Titel: Neuere Schachtabteufen in wasserreichem Gebirge.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1895, Band 295 (S. 73–80)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj295/ar295019

Neuere Schachtabteufen in wasserreichem Gebirge.

(Fortsetzung des Berichtes Bd. 294 * S. 102.)

Mit Abbildungen.

Die Anwendung bearbeiteter Tübbings beim Schachtabteufen.

In der Zeitschrift für das Berg-, Hütten- und Salinenwesen im Preussischen Staate, 1893 Bd. 41 S. 100, beschreibt H. Lueg unter dem Titel: „Ueber Neuerungen beim Schachtabteufen im Braunkohlengebirge“ zunächst den Arbeitsvorgang bei einigen Schachtabteufen mittels gemauerten Senkschachtes, Getriebezimmerung und unter Anwendung unbearbeiteter eiserner Tübbings. Von diesen Arbeiten erfüllte nur ein Theil ihren Zweck, mehrere Schachtabteufen mussten verlassen werden, da der angewendete Ausbau dem auftretenden Gebirgsdrucke nicht den nöthigen Widerstand entgegensetzte. Hierauf bespricht Lueg eingehend das Abteufen des Schachtes III der Gewerkschaft „Ernst zu Düderode“ bei Seesen am Harz. Beim Abteufen der Schächte I und II derselben Gewerkschaft erwuchsen durch mächtige Lagen eines stark treibenden und gasreichen Thones erhebliche Schwierigkeiten, so dass für den Schacht III gusseiserne bearbeitete Tübbings mit verwendet wurden. Der Durchmesser des runden Schachtes war zu 4,0 m im Lichten vorgesehen, die Höhe der einzelnen Tübbing-Segmente wurde wegen des raschen Aufblähens des Thones nur zu 0,6 m genommen, bei 0,05 m Wandstärke in der Höhe der Flanschen und 0,06 m Wandstärke im mittleren Theile.

Textabbildung Bd. 295, S. 73

Am 18. Juli 1892 begannen die Arbeiten; bis zum 30. Juli wurden 12 m abgeteuft und vorläufig mittels Eisenringen aus ⊔-Eisen von 5,6 m lichtem Durchmesser, 180 mm Höhe, 180 mm Flanschenbreite und 10 mm Wandstärke ausgebaut. Die Ringe wurden in 1 m Abstand verlegt und mit 8 cm starken Schwarten hinterzogen. Darauf wurde am 1. August der Mauerfuss begonnen, unter Zurückbauen des vorläufigen Ausbaues die Mauerung 1½ Stein stark mit 4,9 m lichter Weite aufgeführt und am 7. August vollendet. Die Fig. 1 zeigt den fertigen Schacht. Während bis dahin das Abteufen

2 m Lehm,
2 sandigen Lehm,
0,5 wasserführendes Gerölle,
0,5 halbblauen Thon,
5,1 Kohle,
5,5 wenig treibenden blauen Thon

durchsunken hatte und ohne Haspelbetrieb erfolgt war, wurde vom 8. bis 12. August der provisorische Förderthurm aufgestellt und eine Dampfförderung eingerichtet. Vom 16. bis 26. August wurden weitere 10 m in demselben Thone abgeteuft und mit ähnlichem vorläufigem Ausbau von 5,10 m lichter Weite versehen. In 22 m Tiefe fing man einen neuen Mauerfuss mit 4,35 m lichtem Durchmesser an und führte denselben bis zum 4. September 2 m hoch fort, hierauf verlagerte man einen eisernen Haupttragring, an den die eisernen Tübbings angehängt werden sollten, hintergoss denselben mit Cement und setzte die Mauerung in 2 Stein Stärke unter Mitführung von Ankerschrauben fort; im oberen bereits gemauerten Schachttheile lagen die Ankerstangen an der Innenseite der bisherigen Mauer an, innerhalb derselben wurde noch eine Steinstärke weiter aufgemauert; 1 m unter Tage wurden die Ankerschrauben mit den Ankerplatten verschraubt.

Diese Arbeiten waren am 26. September beendet, hierauf liess man dem Mauerwerke 8 Tage Zeit zum Abbinden. Mit Hilfe der inzwischen aufgestellten Fördermaschine wurde dann jedesmal um die Höhe eines Tübbingringes, also 0,6 m, abgeteuft und der Ring sofort angehängt. Hierbei war das Blähen des Thones zum Theil so bedeutend, dass vor dem Einbau der letzten Segmente der Schachtstoss wieder nachgenommen werden musste; über der am meisten treibenden Schicht wurde in 29 m Tiefe noch ein Hilfstragring eingebaut. Die durchschnittliche tägliche Leistung für Abteufen und Einbau betrug etwas mehr als einen Ring. Nachdem bei 52 m Tiefe durch Vorbohren festgestellt war, dass man bis zum Kohlenflöze noch 4 m abzuteufen habe, unterblieb der Einbau weiterer Tübbings; man teufte mit Hilfe des oben erwähnten vorläufigen Ausbaues bis auf die Kohle ab, erreichte am 11. November 1892, also nach nicht ganz 5 Monaten, das Flöz und mauerte die untersten 4 in aus, der Anschluss der Mauerung an die Tübbings erfolgte durch Picotage. Die Fertigstellung des Schachtes fand ohne Zwischenfall statt; an den Tübbings zeigte sich trotz des starken Druckes keine Veränderung.

Die Schachtstopfbüchse.

Von der Firma Haniel und Lueg in Düsseldorf wurde auf Anregung des Directors Simon von den Kaliwerken zu Aschersleben für den Ausbau des neuen Schachtes IV die Schachtstopfbüchse (D. R. P. Nr. 65012) construirt zum |74| Anschluss einer unteren Cuvelage an eine bereits eingebaute (vgl. auch den oben angezogenen Aufsatz in der Preussischen Zeitschrift, 1893 S. 109). Die Stopfbüchse, deren Einzelheiten aus Fig. 2 und 3 ersichtlich sind, ersetzt somit die Picotage einer verbleibenden Fuge, auch die Anwendung eines sogen. Passringes; es lassen sich nämlich die beiden obersten Ringe des Satzes B und C stopfbüchsenartig gegen einander verschieben, die dichtenden Ringflächen sind abgedreht. Die weitere Abdichtung kann auf verschiedene Weise, z.B. durch Anbringung einer ringförmigen Manchette a, erfolgen, die Fugen werden, wie üblich, durch Bleieinlage b gedichtet. Um den Einbau des letzten Segmentes des inneren Ringes zu ermöglichen, ist die aus Fig. 3 ersichtliche besondere Bauart gewählt. Das betreffende Segment S ist schmäler gearbeitet, die entstehende breitere Fuge wird durch ein Keilstück k und Dichtungslagen b geschlossen, welche durch das Anziehen der Verschlusscbrauben s zusammengepresst werden.

