Titel: Neue Erdölkraftmaschinen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1895, Band 295 (S. 80–86)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj295/ar295020

Neue Erdölkraftmaschinen.

(Fortsetzung des Berichtes S. 56 d. Bd.)

Mit Abbildungen.

Zündvorrichtungen.

Die in Fig. 42 veranschaulichte Zündvorrichtung von H. Jahn in Arnswalde (* D. R. P. Nr. 66908 vom 2. December 1891) bezweckt, eine dauernd brennende Zünd- bezieh. Heizflamme für das Glühzündrohr aus dem Inneren des Arbeitscylinders zu unterhalten.

Textabbildung Bd. 295, S. 80

Ein Theil der im Arbeitscylinder A während der Verdichtung anwesenden Erdöldämpfe wird durch eine beliebige Absperrvorrichtung d und durch einen Brenner c nach aussen geleitet und entzündet. Der Brenner c ist so bemessen, dass sich eine ruhige Flamme f nach aussen hin bildet. Die Absperrvorrichtung d als Ventil, Schieber, Hahn oder sonstige Vorrichtung ist während der Compression oder eines Theiles derselben geöffnet, sonst aber geschlossen. Die so erzeugte Flamme f wird zur Einleitung der Zündung benutzt, und zwar entweder zur Erwärmung eines bekannten Glühkörpers b, oder aber bei Flammenzündung zur Erzeugung der Uebertragungsflamme.

Der Vorgang ist folgender: Beim Anlassen des Motors wird eine bekannte Lampe unter den zur Entzündung dienenden Körper gestellt. Nachdem nun die Explosionen erfolgt und somit Erdöldämpfe im Cylinder gebildet worden, wird ein Theil derselben während der Compression durch Absperrvorrichtung und Brenner c nach aussen geleitet und entzündet sich nun an der Lampe; alsdann wird dieselbe entfernt und der Motor unterhält während des Betriebes die zur Entzündung nothwendige äussere Flamme f.

Bei der in Fig. 43 dargestellten Glührohrzündung von H. Jahn in Arnswalde (* D. R. P. Nr. 66743 vom 23. Juli 1892) wird unter Fortfall mechanischer Steuerung die Zündung |81| durch die Druckdifferenzen im Cylinder bewirkt. Die Zeichnung veranschaulicht den Höhenquerschnitt durch das Einlassventil und die Zündvorrichtung, welche auf dem Cylinderdeckel einer stehenden Maschine gedacht sind. Es bezeichnet: a Einlassventil, b Stutzen für die Zufuhr von Kohlenwasserstoff, c Zündröhrchen, d Zündventil und e den Zündkolben, welcher mit dem Ventil aus einem Stück gearbeitet ist.

Textabbildung Bd. 295, S. 81

Die Arbeitsweise geschieht wie folgt: Beim Einsaugespiel des Motors wird der Kolben e durch den Ueberdruck der äusseren Luft eingeschoben und das Ventil d dichtet das Innere des Zündröhrchens c gegen das Zündgemisch ab. In dem so abgesperrten Zündröhrchen ist jetzt ein luftverdünnter Raum, denn das Zündventil d wurde erst geschlossen, als die Luftverdünnung im Cylinder schon theilweise stattfand. Bei dem nun folgenden Verdichtungsspiel wird alsdann der Zeitpunkt eintreten, bei welchem das Ventil d von seinem Sitz gerissen wird. Das Zündgemisch strömt jetzt unbehindert an die glühenden Wandungen des Zündröhrchens und explodirt. Bei dem hierauf folgenden Arbeits- und Auspuffspiel bleibt das Zündventil d offen, dasselbe schliesst sich erst wieder beim Einsaugespiel. Der Vorgang wiederholt sich nunmehr in der vorher beschriebenen Weise immer wieder aufs Neue.

Damit die Zündung im richtigen Zeitpunkt eintritt, kommt es auf die richtige Wahl der wirksamen (ringförmigen) inneren Kolbenfläche des Zündkolbens e an. Ist nämlich die Kolbenfläche in Bezug auf die Compression zu gross, so wird die Explosion zu früh eintreten, oder ist das Umgekehrte der Fall, die Kolbenfläche zu klein, so hebt sich das Ventil nicht von seinem Sitz und findet keine Zündung statt.

