Titel: Unterirdische Maschine der Grube „Hugo“ in Westfalen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1894, Band 294/Miszelle 12 (S. 239–240)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj294/mi294mi10_12

Unterirdische Maschine der Grube „Hugo“ in Westfalen.

Die im Schachte „Hugo“ zu Buer in Westfalen aufgestellte unterirdische Maschine ist in mehrfacher Hinsicht bemerkenswerth. Wegen geringer Festigkeit des das Schachttiefste umgebenden Gesteines ist dieselbe 260 m vom Schachte entfernt aufgestellt, woselbst die aus den Bauen kommenden Wässer sich in Strecken sammeln, welche als Reservoir dienen; das dem Schachtsumpfe selbst zusitzende Wasser wird, gleichfalls wegen des unfesten Gesteines, durch einen nicht im Niveau dieses Sumpfes, sondern 6 m ober demselben gelegenen Querschlag und mittels Heberrohr dem Reservoir zugeführt. Die Maschine ist 13,5 m ober dem letzteren oder 7,5 m ober den tiefsten Baustrecken angeordnet und hebt das Wasser in einem Satz über 586,5 m Höhe. Dieselbe ist eine liegende Verbundmaschine mit Condensation, deren Kolben durch zwei unter 90° verstellte Kurbeln und eine Schwungradwelle gekuppelt sind.

Der Niederdruckcylinder hat 1,15 m Durchmesser, 1,2 m Hub und betreibt die Hauptpumpe, welche in gewöhnlicher Art aus zwei einfachwirkenden Cylindern mit gemeinschaftlichem Plunger bestellt. Das Druckrohr derselben ist zuerst 58 m hoch bis zu einem Querschlag, dann wagerecht durch diesen 260 m weit und endlich über den Rest der Höhe durch den Schacht geführt. Die Pumpe hat 0,21 qm wirksame Kolbenfläche (0,192 m Kolben- und 0,1 m Kolbenstangendurchmesser), 1,2 m Hub und liefert bei 48 Touren in der Minute 2,4 cbm Wasser. Die Ventile sind Etagenventile mit je vier Ringen, deren Durchmesser vom untersten bis zum obersten abnimmt. Jeder Ring besteht aus drei durch Bolzen verbundenen Theilen, einem unteren aus Bronze, einem mittleren aus gut gegerbtem Leder und einem oberen aus Gusseisen; die Ventilsitzflächen sind konisch geformt, daher die Lederringe an den äusseren und inneren, über die Metallringe vorragenden Rändern etwas aufgestülpt.

Der Hochdruckcylinder hat 0,7 m Durchmesser und 1,2 in Hub; sein Volum ist gleich vier Elftel von dem des Niederdruckcylinders. Er treibt mittels Schubstange und eines dreiarmigen Hebels zwei senkrechte Hubpumpen, welche das Sumpfwasser der Hauptpumpe zufuhren und zugleich als Condensatorpumpen fungiren. Dieselben heben 3,8 cbm Wasser in |240| der Minute auf 13,9 m Höhe, daher um 3,8 – 2,4 = 1,4 cbm mehr als die Druckpumpen, um eine vollständigere Condensation des Dampfes zu erzielen; dieser Ueberschuss von 1,4 cbm fällt wieder in das Saugreservoir zurück.

Versuche ergaben bei 40 Touren in der Minute, 1,64 at mittlerer wirksamer Dampfspannung im Hoch- und 0,99 at im Niederdruckcylinder, einen Dampfverbrauch von 3531 k in der Stunde; da aber 790 k davon in der Dampfleitung condensirt werden, verbrauchte die Maschine nur 2741 k oder 9,54 k für 1 reiner Leistung und Stunde. Dieser grosse Dampfverlust von 22,4 Proc. in der Leitung wird sich wesentlich vermindern, sobald die beabsichtigte zweite Maschine in Gang kommt. Das Verhältniss der reinen Leistung zur indicirten Arbeit des Dampfes wurde zu 0,825 bestimmt.

Die Anlage wird aus zwei ganz gleich ausgeführten Maschinen der beschriebenen Construction bestehen, welche in zwei getrennten ausgemauerten Räumen angebracht werden. Das rund 1000 m lange Dampf- und das 940 m lange Pumpensteigrohr dient jedoch gemeinschaftlich für beide Maschinen. Die Verbindungen sind bei den Dampf- und Wasserröhren durch Kautschukringe gedichtet, welche in eine rings herum laufende Vertiefung der einen Flansche eingelegt und durch einen entsprechenden Vorsprung der anderen Flansche niedergehalten sind. Eine Dichtung aus biegsamem Asbest hatte sich bei der früheren Dampfleitung nicht bewährt, da dieses Material mit der Zeit erhärtete und die Verbindung undicht wurde. Die Umhüllung der Dampfröhren besteht aus einer 10 mm dicken Schicht Kieselguhr, auf welche 45 mm dicke Halbcylinder aus Papiermasse gelegt und durch eine Blechhülle zusammengehalten sind.

Zuerst wurde nur eine der beiden Maschinen aufgestellt, um das Verhalten der Pumpen bei dem gewaltigen Wasserdruck von 60 at zu erproben; nachdem der normale Betrieb derselben seit Februar 1893 sich befriedigend gestaltet hatte, wurde im September die zweite Maschine in Bestellung gegeben. (Berg- und Hüttenm. Zeitung vom 21. Juli 1894.)

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