Titel: Neue selbsthätige Lüftungsanlage.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1894, Band 294/Miszelle 10 (S. 238–239)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj294/mi294mi10_10

Neue selbsthätige Lüftungsanlage.

Eine neue selbsthätige Lüftungsanlage, die sich insbesondere für Versammlungssäle, Wirthschaftsräume u.s.w. eignet, ist von dem Architekten Seuling zu Giessen zuerst in einer dortigen Hôtelwirthschaft angebracht worden und hat sich so bewährt, dass der Erfinder gesetzlichen Schutz für die betreffende Anordnung sich hat ertheilen lassen.

Mit der Lüftung der Versammlungsräume ist es in unseren deutschen Wirthshäusern bekanntlich fast durchweg noch sehr schlecht bestellt, obgleich die Erneuerung der Luft nirgends mehr Noth thut als gerade hier. Künstliche Lüftung von genügender Wirksamkeit erfordert Betriebskosten, die ihre Anwendung in den meisten Fällen ausschliessen. Eine entsprechend wirksame sogen. natürliche Lüftung aber bedingt in der Regel einen solchen „Zug“, dass von ihr gleichfalls nicht die Rede sein kann; denn vor die Wahl gestellt, sich durch Hitze, Tabaksqualm und Sauerstoffmangel quälen zu lassen oder einen leichten |239| Luftzug zu ertragen, werden nur wenige Deutsche in letzterem Sinne sich entscheiden.

Vorzüge der Seuling'schen Lüftungsanordnung sind nun, dass einerseits die Oeffnungen zum Absaugen der verdorbenen Luft in feiner Vertheilung an möglichst günstiger Stelle sich befinden und dass als saugende Kraft nicht, wie üblich, der durch den Temperaturunterschied der inneren und äusseren Luft hervorgebrachte Auftrieb benutzt wird, sondern das meist sehr erheblich stärkere Ausgleichsbestreben der auf den verschiedenen Seiten des betreffenden Gebäudes vorhandenen Luftströmungen. In der ursprünglichen Einrichtung am „Hotel Kaiserhof“ zu Giessen ist unterhalb der Decke des betreffenden Raumes ein zusammenhängendes System von Holzkanälen angeordnet worden, die bei 20 cm äusserer Breite und 28 cm Höhe theilweise auch gleichzeitig zur Verkleidung eiserner Träger dienen. Diese in den Seitenwandungen durchlochten Kanäle, die zunächst an den Wänden herumgeführt, aber auch als Verbindungen dieses äusseren Kanalzuges angeordnet sind, münden auf drei verschiedenen Seiten des Hauses durch (mit Klappen verschliessbare) Oeffnungen unmittelbar ins Freie. Der Erfolg soll ein durchaus befriedigender sein und genügen, um den Raum von Tabak- und Biergeruch vollkommen frei zu halten.

Selbstverständlich lässt sich der Gedanke in sehr mannigfacher Form verwirklichen und z.B. ohne weiteres auf eine mit durchgehendem innerem Hohlraume versehene Decke, wie die bekannte Schmidt'sche Decke, übertragen, ohne dass es hierzu der Anordnung besonderer Kanäle bedürfte. (Deutsche Bauzeitung, 1894 S. 576.)

-r.

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