R. Wagnitz in Charlottenburg (* D. R. P. Nr. 70241 vom 14. September 1892) bringt einen eigenartigen Vorschlag zur Verhütung zu früher Zündungen bei Erdölmaschinen. Der Erfinder geht von folgendem Gedankengange aus:

Bei Kohlenwasserstoffexplosionsmaschinen mit Zündrohr, welche im Viertakt arbeiten, d.h. bei welchen bei je zwei Doppelhüben eine Explosion erfolgt, ist es möglich, dass die Zündung zu früh, d.h. bevor der Kolben in seinen Todtpunkt gelangt ist, eintritt. Der Vorgang ist dabei der folgende:

Wenn sich der Kolben nach erfolgter Explosion dem Cylinderende nähert, wird das in dem Cylinder befindliche Gasgemisch durch ein Auslassventil vom Kolben hinausgedrängt. Es bleibt natürlich dabei ein der Grösse des Compressionsraumes entsprechender Rest dieses Gases im Cylinder und auch im Zündrohr zurück. Wenn der Kolben nun seinen Todtpunkt überschritten hat, so findet ein Ansaugen von Luft und Kohlenwasserstoffgas, welches aus Leuchtgas oder aus Dämpfen von flüssigen Kohlenwasserstoffen bestehen kann, statt. Dieses Gasgemisch wird beim Rückgang des Kolbens wieder comprimirt, schiebt bei der Compression den im Zündrohr zurückgebliebenen Theil der verbrannten Gase vor sich her und drückt ihn, dem Compressionsgrad entsprechend, zusammen.

In Fig. 44 ist nun ein solches Zündrohr, welches an seinem Ende geschlossen angenommen ist, im Längsschnitt dargestellt, und zwar bedeutet der mit Punktirung ausgefüllte Theil den von verbrannten oder indifferenten Gastheilen erfüllten Raum des Zündrohres und die Linie a a gibt die Grenze an, bis zu welcher bei atmosphärischem Druck, also während der Periode des Ansaugens, dieses indifferente Gas das Zündrohr ausfüllt.

In Fig. 45 stellt der von der Linie a a links belegene Theil wieder das indifferente Gas dar, und zwar in seiner, der stärksten Compression, welche beim Durchgang der Kurbel durch ihren Todtpunkt stattfindet, entsprechenden Ausdehnung. Es ist dabei die Linie a a nach links verschoben, und würde z.B. bei 3 at Compression die Länge von y (Fig. 45) ein Drittel der Länge von y1 (Fig. 44) betragen. Der von der Linie a a rechts gelegene Theil des Zündrohres ist nun mit einem Gemisch von Kohlenwasserstoffgas und atmosphärischer Luft, also mit einem explosiblen Gasgemisch gefüllt, was in der Zeichnung in sämmtlichen Figuren in gestrichelter Schraffur dargestellt ist.

Textabbildung Bd. 295, S. 81

Wird nun durch irgend einen Umstand die Temperatur des explosiblen Gasgemisches über die Normaltemperatur hinaus erhöht, so wird die Spannung dieses Gasgemisches bei der Compression dieser Temperatur entsprechend auch höher, d.h. sie drückt in Folge dessen auch das indifferente Gas, welches im Zündrohr zurückbleibt, mehr als gewöhnlich zusammen und verschiebt so die Grenze a a nach links über ihre normale Lage hinaus.

Die Zündung erfolgt bei diesen Maschinen mit Zündrohreinrichtung dadurch, dass man den Theil des Zündrohres, welcher bei der stärksten Compression von indifferentem Gas erfüllt ist, glühend erhält, so dass beim Eintritt |82| der stärksten Compression die Grenze a a die Grenze dieses glühenden Theiles des Zündrohres, welcher im Folgenden mit Glühgrenze bezeichnet werden soll, erreicht, wodurch eine Zündung des explosiblen Gasgemisches erfolgt. Es ist daher klar, dass dann, wenn das im Cylinder befindliche explosible Gasgemisch durch irgend einen Umstand eine über die normale hinausgehende Temperatur erhält, also bei der Compression eine stärkere Spannung erfährt, die Grenze a a schon vor dem Hubende, also bevor die Kurbel den Todtpunkt erreicht hat, den glühenden Theil des Zündrohres erreicht, so dass eine zu frühzeitige Zündung und Explosion stattfindet.

Um diesen Uebelstand zu vermeiden, bringt der Erfinder die Grenze des indifferenten und des explosiblen Gasgemisches und die Glühgrenze des Zündrohres zur Deckung.

Es lässt sich dieses nun entweder dadurch erreichen, dass die Glühgrenze des Zündrohres veränderlich gemacht wird, d.h. dass die Grenze des glühenden Theiles beweglich wird, oder dadurch, dass bei fester Lage der Glühgrenze des Zündrohres der Inhalt desselben veränderlich gemacht wird. In ersterem Falle kann man dieses dadurch bewirken, dass man eine das Zündrohr beheizende Flamme oder einen Heizkörper in der Längsrichtung des Rohres verschiebbar entweder mit dem Regulator der Maschine in Verbindung bringt oder von der Längenausdehnung des beim unregelmässigen Gang der Maschine verschieden erwärmten Vergasers durch geeignete Uebertragungsmechanismen abhängig macht, so dass bei langsamerem oder schnellerem Gang der Maschine eine entsprechende Verschiebung der Heizflamme oder des Heizkörpers und somit eine Verschiebung der Glühgrenze des Zündrohres eintritt.

