Titel: Neuerungen an Regulatoren.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1894, Band 294 (S. 226–232)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj294/ar294063

Neuerungen an Regulatoren.

Mit Abbildungen.

Wenngleich auch seit unserem letzten Berichte keine Constructionen von einschneidender Bedeutung aufgetaucht sind, keine Vorschläge mit originellen Grundgedanken den Mangel neuer Principien haben vergessen lassen, so sind doch mancherlei Ausführungen zu verzeichnen, welchen |227| wegen zum Theil geschickter Benutzung technischer Kniffe die Fähigkeit, Mängel zu beseitigen, nicht abgesprochen werden kann.

Textabbildung Bd. 294, S. 227
Um die Regelung einer Pumpwerksdampfmaschine in selbsthätiger Weise von dem Luft- oder Flüssigkeitsdruck im Reservoir vollziehen zu lassen, also die durch den Centrifugalregulator zu bewerkstelligende Verstellung der Zulassorgane von der jeweiligen Entnahme aus dem Behälter abhängig zu machen, schaltet Herm. Härtung in Düsseldorf (D. R. P. Nr. 73993) zwischen Antriebswelle und Regulatorwelle W (Fig. 1) ein Paar Reibungsräder FF1 ein, von denen das eine, etwa F, senkrecht verstellbar ist. Dieses führt sich mit Feder und Nuth auf der Welle W und wird durch Vermittelung des Hebels H einerseits von einem Kolben K, auf dessen Unterseite die Druckluft oder Flüssigkeit presst, andererseits vom Gegengewicht G und Oelbremse B beeinflusst. Unter normalen Verhältnissen befindet sich die Scheibe F in der Mitte zwischen Mittelpunkt und Peripherie von F1. Sinkt die Entnahme aus dem Reservoir, steigt also der Druck in demselben, so wird K und dadurch F gehoben, die Umdrehungszahl von F und des Regulators wächst, das Zulassorgan wird geschlossen. Anderenfalls findet der umgekehrte Vorgang statt. Unter Schutz gestellt ist:

1) Einrichtung zur selbsthätigen Regelung von Pumpwerksdampfmaschinen, darin bestehend, dass die Veränderung des Druckes der Pressluft oder Flüssigkeit im Reservoir dazu benutzt wird, um das Uebersetzungsverhältniss zwischen der Maschine und dem Centrifugalpendel zu ändern.

2) Eine Ausführungsform der durch Anspruch 1 gekennzeichneten selbsthätigen Regelungsvorrichtung für Pumpwerksdampfmaschinen, bei welchen zwei Frictionsscheiben FF1 zum Betriebe des Centrifugalpendels angeordnet sind, von denen die eine gegen die andere mittels eines Hebels H verschoben werden kann, und die Bethätigung dieses Hebels H durch einen Kolben K oder statt dessen eine Membran, unter welche die Pressluft oder Flüssigkeit tritt.

Grossen Maschinen, welche zur Bewegung ihrer Steuerung sich der Maschinenkraft bedienen müssen, liegt die Gefahr, überregulirt zu werden, nahe, und es sind deshalb Vorkehrungen erforderlich, welche den Uebelstand beheben. Emil Bürgin in Basel (D. R. P. Nr. 74443) versieht das Hülsengewicht A (Fig. 2) des Regulators M mit einer excentrischen Scheibe G und lässt um eine senkrechte feste Achse g einen kreisbogenförmigen Doppelhebel b schwingen, dessen beide hinter einander liegende Arme sich decken, von denen aber der eine Hebel einen oben starken Anschlag H1, der andere einen unten verdickten Anschlag H2 (in der Zeichnung nicht sichtbar) trägt. In der Hochlage schlägt Scheibe G gegen H1, in der Tieflage gegen H2. Da der Doppelhebel b durch Gestänge pJn und Riemenleiter L den Antriebsriemen a für das Stellzeug verschieben kann, so wird durch die vereinte Wirkung obiger Glieder, je nach dem Stand von G, entweder nur die Losscheibe O oder aber die das konische Rad verdrehende Scheibe P0 oder die mit dem konischen Rad S feste Scheibe R und damit die Steuer welle F nach der einen oder der anderen Richtung gedreht.

