Titel: Pflanzliche Bronzefarben.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1894, Band 294/Miszelle 11 (S. 239)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj294/mi294mi10_11

Pflanzliche Bronzefarben.

Unter dieser Bezeichnung kommen im Handel Erzeugnisse vor, die, unter gewissen Verhältnissen angewendet, den damit überstrichenen Gegenständen einen eigenthümlichen Metallglanz verleihen, so dass sie ein Aussehen erhalten, das bronzirten Gegenständen täuschend ähnlich ist.

Die pflanzlichen Bronzefarben sind nichts anderes als Lackfarben, die in Folge der Art ihrer Bereitung vollkommen rein und frei von fremden Beimischungen sind. Diese Bronzelacke können aus Blauholz oder Rothholz gewonnen werden. Aus Rothholz lässt sich eine herrliche goldgelbe Bronzefarbe herstellen; man kann die Farbe aber auch so bereiten, dass die damit überzogenen Gegenstände aussehen etwa wie die Flügelfarbe der Goldkäfer, also einen goldgrünen Metallschimmer besitzen. In beiden Fällen stellt man zuerst einen möglichst reinen Lack dar, den man auf folgende Weise erhält: Rothholz wird mit Wasser ausgekocht, die Abkochung mit einer sehr geringen Menge Carbolsäure versetzt und während einiger Wochen ruhig stehen gelassen. Die mittels eines Hebers von dem Niederschlage abgezogene Flüssigkeit wird erhitzt, mit etwa 20 Proc. Alaun von der ursprünglichen Rothholzmenge versetzt und bleibt weiter etwa eine Woche lang ruhig stehen. Hierbei bildet sich ein Niederschlag, den man abfiltrirt, auswäscht und dann, je nachdem er angewendet werden soll, trocknet oder in nassem Zustande verarbeitet.

Soll die Bronzefarbe in Form von Wasserfarbe Verwendung finden, so lässt man sie nur soweit eintrocknen, dass ein dicker Brei entsteht. Diesen mengt man mit etwa 15 Proc. dickflüssiger Gummilösung und erhält eine dickflüssige Masse, die sich noch mit dem Pinsel streichen lässt. Wenn man den Ueberzug auf der zu bronzirenden Fläche so dick macht, dass er die Unterlage vollkommen deckt, so erscheint die bestrichene Fläche nach dem Trocknen in goldgrüner Farbe.

Will man mit Hilfe dieser Masse eine Farbe erzeugen, die der Goldbronze sehr ähnlich ist, so muss man wie folgt verfahren. Man schmilzt Seife unter Zusatz von möglichst wenig Wasser in einem Gefäss, welches in ein anderes mit heissem Wasser gefülltes eingesetzt wird. Nachdem die Seife vollständig gelöst ist, setzt man ihr allmählich eine der Seifenmenge gleiche Menge weisses Wachs bei und fügt schliesslich so viel Wasser zu, dass die Flüssigkeit nach dem Erkalten so consistent wird wie massig dicker Firniss.

Die so gewonnene Flüssigkeit vermengt man mit einer entsprechenden Menge des noch feuchten Rothholzlacks, trägt diese Mischung auf Papier, Holz oder Leder, reibt dann den trocken gewordenen Anstrich mit einer Glaskugel und erzielt so allmählich eine sehr schöne Goldbronzefärbung. Diese Art der Bronzirung benutzt man sehr viel in der Tapetenfabrikation und Luxuspapierfabrikation. Damit diese Ueberzüge auch gegen die Einwirkung des Wassers geschützt seien, braucht man sie nach vollständigem Austrocknen nur mit durchsichtigem Firniss zu überziehen. Es ist auch möglich, diese Bronzefarben sogleich mit einem Firniss anzureiben, damit eine zähflüssige Masse entsteht, die sich eben noch streichen lässt.

Die Bereitung der vegetabilischen Bronze aus Blauholz geschieht auf ähnliche Weise. Der Unterschied ist nur der, dass man zur Herstellung von Blauholzlack gewöhnlich eine Auflösung von zweifach Chlorzinn benutzt, wenn man dunkle Bronze erhalten will; helle Goldfarbe wird mit Hilfe von Alaun dargestellt. Durch gleichzeitige Anwendung beider Salzlösungen kann man Nuancen erhalten, die zwischen den eben genannten liegen.

Will man den mit der Alaunlösung hergestellten Niederschlag nuanciren, so kann dies mit Hilfe von doppeltchromsauerm Kali geschehen. Das Hämatoxilin bildet nämlich mit dem Chromoxyd eine tiefblauschwarz gefärbte Verbindung von so intensiv färbender Wirkung, dass man sie geradezu als Schreibtinte verwenden kann. Diese Tinte wird dadurch hergestellt, dass man einer Abkochung von Blauholz eine kleine Menge von Kaliumbichromat beifügt. Wenn man nun dem Niederschlage, den man durch Versetzen einer concentrirten Abkochung von Blauholz mit Alaunlösung erhält, eine sehr geringe Menge des dunkel gefärbten Niederschlages beimengt, so erhält man Farben, die einen eigenthümlichen Metallglanz besitzen, und deren Nuance von der Menge des zugesetzten doppeltchromsauern Kalis abhängig ist. Man muss aber mit dem Zusatz dieses Salzes sehr vorsichtig sein, weil ein ganz geringer Ueberschuss desselben hinreichend ist, die Farbe so dunkel zu färben, dass sie nicht mehr als Bronze verwendbar ist.

Der Farbton des Niederschlages ist von der Concentration der Flüssigkeit und noch anderen Umständen abhängig, so dass es unmöglich ist, für die anzuwendenden Mengen bestimmte Vorschriften zu geben. In der Praxis verfährt man am zweckmässigsten und sichersten auf folgende Weise: Kaliumchromat wird in einer grossen Menge Wasser gelöst und davon zuerst nur sehr wenig zu der Blauholzabkochung gefügt, die man gleichzeitig mit Alaun versetzt. Nach jedesmaligem Zusatz nimmt man eine Probe dieses Niederschlages, versetzt sie rasch mit dem vorerwähnten Gemisch aus Seife und Wachs, dem man ausserdem noch etwas Leimlösung beimengt, und streicht die Mischung auf Papier. Ist die gewünschte Nuance noch nicht eingetreten, so gibt man abermals eine kleine Menge von Kaliumchromat zu, wiederholt die Probe und fährt damit fort, bis das gewünschte Resultat erreicht ist.

Für die Fabrikation von Tapeten und Luxuspapier gibt es nicht leicht Farben, die bei so geringen Herstellungskosten so schöne Effecte geben würden, wie die vegetabilischen Bronzefarben, und diese verdienen daher besonderes Interesse von Seiten der Buntpapier- und Luxuspapierfabrikation. (E. in der Papier-Zeitung.)

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