Titel: Neuerungen im Metallhüttenwesen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1894, Band 294 (S. 131–133)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj294/ar294036

Neuerungen im Metallhüttenwesen.

(Fortsetzung des Berichtes Bd. 293 S. 277.)

Mit Abbildungen.

C. A. Hering bringt in der Zeitschrift des Vereins deutscher Ingenieure, Bd. 37 S. 331 bis 335 und 556 bis 560, ausführliche statistische Mittheilungen über die Kupfererzeugung der Erde und ihre Quellen, auf welche Arbeit wir hiermit hinweisen.

W. Stahl macht in der Berg- und Hüttenmännischen Zeitung, 1893 S. 19, Mittheilungen über Gasabsorption beim Kupferraffiniren. Hiernach nimmt dieselbe mit der Reinheit desselben, sowie mit der Temperatur bis zu einem gewissen Grade aufwärts zu. Raffinirt man arsen-, antimon- und bleifreie Kupfersorten nach dem gewöhnlichen Verfahren, so nimmt die Dichtigkeit des Kupfers während der Zähpolperiode in Folge Gasaufnahme derartig ab, dass dasselbe nach dem Giessen in den Formen steigt und einen deutlich erkennbaren porösen Bruch zeigt, der es für die mechanische Verarbeitung kaum noch geeignet erscheinen lässt. Raffinirt man jedoch blei-, arsen- und antimonhaltiges Kupfer, so nimmt die Dichtigkeit desselben während der Zähpolperiode nicht ab. Erst wenn die genannten Beimengungen aus dem Kupfer zum grössten Theile entfernt sind, machen sich die Erscheinungen der Gasabsorption und die damit verbundenen nachtheiligen Folgen bemerkbar. Dieselben Erscheinungen zeigen sich, wenn überpolten Kupferbädern zulässige Mengen an Blei, Arsen oder Antimon zugesetzt werden.

Léon Bémelmans in Brüssel hat sich ein continuirliches Röstverfahren für sulfidische Erze patentiren lassen, welches im Wesentlichen darin besteht, dass die Erze bei gleichmässigem Kohlenfeuer zuerst bei Luftabschluss und dann bei Luftzutritt mit Wasserdampf behandelt werden, worauf gegen Ende der Röstung nur noch Luft zugelassen wird.

Als Röstofen verwendet Bémelmans einen nach Art der Maletra-Oefen construirten Zwillingsofen (Fig. 1). Derselbe hat zwölf über einander angeordnete, in bekannter Weise mit einander verbundene Retorten R, von denen je zwei neben einander liegen. Durch Abstreicher wird das in die oberste Retorte eingebrachte Erz von Etage zu Etage weiter transportirt, bis es schliesslich fertig geröstet aus der untersten Retorte ausgezogen wird. Unter dem Ofen befinden sich an der vorderen Seite desselben zwei Feuerungen H, deren Verbrennungsproducte sämmtliche Röstetagen durchstreichen und zugleich mit den Röstgasen durch den Schornstein 8 abziehen. Auf der obersten Etage ist ein Wasserkessel K aufgestellt, dessen Wasser durch die Ofenwärme verdampft wird und den für den Röstprocess erforderlichen Wasserdampf liefert. Die aus dem |132| Kessel in die einzelnen Etagen einmündenden Dampfrohre sind in der Zeichnung nicht dargestellt. Ausser den Dampfrohren sind in der Vorderwand jeder Etage noch verschliessbare Lufteinlässe vorgesehen.

Die Einführung der Erze geht nur auf der obersten Sohle vor sich; dieselben werden unter intermittentem Verweilen auf jeder Sohle von einer zur anderen nach unten transportirt und hierbei in die fünf oder sechs obersten Etagen beständig Wasserdampf eingeblasen, während in den beiden darauf folgenden Etagen nur Luft eingelassen wird und die drei untersten nur von den Feuerungsgasen durchzogen werden.

Textabbildung Bd. 294, S. 132
Das Verfahren eignet sich besonders für Erze, die viel Schwefel enthalten. Dasselbe ermöglicht das Abdestilliren grosser Quantitäten freien Schwefels, was besonders dann von Wichtigkeit ist, wenn die zu röstenden Erze auch Arsen und Antimon enthalten. Diese werden durch die Einwirkung des freien Schwefels ausgeschieden und ziehen in Form von Schwefelverbindungen mit den Röstgasen ab (D. R. P. Kl. 40 Nr. 69033 vom 16. September 1892).

Dr. Theo. Haege berichtet in der Berg- und Hüttenmännischen Zeitung, 1893 S. 383 u. ff., über die Röstung von Kupferstein in Kiesbrennern auf den Britonferry Copper Works in Swansea. Die Abröstung eines Kupfersteines von 38 bis 47 Proc. Kupfer machte daselbst dadurch grosse Schwierigkeiten, dass es nicht gelingen wollte, die Röstgase desselben, die sehr reich an Schwefelsäure waren und wegen der grossen Menge – bis zu 30000 t Kupferstein im Jahr – eine grosse Belästigung für die ganze Umgebung bildeten, in befriedigender Weise zu condensiren. Als einzige praktische Lösung stellte sich die Gewinnung von Schwefelsäure heraus, zumal auch bereits seit längeren Jahren die Röstgase von Kupferstein von der Mansfelder Gewerkschaft in durchaus befriedigender Weise auf Schwefelsäure verarbeitet wurden. Trotzdem in jeder Beziehung umsichtig zu Werke gegangen wurde und sogar einige erfahrene Vormänner und Arbeiter von den Mansfelder Hütten engagirt wurden, erzielte man jedoch nur sehr mittelmässige Resultate. Die Kilns verklotzten selbst bei vorsichtigster Regulirung des Luftzutrittes fortwährend, und die Röstgase enthielten gewöhnlich nur 2½ Proc. schweflige Säure und hatten sehr niedrige Temperatur, so dass die Schwefelsäuregewinnung eine sehr mangelhafte war; zudem ergab der geröstete, gut ausgeklaubte Kupferstein beim Spuren im Flammofen meist nur 62procentigen Spur stein.

Nunmehr wendete man statt der Mansfelder Kilns Kiesbrenner an, die sich von den überall gebräuchlichen durch andere Abmessungen – vornehmlich grössere Höhe – unterschieden. Der Zug wurde möglichst verlangsamt, was sowohl durch kleinere Abzugsöffnungen, als auch dichtere Lagerung des zerkleinerten Kupfersteines erzielt wurde. Um der Luft möglichst grosse Angriffsfläche zu geben, machte man den Stein künstlich porös, indem man ihn in Sandbetten abstach, welche vorher etwas angefeuchtet und mit sehr feinem Steinkohlenstaub überstreut waren. Im Ganzen wurde mit fünf Systemen mit je 28 Brennern gearbeitet; jedes System war mit einem Bleikammersystem verbunden und gab für den Tag 16 bis 18 t gut gerösteten Kupferstein. Es wurde gefunden, dass das an schwefliger Säure reichste Gas und ein gleichmässig durchgeröstetes Gut dann am sichersten erzielt wird, wenn im Inneren der Brenner ein geringer Gasüberdruck herrscht.

Die mit den neuen Brennern erzielten Resultate waren kurz folgende:

1) Der Säurefall beträgt bei 40procentigern Kupferstein 47 bis 48 Proc. vom Gewicht des gerösteten Steines an Kammersäure von 51° B.

2) Der Salpeterverbrauch beträgt 0,8 bis 1 Proc. der Kammersäure.

Textabbildung Bd. 294, S. 132
3) Die Hitze der Röstgase ist so hoch, dass ein vollständiges Abkochen des Salpeters und Bildung von reinem geschmolzenem Sulfat und völlige Denitrirung im Gloverthurm stattfindet.

4) Die Kosten der Röstung betragen für die Tonne Kupferstein 1 M. weniger wie bisher.

5) Sämmtliches Röstgut ist spurreif; Ausklauben und Zurückgeben von unvollkommen geröstetem Stein ist nicht erforderlich. Die Röstarbeit ist leichter zu controliren |133| und weniger anstrengend wie bei den Mansfelder Kilns.

6) Beim Spuren des Rostes von 20- bis 30procentigem Stein fällt 66- bis 68procentiger Spurstein; beim Spuren des 40procentigen Rostes fällt 74- bis 75procentiger Spurstein.

7) Die Kosten der Anlage eines Systemes von 28 Brennern sind etwas geringer als die eines Systemes von 12 Mansfelder Kilns bei ungefähr gleichem Durchsetzquantum.

8) Das in den Brennerchargen festgelegte todte Kapital ist bei 28 Brennern um 35 t Kupferstein geringer als bei 12 Mansfelder Kilns von gleicher Leistungsfähigkeit.

Die Ofenanlage von Alfredo Ovalle Vicuňa in Vallenar (Chile) bezweckt die Gewinnung von Garkupfer aus Schwefelkupfererzen in einem ununterbrochenen Hitzgange. Wenngleich dieses Verfahren an sich nicht mehr neu ist und nach dem Manhes-Process gleichfalls marktfähiges Kupfer in einem einzigen Hitzgange dargestellt wird, so bietet doch die Ofenanlage Vicuňa's manches Eigenartige, welches Beachtung verdient. Dieselbe besteht aus dem im Scheitelpunkte der Anlage stehenden Gebläsekupolofen A (Fig. 2), in welchem das zerkleinerte Kupfererz niedergeschmolzen wird. Der Rohstein wird auf den Hauptherd B abgelassen, welcher mit den beiden Rostfeuerungen C in Verbindung steht. Durch die oxydirende Flamme dieser Feuerungen wird der Rohstein entschwefelt und durch Zusatz von Sand oder anderem kieselsäurehaltigen Material auch von seinem Gehalt an Eisen befreit. Zum Ausbringen der Schlacke dient die Oeffnung b auf der freien Stirnseite des Herdes B.

An den Hauptherd B sind flügelartig zwei Hilfsherde EE angeschlossen, aufweiche das von dem grössten Theile seiner Unreinheiten befreite Kupfer zu marktfertigem Kupfer fertig raffinirt wird. Dieselben sind durch die Kanäle D, welche sich über den Hauptherd B erstrecken, mit den beiden Feuerungen C verbunden, wobei durch die Schieber d der Zug nach Belieben geregelt werden kann (D. R. P. Kl. 40 Nr. 77423 vom 12. October 1893).

(Fortsetzung folgt.)

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