Textabbildung Bd. 295, S. 74

Verfahren zum Abdichten der Cuvelage in der Schachtsohle unter Wasser von H. Grossmann (D. R. P. Kl. 5 Nr. 55981).

Grossmann schlägt vor, auf die Sohle des Schachtes, in welchen eine Cuvelage eingesenkt ist, zum wasserdichten Anschlusse derselben eine Masse zu bringen, welche in der Wärme schmilzt, und auf diese dann eine engere Cuvelage von geringer Höhe unten geschlossen einzulassen. Darauf soll durch den Boden der letzteren Dampf eingeführt werden, so dass die Masse schmilzt und unter dem Gewichte der engeren Cuvelage zwischen dieser und der äusseren in die Höhe steigt und im erkalteten, erhärteten Zustande einen wasserdichten Abschluss bildet. – Der praktischen Anwendung dieses Vorschlages dürften mancherlei Hindernisse erwachsen.

Das Abteufen der Schächte II und III auf Zeche Deutscher Kaiser bei Hamborn.

Die Mittheilungen von Locke über das Abteufen der neuen Schächte der Grube Deutscher Kaiser in der Zeitschrift für das Berg-, Hütten- und Salinenwesen im Preussischen Staate, 1893 Bd. 41 S. 216, sind von besonderem Interesse, weil ausser dem Arbeitsvorgange auch die Kosten eingehend angeführt werden. Beide Schächte wurden als Senkschächte zum Theil in Mauerung, zum Theil in eiserner Cuvelage in todtem Wasser mittels Abbohren niedergebracht.

Das Abteufen des Schachtes II begann im Frühjahr 1888 in folgendem, durch mehrfache Bohrungen festgestelltem Gebirgsprofil:

16 m Lehm und wasserreicher Sand,
20 wasserhaltiger blauer sandiger Thon,
10 wasserärmerer sandiger Thon,
22 lettiger Thon,
13 graue fette Lettenschichten,
164 festere Thonschichten,
33,5 Kreidemergel
–––––––––
278,5 m bis zum Steinkohlengebirge.

Die wasserreichen Schichten erstreckten sich vom Grundwasserspiegel, der bei 3,0 m Tiefe angetroffen wurde, bis zu 46 m Tiefe; der Wasserzufluss betrug zwischen 10 und 20 m Tiefe vielfach 1,0 bis 1,5 cbm in der Minute. Die Fundamentmauern für das Schachtgerüst wurden bei 3,0 m Tiefe angesetzt und ruhten auf Rahmen aus Buchenholz von 80 mm Stärke; sie wurden bis 2,2 m über die Oberfläche aufgeführt. Darauf schritt man am 5. Mai 1888 zum Niederbringen eines gemauerten Senkschachtes von 8,5 m lichtem Durchmesser und 1,0 m Mauerstärke. Vom Senkschuh aus wurden in der Schachtmauer 24 eiserne Ankerstangen aus 60 mm starkem Rundeisen in die Höhe geführt, äusserlich wurde der Senkschacht zur Verminderung der Reibung mit glatt bearbeiteten Buchenbrettern von 26 mm Stärke dicht bekleidet. Nachdem die Ausschachtung bis zum Wasserspiegel mit der Hand erfolgt war, schritt man zur Anwendung von Handsackbohrern von 0,1 cbm Inhalt; von 15,0 m Teufe ab wurde jedoch (December 1888) maschinelle Bohrung mit einem Doppelsackbohrer von 4,0 m Durchmesser, sowie Erweiterungs- und Unterschneidemessern angewendet. Das Bohrgestänge war ein Hohlgestänge von 404 mm lichtem Durchmesser, die Verbindung der einzelnen Theile erfolgte durch angenietete Muffe und gusstählerne Kreuzkeile; zum Halten des Gestänges beim Aufholen und Einlassen dienen angenietete Winkeleisenringe. Das Hohlgestänge bietet den grossen Vortheil, dass es bei der Drehbewegung des Bohrers nicht federt. Namentlich in lehmigem Boden stellte sich hierbei der Uebelstand heraus, dass die gelösten Massen sich zusammenballten und nicht in die Säcke gelangten, auch musste man, nachdem 20 cm Tiefe abgebohrt waren, stets wieder aufholen. Um diesen Uebelstand zu vermeiden1), wendete man zum ersten Male beim Schachtabteufen das folgende Verfahren an: die Säcke wurden vom Bohrer entfernt und es wurde nur mit dem Gestell des Bohrers weiter gebohrt, so dass die Massen nur gelockert wurden, zum Aufholen derselben diente der Pristmann'sche Bagger. Auf diese Weise konnte man 40 bis 60 cm abbohren, dann wurde der Bohrer gehoben, die losgetrennten Massen mittels des Greifbaggers aufgeholt und in Bergewagen von 1 cbm Inhalt entleert. Zunächst wurde ein 3,0 m tiefer und 4,0 m weiter Einbruch vorgebohrt, dann auf 8,5 m erweitert und endlich der Senkschuh unterschnitten. Hierbei verfuhr man derart, dass mit dem Unterschneiden etwa 1 m unter dem Schuh begonnen und dann aufwärts fortgefahren wurde. Wenn |75| der Senkkörper in Folge der Belastung in Bewegung gerieth, drückte er die unter dem Schuh noch anstehende Gebirgsmasse fort und sank auf die Sohle herunter; bei ungestörter Arbeit konnte man in 24 Stunden einen 1,8 m tiefen Einbruch herstellen und 0,5 m unterschneiden, die monatliche Maximalleistung beim Senkbetriebe betrug 9,0 m. Bei 21,7 m Teufe konnte der Mauerschacht, der entsprechend dem Einsinken oben fortgeführt worden war, nicht weiter gesenkt werden; deshalb füllte man 10 m Kies in denselben ein, um beim Sümpfen der Wasser einen Gegendruck gegen das schwimmende Gebirge zu haben, und montirte auf dem Kies den Senkschuh für den ersten gusseisernen Senkschacht. Die Schachtringe bestanden je aus 12 Segmenten von 1,2 m Höhe, jeder Ring wog 18000 k. Der lichte Durchmesser betrug 7,0 m, die Wandstärke 63 mm, die Flanschenbreite 180 mm, so dass der äussere Schachtdurchmesser sich zu 7,36 m ergibt. Die Verbindung der aufs genaueste bearbeiteten Segmente erfolgte durch Schraubenbolzen, die Abdichtung durch Einlegen von 3 mm starken Bleistreifen. Zur Führung des eisernen Senkschachtes dienten 8 senkrecht eingebaute, am Mauerschachte befestigte Masten aus Tannenholz von 0,56 m Durchmesser. Der Tübbingaufbau findet von einer schwebenden Bühne aus statt. Durch Ausbaggern des Kieses und Abteufen im todten Wasser konnte der Schacht bis 37 m Tiefe niedergebracht werden, dort fanden sich grössere Kreidemergelblöcke; auch nach thunlichster Entfernung dieser letzteren konnte der Schacht nicht weiter gesenkt werden.

Man brachte daher abermals eine Kiesschüttung auf die Schachtsohle, sümpfte die Wasser und montirte den Senkschuh für einen zweiten eisernen Senkschacht von 6,5 m lichtem Durchmesser und im Uebrigen gleicher Bauart wie der erste Schacht; das Gewicht eines Ringes betrug 17000 k, die Führung des Schachtes wurde durch 8 im ersten eisernen Schachte befestigte ⊔-Eisen bewirkt. Bei Erreichung von 43 m Teufe (Ende März 1890) sank der Schacht plötzlich um 4,6 m, so dass der Senkschuh 47,6 m Tiefe erreichte. Die beiden anderen Schächte sanken fast um dasselbe Maass mit und kamen dabei am oberen Ende um 0,6 m aus dem Lothe, da der 6,5-m-Schacht auf einer Seite auf einige grössere Mergelblöcke aufgesetzt hatte. Der Versuch, nach Entfernung der Blöcke, die Schächte wieder in die lothrechte Lage zu bringen, erwies sich als nicht ausführbar; darauf stellte man fest, dass die lothrechte Einbringung eines dritten gusseisernen Senkschachtes von 5,5 m lichtem Durchmesser noch möglich sein würde. Bis zur Beschaffung der erforderlichen Tübbings brachte man zwischen den drei bisherigen Senkschächten zur besseren Verbindung je eine Betonschicht von 10 m Höhe ein und liess denselben vom April 1890 bis Januar 1891 Zeit zum Erhärten.

Auf eine nochmalige Kiesschüttung wurde nunmehr ein aus 10 Segmenten bestehender Senkcylinder von 5,5 m lichtem Durchmesser auf entsprechendem Schuhe eingebaut aus Ringen von 1,5 m Höhe und je 17800 k Gewicht, nachdem zur Beschaffung von mehr Raum der 6,5-m-Schacht bis zur Tiefe von 24 in ausgebaut war. Zur Führung des 5,5-m-Schachtes dienten 8 eichene Masten von 210 mm Querschnitt im Quadrat. Nach Aufbau von 15 m Schachthöhe entfernte man die unter dem Senkschuh verlegte Brettunterlage (Mai 1891) und liess den Schacht einsinken; derselbe wurde dann bis zu Tage aufgebaut und wieder zum Beginn des weiteren Abteufens unter Wasser gesetzt. Nachdem die Kiesfüllung entfernt und mittels Bohrbetrieb 2 m weiter abgeteuft waren, sank der Schacht plötzlich durch 10 m sandige Thonmassen hindurch, so dass er am 2. Juli 1891 die Teufe von 59,6 m erreichte. Man bohrte dann weiter ab und konnte den Schacht bis zum 31. Januar 1892 bis zu 95,5 m Teufe weitersenken, dann versagten aber die angewendeten Pressversuche und, da man zu gleicher Zeit festeres Gebirge erbohrt hatte, glaubte man den Versuch machen zu dürfen, den Schacht zu sümpfen und dann das Abteufen mit der Hand fortzusetzen; es war beabsichtigt, die weiteren Tübbings unterzuhängen. Zur Vorsicht brachte man auf die Schachtsohle eine 4,5 m starke Betonschicht und liess derselben 5 Wochen Zeit zum Erhärten. Bei dem dann erfolgenden Sümpfen durchbrach jedoch der äussere Druck die Betonsohle, es war daher das Weiterarbeiten auf der Schachtsohle noch nicht möglich.

Daher beschloss man, einen vierten gusseisernen Senkschacht von noch 5,0 m lichtem Durchmesser einzubauen; man holte die Trümmer der Betonsohle und die eingebrochenen Berge auf und musste dann wegen Beschaffung der Schachtringe das Abteufen bis Ende October 1892 einstellen, nachdem der Schacht mit Wasser gefüllt worden war. Am 10. März 1893 erreichte dieser Schacht bei 104 m standhaftes Gebirge, so dass nach Durchteufung einiger weiterer Meter die Wahrscheinlichkeit vorhanden sein dürfte, das Abteufen durch Arbeiten auf der Schachtsohle und durch Unterhängen der Schachtringe weiter fortzusetzen.

Die Kosten für das Abteufen von Schacht II bis zu 95,5 m Tiefe stellten sich wie folgt:

A. Vorrichtungen über Tage, einschliess-
lich Bohrzeug und Bagger

146552

M.
B. Kosten der Senkmauer von 10,5 m
äusserem und 8,5 m innerem Durch-
messer bis 22 m Tiefe, einschliesslich
Abbohren



40470



C. Einbau des ersten gusseisernen Senk-
cylinders von 7,0 m lichtem Durch-
messer und Abbohren bis 42,8 m Tiefe


128116


D. Einbau des zweiten eisernen Senk-
schachtes von 6,5 m lichtem Durch-
messer und Absenken bis zu 47,6 m
Tiefe (abzüglich wiedergewonnenes
Material)




113850




E. Kosten des dritten gusseisernen Schach-
tes von 5,5 m Durchmesser bis 95,5 m
Teufe


246283


F. Allgemeine Ausgaben 59350
–––––––––––
Hauptsumme 734621 M.

Demnach erforderte 1 m Schacht bis zur Teufe von 95,5 m rund 7700 M.

Das Abteufen bei Schacht III ging in ähnlicher Weise von statten. Das Gebirgsprofil war das folgende:

4,5 m Lehm und wasserhaltiger Sand,
9,9 wasserreicher Sand und Kies,
17,6 wasserhaltiger sandiger Thon,
7,0 zäher grauer Thon,
15,0 „ blauer Thon,
6,3 compacter grauer Thon,
4,2 stark wasserführender Sand,
5,5 grüner zäher Thon,
11,0 grauer fetter Thon,
94,0 durchweg consistente Thonschichten,
3,0 Sandstein
––––––––
178,0 m Bohrlochteufe.

Die stark wasserführenden Schichten reichten also von |76| 5,5 m unter Tage, woselbst man den Grundwasserspiegel erreichte, bis zu 32,0 m Teufe, ausserdem befand sich in 60 bis 64,5 m Teufe stark wasserführender Sand.

Nach Beendigung der erforderlichen Vorarbeiten begann das Abteufen am 5. September 1889, der gemauerte Senkschacht besass 8,0 m lichten Durchmesser und 920 mm Mauerstärke; derselbe konnte bis 19,5 m Tiefe niedergebracht werden und zwar schachtete man bis 15 m Teufe mittels Handsackbohrer aus und schaffte die Massen mittels Becherwerk zu Tage; sodann begann der maschinelle Bohrbetrieb wie bei Schacht III. Der Pristmann'sche Bagger bewährte sich auch hier sehr gut, namentlich auch im weiteren Verlaufe des Abteufens, als bei 30 bis 35 m Tiefe grössere Geschiebemassen angetroffen wurden. Im Februar 1890 wurde der erste gusseiserne Senkcylinder von 7,0 m lichtem Durchmesser montirt und es gelang, denselben bis zum 5. September desselben Jahres bis zu 49 m Teufe niederzubringen. Der zweite Senkcylinder von 6,0 m Durchmesser wurde von December 1890 bis Februar 1892 nach Ueberwindung mancher Schwierigkeiten bis zu 70,3 m Tiefe niedergebracht, dann versagten jedoch die hydraulischen Pressen, trotzdem mit einem Drucke von 1920000 k gearbeitet wurde. Der dritte 5,50 m weite Senkschacht konnte bis zu 75,8 m Teufe abgesenkt werden, dann erfolgte vom Juli 1892 ab das weitere Abteufen durch Arbeit auf der Sohle und Unterhängen der übrigens unbearbeiteten Tübbingringe. Die mit der Keilhaue gelösten Massen wurden mit dem Kübel gefördert und der Eisenausbau durch besonders vorgesehene Löcher mit Cement hintergossen, in Abständen von 10 bis 20 m, je nach der Gebirgsbeschaffenheit, wurden Keilkränze verlegt. Ende Juli 1892 erreichte man 81,7 m Tiefe, Ende August 100,3 m und Anfang October 126,7 m, Ende December 1892 wurde bei 173 m Teufe das Steinkohlengebirge erreicht, und Mitte März 1893 206 m Teufe. Inzwischen hatte man den oberen Theil des 5,5-m-Schachtes bis zu 60 m Teufe zurückgebaut und benutzte die hierbei gewonnenen Ringe ebenfalls zum Unterbauen.

Die Kosten des Schachtabteufens betrugen bis zu 126,7 m Teufe – wenn man auch die Kosten der Vorrichtungen über Tage in Rücksicht zieht – rund 856000 M., d.h. auf 1 m Schachttiefe 6750 M. Da jedoch das Unterbauen der Schachtringe von 75,8 m Teufe ab für 1 m nur etwa 1900 M. kostete, so dürften die Abteufkosten des Schachtes nach dessen Fertigstellung im Durchschnitte sich niedriger stellen.

Verdichtung einer Senkmauer durch Taucher. 2)

Beim Abteufen des Schachtes III der Zeche Rheinpreussen (Bergrevier Düren) war ein Senkschacht von 6,5 bezieh. 8,4 m Durchmesser bis zu 41 m Tiefe niedergebracht worden, beim Auspumpen zeigten sich in demselben ausser mehreren kleineren drei grössere Risse von 100 bis 500 mm Breite in einer Tiefe von 8 bis 20 m, welche durch das ganze Mauerwerk hindurch gingen. Die Verdichtungsarbeiten wurden von einer schwebenden Bühne aus durch Taucher unter Wasser bei Verwendung von Glühlampen von 50 Normalkerzen ausgeführt. Nach Reinigung der Risse vom eingelaufenen Sande wurden dieselben bis zu 100 mm Weite durch Holzkeile gedichtet, die grösseren Oeffnungen wurden vorn mit ganzen Ziegelsteinen und trockenem, in leinene Säckchen verpacktem Cement lagenweise zugesetzt und die dahinter verbleibenden Hohlräume von Meter zu Meter mit dickflüssigem Cementmörtel verfüllt. Der letztere wurde von Tage her in 100 mm weiten schmiedeeisernen Rohren mit anschliessendem Gummischlauche von 4 m Länge und 50 mm Weite eingelassen. Die Cementsäckchen wurden beim Verlegen an verschiedenen Stellen mit dem Maurerhammer eingehauen und dadurch die Verbindung zwischen den Ziegelsteinlagen hergestellt. Nach dem Auspumpen des Schachtes zeigte sich die Verdichtung als völlig gelungen.

Unterricht im Tauchen an der Bochumer Bergschule.

Mit Rücksicht auf vorstehende Mittheilung dürfte es von Interesse sein, zu erwähnen, dass den Schülern der Bochumer Bergschule von dem Tauchermeister der Westfälischen Berggewerkschaftskasse H. W. Bracht3) seit einigen Jahren Unterricht in der Taucherkunst ertheilt wird; die Betheiligung an dem Cursus ist eine freiwillige. Zur Abhaltung der Uebungen ist in diesem Jahre ein Schacht von 3 m lichtem Durchmesser bis zu 20 m Tiefe abgeteuft und in Mauerung gesetzt worden; die Sohle ist betonirt und mit Vorrichtungen versehen, den Wasserstand beliebig zu regeln. Der Schacht ist mit eiserner Fahrung versehen. Nach entsprechenden Vorübungen führen die Taucherschüler 20 m unter Wasser verschiedene Arbeiten aus: kleine Pumpen montiren, Stopfbüchsen lidern, Gestänge zusammenschrauben u.s.w. Das Tauchen wird bis zu dieser Tiefe von den meisten Schülern noch ziemlich gut vertragen.

Senkschächte mit Rohren in den Wandungen.

Beim Niederbringen von Senkschächten entstehen nicht selten dadurch Schwierigkeiten, dass der Senkschuh in Lettenschichten nur schwer eindringt oder auf grössere Gerölle aufsetzt. Schon früher haben Cassé und Grossmann4) vorgeschlagen, sowohl den Senkschuh, als auch die Tübbings mit einer entsprechenden Anzahl senkrechter, 26 mm weiter röhrenartiger Aussparungen zu versehen und durch diese die erwähnten Hindernisse mittels Einpressen von Luft oder Wasser zu beseitigen.

Ein ähnliches Verfahren5) ist im J. 1890 mit gutem Erfolge beim Abteufen eines Senkschachtes der Braunkohlengrube Neue Hoffnung bei Pömmelte zum Durchteufen eines 12 m mächtigen Kieslagers angewendet worden, indem in den gemauerten Schacht und den dazu gehörigen Senkschuh statt massiver senkrechter Ankerstangen schmiedeeiserne patentgeschweisste Rohre eingebaut wurden.

III. Schachtabteufen mittels Senkrechtansteckens (Spundwand).

Die Methode des Senkrechtansteckens, ursprünglich als Bohlenwand ausgeführt, hat in neuerer Zeit mannigfaltige Abänderungen erfahren, denen das Bestreben zu Grunde liegt, das Eindringen der Theile der Spundwand zu erleichtern, die Verbindung derselben auch bei Anwendung |77| für grössere Tiefen zu gewährleisten und unter Umständen die Spundwand völlig wasserdicht herzustellen.

Verfahren von Haase nebst Abänderungen.

Textabbildung Bd. 295, S. 77

Haase's Verfahren beruht bekanntlich darauf, dass in den Schachtstössen bis auf wassertragende Schichten Bohrlöcher niedergebracht und mit Verrohrungen von solchem Querschnitte versehen werden, dass diese mittels Feder und Nuth in einander greifen und eine Spundwand bilden. Nach der ursprünglichen Methode (D. R. P. Kl. 5 Nr. 29230 vom Jahre 1884) waren die Bohrlochsverrohrungen aus gewalztem Façonstabeisen und Flacheisen durch Vernietung hergestellt (Fig. 4), die Abflachung des kreisförmigen Querschnittes soll die Geradführung durch die Lehrjöcher erleichtern. Durch D. R. P. Nr. 52348 vom Jahre 1889 wurde unter Wahrung des Princips der Rohrquerschnitt vereinfacht (Fig. 5 und 6); an patentgeschweisste glatte Röhren sind ⊥- bezieh. ⌞-Eisen zur Bildung von Nuth und Feder angenietet, bei Fig. 6 sind diese Eisen mit eigenartigen Köpfen versehen, wodurch die einzelnen Rohre der Spundwand gegen Auseinanderziehen und Querverschiebung geschützt sind. In dieser Form ist das Verfahren mehrfach mit gutem Erfolge bis zu Tiefen von etwa 15 m angewendet worden.6)

Textabbildung Bd. 295, S. 77

Im J. 1890 hat dann Eichler (D. R. P. Nr. 63841) zwei andere Ausführungen vorgeschlagen, durch welche die Rohre zu einem Systeme derartig verbunden werden, dass nur noch eine gegenseitige Verschiebung in der Verticalen möglich ist, um das allmähliche Vortreiben der Rohr wand zu gestatten. In der einen Ausführung (Fig. 7) sind die Wandungen der Nuthen mit Längsschlitzen S versehen, in denen sich feste, in den Federn des benachbarten Rohres befestigte Bolzen B führen; hierdurch ist eine gegenseitige Verticalbewegung um die Länge der Schlitze S thunlich. Bei der zweiten Anordnung (Fig. 8) wird die Führung durch Keile K bewirkt, die mit 1 bis 2 m Abstand in die Federn eingesetzt werden und in entsprechende, über die ganze Länge verlaufende Aussparungen L der Nuthen des benachbarten Rohres passen. Diese Form von Feder und Nuth gestattet ein Picotiren derselben nach erfolgter Ausschachtung, um die Rohrwand wasserdicht zu machen. Zur Verstärkung wird Beton B in die Rohre und auch zwischen dieselben gefüllt, nachdem mit Hilfe der Lehrjöcher M Blechstreifen O eingebracht sind. Diese Ausführung des Haase'schen Verfahrens hat sich auf der Braunkohlengrube Neue Hoffnung bei Pömmelte, Bergrevier Magdeburg, bewährt.7)

Haeuser's Verfahren beim Senkrechtanstecken. 8)

Nachdem durch mehrfache Bohrungen die Kohlenführung eines 260 ha umfassenden Feldes nachgewiesen war, schritt man in der Nähe des Bahnhofes Zwenkau, woselbst eines der Bohrlöcher niedergebracht war, zum Abteufen zweier Schächte. Das Gebirgsprofil ist das folgende:

33,0 m Deckgebirge, bestehend aus wechsellagerndem
Thon und Sand,
9,9 Schwimmsand,
5,9 Braunkohle des Oberflözes,
3,3 Zwischenmittel,
15,2 Braunkohle des Hauptflözes
––––––––
67,3 m Gesammttiefe.

Am 5. Mai 1890 begann das Abteufen des Wasserhaltungsschachtes mit rechteckigem Querschnitte von 4,25 × 2,50 m lichter Weite; der Ausbau bestand in Bolzenschrotzimmerung mit dichter Verpfählung und Kieshinterfüllung; 4 Eck- und 2 Mittelwandruthenstränge verstärkten den Ausbau, die letzteren waren an zwei je 13 m langen ⌶-Trägern aufgehängt. Bei 8,5 m Tiefe erschrotete man etwa 4,5 See-Liter Wasser, zu deren Bewältigung ein Pulsometer eingebaut wurde. Die Schachtsohle war vertäfelt, als Vorgesümpfe diente ein eiserner Cylinder. Bis 13,2 m Tiefe gelang das weitere Abteufen in der bisherigen Weise; als jedoch das Zudringen des Schwimmsandes immer stärker wurde, griff man zum Einbringen von Haase'schen Röhren in zwei Sätzen von 4 und 2 m Länge, unter Anwendung einer Winde und gleichzeitiger Wasserspülung bei 3,6 × 2,35 m lichter Schachtweite. Die Rohre liessen sich jedoch, während das Abteufen mit Vertäfelung vorrückte, nur 5,2 m vordrücken, dann musste das weitere Abteufen wegen starken Sohlendruckes eingestellt werden. Unter diesen Umständen verwendete der den Betrieb leitende Ingenieur Haeuser ein senkrechtes Anstecken aus schmiedeeisernen Pfählen (Fig. 10), an die zur gegenseitigen Führung eiserne Zungen angenietet waren; für die Schachtecken |78| dienten Winkeleisen. Die Pfähle sind unten zugeschärft, die Zungen stehen oben etwas über, lassen jedoch das untere Pfahlende um ein entsprechendes Stück frei, so dass durch dieselben die Verbindung mit einem etwa nöthig werdenden zweiten Satze ermöglicht wird. Hierdurch gelang es, den Schacht innerhalb 3½ Tagen um 2,5 m mit einem lichten Querschnitte von 3,1 × 1,5 m bis auf thonigen trockenen Sand niederzubringen, in welchem unter Anwendung von Bolzenschrotzimmerung weitergeteuft werden konnte. Am 2. Februar 1891 erreichte man das Oberflöz und stellte das Abteufen vorläufig ein, der Schacht war saiger geblieben, nur hatte sich der obere Theil der Schachtzimmerung um 30 bis 40 cm gesetzt. Die Wasser liess man dann aufgehen, da drei angewendete Pulsometer zur Wasserhebung nicht genügten.

Textabbildung Bd. 295, S. 78

Inzwischen hatte man 30 m nördlich vom Wasserhaltungsschachte den Förderschacht mit 7,2 × 3,6 m lichter Weite zu teufen begonnen und zwar in gleicher Weise; auch hier benutzte man beim Durchteufen von 11,6 m wasserführendem Sand das Haeuser'sche Verfahren des Ansteckens, jedoch nur zur Herstellung eines Vorgesümpfes von 2,12 × 1,50 m lichter Weite; übrigens war die Sohle sowohl im Vorgesümpfe als auch im Schachte vertäfelt, auch waren die angesteckten Pfähle mehrfach mit Löchern von 1,5 cm durchbohrt, um das Wasser aus dem Gebirge zu zapfen und so den Sohlendruck zu vermindern. Ausser den eisernen Pfählen wurde zum Theil auch Wellblech zum Anstecken verwendet, die einzelnen Tafeln waren 2 m lang und durch beiderseits aufgenietete Zungen (a der Fig. 9) verstärkt, welche wie die Zungen der Pfähle an dem einen Ende überstanden, dagegen ein entsprechendes Stück des anderen Endes der Wellblechtafel frei liessen und so zur Verbindung einzelner Sätze dienen konnten. An den Seiten und auch in den Schachtecken greifen die Wellblechtafeln mit einer Rinne über einander; zum Vordrücken mittels der Winde dient ein eisernes Aufsatzstück mit eingesetzten eisernen Bolzen, die sich in die Rinnen des Wellbleches einlegen (vgl. Fig. 9). Uebrigens ist auf diese „Wellblechauskleidung für Schächte“ G. Leinung in Leipzig unter Kl. 5 Nr. 60116 Patent ertheilt worden. Das Abteufen ging ohne Störung bis in den trockenen thonigen Sand von statten, dann konnte mit einfacher Getriebezimmerung weitergeteuft werden, ein Feld von 1,25 m Höhe wurde in 2½ bis 3 Tagen fertig gestellt. Anfang August 1891 hatte man 23 m Teufe erreicht.

Das Haeuser'sche Anstecken stellte sich wesentlich billiger als das Niederbringen der Haase'schen Rohre, die Herstellung von 1 qm Schachtfläche nach Haeuser erforderte nämlich 65 M. gegen 181 M. nach Haase'schem Verfahren. Die Lehrjöcher für das Haeuser'sche Anstecken bestehen aus ⊔-Eisen und sind in den Ecken durch aufgeschraubte Flacheisen verbunden.

Ueber den weiteren Verlauf der Schachtabteufen finden sich kurze Bemerkungen im genannten Jahrbuche, 1892 S. 129 und 1893 S. 135. Das Haeuser'sche Verfahren ist neuerdings bei den Leipziger Braunkohlenwerken in Albersdorf bei Markranstädt zum Durchsinken einer etwa 3 m mächtigen Schwimmsandschicht mit gutem Erfolge angewendet worden.9)

Spundwand aus - und -Eisen von Obersteiger Simon zu Gnadau (D. R. P. Nr. 64781).

In der Zeitschrift für das Berg-, Hütten- und Salinenwesen im Preussischen Staate, 1893 Bd. 41 S. 48, beschreibt Schmeisser in Magdeburg die Verwendung einer eisernen Spundwand im Schachte I der Braunkohlengrube Neue Hoffnung bei Pömmelte im Bergrevier Magdeburg. Mit diesem waren

12,0 m wasserführender Kies,
15,0 blauer Thon,
10,5 Schwimmsand,

dann über der Kohle noch dünne Lagen von Kalkstein und Thon zu durchteufen.

Ein gemauerter Senkschacht war bis auf den blauen Thon niedergebracht worden, ohne dass es jedoch gelungen war, einen wasserdichten Abschluss zu erzielen; dieser musste vielmehr durch zwei senkrechte Bohlenanstecken bewirkt werden. Dann teufte man in dem blauen Thon unter Anwendung von Bolzenschrotzimmerung den Schacht weiter ab, erweiterte hierbei den Schachtquerschnitt wieder bis auf das ursprüngliche Maass und gedachte, den unter dem Thone anstehenden, 10,5 m mächtigen Schwimmsand unter dem Schütze einer Haase'schen Rohrwand zu durchteufen. Das Ansetzen der letzteren stiess jedoch auf mancherlei Schwierigkeiten und es war deshalb erwünscht, behufs Erweiterung des betreffenden Schachttheiles die beiden senkrechten Bohlenanstecken durch einen anderen wasserdichten, aber weniger Raum beanspruchenden Ausbau zu ersetzen. Hierzu wurde die von Simon ersonnene Spundwand verwendet, deren Einzelheiten in Folgendem bestehen. Zwei ∪-Eisen sind durch Streben und Nieten kästen artig mit einander verbunden, an zwei Kastenseiten bleiben Längsschlitze frei, so dass -Eisen derart eingeschoben werden können, dass die Flanschen sich innerhalb zweier Eisenkästen befinden, während die Stege ausserhalb die Spundwand fortsetzen. Die unteren Enden der sämmtlichen Eisentheile waren zugeschärft.

Der Schacht wurde bis in den Mauercylinder hinein mit Kies zugeschüttet und auf demselben die Spundwand zusammengestellt, die Führung wurde durch Eisenringe an der Innenseite bewirkt. Die Bohlenanstecken wurden stückweise, der Breite der einzelnen Eisentheile der neuen Spundwand entsprechend, weggestemmt und die Eisentheile dann nachgeschoben. Nachdem das Eintreiben in den Thon gelungen war, wurden die Hohlräume der Eisenkästen mit einer Mischung von Cement und Sand angefüllt und später auch der Raum zwischen Spundwand und Mauerschacht mit Beton ausgefüllt. Nach dessen Erhärtung war der Wasserabschluss völlig geglückt, während |79| früher der Wasserzufluss 5,2 cbm in der Minute betragen hatte. Unter der Spundwand konnte nun der gezimmerte Schacht ebenfalls erweitert werden, so dass es gelang, die Haase'sche Rohrwand zweckentsprechend zusammenzustellen und zum Eindrücken derselben überzugehen. Die Simon'sche Spundwand bietet die Möglichkeit eines wasserdichten Abschlusses der Stösse vor Freilegung des Schachtraumes.

Spundwand aus ⌶-Eisen nach Jänicke.10)

Textabbildung Bd. 295, S. 79

Auf der Braunkohlengrube Anna bei Pulsberg, Bergrevier Cottbus, sollte eine 10 m mächtige Schwimmsandschicht durch Herstellen einer Spundwand nach der aus Fig. 12 ersichtlichen Zusammenstellung von ⌶-Eisen benutzt werden. Die einzelnen Eisenträger wurden entsprechend geführt und mittels Ramme je 1 m tief der Reihe nach eingetrieben. Beim Ausschachten zeigte sich jedoch, dass die Ecken nicht dicht schlössen, es musste daher das Verfahren aufgegeben werden.

IV. Schachtabteufen unter Anwendung von Pressluft.

Die durch Triger im J. 1839 zuerst angewendete Methode, dem Wasserdrucke durch Pressluft das Gleichgewicht zu halten und zu gleicher Zeit das schwimmende Gebirge durch Zurückdrängen des Wassers abzutrocknen, erfordert bekanntlich11), dass die Arbeiter im Arbeitsraume unter dem angewendeten Luftdrucke – meistens nicht über 3 at – die auszuführenden Arbeiten verrichten als: Lösen und Laden des Bodens in Fördergefässe, Aufziehen der letzteren mit dem Haspel, unter Umständen Einbauen von Tübbings. Die Ueberführung in den gewöhnlichen Luftdruck erfolgt allmählich in der sogen. Luftschleuse, welche durch Mannlöcher einerseits mit dem Arbeitsraume, andererseits mit dem übrigen Schachtraume in Verbindung gebracht werden kann. Der Einfluss des höheren Luftdruckes auf den menschlichen Organismus ist nach der körperlichen Beanlagung verschieden, doch treten als häufige Erscheinungen Ohrensausen, Muskelschmerzen, zuweilen Lähmungen und Ohnmachten auf.12) Wenngleich Versuche ergeben haben, dass das durch die Pressluft zurückgedrängte Wasser nur langsam, d.h. nach einigen Stunden in den Arbeitsraum wieder eindringt, ist der naheliegende Versuch13), zwar die Verdrängung des Wassers durch Pressluft zu bewirken, die Arbeiten jedoch dann bis zum Wiedereindringen des Wassers in den Arbeitsraum unter gewöhnlichem Luftdrucke ausführen zu lassen, wohl noch nicht gemacht worden.

Patent Sachse, Berlin (Kl. 5 Nr. 70532).14)

Bergrath Sachse schlägt in seinem Patente ein neues Verfahren vor, bei welchem das Zurückdrängen des Wassers aus dem schwimmenden Gebirge zwar mittels Pressluft geschehen soll, die durch Bohrlöcher eingeleitet wird; das Abteufen auf der Schachtsohle soll jedoch durch Handarbeit in gewöhnlicher Luft erfolgen. Es soll nämlich dem Schachtabteufen, wenn der Wasserspiegel erreicht ist, ein Bohrloch mit Verrohrung 5 bis 6 m vorangehen, nach Anbringung eines Verschlusses wird Pressluft eingeleitet, diese dringt in das Gebirge ein und drängt zunächst in der Nähe des Bohrloches das Wasser zurück; es soll dann die eingeebnete Schachtsohle mit Sackleinwand und Eisenplatten belegt und dadurch das Austreten der übrigens nicht hoch gespannten Pressluft verhütet, die letztere vielmehr gegen die Schachtstösse gewiesen werden. Nachdem die Abtrocknung der Schachtsohle derart erfolgt ist, wird dann abgeteuft und zwar etwa wie bei den sonstigen Vertäfelungsverfahren bei der Getriebezimmerung immer nur unter einer Eisenplatte etwa 0,5 m tief. Nach dem Fortschreiten des Abteufens auf etwa 3 m wird das Bohrloch vertieft und in derselben Weise verfahren.

Praktische Erfahrungen und Erfolge bei Anwendung des Sachse'schen Verfahrens bleiben abzuwarten.

V. Verschiedenes.

Nach dem Verfahren von K. Kubuschok (D. R. P. Kl. 5 Nr. 72167) soll bei Gruben, deren Hauptschacht nach einem bereits bekannten, aber theueren Verfahren durch das schwimmende Gebirge bis auf die Lagerstätte oder wasserundurchlässige Schichten geteuft ist, der für einen weiteren Schacht bestimmte Schachtpunkt, falls schwimmendes Gebirge auch hier vorhanden ist, in wasserundurchlässigen Schichten mittels einer Strecke unterfahren werden. Dann sollen, bis auf diese, Bohrlöcher niedergebracht, auch verrohrt und in die Bohrrohre Wasserableitungslutten von rechteckigem Querschnitte eingesetzt werden, deren Wandungen mit verschiedenen Filtrirvorrichtungen versehen sind. Hierdurch wird beabsichtigt, nach dem Ausziehen der Bohrrohre bei Zurückhaltung des Sandes das Wasser der Strecke und den Wasserhaltungsmaschinen des Hauptschachtes zuzuführen, den neuen Schacht aber in trockenem Sande mittels Getriebezimmerung ohne Schwierigkeiten und billig niederzubringen. Der Ausführung des Vorschlages dürften mancherlei Hindernisse begegnen.

Anwendung elektrischer Beleuchtung beim Schachtabteufen.

1) Auf der Kohlenzeche Walkinschaw in Schottland wurde nach einer kurzen Mittheilung im Essener Glückauf (nach dem Engineering and Mining Journal), 1893 S. 1342, beim Abteufen eines runden Wetterschachtes eine über Tage aufgehängte Bogenlampe von 4000 bis 5000 Kerzen Leuchtstärke benutzt. Die Umdrehungszahl der Dynamomaschine war 1340 in der Minute bei 65 Volt elektromotorischer Kraft und 20 Ampère Stromstärke, was etwa 2 entspricht. Die Lampe befand sich in einem mit Schiebern versehenen Eisenblechgehäuse und war mit Linse und Spiegel versehen, so dass das Licht nach Erforderniss auf eine bestimmte Stelle des Schachtes gerichtet werden konnte.

Der durchweg gemauerte Schacht hatte 3,96 m Durchmesser, erreichte eine Tiefe von 79,3 m und erhielt nur Einstriche zum Einbau eines Wetterscheiders. Das elektrische Licht erhellte die Schachtsohle wesentlich stärker als die sonst angewendeten Lampen und es erhöhte sich |80| in Folge dessen die Arbeitsleistung. Die Aufstellung der Lampe über Tage machte sie leicht zugänglich, auch konnte man von über Tage bis auf die Schachtsohle sehen, sofern durch gute Ventilation der Nebel und der Rauch vom Schiessen beseitigt waren.

2) Beim Abteufen des Schachtes II im Westfelde der Grube Dudweiler bei Saarbrücken15) wurde ebenfalls elektrische Beleuchtung angewendet; es befanden sich zwei Glühlichter im 5,3 m weiten Abteufen des nach der Ausmauerung noch 4,5 m weiten runden Wetterschachtes. Der Strom wurde von einer Dynamomaschine erzeugt, welche ausserdem noch 5 Lampen über Tage versorgte, jede Lampe hatte 35 Normalkerzen Lichtstärke. Die Beleuchtung durch Glühlampen wurde in diesem Falle gewählt, da alte, ihrer Lage nach nicht genau bekannte Baue in schlagwetterführenden Flözen zu durchteufen waren. Der Strom für die Lampen im Abteufen geht über Tage durch gewöhnlichen Leitungsdraht, dagegen besteht die Leitung im Schachte aus einem Kabel mit zwei best- isolirten Kupferdrähten. Letzteres ist auf einem Haspel aufgewickelt und führt über Rollen zu den Lampen; um beim Drehen des Haspels eine Stromunterbrechung zu verhüten, sind an demselben zwei Schleifringe für den Contact angebracht. Die Lampen wurden in etwa 4 m Entfernung von einander aufgehängt, waren unten mit ∪-förmigen Schutzglocken umgeben und oben mit Blechschirmen als Reflectoren versehen. Die Kosten der ganzen von der Firma Siemens und Halske hergestellten Beleuchtungsanlage, welche sich gut bewährte, betrugen einschliesslich Betriebsmaschine 2250 M.

Ausbau von Schächten in wasserführendem Gebirge mittels Cementsteinen.

Textabbildung Bd. 295, S. 80

In der Oesterreichischen Zeitschrift, 1892 S. 348, bespricht V. Waltl das der Cementwaarenfabrik von Krutina und Möhle zu Malstatt bei Saarbrücken (D. R. P. Kl. 5 Nr. 61681) patentirte Verfahren des Schachtausbaues mittels Formsteinen; dasselbe wurde bisher mit Erfolg bei den königl. Steinkohlenwerken des Saarreviers und bei einem Schachte von 5,25 m Durchmesser und 500 m Tiefe des grossen Kaliwerkes zu Leopoldshall bei Stassfurt angewendet. Die Steine erhalten 0,75 bis 1,0 m Höhe, im Uebrigen bei entsprechender Höhe und Tiefe und 700 bis 800 k Gewicht segmentartige Form, welche aus den Fig. 13 bis 15 ersichtlich ist. An den Seitenflächen befinden sich Rinnen a, an der Unterseite eine Wulst b und an der Oberseite die Rinne c, die Bohrungen d d und f f dienen zur Einführung eines Bolzens (Fig. 15) und des Vorsteckers, mittels welcher ein bequemes Einhängen des Steines und Lösen desselben vom Kabel nach dem Einbau möglich ist. Die Steine werden in Verband gesetzt, die Fugen mit Cementmörtel gedichtet und der gegen das Gestein etwa verbleibende Hohlraum mit Beton ausgefüllt. Die senkrechten Bohrungen werden ebenfalls ausgefüllt, die wagerechten dienen unter Umständen nach Einlegung passender Rohre zur Wasserzäpfung aus dem Gebirge. Bei stärkerer Mauerung werden zwei Reihen Steine verwendet und ebenfalls gegen einander in Verband gesetzt; zwischen beiden Reihen bleibt eine Fuge von etwa 100 mm Weite offen, die mit Beton ausgestampft wird. Die Kosten dieses Schachtausbaues sollen sich niedriger stellen als Mauerung aus Back- oder Hausteinen und auch als Ausbau in Eisen.

|74|

Vgl. auch Preussische Zeitschrift, 1891 Bd. 39 S. 95 Taf. 10 Fig. 1 bis 4.

|76|

Zeitschrift für das Berg-, Hütten- und Salinenwesen im Preussischen Staate, 1894 S. 207: Versuche und Verbesserungen beim Bergwerksbetriebe in Preussen während des Jahres 1893.

|76|

Essener Glückauf, 1894 S. 1669.

|76|

Essener Glückauf, 1887 Nr. 71. – Preussische Zeitschrift. 1893 S. 243.

|76|

Preussische Zeitschrift, 1891 S. 97.

|77|

Vgl. z.B. Vollert, Der Braunkohlenbergbau im Oberbergamtsbezirk Halle u.s.w., 1889 S. 131 ff.

|77|

Preussische Zeitschrift, 1892 S. 426.

|77|

Jahrbuch für das Berg- und Hüttenwesen im Königreiche Sachsen auf das Jahr 1891, S. 27. M. Herold, Das Schachtabteufen im schwimmenden Gebirge mit Haase'schem und Haeuserschem Verfahren beim Braunkohlenwerk „Zwenkau“ in Zwenkau.

|78|

Jahrbuch für das Berg- und Hüttenwesen im Königreiche Sachsen auf das Jahr 1894, S. 116, und private Mittheilung.

|79|

Preussische Zeitschrift für Berg-, Hütten- und Salinenwesen, 1891 S. 96 und 1892 S. 426.

|79|

Vgl. z.B. Serlo, Bergbaukunde, 4. Aufl. 1884 Bd. 1 S. 815, und Prof. Dr. Hermann Friedberg: Ueber die Rücksichten der öffentlichen Gesundheitspflege auf das Arbeiten in comprimirter Luft. D. p. J. 1872 205 500.

|79|

Wagner, Preussische Zeitschrift 1878 S. 213: Ueber das Arbeiten in comprimirter Luft u.s.w.

|79|

a. a. O., S. 214.

|79|

Die Patentschrift ist abgedruckt im Essener Glückauf, 1893 S. 942.

|80|

Preussische Zeitschrift für Berg-, Hütten- und Salinenwesen, 1893 S. 202, und Mittheilung im Essener Glückauf, 1893 S. 1469.

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