Titel: Neuerungen in der Papierfabrikation.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1894, Band 294 (S. 73–81)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj294/ar294023

Neuerungen in der Papierfabrikation.

Von diplom. Ingenieur Alfred Haussner.

(Schluss des Berichtes S. 49 d. Bd.)

Mit Abbildungen.

Schneidmaschinen für Papier und Pappe.

Textabbildung Bd. 294, S. 73
Einige Patente für Längsschneider mögen als nicht bedeutend und von fraglicher Neuheit hier übergangen werden. Aber auch für Querschneider liegt nicht viel vor, was eingehendere Besprechung verdienen würde, ausgenommen etwa die Querschneidmaschine für endloses Papier von Oskar Setz in Düren nach D. R. P. Nr. 57692, welche verhältnissmässig recht einfach ist (Fig. 77 und 78). Bekanntlich ist es nothwendig, die Papierbahn während des Schnittes festzuhalten und dann erst das Messer zum Schnitte sich bewegen zu lassen. Beide Bewegungen sind hier von einer Curvenscheibe recht einfach abgeleitet. Das bewegliche Messer wird durch den Kniehebel f nach abwärts gedrängt, wenn die Zugstange g vom oberen Ende des Hebels h zwischen Rollen x nach rechts gezogen wird, und das geschieht, wenn die Rolle r am unteren Ende von h in den Theil q der Curvenscheibe n gelangt. Dann geht aber auch ein Arm b, der an den Hebel h oben geschlossen ist, nach rechts, so dass die Federn p wirken können, den Pressbalken i nach abwärts drücken und vermöge des Kniehebels k die Stange l mit ihrer Endrolle y zwingen, dem Arme b zu folgen, gerade so, als ob l mit b fest verbunden wäre. Somit ist den beiden oben angedeuteten Forderungen genügt. Verlässt die Rolle r die Stelle q der Scheibe n bezieh. dreht sich diese weiter, so gelangt Hebel h in die Stellung, wie er in Fig. 77 gezeichnet ist, d.h. Rolle y ist nach links geschoben, somit wegen Stange l und Kniehebel k die Federn p zusammengedrückt, der Pressbalken i angehoben. Weiter sind aber auch die Rollen x nach links gebracht, daher wegen der Stange g und des Kniehebels f auch das Messer s hochgehoben. Somit kann ein neues Stück der Bahn vorgeschoben werden. Dies geschieht durch die Walzen aa und bb1, wobei bb1 grössere Umfangsgeschwindigkeit als aa1 erhalten. Die Bahn zwischen aa1 und bb1 ist daher immer straff gespannt. Weil aber die eben bezeichneten Walzen sich fortwährend drehen, so muss während des Schnittes, der allerdings wegen der geringen Länge der Stelle q der Curvenscheibe n verhältnissmässig nur ganz kurze Zeit dauert, sich das Papier hinter dem Pressbalken i zwischen diesem und den Walzen bb1 etwas stauen. Das ist wohl das einzige Bedenkliche an der Maschine, dürfte aber bei sorgfältiger Wartung und geeigneter Regelang der Zufuhrgeschwindigkeit des Papieres kaum wirklich Schaden verursachen. Dieser Umstand muss eben wegen der sonstigen Einfachheit der Maschine mit in den Kauf genommen werden. Uebrigens können auch verschiedene Formate geschnitten werden, ohne die Curvenscheibe n auswechseln zu müssen, wenn nur die Geschwindigkeit des Antriebes derselben im Verhältniss zur Zufuhrgeschwindigkeit z.B. mit Riemenkonus o. dgl. geregelt werden kann.

Falls die vorbeschriebene Maschine genügend kräftig gebaut wird, kann sie wohl unbedenklich auch zum Querschneiden von Pappe benutzt werden. Es dürfte dieses System entschieden empfehlenswerther sein, als etwa das von R. Nyblad in Pappenburg, welcher verhältnissmässig sehr schwere Messer frei fallen lässt, um dadurch Pappen quer zu schneiden; einfacher als bei der obigen Setz'schen Maschine wird die Ausführung kaum.

Von anderen Ausführungen, die hauptsächlich Handbetrieb voraussetzen, sei nur bemerkt, dass die meisten darauf ausgehen, in irgend einer Weise die Aufgabe zu lösen, „ziehenden Schnitt“ zu erzielen. Hervorgehoben sie eine Ausführung der Maschinen-Cartonnagen-A.-G. in Hamburg |74| nach D. R. P. Nr. 66489; wo das gekrümmte Messer E um einen festen Drehpunkt b (Fig. 79) schwingt, während mit Hilfe des Armes F, der eigentlich mit E einen Winkelhebel bildet, und der Zugstange Z der in Führungen am Untergestell gleitende Tisch T gegen den Messerdrehpunkt gezogen wird, wenn das Messer niedergeht, und von b entfernt wird, wenn das Messer gehoben wird. Ein Gegengewicht, das nicht gezeichnet ist, balancirt das verhältnissmässig schwere Messer E aus. Um Platz zu sparen, kann das Balancirgewicht auch durch eine Hebelverbindung leicht unter den Tisch verlegt werden; auf eine derartige Anordnung hat z.B. Molitor und Co. in Heidelberg das D. R. P. Nr. 67817 bekommen.

Textabbildung Bd. 294, S. 74
Nicht wenige von anderen derartigen Maschinen benutzen einen Zahnstangentrieb mit schief gelegter Zahnstange, um den ziehenden Schnitt zu erreichen. Auch werden bezügliche ältere deutsche Ausführungen als neue amerikanische Patente aufgewärmt. Dabei ist die Schneidkante des Messers entweder wagerecht oder auch geneigt gegen die Wagerechte gelegt, um im letzteren Falle auch allmählichen Angriff, also nur allmählicher zu steigernde Kraftwirkung zu erzielen. Der Pressbalken ist dann derart zu verbinden, dass er eher sich auf den zu beschneidenden Papierstoss setzt, als das Messer zu schneiden beginnt, dann aber den weiteren Abwärtsgang des Messers nicht hindert, was durch eingeschaltete Federn in verschiedenen Anordnungen erreicht ist. Um auch Streifen von kleinerer Breite, als sie der Pressbalken besitzt, sicher schneiden zu können, hat z.B. C. Fr. Sprich in Biebrich nach D. R. P. Nr. 70909 einen nachgiebigen Anschlag construirt, der aus zwei durch Federn verbundenen Platten gebildet ist, so dass, wenn der Pressbalken niedergeht und nur eine geringe Breite des Papierstosses klemmt, er sich auch noch auf den nachgiebigen Anschlag stützen kann, wobei dieser überdies verhindert, dass die unteren Lagen des Papierstosses ungehörig ausweichen.

Andere Ausführungen wieder, wie z.B. jene von Eugène Ravasse in Paris nach D. R. P. Nr. 67935, sind mit Rücksicht auf die immerhin einfache Aufgabe, welche zu lösen ist, ganz unglaublich verwickelt construirt.

Glätten.