Im zweiten Falle kann man auf dieselbe Weise einen Kolben k (Fig. 46) bewegen, welcher mittels Stopfbüchse in den inneren Raum des Zündrohres eindringt und so denselben dem schnelleren oder langsameren Gang der Maschine entsprechend mehr oder weniger ausfüllt, so dass bei stärkerer oder schwächerer Compression die Grenze des indifferenten Gases und des explosiblen Gasgemisches immer auf derselben Stelle bleibt, also mit der constanten Glühgrenze des Zündrohres immer zur Deckung kommt.

Benzinlampe zum Heizen des Glührohres von L. König in Berlin (* D. R. P. Nr. 66568 vom 10. Juni 1892).

Bei Benzinlampen pflegt man die Wärme, welche nöthig ist, um das Benzin im Brennerrohr der Lampe in Dampf zu verwandeln, der Benzinflamme in der Weise zu entziehen, dass man die Düsenmündung oder andere vom unteren Theil der Flamme erhitzte Theile des Brenners als Wärmeableiter benutzt. In Folge dessen geht der Flamme, ehe sie ihre Wärme an das Glührohr abgeben kann, ein Theil derselben verloren. Die vorliegende Neuerung vermeidet diesen Uebelstand, indem sich die Flamme erst unter dem Glührohr frei bildet, so dass sie an dieses ihre ganze Wärme bringen kann. Zur Verdampfung des zugeführten Benzins wird nur ein Theil der in den Verbrennungsgasen enthaltenen Hitze und die strahlende Wärme der Flamme und des Glührohres verwerthet.

Unter dem Glührohr z (Fig. 47) einer Gas- oder Erdölmaschine befindet sich in geeignetem Abstand die Düse d des Brennerrohres r, welchem aus einem höher aufgehängten oder unter Druck stehenden Gefäss beständig Benzin zufliesst. Um ein gleichmässiges Zuströmen des Benzins zu sichern, kann in dem Rohr r ein Docht oder ein ähnlicher, den Querschnitt verengender Körper enthalten sein. Mit dem Brennerrohr r ist ein Blechbügel b verbunden, welcher das Zündrohr umgibt und in seinem oberen Theil durchlöchert ist.

Wenn der Brenner in Betrieb gesetzt ist, was durch leichtes Vorwärmen mit einer Spiritus- oder Benzinlampe geschieht, so entweichen die Verbrennungsgase der Flamme oben durch die Löcher des Blechbügels b, welcher hierdurch und durch die strahlende Hitze der Flamme und des Glührohres erwärmt wird und seine Hitze nach dem Brennerrohr r leitet. Auf diese Weise wird ein vollständiges Verdampfen des durch das Brennerrohr r zufliessenden Benzins bewirkt.

Aus der Mündung d des Rohres r strömt der Benzindampf mit grosser Geschwindigkeit aus, so dass die Flamme sich erst in ziemlich grossem Abstand über der Düse d bilden kann. Der Benzindampf mischt sich mit der mitgerissenen Luft und verbrennt mit blauer Flamme vollkommen. Dabei wird der Flamme keine Wärme entzogen, bevor sie ihrem Hauptzweck, der Erhitzung des Glührohres, gedient hat.

Zur vermehrten Ausbreitung des Dampfstrahles, sowie zur Fixirung der Flammenzone kann ein dünner Stift s zwischen Düse d und Glührohr z eingeschaltet werden; zwischen diesem Stift und dem Zündrohr bildet sich die gleichmässig brennende Flamme.

Textabbildung Bd. 295, S. 82

Um die Wirkung der Flamme auf den oberen Theil des Zündrohres zu erhöhen, ist über demselben ein Körper a aus feuerfestem Material befestigt, welcher in Weissglut geräth und seine Hitze auf das Glührohr zurückstrahlt.

Zur Erhöhung der Heizwirkung kann die Anzahl der Brennerrohre r beliebig vergrössert werden.

An Stelle des Bügels b kann auch ein anders geformter Metallkörper treten.

Erdölpumpen.

Bei Erdölmaschinen ist es von grosser Wichtigkeit, dass die Einspritzung des Brennstoffes in der Weise geschieht, dass sich beim Einströmen der atmosphärischen Luft in den Cylinder dieselbe mit dem Brennstoff innig mischt, dass das Verhältniss zwischen beiden während der ganzen Dauer des Ansaugens sich annähernd gleich bleibt, und dass, um eine unfehlbare und regelmässige Zündung zu erreichen, namentlich im letzten Augenblick des Saugspieles, also unmittelbar vor dem Beginn der Verdichtung, der Raum an der Ausmündung des Zündkanales in das Innere des Cylinders von leicht entzündlicher Mischung gefüllt ist und keine Beimengung von Verbrennungsgasen der vorhergegangenen Explosion enthält. Die Regulirung des Ganges der Maschine ist am wirksamsten, wenn der Regulator auf die Bewegung des Kolbens der Speisepumpe und auf die Bewegung des Lufteinlassventils gleichzeitig einwirkt, und zwar einestheils aus dem Grunde, weil in |83| Folge dessen auch die Mischung von Brennstoff und Luft unverändert bleibt, anderentheils wird durch den vollständigen oder theilweisen Abschluss des Luftventils bei zu schnellem Gange der Maschine hinter dem Arbeitskolben ein luftverdünnter Raum geschaffen, welcher hemmend auf die Bewegung des Kolbens einwirkt. Ausserdem wird in Folge der Absperrung der Luftzufuhr, während gleichzeitig der Regulator die Zufuhr des Brennstoffes behindert, die unerwünschte Abkühlung der Kanäle im Cylinderdeckel beseitigt. Die Speisepumpe soll während des Ansaugens eine bestimmte, abgemessene Menge Erdöl in den Mischungskanal einspritzen, und zwar soll das Mischungsverhältniss während der Dauer des Saugspieles, also während eines Kolbenhubes, genau sich gleich bleiben, zu welchem Zwecke die Bewegung des Pumpenkolbens derjenigen des Cylinderkolbens entsprechen, also derselben proportional sein muss. Dieses wird bei der Construction von A. Beugger in Kopenhagen (* D. R. P. Nr. 66894 vom 27. März 1892) durch die Anwendung von Curvenscheiben erreicht, welche so eingerichtet sind, dass die Geschwindigkeit des eingespritzten Erdöles in jeder Kolbenstellung annähernd der Geschwindigkeit der eingesaugten atmosphärischen Luft entspricht.

Textabbildung Bd. 295, S. 83

Die Pumpe von J. Klunzinger in Cannstatt (* D. R. P. Nr. 73546 vom 5. August 1893) sei mit Bezug auf Fig. 48a bis 48d erläutert. Sie besteht aus zwei Kolbenrohren a und b, welche zwei mit einander vereinigte cylindrische Körper bilden, aus zwei Kolbenstangen a1 und b1, zwei Druckhebeln a2 und b2 und einem Bewegungsexcenter c. Der Pumpenkörper ist durch eine Platte d in geeigneter Weise befestigt, hat drei Stutzen e, f und g, welche durchbohrt sind, und einen die beiden Kolbenrohre verbindenden Kanal h. Die beiden Hebel sind auf einer festen Achse i unabhängig von einander schwingbar gelagert, sie sind je an einem Ende durch Hineinschieben in die geschlitzten Köpfe der Kolbenstangen mit diesen gelenkig verbunden, und um die Kolbenstangen gewundene Schraubenfedern k drücken die anderen Enden der Hebel gegen das Excenter c. Das Excenter c besteht aus einer cylindrischen Muffe mit aufgesetzter Nase c1. Die Muffe sitzt auf einer Antriebswelle l, mittels Feder und Nuth gegen Drehung auf der letzteren gesichert, und kann nur in der Längsrichtung der Welle auf dieser verschoben werden. Ihre Verschiebung lässt sich durch einen Stellring begrenzen. Die Nase c1 hat theilweise eine in Richtung der Welle abfallende Oberfläche.

Die Wirkungsweise der Pumpe ist folgende:

Durch das in Pfeilrichtung sich drehende Excenter c c1 und durch die Druckfedern k werden beide Hebel a2 und b2 in schwingende Bewegungen versetzt und die beiden Kolben a1 und b1 etwas vor- und dann wieder zurückgeschoben. Die Verschiebungen erfolgen nicht gleichzeitig, sondern, da die Nase c1 zunächst den Hebel a2 und dann erst den Hebel b2 abdrückt und andererseits der Hebel b2 später als der Hebel a2 auf die Muffe c zurückfällt, wird immer erst der Kolben a1 vor dem Kolben b1 vor- und zurückbewegt.

In der vorgeschobenen Stellung des Kolbens a1 hat eine Querbohrung n des Kolbens die beiden Kanäle e und h des Cylinderkörpers mit einander verbunden, so dass der hinterher vorgeschobene Kolben b1 in die Maschine einzuführende Flüssigkeit (Erdöl, Benzin) durch den entstandenen Kanal e n h hinter sich in das Pumpenrohr b einsaugt. Hierauf wird zunächst der Kolben a1 zurückgeschoben und dadurch der Kanal h durch eine zweite Bohrung o des Kolbens mit dem zum Vergasungsraum der Maschine führenden Kanal g verbunden. Der alsdann zurückgestossene Kolben b1 schiebt die eingesaugte Flüssigkeit durch den Kanal h o g zur Maschine. Dieses Spiel wiederholt sich in so schnellen Zwischenräumen, als es für die Speisung der Maschine mit den kleinen Flüssigkeitsmengen nöthig ist.

Die Excentermuffe c steht mit dem Regulator der Maschine derartig in Verbindung, dass sowohl bei zu grosser, als auch bei zu geringer Tourenzahl der Maschine eine Verschiebung der Muffe c auf der Welle l in der einen oder anderen Richtung erfolgt. Ist die gewünschte Tourenzahl überschritten, so wird die Muffe in der eingezeichneten Pfeilrichtung verschoben, und da alsdann eine niedrige Excenterfläche von dem abfallenden Theil 1, 2, 3 und 4 der Nase c1 unter das Ende des Hebels b2 zu wirken kommt, fallen die Verschiebungen des Kolbens b1 geringer aus; es wird die Flüssigkeitszufuhr und damit die antreibende Kraft vermindert. Der Gang der Maschine wird also auf die normale Tourenzahl zurückgebracht.

Umgekehrt wird bei zu langsamem Gang der Maschine die Muffe c im anderen Sinne verschoben und dadurch eine höhere Excenterfläche unter den Hebel b2 gebracht. Die Hübe des Kolbens b1 wachsen demnach, und mit diesen nehmen die Flüssigkeitszufuhr und die Stärke der Explosionen zu.

Während solcher Verschiebungen wird der Hebel a2 von der anderen unverändert hochliegenden Excenterfläche der Nase c1 beeinflusst, so dass die Hübe des Kolbens a1 immer dieselben bleiben.

Die Brennstoffpumpe von J. Waibel in Günzberg (* D. R. P. Nr. 75269 vom 9. Februar 1893) gehört zu denjenigen ihrer Art, bei denen sowohl der Pumpencylinder als auch der Kolben absatzweise bewegt werden und durch einstellbare Anschläge, welche die Bewegung des Kolbens begrenzen, die zu fördernde Flüssigkeitsmenge geregelt werden kann.

An dem an der Maschine beliebig befestigten Rahmen A (Fig. 49) gleitet, von Leisten gerade geführt, der Pumpencylinder B, welcher durch eine Oeffnung c abwechselnd mit dem den Brennstoff zuführenden Kanal a und dem den Brennstoff zur Maschine leitenden Kanal b in Verbindung gebracht und von einem der hin und her bewegten Theile der Maschine, z.B. einer Stange St, angetrieben wird, wobei es, falls die Stange St nach Art der Pleuel- oder |84| Excenterstangen bewegt wird, gleichgültig ist, ob man die Längs- oder die seitlich gerichtete Bewegung dieser Stange zur Bewegung des Pumpencylinders ausnutzt. Durch eine Stopfbüchse k ist ein Kolben i in den Cylinder eingeführt, welcher durch sich abwechselnd gegen Anschläge l und m des Rahmens A anlegende Bunde n und p p1 in seiner Bewegung begrenzt werden kann. Die Bunde n einerseits und p p1 andererseits können zur Veränderung des Kolbenhubes und damit der zu fördernden Flüssigkeitsmenge innerhalb gewisser Grenzen beliebig gegen einander verstellt werden.

Textabbildung Bd. 295, S. 84

Der Kolben i wird aus praktischen Gründen über den Kanal c des Cylinders B hinaus verlängert, wodurch eine entweder in den Kolben selbst oder in den Cylinder eingefräste Nuth q erforderlich wird, welche c mit dem Boden des Cylinders verbindet. Falls die zur Bethätigung der Pumpe benutzte Stange St einen den erforderlichen erheblich überschreitenden Hub besitzt, kann man dem Gleitstein s der Stange St ausser eventuell in der Seitenrichtung auch in der Längsrichtung der Pumpe ein gewisses Spiel geben. Geht der Pumpencylinder B aus seiner Mittelstellung nach unten, so beginnt er durch c und q Brennmaterial aus a anzusaugen, sobald der Bund n durch Kolben i sich auf den erwähnten Anschlag l legt und dadurch in seiner durch die Reibung in der Stopfbüchse k hervorgerufenen Bewegung gehemmt wird. Der Cylinder geht dann noch herunter und hierauf wieder in die Höhe, um nach Ueberschreitung der Mittellage, sobald der Kolben i gegen seinen oberen Anschlag m anstösst, bei seiner weiteren Aufwärtsbewegung Brennstoff durch q, c, b zur Maschine zu fördern.

Nachdem der Cylinder die höchste Stellung erreicht hat, wird er wieder herunter bewegt, um nach Ueberschreitung seiner Mittellage von Neuem zu saugen. Die Fördermenge der Pumpe beträgt Null, wenn die Kolbenanschläge so eingestellt sind, dass der Kolben selbst der ganzen Bewegung des Cylinders zu folgen vermag, während die grösste Fördermenge erzielt wird, wenn der Bund n des Kolbens sich bereits auf l auflegt, wenn der Cylinder bei seiner Abwärtsbewegung die Mittelstellung überschreitet und hiernach noch so lange abwärts bewegt wird, als noch Brennstoff aus a durch c in den Cylinder gelangen kann.

Zweck der Erfindung von J. Richardson und W. Norris in Lincoln (* D. R. P. Nr. 66768 vom 12. April 1892) ist, eine controlirbare Oelzuführung in der Weise zu sichern, dass die Gefahr des Versagens der Oelpumpe ausgeschlossen und der Betrieb der Maschine ebenso zuverlässig, wie der einer Gasmaschine ist. Dieser Zweck wird im Allgemeinen dadurch erreicht, dass die Oelpumpe so angeordnet wird, dass sie etwa die fünffache Menge Oel, als zum Speisen der Maschine nothwendig ist, zuführt, und den Ueberschuss nach dem Oelbehälter durch ein belastetes Ventil zurückführt; das Oel, welches in den Cylinder tritt, wird dabei durch ein eigenartig ausgebildetes Ventil zugelassen.

Der Oelpumpenplunger A (Fig. 50) wird durch eine Spiralfeder gehoben und durch den Winkelhebel B niedergedrückt, welcher von dem Daumen C1 auf der Steuerungswelle C Bewegung erhält. Der Hub des Plungers ist so bemessen, dass die Leistung der Pumpe mehreremal grösser als die Ladung Oel ist, welche in den Maschinencylinder jedesmal eingeführt werden muss. Es hat sich gezeigt, dass der fünffache Betrag des erforderlichen Volumens Oel eine geeignete Fördermenge der Pumpe wäre. Die Oelladung wird aus dem Hauptölbehälter K der Pumpe durch das Rohr K1 und das Ventil A1 zugeführt und durch das Ventil A2 mittels des Rohres A3 an den Raum zwischen den Ventilen E1 und G abgegeben. Das Ventil G wird durch eine Spiralfeder in bestimmter Weise belastet, so dass es sich nur dann öffnet, wenn dieser Druck überschritten wird. Das überschüssige Oel fliesst durch das Rohr G1 nach dem kleinen Oelbehälter H und gelangt von hier in den Hauptbehälter K durch das Rohr H1. Während des Hubes des Pumpenplungers A wird auf diese Weise der Raum zwischen den Ventilen E1 und G mit Oel bei einem constanten, durch die Federbelastung genau bestimmten Druck versorgt gehalten. Die Oelladung wird dem Maschinencylinder durch das Ventil E1 zugeführt, das durch die Spindel E, den Winkelhebel D, den Daumen D2 und die Steuerungswelle C bewegt wird.

Textabbildung Bd. 295, S. 84

Wenn das Ventil E1 offen ist, so tritt das unter Druck gehaltene Oel sofort unter das Ventil und gelangt durch eine oder mehrere kleine Bohrungen nach dem Kanal F, von wo die Einführung in den Cylinder durch eine Oeffnung von entsprechend kleinem Durchmesser erfolgt. Der Kanal F ist noch mit einem Stöpsel versehen, welcher eine ausreichend kleine Oeffnung trägt, da es sehr erwünscht ist, zwischen dem Ventil E1 und dem Cylinder nur einen möglichst kleinen Oeldurchtritt zu lassen. Die Pumpe A pumpt in dieser Weise eine Menge Oel, die erheblich grösser als die |85| Oelmenge ist, welche für die Explosionsladung erfordert wird. Die Menge Oel, welche dem Cylinder zugeführt wird, hängt von der durch das Ventil E1 freigelegten Oeffnung und von der Dauer der Ventilöffnung ab. Diese werden zum Theil durch die Form des Daumens D2, zum Theil durch den grösseren oder geringeren Hub des Ventils bestimmt. Die Schraube D1 am Ende des Winkelhebels D dient zur Einstellung dieses Hubes und danach zur Aenderung der Ladungsmenge. Das Ueberlaufrohr H1 von dem kleinen Oelbehälter H ist so angeordnet, dass der Plunger A stets in Oel eingetaucht ist, so dass eine Packung des Plungers entbehrlich wird. Die Ventilspindel E wird dagegen in passender Weise abgedichtet.

