendung geeigneter Ventile ein besseres Resultat von der Saugwirkung bewegter Kolben bei den vorliegenden Arbeitsmaschinen erwartet werden kann; es ist eben sonst |28| die ganze Bewegung vielfach unregelmässig: Luft, Wasser und Stoff folgen der Kolbenbewegung, wo und wie es eben möglich ist, so dass z.B. auch vom Auslaufe beim Ansaugen Stoff zurückgelangen kann. Ausführungen, bei welchen Ventile vorkommen, also strenge genommen eigentlich Kolbenpumpen benutzt werden, um bessere und raschere Sortirung für eine bestimmte Siebfläche zu erreichen, liegen zwei vor: amerikanisches Patent Nr. 488166 an John J. Flanders in Portland und amerikanisches Patent Nr. 488067, (D. R. P. Nr. 59667) von Charles J. Forster in Westbrook; welche in ihren Einrichtungen ähnlich sind, insbesondere was Kolbenanordnung, sowie Ventile betrifft. In der Flanders'schen Ausführung (Fig. 39 und 40) befindet sich das Sieb, auf welches der zu sortirende Stoff läuft, bei a im Troge c, und der sortirte Stoff dringt nach unten in den Raum e. Befördert wird dies durch einen Kolben b, welcher von der unrunden Scheibe r mittels der Stange p auf und nieder gehende Bewegung erhält. Etwaige Stösse werden dabei gemildert durch die Federn f, (Nebenfigur 40). Zugleich finden wir hier eine der Wandel'schen ähnliche Hubregelung, indem durch Excenter v auf Welle u die tiefste Stellung des Hebels t geregelt werden kann, auf welchem eben die Stange p aufsitzt. Geht der Kolben b abwärts, wird also gesaugt, so schliesst sich gegen den Auslauf die Klappe g durch den äusseren Luftdruck und es kann aus dem Auslaufe nicht beliebig Flüssigkeit zurückrinnen; der Raum, der durch den Abwärtsgang des Kolbens b frei wird, muss durch Stoff ersetzt werden, welcher durch das Sieb dringt, so dass durch die einfache Klappe g die Wirkung erhöht wird, ohne dass mehr Kraft beansprucht wird; als ohne Klappe, weil in letzterem Fall für das Hin- und Herbewegen der Flüssigkeit zum und vom Ablaufe ein Theil der Kraft unnütz verbraucht wird. Uebrigens regelt auch ein einstellbarer Schieber m den Auslauf. Für den Stoff, welcher unter den Kolben sickert, ist ein durch Schieber j zu verschliessender Ablauf h vorhanden. Die Höhe der Flüssigkeit ober- und unterhalb des Kolbens kann an Schauröhren k erkannt werden. Von dieser Ausführung unterscheidet sich die Forster'sche nicht wesentlich.

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Bei einer weiteren Gruppe von Knotenfängern wird neben der Saugwirkung noch eine beständige Reinigung der Knotenfangplatten erstrebt. Eine hierher gehörige Ausführung ist die von John White in Leith Walk Foundry nach D. R. P. Nr. 66570. Der angedeutete Zweck soll hier durch eine schwingende Bewegung des Knotenfangkastens A erreicht werden. Wir ersehen aus Fig. 41, dass dieser durch einen hohl gedachten Träger B, welcher um die unten liegende Achse C drehbar und auf diese gestützt ist, mittels der Schubstange D von einem Kurbelzapfen E aus hin und her gehende, schwingende Bewegung erhält. Dadurch werden nun Knoten, welche auf der Siebplatte F zurückgehalten werden, allmählich in die seitlichen Kanäle G befördert, von wo dieselben durch geeignete Auslässe zeitweise entfernt werden können. Es dürfte der erwähnte Arbeitsvorgang um so eher gelingen, weil sehr wenig Reibung zwischen den Knoten und dem Siebe eintreten wird, da ja über dem Sieb sich der verhältnissmässig sehr dünne Stoff befindet, so dass die Knoten eigentlich vom Siebe abgeschwemmt werden. Unter der Knotenfängerplatte finden wir eine in geeigneter Weise auf und ab schwingende Platte H angebracht, welche ihre Schwingungen mittels der Stange J erhält. Durch Oeffnungen in der Platte H, die hier, sowie auch anderwärts häufig Diaphragma genannt wird, gelangt der gesichtete Stoff in die Höhlung der Stütze B des Kastens A und kann aus B entnommen werden.