Für Rollenpapier werden die Kalander, welche das Glätten zu besorgen haben, jetzt immer mehr mit vielen Walzen, man geht bis auf vierzehn Stück, ausgestattet, um den grossen Anforderungen, welche heute in Bezug auf die Glätte an bessere, oft aber auch schon an minderwerthige Papiere gestellt werden, zu genügen, und doch die hohe Glätte in möglichst kurzer Zeit zu erreichen. Weil nun die Walzen fast ausnahmslos über einander gelegt werden und mit Rücksicht darauf, dass die Durchbiegung der Walzen trotz des bedeutenden Druckes nicht merklich sein soll, ziemlich bedeutende Walzendurchmesser angenommen werden müssen, erreichen die neueren Kalander eine grosse Höhe und bedeutendes Gewicht. Da ist es dann um so wichtiger, die Walzen derart zu lagern, dass man jede Walze für sich auswechseln könne, ohne etwa für eine tief liegende erst alle höheren herausnehmen zu müssen. So finden wir in den Industries, October 1891, einen achtwalzigen Kalander, bei dem sämmtliche Lager an geeigneten Ständern fliegend angebracht sind. Der Drück wird durch Gewichtsbelastung mit Hebelübersetzung in oft ausgeführter Anordnung erzielt. Diese Kalander werden von Bentley und Jackson in Bury gebaut. Bei anderen Systemen finden wir statt der Gewichtsbelastung hydraulischen Druck durch Accumulatoren vermittelt, von welchen entweder jeder Kalander einen für sich allein besitzt, oder es werden in grösseren Kalandersälen für eine Reihe von Glättwerken gemeinsame Accumulatoren benutzt. So wie bei dieser Einzelheit finden wir auch sonst noch an Einzelheiten manches geändert, an dem Systeme selbst ist nicht leicht, schon seiner grundsätzlichen Einfachheit halber, irgend etwas anders zu machen. So sind nach dem Vorschlage von Richard Smith in Sherbrook nach dem amerikanischen Patent Nr. 497610 Luftströme dazu verwendet, um bei der selbsthätigen Einführung des Papiers in die Kalander, was ja zur leichteren Vermeidung von schweren Unfällen jetzt häufig geschieht, die sonst oft gebrauchte Bändchenführung entbehren zu können. Dabei wird (Fig. 80) in der Nähe der Einführstelle ein Theil eines Hohlringes c concentrisch und ziemlich nahe zur Walze gelegt, der eine bedeutende Anzahl von Löchern b gegen die eine Walze besitzt und von dem allen derartigen Theilen gemeinsamen Rohr a mit Luft gespeist wird, welche allenfalls von einem Ventilator zugeführt zu denken ist. Die aus den Oeffnungen b gegen die bezügliche Walze strömende Luft drängt das Papier an die Walze, so dass es bis zur nächsten Walze mitgenommen wird. Man könnte dieser Vorrichtung schon das Wort reden, aber die Zuführung der Blaseluft mit dem, was noch dazu gehört, macht doch den Kalander ziemlich theuer. Die Verlängerung s wirkt als Schaber, um zu verhindern, dass die Papierbahn einen falschen Weg nehme.

Textabbildung Bd. 294, S. 74
Textabbildung Bd. 294, S. 74
Bei anderen Kalandern finden wir ganz empfehlenswerthe Vorrichtungen dazu, um bleibende Falten u. dgl. beim Glätten zu vermeiden. Diese Falten verursachen Ausschuss, oft nicht wenig, und können auch unter Umständen die Papier- (oder Baumwoll-) Walzen ernstlich beschädigen. Es ist daher durchaus nicht unwichtig; die Falten ordentlich auszustreichen, bevor das Papier dem Walzendrucke unterworfen wird. Eine derartige, recht einfache Vorrichtung ist die nach D. R. P. Nr. 59592 von August Brulé in Flot. Dabei ist eine Bürste BB1 aus zwei Theilen verwendet (Fig. 81). Die beiden Theile B und B1 sind gelenkig bei V an einander geschlossen, so dass man die Bürste innerhalb gewisser Grenzen in einem beliebigen Winkel knicken kann. Weil nun die Haare |75| der Bürste auf der Papierbahn streifen, Reibung auf derselben hervorrufen, also sozusagen die Bahn zurückzuhalten streben, wird dieselbe gespannt und ergeben sich bei geeigneter Knickung der Bürstenhälften auch Kraftcomponenten, welche die Tendenz zeigen, das Papier in die Breite zu ziehen, also Falten auszustreichen, wie aus der Fig. 82 entnommen werden kann. In derselben bedeuten AB und AC die beiden Bürstenhälften, P die Papierbahn und M1M2 zwei symmetrisch liegende Punkte. Sind dann M1K1 und M2K2 diejenigen Kräfte in der Laufrichtung, welche zur Ueberwindung der Reibungsantheile nothwendig sind, so folgen daraus Componenten M1N1 und M2N2 senkrecht gegen die bezüglichen Bürstentheile, welche durch den Widerstand derselben aufgehoben werden, während die Componenten M1F1 und M2F2 senkrecht gegen die Papierlaufbahn einander gerade entgegengesetzt sind, sich durch die Papierbahn hindurch aufzuheben trachten, daher dieselbe spannen und Falten ausstreichen werden. – Bei dem Falten ausstreicher von C. G. Haubold in Chemnitz ist statt der Bürsten (im D. R. P. Nr. 67752) nur eine gekrümmte Streifstange verwendet.

Bei dem Glättwerke von M. A. Gandillon werden einzelne Bogen durch Walzen gegeben. Um hier die Falten zu vermeiden, werden durch belastete Hilfswälzchen, welche mittels eines Fusstrittes angehoben werden können, die Bogen an den Zuführtisch gepresst und soweit gehalten, dass beim Einschieben in das Glättwerk Falten nicht so leicht entstehen können.

Selbstverständlich ist es, dass das besondere Kalandern um so weniger Arbeit verursachen wird, je glatter das Papier schon von der Papiermaschine kommt. Deshalb ist es schon lange bei Siebcylindermaschinen hier und da gebräuchlich, eine glatte Walze an den Siebcylinder, etwa mittels eines Fusstrittes, anzudrücken, um jene Unebenheiten etwas auszugleichen, welche durch die Beschaffenheit des Filzes hervorgerufen werden. Natürlich soll dies erst kurz vor dem Abnehmen der Pappe geschehen. Wie erwähnt, ist dies nichts Neues, und kann daher auch das D. R. P. Nr. 63077 von F. Flach in Brieg, welches Patent sich auf den geschilderten Umstand bezieht, auf Originalität keinen Anspruch erheben.

Ueber diejenigen Glättwerke, bei denen ein pendelnd aufgehängter Glättstein oder eine derartige Rolle benutzt wird (vgl. z.B. 1892 286 53), liegen einige amerikanische „Neuheiten“ vor, von denen es aber ihrer Geringfügigkeit halber nur zu wundern ist, wie Patente dafür erlangt werden konnten, wo es sich doch um vielfach Altbekanntes handelt und vielleicht nur die Form des Gestelles u. dgl. etwas abgeändert ist, ohne dass aber an der Sache selbst etwas anders geworden wäre.

Dagegen kann dem Vorschlage nur zugestimmt werden, welcher dahin geht, bei derartigen Maschinen mit Glättsteinen oder Glättrollen, welche in bestimmter lothrechter Ebene pendeln, wobei also auch nur ein verhältnissmässig kleiner Theil der Bahn, welche kurze Zeit ruht, während dieser Zeit bearbeitet wird, die Unterlage mit nachgiebigeren Stoffen, z.B. geleimter Pappe o. dgl., auszukleiden, damit, wegen der nachgiebigeren Unterlagen, die Stellen nicht so vortreten, wo zu glätten aufgehört und von Neuem begonnen worden ist.

