Titel: Ueber die Zulässigkeit von gerippten Heizflächen und Chamotteausmauerung bei eisernen Oefen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1894, Band 294 (S. 232–236)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj294/ar294064

Ueber die Zulässigkeit von gerippten Heizflächen und Chamotteausmauerung bei eisernen Oefen.

Von F. H. Haase, geprüfter Ingenieur, Patentanwalt in Berlin.

(Schluss des Berichtes S. 13 d. Bd.)

Mit Abbildungen.

Zu den Mitteln, welche das Erglühen eiserner Ofenwände auf ein kleinstes Maass beschränken, gehören auch Einrichtungen, zufolge deren die Feuergase alsbald nach ihrer Entwickelung in möglichst geringer Geschwindigkeit mit grossen abkühlenden Wandflächen in Wärmeaustausch treten. Derartige Einrichtungen veranschaulichen die schematischen Fig. 4 bis 7, in welchen die Strömung der Feuergase durch Pfeile erkennbar gemacht ist.

Fig. 4 bezieht sich auf einen Centralluftheizungsofen mit gemauertem Feuerherd. Die Feuergase strömen aus diesem über eine Feuerbrücke in eine sehr, geräumige Feuerkiste, an deren Wandung sie den grössten Theil ihrer Wärme bei sehr langsamer Strömung abgeben; die bedeutend abgekühlten Gase strömen sodann durch enge Röhren nach dem Fuchs. Die von unten her aufsteigende Luft strömt in lothrechter Richtung an Heizflächenstellen entlang, welche in der Höhenrichtung durchaus gleiche Temperatur haben, was die vortheilhafteste Ausnutzung der Heizfläche ermöglicht.

Die Fig. 5 bis 7 beziehen sich auf Oefen; in welchen die Feuergase nicht nur die oberen Theile der Ofenwand, sondern auch die wagerecht über dem Fussboden liegende Wand unterhalb des Aschefallraumes bestreichen, was bekanntlich als Vortheil der sogen. amerikanischen Oefen gelobt wird.

In der Ausführung, welche Fig. 5 veranschaulicht, strömen die Feuergase aus einem ausgemauerten Feuerherd in eine sehr geräumige Feuerkiste a, durch welche ein Luftkanal b hindurchgelegt ist, der von den Feuergasen umströmt wird. Die Gase bestreichen sodann in abwärtsgehendem Zuge die Vorderwand des Ofens, danach in |233| wagerechtem Zuge die Bodenwand und strömen endlich an der Rückwand des Ofens wieder in die flöhe. Die Luft wird an der Vorderwand im Gegenstrom erhitzt und an der Hinterwand zwar im Parallelstrom, die Art der Wärmeabgabe hat aber hier trotzdem sehr viel Aehnlichkeit mit derjenigen, welche der Gegenstromheizung entspricht, weil die Luft auch hier zuerst mit abgekühlteren Gasen und später mit heisseren Gasen in Wechselwirkung tritt. Dieser Fall ist geeignet, zu zeigen, dass es nicht immer zulässig ist; die Art der Wärmeabgabe einer Heizfläche auf die Stromrichtung der Feuergase zu beziehen, dass man dabei vielmehr immer den Verlauf der Heizflächentemperatur in Betracht zu ziehen hat.

Textabbildung Bd. 294, S. 233
Bei der durch Fig. 6 veranschaulichten Ausführung strömen die Feuergase zunächst ohne Wärmeabgabe durch einen Schacht a abwärts nach der tiefsten Stelle des Ofens, woselbst sie sich in einem grossen Raume ausbreiten, um alsdann alle lothrechten Wände des Ofens aufwärtsströmend zu bestreichen. Dabei kann von allen Aussenwänden nur die Bodenwand, auf welcher sich kein Staub aufhäufen kann, etwas erglühen. Man hat bei diesem Ofen an allen Wänden das reine Parallelstromheizungssystem.