Textabbildung Bd. 294, S. 227
Um nun nach erfolgter Regulirung den Riemen a wieder auf die Losscheibe O überzuführen, schaltet Bürgin zwischen Stange J und der Riemenleiterstange n einen drei armigen Hebel dd1d2 ein. Bei d greift die Stange J an und verdreht den Hebel je nach Lage von G um den auf einem Arm f festen Bolzen e. Auf dem Arm f senkrecht verschiebbar ist weiter ein unten gezahntes Sperrstück c, welches durch eine Feder o mit dem Rade h in Eingriff gehalten wird, je nach Bewegung des Hebels dd1d2 aber, bald von dem Arm d1, bald von dem Arm d2 ausser Eingriff gehoben wird, so dass die Verstellung des Riemenleiters L durch bJdn erfolgen, nach Rückkehr von G in die Gleichgewichtslage aber die Klinke c durch Wirkung |228| der Feder o in die Verzahnung von h einfallen kann. Nun bewegt sich der Arm f, auf welchem Klinke c und Hebel dd1d2 angeordnet sind, mit dem Rade h um eine Achse q, allerdings, wenn ch nicht sperrt, unabhängig von einander. Durch das Getriebe hUT1T steht aber anderenfalls der Arm f und somit der Riemenleiter L unter dem Einfluss der Welle F1, da die Schnecke T fest auf F1 sitzt, und somit entweder direct von Po nach der einen, oder indirect von RSP1P nach der anderen Seite gedreht wird. Ist deshalb beispielsweise der Riemen durch die Wirkung von GH1 auf P0 übergeführt, so vollziehen die Theile P0TT1Uhf dessen Zurückführung auf die Losscheibe O. Die Patentansprüche besagen:

1) Ein Geschwindigkeitsregulator, bei welchem ein Ueberreguliren der Kraftmaschine dadurch vermieden wird, dass das Schaltwerk des Riemens, welcher zur Uebertragung der Bewegung auf die Regulirwelle dient, selbsthätig von der Regulirwelle aus in seine Ruhestellung zurückgebracht wird, indem die Regulirwelle mittels eines Räderwerkes P1PTT1U mit einem Rade h verbunden ist, in welches die Zahnung einer an einem Hebel f des Regulirriemenschaltwerks angebrachten Schiebeklinke c selbsthätig eingreift, sobald die Wirkung des Centrifugalregulators auf das Riemenschaltwerk aufhört, so dass letzteres den von der Regulirwelle aus auf das Rad h übertragenen Bewegungen folgen kann.

Textabbildung Bd. 294, S. 228
2) Bei einem durch Anspruch 1 gekennzeichneten Geschwindigkeitsregulator ein Schaltwerk für den Regulirriemen, bestehend aus zwei Rollen H1H2 mit Wülsten, auf welche das auf der Regulatorhülse befindliche Excenter G wirkt und welche an den Armen eines drei armigen Hebels angebracht sind, dessen Arm b die Bewegung durch eine Lenkstange I auf einen Winkelhebel dd1d2 überträgt, dessen Drehpunkt e sich an dem drehbar um die Achse q des Rades h angeordneten und eine Schiebeklinke c tragenden Schalthebel f, der mit der Leitstange der Riemenführungsgabel verbunden ist, befindet, wobei der Winkelhebel dd1d2 zuerst durch seinen Arm d1 bezieh. d2 an einen Zapfen der Schiebeklinke c anstösst und hierdurch letztere aus der Zahnung des Rades h ausrückt und dann durch Anschlagen seines Armes d an den einen oder anderen der oberen, am Schalthebel f befestigten Führungszapfen der Schiebeklinke c den Schalthebel f um die Achse q dreht und den Regulirriemen in eine Stellung bringt, in welcher er die Rotation in dem erforderlichen Sinne auf die Regulirwelle überträgt.

