Titel: Neuerungen an Wirkmaschinen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1894, Band 294 (S. 241–246)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj294/ar294066

Neuerungen an Wirkmaschinen.

Mit Abbildungen.

Durch D. R. P. Nr. 73693 vom 15. August 1893 hat sich C. Terrot in Cannstatt (Württemberg) einen Apparat schützen lassen, welchen er auf französischen Rundstühlen zur Herstellung mehrfarbiger Ringelwaare verwendet. Vor jeder Mailleuse wird ein solcher Apparat angeordnet, welcher so viel Fadenführer erhält, als verschiedenfarbige Fäden gebraucht werden. Diese Fadenführer schwingen hin und her, ähnlich wie in der früher beschriebenen Anordnung nach D. R. P. Nr. 59854, über den Nadeln, aber unabhängig von einander (Fig. 1 bis 4).

Textabbildung Bd. 294, S. 241
Der verarbeitete Faden wird beim Wechseln von seinem Fadenführer nach aussen und in eine über den Nadeln direct vor der Mailleuse liegende Schere gebracht und von dieser in dem Augenblicke abgeschnitten, in welchem ein Klemmhebel das zwischen dieser Schere und dem Fadenführer gelegene Fadenstück erfasst, nach unten vor die Nadeln zieht und hier festhält. Damit nun aber der neue Faden stets mit vollkommener Sicherheit zwischen die Nadeln gelegt und den ihn verarbeitenden Platinen zugeführt wird, bewegt sich bei erneutem Fadenwechsel derjenige Klemmhebel, welcher den nun zur Arbeit kommenden Faden festgeklemmt hat, noch weiter herab, während der Führer dieses Fadens über die Nadeln schwingt.

Der Apparat arbeitet folgendermaassen: Mittels der Musterkette werden in bekannter Weise die auf den Nadelplatten p angebrachten beiden Mitnehmer qu1 und qu2 (Fig. 1 und 2) zur Seite gedreht, nachdem der Fadenführer f1 die erforderliche Anzahl von Maschenreihen geliefert hat. Während seiner Drehung stösst qu1 auf einen Stift s der Antriebscheibe d, welche mittels der gleich grossen konischen Räder w und w1 die Excenterscheibe e um ein Achtel ihres Umkreises weiter rückt. Letztere hat, wie Fig. 3 zeigt, auf der oberen Lauffläche Erhöhungen und Vertiefungen zur Bewegung der Fadenführer, sowie auf der unteren, nach Fig. 4, gleichfalls solche zur Bewegung der Klemmoder Bremshebel und des Scherenhebels. Der kurze Arm des Fadenführers f2 wird nun durch die Feder z (Fig. 1) in die Vertiefung t2 von e gezogen, in Folge dessen muss der längere Arm von f2 in die Lage von f1 kommen. Inzwischen hat Hebel h5, der sich gegen die erhöhtere Curvenbahn z stützte, diese verlassen, ist nach dem tieferen Punkte z1 herabgezogen worden und hat mittels der Zugstange v5 und des Scherenhebels g5 die Schere ik geöffnet. Gleichzeitig wurde aber auch Bremshebel g2, da Hebel h2 auf den erhöhten Theil x2 aufgelaufen ist, in die punktirte Lage (Fig. 1) gebracht und dadurch ist der Faden zwischen die Nadeln n und zu den Mailleuseplatinen gelegt worden. Der Mitnehmer q2 dreht jetzt die Excenterscheibe e noch um ⅛ Umdrehung weiter, in Folge dessen läuft der kürzere Hebelarm von f1 von t1 auf eine höhere, nicht schraffirte Fläche (Fig. 3) und schiebt den bisher arbeitenden Faden zwischen die Schere und aus den Nadeln; die Schere schliesst sich in Folge Aufgleitens der Nase des Hebels h5 von z1 auf z2 und schneidet den Faden ab. Letzterer wird vom Bremshebel g1 erfasst, nach unten gezogen und vor den Nadeln an dem Klemmbacken o1 festgehalten, indem Bremshebel g1 jetzt dieselbe Stellung wie g2, |242| dagegen g2, weil die Nase von h2 von x2 in die Aussenkung y2 tritt, dieselbe Lage einnimmt wie g1 (Fig. 1).

Durch entsprechend angebrachte Federn werden die Hebel schliesslich wieder in die ursprüngliche Lage zurückgezogen. Derselbe Vorgang wiederholt sich dann bei jedem Fadenwechsel mit jedem folgenden Fadenführer und dem entsprechenden Klemmhebel.

Von demselben Erfinder ist laut D. R. P. Nr. 75987 vom 26. November 1893 ferner eine Vorrichtung geschützt worden, mittels welcher auf dem französischen Rundstuhl einzelne Stellen der Waare verstärkt werden können. Hierbei wird ausser dem Hauptfaden noch ein Verstärkungsfaden durch einen Fadenführer geleitet und von diesem unter Zuhilfenahme einer Schere mit Klemmvorrichtung in die Nadeln gebracht, von dieser Schere aber, wenn die verstärkte Stelle breit genug ist, abgeschnitten und festgehalten (Fig. 5 bis 7).

Textabbildung Bd. 294, S. 242
Der Apparat ist auf der Tragscheibe b mittels eines Winkels a befestigt. Die Antriebscheibe d wird in bekannter Weise durch ein Kettenzählwerk mittels Mitnehmer in Bewegung gesetzt und überträgt diese durch Excenter auf den mit einer Schere i versehenen Hebel h. Zur Bethätigung des Fadenführers f dient die auf der Achse von d befestigte Excenterscheibe e. Fadenführer f trägt ferner noch einen kleinen Winkel w, welcher mit Hilfe der an dem einen Scherenschenkel angebrachten Nase n diese Schere öffnet; während der Fadenführer seinen Faden zwischen die Scherenblätter legt. Damit aber das bis dahin festgehaltene Fadenende zum Zwecke der Weiterverarbeitung wieder frei gegeben wird, öffnet sich die Schere durch Anstossen des an ihr befindlichen Stiftes g an den Anschlag c. Mittels Schraubenfedern werden h und f stets mit ihren Gleitstücken an die zugehörigen Excenter gedrückt, auch die Schere durch eine solche geschlossen gehalten.

Beim Arbeiten stehe, wie in Fig. 7, der Fadenführer f mit dem von der Schere bezieh. Klemme gehaltenen Verstärkungsfaden ausserhalb der Nadeln; die Schere hat sich, da ihre Nase n über den Winkel w abgeglitten ist, geschlossen. Bewegt jetzt der erste Mitnehmer die Scheibe d, so schwingt h nach unten, die Schere mit dem festgehaltenen Fadenende kommt unter die Nadeln und der Fadenführer f bringt den Verstärkungsfaden zwischen die Nadeln, welche ihn mit sich unter die Mailleuse ziehen (Fig. 5 und 6). Der Hebel h schwingt im weiteren Verlauf dieser ersten Drehung von d nach oben, der Stift g stösst gegen Anschlag c, so dass sich die Schere etwas öffnet und das Ende des Fadens freigibt, welches von den Nadeln erfasst, zu den Platinen gezogen und hier verarbeitet wird. Während dessen senkt sich h mit i wieder in seine Normalstellung. Ein zweiter Mitnehmer veranlasst, nachdem die Waare auf die erforderliche Breite verstärkt worden ist, abermals eine Drehung von d, der Fadenführer schwingt nach aussen, Winkel w greift unter die Scherennase w, lässt diese über seine schiefe Fläche hinweggleiten und öffnet die Schere (Fig. 7), in welche der ausgebrauchte Faden nun eintreten kann, der dann, wenn die Nase über die Gleitfläche fällt, abgeschnitten und festgehalten wird.