Textabbildung Bd. 294, S. 28
Textabbildung Bd. 294, S. 28
Bei dem Knotenfänger von Eugène Meurer in Palmer Falls erhält nach dem amerikanischen Patent Nr. 492039 das Sieb A, welches, wie aus Fig. 42 zu ersehen ist, in mehrere Theile zerlegt ist, die sich sägezahnartig an einander schliessen, auch eine schwingende Bewegung. Hierzu ist es einerseits an der Kette K aufgehängt, andererseits wird es von der Excenterstange E1 erfasst, welche das Sieb bei der Drehung des Excenters E schaukelnd bewegt. Hiervon wird erwartet, dass die Knoten, welche sich auf den einzelnen Siebplatten absetzen, allmählich immer weiter auf denselben aufwärts rutschen und endlich bei B ausfallen. Man begreift aber nicht, warum die Knoten bei dieser Anordnung „aufwärts“ geschafft werden sollen, wo es das System ja schliesslich gar nicht ändern würde, wenn man den Siebplatten eine Neigung gegen den endlichen Ausfall hin ertheilen würde, wie es bei einem folgenden Knotenfänger geschehen ist. Es wurde in Bezug hierauf ein einfacher Versuch gemacht. In einer Pappschachtel wurde eine ähnliche sägezahnartige Platte aus Pappe festgelegt, wie sie das Sieb in Fig. 42 bildet. Auf die Sägeplatte wurde Streusand gegeben und die Schachtel dann auf ebener Grundlage hin und her gezogen. Die Körner tanzten etwas herum, zeigten aber entschieden das Streben, in den Vertiefungen zu verharren, wollten auch durchaus |29| nicht über die schiefe Ebene aufsteigen, sondern blieben in der Nähe der tiefsten Stelle, wie es ja auch natürlich ist. Nun sind allerdings die Knoten keine Streusandkörner; sie dürften aber noch eher als letztere das Streben zeigen, an der Platte zu adhäriren und liegen zu bleiben. Der unsortirte Stoff fliesst hier durch F zu, gelangt sortirt in den Untertheil des Troges D und von dort in einem Heberfall bei G zum Ablauf.

Würde man bei dem eben besprochenen Knotenfänger die ebenen Siebplatten recht klein machen und überdies die Kanten runden, so ist die Sieb form nach dem amerikanischen Patent Nr. 464725 von Henry John Rogers in Watford da, welcher gewellte Siebe a (Fig. 43) anwendet, wobei die Siebschlitze sich nur an der höchsten Stelle jedes Wellenberges befinden. Es ist nun zu erwarten, dass die auf dem Siebe zurückbleibenden Knoten nicht an den höchsten Stellen liegen bleiben, sondern in die Wellenthäler gelangen. Dies wird um so gewisser geschehen, weil durch elastische Membranen d unter den Sieben abwechselnd Saug- und Druckwirkung ausgeübt wird. Deshalb ist auch zu erwarten, dass die Knoten aus den Wellenthälern allmählich, der Neigung der Siebplatte gegen z hin folgend, gegen den Auslauf z geschwemmt werden, wo sie zeitweise entfernt werden können. Der sortirte Stoff gelangt unter das Sieb a und fliesst durch Kanal c ab. Die schwingende Bewegung der Membranen d wird hier durch Kniehebelwirkung erzielt, indem die Kniehebel l in ihrem Mittelgelenk von Schubstangen l1 erfasst werden, die mit dem Excenter J verbunden sind. Federn w2, welche durch Platten m1 und Stangen m mit den Membranen d verbunden sind, mildern die auftretenden Stösse.

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Besonders bei den Knotenfängern, bei welchen eine rasche, zitternde Bewegung der Siebplatten eingeleitet wird, geschieht es nicht selten, dass Katzen entstehen, oder aber dass an einzelnen Stellen Tröpfchen zusammenlaufen, welche von der dem Stoff beigesetzten Farbe ziemlich viel enthalten und, auf den sortirten Stoff fallend, denselben stellweise ungleichmässig färben. Es könnte dadurch immerhin geschehen, dass Ausschuss, besonders bei feineren Papieren, erzeugt wird. Um dem nun vorzubeugen, wird nach dem amerikanischen Patent Nr. 480446 von Robert W. Allan in Fairfield vorgeschlagen; den bereits von Knoten gereinigten Stoff noch in eine Bütte laufen zu lassen, worin sich ein Rührwerk befindet, das die erwähnten Ungleichmässigkeiten vertheilt. Im Zusammenhalt mit dem schon weiter oben Gesagten müssten allerdings hierzu solche Rührwerke angewendet werden, welche keine neuerliche Katzenbildung befürchten lassen.

Die Langsiebpapiermaschine.

a) Das Langsieb.

Beim Uebertritt des Stoffes auf das Sieb, auf welchem er zur Papierbahn ausgebildet wird, ist es nothwendig, dass ein dichtender Anschluss vorhanden sei, damit der Stoff nicht vor der Brustwalze durchrinne. Diesen Zweck erfüllt das Siebleder. Weil auf seiner Unterseite das bewegte Langsieb vorbeistreicht, wird es begreiflicher Weise nicht unwesentlich abgenutzt. Dies hat zu Versuchen geführt, durch ein anderes, billigeres und vielleicht widerstandsfähigeres Material das Siebleder zu ersetzen. In der Kranz'schen Papierfabrik bei Graz versuchte es Director Julius Schliephacke erfolgreich mit Pergamentpapier und Pergamentcarton, welches Material mindestens ebenso lange hielt als Siebleder aus Gummi. Dabei ist der erwähnte Carton leichter und glatter als Gummi, so dass auch das Sieb weniger abgenutzt wird. Auch sind Verunreinigungen des Stoffes wie selbe bei Gummi dann eintreten, wenn dasselbe abgerieben ist und die Gewebeeinlagen zum Vorschein kommen, mit Rücksicht auf das Pergamentmaterial ausgeschlossen.

Die Haltbarkeit der Langsiebe ist in Betreff der Kosten, welche dieselben nicht bloss an und für sich, sondern auch durch das Stillestehen beim Aufziehen eines neuen Metalltuches verursachen, ein sehr wichtiger Punkt. Es kann dabei nicht genug empfohlen werden, nur bestes Material zu wählen. Es ist eine grosse Summe von Erfahrungen nothwendig, um sowohl den Draht thunlichst widerstandsfähig herzustellen, als auch denselben gut zu verweben.

Es ist da z.B. keineswegs nothwendig oder auch nur gut, wenn der Draht jedes Mal, bevor er auf eine feinere Nummer gezogen wird, ausgeglüht werde. Dies ist bewiesen dadurch, dass ein Draht bis zu einem gewissen Grade durch Ziehen an guten Eigenschaften – wie gleichmässige Structur, Erhöhung der Festigkeit u. dgl. – gewinnt. Wenn man den Draht nur vor dem Verweben ausglüht, so erhält derselbe genügende Weichheit und Biegsamkeit, um beim und nach dem Verweben sich gut zu verhalten.

Ein wichtiger Punkt ist auch das Behandeln des Metalles beim Giessen, um soweit wie irgend möglich ein dichtes, gleichmässiges Product zu bekommen. Das ist aber eine Erfahrungssache, welche nicht leicht von Jemandem preisgegeben wird, der durch viele Opfer an Mühe und Geld sich diese Erfahrung erkaufen musste. Deshalb ist wohl meist nur älteren, wirklich gut bekannten Fabriken das Vertrauen in dieser Sache mit Recht entgegen zu bringen.

Gute Metalltücher können nach den Erfahrungen der letzten Zeit 5 Monate bei gewöhnlicher Arbeit ununterbrochen laufen und selbst, wenn Papiere mit Wasserzeichen gearbeitet werden, wo die Siebe stärker beansprucht werden, kann man ganz gut 3 bis 4 Monate, selbst länger; damit arbeiten.

Für die Menge der Production ist die Siebbreite ein wichtiger Factor. Grössere Breite ermöglicht mehr Papier in derselben Zeit herzustellen. Ueber eine gewisse Breite hinaus verursacht aber die Bedienung der Maschinen manche Schwierigkeiten, so dass viel öfter eine grössere Menge Ausschuss erzeugt werden kann. Dadurch ist es dann leicht möglich, dass so breite Maschinen keineswegs billiger arbeiten als schmälere, zu deren Gunsten auch noch das kleinere Anlagekapital hervorgehoben werden muss.

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Als grösste Breite, welche jetzt bei englischen und amerikanischen Maschinen vorkommt, mögen 126'' (320 cm) für das Sieb gelten. Doch sei bemerkt, dass nach The Paper Record eine von Bentley und Jackson in Bury gebaute Papiermaschine von 146'' Breite in der Fabrik der Star Paper Company in Feniscowles bei Blackburn in England in Betrieb ist und soweit befriedigt, dass ganz gut 140'' (351 cm) breite Papierbahnen geliefert werden. Dass es aber gewagt ist, mit solchen Ungethümen zu arbeiten, dass hierzu ganz besonders gut eingearbeitete Bedienung, insbesondere ein wohlerfahrener Maschinenführer gehört, mag der Umstand darthun, dass die Amerikaner für die Weltausstellung in Chicago etwas Aehnliches nicht auszuführen gewagt haben, obwohl dieselben gern die Maschine noch durch eine solche von 160'' Breite überboten hätten. Kein amerikanischer Papierfabrikant wollte sich dazu hergeben, eine solche Maschine anzuschaffen.

Was nun die Art der Herstellung des Siebes anbelangt, so hat Paul Tourasse zu seinem D. R. P. Nr. 54525 (vgl. 1892 286 28) das Zusatzpatent Nr. 65669 erhalten. Bei seinen Sieben wird Draht vorerst schraubenförmig gewunden und werden dann die einzelnen gleich langen Drahtschrauben sozusagen in einander gedreht. So soll es auch weiterhin geschehen; nur soll das fertige Metalltuch durch ein Walzwerk gehen, um das Gewebe abzuflachen. Das Tuch soll dadurch widerstandsfähiger werden, jedenfalls wird es dichter, daher kann das Sieb sich nicht so leicht verschleimen, es wird ebener, glatter und längt sich auch ganz bedeutend, so dass an Materialgewicht erspart wird. Ein Aufdrehen des Tuches ist nach dem Walzen auch nicht mehr möglich, es braucht daher nicht mehr gesäumt zu werden.

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Eine weitere wichtige Einzelheit betrifft die Siebrüttelung. Es wurde (1892 286 157) darauf hingewiesen, welche Wichtigkeit der Stärke der Rüttelung zukommt, dass für jede Papiergattung die Rüttelung, was Zahl und was Grösse der Hübe anbelangt, eingestellt werden sollte. Das amerikanische Patent Nr. 476153 an Leighton Lee in Wilmington bezweckt, den Rüttelständer zu ersparen. Hierzu wird, gemäss der schematischen Fig. 44, ein Winkelhebel gewählt, dessen einer Schenkel A nahe auf den Boden gelegt wird, während der andere stehende Hebelschenkel B an geeigneter Stelle C den Siebtisch T in der Nähe der Brustwalze D fasst. Das Hebelende A erhält nun durch Vermittelung der Stange E, welche an einen verstellbaren Kurbelzapfen bei F angeschlossen ist, auf und ab gehende Bewegung. Auch die Tourenzahl kann geregelt werden, wenn die Antriebsscheibe G z.B. als Riemenkonus ausgeführt wird, der mit einem entsprechenden durch einen verschiebbaren Riemen verbunden ist. Auch das amerikanische Patent Nr. 459351 von F. M. van Wormer in Sandy Hill bezieht sich auf eine besondere Lage des Schüttelständers: doch können wir uns nicht der Meinung anschliessen, dass dadurch die erstrebte Vereinfachung bei der Siebauswechselung wirklich erreicht wird.

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Die Verstellung, was Zahl und Stärke der Hübe anbetrifft, während des Ganges bequem auszuführen, so dass man also während des Auflaufens sich der Stoffgattung anpassen kann, ist gewiss von Vortheil. Darauf zielt nun ein Schüttelbock bin, welcher von der Maschinenbauactiengesellschaft Zweibrücken zum Patente angemeldet worden und hier nach Bildern in der Papierzeitung 1893, in Fig. 45 bis 49 wiedergegeben ist. Die Schüttelung geht aus von der Stange S am Kurbelzapfen Z. Einerseits kann nun die Tourenzahl von Z, also auch die Zahl der Schüttelungen in der Zeiteinheit dadurch geregelt werden, dass im Frictionsrädertrieb AB das Rad B in der Höhenrichtung mittels des Handrades g1 verstellt werden kann, also näher oder ferner vom Mittelpunkte des Rades A. Andererseits kann der Kurbelradius, d.h. die Entfernung des Zapfenmittels von Z von der Mitte der stehenden Welle b, in der Hülse a geändert werden. Der Kurbelzapfen Z ist nämlich nicht unmittelbar mit der Welle b verbunden, sondern mittels des Führungsbockes f (Fig. 47 bis 49), er besitzt einen schiefen Schlitz y, in welchen ein ähnlich schief gestellter Ansatz x an einem Stücke c passt, welches sich fest anschliesst an eine zweitheilige, den oberen Kammzapfen umgebende Büchse und überdies an den mit dem Schwungrad d fest vergossenen Theilen m sicher geführt ist. Nun ist klar, dass, wenn die Achse b in der Höhenrichtung verstellt wird, sich x und y relativ an einander verschieben und der Theil f mit dem Zapfen Z vom Achsenmittel abgedrängt oder demselben näher gebracht werden kann. In der Höhenrichtung verstellt wird Achse b dadurch, dass ihr unteres Ende mit Gewinde versehen ist, das in der Nabe vom unverschieblichen Rad k seine Mutter findet, k ist aber durch Rad i und Welle h mit dem Handrade g verbunden. Weil b während des Ganges in der Höhenrichtung verschoben werden soll, ist eben b von der Hülse a umgeben, in welcher b, mit Keilnuth versehen, auf einem Längskeil unbeschadet der fortwährenden Drehung gleiten kann, da das die Drehung vermittelnde Rad B erst auf der Hülse a festsitzt, bezieh. an der Aussenseite derselben auch auf einem Längskeil in die Höhe geschoben oder gesenkt werden kann.

Nach dem Vorschlage von Oskar Setz in Düren, (D. R. P. Nr. 61877) soll die Siebrüttelung überhaupt entfallen und dafür die Verfilzung durch einen quer gegen |31| das Sieb bewegten Stoffrechen befördert werden. Gewiss würde der Wegfall der Rüttelung das Sieb ungemein schonen, ob aber dadurch nicht doch die Qualität des Papieres leidet, weil die Fasern sich kaum so innig verfilzen werden, als bei der weitreichenden Siebrüttelung, ist eine andere Frage. Für weniger feste Papiere ist der Vorschlag ohne weiteres als beachtenswerth zu bezeichnen. Aehnliches ist allerdings bei Cylinderpapiermaschinen (vgl. 1888 269 101) bereits benutzt worden. Der Stoff fliesst über das Siebleder c (Fig. 50) aus dem Troge a auf das Sieb d, welches in der Nähe der Brustwalze b durch einen dichten Boden F gestützt ist, so dass kaum Wasser aus dem Zeuge ablaufen kann, derselbe also sehr flüssig bleibt. In diesem wühlt nun ein hin und her bewegter Stoffrechen mit schief stehenden Zinken ZZ1 und bringt dadurch den Zeug jedenfalls in lebhaft wirbelnde Bewegung. Weiter fliessend stösst der Zeug dann noch auf mehrere Schaumlatten r bis r3, welche erwiesenermaassen auch Wirbel erzeugen und dadurch auch etwas dazu beitragen können, die Fasern durch einander zu bringen; wenn man auch von diesen Schaumlatten, die ja auch bei den gewöhnlichen Papiermaschinen vorkommen, nicht zu viel erwarten darf. Unmittelbar über dem Saugkasten G stehen hier die letzten Schaumlatten und erhält hier auch der Boden F eine bedeutende Anzahl von nach unten sich ausweitenden Löchern. Es wird also dem Zeuge, noch während er in ziemlich lebhafter wirbelnder Bewegung ist, rasch so viel Wasser entzogen, dass die Fasern soweit verfilzt, als es hier eben möglich ist, auf das Sieb gelangen. Weiterhin sind Sieb und die übrigen Theile ähnlich wie bei anderen Papiermaschinen angeordnet gedacht.

Textabbildung Bd. 294, S. 31
Textabbildung Bd. 294, S. 31
Um die Deckelriemen, welche auf dem Langsiebe das sich bildende Papierblatt seitlich begrenzen, jederzeit bequem reinigen und deshalb schärfere Papierränder erwarten zu können, empfiehlt nach amerikanischem Patent Nr. 498917 C. M. Dowell in Philadelphia folgende Einrichtung (Fig. 51 und 52). Es wird an geeigneter Stelle in der Nähe der Brustwalze A um den Deckelriemen B ein doppelwandiges Kästchen F gelegt. Dabei ist die innere Wand K siebartig gelocht, so dass Wasser, welches bei J1 zugeleitet durch Schlauch J in das Kästchen F eintritt, von allen Seiten auf den Deckelriemen B spritzt und denselben solcherart abwäscht. Das Waschwasser kann dann durch G und Schlauch H in den Stoffänger abgelassen werden. Um auch das Langsieb, unmittelbar bevor der Deckelriemen aufläuft, zu spülen, ist ein Rohr J2 abgezweigt, welches unten in eine Brause E endet, aus welcher Wasser, nachdem der Hahn i eröffnet worden ist, auf das Sieb C spritzt. Eine angeblich bequemere Stellung der Deckelriemen, um dieselben der gewünschten Papierbreite anzupassen, bietet A. Aldrich in Beloit im amerikanischen Patent Nr. 502266. Doch scheint uns diese Ausführung viel zu labil, um eine Einführung in die Praxis erwarten zu lassen.

b) Sauger.

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Bekanntlich wird zur ersten mechanischen Entwässerung des Stoffes, welcher sich auf dem Siebe abgesetzt hat, um denselben für die weitere Verarbeitung tauglich zu machen, der äussere Luftdruck benutzt, welcher einen Theil des Stoffwassers in eine sogen. Saugwanne presst, aus welcher in irgend einer Art die Flüssigkeit abgesaugt wird. Begreiflicher Weise wird dabei das Sieb stark an die Seitenwände der Wanne angedrückt, und entsteht, weil ja das Sieb mit einer gewissen Geschwindigkeit darüber gleitet, eine merkliche Reibung; die einerseits dazu beiträgt, dass das Sieb vorzeitig abgenutzt wird, andererseits den Rand des Saugkastens verschleisst, wodurch Unreinigkeiten an das Sieb und von dort in die Papierbahn gelangen können und Gelegenheit zur Ausschussbildung gegeben ist. Daher ist die Wahl des Materiales, welches eben die Saugwanne dem Siebe darbietet, von Wichtigkeit: es sei geradfaseriges, womöglich nicht geschnittenes, sondern nach der Faserrichtung gespaltenes Holz; am besten ist wohl Weissbuchenholz ohne Knorren. Auch wird die Saugwanne oben mit gelochten Platten eingedeckt, über welche das Sieb streicht, wodurch die Auflagerfläche vergrössert, also der specifische Druck und die Abnutzung herabgesetzt werden kann. Doch muss man mit der Anordnung der Löcher in den Saugkastenplatten vorsichtig sein, weil leicht verhältnissmässig zu ausgedehnte Stellen entstehen können, wo das Wasser nicht rechtzeitig, insbesondere gleichzeitig mit Nachbarpartien der Papierbahn entfernt wird, daher stellenweise der Stoff flüssiger bleiben und unter dem Einflüsse des |32| Siebrüttelns sich anhäufen und zur Bildung von sogen. „Wasserstreifen“ Anlass geben kann.

Nach dem Vorgesagten wäre die glücklichste Lösung wohl die, wenn überhaupt keine relative Bewegung zwischen dem Sieb und seiner Unterlage und damit auch keine Reibung am Siebe stattfände. In der That sind solche Lösungen versucht worden. Nach dem D. R. P. Nr. 63665 von Fr. W. Andreas in Coswig wird der oben erwähnte gelochte Deckel der Saugwanne in der Siebrichtung beweglich gemacht, so dass durch einen geeigneten Antrieb das Sieb und seine Unterlage sich mit gleicher Geschwindigkeit bewegen. Wir bemerken (Fig. 53) in m das Langsieb, welches zwischen x und x1 sich über der Saugwanne befindet, aber nicht unmittelbar auf ihr, sondern auf dem Hilfssiebe b aufruht, welches seinerseits durch die Wirkung des Luftdruckes an die Ränder xx1 der Wanne angedrückt wird, über Walzen aa1, cc1 geht, von welchen a den Antrieb erhält und cc1 als Spannwalzen anzusehen sind. Seitlich wird das Hilfssieb b durch Rollen f geführt, in der Mitte durch eine Laufwalze e gestützt. Um erwarten zu können, dass b ordentlich auf den Rändern des Saugkastens aufliegt, sind die Rollenlager von a und a1 mit Schraubenstellung versehen. Abgenutzt wird nun, allerdings nur dann, wenn wirklich die Geschwindigkeit der Siebe m und b gleich gross ist, bloss das Hilfssieb b, was nicht so viel verschlägt, weil es viel kürzer, also auch viel billiger ist als das Langsieb m.

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Bei dem D. R. P. Nr. 66946 von Hermann Fischer in Raguhn wird der Saugkasten mit einigen Walzen, welche den Wänden thunlichst nahe rücken, so ausgestattet, dass nach allen vier Seiten das Langsieb auf Rollen aufliegt, welche von jenem drehend mitgenommen werden, wodurch die Reibung zum guten Theile vermieden wird. Bis auf den Umstand, dass die Ränder des Siebes dabei doch nicht so aufliegen, dass seitlich sicher gedichtet wird, könnte der Ausführung nur zugestimmt werden.

Endlich ist nach D. R. P. Nr. 60024 von M. Fischer und A. Liska in Pilsen die Saugwanne als Walze A ausgeführt, welche, ähnlich wie bei der Andreas'schen Construction, von einem Hilfssiebe, das hier (Fig. 54) als Siebwalze B die Walze A umgebend ausgebildet ist. In A befindet sich eine Nuth k, in welcher zwei Steine b gleiten, welche nach der Breite, auf welche gesaugt werden soll, also hier senkrecht gegen die Zeichnungsfläche, durch Schrauben eingestellt werden können. Zur Erhöhung der Analogie mit der Construction von Andreas trägt auch der Umstand bei, dass auch hier das Hilfssieb B so angetrieben wird, dass seine Umfangsgeschwindigkeit gleich jener des Maschinensiebes S ist. So sehr sich auch die Construction durch Einfachheit empfiehlt, so muss doch befürchtet werden, dass die hier zur Verfügung stehende Fläche, auf welche der Luftdruck wirken kann, trotzdem das Langsieb S bei der Saugwalze A ein stumpfes Knie bildet, so klein ist, dass nicht hinreichend Zeit zur gehörigen Entwässerung der Papierbahn vorhanden ist, obwohl von Seite der Erfinder behauptet wird, dass drei andere Sauger durch einen einzigen Sauger der eben besprochenen Art mit befriedigendem Erfolge ersetzt worden seien. (Uebrigens sind auch die Lager von A in der Längsrichtung der Maschine verstellbar, um beim „Verlaufen“ des Siebes nachhelfen zu können.)

c) Vordruckwalzen.

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Um die Vordruckwalzen möglichst leicht zu machen, hat A. J. Tucker in Springfield im amerikanischen Patent Nr. 476968 eine Ausführung angegeben, bei welcher keine eiserne Achse vorkommt (vgl. Pohle, 1892 286 29). Zu diesem Zwecke wird (Fig. 55) zur Bildung eines ersten Gerippes auch ein endloser Draht in der ganzen Länge des Egoutteurs benutzt. Der Draht verläuft jedoch nicht in einer ununterbrochenen Schraubenlinie, sondern wird mehrfach geknickt, so dass Knoten c entstehen, in denen eine vorhergehende Windung von einer nachfolgenden getroffen wird. An solchen Stellen löthet man die Drähte zusammen. Um die Siebwalze weiter zu versteifen, legt man nach der Länge der Walze Drähte b, welche auch an den erwähnten Knoten c fest gelöthet werden. Die Enden der Walze werden durch Ringe gefasst, welche nach einem zweiten amerikanischen Patent Nr. 464467 keine Zapfenansätze enthalten, sondern nur seitlich im wagerechten Durchmesser durch Röllchen b gehalten werden (Fig. 56). Dadurch wird die Einführung eines Spritzrohres D sehr bequem – bei anderen Ausführungen könnte man allerdings eine hohle Achse verwenden –, um allenfalls auf dem Dandyroller festgesetzte Fäserchen zu entfernen. Nun darf aber das Spritzwasser nicht auf die Maschine, auf die Papierbahn gelangen, weshalb es thunlichst sorgfältig aufgefangen werden muss. Hier geschieht dies durch eine gekrümmte Wand E, welche unten, schon in der Nähe des Langsiebes, in eine Rinne e übergeht, durch welche das Spritzwasser und der abgespülte Stoff allenfalls zum Stoffänger geleitet werden können.

Textabbildung Bd. 294, S. 32
Die Tucker'sche Sieb walze kann vermöge ihrer eigenthümlichen Zusammenstellung recht steif und widerstandsfähig werden, vielleicht mehr als die Pohle'sche, doch dürfte auch das Gewicht der ersteren grösser als das der zweiten ausfallen. Am besten wird das Gewichtsminimum erreicht werden, ohne dass der hinreichende Zusammenhang mangelt, wenn Aluminiumdraht für den vorliegenden Zweck gebraucht wird. So werden schon heute aus diesem Materiale ungewöhnlich leichte Vordruckwalzen von einigen Specialfirmen, |33| wie z.B. von Gottl. Heerbrandt und Jul. Pohle in Raguhn, hergestellt.