Der Curiosität halber und obgleich wegen des arbeitsvernichtenden Princips von unerheblicher Bedeutung soll die Einrichtung erwähnt werden, welche Otto Horn in Oberoderwitz i. S. (D. R. P. Nr. 75791) vorgeschlagen hat, um die Umdrehungsgeschwindigkeit einer Kraftmaschine gleichmässig zu erhalten. Anstatt, wie allgemein üblich und allein ökonomisch richtig, bei Ausschaltung einer Arbeitsmaschine aus dem Wirkungskreise einer Betriebsmaschine dem Regulator die dem verringerten Bedürfnisse entsprechende Reduction der Arbeitsentwickelung zu überlassen, schiebt der Constructeur mit dem ausgeschalteten Apparat gleichwerthige Widerstände ein. So ordnet er in einem Falle (Fig. 3) am Deckenvorgelege für den Antriebsriemen a nicht Fest- und Losscheibe, sondern zwei Festscheiben an, von denen die eine c, auf welche Riemen a bei Ausserbetriebsetzung geschoben wird, durch ein einerseits an der Wand befestigtes, andererseits durch Hebel f und Gewicht g gespanntes Stahlband e gebremst wird. Als seine Erfindung beansprucht Horn:

Einrichtung zum Gleichmässigerhalten der Umdrehungsgeschwindigkeit einer Kraftmaschine beim Ausrücken einer oder mehrerer von ihr getriebenen Arbeitsmaschinen, dadurch gekennzeichnet, dass gleichzeitig mit dem Ausrücken der letzteren eine Reibungsbremse eingerückt wird, deren Widerstand der überflüssig werdenden Arbeit gleich ist.

Textabbildung Bd. 294, S. 228
Einen Bremsregulator führt auch Eduardo de Morsier in Bologna (D. R. P. Nr. 76823) ins Feld, indem er die bisher unbenutzt gebliebene Aenderung der Intensität der Centrifugalkraft verwendet, welche von der Aenderung des Abstandes des Schwungkugelcentrums von der Rotationsachse eines sogar vollständig astatischen Tachometers herrührt. Während man diese Kraft sonst durch Gegengewicht, meist aber durch eine Feder ausglich, deren eines Ende gegen das Tachometer festgelegt war, lässt Morsier dieses Ende der Feder K (Fig. 4) auf einen Bremshebel T einwirken, wobei die Backe S eine von dem zu regulirenden Motor in Bewegung versetzte Scheibe V bremst. Bezeichnet E die bisher allein benutzte, durch Aenderung der Winkelgeschwindigkeit des Tachometers auf die Hülse ausgeübte, F dagegen diejenige Kraft, welche die Feder auf ihren Stützpunkt ausübt, ferner C die Constante, ε den Grad der Abweichung, ω die Winkelgeschwindigkeit des Regulators und r den Achsenabstand der Kugeln, so ist E = Cεω2, F = Cω2r, d.h. erstere wird für die Wirksamkeit des Reglers Null, wenn ε erheblich sinkt, letztere bleibt hiervon unberührt. Die auf die Betrachtung gegründete Einrichtung schützt auch folgender Patentansprach:

An Bremsregulatoren mit Federeinrichtung die Benutzung der bis jetzt vernachlässigten Kraft, welche auf den einen Befestigungspunkt der Feder wirkt, indem die Feder einerseits, wie üblich, an die Hülse, andererseits aber an das Ende eines Bremshebels angeschlossen wird, so dass ein direct wirkender Bremsregulator mit erheblicher Leistung entsteht.

In praktischer Weise wird von C. Daevel in Kiel (D. R. P. Nr. 74769) ein Achsenregulator ausgeführt, dessen Construction (Fig. 5) dadurch vereinfacht ist, dass der Drehpunkt e und Mittelpunkt h des Excenters auf derselben Seite vom Wellenmittel k zu liegen kommen. Das System bildet ausserdem einen durch seine Trägheit wirkenden |229| Momentregulator, da das Excenter d einerseits von einem durch eine Feder in bekannter Weise gehaltenen Ausschlaggewicht b, andererseits von den am Excenterring angeschlossenen Trägheitsgewichten gf beeinflusst wird. Macht die Maschine beispielsweise die der Mittelstellung des Regulators (Fig. 5) entsprechende Tourenzahl und wird plötzlich die Leistung erheblich verringert, so würde sich die Winkelgeschwindigkeit augenblicklich erhöhen. Die Trägheitsgewichte gf versuchen zurückzubleiben, bis im Grenzfall f sich an Knagge i anlegt, wobei das Excenter in der Pfeilrichtung verdreht wird. Gleichzeitig wirkt auch das Gewicht b in demselben Sinne, so dass sich fg und b unterstützen. Den Erfindungsgedanken bringt auch folgender Patentanspruch zum Ausdruck:

Textabbildung Bd. 294, S. 229
Ein Achsenregulator, bei welchem das Excenter d mit Hilfe von Trägheitsgewichten fg schneller verstellt wird, und wobei Drehpunkte, sowie Mittelpunkt h des Excenters auf derselben Seite der Wellenachse liegen.

Textabbildung Bd. 294, S. 229
Um den durch die Centrifugalkraft einerseits und die Belastungsfeder andererseits erzeugten Druck aus den Gelenken zu entfernen und den Regulator in Folge dessen beweglicher zu machen, verbindet Herm. Härtung in Düsseldorf (D. R. P. Nr. 75790) die Schwunggewichte mit der Feder starr (Fig. 6), ordnet aber die Schwunggewichte auf in den Schenkeln oder Trägern befestigten Bolzen drehbar an. Als Unterschied in der Wirkungsweise dieser Construction von derjenigen der älteren wird angegeben, dass bei der letzteren der Drehpunkt zwischen die Centrifugalkraft und die Belastung, d.h. da, wo der von der Centrifugalkraft und der Feder erzeugte Druck zur Geltung kommt, bei der ersteren dagegen in die Centrifugalkraft an druckfreie Stelle fällt. Die Ausführung ist natürlich auch für einen Achsenregler anwendbar und wird durch folgenden Patentanspruch geschützt:

Centrifugalpendelregulator, dadurch gekennzeichnet, dass die Verbindung zwischen der Belastungsfeder und den Schwungkörpern eine starre, die Verbindung zwischen den Schwungkörpern und ihren Schenkeln oder Trägern aber eine gelenkartig bewegliche ist, um dadurch den durch die Centrifugalkraft und die Belastungsfeder erzeugten Druck von den Lagerungsbolzen fernzuhalten.

Unter Benutzung eines Apparates mit gleichförmiger Umdrehung wirkt der Differentialregulator von Buge in Gaarden bei Kiel (D. R. P. Nr. 75385), welcher einen von dem zu regelnden Motor angetriebenen Reibungskegel A (Fig. 7) mit einem auf einer Welle C verschiebbaren Reibungsrade B zusammen arbeiten lässt. Die Welle C dreht ihrerseits die axial verschiebbare Spindel D, welche mit Gewinde durch das unverschiebbare Rad F tritt; letzteres wird von dem erwähnten Motor von gleicher Umdrehung beständig gedreht. Weicht die Tourenzahl des Kegels A und somit des Rades B von der normalen ab, so schraubt sich D im Rad F nach der einen oder der anderen Richtung und verstellt dementsprechend das Zulassorgan. Da A konisch, kann durch Verschieben von B auf G an einer Scala M die Normalumdrehung geändert werden. Der Patentanspruch schützt:

Einen Differentialregulator, welcher sich dadurch für eine beliebige Umdrehungszahl der Maschine einstellen lässt, dass ein von der Maschinen welle angetriebener Reibungskegel mit einem in seiner Achsenrichtung verschiebbaren Reibungsrade zusammen arbeitet, welch letzteres die Verbindung mit dem die gleichbleibende Bewegung erhaltenden Maschinentheile herstellt.

Textabbildung Bd. 294, S. 229
Flüssigkeit ist bereits mehrfach als Uebertragungsmittel der Centrifugalkraft auf die eine Steuerung verstellende Kraft verwandt worden; meist nimmt dabei aber die Flüssigkeit selbst an der Umdrehung des Behälters theil. In abgeänderter Form bringen J. Jg. Rüsch und Otto Sendtner in Dornbirn (Vorarlberg) (D. R. P. Nr. 76171) einen Flüssigkeitscentrifugalregulator (Fig. 8), bei welchem ein von der zu regelnden Maschine aus angetriebenes Flügelrad c in einer, allenfalls mit Rippen a zur Verhinderung der Flüssigkeit an der Drehbewegung versehenen Kammer b rotirt. Die in b befindliche Flüssigkeit wird durch d in einen Cylinder f gepresst, wo sie unter normalen Verhältnissen einen auf die Steuerung einwirkenden, mit Gewicht i beschwerten Kolben in der Schwebe erhält, bei zu hoher Tourenzahl jedoch hebt, anderenfalls sinken lässt. Soll der Apparat als Widerstandsregler wirken, so wird, wie in Fig. 8 auch dargestellt, der Aussenraum von b bezieh. Rohr d durch Rohr g, welches mittels Hahnes p abschliessbar ist, mit dem centralen Theil r der Kammer b, und der Schwimmer e durch Gestänge klo mit dem Regulirhahn p verbunden. Der in Folge zu langsamen Ganges der Maschine sinkende Kolben e schliesst den Hahn p, so dass keine Flüssigkeit nach r strömen kann. Uebrigens lässt sich dadurch, dass der Schwimmer sowohl auf die |230| Steuerung, als auch auf den Hahn p einwirkt, Widerstandsregler und Flüssigkeitscentrifugalregulator vereinigen. Die Patentansprüche lauten:

1) Ein Geschwindigkeitsmesser für regulatorische Zwecke, bei welchem während des Gleichgewichtszustandes ein in einer Flüssigkeit sich drehendes Flügelrad c, ohne die Flüssigkeit ansaugend und fortdrückend zu bewegen, in ihr nur eine Pressung erzeugt, welche einen belasteten Kolben e schwimmend im Gleichgewicht hält.

2) An dem unter 1 bezeichneten Apparat die Hinzufügung eines Rücklaufrohres g mit selbsthätig durch den Kolben eingestelltem Regulirhahn p, so dass nach Belieben der Apparat mit und ohne Circulation arbeitend verwendbar wird.

Textabbildung Bd. 294, S. 230
Textabbildung Bd. 294, S. 230
Umgekehrt lässt sich an dem Stand des Flüssigkeitsspiegels eines in Rotation versetzten Gehäuses die Umdrehungsgeschwindigkeit ermitteln. Dieser Gedanke liegt dem Geschwindigkeitsmesser mit von Flüssigkeit gefülltem Gefäss für Regulatoren von Ljubomir Kleritz in Belgrad (D. R. P. Nr. 76492) zu Grunde. In Fig. 9 ist A der Flüssigkeitsbehälter, welcher vom Motor durch Scheibe E und Welle W angetrieben wird. Ein Röhrenkreuz R vermittelt den Uebertritt der Flüssigkeit in ein senkrechtes, kalibrirtes Rohr B, in welchem die erstere der Tourenzahl von A entsprechend steigt. Da der Druck im Behälter nach der Peripherie in bekannter Weise wächst, so sind, um diesen Umstand erforderlichenfalls benutzen zu können, verschiebbare Muffen m angeordnet, durch deren Verstellen die Mündungen g des Röhrenkreuzes verlegt werden können. Es kann Rohr B oben geschlossen sein, so dass der Luftdruck dem Flüssigkeitsdruck entgegenwirkt. Die Ermittelung der Scala D soll empirisch geschehen. Behälter A besitzt zweckmässig Rippen r zur sicheren Mitnahme der Flüssigkeit. Geschützt ist:

1) Ein Geschwindigkeitsmesser für Regulatoren, bei welchem die bei verschiedenen Umdrehungsgeschwindigkeiten eines mit Flüssigkeit gefüllten Gefässes innerhalb der parabolisch begrenzten Flüssigkeitssäule auftretenden verschiedenen Drucke benutzt werden, eine mit jener in Verbindung stehende Flüssigkeitsmasse mehr oder weniger zu heben.

2) Ein Geschwindigkeitsmesser der unter 1 genannten Art, sofern bei demselben in ein mit Flüssigkeit gefülltes, in Umdrehung versetztes Gefäss A ein Rohr B taucht, in welchem sich entsprechend der Umlaufgeschwindigkeit der Flüssigkeit im Gefäss A und der hierbei innerhalb desselben beim offenen Rohrende g auftretenden wechselnden Drucke mehr oder weniger hohe Flüssigkeitsstände bei b einstellen.

3) Ein Geschwindigkeitsmesser der unter 1 bezeichneten Art, bei welchem die Rohre B derart verschiebbar angeordnet sind, dass ihre Ausladung a vom Mittel des Gefässes A geändert werden kann, um die Druckanzeige von beliebigen Punkten innerhalb der rotirenden Flüssigkeitsmasse erfolgen zu lassen und der jeweiligen Umlaufgeschwindigkeit entsprechende Niveaustände b zu erzielen.