Fig. 7 endlich stellt einen Füllofen dar, dessen Füllschacht von einem zweiten Schacht umgeben ist, in welchem keine Wärmeabgabe erfolgt. Die Feuergase strömen aus diesem zweiten Schacht in einen grossen Raum a am oberen Ende des Ofens, verbreiten sich hier und geben den grössten Theil ihrer Wärme hier ab. Sie strömen sodann an allen lothrechten Wänden nach abwärts zu dem unter dem Aschefallkasten befindlichen Raum, an welchen das Rauchrohr angefügt ist. Hier hat man an allen Ofenwänden das reine Gegenstromheizungssystem. Ein Erglühen der Aussenwand kann hier nur in sehr geringem Maasse an dem Umfange des Raumes a vorkommen. Damit die Decke, an welcher sich Staub ablagern kann, nicht zu stark erhitzt werde, ist sie hohlwandig zu machen oder mit einem schlechten Wärmeleiter zu überdecken.

Bei den Oefen Fig. 6 und 7 sind die von den nicht in Abkühlung befindlichen Feuergasen bestrichenen Einsatzwände natürlich dem Erglühen sehr ausgesetzt und brennen deshalb auch mit der Zeit durch, so dass sie je nach längerer Zeit durch neue Wände ersetzt werden müssen; sie ermöglichen aber einen sehr hohen Grad der Verbrennung der Feuergase selbst und sind deshalb nicht leicht zu theuer erkauft.

Zum Schlusse mag noch eines in weiteren Kreisen bekannten Ofens des Eisenwerks Kaiserslautern gedacht werden, bei welchem die soeben besprochenen Principien in vollkommenster Weise gewahrt sind, wie schon ohne weitere Erklärung aus den Fig. 8 und 9 zu entnehmen ist. Die Feuergase breiten sich in einem sehr grossen kastenförmigen Raume sehr langsam aus, strömen sodann etwas schneller, aber doch immer noch mit massiger Geschwindigkeit weiter und ziehen sich endlich unmittelbar vor der Einmündung in den Fuchs plötzlich so weit zusammen, dass sie mit der nöthigen Geschwindigkeit in diesem ankommen.

Die bisherigen Darlegungen belehren zur Genüge, dass es durchaus nicht unbedingt nothwendig ist, einen Ofen an Stellen, die zur Wärmeabgabe bestimmt sind, mit Chamotte auszumauern, um schädlich wirkendes Erglühen zu vermeiden; doch lässt sich mit den besprochenen Mitteln nicht verhüten, dass die luftberührte Heizfläche über 250° heiss wird, wozu, wie schon erwähnt wurde, eine Feuergastemperatur, die nur wenig höher als 300° ist, ausreicht, und zur raschen Abkühlung der Feuergase bis auf 300° ist bei starker Feuerung eine ganz beträchtliche Heizflächengrösse erforderlich.

Textabbildung Bd. 294, S. 233
Ermittelt man nun, auf den wievielten Theil die natürliche Wärmedurchlässigkeit einer mit tg Grad heissen Gasen in Wärmeaustausch befindlichen Stelle eines eisernen Ofens durch Auskleidung oder Umhüllung vermindert werden muss, um zu bewirken, dass diese Ofenwandstelle aussen keine höhere Temperatur als 250° habe, und bezeichnet diesen Verhältnisstheil mit σ; ermittelt man ausserdem das Grössenverhältniss dieser Ofenstelle im natürlichen Zustand zur Grösse einer 300° heisse Gase unbekleideten Ofenstelle, welche die gleiche Wärmemenge abgibt, und bezeichnet dieses Grössenverhältniss mit λ0, so ist

nichts anderes als die Grösse der ausgekleideten oder umhüllten, von tg Grad heissen Feuergasen bestrichenen Wandstelle, welche die gleiche Wärmemenge durchlässt wie eine von 300° heissen Feuergasen bestrichene unbekleidete Wandstelle von der Grösse 1.

|234|

Zur Bestimmung der Verhältnissgrössen σ und λ0 kann man sich des graphischen Verfahrens bedienen, von welchem bereits in D. p. J. 1894 293 153 die Rede gewesen ist. Man findet danach die in der folgenden Tabelle I angegebenen Werthe.

Tabelle I.