Bei der Herstellung von Wirkwaaren mit pelzartiger Rückseite verursacht die von Hand erfolgende Zuführung der hierzu erforderlichen losen Faserstoffe zu den Nadeln bedeutenden Zeitverlust, so dass dieses Verfahren, Futterdecken in eingekämmter Waare zu erzeugen, bei der Fabrikation im Grossen nicht Verwendung findet. Die zu diesem Zwecke benutzten mechanischen Zuführungen, bei denen mittels fester Platten und gegen diese sich bewegende Klauen von einem, von einer Rolle abzuwickelnden, hierzu vorher besonders zubereiteten Vliess eine Faserlage den Nadeln zugeschoben, von diesen zu einem Theile erfasst und in die Waare übertragen wird, gestatten zwar, allerdings nur unter Anwendung complicirter Vorrichtungen, eine gewisse Regelung der auf die Nadeln abzusetzenden Fasermenge, es müssen aber, wie erwähnt, ehe dies geschehen kann, die Fasern zuvor ein, wenn auch nur lose zusammenhängendes Band bilden, welches jedoch leicht abreissen und dadurch wieder einen grösseren Zeitaufwand herbeiführen kann.

Zur Vermeidung dieser Uebelstände hat Carl Seidel in Hannover sich eine mechanische Faserstoffzuführung durch D. R. P. Nr. 74214 vom 12. Januar 1893 schützen lassen, bei der die Fasern von einem endlosen, sich gegen die Nadeln bewegenden und mit reihenförmig angeordneten, |243| hakenförmigen Stiften besetzten Transportbande einem Behälter entnommen und selbsthätig auf die Nadelenden abgesetzt werden.

Textabbildung Bd. 294, S. 243
Fig. 8 bis 12 stellen diese Einrichtung an einem gewöhnlichen Handkulir- oder Rösschenstuhl dar. Die Zuführung erfolgt während des Kulirens, d.h. während des Senkens der fallenden Platinen, Eine Führungsstange S ist durch die Hebel h1 und h2 mit dem einen die Rösschenscheibe A bewegenden Tritt T1 verbunden, deren zwangsläufige, auf- und abwärts gehende Bewegung durch die an den Gestellbalken D und E angebrachten Führungsschlitze F1 und F2 bewirkt wird; zur Verminderung der Reibung in denselben dienen die kleinen Rollen r1 und r2. Ausserdem gleitet noch Hebel h2 mit der Rolle r3 in dem Führungsschlitze F3 des Trittes T1, damit letzterer frei ausschwingen kann.

Ein Behälter M ist oben mit der Stange S fest verbunden und dient zur Aufnahme der das Vliess bildenden Wolle, welche auf der geneigten Vorderwand nach unten gleitet. Im Innern desselben befindet sich das über zwei Walzen w1 und w2 gelegte Transportband, das ist ein dünnes Drahtgeflecht d mit den am oberen Ende hakenförmig gebogenen Stiften x. Seine Bewegung muss stets nach der Richtung des Pfeiles (Fig. 10) erfolgen, mag sich die Stange S heben oder senken, und dient hierzu das gezahnte Führungsstück u (Fig. 8, 9 und 12) der oberen Führung F2. Auf den Zapfen v1 und r2 der Stange S (Fig. 11) drehen sich die Zahnräder z1 und z2, von denen z1 in die Führung u eingreift. Ferner sitzen auf z1 and z2 die Zapfen der Sperrhaken k1 und k2 für die auf den Enden der Wellen q1 und q2 befindlichen Sperräder s1 und s2; diese Wellen tragen ausserdem noch die beiden Kettenräder t1 und t2 für die Kette g, sie selbst sind auf der einen Seite im Stabe S1, auf der anderen in der Verbindungsstange des Behälters M gelagert. Welle q1 überträgt die Bewegung auf die Walze w1.