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Edward Thunderbolt in Carlton (Colonie Victoria, Australien) bildet seinen Geschwindigkeitsregler für Kraftmaschinen als Luftpumpe aus (D. R. P. Nr. 77874). Auf eine grosse Genauigkeit in der Wirkungsweise kann hier wohl kaum Anspruch erhoben werden und höchstens die Beeinflussung der Drosselklappe in Berücksichtigung stehen. Der zu regelnde Motor treibt zwei doppeltwirkende Luftpumpen, deren Kurbeln gegen einander versetzt sind, so dass sie einen ziemlich constanten Luftstrom durch das Rohr K in den Cylinder L (Fig. 10) pressen. Der letztere enthält einen unter dem Einflüsse der Druckfeder N stehenden Kolben M, dessen Stange D mit dem Abschlussorgan (Drosselklappe) des Motors verbunden ist. Mit L stehen Cylinder OB in Verbindung, in welchen die gekuppelten Kolben QR gleiten können; eine Druckfeder F wirkt in einem die Oeffnung P frei legenden Sinne. Läuft der Motor normal, so tritt die Regulirluft durch K, die Oeffnungen A im Kolben Q und den Auslass P. Wächst die Geschwindigkeit des Motors und mit ihr die Luftgeschwindigkeit in K, so steigt der Druck vor P, der Kolben R wird zurückgeschoben, der Auslass P durch Q geschlossen und der Kolben M vorgedrückt. Hierbei gleitet letzterer an der Oeffnung C vorbei, so dass durch diese die Compressionsluft entweichen kann. Beim Nachlassen derselben treten die Federn NF in Wirkung. Die Kolbenstange D wird allenfalls noch durch ein Gestänge S mit einer Drosselklappe T im Cylinder O verbunden, so dass nach eingeleiteter Vorwärtsbewegung des Kolbens M die Drosselklappe T die Wirkung des Kolbenschiebers Q unterstützt. |231| Diese Einrichtungen sind auch in den folgenden Patentansprüchen zusammengefasst:

1) Als Luftpumpe wirkender Geschwindigkeitsregler für Kraftmaschinen, bei welchem die Luft bei normaler Tourenzahl durch Oeffnungen A eines Kolbenschiebers Q und eine Auslassöffnung P gepresst wird, während bei zu raschem Gang der Maschine die geförderte grössere Luftmenge einen Ueberdruck erzeugt, der den Kolben Q vortreibt, so dass letzterer den Austritt ganz oder theilweise absperrt und ein von einer Feder N zurückgehaltener und durch seine Kolbenstange D auf das Einlassorgan einwirkender Kolben M entsprechend vorwärts geschoben wird.

2) Ein Regler der unter 1 gekennzeichneten Art, sofern bei demselben eine Drosselklappe T im Cylinder O angeordnet ist, welche beim Vorwärtsgang des Kolbens M von diesem verstellt wird, so dass die Drosselklappe die Wirkung des Kolbenschiebers Q unterstützt.

Wie leicht erkenntlich, üben die zwangläufigen Steuerungen während des Ganges der Maschine auf das Stellzeug des Regulators (oder des Reversirhebels) eine Rückwirkung aus, welche bei einer Tour der Maschine ihre Richtung einmal ändert und den Regulator schädlich beeinflusst. Andreas Radovanovič in Pilsen (D. R. P. Nr. 74670) hat deshalb ein selbsthätiges hydraulisches Stellzeug construirt, bei welchem der Rückdruck dazu benutzt wird, die Steuerung je nach der Bewegung des Regulators einzustellen. In Fig. 11 und 12 ist die Einrichtung in Verbindung mit einem Regulator gezeichnet, wobei der Cylinder z die wesentlichen Bestandtheile enthält. Die principielle Anordnung und Wirkungsweise des Zwischenapparates ist die folgende: Im Cylinder z, welcher mit einer Flüssigkeit (Glycerin, Oel) gefüllt ist, bewegt sich ein Kolben k (Fig. 12) mit hohler Kolbenstange k1. In dieser hohlen Kolbenstange ist ein mit Einschnürungen s1s2 versehener Kolbenschiebers angeordnet, dessen Gestänge s3 durch die Stopfbüchsen der Kolbenstange hindurchgeht. Der Kolben k ist mit Kanälen mn und m1n1 versehen. In den Kanälen nn1 sind Ventile v derart angeordnet, dass, wenn durch die Aussparung s1 des Kolbenschiebers 5 die Verbindung der Kanäle nm hergestellt ist, der Kolben nach abwärts bewegt werden kann, indem die Flüssigkeit das im Kanal n sitzende Ventil hebt und von der Unterseite des Kolbens nach der Oberseite gelangt, während, wenn durch die Aussparung s2 des Schiebers s eine Verbindung der Kanäle n1m1 hergestellt wird, eine Verschiebung des Kolbens nur nach aufwärts stattfinden kann. Auf das Gestänge s3 des Kolbenschiebers s wirkt bei R der Regulator (oder der Reversirhebel) ein, während die am unteren Ende der Kolbenstange k1 sitzenden Zapfen k2 mit dem Steuerungsorgan der Maschine verbunden sind.

Textabbildung Bd. 294, S. 231
Läuft die Maschine normal, wird also Schieber s vom Regulator in der Mittelstellung gehalten, so sind Kanäle nn1 geschlossen. Wird aber mit sinkendem Regulator s gesenkt, so kann Flüssigkeit durch n und m von der Unternach der Oberseite des Kolbens k übertreten, nicht aber umgekehrt. Kolben k sinkt und verstellt die Steuerung entsprechend, bis s den Kanal n schliesst. Beim Hochziehen des Gestänges s3 tritt das entgegengesetzte Spiel ein. Anschläge pp bestimmen die äussersten Grenzen der Verschiebung zwischen k und s. Der freie Raum in der hohlen Kolbenstange k1 wird durch eine Flüssigkeit ausgefüllt, welche durch eine Bohrung s4 circuliren kann. Dem Regulator fällt lediglich die Aufgabe zu, den entlasteten Kolbenschieber s in der jeweiligen Richtung zu bewegen, während der von der Steuerung ausgeübte Rückdruck die Verstellung des Kolbens und somit der Zulassorgane bewirkt. Die Veränderung der letzteren folgt also dem Wechsel des Regulators nach.

Die Construction lässt natürlich auch Variationen zu. So kann beispielsweise die hohle Kolbenstange k1 fest und der Cylinder z verschiebbar gemacht werden, oder es führen beide Theile anstatt axialer Drehbewegungen gegen einander aus, was auch im Patentanspruch inbegriffen ist, welcher lautet:

Textabbildung Bd. 294, S. 231
Ein selbsthätig wirkendes, hydraulisches Stellzeug für zwangläufige Steuerungen, gekennzeichnet durch einen zwischen Regulator oder Reversirhebel und der Steuerung angeordneten, mit letzterer verbundenen, in einem mit Flüssigkeit gefüllten Cylinder beweglichen Kolben k und einen vom Regulator oder Reversirhebel verstellbaren Schieber s, durch dessen Bewegung die Kanäle mn oder m1n1, welche der Flüssigkeit den Uebertritt von einer Kolbenseite zur anderen ermöglichen, mit einander verbunden werden, so dass der Kolben k durch die Rückwirkung der Steuerung stets in die Lage gebracht wird, in welcher die Kanäle mn, m1n1 geschlossen sind, wodurch die Steuerung der jeweiligen Stellung des Regulators oder Reversirhebels entsprechend festgehalten wird.

Textabbildung Bd. 294, S. 231
Die Flüssigkeit wendet auch Walter Payton in Richmond (England) in seinem Stellzeug bei Geschwindigkeitsreglern für Dampfmaschinen (D. R. P. Nr. 77222) an. Die Maschine schleppt mittels einer Stange c (Fig. 13) den Kolben b mit, welcher Flüssigkeit durch Kanal a nach dem Raum d treibt. Ist die Geschwindigkeit der Maschine und somit die der Flüssigkeit normal, so bleibt der allenfalls durch Feder u. dgl. belastete Kolben f in Ruhe, da der Durchfluss durch o ausreichend ist. Wächst die Geschwindigkeit aber, so wird f aus naheliegenden Gründen |232| gehoben. Stange c führt nun eine Hülse k mit, welche von einer Feder e in verdrehendem Sinne beeinflusst wird und nach ihrer Verdrehung bei der Bewegung der Stange c auf das Steuerorgan verstellend einwirkt. Gegen diese Verdrehung sperrt aber bei normaler Maschinengeschwindigkeit ein Arm p (Fig. 14), welcher bei wachsender Tourenzahl und dadurch bedingter Hebung von f durch geeignete Hebelverbindung ausgelöst wird, so dass die Hülse k im Vorwärtsgang die Regelung bewirken kann, während sie beim Rückgange durch abgeschrägte Flächen in die gesperrte Lage zurückgeführt wird. Diesen Vorgang fasst auch folgender Patentanspruch zusammen:

Textabbildung Bd. 294, S. 232
Stellzeug bei Geschwindigkeitsreglern für Dampfmaschinen, welches aus einer von einer Kolbenstange c mitgeführten Hülse k, einem diese Hülse gegen Drehung sichernden Sperrgliede p und einer das Sperrglied von der Hülse ablösenden Hebelverbindung besteht, deren Wirkung jedesmal in Folge eines auf einen Kolben f ausgeübten Ueberdruckes eines Kataraktmittels in Kraft tritt, so dass die gelöste Hülse durch Federwirkung verdreht und beim Verschieben der Kolbenstange auf ein Steuerungsorgan in einem die Geschwindigkeit regelnden Sinne zur Einwirkung gebracht wird, während sie beim Zurückgange der Kolbenstange durch eine abgeschrägte Fläche in die gesperrte Lage zurückgeführt wird. Um zu verhüten, dass durch plötzliche äussere Entlastung oder Störung des Regulatorgetriebes die Maschine durchbrennt, verbindet Mathias Hrubesch in Penzberg (Oberbayern) mit dem Regulator eine Auslösevorrichtung (D. R. P. Nr. 76405), welche den ersteren in jedem Fall in seine Schlusstellung treibt. Zu diesem Zweck ist mit dem Regulatorgestänge eine Stange a verbunden (Fig. 15), welche eine Schere s auf und nieder bewegt. An der Führungshülse c ist ein Gewicht g befestigt; beide werden von Klinken k getragen, welche sich einerseits auf den Ring f stützen, andererseits um in der Hülse c feste Bolzen b schwingen können. Fällt der Regulator zu tief oder steigt er zu hoch, so treibt die Schere mittels ihrer Schneiden die Klinken k nach einwärts, worauf das Gewicht sammt der Hülse fällt und der Regulator in seine höchste Lage gebracht wird. Durch Anordnung eines Kataraktes d lässt sich der Stoss des Gewichtes abschwächen. Geschützt ist:

Textabbildung Bd. 294, S. 232
Eine Auslösevorrichtung für Regulatoren, dadurch gekennzeichnet, dass bei zu schnellem wie zu langsamem Gange der Maschine eine mit der Regulatorzugstange verbundene Schere s die das Auslösegewicht stützenden Klinken h zur Seite schiebt, so dass das niedergehende Gewicht den Regulator in die Abschlusstellung bringt.

Um dem Umstände Rechnung zu tragen, dass bei hoher Regulatorstellung, also nahezu geschlossenem Drosselorgan, schon geringe Schwankungen der Regulatorhülse von grossem Einfluss sind, in der Tief läge dagegen wegen der geringeren Druckdifferenz in der Dampfspannung zwischen vor und hinter dem Drosselorgan grössere Verschiebungen der Hülse eine entsprechend geringere Bedeutung haben, ordnen Gebr. Commichan in Magdeburg-Sudenburg eine eigene Uebertragungsvorrichtung zwischen Regulatorgestänge und Drosselorgan an, welche diese Wechselwirkung paralysiren soll. Fig. 16 zeigt eine solche Ausführung, wobei geeignet gekrümmte, auf einander sich abwälzende Daumen gh Anwendung gefunden haben. Der Zweck lässt sich übrigens auch durch Hebel erreichen, so dass durch den Patentanspruch allgemein geschützt werden konnte:

Eine Uebertragungsvorrichtung für Dampfmaschinenregulatoren, welche bei gleichmässiger Bewegung der Regulatormuffe in den höheren Stellungen derselben eine schnelle, in den niedrigen eine langsame Bewegung des Durchgangsorgans hervorbringt.

Wilh. Gentsch.

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