Welches Material immer gewählt wird, so bleibt das Aufziehen des Siebes auf Walzen immer eine sehr heikle Sache und muss mit vieler Vorsicht so geschehen, dass das aufgezogene Sieb ohne Falten u. dgl. auf dem Kerngerippe hinreichend fest sitzt. In der Fabrik von Gottl. Heerbrandt wird hierfür das eine Ende des Siebschlauches in einer geeigneten Ringklemme straff geklemmt, nachdem durch einige Einschnitte das betreffende Siebende senkrecht gegen die Cylinderrichtung umzubiegen ermöglicht wurde. In der Längsrichtung klemmt man das Sieb an einige Stäbe, welche an der erwähnten Ringklemme angebracht sind. Dann wird der solcherart cylindrisch ausgespannte Siebschlauch vorsichtig über den vorbereiteten Kern geschoben, theilweise von Hand, theilweise unter Zuhilfenahme einer Winde.

Textabbildung Bd. 294, S. 33
Eine Abänderung, um beliebige echte Wasserzeichen nicht mit der eigentlichen Vordruckwalze, aber doch auf eine im Principe ganz ähnliche Art, unter Umständen sogar farbig, zu erzeugen, haben Emil Hoesch in Düren und Max Krause in Berlin im D. R. P. Nr. 59473 angegeben. Es wird (Fig. 57) dabei ein endloses Gewebe d, welches um die Walze b läuft, auf der noch feuchten, bildsamen Papierbahn a abgedrückt. Die Spannwalze f hält das Gewebe gespannt, im Troge i kann dasselbe, um eine Walze m gehend, Farbe aufnehmen, bei p können die Zwischenräume von hängen gebliebenen Fasern gereinigt werden, wobei es allerdings fraglich bleibt, ob nicht die von i mitgenommene Farbe verläuft und daher beim Abdrucke Flecke erzeugt. Schliesslich könnte aber das Spritzrohr p auch an anderer, hierfür vielleicht geeigneterer Stelle angebracht werden. Das Gewebe d erhält übrigens gleiche Geschwindigkeit mit der Papierbahn a.

Das D. R. P. Nr. 63240 ist Edmund Merhaut in Pilsen dafür ertheilt worden, farbige Wasserzeichen zu erzielen. Es wird dabei eine, der gewöhnlichen Egoutteurwalze ganz ähnliche Walze vorgeschlagen, bei welcher jedoch an geeigneter Stelle Vorsprünge aus Kautschuk oder Metall mit Gravirung o. dgl. angebracht sind, welche von einer Farbwalze eingefärbt werden, worauf sich die Walze an der Papierbahn abrollen und derselben die farbigen Aufdrücke ertheilen kann.

Um Sicherheitspapier, Papier mit localisirten Fasern, mit Wasserzeichen und zwar farbig auf weissein Grund oder umgekehrt herzustellen, hat A. B. Drautz in Stuttgart das D. R. P. Nr. 62052 bekommen. Der Vorgang ist der Hauptsache nach so, dass die im Mischholländer zugesetzten localisirten Fasern entweder vorher gefärbt oder doch gebeizt werden, worauf dann ein Aufdruck mit gewissen Farben folgt, die von den an den localisirten Fasern haftenden Farbstoffen oder von der Beize beeinflusst werden. Solche Papiere erfordern dann aber noch eine weitere sorgfältige Behandlung, wie vorsichtiges Waschen, Trocknen zwischen Filztüchern, um keine Falten entstehen zu lassen u.s.w. Dergleichen Kosten kann aber ein solches Papier, welches nur für Werthsachen bestimmt ist, wohl tragen. Schliesslich sei hier noch eines recht einfachen Verfahrens von W. Herzberg gedacht, um „echte“, d.h. noch in der feuchten Papierbahn durch den Egoutteur erzeugte Wasserzeichen von „unechten“ oder „künstlichen“ Wasserzeichen, welche in das Papier im trockenen Zustande eingepresst werden, zu unterscheiden. Herzberg verwendet eine Lösung von 60 g Aetznatron in 200 g Wasser und legt in diese Lauge einen Streifen Papier mit dem Wasserzeichen ein. „Echte“ Wasserzeichen treten nach einiger Zeit noch deutlicher hervor, während künstliche allmählich verschwinden. Die Erklärung mag darin liegen, dass die Natronlauge die Fasern zum Quellen bringt. Während nun bei „echten“ Wasserzeichen wirklich dünnere Stellen im Papier vorhanden sind, weil die Erhöhungen am Egoutteur in der noch feuchten Papierbahn Fasern verschieben konnten, bei den „künstlichen“ Wasserzeichen aber die sonst aller Orten gleich dicke Papierbahn nur stellenweise zusammengequetscht wird, so ist erklärlich, dass beim Aufquellen der Papierfasern die erwähnten Erscheinungen eintreten.

(Fortsetzung folgt.)

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