Feuergas-
temperatur
in
Grad. Cels.
Nothwendiges Ver-
hältniss der Wärme-
abgabeverminde-
rung einer Wand-
stelle durch Aus-
kleidung oder Um-
hüllung, damit die
Aussenfläche 250°
heiss sei

Nothwendiges Ver-
hältniss der Heiz-
flächengrössen für
gleiche Wärme-
abgaben bei un-
bekleideter Wand
Nothwendiges Ver-
hältniss der Wand-
grössen im Falle
der Auskleidung
oder Umhüllung für
gleiche Wärme-
abgaben
t g σ λ 0
1000 0,0039 0,456
900 0,0070 0,466
800 0,0143 0,500
700 0,0333 0,543
600 0,0700 0,606
500 0,1720 0,695
400 0,4020 0,804
300 1,000 1,000 1,000

Setzt man voraus, die Temperatur tg der Feuergase nehme sprungweise ab, so erhält man durch Addition der zu den verschiedenen Grössen von tg gehörigen Werthe von λ0 und von l0 ohne weiteres das Verhältniss der Gesammtgrösse des Ofens zu derjenigen Wandflächengrösse, welche 300° heisse Feuergase zu ihrer Wärmeabgabe (im Betrage einer Temperaturabstufung) benöthigen.

Sprungweise Temperaturabnahme kommt nun zwar nicht vor, man kann aber Temperaturabstufungen wählen, welche klein genug sind, um sie als dem wirklichen Verlaufe der Temperaturabnahme entsprechend substituiren zu können. Dabei findet man, dass der Werth der Summen von λ0 und bezieh. von l0 für ziemlich grosse Temperaturabstufungen nur wenig von denjenigen abweicht, welche man für sehr kleine Abstufungen erhält, so dass man für praktische Zwecke auf besondere Untersuchung nach den letzteren verzichten kann.

Trägt man den Verlauf des Werthes dieser Summen für verschiedene Temperaturabnahmen als Ordinaten eines rechtwinkeligen Coordinatensystems auf und verbindet die dadurch bestimmten Punkte in richtiger Aufeinanderfolge, so erhält man Curven von der Art der in den Fig. 10 und 11 mit der Ueberschrift Δ0 (als Summe der Werthe von λ0) und L0 (als Summe der Werthe von l0) bezeichneten, in verschiedenem Ordinatenmaasstab aufgezeichneten.

Der Gebrauch dieser Curven ist sehr einfach. Man entnimmt denselben beispielsweise für Abkühlung der Feuergase von 1000° bis auf 350° die Werthe Δ0 = 1,03 und L0 = 4,5, und für Abkühlung der Feuergase von 800° bis auf 450° die Werthe Δ0 = 0,46 – 0,02 = 0,44 und L0 = 3,65 –1,4 = 2,25 u.s.f.

Zu weiterer Fortsetzung der Curven Δ0 und L0 für Feuergastemperaturen bis zu 100° ist es nothwendig, einen noch kleineren Ordinatenmaasstab zu wählen, als er für Fig. 11 gewählt wurde, weil die Verhältnisswerthe λ0 für niedrige Feuergastemperaturen beträchtlich sind. Die Curven für λ0, Δ0 und L0 verlaufen danach, wie Fig. 12 zeigt, für starke Temperaturabnahmen sehr steil. Diese Figur enthält noch einen gebrochenen Curvenzug L0', auf dessen Bedeutung ich später zurückkommen werde.

Bisher wurde die Bedeutung des Verhältnisses σ noch nicht näher untersucht. Soll die Verminderung der Wärmedurchlässigkeit der Ofen wand durch Auskleidung derselben mit Chamotteplatten bewirkt werden, so ergeben sich dafür verschiedene Möglichkeiten, indem man das Futter entweder unmittelbar an der Eisenwand anliegen lassen oder durch einen Hohlraum von dieser trennen kann, und im letzteren Falle kann der Hohlraum entweder ruhende Luft enthalten oder einem abkühlenden Luftstrom oder auch Feuergasen den Durchzug gestatten.

Textabbildung Bd. 294, S. 234
Textabbildung Bd. 294, S. 234
Textabbildung Bd. 294, S. 234
Setzt man zunächst den Fall einer ruhenden Luftschicht zwischen dem Chamottefutter und der Eisen wand voraus (Fig. 13) und bezeichnet der letzteren Dicke mit d1, die Dicke der Luftschicht mit d2 und diejenige des Chamottefutters mit d3 in Metern gemessen –, so ist die auf die Stunde bezogene Wärmedurchlässigkeit der gefütterten Wandung (nach bekannten Lehren) für das Quadratmeter Wandfläche und 1° Temperaturverschiedenheit zwischen der inneren und der äusseren Wandfläche auszudrücken durch:

wenn k1, k2, k3 die Leitungscoefficienten der drei Materialien bezeichnen. Die auf die Stunde bezogene Wärmedurchlässigkeit der unbekleideten Eisenwand dagegen ist:

|235|

Demnach ist das Verhältniss σ (der Wärmedurchlässigkeit der ausgekleideten Wand zu der Wärmedurchlässigkeit der unbekleideten Wand):

. . . . . (1)

Für Eisen ist k1 = 28, für trockene Luft ist k2 = 0,02 und für Chamottesteine ist k3 ungefähr = 1. Setzt man dabei eine 10 mm (= 0,01 m) dicke Eisenwand voraus, so vereinfacht sich der Ausdruck 1 in

. . . . . . . . . . (1)

Beträgt die Dicke der Luftschicht beispielsweise d2 = 0,01 m und die Dicke des Chamottefutters d3 = 0,025 m, so ergibt die Rechnung σ = 0,0007.

Fällt die Luftschicht weg, so ist d2 = 0 und man erhält bei gleichdickem Chamottefutter σ = 0,014. Es lässt also dann die Ofen wand 20mal so viel Wärme durch, als wenn eine Luftschicht von 0,01 m Dicke vorhanden ist. Dagegen lässt die unbekleidete Ofenwand immerhin noch so viel Wärme durch, als die mit dichtanliegenden Chamottesteinen von 0,025 m Dicke bekleidete Ofenwand.

Textabbildung Bd. 294, S. 235
Es kommt, wie schon oben angedeutet, auch vor, dass man secundäre Verbrennungsluft oder auch Feuergase selbst durch einen zwischen dem Chamottefutter und der Eisenwand bestehenden Hohlraum strömen lässt. Wie gross der Einfluss im Falle der Hindurchströmung von Feuergasen ist, lässt sich nicht allgemein bestimmen, da hierbei die Temperatur solcher Feuergase selbst mitbeeinflussend ist; die Erfahrung soll aber lehren, dass das Chamottefutter in solchem Falle weniger stark angegriffen wird, als wenn man dieses dicht an der Eisenwand anliegen lässt, woraus zu schliessen sein dürfte, dass auch der engbegrenzte und darum seine Wärme rasch an die Eisenwand abgebende Feuergasstrom eine abkühlende Wirkung auf die Chamottemasse ausübt.

Für den Fall von Luftströmung im Hohlraum lässt sich die Wärmedurchlässigkeit der Ofenwand leicht berechnen; man erhält sie, wenn man von der bei dichtem Anliegen des Futters an der Eisenwand bestehenden Wärmedurchlässigkeit denjenigen Theil abzieht, welcher von dem Luftstrome selbst zurückgehalten wird. Man braucht demnach – im Falle ungehinderten Luftstromes – die letztere Wärmedurchlässigkeit nur mit zu multipliciren, und erhält somit für σ den Ausdruck:

oder, da der kleine Zahlensummand im Nenner vernachlässigbar ist:

. . . . . . . . . . (2)

Ist beispielsweise wieder wie oben die Hohlraumbreite d2 = 0,01 m und die Chamottesteindicke d3 = 0,025, so ergibt die Rechnung σ = 0,00096. Die Ofenwand lässt also unter den angenommenen Verhältnissen (nicht allgemein) so viel Wärme durch, als wenn sich im Hohlraume der Ausfütterung eine ruhende Luftschicht befände.

Will man nun haben, dass die Ofenwand äusserlich keine höhere Temperatur als 250° erreichen soll, so ist der Werth g aus der Tabelle I zu entnehmen und es sind! dazu Luftschichtendicken d2 und Chamottesteindicken d3 derart zu wählen, dass die Formel (1) für σ keinen grösseren Werth ergibt, als wie er aus der Tabelle I entnommen wurde.

Man kann also in der That bei gegebener oder veranschlagter Feuergastemperatur ohne Schwierigkeit für jede Stelle des Ofens rechnerisch eine Ausfütterung bestimmen, welche sicher verhütet, dass die Temperatur der luftberührten Heizfläche 250° übersteigt. Hierbei würde man aber – wegen der allmählichen Abnahme der Feuergastemperatur – für jede Ofenstelle zu einer anderen Futterabmessung gelangen, deren Ausführung im Allgemeinen nicht als praktisch erachtet werden kann. Will man das Futter auf einzelnen Strecken gleichmässig gestalten, so muss man, zur Vermeidung einer 250° übersteigenden Heizflächentemperatur, jeweils die für höhere Temperaturen geeigneten Abmessungen des Futters auch für weniger hohe Temperaturen beibehalten, und, um dabei die Wärmeabgabe des Ofens nicht zu vermindern, ist es nöthig, die Heizfläche desselben noch mehr zu vergrössern, als wenn man die Abmessungen des Futters für jede Stelle anders wählt.