In Fig. 9 befindet sich die Vorrichtung auf dem höchsten Punkte. Bewegt sich der Tritt T1 niederwärts, dreht sich also z1 nach rechts, so wird durch k1 auch Sperrad s1 und Kettenrad t1 nach rechts gedreht, dabei Welle q1 (Fig. 11) und damit Walze w so umgedreht, dass das Transportband d sich nach oben bewegt und die Stifte x (Fig. 10) der nach unten rutschenden Wolle entgegengeführt werden und eine ihrer Länge entsprechende Vliesslage mit nach oben nehmen.

In Fig. 12 befindet sich die Vorrichtung im tiefsten Stand. Bewegt sich T1 aufwärts, so dreht sich z1 nach links, Sperrhaken k1 schleift über sein Zahnrad s1 hinweg, ohne dasselbe zu verschieben, z2 aber dreht sich nach rechts, sein Sperrhaken k2 treibt das Sperrad s2 und damit das Kettenrad t2 ebenfalls nach rechts, es wird durch die Kette g das Kettenrad t1 nebst seiner Welle q1 und der Speise walze w1 auch nach rechts gedreht; d bewegt sich wieder nach oben, so dass die Fasern von den Stiften x gleichfalls nach oben geführt werden.

Im Falle, dass kein Faserstoff bei der Aufwärtsbewegung von d auf die Nadeln abgelegt werden, also nur bei jedem zweiten Kuliren eine Einführung desselben in die Waare erfolgen soll, braucht man nur die Kette g vom Rade t2 abzustreifen. Um die Zuführungsvorrichtung ganz ausser Thätigkeit zu setzen, ist die Hebelverbindung am Punkte a zu lösen.

Textabbildung Bd. 294, S. 243
Der Faserstoff kann nur unterhalb des vor d liegenden Schutzbleches e eintreten, damit von den Stiften x nicht zu viel erfasst wird. Deshalb ist am oberen Theile von M längs d eine Metallstange b befestigt, an deren unteren Seite den Stiften x ähnliche Stifte y angebracht sind, welche zwischen die Stifte x mehr oder weniger tief eingreifen, je nachdem man b vor oder zurück schiebt und dann durch Schrauben befestigt.

Bei den flachen Kettenstühlen von Mac Nary werden |244| bekanntlich sämmtliche Nadeln durch eine bewegliche Nadelbarre auf- und abwärts geführt. Die Haken derselben nehmen beim Niedergange den neuen Faden mit, ziehen ihn durch die an ihnen hängenden Maschen hindurch und streichen dabei an einer festsfehenden Pressschiene vorbei, welche die Spitzen der Haken kurz vor ihrem Eintritt in die alten Maschen gegen die Nadelschäfte drückt und somit diesen Eintritt ermöglicht. Bei diesen sehr rasch arbeitenden Maschinen treten jedoch häufig Nadelbrüche ein, oder die Nadeln verbiegen sich in Folge der gegenseitigen Stellung von Presse und Abschlagschiene, da erstere möglichst nahe der letzteren stehen muss, um die Hakenspitzen, wenn sie in die Maschen eintreten, sicher an den Nadelschaft zu drücken.

Zur Beseitigung dieses Uebelstandes hat Wilhelm Grossmann in Berlin durch seine Erfindung (D. R. P. Nr. 75852 vom 28. November 1893), welche sich ausser an Mac Nary'schen auch an anderen ähnlich wirkenden Kettenstühlen mit Vortheil benutzen lässt, der Presse eine seitliche Bewegung ertheilt, vermöge welcher dieselbe, nachdem die Hakenspitzen in die Maschen eingetreten sind, jedoch bevor die gekrümmten Theile der Haken an ihr vorübergehen, ein wenig zurückweicht (Fig. 13 bis 15).

Textabbildung Bd. 294, S. 244
Die auf der Welle a befindlichen Excenter d bethätigen mittels der Hebel g und Lenkstangen i die auf den festen Stäben c sich verschiebende Nadelbarre B. Presse p ist an einer in ihrer Querrichtung verschiebbaren Leiste l befestigt; letztere steht durch mittels Schraubenmuttern n verstellbare Bolzen k mit einer Anzahl Schiebern in Verbindung, die in den festen Führungsböcken m gleiten. Die an den freien Enden dieser Schieber sitzenden Gleitrollen r werden mittels Schraubenfedern o stets gegen auf Welle a sitzende Curvenscheiben q gezogen, deren Umfang aus zwei Kreisbogen q1 und q2 verschiedener Krümmung besteht. Von diesen drückt, während die Nadelhaken oberhalb von p und t stehen, der grossere Theil q1 gegen die Rollen r, wobei sich die Presse in ihrer Normalstellung befindet (Fig. 13 und 14). Sind nun die Hakenspitzen nach ihrem Eintritt in die Maschen unterhalb der Oberkante von t angekommen, so wirkt die eine Uebergangscurve von q gegen r, und die Presse bewegt sich in der Pfeilrichtung (Fig. 13) etwas zur Seite. Wenn endlich der kleinere Kreisbogen q2 in Thätigkeit tritt (Fig. 15), so können die Nadeln in Folge des genügend weiten Abstandes der Presse von der Abschlagschiene bei der Weiterbewegung bis zur völligen Senkung nicht brechen und sich auch nicht verbiegen.

Otto Albert Petschke in Chemnitz i. S. hat an seiner unter Nr. 70932 ihm patentirten Lamb'schen Strickmaschine eine durch ein Zusatzpatent (D. R. P. Nr. 75493 vom 15. November 1893) geschützte Verbesserung derartig angebracht, dass er dem kleineren Theil des grossen Mitteldreieckes eine andere Richtung der Bewegung gegeben und dadurch den Bewegungsmechanismus wesentlich einfacher und billiger gestaltet hat, ohne dass sich die Wirkungsweise dieser beiden Dreieckstheile bei der Anfertigung der verschiedenen Waarengattungen in irgend einer Weise ändert (Fig. 16 bis 18).

Textabbildung Bd. 294, S. 244
Der Theil b (Fig. 18) wird nicht mehr in der Schlossplatte k emporgezogen, sondern verschiebt sich wie der Theil a flach vor und zurück unter Benutzung der gleichen Bewegungsmechanismen wie für a. Hierzu dient eine zweite, auf den in diese Schlossplatte befestigten Stiften d3 und d4 verschiebbare Flachschiene c (Fig. 16), welche von dem Mitnehmerstift d2, der in ein an diese angenietetes Flacheisen eingeschraubt ist, eine hin und her gehende Verschiebung erhält, wie solche aus der früher mitgetheilten Beschreibung des Hauptpatentes ersichtlich ist. Bei dieser Verschiebung bringt die Schiene c mit Hilfe eines Verbindungsstückes d, welches um den in diese Schiene befestigten Stift d1 und um den in b angebrachten Stift e (Fig. 17) schwingen kann, diesen Dreieckstheil b nach Bedarf in die oberste oder unterste Stellung.

Als wesentliche Arbeit der Zunge einer Zungennadel ist das Hineindrücken des Fadens in den Haken der Nadel anzusehen. Die Leipziger Strickmaschinenfabrik G. L. Oemler in Leipzig-Plagwitz hat sich eine Nadelführung durch D. R. P. Nr. 75475 vom 26. April 1893 schützen lassen (Fig. 19 bis 21), bei welcher das sichere Einlegen des Fadens unabhängig von dem Hineindrücken desselben dadurch erfolgt, dass in dem Augenblicke, wo der Faden aufgenommen werden soll, die neu construirte Nadel, Zungennadel (Fig. 19) oder Röhrennadel (Fig. 20), rechtwinklig zur Bewegungsrichtung derselben (Fig. 21) etwas emporgehoben wird. Sowohl der Nadelschaft als auch das Nadelbett ist deshalb mit je einer abgesetzten Fläche i und i1 versehen, um beim Niedergehen der Nadel diese bezieh. den Nadelhaken emporzuheben und dadurch die sichere Aufnahme des zu verstrickenden Fadens zu erzielen.

Im Laufe der Herstellung mancher Artikel macht sich das sogen. „Aufstossen“ nöthig; es ist dies das Aufhängen einer Maschenwaare auf die Nadelreihe einer Strickmaschine, derart, dass die neben einander liegenden Maschen einer Reihe genau auf die neben einander liegenden Nadeln |245| kommen. Dies kommt vor, wenn z.B. glatte Socken Ränder aus Rechts- und Rechtswaare erhalten sollen, oder bei Strümpfen mit Patentlängen und glatten Füssen u.s.w. Immerhin ist dieses Aufstossen, da es mit der Hand vorgenommen wird, zeitraubend und bei durch Elementarkraft getriebenen Maschinen kostspielig.

Textabbildung Bd. 294, S. 245
Es hat sich deshalb die Firma Seyfert und Donner, Gesellschaft mit beschränkter Haftung, in Chemnitz durch D. R. P. Nr. 71482 vom 2. Mai 1893 einen Aufstossapparat für Strickmaschinen schützen lassen (Fig. 22 bis 33), auf dessen Nadelreihen die Waare unabhängig von der Strickmaschine aufgestossen und derselbe dann so in diese eingelegt wird, dass die Waare durch eine einfache Bewegung schnell von ihm auf die Strickmaschine übertragen werden kann. Man vermeidet damit allen Aufenthalt in der Arbeit, denn während die Maschine ihre Bewegung weiter fortsetzt, also z.B. an den aufgestossenen Rand eine Socke arbeitet, stösst der Arbeiter auf den Apparat einen neuen Rand zur Vorbereitung für die nächste Socke.

Aehnlich einer Strickmaschine besitzt dieser Apparat zwei Nadelbetten a, b (Fig. 22 und 23), welche durch zwei Stirnwände c verbunden sind und zwischen denen ein Quersteg d mit einer Rinne d1 liegt. In den Nuthen dieser Nadelbetten liegen die Aufstossnadeln ee1, dies sind Drahtstäbchen, ähnlich den Strickmaschinennadeln, mit einem Arbeitsfuss e2 versehen und, damit sie sich nicht zu leicht in ihren Führungen verschieben, entweder selbst zu einer Klemmfeder e3 verlängert oder mit einer solchen verbunden. Fig. 29 zeigt den vorderen Theil einer solchen Aufstossnadel im Durchschnitt, in Vorder- und Rückansicht; dieser Nadeltheil ist bei 3 etwas verstärkt, mit einer langen Rinne und in dieser mit einem Oehr oder Langloch 4 versehen und vorn bei 2 einseitig zugespitzt.

Beim Gebrauch wird nun nach Fig. 23 dieser Apparat auf einen Tisch f mit schmaler, vorstehender Leiste f1 so gesetzt, dass die Nadeln der einen Reihe e nahezu senkrecht stehen und mit ihren Federn e3 unten auf dem Tische aufliegen, in welcher Lage sie durch einen hinter den Apparat gestellten schweren Klotz oder Winkel gehalten werden. Will der Arbeiter die Waare aufstossen, so beginnt er mit dem Rande des Waarenstückes w bei der mittleren Nadel, hängt auf diese die Randmasche w1, dann die nächste Masche w2 auf die nächste Nadel links u.s.f., bis ein Viertel des Randes auf den Nadeln und bei etwa 38 Maschen der ganzen Randbreite die Masche w10 auf der letzten linken Nadel e hängt. Hierauf wird der Apparat umgewendet, so dass seine obere Kante nach unten kommt und auf dem Tische aufliegt, dass also die Nadeln e1 der anderen Reihe jetzt senkrecht stehen, und nun werden die Maschen w11 bis w12 der halben Randbreite auf e1 gehängt; es ist jedoch bei dieser Umkehr von w10 nach w11, w12 u.s.w. erforderlich, die ersten Nadeln e1 etwas nach dem Bette hin zurückzuziehen, da man, wenn sie vor demselben weit vorstehen, die ersten Maschen w11, w12 nicht auf dieselben bringen kann. Es haben deshalb auch die ersten Nadeln der Reihe e1 keine Federn und zieht der Arbeiter diese Nadeln etwas herab, um die Maschen w11, w12 aufstossen zu können. Der ganze Apparat wird nun nochmals gewendet, die Nadeln e kommen wieder senkrecht zu stehen und das letzte Viertel der Waare w30 bis w38 wird auf dieselben aufgehängt; bei diesem Umwenden dürfen die ersten Nadeln e von dieser Seite her auch keine Federn haben, sie werden vom Arbeiter ebenfalls etwas zurückgezogen, um w30 und w31 auf sie zu bringen. Es hängt dann w38 neben w1.

Um den Apparat auf die Strickmaschine zu übertragen, hält man denselben mit den Nadeln und der Waare nach unten (Fig. 24 und 25), senkt das eine Nadelbett, damit die Waare leicht zwischen g und g1 hinabgelassen werden kann, setzt den Apparat mit den Winkeln h, die in Fig. 23 nicht gezeichnet sind, derart auf die Nadelbetten, dass diese Winkel an die Schlossführungen anstossen, hebt g1 wieder und hängt einen mit den Gewichten g3 beschwerten Abzugskamm g2 an die Waare. Zugleich wird der Apparat seitlich so eingestellt, dass jede Aufstossnadel ee1 genau über einer Zungennadel ii1 liegt, es fangen die Zaschen von ee1, da er senkrecht nach den Pfeilen 5 hinabgelassen wird, die Haken von ii1 und die Oehre in ee1 kommen genau über die Haken von ii1 hinab (Fig. 25). Man kann nun, da die Aufstoss- und Zungennadeln mit |246| einander verbunden sind, mit der einen Nadelsorte ziehend und schiebend, die andere bewegen und dabei die Maschen von den ersteren auf letztere übertragen.

Falls diese Bewegung von den Aufstossnadeln ee1 ausgehen soll, so benutzt man einen Rahmen k (Fig. 26 und 27) mit zwei Schlössern l, m, den man seitlich so auf den Apparat aufschiebt, dass er mit k1 in der Rinne d1 der Schiene d läuft (Fig. 25). Hierbei erfassen seine Schlösser die Arbeitsfüsse e2 der Aufstossnadeln und heben und senken letztere (Fig. 26) mit den in ihnen hängenden Zungennadeln. Ziehen sich die Aufstossnadeln e in die Höhe, so nehmen ihre äusseren Theile 2 die Haken von i mit sich durch die Maschen w1 hindurch, und die Nadeln e gehen dann ganz aus diesen Maschen heraus, so dass diese auf i fallen. Das Schloss m senkt aber die Nadeln e sogleich wieder, es stossen (Fig. 30) deren Theile 1 die Nadeln i ebenfalls herab und die Nadeln e gehen endlich mit ihren zugespitzten Enden über die Maschen w1 hinweg. In der in Fig. 31 angedeuteten Stellung kann dann der Apparat senkrecht in Richtung 9 bequem von der Maschine wieder abgehoben werden.

Textabbildung Bd. 294, S. 246
Wenn dagegen von den Zungennadeln ii1 die Bewegung zur Maschenübertragung ausgehen soll, so sind hierzu die gewöhnlichen Schlösser n, o (Fig. 28) der Maschine zu benutzen, welche aber Fangschlösser sein müssen, damit die Zungennadeln nur in die Fangstellung i (Fig. 32) gehoben werden. Bei dieser Aufwärtsbewegung stösst die Zungennadel i mit ihrem Haken an den Theil 1, treibt die Aufstossnadel e mit hinauf, so dass dann letztere aus der Masche herausgeht und diese auf i fällt. Das Schloss zieht dann diese Nadel i wieder herab und diese nimmt dabei e wieder mit; es muss deshalb, um schliesslich den Apparat von der Maschine wegnehmen zu können, die Nadel i wieder so weit gehoben werden, bis ihr Haken in der Mitte des Oehres von e steht (Fig. 33), zu welchem Zweck ein kleines, leicht ein- und ausrückbares Hebedreieck p (Fig. 28) benutzt wird. Bei diesem Vorgange können zum Zweck der Maschenübertragung die Nadeln auch durch andere Mittel als Schlösser, z.B. durch mittels Hebel bewegte Schienen, verschoben werden, welche sie nicht einzeln, sondern alle auf einmal heben oder senken.

Die aus Maschenwaare als Unterkleider hergestellten Hosen sollen möglichst glatt am Körper anliegen und nicht mit dicken Stellen auf die Haut drücken, weshalb auch die sogen. regulären Waaren besser als die geschnittenen sind. Es ist daher richtiger, die Nähte vollständig zu vermeiden und die Hose ohne Naht anzufertigen. Man hat dies mehrfach versucht, auch G. A. Steinbach in Wittgensdorf bei Chemnitz ist seinem früheren Patent Nr. 59055 zufolge bemüht gewesen, diesen Zweck zu erreichen. Indess erst mit seiner letzten, durch D. R. P. Nr. 73459 vom 3. Januar 1893 geschützten Erfindung ist es ihm gelungen, eine mit der Hand oder mit der Maschine gestrickte, vollständig nahtlose Hose mit richtiger Gesässform und wirklichem Zwickel herzustellen (Fig. 34 bis 36).

Zu dem Zweck wird ihr Leibstück nicht in der Flächenlage (Fig. 35), sondern in derjenigen Fig. 36 gearbeitet, d. i. um 90° gegen Fig. 35 gewendet, wobei es ohne Belang ist, ob dabei das Leibstück von oben oder von unten her begonnen und gestrickt wird, denn letzteres erhält sicher die richtige Form durch Mindern oder Erweitern, und zwar bei pp den halben Zwickel, ferner bei cd die gegen die obere Weite vermehrte Gesässweite und bei v und h den regulären Vorder- und Hinterschlitz mit festen Rändern, da man auch an der Strickmaschine an den Seiten der Nadelreihen tt offen arbeiten kann. Wenn nun das Leibstück nach Fig. 36 fertig ist, so wird es abermals um 90° gewendet, und in den Maschenreihen a, b (Fig. 34 und 36) werden die Beinlängen in der Lage von Fig. 34 in gewöhnlicher Weise rundgeschlossen angestrickt; hierbei stellt man die untere Hälfte des Keiles pr und ps durch schnelles Mindern her. Durch Verhängen der beiden Mittelmaschen p auf die gegenüber liegende Nadel wird dann auch die Mitte des Kreuzes oder Zwickels nahtlos geschlossen.

Bei der Herstellung von Schlauchwaare auf Lamb'schen Strickmaschinen führen die Schlosstheile zum Zweck des Minderns und Erweiterns die Nadeln so weit herunter, dass sie von den Hebedreiecken nicht erfasst werden können; letzteres ist nur möglich, wenn sie zuvor durch gegen sie stossende Jacquardkarten um ein Stück emporgehoben worden waren. Fertigt man auf derartigen Maschinen selbsthätig reguläre Waare, so entstehen in dieser immer an der erweiterten Stelle kleine Löcher.

(Schluss folgt.)

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