Titel: Schlackensteine.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1894, Band 294/Miszelle 8 (S. 191–192)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj294/mi294mi08_8

Schlackensteine.

Die Eisenzeitung regt in Nr. 43 des laufenden Jahres die Frage an, ob auch Cupolofenschlacke in einfacher Weise zu einem Baumaterial verarbeitet werden kann; sie verbindet damit die Bitte an ihren Leserkreis, ihr im allgemeinen Interesse Mittheilungen zu machen, und leitet die Frage in folgender Weise ein:

„Als Regel darf gelten, dass jedes steinartige Material zur Bereitung von Bausteinen zu gebrauchen ist. Soweit wir unterrichtet sind, ist jedoch hierbei eine Hauptbedingung zu erfüllen: Das Material muss thunlichst frei von in Wasser löslichen Bestandtheilen sein. Enthält es solche, wie Gyps (löslich in 800 Theilen Wasser), Salze u. dgl., so ist es als Baumaterial nicht zu gebrauchen, weil es alsdann hygroskopisch ist, nie trocken wird, sich auch mit Cement nicht verbindet und daher verwittert und bald zerfällt.

Die Schlacken der Hochöfen unterscheiden sich hauptsächlich dadurch von denen der Cupolöfen, dass sie mehr Kieselsäure enthalten, z.B. 50 Proc., und der Kalk etwa 25 bis 30 Proc. beträgt. Hierzu kommen noch etwa 10 bis 15 Proc. Thonerde. Eigentlich lösliche Stoffe enthält die Hochofenschlacke nur im Schwefelcalcium, etwa 1 bis 3 Proc., was aber für die Verwendung als Baumaterial nicht in Betracht kommt.

Die Cupolofenschlacke unterscheidet sich von der Hochofenschlacke durch den weit grösseren Kalkgehalt, sie ist also schon aus diesem Grunde ein weit weniger geeignetes Material für Bauzwecke, als die Hochofenschlacke. Es fragt sich nun, wie viel Kalk an Schwefel gebunden ist, um noch ein brauchbares Steinmaterial abzugeben. Gewiss können uns die Specialfachleute über diesen Punkt genaue Auskunft geben. Die Litteratur enthält hierüber nur sehr wenig und es ist daher zweckmässig, der Frage näher zu treten.“

Sie schliesst hieran eine Notiz über den Bau von Fabrikschornsteinen aus Hochofenschlacke. Dieselbe besagt:

Allgemeinen Anklang dürfte die Ausführung des von den Fabriken Courrières und Ostricourt (Frankreich) gemachten Vorschlages finden:

zur Erbauung von Fabrikschornsteinen die Schlacken der Hochöfen oder Hüttenwerke zu verwenden!

Diese Schlacken sollen ähnlich wie die Schlacken-Pflastersteine |192| der Mansfelder Gewerkschaft zu Eisleben in Formen gegossen und mittels Cementmörtels vermauert werden.

Ein auf diese Weise hergestellter Schornstein dürfte dem aus Backsteinen erbauten gegenüber folgende Vortheile darbieten: Ein verhältnissmässig geringes Gewicht bei grösserer Festigkeit, ferner die Möglichkeit, dem oberen Theile der Esse eine grössere lichte Weite zu geben, ohne Eisenbänder in Anspruch nehmen zu müssen, und drittens eine gewisse Sicherheit gegen Blitzschläge, weil sich das Material durch seine isolirende Eigenschaft gewissermaassen selbst dagegen schützt.

In dem im Bau begriffenen Etablissement Arbel zu Douai in Frankreich ist man zur Zeit gerade mit dem Bau eines Schornsteins aus gegossenen Schlackensteinen beschäftigt. Derselbe wird bei einer Höhe von 50 m ein Gewicht von etwa 385 t haben. Zum Vergleich sei darauf hingewiesen, dass eine mit gleicher lichter Weite erbaute 85 m hohe eiserne Esse zu Darwen 1116 t wiegt und ein aus Ziegeln erbauter Schornstein von 50 m Höhe und gleicher Weite wie der oben angezogene etwa 3500 t wiegen würde.

Für die Fabrikation von Hochofen-Schlackenziegeln gilt Folgendes:

1000 Ziegel Normalformat erfordern 12,5 cbm granulirten Schlackenkies und 2 cbm gelöschten oder 350 bis 400 k ungelöschten Kalk. Magnesiahaltige Schlacken, welche selbst bei geringem Siliciumgehalt nicht zerfallen, sind besonders brauchbar. Sauere Schlacken sind unbrauchbar. Sehr kalkhaltige, rasch zerfallende Schlacke dient neuerdings als Rohmaterial zur Portlandcementfabrikation.

Es ist vielleicht nicht ganz ausgeschlossen, dass sich die Cupolofenschlacke auch hierfür eignet.

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