Titel: Ueber das Schneiden von Baumwollsammet.
Autor: Glafey, H.
Fundstelle: 1894, Band 294 (S. 169–175)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj294/ar294046

Ueber das Schneiden von Baumwollsammet.

(Schluss des Berichtes S. 145 d. Bd.)

Mit Abbildungen.

Charles William Keighley und Thomas Burnup Keighley, in Firma Lockwood und Keighley, und William Netherwood in Upperhead Mills, Huddersfield, England, haben, um trotz der Verschmälerung des Gewebes beim Schneiden ein stets sicheres Einlegen der Messer in die Florgänge zu ermöglichen, nach D. R. P. Kl. 86 Nr. 64947 die Maschine mit Messern ausgestattet, welche eine Parallelverschiebung zu einander nach jedem Schnitt erhalten. Die Messer sind dabei zum Theil feststehende, zum Theil bewegliche, und letztere ruhen auf Schraubenspindeln.

Textabbildung Bd. 294, S. 169
Nach Einführung des Gewebes in die Maschine (Fig. 55) werden die Enden zusammengenäht, so dass ein endloses Band entsteht. Der dadurch gebildete Wulst stösst, wenn er auf den vor den Messern befindlichen Streichbaum 5 (Fig. 56a) aufläuft, gegen einen Hebel, welcher den Stillstand der Maschine selbsthätig veranlasst. Nach Richtigstellung der Messer durch Drehen eines Handrädchens 23 wird die Maschine durch Heben eines Hebels wieder in Gang gesetzt, und es erfolgt der nächstfolgende Schnitt sämmtlicher Messer.

Von den auf den Supports 18 befestigten Messern 7 ist das erste feststehend, während die anderen drei verschiebbar sind. Diese Verschiebung erfolgt, wie erwähnt, durch die Schraubenspindel 22, welche entsprechend der gewählten Anzahl Messer mit drei Gewindeabschnitten von verschiedener Steigung versehen ist. Jeder Gewindeabschnitt wirkt auf einen Support 18 ein, so dass durch Drehung der Spindel die Supports mit verschiedener Geschwindigkeit gegen einander verschoben werden. Um das Gewebe in der Schnittrichtung ordentlich anzuspannen, wird dasselbe über einen Streichbaum 5 geführt, auf welchem, den Schneidzeugen entsprechend, Rippen 11, 12, 13 und 14 angebracht sind, von denen die drei letzteren in derselben Weise wie die Schneidzeuge durch eine Schraubenspindel 17 mit Gewindeabschnitten von verschiedener Steigung auf dem Streichbaum verschoben werden können. Der Antrieb der beiden Schraubenspindeln erfolgt gleichzeitig durch eine mit Schnecken versehene Welle 24. Das Anspannen des Gewebes in der Schnittrichtung wird ausserdem noch durch endlose Riemchen 27 befördert, welche über die Rollen 28, 29 und 30 laufen und die Abzugswalze 6 auf einem grossen Theil ihres Umfanges umfassen. Die in den Hebeln 31 gelagerten, durch Federn 33 nach abwärts gedrückten Rollen 30 sind in Armen der Supports 18 gelagert, so dass die Riemchen an der Verschiebung der Schneidzeuge theilnehmen.

Textabbildung Bd. 294, S. 169
Dies ist der Grundgedanke der Maschine; für die Ausführung der Maschine selbst sind aber noch folgende Umstände in Rücksicht zu ziehen, welchen die einzelnen Mechanismen der Maschine Genüge zu leisten haben. Durch das Zusammenziehen in der Breitenrichtung macht sich eine veränderte Führung der Längskanten (Sahlleisten) des Gewebes nöthig, diese Führung ist gleichzeitig mit den Schneidmessern zu verstellen; ferner ist die Maschine selbsthätig in Stillstand zu setzen, wenn entweder ein Messer nicht schneidet oder wenn es hakt, wenn die Wulststelle, an welcher die Gewebe zusammengenäht sind, vor das Messer kommt. Beim Stillsetzen der Maschine ist ferner zu verhindern, dass durch die Gewebespannung die Führungswalzen noch weiter gedreht werden, sie müssen also in entsprechender Weise gebremst werden; beim Wiederingangsetzen der Maschine dürfen die Messer erst zur Wirkung kommen, wenn im Gewebe die richtige Spannung vorhanden ist, und diese richtige Spannung rnuss auch während des Schneidens dauernd dadurch erhalten bleiben, dass die Relativgeschwindigkeit zwischen den beiden spannenden Walzen immer dieselbe bleibt; es darf also die gezogene Walze nicht, durch das Gewebe bethätigt, voreilen, |170| sondern sie ist, sobald sie schneller zu laufen anfängt, zu bremsen.

Die Ausführungsform der Maschine, wie sie diesen Bedingungen Genüge leistet, ist im Nachfolgenden erläutert und in Fig. 57 dargestellt.

Textabbildung Bd. 294, S. 170
Das zu reissende Gewebe wird mit seinen Enden zusammengenäht, so dass es eine endlose Bahn bildet, welche über Führungswalzen 3 läuft, welche in geeigneter Weise im Gestell 1 gelagert sind. Bevor das Gewebe zu den Messern 7 gelangt, läuft es über eine Kratzenwalze 4 und über den bereits genannten Streichbaum 5, der die nöthige Spannung gibt. Nachdem das Gewebe dann die Messer passirt hat, gelangt es zur Abzugs walze 6 und von da wieder zurück nach dem anderen Ende der Maschine. Die Reissmesser 7 sind an Armen 8 befestigt, welche in Lagern 9 ruhen. Durch Stellschrauben 10 können die Arme nach Belieben eingestellt werden; je nachdem die Messer arbeiten sollen oder nicht.

Da nun die Messer in einem gewissen Abstand von einander angeordnet sind und das Aufschneiden der Schussfäden in der Längsrichtung des Gewebes geschieht, so müssen die Theile des Gewebes, auf welchen die Messer arbeiten, stärker angespannt werden, als die zwischen ihnen befindlichen Theile, Dies geschieht durch die auf dem Streichbaum 5 vorgesehenen, schon erwähnten Rippen 11, 12, 13 und 14.

Um das Gewebe in der richtigen Weise in die Maschine einlaufen zu lassen, muss an dem Einlaufende eine Führung angebracht sein, deren Backen in derselben Weise verschiebbar sind, wie die Schneidzeuge. Zu diesem Zwecke sind zwei Führungsschienen 34 vorgesehen (Fig. 58), von denen die eine mit der Traverse 35 fest verbunden ist, die ebenfalls seitlich verschiebbar ist, während die andere auf der Traverse 35 selbst verschiebbar ist. Diese Schiene ist mit einem Schlitten 36 versehen, an welchem eine Mutter 37 sitzt, welche durch die festgelagerte Schraubenspindel verschoben werden kann. Der Antrieb der Schraubenspindel 38 erfolgt durch die beiden Kegelräder 39 und 40, von denen das letztere auf der wagerechten Welle 24 befestigt ist, so dass durch Drehen des Handrades 23 die Führungsschiene gleichzeitig mit den Schneidzeugen verschoben wird und sich so der verminderten Stoffbreite anpasst. Die Steigung der Schraube 38 ist dabei grösser als die grösste Steigung der Schrauben 22 und 17, so dass die Führungsschiene schneller verschoben wird, als die äusserste Rippe 14 mit ihrem entsprechenden Schneidzeug.

Um die Maschine augenblicklich in Stillstand setzen zu können, ist eine besondere Bremsvorrichtung angeordnet, welche in Fig. 59 und 60 veranschaulicht ist.

Textabbildung Bd. 294, S. 170
Die Abzugswalze 6 ist in geeigneten Lagern gelagert und wird durch den Riemen 42 angetrieben, der über die Riemenscheibe 43 läuft. Die mit Kratzenbeschlag versehene Walze 4 hat dagegen keinen besonderen Antrieb, sondern wird von dem zu bearbeitenden Gewebe mitgenommen. Auf den Wellen der beiden Walzen sind Bremsscheiben 44 und 45 angebracht, welche gleichzeitig durch den Hebel 46 bethätigt werden. Dieser Hebel wird durch den Knaggen 47, welcher sich unter den Anschlag 48 legt, in seiner auf der Zeichnung mit vollen Linien dargestellten Lage gehalten. Die Enden des zu reissenden Gewebes werden mit einander vereinigt, so dass ein endloses Gewebe entsteht. Die Vereinigungsstelle bildet einen dicken Wulst, welcher den Reissmessern nicht dargeboten werden darf, weil sonst eine Beschädigung der Messer erfolgen würde. Um dies zu vermeiden, ist eine Vorrichtung angebracht, welche die Maschine ausrückt, sobald sich dieser dicke Wulst dicht vor den Reissmessern befindet. Auf der senkrechten Welle 50 ist ein wagerechter Arm 51 befestigt, auf welchem eine Schaltklinke 52 aufliegt, die an dem oberen Ende des Hebels 53 drehbar befestigt ist. Vor dem Streichbaum 5 ist an einer Welle 55 ein Fühlhebel 54 angebracht, der sich gegen den Streichbaum legt. Wenn nun die den Wulst bildende Vereinigungsstelle unter dem Fühlhebel hin durchläuft, wird derselbe emporgehoben, wodurch der Welle 55 eine kleine Drehbewegung |171| ertheilt wird. An dieser Welle ist nun ein senkrechter Arm 56 angebracht, der sich gegen einen wagerechten Arm 57 der senkrechten Welle 50 legt und bei Drehung der Welle 55 der senkrechten Welle 50 eine Drehbewegung ertheilt. Durch diese Drehung wird der wagerechte Arm 51 seitwärts bewegt, so dass die Schaltklinke 52 ihren Stützpunkt verliert und herabfällt. Dadurch kommt sie in den Bereich des rotirenden Schaltrades 60, welches sie und mit ihr den Hebel 53 zurückschiebt. Dadurch wird der an dem Hebel befestigte Knaggen 47 unter dem Anschlag 48 hinweggezogen, so dass die Spiralfeder 61 in Wirkung treten und den Hebel 46 nach unten in die mit punktirten Linien dargestellte Lage ziehen kann. Hierdurch wird die Bremse 44 angezogen und gleichzeitig der Riemen 42 von der festen auf die lose Riemenscheibe gebracht. Die Riemengabel 63 dreht sich um den Bolzen 64, an welchem eine Spiralfeder 65 befestigt ist, welche das Bestreben hat, die Gabel gegen die lose Riemenscheibe zu schieben. Wenn die Maschine in Thätigkeit ist, wird die Riemengabel dadurch auf der festen Riemenscheibe gehalten, dass sich der Hebel 46 mit seiner einen Seite gegen das obere, nach aussen gebogene Ende des Hebels 67 legt, welcher um den Bolzen 68 drehbar ist. Das obere Ende dieses Hebels ist durch die geschlitzte Stange 69 mit der Riemengabel verbunden. Wenn nun, wie oben erwähnt, der wagerechte Arm 51 bei Seite gedreht wird und der Hebel 46 in Folge dessen nach unten gezogen wird, gibt er den gebogenen Theil des Hebels 67 frei, so dass die Feder 65 in Wirkung treten und die Riemengabel umlegen kann, so dass der Riemen auf die lose Riemenscheibe übergeführt wird. Wenn die Maschine wieder in Gang gesetzt werden soll, wird der Hebel 46 wieder in die Höhe gehoben, wobei der Hebel 67 wieder zurückgedrückt wird, so dass die Riemengabel den Riemen von der losen Riemenscheibe wieder auf die feste Riemenscheibe schiebt.

Textabbildung Bd. 294, S. 171
Textabbildung Bd. 294, S. 171
Die auf die mit Kratzenbeschlag versehene Walze 4 wirkende Bremse 45 wird gleichzeitig mit der Bremse 44 bethätigt. Die Bethätigung der Bremse 45 erfolgt durch den gebogenen Hebel 71, welchen die Spiralfeder 70 bestrebt ist, beständig nach unten zu ziehen. Durch die Zugstange 73 ist der Hebel 71 mit dem Hebel 46 in der Weise verbunden, dass die Feder 70 den Hebel 71 erst nach unten ziehen kann, wenn der Hebel 46 nach abwärts bewegt ist. Beim Wiederanlassen der Maschine wird die Bremsung der beiden Walzen 6 und 4 nicht zu gleicher Zeit aufgehoben, vielmehr erfolgt die Ingangsetzung der Walze 6 früher als die der Walze 4. Dies geschieht dadurch, dass die Zugstange 73 mit einem Schlitz in der Weise versehen ist, dass der Hebel 46 um einen gewissen Betrag gehoben sein muss, bevor die Zugstange auf den Hebel 71 einwirken und denselben heben kann, wodurch die Bremsung aufgehoben wird. Dies geschieht aus dem Grunde, um dem Gewebe wieder die nöthige Spannung zu ertheilen, bevor die Schneidzeuge wieder in Thätigkeit treten. Beim Abstellen der Maschine nämlich verliert das Gewebe in bestimmtem Maasse seine Spannung. Würden nun beim Wiederanlassen der Maschine die beiden Walzen 6 und 4 gleichzeitig in Umdrehung versetzt, so wäre beim Beginn der Arbeit das Gewebe noch nicht in der richtigen Spannung, bei welcher die Messer arbeiten könnten. Wird dagegen die Bremsung der Walze 6 früher aufgehoben, so dass diese sich früher in Umdrehung setzt als die Walze 4, so erhält das Gewebe die richtige Spannung, und die Messer können sofort in Thätigkeit treten, sobald sich das Gewebe in Bewegung setzt. Die Bremsung der Walze 4 kann aber auch jederzeit unabhängig von der der Walze 6 aufgehoben werden, wenn es sich z.B. darum handelt, die Verbindungsstelle des endlosen Gewebes oder eine schadhafte Stelle ohne Spannung unter den Schneidzeugen hindurchlaufen zu lassen. Dies geschieht dadurch, dass der die Maschine bedienende Arbeiter den Fusstritt 74 a nach unten drückt. Dadurch wird der gebogene Hebel 71 hochgehoben, so dass die Walze 4 sich frei drehen kann. Um die Maschine auch abstellen zu können, ohne die Bremse zu bethätigen, ist in der wagerechten Verbindungsstange 69 (Fig. 60) des Hebels 67 mit der Riemengabel ein rechteckiger Schlitz 75 angebracht, der an seinem Ende einen nach oben reichenden Ausschnitt hat, in welchen sich der an der Riemengabel befestigte Bolzen 76 legt. Durch Hochheben der zu diesem Zwecke mit einem Handgriff versehenen Verbindungsstange kann man den Bolzen 76 aus dem Ausschnitt in den Schlitz 69 bringen, in welcher Stellung die Riemengabel den Riemen auf die lose Riemenscheibe überführt.

Textabbildung Bd. 294, S. 171
Wenn das ganze Gewebe die Maschine durchlaufen hat und beim Passiren der zusammengehefteten Enden |172| unter dem Fühlhebel 54 die Maschine in der oben beschriebenen Weise abgestellt ist, ist es nothwendig, das Gewebe seitwärts zu verschieben, um den Schneidzeugen andere ungeschnittene Theile darzubieten. Um dies bewerkstelligen zu können, ist auf der Hinterseite der Maschine an der Traverse 35 eine Zahnstange 77 (Fig. 58) befestigt, in welche ein Zahnrad 78 eingreift. Das zu bearbeitende Gewebe 2 läuft zwischen den auf der Traverse 35 angebrachten Führungsbacken 34 hindurch. Wird nun mittels des Zahnrades 78 die Zahnstange 77 in Richtung des eingezeichneten Pfeiles nach links geschoben, so nimmt auch die Traverse 35 mit den Führungsbacken 34 an der Bewegung theil. Um dem die Maschine bedienenden Arbeiter genau anzugeben, wie weit das Gewebe seitwärts verschoben ist, ist ein Zeiger 79 an dem Gestell angebracht, welcher die seitliche Verschiebung des Gewebes genau angibt.

Textabbildung Bd. 294, S. 172
Wenn das Gewebe auf diese Weise richtig eingestellt ist, wird der Hebel 46 gehoben, um den Riemen auf die feste Riemenscheibe zu bringen, so dass die Maschine wieder anfängt zu arbeiten.

Um zu verhindern, dass die mit Kratzenbeschlag versehene Walze 4, welche durch das zu bearbeitende Gewebe selbst in Umdrehung versetzt wird, eine zu grosse Geschwindigkeit annimmt, ist auf derselben eine eigenartige Bremsvorrichtung angebracht. Auf der Welle 81 der mit Kratzenbeschlag versehenen Walze 4 ist eine Schnurscheibe 82 (Fig. 61) lose drehbar angebracht. Die Schnurscheibe wird mittels einer Schnur angetrieben und ist auf der inneren Seite mit einem ringförmigen Flansch 83 versehen.

Fest mit der Welle 81 verbunden ist die Büchse 84, in welcher die beiden einander gegenüberliegenden Aussparungen mit den in ihnen frei beweglichen Bremsbacken 85 vorgesehen sind. In die seitlichen Aussparungen 86 dieser Bremsbacken legt sich der ringförmige Flansch 83, So lange sich nun die Kratzenwalze 4 mit der vorgesehenen Geschwindigkeit dreht, bleiben die Bremsbacken unbethätigt. Wenn jedoch die Umdrehung der vier Bremsbacken eine zu grosse wird, so legen sich dieselben gegen den ringförmigen Flansch der Schnurscheibe, so dass die Geschwindigkeit der Schnurscheibe und mit ihr der Walze 4 verringert wird. Spiralfedern dienen dazu, die Bremsbacken in Berührung mit dem Flansch 83 zu halten.

Um das Gewebe vom vorderen Ende der Maschine wieder zum hinteren zurückzuführen, ist in dem unteren Theil der Maschine ein nach hinten schräg abfallender fester Rechen (Fig. 59) angebracht.

Vor diesem Rechen befindet sich ein bewegliches Brett 88, auf welches das Gewebe herabfällt. An diesem Brett ist der eine Arm eines Winkelhebels 89 befestigt, der um den Bolzen 90 drehbar ist und dessen anderer Arm mittels einer Stange 91 mit der Kurbelscheibe 92 verbunden ist. Durch Drehung dieser Kurbelscheibe wird daher das Brett 88 in eine oscillirende Bewegung versetzt, durch welche das Gewebe fortwährend nach hinten geschoben wird.

Textabbildung Bd. 294, S. 172
Die an dem Schneidzeug angebrachte Vorrichtung, welche die Maschine abstellen soll, wenn das Messer zu tief in das Gewebe hineintritt, oder umgekehrt nicht genügend tief schneidet, ist in Fig. 62 und 63 dargestellt. Das Messer 7 wird von dem Arm 93 gehalten, der um den Bolzen 94 schwingen kann. An dem Arm 8 ist eine wagerechte Schiene 95 befestigt, welche in ihrer Längsrichtung verschiebbar ist. Eine Spiralfeder 99 ist bestrebt, diese Schiene zurückzuziehen, dieselbe wird aber von einer durch eine stärkere Spiralfeder 98 bethätigten drehbaren Falle, die sich mit einem entsprechenden Ausschnitt vor das hintere Ende der Schiene 95 legt, in ihrer Lage festgehalten. An das vordere Ende der Schiene ist ein vorragender Stift 96 angeschraubt. Wenn das Messer 7 in Thätigkeit ist, folgt der Stift 96 demselben in der geschnittenen Bahn. Schneidet nun das Messer zu tief, so steht dementsprechend auch der Stift 96 tiefer und stösst gegen das sich fortbewegende Gewebe. Der dadurch auf den Stift ausgeübte Druck ist grösser als die Spannung der Feder 98; die Falle 97 wird daher ausgelöst und die lange Spiralfeder 99 zieht die Schiene 95 zurück. Hierbei stösst der auf der Schiene angebrachte senkrechte Anschlag 100 gegen die an dem Arm 51 befestigte Schnur 101 und zieht dadurch den Arm 51 bei Seite, wodurch, wie oben beschrieben, die Maschine ausgerückt wird.

Wenn das Messer das Gewebe durchdringt, was zuweilen vorkommt, so stellt sich das Messer steil. Dabei |173| schwingt der Arm 93 um den Bolzen 94 und stösst gegen das vordere Ende der Schiene 95. Die Schiene wird dabei wie im vorigen Falle der Wirkung der Feder 98 entgegen zurückgeschoben und bewirkt das Ausrücken der Maschine.

Damit das Gewicht des Armes 8 nicht auf der Spitze des Messers lastet, ist an dem vorderen Ende des Armes ein Knopf 102 angebracht, welcher auf dem Gewebe aufliegt, so dass das Gewicht des Armes von dem Gewebe getragen wird. Eine an dem Arm befestigte Flachfeder 103 dient dazu, das Messer mit der genügenden Elasticität gegen das Gewebe zu pressen.

Textabbildung Bd. 294, S. 173
Bei der in den Fig. 64 und 65 wiedergegebenen Sammetschneidmaschine von William Gadd in Manchester (D. R. P. Kl. 86 Nr. 67618)1) soll der Stoff bei grosser Raumersparniss unter möglichst geringer Reibung den Messern zugeführt werden.

Textabbildung Bd. 294, S. 173
Der Stoff d wird halb um die Walze b gelegt, läuft zwischen den Walzen c hindurch und fällt hierauf so lange herunter, bis eine Stange f denselben erfasst und mitnimmt. Die Stangen f bewegen sich langsamer, als der Stoff heruntergleitet, wodurch letzterer, wie aus Fig. 64 ersichtlich, in Falten d gelegt wird. Sowie die Stangen unter den Finger h gelangen, wird der Stoff auf dieselben gedrückt und am weiteren Herabfallen verhindert.

Der in Falten gelegte Stoff wird nun bis an das entgegengesetzte Ende der Maschine geleitet und gelangt nach Passiren der Walzen c1 und der Walze b1 in ausgebreitetem Zustand zu den Rollen j, welche ihn straff spannen und den Messern zuführen.

Von hier aus läuft der Stoff zur Walze b zurück und wird wieder in Falten gelegt, da er eine endlose Bahn bildet. Sobald sämmtliche Theile des Stoffes die Messer passirt haben, wird derselbe aufgeschnitten und der Maschine entnommen.

Die Walze b ist im Gestell a gelagert und überträgt ihre Bewegung, welche sie von der Riemenscheibe aus erhält, mittels Zahnräder auf die Walze c.

Ferner setzt die Walze b ein Getriebe s in Drehung, wodurch den Kettenrädern g eine entsprechend langsame Bewegung ertheilt wird. Vier Paare solcher Kettenräder sind im Gestell a gelagert und treiben zwei Ketten f2, deren Glieder in Arme f1 auslaufen. Je zwei sich gegenüberstehende Arme sind durch eine Stange f verbunden. Die Walzen c, welche den Stoff d erfassen, nachdem er die Walze b halb umlaufen hat, werden durch die Pressvorrichtung e an einander gedrückt. Diese Pressvorrichtung ist an beiden Seiten des Gestelles a befestigt und umfasst mit ihrem vorderen gabelförmigen Ende die Achse der einen Walze c. Durch Bethätigung der Mutter e2 lässt sich der Druck regeln.

Die Arme f1 der Ketten f2 öffnen sich beim Umlaufen der Räder g und erfassen den Stoff mittels der Stangen f. Sobald nun eine Stange f den Stoff bis unter den im Gestell a gelagerten Finger h gebracht hat, drückt dieser Finger durch sein Eigengewicht auf den Stoff und sichert so die Lage der Falten. Soll die Maschine in entgegengesetzter Richtung laufen, so wird der Stoff beim Herabgleiten aus den Walzen c1 in Falten gelegt und verlässt die Walzen c dagegen in glattem Zustande.

Um ein sofortiges Stillsetzen der Maschine zu ermöglichen, ist auf der Trieb welle eine Kuppelung vorgesehen, die beim Niedertreten eines Fusstrittes die Antriebswelle mit der Riemenscheibe kuppelt, beim Loslassen des Fusstrittes durch die Wirkung einer Feder ausser Eingriff gebracht wird, wobei gleichzeitig durch Freigabe eines Stiftes o der Ausrückhebel p den Riemen auf die Losscheibe n befördert.

Um das Sammetgewebe bei einem etwaigen Einschneiden |174| des Messers vor weiterer Zerstörung zu schützen, hat William Gadd nach dem D. R. P. Kl. 86 Nr. 66631 das Messer mit einem Schutzhalter a (Fig. 66 und 67) ausgestattet, welcher mit einem Querarm c versehen ist, an welchem sich Spitzen b befinden, die bei einem etwaigen Einschneiden des Messers eine tiefere Lage einnehmen und so den Stoff erfassen und ihn nicht weiter lassen. Der Schutzhalter a ist wie nach Fig. 66 als Kappe ausgebildet oder durchbohrt und über den Messerhalter gezogen, die Spitzen sitzen drehbar am Querarm oder es sind statt einzelner Spitzen deren eine ganze Zahl vorhanden.

Textabbildung Bd. 294, S. 174
Zum Schluss dieser Abhandlung mögen noch einige Worte über die Vorbereitung gesagt sein, welche diejenigen vom Webstuhl kommenden Sammetgewebe erfahren, welche erst nach dem Verlassen desselben auf die eine oder andere Weise geschnitten werden. In erster Linie werden die bezeichneten Gewebe durch eine Stärke- und Trockenmaschine geleitet, welche den Zweck haben, das Sammetgewebe auf der Rückseite mit einer geeigneten Stärkeappretur zu versehen. Nach Vollendung dieser Arbeit gelangt das so behandelte Gewebe in eine Leimmaschine, auf welcher die Vorderseite des Gewebes mit ihren Florbahnen mit Leim imprägnirt wird.

Die Fustian Cutting Machine Company verwendet nach Textil-Manufacturer hierzu eine Maschine, welche die aus Fig. 68 ersichtliche Einrichtung besitzt. Das zu behandelnde Gewebe wird durch den einstellbaren Spannapparat A mit seiner Oberseite über den Leimbehälter F geleitet, in welchem eine cylindrische Bürste umläuft, die den Leim auf die Florseite des Gewebes überträgt, in die er mittels zweier nach entgegengesetzten Seiten umlaufenden Cylinderbürsten BC, welche dem Leimtrog folgen, eingearbeitet wird. Der von den Bürsten abgeschleuderte Leim fliesst auf einem Ablauf G wieder nach dem Leimbehälter zurück. Durch zwei Abzugswalzen B gelangt das geleimte Gewebe nach einem Faltapparat E bekannter Construction und wird durch denselben abgelegt, um in eine Trockenmaschine zu gelangen, deren Einrichtung sich aus Fig. 69 ergibt.

Diese von der Fustian Cutting Machine Company angewendete Trockenanlage wird durch eine Trockenkammer gebildet, an deren Decke ein System von Ketten läuft, durch welche das Gewebe in frei hängenden, durch selbsthätig mitgenommene Stäbe gebildeten Falten durch den Trockenraum geleitet wird, an dessen Auslaufstelle die getrocknete Stoffbahn die Stäbe wieder selbsthätig ablegt und in Stücke gefaltet oder gewickelt wird. Eine Leimmaschine bürstet endlich den überflüssigen trockenen Leim vom Gewebe ab und lockert die einzelnen Florfäden derart, dass die Messer bequem in die Florgänge eindringen können.

Textabbildung Bd. 294, S. 174
Die Bürstmaschine, wie sie die mehrfach angeführte Firma anwendet, besteht, wie Fig. 70 erkennen lässt, im Wesentlichen aus zwei rotirenden Bürsten, welche das mittels geeigneter Spann Vorrichtungen A B um eine Holztrommel |175| C geleitete Gewebe bearbeiten. Der von den Bürsten gelöste Staub wird mit Hilfe eines unterhalb der Bürsten vorgesehenen Ventilators abgeführt, während das für das Schneiden fertige Gewebe durch einen bekannten Wickelapparat D auf eine Walze E aufgebäumt wird.

Textabbildung Bd. 294, S. 175
|173|

Vgl. auch englisches Patent Nr. 17760 A. D. 1891.

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