Titel: Beleuchtung des Reichstagsgebäudes.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1894, Band 294/Miszelle 14 (S. 240)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj294/mi294mi10_14

Beleuchtung des Reichstagsgebäudes.

Die probeweise Beleuchtung des Reichstagsgebäudes durch elektrisches Licht fand vor kurzer Zeit in Gegenwart mehrerer Sachverständiger und Interessenten statt. Die Zuführung des Stromes geschieht durch neun Kabel, die sich zu je drei nach dem Süden, Osten und Norden vertheilen. Drei Kabel führen jedesmal zu einem Hauptvertheilungs-Schalterfelde, von dem dann Abzweigungen nach den einzelnen Stockwerken gehen. Den Verbrauch des Stromes zeigen Aron'sche Elektricitätszähler an. Die für die Lampen nothwendigen Drahtleitungen belaufen sich auf 40 000 m und auf 6000 m asphaltirte Kabel; bilden somit eine Gesammtlänge von über sechs deutschen Meilen. In dem Gebäude befinden sich 62 Bogenlampen, von denen 16 mit einer Leuchtkraft von 15000 Kerzen auf den grossen Sitzungssaal entfallen. Ausserdem umfasst die Beleuchtung noch 5000 Glühlichte. Der zugeleitete Strom hat eine Stärke von 3600 Ampère oder eine Gesammtstärke von 360 . Davon werden 300 für die Beleuchtung, 60 für 14 Ventilatoren gebraucht, die durch vier Schachte die Luft von oben einziehen und bis in das Erdgeschoss treiben, von wo sie erwärmt den einzelnen Räumen zugeführt wird. In dem Luftraum des Erdgeschosses entsteht durch die Thätigkeit der Ventilatoren ein derartiger Sturm, dass man Hut und Kleider festhalten muss. Von diesem Sturm merkt man aber in dem Sitzungssaal nichts. Wird der ganze Strom von 3600 Ampère in Anspruch genommen, so entstehen dadurch etwa 200 M. Kosten für die Stunde. Das ganze Haus kann durch drei Schläge auf einmal erhellt werden. Am Probetage waren nur 16 Bogenlampen und 4000 Glühlichte in Thätigkeit; die übrigen Beleuchtungskörper werden demnächst aufgestellt werden. Aber auch schon die Probe machte einen grossartigen Eindruck.

(Der Müller.)

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