Pumpe von J. C. Moosdorf in Schweidnitz (* D. R. P. Nr. 66224 vom 5. Mai 1892) (Fig. 51).

Textabbildung Bd. 295, S. 85

Der Pumpencylinder a, welcher in dem Gestell b verschiebbar angeordnet ist, wird in seiner jeweiligen Lage durch den lose aufgelegten und durch eine Feder f niedergedrückten Deckel d durch Reibung gehalten. Innerhalb des Cylinders spielt ein Kolben c, welcher mittels eines Bundes oder Anschlages e den Cylinder a zeitweilig, und zwar jedesmal während des letzten Theiles seines Hubes mitnimmt. Zu diesem Zweck ist auf das hervorragende Ende des Cylinders a eine Büchse g aufgesetzt, über welche eine Ueberwurfmutter h übergreift. Der Bund e spielt zwischen dem ringförmigen Ansatz i der Ueberwurfmutter h und der vorderen Kante j der Büchse g. Bei k ist zwischen Büchse g und Kolben a eine Dichtung vorgesehen, welche das Erdöl an der Oberfläche entlang zu entweichen verhindert.

An dem Kolben c ist eine breite, ringförmige Nuth l eingedreht, welche mit dem Cylinderraum m durch einen Kanal n in Verbindung steht. In der Cylinderwandung a befinden sich zwei Durchbohrungen o und p, welche nur so weit von einander entfernt sind, dass sie stets mit der ringförmigen Nuth l verbunden bleiben. In der äussersten rechten Stellung des Cylinders a deckt dessen Durchbohrung o sich mit dem Einlasskanal q, und in der äussersten linken Stellung deckt sich die Durchbohrung p mit dem Auslasskanal r. Bei der durch Fig. 51 erläuterten Stellung steht der Einlasskanal q mit dem Raum m durch die Kanäle o l n in Verbindung. Diese Verbindung wird zunächst auch beibehalten, wenn der Kolben sich in Richtung des Pfeiles l bewegt, und zwar so lange, bis der Bund e an den Ansatz i der Ueberwurfmutter h anstösst. Während dieser Zeit hat der Raum m sich vergrössert, und es ist Erdöl aus dem Kanal q angesaugt. Beim weiteren Vorschreiten des Kolbens c in Richtung des Pfeiles 1 nimmt derselbe den Cylinder a mit Hilfe des Bundes e mit und sperrt den Kanal q ab. Ist er an dem Rand seines Hubes angelangt, so deckt sich die Durchbohrung p mit dem Auslasskanal r, und dieser Kanal r steht nunmehr mit dem Raum m in Verbindung. Bei der Rückwärtsbewegung des Kolbens c im Sinne des Pfeiles 2 wird der Cylinder a zunächst durch Reibung festgehalten, und es verkleinert sich daher der Raum m, so dass die in demselben befindliche Flüssigkeit durch die Kanäle n l p in den Auslasskanal r getrieben wird. Der Austritt des im Cylinder befindlichen Erdöles geschieht so lange unbehindert, bis der Bund e an die Kante j der Büchse g anstösst. Bei der weiteren Bewegung wird der Cylinder a mitgenommen und der Kanal r abgesperrt. Ist der Kolben an das Ende seines Hubes gelangt, so nimmt er wieder die in Fig. 51 dargestellte Stellung ein und ist zum neuen Ansaugen der Flüssigkeit bereit.

Bei der dargestellten Anordnung wird der Kolben nur in der angedeuteten Pfeilrichtung auf maschinellem Wege oder anderswie zwangläufig bethätigt, während die Rückbewegung selbsthätig mit Hilfe der in der Führungshülse s angeordneten Wickelfeder t bewirkt wird. Der Hub des Kolbens erhält nach rechts durch die Mutter u eine einstellbare Begrenzung, welche an der Hülse s einen Anschlag findet und mittels der Gegenmutter u1 festgezogen ist. Durch Drehung der Ueberwurfmutter h kann auch die gegenseitige Beweglichkeit des Cylinders und des Kolbens eingestellt und dadurch die Menge der bei jedem Hub angesaugten Flüssigkeit geregelt werden. Zur Feststellung der Ueberwurfmutter h dient ebenfalls eine Gegenmutter h1. Die Ueberwurfmutter h kann natürlich auch durch andere, beispielsweise an der Kolbenstange c vorgesehene stellbare Anschläge (Muttern) ersetzt werden.

Die den Deckel d niederdrückende Feder f kann mit Hilfe der Stellschraube v angezogen werden. Letztere sitzt in der Brücke w und kann gegen diese durch die Mutter w1 festgelegt werden. Mittels der Stifte oder Schrauben z steht die Brücke w mit dem Gestell b im Zusammenhang.

Nach der Meinung von C. Pieper in Berlin (* D. R. P. Nr. 63377 vom 7. November 1891) beruhen die hauptsächlichsten Mängel der Erdölpumpen bei Erdölkraftmaschinen in der Abdichtung des Pumpenkolbens, bezieh. bestehen in dem Undichtwerden der Ventile, sobald nur die kleinsten Schmutztheile zwischen die Sitzflächen der letzteren gelangen. Die in Fig. 52 dargestellte Pumpe vermeidet jene Uebelstände durch die Anwendung eines besonderen Raumes zur Aufnahme von Glycerin, so dass der Pumpenkolben nur mit letzterem in Berührung kommen kann, und durch die Anwendung eines Schiebers, dessen Bewegung von einer unrunden Scheibe aus erfolgt, die zugleich zur Bewegung des Pumpenkolbens dient.

A ist der Pumpenkörper, B der Kolben, C der Schieber, D der Raum zur Aufnahme von Glycerin, F die unrunde Scheibe zur Bewegung von Schieber und Kolben, G ein Hebel mit Rolle g zur Uebertragung der Bewegung des Nockens auf den Pumpenkolben, H ein Doppelhebel mit Drehpunkt in u zur Uebertragung der Bewegung auf den Schieber; die Hebel G und H werden durch aus der Zeichnung nicht ersichtliche Federn gegen die Nockenscheibe gedrückt.

In der gezeichneten Lage ist der Auslasskanal a durch |86| eine Mulde m im Schieber C mit dem Kanal b verbunden, und während nun die unrunde Scheibe F in der Pfeilrichtung bewegt wird, findet ein Heben der Rolle g und damit des Hebels G, sowie des Pumpenkolbens B statt. Hierbei wird aus dem Raum D eine geringe Menge des über der Glycerinschicht lagernden Erdöles durch Kanal b und Mulde m in den Abflusskanal a gedrückt. Während dieser Zeit bleibt der Schieber C unbeweglich in der gezeichneten Lage stehen, wie sich aus der Betrachtung der Fläche x z der Scheibe F ohne weiteres ergibt. Hat Punkt x die Rolle g erreicht, dann ist Punkt z an Rolle h angelangt, und jetzt wird die Rollo h auf der Fläche z v ablaufen, sich dabei nach links und den Schieber nach rechts bewegend, derart, dass die Mulde m den Einlasskanal o in Verbindung mit dem Kanal b bringt. Mittlerweile ist die Fläche x z unter der Rolle g hergelaufen, ohne den Pumpenkolben im Geringsten zu bewegen. Weiterhin liegt die Rolle h auf der centrischen Fläche v w auf; der Schieber bleibt daher in seiner Stellung nach rechts unbeweglich stehen, dagegen wird die Rolle g mit Hebel und Pumpenkolben auf der Fläche z v sinken und der Kolben bei dieser Abwärtsbewegung eine kleine Menge Erdöl durch Kanal o, Mulde m und Kanal b im Raum D ansaugen. Zur Verstellung des Hubes vom Pumpenkolben B dient die Schraube S und der feste Anschlag T in der Weise, dass bei einem Niederschrauben von S die Rolle mit Hebel und Kolben in mehr oder minder grossem Abstand von der Fläche v w der unrunden Scheibe gehalten wird.

Textabbildung Bd. 295, S. 86

Der Kolben befindet sich vollständig in Ruhe, wenn der Schieber bewegt wird, und umgekehrt der Schieber feststeht, wenn der Kolben aufwärts bezieh. abwärts geht. Das Glycerin im Raum D steht mit dem Kolben durch die Bohrung i an der tiefsten Stelle des Raumes in Verbindung. Die Ledermanschetten M, welche bei den bisherigen Einrichtungen unter der Einwirkung des Erdöles standen und selbst im präparirten Zustande nach kurzer Zeit hart und brüchig bezieh. für Erdöl durchlässig wurden, stehen hier vollständig in Glycerin, welches diese Manschetten dauernd geschmeidig erhält. Da das specifische Gewicht des Glycerins grösser ist als das des Erdöles, so wird letzteres über ersterem, wie gezeichnet, stehen bleiben.

(Schluss folgt.)

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