Anscheinend am wenigsten zu vergrössern ist die Heizfläche, wenn man die Abstufung der Ausfütterung nach den in der folgenden Tabelle II enthaltenen Angaben bestimmt.

Tabelle II.




Feuergas-
temperatur
in
Grad. Cels.
Verhältniss der
Wärmeabgabever-
minderung einer
Wandstelle durch
Auskleidung, um zu
verhüten, dass die
Temperatur der luft-
berührten Heiz-
fläche 250° über-
steige


Nothwendige
Futterlänge, be-
zogen auf die für
300° heisse Feuer-
gase nöthige un-
bekleidete Wand-
länge
Relative Gesammt-
grösse der Heiz-
fläche des Ofens, be-
zogen auf die für
die Wärmeabgabe
von 300° heissen
Feuergasen nöthige
unbekleidete Wand-
länge
t g σ L0'
1000 0,0085 0,456 0,456
900 0,0085 0,824 1,280
800 0,0085 1,682 2,962
700 0,0613 0,543 3,505
600 0,0613 1,143 4,648
500 0,2475 0,695 5,343
400 0,2475 1,624 6,967
300 1,000 λ0 = 1,000 7,967
200 1,000 λ0 = 2,500 10,467
100 1,000 λ0 = 13,000 23,487

Um ein übersichtliches Bild zu haben, aus welchem man auch für niedrigere Anfangstemperaturen und für Zwischentemperaturen das Längenverhältniss L0' für die Gesammtheizfläche entnehmen kann, ist der Verlauf der Grösse L0', wie ihn die Tabelle II ergibt, in Fig. 12 dargestellt worden.

Der Uebergang von den relativen Grössen Δ0, L0 |236| und L0' zu den absoluten Heizflächengrössen ist nicht schwierig. Man braucht zu diesem Zwecke nur zu beachten, dass die Wärmeabgabe der Feuergase ihrer Temperaturabnahme proportional ist. Wählt man also für die Berechnung eine gewisse Anzahl gleichgrosser Temperaturabstufungen der Feuergase und bezeichnet die Anzahl der danach in Betracht zu ziehenden Feuergastemperaturen von der Anfangstemperatur bis zur Erweichungstemperatur (z.B. 1000°, 900°, 800°, 700°, 600°, 500°, 400°, 300°, 200° für Abkühlung der Feuergase von 1000° auf 200° als acht Temperaturen) mit m, und bezeichnet man ferner die auf jede Feuergastemperatur entfallende Wärmeabgabe mit O und endlich die auf die 300° heissen Feuergase entfallende Heizflächengrösse mit f, so ist die Gesammtwärmeabgabe des Ofens annähernd

W = O . m . f.

Die Wärmeabgabe O kann man auf graphischem oder auf rechnerischem Wege mit Zugrundelegung einer bestimmten Lufttemperatur für 300° heisse Feuergase leicht bestimmen. In D. p. J. 1894 293 154 habe ich die Linie der Wärmeabgabe für 300° heisse Feuergase aufgezeichnet. Bezeichnet man die aus der Figur abzulesende Ordinatenlänge mit o, so ist dieselbe (nach früherer Ausführung) mit 124,72 zu multipliciren, um die Grösse O zu ergeben; man kann demnach mit Bezugnahme auf die graphische Bestimmung auch schreiben:

W = 124,72 . o. m . f.

Demnach ist die für 300° heisse Feuergase nöthige Heizfläche:

Diese Fläche ist nun aber einfach mit Δ0 bezieh. mit L0 oder mit L0' zu multipliciren, um die Gesammtheizfläche eines Ofens zu bestimmen. Man hat demnach zur Berechnung der für ungefütterte Oefen nöthigen Heizfläche die Formel:

. . . . . . . . . . (3)

ferner für Oefen, welche mit gleichmässig verändertem Futter versehen sind:

. . . . . . . . . . (3a)

und für Oefen mit abgesetzt ausgeführter Ausfütterung:

. . . . . . . . . . (3b)

Beträgt die Anfangstemperatur der Feuergase 1000° und soll die Endtemperatur derselben 100° betragen, so ist m = 10, Δ0 = 17,2, L0 = 20,6 und L0' = 23,5. Wenn nun die mittlere (oder, für grössere Sicherheit der Rechnung, die höchste) Temperatur der die Ofenfläche bestreichenden Luft zu 50° veranschlagt wird, so entnimmt man dazu aus der graphischen Aufzeichnung für o den Werth 20,5 und erhält sonach:

F = 0,000672.W, Fg = 0,00081. W, Ft = 0,00092. W.

Es gibt hiernach im Mittel 1 qm der Ofenheizfläche in der Stunde: bei unbekleidetem Ofen 1487 Cal.; bei einem Ofen, dessen Ausfütterung gleichmässig verändert ist, 1241 Cal., und bei einem Ofen, dessen Ausfütterung abgesetzt ausgeführt ist, 1088 Cal. ab.

Diese Beträge sind kleiner als diejenigen, welche man gewöhnlich den Ermittelungen der Ofengrössen zu Grunde zu legen pflegt. Setzt man voraus, man ermittele eine Ofengrösse nur derart, dass sie nur bei allerstärkster Feuerung – bei welcher in der That zumeist nur eine Anfangstemperatur von 1000° erreicht wird – dem maximalen Wärmebedürfniss genüge und dass dann die Rauchgase mit einer Temperatur von 300° entweichen, so ist m = 8, Δ0 = 1,55, L0 = 5,05 und L0' = 8; danach erhält man, bei gleicher Lufttemperatur, als mittlere stündliche Wärmeabgabe eines Quadratmeters Ofenheizfläche: bei unbekleidetem Ofen 13200 Cal.; bei einem Ofen, dessen Ausfütterung gleichmässig verändert ist, 4050 Cal., und bei einem Ofen, dessen Ausfütterung abgesetzt ausgeführt ist, 2556 Cal.

Man erkennt nach diesen Beispielen, dass der Einfluss der Steigerung der Rauchgastemperatur auf den Effect der Ofenheizfläche ganz bedeutend ist, und dass man in der Steigerung dieser Temperatur ein wirksames Mittel hat, um auch ausgefütterte Oefen in dem gleichen Betrage auszunutzen, für welchen man die Grösse unbekleideter Oefen zu veranschlagen pflegt; doch geschieht dies nicht nur auf Kosten bedeutender Brennmaterialvergeudung, sondern in Wohngebäuden auch vielfach auf Kosten der Dauerhaftigkeit der Kamine und des Wandverputzes an denselben.

Zum Schlusse mache ich auch darauf aufmerksam, dass man Thonkachelöfen ohne innere Luftkanäle durchschnittlich viel zu klein ausführt. Die Temperatur der Oberfläche eines Thonkachelofens kann Jedermann leicht controliren; deshalb ist es nicht recht verständlich, wie man dazu kommt, deren mittlere stündliche Wärmeabgabe für das Quadratmeter mit 500 bis 600 Cal. zu veranschlagen. Es hat noch Niemand einen Thonkachelöfen gefunden, dessen mittlere Oberflächentemperatur sich nach stärkster Feuerung höher als auf 80° C. veranschlagen liesse, und es wird Niemand behaupten, dass die Temperatur der einen solchen Ofen bestreichenden Luft im Mittel weniger hoch als auf 45° C. erhitzt ist. Danach ergibt aber die Péclet'sche Formel – wenn man die Wärmestrahlungsfähigkeit der glasirten Thonkacheln an die Luft als doppelt so gross annimmt wie diejenige polirten Schwarzbleches – die Wärmeabgabe eines Quadratmeters Thonkachelfläche nicht höher als zu 147 Cal.

Hiernach ist es sehr begreiflich, weshalb sich Thonkachelöfen ohne innere Luftzüge so häufig als ungenügende Wärmeentwickler erweisen.

Mit der Feuergastemperatur hat die Wärmeabgabe eines Thonkachelofens keine Beziehung, da der Wärmedurchgang durch die Thonkachelwand so langsam vor sich geht, dass viele Oefen erst innerhalb 24 Stunden nach Abbrand eines sehr starken Feuers dessen Einfluss recht merkbar machen.

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