Titel: Neuerungen in der Schleiferei.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1894, Band 294 (S. 268–276)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj294/ar294072

Neuerungen in der Schleiferei.

(Fortsetzung des Berichtes S. 175 d. Bd.)

Mit Abbildungen.

Ch. Wing's Schleifmaschinen.

Die Benetzung der Schmirgelschleifkörper mit dem im Trog angesammelten Wasser erfolgt selbsthätig durch die Fliehkraft, indem das Wasser an Stellen des kreisenden Körpers zugeleitet wird, von denen aus die Geschwindigkeit stetig zunimmt. Dadurch, dass den Schleifkörpern eine Kegelform gegeben wird, kann das Abspritzen des Wasserschleiers von der äusseren Mantelfläche verhütet und nach hochliegenden Oeffnungen zugeführt werden, die nach dem Sammelbehälter leiten. Ueberdies wirkt die im Behälter angesammelte Flüssigkeit kühlend auf das Spindellager ein.

Textabbildung Bd. 294, S. 268
Nach diesem Grundsatz (D. R. P. Nr. 61565 vom 27. August 1891) ausgeführte Schleifwerke mit liegender und stehender Spindel sind in Fig. 1 bis 3 nach Prakt. Maschinenconstructeur, 1892 Bd. 25 Nr. 23 * S. 178, dargestellt. Beschreibungen darüber sind in The Engineer, 1893 Bd. 1 * S. 235, Engineering News vom 15. August 1891, * S. 149, u.a. zu finden.

Im Behälter a mit eingegossenen Lageraugen sind Lagerbüchsen b eingesetzt, in welche die Spindel c mit den Schleifringen d laufen. Bethätigt wird die Spindel durch eine Riemenscheibe e vom Deckenvorgelege aus. Die Schmirgelschleifkörper sind an Nabenscheiben f angebracht, die vermöge ihrer Gestaltung als Wurfscheiben wirken. Zudem sind diese durch Kapseln g abgedeckt, so dass die der Mantelstelle der grössten Geschwindigkeit zulaufende Flüssigkeit an hochliegende Bodenöffnungen trifft, |269| durch welche sie in den Sammelraum a übertritt, von dem aus sie mittels Rohrleitungen h wieder der Arbeitsstelle zufliesst. Zum Schmieren der Lagerbüchsen sind Oelrohre i vorgesehen, die selbstredend den Wasserspiegel im Behälter überragen. Auch sind die Schutzgehäuse g als Träger für die Auflagen k ausgebildet. Auf der Schleifmaschine Fig. 2 können mittels des Schleifkegels hohle Messer sehr bequem geschliffen werden. Etwas abweichend davon ist die Schleifmaschine Fig. 3 mit stehender Spindel ausgeführt.

Textabbildung Bd. 294, S. 269
Textabbildung Bd. 294, S. 269
Im Mittelrohr des Sammelkessels a ist die Lagerbüchse b für die Spindel c eingesetzt, an dieser aber die Tropfschale i angebracht. Der Schleifkörper ist ferner an eine Nabenscheibe f mit Saugtrichter, durch die Deckelscheibe g gehalten, über die eine Zinkblechverkleidung h die Rolle der Wasserzuleitung übernimmt, während der Schutzrand g den über den Schleifkörper fliessenden Wasserschleier in die Sammelkessel abzieht. Geölt wird das Spindellager durch eine axiale Bohrung i der Spindel, während Nabenansätze im äusseren Schutzrand die Auflagen k tragen.

F. W. Taylor's Werkzeugschleifmaschine.

Textabbildung Bd. 294, S. 269
Schneidwerkzeuge, Dreh- und Hobelstähle selbsthätig anzuschleifen, ist durch die in Fig. 4 und 5 nach American Machinist, 1892 Bd. 15 Nr. 12 * S. 2, dargestellte, von der Niles Tool Works in Hamilton; Ohio, gebaute Schleifmaschine ermöglicht. Hierzu wird ein aus England eingeführter, Free grit stone genannter, natürlicher Schleifstein a (800 zu 50 mm Durchmesser und Breite) angewendet, welcher vermöge entsprechend grosser Seitenscheiben b auf die Welle gespannt ist. Durch die Riemenscheibe c erhält dieselbe den Hauptantrieb, während die schmale Scheibe d mittels einer Curvenscheibe e durch den Hebel f und eines Zapfenringes g der Welle eine axiale Hubbewegung ertheilt, deren Hubgrösse mittels Wechsel des Drehungszapfens h abgeändert werden kann. Sowohl die Antriebscheibe c, als auch die zum Betriebe der Fächerpumpe k dienende Riemenscheibe i ist in den Wellenlagern l zwischen Bunden frei drehbar gehalten, die Schleifsteinwelle aber mit Federkeilen verschiebbar gekuppelt. Am rechtsseitigen Lagerdeckel ist ferner das Lager- und Zapfenböckchen m angegossen; die Wellenlager l aber durch Schutzbüchsen gegen Schleifstaub abgedichtet. Es ist ferner am Schutzhelm m ein Hebelparallelogramm angebracht, durch das mittels eines Griffrades o eine Stützplatte p gegen eine Schablone q eingestellt werden kann, die am oberen Theil des Werkstückhalters r vorgesehen ist. Mittels einer Griffschraube s erfolgt das Festspannen des abzuschleifenden Schneidstahles, während die Griffschraube t dazu dient, der Werkstückhalterplatte u jene Neigung zu geben, welche erforderlich ist, damit der Schneidstahl w den verlangten Schleifwinkel erhalte. Zu diesem Behufe schwingt diese Halterplatte u auf dem Untersatz v, wird durch Bogenschlitzschrauben in ihrer Lage gesichert und durch Schlitzschrauben am Trog festgelegt. Durch einen doppelten Schnurzug wird ferner der Schablonenhalter r an die Stützplatte p gepresst, welcher von q aus über Rollen xx nach dem Hebelgewicht y führt. Beim Umspannen des Werkstückes braucht bloss der Fusstritt z niedergestellt und dadurch das Hebelgewicht y gehoben zu werden, um eine Lösung des Stahlhalters zu ermöglichen.

|270|

Eine Verdrehung der Halterplatte in wagerechter Ebene zum Zweck des Rundschleifens scheint nicht vorgesehen zu sein.

Appleton's Schleifmaschine.

Textabbildung Bd. 294, S. 270
Bemerkenswerth ist bei den Schleifmaschinen der Appleton Mfg. Co. in Philadelphia, Pa., der Trog für die Schmirgelschleifscheibe (Fig. 6), welcher nach American Machinist, 1893 Bd. 16 Nr. 37 * S. 3, eine vordere Abtheilung a für Wasser erhält, in welchem die abzuschleifenden Werkzeuge behufs Abkühlung eingetaucht werden. Sowohl die Auflage b als auch der Schutzhelm c sind mittels Schlitzkopfschrauben an das Schleifrad d anstellbar. Um nun den Wasserstand im Haupttrog zu regeln, dient ein hölzernes Ringstück e, welches in den Zwischenraum hinter dem Helm passt und nach Belieben in den Trog eingeschoben werden kann. Gehalten wird dasselbe durch eine einfache Druckfeder f. Wird nach beendetem Schleifbetrieb das Ringstück ausgehoben, so fällt der Wasserstand und das Schleifrad hängt dann im Freien trocken.

G. Richards' Kolbenstangenschleifmaschine.

Textabbildung Bd. 294, S. 270
Eine Sondermaschine für Locomotivenbauanstalten und Eisenbahn Werkstätten wird von Geo. Richards and Co., L., in Broadheath bei Manchester gebaut, mit welcher in vortheilhafter Weise die Kolbenstangen regelrecht abgeschliffen werden, wobei der Kolbenkörper als Riemenantriebscheibe mit verwendet wird. Dadurch, dass die Kolbenstange mit ihren Körnern in zwei festen Spitzen läuft, wird die Herstellung einer genau cylindrischen und achsenrichtigen Form der Kolbenstange gewährleistet. Diese Schleifmaschine besteht aus einer Bettplatte a (Fig. 7) mit zwei Lagerköpfen b, in welchen ein cylindrischer Führungskörper c fest eingespannt ist. Auf diesem und an einer Führungsleiste d der Bettplatte a gestützt, sind zwei Reitstockkörper e und f durch Klemmschrauben in feste Einstellung zu bringen, wobei die Reitstockspitze f nach gewöhnlicher Bauweise für die feineren Einstellungen eingerichtet ist. Zwischen beiden Reitstockkörpern ist in gleicher Weise gestützt und geführt der Schleifradschlitten g, welcher mittels einer Schraubenspindel h durch ein Riementriebwerk ik in begrenzte Hubbewegung versetzt wird. Dieses Triebwerk besteht aus zwei Riemenscheiben i und k für offene und gekreuzte Riemen mit zwischenliegender Kuppelungsmuffe l, die durch einen Doppelhebel m von der Anschlagstange n beim Anschlag des Schleifradschlittens g umgesteuert wird.

Das Deckenvorgelege besitzt, wie bei allen Rundschleifmaschinen, zum Antrieb des hubbewegten Theiles eine Trommelscheibe von entsprechender Breite.

Neuere Spitzenschleifmaschinen.

Textabbildung Bd. 294, S. 270
Soll das Anschleifen der Drehbankspitzen seinen Zweck, die Herstellung einer genauen, zur Wangenkante parallelen Achsenlinie erfüllen, so müssen vorerst die Drehbankspindeln in ihren Lagern richtig laufen und die Spitzen in der Spindel sicher sitzen. Weil aber die feste Reitstockspitze behufs Anschleifens in die Spindel eingesetzt wird, so muss ausserdem die Schenkelform beider Spitzenkörper übereinstimmend sein. Doch wird trotz genau angeschliffener Spitzen eine nachträglich eingetretene Lagenänderung der Drehbankspindel eine ungenaue Dreharbeit veranlassen. Das Drehen zwischen feststehenden sogen. todten Spitzen wird von der Geradheit und Parallelität der Führungswange bezieh. von der während der Drehbanksarbeit erfolgten Abnutzung der Schneidkante des Werkzeuges bedingt, daher eine Fehlerquelle weniger als das Drehen mit laufender Spindel enthalten. Um die sonst gut und richtig gelagerte Spindel von jedem Excentricitätsfehler zu befreien, wird die Drehbankspitze an der kreisenden Spindel angeschliffen. Ebenso ist richtig, dass die feste Reitstockspitze mit einer an der Drehbankspindel angebrachten Vorrichtung rund angeschliffen wird. Der Kegelwinkel der Spitzen beträgt gewöhnlich für kleine Bänke 60°, für grosse 90°.

Gleichheit der Kegelwinkel, Zusammentreffen der Spitzen und Rundlaufen der Spindelspitze sind die Hauptbedingung für richtige Drehbankarbeit. Nur bei ganz kleinen Mechanikerdrehbänken und Uhrmacherdrehstühlen wird die Reitstockspitze hohlkegelförmig gemacht. Aufstellungsort |271| der Spitzenschleifvorrichtung ist meistens die Stahlhalterplatte des Supports, und während der Antrieb der Schleifscheibe vom grossen Riemenlauf der Stufenscheibe oder von der Planscheibe abgeleitet wird; erhält die Schleifradspindel ihre Querbewegung entweder durch die Supportplatte oder durch axiale Verschiebung der Spindelhülse allein. Bei der letzteren Schaltungsart bleibt der Antrieb in vortheilhafter Weise unbeeinflusst (vgl. Shoemaker, 1889 271 * 251 bezieh. Barker, 1891 281 * 158).

Textabbildung Bd. 294, S. 271
Textabbildung Bd. 294, S. 271
Leland Falconer und Norton in Detroit, Mich., bauen nach American Machinist, 1892 Bd. 15 Nr. 24 * S. 4, die in Fig. 8 bis 10 dargestellte Vorrichtung, welche aus einem Spindellager a besteht, welches behufs Regelung der Lage zwei Körnergrübchen besitzt, die an die Spindel- und Reitstockspitze eingestellt werden können. Mittels eines Winkelradpaares b wird eine kurze Rohrwelle c bethätigt, auf welcher sich die kreisende Schleifradspindelhülse d durch einen Stab e axial verschieben lässt. Während dieser Spindelkörper a mittels eines Armes f im Stahlhalter festgespannt wird, kann der die Antriebscheibe i tragende Theil g in wagerechter Ebene um den Gelenkbolzen h geschwungen und das Lager der Antriebscheibe i am Stabgriff k verschoben werden. Eine Gelenkkuppelung l zwischen den Antriebwellen ist unerlässlich. Eingeleitet wird der Schleif betrieb erst nach erfolgter Freilegung des Spindelkörpers a, was eine Rechtsschiebung der Reitstockspitze und des Hauptschlittens, sowie ferner eine kleine Verschiebung des Querschlittens voraussetzt. Hierauf wird der Stabgriff k gegen die Stufenscheibe gedreht, die Antriebsreibungsscheibe i passend vorgeschoben und der Betrieb eingeleitet, wobei mit der rechten Hand der Stab e hubbewegt wird.

Textabbildung Bd. 294, S. 271
Ch. Taylor in Birmingham baut nach Engineering, 1893 Bd. 2 * S. 617, die im Schaubild (Fig. 11) vorgeführte Spitzenschleifmaschine mit Riemenbetrieb von der Stufenscheibe aus, eine Bauweise, welche in mannigfacher Weise abgeändert ausgeführt wird. Auch wird der erste Betriebsriemen von der Planscheibe abgeleitet und zur Bethätigung der Schleifradspindel ein Schnurbetrieb angewendet. Misslich bleibt immerhin die durch die Verstellbewegung des Schleifrades bedingte Verschiebung der oberen Riemenrolle.

Textabbildung Bd. 294, S. 271
S. Rogers und Co. in Buffalo, N. Y., leiten nach American Machinist, 1893 Bd. 16 Nr. 40 * S. 5, den Antrieb mittels einer Reibungsrolle von der Stirnfläche der Planscheibe (Fig. 12) in der Weise ab, dass die ganze Vorrichtung im Stahlhalter festgespannt bleibt und nur die Schleifradspindel mit der Hand axial hin und her geschoben wird, während der Antrieb mittels einer langen Reibungsrolle von der Antriebwelle übertragen wird.

Am einfachsten stellt sich die Spitzenschleifmaschine (Fig. 13), wenn zum Antrieb eine biegsame Welle gebraucht wird, wie dies die Stow Manufacturing Company in Binghampton, New York, mit Vortheil anwendet. Einschliesslich einer 1070 mm langen biegsamen Stow'schen |272| Welle wiegt die ganze Schleifvorrichtung etwas über 3 k (Industries, 1892 Bd. 2 * S. 248).

Textabbildung Bd. 294, S. 272
Textabbildung Bd. 294, S. 272
H. E. Hawes' Schleifwerk für Reitstockspitzen (Fig. 14) wird auf die Drehbankspindel an Stelle der Planscheibe aufgeschraubt und kreist mit der Spindel um, wobei die Schleifradspindel durch einen Schnurtrieb eine besondere rasche Umlaufbewegung erhält. Nun sind die Führungsstäbe für das Schleifradlager unter 30° gegen die Achsenebenen geneigt, auf welchen sich das Schleifradlager unter Einwirkung eines durch ein Schneckenrad bethätigten Kurbeltriebwerkes in Hubbewegung befindet. Der Reitstock wird nun in der Art gegen diese Schleifvorrichtung herangeschoben, dass das raschkreisende Schmirgelrad längs der Kegelerzeugenden auf und ab schwingt und sich gleichzeitig hierbei um die Kegelspitze herumdreht. Gebaut wird dieses Schleifwerk von H. E. Hawes in New York (American Machinist, 1892 Bd. 15 Nr. 40 * S. 3).

A. L. Colburn's Pendelschleifmaschine.

Textabbildung Bd. 294, S. 272
Zur Behandlung schwerer Werkstücke, wie Hammergesenke, Ambosse u. dgl., welche oft geformte und harte Oberflächen besitzen, leistet ein Schleifwerk mit leicht beweglicher Schleifspindel wesentliche Dienste. Nach American Machinist, 1892 Bd. 15 Nr. 7 * S. 5, ist in Fig. 15 ein von A. L. Colburn in New Haven, Conn., gebautes Pendelschleifwerk vorgeführt, dessen Rahmen aus Gasröhren zusammengesetzt ist. Ein an der Hängestange c um wagerechte Zapfen schwingendes, mit seitlichen Rohrgriffen versehenes Spindellager b führt die Schleifradspindel a, welche durch eine Schnurrolle d mittels zwei Leitrollen e von der oberen Schnurscheibe f bethätigt wird, die am Ende eines um die Antriebwelle g schwingenden, aus Gasröhren zusammengesetzten Rahmens h läuft, welcher durch Hängegewichte i schwebend erhalten wird. In Fig. 16 ist ein einfaches in Thätigkeit befindliches Pendelschleifwerk mit Holzrahmen gezeigt, dessen Schmirgelscheibe 500 mm Durchmesser bei 100 mm Breite besitzt.

Walker's Fräserschleifmaschine.

Textabbildung Bd. 294, S. 272
Walker's Universal Tool and Cutter Grinder ist nach American Machinist, 1893 Bd. 16 Nr. 41 * S. 3, in Fig. 17 bis 21 dargestellt. An dem oberen abgedrehten Ansatzbord der Hohlsäule a ist ein Klemmring b drehbar gehalten, über diesem ist der Tischwinkel c ebenfalls mit Klemmnabe geschoben und durch eine Stellschraube d gestützt, welche Hochstellungen ermöglicht. Dieser Tischwinkel trägt den mittels Schraubenspindel e beweglichen Querschlitten f, auf dessen Kreuzbahn der Schlittentisch g mit darauf liegender Schwingplatte h durch Handradspindel |273| i bethätigt wird. Am oberen, zapfenartig ausgebildeten Theil der Gestellsäule sitzt ebenfalls mit Klemmschluss das Schleifspindellager k, dessen Bauart, wie aus Fig. 28 ersichtlich, auch für zwei Schleifscheiben eingerichtet ist.

Textabbildung Bd. 294, S. 273
Zum Anschärfen der Fräser wird ein Zapfenböckchen l (Fig. 18 und 21) mit Stellfeder m, beim Schärfen von langen Kolbenfräsern werden zwei feste Spitzenböckchen n (Fig. 20) gebraucht.

Cincinnati's Fräserschleifmaschine.

Textabbildung Bd. 294, S. 273
Diese an einer runden Standsäule aufgebaute Maschine besitzt eine Spindel mit zwei fliegenden Schleifscheiben und ein Tischwerk mit ausgiebigster Universalbewegung. Dasselbe besteht nach American Machinist, 1894 Bd. 17 Nr. 11 * S. 10, aus einem Kreuzrohr b (Fig. 22 bis 25), das sich um die Standsäule a im Kreise drehen lässt, in welchem aber ein wagerechter Stab c axial sich verschieben lässt. Um diesen ist das zweite Kreuzrohr d zu schwingen, so dass nach Bedarf der Tischträger e eine zur Lothrechten geneigte Lage einnehmen kann. Da dieser Tischträger e ebenfalls in der Hochstellung regelbar ist, so wird der darauf gleitende Tischschlitten f wagerecht und senkrecht zur Spindelachsenebene, als auch gegen die Wagerechte geneigt und schräg zur senkrechten Ebene der Schleifspindel gerichtet sein. Nun liegt auf dem Tischschlitten f noch ein Schwingtisch g und ein Träger h mit zwei winkelrecht stehenden Kreisplatten, wodurch dem Fräserdorn i Winkeleinstellung in lothrechter und wagerechter Ebene ertheilt werden kann. Reitstöcke k und Stellfederträger l, sowie Stahlhalterkasten m sind vorräthig. Zudem kann das ganze Tisch werk entweder unter die Schleifscheibe n, oder an die Tellerscheibe o gebracht werden.

Textabbildung Bd. 294, S. 273
In Fig. 24 ist die Anordnung zum Schleifen eines Kolbenfräsers p mit gewundenen Zahnnuthen, in Fig. 25 aber die Einrichtung zum Schärfen eines hinterdrehten Fräsers q gezeigt. Ein Uebermaass von Universalität der leichten Tischtheile bei allzu reichlich bemessenen Ausladungen derselben ist mehr als Nachtheil denn als Vortheil dieser Schleifmaschine anzusehen (vgl. D. p. J. 1890 277 * 110).

Fr. Steinrück's Werkzeugschleifmaschine.

Auf dieser auch von der Karlsruher Werkzeugmaschinenfabrik bezieh. von Fr. Steinrück in Berlin gebauten Schleifmaschine können Fräser, Bohrer, Reibahlen, Gewindeschneidbohrer, Kalteisensägeblätter u. dgl. geschärft und ausgeschliffen werden. Am Standfuss a der Maschine (Fig. 26 und 27) gleitet an senkrechter Seitenbahn ein Schlitten b, an dem eine Lagerplatte c Winkelstellungen erhalten kann. Im Lagerauge d ist ein Zapfenstück e mit kurzer Führungswange drehverstellbar eingesetzt, auf der ein Kreuzstück f sich verschiebt, welches der Träger eines langen Schlittentisches g ist. Auf diesem können nun Spindelstöcke h (Fig. 26) für fliegend eingespannte Fräser, Reitstöcke i zum Einspannen langer Werkstücke (Fig. 28 bis 30), ferner Reitstöcke h mit Höhenverstellung für Kegelfräser passende Aufstellung finden. Auf der |274| Kopfplatte l des Standfusses ist das gabelartig überhängende Schleifspindellager m festgeschraubt, deren Schleifkörper n das Werkstück an seiner oberen Seite angreift.

Textabbildung Bd. 294, S. 274
In Fig. 28 ist das Ausschleifen der Schneidrinnen von Gewindeschneidbohrern, in Fig. 29 und 30 das Hinterschleifen der gewundenen, der sogen. Spiralbohrer r gezeigt, wobei opq der am Tischwinkel befestigte, aus Kreuzzapfen zusammengesetzte Leitstift ist, durch welchen die Drehung des Bohrers während des Schleifvorganges bewirkt wird, t ist eine Handradspindel zum Hochstellen der Tischtheile.

Garvin's Fräserschleifmaschine.

Textabbildung Bd. 294, S. 274
Die Garvin Machine Company in New York bauen nach American Machinist, 1894 Bd. 17 Nr. 7 * S. 1, eine Werkzeugschleifmaschine, die im Wesentlichen aus einem feststehenden Schleifradspindelstock mit langer weit vorragender Lagerbüchse und einem Tischwinkel mit vollständigen Supportschlitten besteht. In den Fig. 31 bis 33 sind die Arbeitsverfahren, als Schärfen einer Stirnfräse (Fig. 31), Zuschärfen einer Kolbenfräse (Fig. 32) und das Anschärfen einer kegeligen Reibahle (Fig. 33), gezeigt. In der langen, frei vorragenden Spindelbüchse a findet die Schleifspindel ihr drittes Lager, und der angeklemmte Träger b für die Stellfeder c einen bequemen Stützpunkt. Auch wird das Zapfenklötzchen d (Fig. 32 und 33) in verschiedener Weise als Tragböckchen in Anspruch genommen.

A. Falkenau's Fräsewerkzeugschleifmaschine.

Textabbildung Bd. 294, S. 274
An einer kleinen Rundschleifmaschine (Fig. 34) ist nach American Machinist, 1893 Bd. 16 Nr. 23 * S. 1, eine Aufspannvorrichtung zum Schleifen cylindrischer und kegelförmiger Feinzahnfräser (Fig. 35) und eine solche (Fig. 36) zum Schleifen hinterdrehter Zahnradfräser vorgesehen. Um diese Maschine für das Rundschleifen der Maschinentheile stets in Bereitschaft zu halten, sind diese Hilfsvorrichtungen an der Rückseite der wagerechten Wange (Fig. 34) angeordnet. Die Aufspannvorrichtung (Fig. 35) besteht aus einem Schlitten a, der mit der Handradspindel b bewegt und eingestellt werden kann. Im Klemmlager dieses Schlittens a ist ein Kolbenkörper c durch die Handradspindel d in Hochlagen einstellbar, trägt um einen Zapfen drehbar eine kleine Wange e, welche durch einen Bogenschlitz f festgelegt wird.

Ein kleiner Schlitten g, der auf dieser Wange gleitet, trägt ein Auge h, in welchem ein zweites Klemmauge i mit dem eigentlichen Aufspanndorn drehbar eingesetzt ist. Hiermit sind Winkellagen in zwei zu einander senkrechten Ebenen und drei geradlinige Einstellungen ebenfalls nach senkrechter Richtung möglich. Bei der Hilfsvorrichtung |275| (Fig. 36) zum Schleifen hinterdrehter Fräser ist der Verticalschlitten a mit dem Aufspanndorn b für die Fräse c etwas schräg gegen die Schleifradebene d angeordnet, und während ein Stellhebel e dem Fräser den nöthigen Halt und die richtige Einstellung gibt, dient der Winkel f zur Controle des richtigen Schliffes.

Textabbildung Bd. 294, S. 275
Bei der hohen Wichtigkeit, welche das richtige Schleifen an der Zahnbrust hinterdrehter Fräser für einen guten Arbeitsgang derselben hat, sind alle solche Zungen- und Stellhebeleinstellungen unzureichend. Im Uebrigen ist diese von A. Falkenau in Philadelphia in Verkehr gebrachte Schleifmaschine ohne selbsthätige Schlittenbewegung eingerichtet, doch mit schwingender Tischplatte, auf deren Prismaführung Spindel- und Reitstock vorgesehen sind.

Textabbildung Bd. 294, S. 275

Appleton's Schleifmaschine.

Wie aus dem Schaubilde Fig. 37 ersichtlich, ist diese Maschine mit zwei zu einander winkelrecht liegenden Schleifradspindeln für Rundschleiftisch und Bohrerschleifwerk ausgerüstet. Nach American Machinist, 1893 Bd. 16 Nr. 44 * 11, wird diese Maschine von der Appleton Manufacturing Company in Philadelphia, Pa., in der Weise gebaut, dass der obere Theil des Gestelles, welcher die beiden Tischwinkel trägt, um einen festen cylindrischen Ansatz des Gestellfusses sich herum schwingen lässt, so dass diese Tische gegen die in feststehender Lage verbleibenden Schleifspindeln beliebige Winkelstellungen erhalten können.

Ed. Dubosc's Formfräserschleifmaschine.

Fein gezahnte Form fräsen mit geraden oder gewundenen Zahnnuthen verlieren beim Nachschleifen ihren richtigen Formquerschnitt, sofern mit freier Handführung des Schleifspindellagers gearbeitet wird. Um dies zu verhindern, muss diese Führung nach einer Formschiene einer Schablone erfolgen, und während bei gewundenen Zahnnuthen nebstbei eine gleichzeitige Drehung der Formfräse mittels eines passend eingestellten Fingers durch die eigene Bewegung des die Fräse tragenden Lagerschlittens verbunden ist, kommen bei cylindrischen oder kegeligen Fräsescheiben mit geraden Zahnnuthen diese Führungen und Drehbewegungen in Wegfall, so dass nebst der Einstellung nur die Dreh Vorstellung Zahn zu Zahn übrig bleibt.

Textabbildung Bd. 294, S. 275
Das Schleifen mittels Schablonenführung setzt einen leicht beweglichen Lagerrahmen bezieh. eine leichte Schleifspindel voraus, welche grosse Umläufe, 2500 bis 3000 in der Minute, macht. Auch der sonstige Aufbau des Schlittentisches wird in Folge der verlangten Stellbewegungen verwickelt und daher die Arbeit dadurch an Genauigkeit einbüssen.

Wenn nichts weiteres als dies gegen die Verwendbarkeit fein gezähnter Formfräsen sprechen würde, so wäre die Schwierigkeit der Erhaltung einer genauen Fräserform schon zureichend, um die fein gezähnten Formfräsen als minderwerthige Werkzeuge bezeichnen zu müssen.

Edmond Dubosc's Fräserschleifmaschine besteht nach Revue industrielle, 1892 Nr. 19 * S. 181, aus einem Gestellsockel, an welchem ein in der Höhenrichtung stellbarer Tischkolben mit wagerechtem Kreuzschlittensupport sich befindet. Hiermit wird dem am Support aufgebauten Fräserträger a (Fig. 38) eine beliebige Einstellung ertheilt. Derselbe besteht aus einem Kreuzzapfenlager a, an dessen Langzapfen b zwei Schlitzhebel c eingeklemmt sind, die an einem Dorn die abzuschürfende Fräse d tragen. In den Langschlitzen von c sind wieder zwei Schlitzhebel f stellbar, die an einem Querzapfen die Schablone g tragen. Auf diese stützt sich der Rahmenhebel h mittels eines |276| Stellstiftes i und da dieser Rahmen zugleich der Lagerhebel für die Schleifradspindel k ist, so wird den beiden Hebellängen vom Drehpunkt l entsprechend auch die Schablonenhöhe verhältnissmässig zu übersetzen sein. Nun ist aber der Hebeldrehpunkt l zugleich die Antriebswelle für die Schleifscheibe k, so dass dieser Rahmenhebel leicht schwingen kann. Um aber den Schleifbetrieb mit Gefühl durchzuführen, hebt das Gegengewicht m die Schleifscheibe k aus dem Eingriff, während mit dem Hebelgriff n der Schleifdruck hervorgerufen wird.

Textabbildung Bd. 294, S. 276
Textabbildung Bd. 294, S. 276
Textabbildung Bd. 294, S. 276
Wenn aber cylindrische oder kegelige Fräser abzuschleifen sind, so bedarf es bloss einer passenden Feststellung dieses Rahmenhebels, wozu der Stellbogen o dient. In Fig. 39 ist das Zuschärfen der Fräsezähne an der Rückenkante dargestellt. Hierin ist ϱ der Zugkreis, d. i. der Richtkreis, nach welchem die Zahnbrust oder Schneidfläche (2 1) als Tangirende gezogen wird, ferner (3 4) die Rückenkante des Zahnes und (2 3) die Zuschärfungskante. In Folge der excentrischen Lage des Schleifkreises k zum Schnittkreise (2) der Fräse tritt der Punkt 3 zurück. Der Winkel β, welcher die Verbindungslinie (2 3) = b mit der Normalen a zum Schnittkreis bildet, ist der sogen. Anstellungswinkel (angle of clearance). Wenn die Gerade b die Schleiflinie wäre, so würde der mit der Zahnbrust (1 2) gebildete Winkel a der Schleifwinkel oder Zuschärfungswinkel sein. Weil aber die Schleiflinie (2 3) ein Bogenstück vom Halbmesser der Schleifscheibe ist, und weil ferner ihre Länge und ihre Lage zum Schnittkreis (2) von der einseitigen Stellung der beiden Kreismittelpunkte, sowie von ihrer Entfernung abhängt, so wird für denselben Anstellungswinkel des Zahnes dieser Bogen mit der Grösse des Schleifkreises abnehmen. Ist γ der Winkel, welcher die Normaltangirende c des Schleifkreises mit der Geraden b einschliesst, so ist jedenfalls der Spitzwinkel des Zahnes (α – γ) auch zugleich der Zuschärfungswinkel, während der Schneidwinkel unter allen Umständen (α + β) ist. Weil aber der Spitzwinkel des Fräsezahnes für die Festigkeit der Schneidkante maassgebend bleibt, so wird durch diese Schleifweise die Widerstandsfähigkeit zwecklos abgemindert. Um diesen Uebelstand zu beseitigen, wird die Schleiffläche (2 3) = b als Rückenkante behandelt und beim Zuschärfen der Schneidkante vor derselben nur ein kurzes Bogenstück (Fig. 40) abgeschliffen, so dass demselben nur ein kleiner Abminderungswinkel (γ = ) entspricht, was durch eine kleinere einseitige Abweichung der beiden Kreise und Vergrösserung des Schleifkreises zu ermöglichen ist. – Wenn α der Schleifwinkel vor dem Zuschärfen ist, so wird nach dem Zuschärfen der Spitzwinkel des Fräsezahnes doch allemal (α – γ) sein müssen, gleichgültig ob der Winkel γ gross oder klein ist. – Dieser Spitzwinkel (α – γ) kann dann statt Schleif- auch Zuschärfungswinkel genannt werden.

Textabbildung Bd. 294, S. 276
Während dieser Spitzwinkel mit fortgesetztem Zuschärfen sich abmindert, bleibt derselbe bei hinterdrehten Fräsern sich stets gleich, sofern die Rückencurve eine logarithmische Spirale ist (1892 286 * 1). Wird die Achse des Fräserdornes gegen die Wagerechte schräg gestellt (Fig. 41), also auch gegen die Schleifradspindel, so können Kegelfräser abgeschliffen werden. Sind die Zahnkanten gewunden, so muss während des Schleifens eine Drehung um die eigene Fräserachse stattfinden, was durch eine in eine freie Zahnnuth einsetzende Stellfeder durchgeführt wird.

Beim Schleifen von Formfräsern (Fig. 42 und 43) wird der Formquerschnitt durch die Leitcurve der Schablone gesichert (vgl. Kreuzberger, D. p. J. 1890 278 * 198).

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: