Titel: Kaustische Soda und Eisen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1894, Band 294/Miszelle 5 (S. 214)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj294/mi294mi09_5

Kaustische Soda und Eisen.

Ueber einen bemerkenswerthen Fall, wo stählerne Dampfkessel durch kaustische Soda schon nach zwei Jahren zerstört wurden, berichtete W. Thomson in der Manchesterabtheilung der Gesellschaft für chemische Industrie (Society of Chemical Industry). In den betreffenden Kesseln wurden Sodalaugen von 5 auf 12 Proc. eingedickt. Viele Platten waren den Nieten entlang – nicht zwischen den Nietlöchern – gesprungen und viele Nietköpfe abgebrochen. Um festzustellen, ob kaustische Soda irgend welche Wirkung auf Eisen und Stahl hat, erhitzte Thomson Eisen- und Stahldrähte, wie auch Stücke von Bandeisen, während 84 Tagen ununterbrochen auf 100° in Laugen von sowohl 5 Proc. als auch von 12 Proc. Natrongehalt. Gegenmuster behandelte er theils mit kalten Laugen, theils nur mit destillirtem Wasser. Sämmtliche Muster blieben während 195 Tagen in den betreffenden Flüssigkeiten und wurden dann auf ihren Widerstand gegen Zerreissen untersucht. Die Versuche ergaben, dass Eisen und Stahl weder durch kalte noch durch heisse kaustische Sodalösungen irgend wie verändert wurden. Beiläufig wurde erwähnt, dass Eisenstücke, welche über 30 Jahre in kohlensaurer Sodalauge gelegen hatten, vollkommen blank geblieben waren. Nach Thomson's Ansicht kann sich die Beschädigung der erwähnten Dampfkessel nur durch rein mechanische Ursachen erklären lassen, vielleicht durch Krystallisation von zwischen die Platten und unter die Nietköpfe gelangter Soda. Da es eine allbekannte Thatsache ist, dass sich schwache kaustische Laugen ohne Schaden für die Kessel zur Erzeugung von Betriebsdampf verwenden lassen, so liegt die Vermuthung nahe, dass in dem von Thomson mitgetheilten Falle ganz besondere Verhältnisse im Spiel gewesen sind, welche bei der Untersuchung nicht zu Tage traten.

(Papierzeitung.)

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