Titel: Die Bestandtheile des officinellen Kreosots.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1894, Band 294/Miszelle 10 (S. 215)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj294/mi294mi09_10

Die Bestandtheile des officinellen Kreosots.

A. Béhal und E. Choay haben die von Marasse nicht vollständig gelöste Frage nach den Bestandtheilen des officinellen, aus Buchen- oder Eichenholztheer gewonnenen Kreosots aufgenommen und berichten über ihre Resultate im Bull. Soc. chim., 1894 S. 669.

Sie behandelten das im officinellen Kreosot vorliegende Gemenge von Phenolen und Phenoläthern mit Salzsäure im Autoklaven, wodurch die Phenoläther in Chloralkyle und Diphenole gespalten wurden. Aus dem resultirenden Gemisch von Mono- und Diphenolen wurden die ersteren mit Wasserdampf abgeblasen, durch vielfaches Fractioniren zerlegt, durch Ueberführung in die Benzoate und Rectification derselben gereinigt and nach der Zerlegung der Benzoylverbindungen genau identificirt. Auf diesem Wege wurden Phenol, o-Cresol, m-Cresol, p-Cresol, o-Aethylphenol, 1-, 3-, 4- und 1-, 3-, 5-m-Xylenol aufgefunden. Mit diesen Körpern ist die Zahl der Monophenole des officinellen Kreosots nicht erschöpft, die anderen Substanzen dieser Gruppe, welche darin enthalten sind, kommen aber nur in so kleinen Mengen vor, dass sie nicht isolirt werden konnten; schon das 1-, 3-, 5-Xylenol macht nur 1 Proc. vom Kreosot aus.

Die Diphenole und Phenoläther wurden von den Monophenolen durch ihre Strontiansalze getrennt, die im Gegensatz zu den Strontiansalzen der Monophenole in Wasser und Methylalkohol schwer bezieh. unlöslich sind. Das Gemisch der ausgewaschenen Strontiansalze wurde mit Säure zerlegt und die Diphenole und Phenoläther durch Rectification in drei Hauptantheile gespalten, die als Guyacol, Methylguyacol und 1-, 3-, 4-Aethylguyacol identificirt wurden. Spurenweise scheinen Propylguyacole bezieh. ihnen metamere Verbindungen und Coerulignon zugegen zu sein.

Die Phenole des Kreosots sind stets begleitet von schwefelhaltigen Verbindungen, vermuthlich Thiophenolen, die überaus widerstandsfähig sind und durch Destillation über Bleioxyd, Quecksilberoxyd oder Zinkstaub nicht völlig beseitigt werden.

Ausserdem findet sich im Kreosot ebenso wie in den nominell reinen Phenolen des Handels ein Körper, dessen Anwesenheit die Verfasser auch im synthetischen Phenol erkannt haben und welcher bei Gegenwart von Luft in der ammoniakalischen Phenollösung Anlass zur Bildung eines Farbstoffes gibt. Der Farbstoff kann durch Abblasen des Phenols mit Wasserdampf isolirt werden, ist blauschwarz, bronzeglänzend, in Alkali mit tiefblauer Farbe, die beim Ansäuern in Roth umschlägt, löslich und soll mit Pittakal nicht identisch sein. Die Verfasser vermuthen vielmehr in ihm einen dem Orceïn ähnlichen Körper. Erwähnt sei noch, dass diese eigenthümliche Blaufärbung einer ammoniakalischen Phenollösung an der Luft 2 bis 3 Tage erfordert und um so weniger intensiv ist, je reiner das Phenol ist.

Die Zusammensetzung des Buchen- und des Eichenholztheerkreosots ist qualitativ die gleiche.

H.

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