Nicht uninteressant, obwohl einem ganz speciellen Zwecke dienend, ist die Glättmaschine für Papierhülsen von A. Schneider in Werdau nach D. R. P. Nr. 71065. Es handelt sich dabei um solche Hülsen, wie sie in Spinnereien verwendet, und die allerdings recht glatt und mit abgerundeten Kanten gewünscht werden. Diese Hülsen werden in mehreren Reihen, radial geordnet, auf einer Scheibe oder Armen aufgesteckt, welche sich an einer langsam drehenden Welle befinden und der Reihe nach durch Glättwerkzeuge, welche die Hülsen in der Längsrichtung streichen, in jenen oben angedeuteten Zustand gebracht, in dem sie erst verkäuflich sind. Die Maschine entfernt auch selbsthätig die fertigen Hülsen.

Herstellung verschiedener Papiere und Pappen.

a) Buntpapiere.

Die Zusammenstellung von Farben, die geeignet sind, für gewisse Farbentöne auf Papiere gestrichen zu werden, wird vielfach als Fabrikgeheimniss behandelt, weil es hier fast einzig und allein auf den Versuch, welche Farben und in welcher Mischung dieselben den gewünschten Farbenton hervorbringen, ankommt. Innerhalb dieses Berichtes ist wohl nicht der Ort, auf verschiedene Recepte, welche in Erfahrung gebracht wurden, näher einzugehen. Dagegen sei verwiesen auf eine anscheinend der Erfahrung entstammende Zusammenstellung von Farben für viele verschiedene Buntpapiere, welche z.B. in der Papierzeitung, 1892 S. 706, gegeben worden ist. Hervorgehoben werde im Allgemeinen, dass zu Deckfarben für feine Papiere Blanc fixe, dann aber auch Chinaclay u. dgl. gerne genommen wird, allerdings nicht für alle Farben. Weiter spielen eine grosse Rolle die Farblacke, Stärke, Schellack und Borax. Soll durch Reibung Glanz auf den Buntpapieren erzielt werden, so kommen zu den Farben auch Abkochungen mit Wachs, Paraffin u. dgl., wobei man unter Umständen auch noch erreichen kann, dass diese gestrichenen Papiere waschbar werden. Bei diesen verschiedenartigen Stoffen hat es begreiflicher Weise oft seine liebe Noth, eine gleichmässige, haltbare und gut zu streichende Farbe zu gewinnen. Der Auflösung von Paraffin in Schwefelkohlenstoff, um diese Lösung in die Farbe zu bringen, mag wegen der bedeutenden Feuergefährlichkeit nicht das Wort geredet werden. Einen Versuch werth dürfte aber das D. R. P. Nr. 71305 an Alois Dessauer in Aschaffenburg sein. Danach wird eine Schellacklösung mit Borax oder Salmiak versetzt und hierzu geeignete indifferente schleimige Körper gebracht, welche einen gleichmässigen Farbbrei erzielen lassen. Hierfür wird empfohlen eine Abkochung im Verhältniss von 500 g Wasser zu 100 g Althäawurzel. Die derart hergestellte Schellacklösung wird gemischt mit schwach alkalisch reagirendem Aluminiumhydroxyd, Kaliumchromsulfat und einer Leimlösung von 1,05 spec. Gew., das Ganze mit genügend Wasser tüchtig durch einander gerührt. Zum Farbbrei selbst wird auch Blanc fixe empfohlen, das mit der schon bezeichneten Leimlösung angerührt wird. Bei dem im Patente angegebenen Mengenverhältniss soll dann ein so schöner, geschmeidiger und streichfähiger Brei entstehen, dass damit vollständig befriedigende waschbare weisse, allenfalls auch farbige Glacefarben für photographische und lithographische Cartonpapiere erzeugt werden können.

Von anderer Seite wird sogen. „präparirtes Stearin“ empfohlen – es ist dies eigentlich eine Stearinseife –, oder es werden auch Wachsseifen genommen. Insbesondere im |76| letzteren Falle lässt sich ziemlich leicht die richtige, zu nehmende Menge durch einen kleinen Versuch mit dem Glattstein bestimmen. Gibt ein mit der Farbe bestrichener Versuchsbogen beim Glätten mit dem Steine Farbe ab, so ist zu wenig Wachs, schmiert sich die Farbe aber, so ist zu viel Wachs genommen worden. Auch Talk, der Farbe beigemischt, hat in manchen Fällen guten Erfolg. Für billige Buntpapierfarben sind Anilinfarben, mit Stärke gemischt, gut zu empfehlen.

Um Glanz bei den eben erwähnten Papieren zu erzielen, ist die Bürste, sowohl durch die Hand des Arbeiters, wie auch mechanisch bewegt, ganz vorzüglich. So werden z.B. von der Firma F. Müller in Potschappel-Dresden Bürstmaschinen mit drei Walzenbürsten geliefert, welche bei richtiger Behandlung sehr schönen Glanz erzielen lassen.

Wenn nur matte, weisse Chromopapiere gemacht werden sollen, so kann die sogen. „Tragantine“ statt Stärke benutzt werden, wobei nach Angabe der Firma Kantorowicz und Co., welche Tragantine liefert, der Farbbrei auch kalt verwendet werden kann.

Nicht unerwähnt bleibe das D. R. P. Nr. 68443 an Berger und Wirth in Leipzig-Schönefeld, nach welchem ein besonders für Illustrationszwecke geeignetes Papier dadurch erzeugt wird, dass unmittelbar auf der fertigen Papierbahn gewisse Niederschläge hervorgerufen werden, welche sich innig an das Papier schliessen, die Poren verstopfen und einen schönen, satten Druck erzielen lassen. Zu diesem Zwecke leitet man das Papier etwa durch ein Alaun-, Thonerde- o. dgl. Bad und hierauf durch eine Lösung von Chlorbarium, Soda oder ähnlicher Salze. Die Folge davon ist dann, dass man an das Papier innig adhärirenden schwefelsauren Baryt oder ein ähnliches Product bekommt, das ganz wohl geeignet ist, jene oben hervorgehobenen Eigenschaften dem Papiere zu vermitteln.

Für solche Papiere, welche im Dunkeln leuchten sollen, ist dem Farbbrei – es handelt sich hier natürlich nur um gestrichene Papiere – Schwefelcalcium in entsprechender Menge zuzusetzen, wenn das Papier gelblich leuchten soll; wird jedoch violett gewünscht, so ist das Schwefelcalcium vorher in der Glühhitze mit einem Wismuthsalz zusammen zu bringen. Die Farbe ist besonders sorgfältig anzusetzen und warm zu streichen. Meist genügt wohl zweimaliger Strich.

Marmorirtes Papier wird nach dem D. R. P. Nr. 59999 von Carl Le Bret in Köln dadurch erzeugt, dass man das Papier über eine in Benzol gelöste Schicht von Asphalt zieht, welche auf einem Wasserbade bezieh. einer anderen geeigneten Zwischenschicht schwimmt und mit Hilfe eines Pinsels, Kammes o. dgl. derart unregelmässig auf der unterhalb befindlichen Schicht vertheilt wird, dass eine Marmormaserung entsteht, die sich dann auf das darüber gezogene Papier überträgt.

Die sehr verwickelte Maschine von Charles Harley Bellamy in South Hadley Falls (vgl. 1892 286 136) nach D. R. P. Nr. 58922, um marmorirtes Papier zu erzeugen, wird in der vorliegenden Form schwerlich Eingang in die Praxis finden. Ist doch der Verbrauch an marmorirtem Papier kein so ungemein grosser, dass die zu erzeugenden Mengen von marmorirtem Papier sogar die bedeutenden Kosten einer so verwickelten Maschine vertragen würden. Dagegen dürfte der Gedanke im D. R. P. Nr. 65673 von Ernst Lehmann in Arnau, marmorirtes Papier auf der gewöhnlichen Papiermaschine zu erzeugen, voraussichtlich besseren Erfolg nach sich ziehen. Es wird nämlich ein gelatinöser Niederschlag durch Zusammenbringen von harzsaurem Natron (Harzseife) und schwefelsaurer Thonerde gebildet, der beliebig dadurch gefärbt werden kann, dass der genannten Mischung etwa Anilinfarben (und es gibt ja heute auch lichtechte Anilinfarben) beigesetzt werden. Die Mengenverhältnisse, welche dabei zu wählen sind, hängen von der Nuance der beabsichtigten Marmorirung ab, nur muss auf einen Ueberschuss von schwefelsaurer Thonerde gedacht werden, weil die Farbe dann an den flockigen Niederschlag inniger gebunden wird. Farbstoffe, welche derart hergestellt worden sind, füllt man in Gefässe und lässt deren Inhalt, wobei Hähne zum Reguliren eingeschaltet sind, auf den Stoffstrom fallen, welcher der Papiermaschine zuzufliessen im Begriffe ist. Dadurch werden die Farben zwischen den Fasern eingebettet und das Papier erscheint auf beiden Seiten, dem angewendeten Farbstoffe entsprechend, marmorirt. – Ein ähnliches Princip der Farbvertheilung finden wir im amerikanischen Patent Nr. 471288 von A. Butterfield in Trenton, nur werden bei Butterfield die Farbtropfen von einem Luftstrome aus einem Ventilator auf eine Vertheilungsflüssigkeit geblasen und über die Farbetropfen fertiges Papier gezogen.

Das für Packpapiere, insbesondere solche festerer Gattung, beliebte rostgelbe Bankpack wird dadurch erzeugt, dass man im Stoffe künstlich Eisenoxydhydrat, und das ist ja Rost, hervorruft. Es geschieht dies, indem man dem Holländerinhalte vor der Leimung Eisenvitriol in geeigneter Menge zusetzt und dann Eisenoxydul durch Zusatz von Soda oder viel billiger durch Zusatz von gelöschtem oder ungelöschtem Kalk ausfällt. Sorgt man dann dafür, dass genügend Luft in den Holländerinhalt gelangt, peitscht man also denselben ordentlich durch, so tritt allmählich immer mehr und mehr die rostbraune Farbe hervor, indem das Eisenoxydulhydrat in Eisenoxydhydrat durch Aufnahme von Sauerstoff aus der Luft übergeht. Zusatz von Chlorkalklösung und Erwärmen des Stoffes vermag den Process zu befördern.

b) Spitzenpapier und gewelltes Papier.

Ein Verfahren zur Herstellung von Spitzenpapier finden wir im D. R. P. Nr. 60073 von Georg Raabe in Wien, nach welchem aus endlosem Papier Spitzenpapier gemacht werden soll. Damit die Vorsprünge der Präge walze nicht leiden, ist es nothwendig, dass dieselben, nachdem sie die Papierbahn durchdrungen haben, auf eine weiche Unterlage treffen. Damit das aber sicher geschieht, muss diese ganz glatt sein, sich also beständig erneuern, weil ja die durch das Papier gedrungenen Vorsprünge der Prägewalze unbedingt auch in der weichen Unterlage Eindrücke verursachen werden. Zu dem Zwecke wird als weiche Unterlage ein sehr nachgiebiges Metallband aus Zinn oder einer Mischung von Zinn mit Antimon und allenfalls noch Blei benutzt, was leicht schmelzbar ist und, nachdem es Eindrücke von der Präge walze empfangen hat, wieder eingeschmolzen wird. Das geschieht aber in ununterbrochener Reihenfolge, wie aus Fig. 83 ersehen werden mag. Das weiche Metallband wird aus dem in der Schmelzpfanne A im Ofen O befindlichen Metallbade dadurch gebildet, dass das flüssige Metall in den entsprechend geformten Auslauf a tritt, der bei B fortwährend gekühlt wird, so dass |77| das Metall schon fest von den Riffelwalzen c erfasst und den Glättwalzen d zugeführt wird, worauf es als glattes Metallband C zwischen die Walzen E und D kommt. Davon ist D die Prägewalze, während E das harte, feste Widerlager abzugeben hat. Zwischen Metallband C und Walze D wird aber auch noch die Papierbahn F geleitet, so dass die Bedingungen für die Prägung des Papieres F, wie dieselben oben entwickelt worden sind, erfüllt scheinen. Das Papier geht geprägt weiter, ebenso das jetzt rauhe Metallband C, welches jedoch abseits von dem Papier über Leitwalzen zu der Schmelzpfanne A zurückkehrt, um neuerlich eingeschmolzen zu werden und nach einer gewissen Zeit als neues, glattes Metallband in den beschriebenen Kreislauf zu treten und neuerlich Dienste zu thun. Jedenfalls ist bei dem Verfahren die Pfanne A so gross zu nehmen, dass das feste Metall hinreichend Zeit findet, in den flüssigen Zustand überzugehen.

Textabbildung Bd. 294, S. 77
Textabbildung Bd. 294, S. 77
Für gewisse Zwecke, wo es auf eine verzierte Verpackung ankommt, wird hierfür gewelltes Papier genommen. Weil aber für die Verpackung selbst glattes Papier besser ist, so werden zwei Bahnen, eine glatt, die andere gewellt, vereint, wobei man noch erreicht, dass das gewellte Papier bei der Verpackung mehr geschont wird. Nachgiebiger, also für die Verpackung günstiger, wird das Papier dann sein, wenn die beiden Papierbahnen nicht zusammengeklebt, sondern zusammengegautscht werden. Dies bezweckt das D. R. P. Nr. 69731 von Stuart Edwards in London. Danach sollen zwei noch feuchte, also noch nicht getrocknete Papiere in folgender Weise behandelt werden: Es geht die eine Bahn A (Fig. 84) durch ein Gouffrierwerk, also zwischen entsprechend gewellten Walzen a, b und c, wobei die Walzenumfänge natürlich in einander greifen müssen, so dass Wellen in die noch feuchte Papierbahn gepresst werden. Die solcherart gewellte Papierbahn trifft nun zwischen Walze c und einer vierten glatten Walze d mit einer zweiten, ebenfalls noch feuchten Papierbahn zusammen und bewirkt der Walzendruck zwischen c und d, dass die beiden Bahnen zusammengautschen und so zu einer zusammenhängenden vereint werden, welche, natürlich mit der glatten Seite, um einen Trockencylinder e geführt wird und sodann, um Leitwalze f gehend, bei g aufgewickelt werden soll. Dies scheint uns nun mit Rücksicht auf die Beschaffenheit der Bahn nicht unbedenklich, weil dabei die Wellen ungemein leicht verdrückt werden können, so dass das Papier einen ganz unansehnlichen Anblick gewähren müsste. Glücklicher dürfte es sein, wenn die Papierbahn so, dass nur die glatte Seite zum Aufliegen käme, weitergeführt und das fertige Papier, statt aufgewickelt zu werden, gleich in das allenfalls gewünschte Bogenformat geschnitten würde.

c) Metallpapiere.

Das schon 1892 286 136 berührte Verfahren, Papiere mit einer wirklichen metallischen Schicht zu versehen, hat sich insofern als noch unvollkommen herausgestellt, als die Metallschicht, welche auf einer geeigneten Platte erzeugt wird, leicht unganze Stellen bekommt und daher Ausschuss in solcher Menge bewirkt, dass die Herstellungskosten für die wirklich gelungenen Papiere allzu bedeutende werden. Nun soll, um dem vorzubeugen, nach D. R. P. Nr. 68561 zu D. R. P. Nr. 43351 von C. Endruweit in Berlin in folgender Weise vorgegangen werden. Es wird nämlich die Kathodenplatte für den auf elektrolytischem Wege zu erzeugenden Niederschlag mit einer Sulfidschicht isolirt, welche durch Benetzen der Platte mit einer Lösung von Mehrfach-Schwefelalkali o. dgl. erzeugt wird, der aber etwa 1 Proc. Spiritus beigemengt wird, um allenfalls vorhandene fettige Stellen vom Fette zu befreien und zu bewirken, dass die Platte tadellos überzogen wird. Um dann den im entsprechenden Metallbade hervorgerufenen Niederschlag sicherer mit dem Papier zu verbinden, wird auf die nicht zur Ansicht gelangende Metallschicht noch eine ganz dünne Zinkschicht auch auf elektrolytischem Wege niedergeschlagen, weil diese dann, mit Allylsulfid, Mercaptan o. dgl. behandelt, ermöglicht, dass der Klebstoff sicherer die Metallschicht mit dem Papier vereinigt.

Auf dasselbe Ursprungs – D. R. P. Nr. 43351 bezieht sich das D. R. P. Nr. 63319 von C. Lautensall und A. Brandweiner in Wien. Danach soll die Metallschicht auf dem Papier sogar noch ein matt oder glänzend hervortretendes Bild oder eine sonstige Zeichnung aufweisen. Es wird nämlich auf einer schon oben erwähnten blanken Metallplatte nach irgend einem photographischen Verfahren ein Bild in der Weise erzeugt, dass der Grund aus blankem Metall besteht, während die Zeichnung von einem durch das photographische Verfahren erzeugten, gegen Säuren festen und den elektrischen Strom nicht leitenden Ueberzug bedeckt ist, oder auch umgekehrt. Aetzt man dann die blanken Stellen durch eine Säure und entfernt man dann auch die eben erwähnte Schutzschicht, so befindet sich die Platte in einem solchen Zustande, dass sie ganz ähnlich wie vor weiter behandelt werden kann, jedoch gemäss der Vorbereitung, welche mit der Ursprungsplatte geschah, eine Zeichnung auf dem Metallüberzuge des Papieres aufweisen wird.

Gegen diese elektrischen Verfahren, oder im Grundprincip ähnliche, stehen die anderen Erzeugungsarten, wo durch Aufstäuben oder Streichen ein metallischer Ueberzug erzielt wird. In dieser Richtung finden wir einen |78| Vorschlag von Dr. J. Perl in Berlin im D. R. P. Nr. 68356, dahin gehend, dass man zum Bronziren eine flüssige Bronze verwendet, die nach Versuchen des Erfinders wirklich brauchbar sein soll, so dass das gesundheitsschädliche Stäuben auf eine bereits aufgetragene Firnisschicht entfällt. Es sollen nämlich etwa 10 Th. Pyroxylin mit 90 Th. Essigäther oder anderen geeigneten Flüssigkeiten gelöst und mit dieser Lösung etwa 25 Th. Bronzepulver in einer Reibmaschine verrieben werden, um eine für Tapetendruck u. dgl. geeignete Farbmischung zu bekommen.

d) Geklebte Pappe.

In nicht viel mehr als in der Anordnung der einzelnen Theile unterscheiden sich die verschiedenen Maschinen, welche bezwecken, mehrere Papier- oder auch Pappbahnen unter Zuhilfenahme von Klebstoffen zu einer Pappbahn zu vereinigen. Dabei kommt es vor, dass bis sechs Bahnen wie bei den Maschinen von Friedr. Müller in Potschappel-Dresden geklebt werden. Entweder werden beide an einander zu liegen kommende Bahnseiten bekleistert oder aber, und das dürfte für viele Fälle ausreichen, man bekleistert nur eine. Immer sind Abstreicher dann nothwendig, wenn der Klebstoff durch Walzen, welche in den Klebstofftrog tauchen, auf die über die Walze gleitende Papierbahn aufgetragen wird, um das Zuviel an Klebstoff zu entfernen und denselben immerhin gleichmässiger zu verstreichen. So finden wir es z.B. bei der Rollenklebmaschine von H. Pitzler in Birkesdorf nach D. R. P. Nr. 65306, so bei der Maschine von Wagner und Co. in Köthen, wo drei Bahnen, geeignet mit Klebstoff versehen, gleichzeitig durch ein Walzenpresswerk gehen und dadurch vereint werden. Verwickelter ist schon die Maschine von Cartiaux und Pigouche nach dem französischen Patent Nr. 229491, weil da mit der Klebemaschine noch Liniirvorrichtungen verbunden sind, was allerdings als von fraglichem Werthe erklärt werden muss. Es sind die beiden Arbeiten, welche die Maschine verrichten soll, so grundverschieden, dass sich eher empfehlen dürfte, dieselben aus einander zu halten. – Auch Pappen werden mit Papier beklebt, wie z.B. Eisenbahnfahrkarten, welche beiderseits beklebte Pappe sind.

Besondere Beachtung verdient jedoch das Auftragen von Klebstoff mit Hilfe eines Zerstäubers, weil dabei vielleicht am meisten mit dem Klebmittel gespart und das Papier möglichst trocken gehalten werden kann, so dass auch gesondertes Trocknen unter Umständen entfällt. Nur ist es vorläufig noch unangenehm, dass der Klebstoff durch den dabei verwendeten Luftstrom fein vertheilt nicht bloss dorthin getragen wird, wo man ihn thatsächlich braucht, sondern sich der Luft des Arbeitsraumes überhaupt mittheilt, also mancherlei Gegenstände verschmiert und zusammengeklebt werden, von denen man das durchaus nicht haben möchte. Ueberdies wird der Klebstoff auch in die Lungen der Arbeiter dringen, so dass ohne Schutzmaske nicht gearbeitet werden soll.

Nicht selten werden Papiere verlangt, welche mit Klebstoff einerseits oder beidseitig versehen sind, so dass man erst später an dieselben geeignete Gegenstände ankleben kann. Eine der Einrichtungen ist die von H. Pitzler in Birkesdorf nach D. R. P. Nr. 59618. Wir bemerken in Fig. 85 endlose Führungsbändchen g, welche bei x die Papierbogen aufgelegt erhalten und bei y abliefern, während sie den Klebstoff aus den beiden Kästen b und b1 bekommen. Dies geschieht nicht unmittelbar, sondern durch Vermittelung der endlosen Tücher ff1 um Walzen P und r, sowie P1 und r1 bezüglich. Auf die Tücher fliesst der Klebstoff aus den Ausläufen oo1 der Behälter und zwar in die Winkel, welche durch Presswalzen w und w1 mit den grossen Walzen P und P1 gebildet werden. Weil w und w1 durch geeignete Gewichte an die Walzen P und P1 bezieh. angedrückt werden, ist man in der Lage, die Klebstoffmenge, welche an die Tücher f und f1 und von diesen auf das Papier übergeht, zu regeln. Der Klebstoff, welcher zugeführt wird, hat vor seiner Verwendung Siebe s und s1 zu durchdringen, deren Lochweite so bemessen ist, dass alle Knoten des Klebstoffes zurückgehalten werden und daher nur knotenfreies Klebmittel zum Papiere kommt. Zahnräder vermitteln die richtige Drehung der Walzen, damit die Bewegung der Führungsbändchen u.s.w.

Textabbildung Bd. 294, S. 78
Bei der Maschine von Hayward, King und Loveland nach D. R. P. Nr. 70635, ebenso wie bei der von G. J. Feldon nach dem amerikanischen Patent Nr. 470115 geht die mit Klebstoff zu versehende Bahn unmittelbar über eine oder zwei Walzen, welche in einen Trog mit Klebstoff tauchen. Bei der ersteren sind diese Walzen auch noch hohl gehalten, um durch eine Dampfheizung allenfalls Wärme zuführen zu können.

e) Gepresste Gegenstände aus Papierstoff.

Zwei Hauptverfahrungsarten sind es, nach denen man vorgeht. Entweder wird der hinreichend verkleinerte Papierstoff, wie er etwa aus dem Holländer kommt, in Sieb formen gebracht und unter Druck entwässert, wie es in Beispielen 1892 286 154 geschildert worden ist; oder aber es wird bereits fertiges Papier durch Zusammenkleben mehrerer Bogen oder Bahnen in geeigneter Form zu einer Art Pappe gestaltet, welche dann wohl noch meist, um ihre Festigkeit zu erhöhen, in geeigneter Weise einem hinreichenden Drucke unterworfen wird, wobei auch mehrere gesondert hergestellte Theile zu einem Ganzen vereinigt werden können. Auf die erstere Verfahrungsart bezieht sich z.B. die Pressmaschine von Uzal Hull und W. W. Mc Evan in Belvidere nach dem amerikanischen Patent Nr. 471966. Das Pressen geht ganz ähnlich vor sich wie bei der Maschine von Christensen (1892 286 154),. nur werden die Gegenstände nochmals bei Anwendung von Wärme nachgepresst, um dieselben fester zu machen. Die Wärme wird durch Dampf zugebracht, welcher in die doppelwandigen Formen eingeführt wird. – Eine Art Filz wird nach D. R. P. Nr. 68499 von Robert Sputh und hübsch gemusterte Platten werden nach Grünert's Verfahren (D. R. P. Nr. 66388) auch aus Papierstoff hergestellt.

Nach Ozouf und Leprince in Paris (Oesterreichisch-ungarisches Privilegium vom 11. Januar 1892 und D. R. P. |79| Nr. 61832) wird eine ziemlich gleichmässige Dicke auch bei unregelmässig geformten Gegenständen in der Weise erstrebt, dass (Fig. 86) Papierstoff aus dem Kasten A in die Form bei B eingesaugt wird. Diese Form ist aus Guttapercha oder anderen geeigneten Stoffen durch Abdruck vom Original hergestellt und mit einer grossen Anzahl Löcher versehen. Wird nun mittels einer Luftpumpe aus dem Kasten B, an den die Rohrleitung F mit Hahn E schliesst, gesaugt, so dringt der Stoff in die mit Gazestoff ausgekleidete Form ein, die Fasern legen sich zum Theil an die Wandungen, während das Wasser theilweise abgesaugt wird. Ist die abgesetzte Fasermasse dick genug geworden, so wird dieselbe in folgender Weise gepresst, um einerseits genügend dicht zu werden und andererseits eine scharf geprägte Aussenseite zu erhalten: Der rohe Gegenstand aus Papierstoff kommt nämlich in eine Metallform j (Fig. 87), in seine Höhlung wird der Kautschukbeutel H am Querhaupte einer hydraulischen Presse eingeführt und dann Druckwasser in den Innenraum von H eingelassen. Der Beutel H weitet sich aus und presst den noch feuchten Papierstoff fest an die Metall wand, dadurch einen scharfen Abdruck herstellend.

Textabbildung Bd. 294, S. 79
Eine ganze Reihe von Ausführungen bezieht sich auf die zweite Art der Herstellung. Als Typus mag hervorgehoben werden das Verfahren von Prokop und Fiedler in Semil nach dem österreichisch-ungarischen Privilegium vom 30. Juni 1893. Danach werden auch für jeden zu pressenden Gegenstand Matrize und Patrize in geeigneter Weise hergestellt. In die Matrize führt man feuchtes und mit Klebstoff versehenes, fertiges Papier ein und drückt dasselbe möglichst gut an die Form an. Hierauf folgt ein zweiter, dritter u.s.w. Bogen, bis man die gewünschte Dicke der Papiermasse erreicht hat. (Man sieht, es ist etwas Aehnliches wie beim Bilden der Papierformen für das Stereotypiren.) Hierauf folgt das Einführen der Patrize unter genügendem Druck, um die Aussenseite hinreichend scharf ausgedrückt zu erhalten. Selbstverständlich kann man nur solche Gegenstände derart herstellen, wo man nach der Pressung die Patrize ohne weiteres herausziehen kann, oder man muss dieselbe in solcher Weise getheilt herstellen, dass man sie allmählich aus der Presse entfernen kann.

Die grösste Menge der nach dem zweiten Prinzip gebildeten Papiergegenstände bilden vielleicht die Spulen verschiedenster Form, Webeschützen u. dgl., wie sie in Spinnereien und Webereien gebraucht werden. Diese werden meistens aus Papierröhren (vgl. 1892 286 154) gebildet und hierzu noch andere Theile entweder aus Holz gedreht, oder auch aus Papier gepresst benutzt, welche dann unter Zuhilfenahme von Klebstoffen und unter Druck in Formen und über Dornen vereinigt werden. Als Papierröhren werden nun meistens „gewickelte“, also aus fertigem Papier durch Uebereinanderrollen mehrerer mit Klebstoff versehener Lagen gebildete, verwendet, wenn auch immerhin solche aus Papierstoff unmittelbar gepresste auch ganz gut gebraucht werden können. Als Beispiel sehen wir in Fig. 88 den Querschnitt einer Flyer-Spule, zusammengesetzt aus dem Hauptrohr A, dem Ansatz B, der unteren Verstärkung C und der Führungshülse D. Mittels Fräse sind dann noch Mitnehmerschlitze in die Wandungen einzuarbeiten. In Fig. 89 ist eine etwas schwieriger, weil konisch zu wickelnde Rabbeth-Spule zu bemerken, deren rohe Herstellung aus entsprechend zugeschnittenem Papier ziemlich ähnlich wie die der Flyer-Spule geschehen kann. Um jedoch eine glatte genaue Oberfläche zu erzielen, wird die Rabbeth-Spule auf eigenen Schleifmaschinen weiter bearbeitet und fertig gestellt. Für die Herstellung von Spulen für die Textilindustrie besitzen Gebrüder Adt das D. R. P. Nr. 51463, während nach D. R. P. Nr. 63099 von Eli Jagger in Werneth die Spulen mit Löchern versehen hergestellt werden dadurch, dass perforirte Papierstreifen über einander geklebt werden und zwar so, dass die Oeffnungen immer über einander zu liegen kommen. Wenn das nun auch mittels der Maschine, also ziemlich regelmässig gemacht wird, so ist doch nicht zu erwarten, dass die Löcher ganz genau über einander kommen werden. Das verschlägt aber nicht viel, da sie nur den Zweck haben, beim Bleichen, Färben u. dgl. zu dienen und der betreffenden Flüssigkeit den Durchtritt zum Garne zu gestatten haben. – Webeschützen werden dagegen nach D. R. P. Nr. 61140 von Krüger in Düsseldorf unmittelbar aus einer besonderen Art von Papierstoff, nämlich aus Zellstoff, dem fein geraspelte Lederabfälle, Borax und Essigsäure beigemengt werden, gepresst. Solche Webeschützen haben vor denen aus Holz jedenfalls das voraus, dass sie unter den vorkommenden heftigen Bewegungen nicht zersplittern und Splitter daher auch die Kette nicht beschädigen werden.

Textabbildung Bd. 294, S. 79

Papierprüfung.

Das Hauptinteresse für diesen insbesondere in den letzten Jahren weit ausgebildeten Zweig richtet sich darauf, ob und in wie weit die bekannten und benutzten Proben dem Zwecke entsprechen. Für Holzschliff stellt es sich heraus, dass bis jetzt die Prüfung mit Phloroglucin oder Naphtylamin als die einfachste und für die Praxis vollständig ausreichende anzusehen ist. Denn die Godeffroy-Coulon'sche Methode durch Reduction von Gold aus Lösungen stellt sich nach den Untersuchungen Prof. R. Finkener's als keineswegs verlässlich dar, schon deshalb, weil die verschiedenen Holzschliffarten in verschiedenartiger Weise die Goldlösung, sowohl was Menge der Ausscheidung des Goldes in einer bestimmten Zeit, als auch dadurch beeinflussen, |80| dass für manche Holzschliffarten zur Ausscheidung von Gold verhältnissmässig lange Kochdauer nothwendig ist.

Durch die Bestimmung in den preussischen Papiernormalien, dass zu Stoffklasse II nicht mehr als 25 Proc. Zellstoff genommen werden dürfe, ist auch die Frage nach der Prüfung des Mengenverhältnisses verschiedener Stoffe im fertigen Papiere eine brennende geworden. Nach den eingehenden Versuchen der Anstalt in Charlottenburg ist man wohl berechtigt, die Schätzung der Fasern im mikroskopischen Bilde als die vergleichsweise beste, wenigstens derzeit, anzusehen. Verhehlt kann aber nicht werden, dass es hier und da zu Härten führen mag, weil eben die erwähnte Methode keine absolut sichere zu nennen ist. Ergaben sich doch nach den Veröffentlichungen Herzberg's, allerdings unter 189 Einzelfällen, zweimal Abweichungen von 65 Proc. von der wahren Stoffzusammensetzung und nur etwa vier Zehntel der Schätzungen waren ganz richtig. Es bleibt aber eben doch heute kaum etwas anderes übrig, als dieses Verfahren zu benutzen, weil man kein besseres kennt. Irrthümer können und werden immer vorkommen, besonders wenn man bedenkt, wie sehr die Fasern durch die mechanische Bearbeitung verändert werden, so dass die Schlussproducte aus ursprünglich wesentlich verschiedenen und verschiedenwerthigen Fasern manche Aehnlichkeiten aufweisen können. So liefern Leinenfasern als charakteristisch die überaus fein ausgefransten, besenartigen Enden. Ganz Aehnliches kommt aber auch beim Hanf vor, sogar Baumwolle und hier und da Zellstoff können solche Fransen aufweisen, weil sie alle mehr oder weniger spaltbar sind. Es ist allerdings das Ueberprüfen besonders nach Anwendung der Mikrophotographie da. Aber sicher ist man noch immer nicht, man ist unsicherer als bei den mechanischen Proben, wie Festigkeitsuntersuchungen u. dgl. Wir möchten uns deshalb und auch darum, weil nach den Versuchen der Winkler'schen Prüflingsanstalt in Leipzig neuere Zellstoffpapiere doch auch grössere Dauer versprechen, dahin neigen, dass ein grösserer Zellstoffgehalt als 25 Proc. bei Stoffklasse II zugestanden werden könnte, ohne zu verkennen, dass kaum so bald eine Abänderung der vor kurzem erst festgesetzten Normalien erwartet werden kann. Selbstredend ist aber der weitergehenden Verwendung von Zellstoff, insbesondere des Sulfitzellstoffes, nur dann zuzustimmen, wenn nicht etwa durch denselben Schwefligsäure in das Papier gelangt, welche zerstörend, insbesondere vergilbend; wegen der immer vorhandenen Farbstoffe, einwirkt. Nun ist wohl kaum anzunehmen, dass bei der lange dauernden und weitgehenden Behandlung, wie sie der Zellstoff erfährt, ehe er ins fertige Papier kommt, freie Schwefligsäure durch den Zellstoff ins Papier geführt werde; aber jedenfalls gelangt schwefligsaurer Kalk mit dem Sulfitstoff ins Papier, und da wäre es, insbesondere nachdem Dr. H. Stockmeier, Vorstand des chemischen Laboratoriums am bayerischen Gewerbemuseum, wirklich Schwefligsäure im Papier nachgewiesen hat, denkbar, dass sich dieselbe aus dem schwefligsauren Kalk entwickelt habe. Das müsste wohl festgestellt und dann danach gestrebt werden, die Ursache der Bildung von Schwefligsäure zu entfernen.

Mit der Zusammensetzung des Papiers hängt auch die Vergilbung desselben innig zusammen. Auch heute ist wohl fast allgemein die von Prof. J. Wiesner vertretene Ansicht in Geltung, dahin gehend, dass verholzten Fasern und der oxydirenden Einwirkung der Luft, befördert durch das Sonnenlicht, die Vergilbung zuzuschreiben ist. Neuestens hat in dieser Richtung Wiesner wieder dargethan, dass elektrisches Glühlicht noch weniger wirksame Strahlen aussendet, als etwa Gaslicht, so dass jenes derzeit als das für Bibliotheken geeignetste zu bezeichnen ist. Begreiflich ist auch das Streben, die Prüfung auf das Vergilben rascher durchzuführen, als es durch die unmittelbare Belichtung durch die Sonne möglich ist. Gelungen ist es aber wohl noch nicht, hierfür geeigneten Ersatz zu finden. Denn der Methode der Leipziger Prüfungsanstalt von Winkler möchten wir doch nicht so ohne weiteres zustimmen, weil sie unseres Erachtens weit strenger vorzugehen zwingt, als es für die Praxis nothwendig ist. Es wird das auf Vergilben zu prüfende Papier nämlich Salpetersäuredämpfen oder der Einwirkung von Ammoniak ausgesetzt. Da zeigt es sich nun, dass auf diese Art Papiere gebräunt werden können, welche als ganz vorzüglich zu bezeichnen sind, auch als lang lagernde Dokumente nicht vergilben würden, bei der Probe aber verändert worden sind, weil die zum Weissen u. dgl. beigesetzten Farbstoffe durch die Reagentien geschädigt worden sind. Daraufhin aber ein Papier zu verurtheilen, scheint um so weniger gerecht, weil ja durch die Farbstoffe die Festigkeitseigenschaften, Dauer u. dgl. des Papiers keineswegs ungünstig beeinflusst werden müssen, während bei dem durch noch ganz oder theilweise verholzte Fasern (schlecht aufgeschlossener oder noch nicht vollkommen gebleichter Zellstoff und zwar gleichgültig ob von Holz oder von Stroh) bewirkten Vergilben auch die Güte des Papiers, insbesondere seine Festigkeitseigenschaften unzweifelhaft zurückgehen; das Papier wird spröder, brüchiger, weniger fest.

Zur Prüfung auf Harzleimung kann unter Umständen eine von Herzberg vorgeschlagene Methode gute Dienste leisten. Gibt man nämlich auf ein Papier einen Tropfen Aether, so bildet sich auch dann, wenn das Papier doppelt, mit Harz und thierisch, geleimt sein sollte, nach dem Verdunsten des Aethers ein Rand dort, bis wohin der Aether gelangt ist, und rührt dieser Rand eben wesentlich vom Harze der Leimung her. Ist das Papier fett gewesen, so ist diese Probe allerdings nicht zuverlässig, da auch das Fett einen Rand bei dem geschilderten Vorgange erzeugen würde. In einem solchen Falle dürfte aber die höchst empfindliche Morawski'sche Probe gute Dienste thun. Kocht man nämlich Papier mit Essigsäureanhydrid und lässt nach dem Erkalten einen Tropfen Schwefelsäure in das bezügliche Reagensgläschen fliessen, so entsteht eine sofort wieder verschwindende rothe bis violette Färbung, falls Harz anwesend ist.

Ein anderer Punkt der Papiernormalien, welcher manchen Streit und manche Beschwerde verursacht hat, betrifft den Widerstand gegen Knittern. Zweifellos ist, dass gerade mit Rücksicht auf die Verwendung des Papiers der Widerstandsfähigkeit des Papiers gegen Zerknittern ein hoher Werth beizumessen ist. Nur daran mag man sich stossen, dass es eben rein nur auf das Gefühl des Prüfenden ankommt. Deshalb verdient ein Vorschlag Winkler's in dieser Richtung volle Beachtung. Bekanntlich wird das Papier auf Knittern derart geprüft, dass man einen genügend grossen Bogen, etwa 17 × 21 cm, vorerst zu einem Ball zusammenknüllt, der in der hohlen Hand Platz findet, und dies vielleicht noch einmal wiederholt, |81| nachdem das Papier wieder vorsichtig ausgebreitet worden war, um recht viele Knickstellen zu bekommen. Darauf wird der Bogen mit beiden Händen gefasst und ähnlich gebogen und gerieben, wie es beim Waschen von Leinenzeug u. dgl. gebräuchlich ist. Winkler fand nun, dass die erfahrungsgemäss besten Papiere das Hin- und Herbiegen bezieh. Reiben, ohne Risse zu bekommen, etwa siebenzig Mal aushalten und bezeichnet für jene Papiere, welche wenigstens siebenzig Mal die geschilderte Beanspruchungsweise aushalten, den Knitterwiderstand als „ausserordentlich gross“. Den sieben bezüglichen Abstufungen der Normalien entsprechend, wird jede um einen Grad im Knitter widerstände tiefer stehende Papierart um zehn Biegungen weniger, also z.B. sehr gross (sechste Klasse) mindestens sechzig Hin- und Herreibungen, u.s.w. für die folgenden Klassen, auszuhalten haben. Gewiss ist dadurch das persönliche Empfinden des Prüfers nicht vollständig ausgeschlossen, aber doch in anscheinend günstiger Weise eingeschränkt.

Textabbildung Bd. 294, S. 81
Die Erkenntniss, dass durch richtige Prüfungsmethoden die Papierfabrikation nur gefördert werde, zieht erfreulicher Weise immer weitere Kreise. Einerseits beginnt der Verbraucher auf den inneren Werth des Papiers aufmerksam zu werden, lässt sich nicht ohne weiteres durch hübsche äussere Ausstattung bestechen, sondern greift hier und da mit Vorliebe schon zu bestimmt guten Papieren, was durch die vorgeschriebenen Wasserzeichen in den Normalpapieren auch für den Laien erleichtert wird; andererseits werden nicht mehr so viel zweifelhafte Producte für solche Zwecke erzeugt, wo es auf bessere Qualität ankommt, der Papierfabrikant muss nicht mehr wirkliche Schundwaare erzeugen, um gegen die Concurrenz aufzukommen. Das Beispiel Preussens ist allerdings noch keineswegs überall nachgeahmt; aber doch ist in neuester Zeit in Russland nach preussischem Vorbilde eine von Prof. Lenz geleitete Versuchsanstalt errichtet und in Bayern ist eine solche dem bayerischen Gewerbemuseum in Nürnberg, geleitet von Dr. H. Stockmeier, angegliedert worden. In Ungarn wird dem Prüfungswesen auch nahe getreten. Wenn man auch durchaus nicht mit allen Ausführungen Prof. Rejtö's, der zur Papierprüfung in Ungarn wohl den Anstoss gegeben hat, einverstanden sein kann, so ist es gewiss ihm als Verdienst anzurechnen, dass er die Sache in Fluss gebracht hat. Auch möchten wir seiner Anregung, ausdrücklich den „Arbeitsmodul“ bei der Feststellung der Güte des Papiers zu berücksichtigen, durchaus nicht entgegen treten, aber vielleicht dahin erweitern, dass Reisslänge und Dehnung für sich keinesfalls vergessen werden dürfen. – Eigenthümlich finden wir es in Holland. Während den Aemtern die Wahl des Papiers für sich selbst frei steht, müssen Eingaben u. dgl. unbedingt auf solches Papier geschrieben werden, welches durch einen aufgedrückten Staatsstempel verräth, dass es unter staatlicher Aufsicht hergestellt worden ist. Wir haben es also hier keinesfalls mit so weitgehenden Bestimmungen wie in Preussen z.B. zu thun. Man dürfte aber kaum irre gehen, wenn man den durch neuestens von Herzberg ausgeführte Untersuchungen festgestellten Umstand, dass die einen so ausserordentlich guten Ruf geniessenden holländischen besten Büttenpapiere weit nachstehen den besseren deutschen, auf der Maschine hergestellten Dokumentenpapieren, dem günstigen Einfluss der preussiscben Normalien zuschreibt.

Papierfabriksanlage.

Eine nach den neuesten Erfahrungen praktisch am Fox river angelegte Papierfabrik der Shattuck and Babcock Company ist nach The Paper Mill in Fig. 90 skizzirt. Die Haupteintheilung ist aus dem gezeichneten Grundrisse und seiner Beschreibung leicht zu ersehen. Bemerkt sei noch, dass das Gebäude für die Hadern vier Stockwerke hoch ist, wobei die Lumpen ganz oben gestäubt, sortirt und geschnitten werden, so dass der Staub nicht so leicht in andere Abtheilungen des Gebäudes gelangen kann. An diesen Gebäudetheil schliesst sich dann der Raum für die grossen je 5000 k Stoff aufnehmenden Kugelkocher. Die Holländer für je 500 k Stoff stehen ebenso wie die zwei Papiermaschinen im ersten Stockwerke, während unterhalb der Holländer Abtropf kästen angebracht sind. Das daran stossende Gebäude ist wieder vier Stockwerke hoch, die drei oberen dienen als Trockenräume für thierisch geleimtes Papier; eine Treppe hoch stehen die Kalander, Pressen, Schneidmaschinen. In der Zurichtabtheilung, welche auch vier Stockwerke hoch ist, finden wir oben wieder Trockenräume, darunter Liniirmaschinen, Falz- und Schneidmaschinen, Stempelpressen u. dgl. Der Wasserthurm ist acht Stockwerke hoch und enthält zuhöchst zwei Wasserbehälter mit je 600 hl Inhalt, von denen 2300 Spritzröhren in alle Räume gehen und zum sofortigen Löschen jeden Schadenfeuers benutzt werden können. Feuersichere Wände trennen überdies die Hauptabtheilungen von einander. Gewöhnlich sollen Turbinen die Fabrik und auch die elektrische Beleuchtung derselben bedienen.

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: