Titel: Neuerungen an mechanischen Buckskinstühlen.
Autor: Braulik, A.
Fundstelle: 1895, Band 295 (S. 97–105)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj295/ar295023

Neuerungen an mechanischen Buckskinstühlen.

Eine Studie von Ing. A. Braulik.

Mit Abbildungen.

Es ist eine natürliche Wahrnehmung, dass das Bestreben der Webereibesitzer dahin gerichtet erscheint, die Leistungsfähigkeit eines Webstuhles möglichst auszunutzen, und ebenso natürlich beim Webstuhlbauer, durch die möglichst grosse Leistungsfähigkeit seiner Fabrikate, den Kundenkreis zu erweitern.

Textabbildung Bd. 295, S. 97

Die öfters gemachte Annahme, die Tüchtigkeit oder Brauchbarkeit eines Webers mit 40000 Schuss für den Tag zu taxiren, bedingt eine grosse Geschwindigkeit und anstandslose Function aller arbeitenden Theile, und diese wieder war die Ursache, dass manche „historisch“ gewordene Details durch neuere, anders beschaffene ersetzt wurden. Die Aufgabe der vorliegenden Studie ist nun die, jene Neuerungen mit Zuhilfenahme leicht fasslicher Skizzen, die in erster Linie bei den Buckskinstühlen, vielmehr in der Schafwollbranche Verwendung finden, erschöpfend zu besprechen. Es liegt in der Natur einer Studie, und bei dem Umstände, dass die zu bringenden Constructionen durch Patente geschützt sind, eine solche Besprechung von einem rein objectiven Standpunkte zu behandeln, indem dieselbe vorzüglich dazu bestimmt erscheint, das Interesse in allgemeiner Richtung zu fördern. Bei dem interessantesten Theile eines Webstuhles – beim Schützenwechselmechanismus, bemerkt man bei den modernen Ausführungen grösstentheils das Bestreben, die Vorzüge einer Antriebsart allgemein auszunutzen. Es unterliegt keinem Zweifel, dass die Benutzung des Knowles-Getriebes immer allgemeiner wird. Die Knowles-Stühle aus Massachusetts in Nordamerika haben durch die Webstuhlfabrik Hutchinson und Hollingworth in Dobeross bei Oldham in Europa eine ziemliche Verbreitung gefunden, und verschiedene Webstuhlbauer des europäischen Festlandes bringen Knowles-Getriebe mit Vorliebe bei ihren neuesten Constructionen zur Geltung.

Textabbildung Bd. 295, S. 97

Das Knowles-Getriebe ist in Fig. 1 gezeichnet. Die nach gezeichneter Art gezahnte Scheibe a ist ⅛ Zoll breit und in dem Arme b drehbar gelagert. Diese Scheibe gelangt in Eingriff mit einer theilweise gezahnten Walze B dann, wenn in der Rollenkarte K eine Hülse unter Arm b kommt – oder in Eingriff mit einer gleichartig beschaffenen Walze A, wenn Arm b durch eine Rolle in der Karte K gehoben wurde. Indem die Drehungsrichtungen der beiden Walzen A und B entgegengesetzt sind, wird die Verdrehung der Scheibe a durch B von links nach rechts, und durch A von rechts nach links erfolgen.

Es ist die Stelle gerade gezeichnet, wo der Eingriff der Scheibe a mit Walze B beginnt. Durch den gezahnten Theil erleidet die Scheibe a eine Drehung, etwas grösser als 180°. Es kommt daher der Kurbelzapfen g nach erfolgter Drehung nach rechts, so auch der mit g durch Arm f verbundene Punkt e.

Soll die gezeichnete Position erfolgen, braucht man bloss a mit A in Eingriff zu bringen. Verbindet man nun den Punkt e z.B. mit den Schäften durch eine geeignete |98| Zwischenvorrichtung, oder mit den Huborganen eines Schützenwechsels, so haben wir im ersten Falle den Weg des Punktes e = zweimal Kurbelradius der Fachgrösse anzupassen und erhalten die Offenfachschaftmaschine, oder den Weg des Punktes e mit der Zellenhöhe der Schützenkästen, und erhalten auf diese Weise eine Anzahl Constructionen, die wir näher betrachten werden. Wir werden im weiteren Verlaufe für das Knowles-Getriebe eine typische Bezeichnung einführen.

Textabbildung Bd. 295, S. 98

Verbindet man in Fig. 2 den Punkt e des Getriebes mit einem Winkelhebel C und diesen Hebel wieder in der gezeichneten Art mit dem Schafte S, so erhält man eine Offenfachschaftmaschine. Es wird sich der Schaft S, der sich im Oberfach befindet, durch eine Hülse der Rollenkarte R direct in das Unterfach bewegen und daselbst so lange bleiben, bis eine Rolle der Karte ihn wieder in die gezeichnete Lage bringt. Bei der Ausstellung in Chicago 1893 ist die Verbindung des Winkelhebels C mit dem Schafte in der Art, wie in Fig. 3 gezeichnet ist, vertreten gewesen. Diese Verbindung besitzt einige Vortheile, besonders den Wegfall der gebogenen Drähte i und eine ruhigere Arbeit.

Textabbildung Bd. 295, S. 98

Verbindet man den Angriffspunkt e des Knowles-Getriebes mit einem einarmigen Hebel A (Fig. 4), befestigt hierauf das eine Ende der Kette s in einem Schlitz dieses Hebels und lässt die Kette über Rollen zu der Schützenkastenstange gehen und das zweite Kettenende mit dieser verbinden, so erhält man den Schützenwechselmechanismus für einen zweizeiligen Schützenkasten. Wollen wir einen dreifachen Schützenwechsel oder zwei Zellen zu beiden Stuhlseiten, so nimmt man für die zweite Stuhlseite dieselbe Vorrichtung. Die Schraube r dient zur genauen Einstellung des zweiten Kastens zur Schützenbahn.

Combinirt man diesen einarmigen Hebel mit einem zweiarmigen B, befestigt auf diesen die Kettenrolle a so, wie in Fig. 5 gezeichnet, so bekommt man die Schützenwechselvorrichtung für vier Kästen, oder, doppelt am Stuhle angebracht, für einen siebenfachen Schützenwechsel.

Der Schützenwechselmechanismus ist gezeichnet in der Stellung, wo die Kette s am meisten verkürzt erscheint, d.h. der vierte Schützenkasten an der Ladenbahn steht. Kommt e nach e', so fällt der Schützenkasten um eine Zelle – Kasten III ist eingestellt. Kommt vom Hebel B e1' nach e1, so fällt der Kasten noch um weitere zwei Zellen – der Kasten 1 kommt zur Bahn. Es sind hier wie bei allen siebenschützigen Wechseln zwei Huborgane, d. i. A und B, von denen das eine B die doppelte Wirkung von A hat. Es entspricht daher in der Rollenkarte für Kasten I: Hülsen für A und für B; für Kasten II: Rolle für A, Hülse für B; für Kasten III: Hülse für A, Rolle für B, und für Kasten IV: Rollen für A und B.

Textabbildung Bd. 295, S. 98
Textabbildung Bd. 295, S. 98

Für den Hebel B ist ein zweites Getriebe mit g1, f1 und e1 vorhanden. Werden nun die Hebel A, B und C nach Fig. 6 mit den Getrieben verbunden, so erhält man die Wechselvorrichtung für sechszellige Kästen oder einen 11 fachen Schützen Wechsel. Die Verdrehung des Hebels B in der Art, dass Punkt e2 nach e2' gelangt, hebt den Schützenkasten um eine Zellenhöhe, die des Hebels A oder C, wobei e1 nach e1' bezieh. e3 nach e3' gelangt, hebt um zwei Zellen. In der gezeichneten Lage wird Kasten 1, |99| d.h. der oberste, an der Ladenbahn stehen; es entsprechen den einzelnen Kästen folgende Stellungen:

Kasten I: e1, e2, e3,
II: e1, e2', e3,
III: e1', e2', e3 oder e1, e2, e3',
IV: e1', e2', e3 oder e1, e2', e3',
V: e1', e2', e3',
VI: e1', e2', e3'.
Textabbildung Bd. 295, S. 99

Bedenkt man nun, dass den Punkten e1, e2, e3 in der Rollenkarte die Hülsen, jenen e1', e2', e3' die Rollen entsprechen, so ist die Anfertigung der Karte sehr leicht.

Die Verbindung der bis jetzt besprochenen Wechselmechanismen durch eine Kette s mit den Schützenkastenstangen hat aber auch, trotz ihrer grossen Einfachheit, Uebelstände, die recht unangenehm werden können.

Textabbildung Bd. 295, S. 99

Die Spannung dieser Kette erfolgt lediglich durch das Gewicht der Schützenkästen mit den darin befindlichen Schützen. Der Mechanismus wirkt daher nur für das Heben, das Fallen der Kästen erfolgt durch Eigengewicht. Es kann nun geschehen, dass, wenn der höhere Kasten eingestellt gewesen, die Schützenspitze im Picker stecken bleibt. Soll nun ein tiefer liegender Kasten folgen, so arbeitet der Mechanismus weiter, der Kasten bleibt aber sitzen, verstellt sich etwas und der ankommende Schützen haut in

den vollen Kasten hinein oder fliegt aus dem Fache heraus u.s.w., was besonders der Fall ist, wenn man einen englischen Webstuhl besitzt, bei welchem die Schussfolge durch eine Rollenkarte positiv erfolgt. Ferner ist die Kette nicht mit dem Kasten direct in Verbindung, sondern durch eine Feder eingeschaltet. Es ist dies die Sicherung, um einem Bruche dann vorzubeugen, wenn der Hebung ein Hinderniss sich entgegenstellt; in diesem Falle wird die Feder zusammengedrückt.

Die Uebertragung auf die Schützenkästen der anderen Seite erfolgt durch Kettentheile und Stangen, die zusammen etwa 5 m Länge besitzen. Durch Temperaturänderungen ändert sich ganz wenig diese Länge, doch genügend, um die Kasteneinstellung ungenau zu machen. Indem bei 75 bis 85 Schlägen in der Minute und über 2 m Stuhlbreite der Schützen mit einer grossen Gewalt ankommt oder mit einer grossen Geschwindigkeit den Kasten verlässt, kann die Schützenzelle leicht deformirt werden oder der Schützen fliegt aus dem Stuhle heraus.

Man hat daher bei Knowles, so auch Hollingworth, die Construction positiv wirkend gemacht, wobei Auslösungen dann in Wirkung kommen, wenn ein Hinderniss bei Hebung oder Senkung der Kästen eintritt.

Auch bei den anderen Stuhlbauern, die das Knowles-Getriebe acceptirt haben, werden zwangsläufige Bewebungsconstructionen ausgeführt, und dadurch wurde eine Fülle interessanter Ausführungen geschaffen, die wir einer Beobachtung unterziehen werden.

Eine solche einfachste Vorrichtung ist in Fig. 7 gezeichnet. Die Kette ist durch Hebel und Stangen ersetzt. Die Wirkungsweise ist aus der einfachen Skizze leicht verständlich, bedarf daher keiner weiteren Erklärung.

Textabbildung Bd. 295, S. 99

Verbindet man jedoch ein zweites Getriebe mit einem gleichartigen Winkelhebel A' noch hierzu, so erhalten wir die positive Anordnung für vier Zellen oder einen siebenfachen Wechsel. Man braucht nur das Verhältniss a b : b c = 1 : 2 zu machen (vgl. Fig. 8).

Eine andere patentirte Vorrichtung für einen siebenfachen Schützen Wechsel erhält man, wenn das einfache Gelenk a b c (Fig. 9) als Motiv angenommen wird. Verbindet man den Punkt b in irgend welcher Weise mit den Schützenkästen, und wird das Gelenk gehoben und gesteckt, so kann b in solche Höhenlagen gebracht werden, welche den einzelnen Kastenstellungen entsprechen. Wird zunächst a fest gedacht und c beweglich, so kommt b in eine Lage b2; ist c fest gedacht und a beweglich, so kommt b in eine Lage b3; bewegt man a und c, so summirt sich die Wirkung und b kommt in eine Lage b4. Die Art, in welcher dies stattfinden kann, zeigt Fig. 10.

Bewegt man e2 nach e2', so kommt c nach c', b nach 2 – Kasten 2. Bewegt man allein e1 nach e1', so kommt a nach a', b nach 3 – Kasten 3. Bewegt man gleichzeitig e1 nach e1' und e2 nach e2', so kommt a nach a', c nach c', b nach 4 – Kasten 4 ist an der Ladenbahn. Wird nun der Punkt b in den Schlitz eines einarmigen |100| Hebels gegeben und verbindet man diesen Hebel mit einem dritten Getriebe, so erhält man den Mechanismus für fünf Kästen oder einen neunfachen Schützen Wechsel.

Textabbildung Bd. 295, S. 100

Es sei in Fig. 11 das Gelenk a b c mit dem einarmigen Hebel Q combinirt, so ist leicht zu bemerken, dass, wenn Punkt 1 aus der Stellung 4 durch Verdrehen dieses Hebels Q nach 5 kommt, auch Kasten V an der Ladenbahn sein wird. Wird nun das Gelenk a b c beibehalten und man will einen Wechselmechanismus für acht Kästen beiderseits oder einen 15fachen Schützenwechsel construiren, so braucht man hierzu pro Stuhlseite auch nicht mehr als drei Huborgane. Man muss nur beachten, dass das eine Huborgan um eine Zelle, das zweite um zwei Zellen, das dritte jedoch um vier Zellen den Kasten bewegt.

In Fig. 12 ist a b c das Gelenk mit seiner Verbindung e1 e2 mit dem Getriebe I und II. Ein Winkelhebel d e3 ist mit dem Getriebe III verbunden. Der Punkt b, so auch d sind durch Zugstangen mit einer Stange h k drehbar verbunden, welche in ihrer Längenmitte einen Bolzen i besitzt, der mit der Stange i l m verbunden ist, welche bei m mit der Kastenstange in der bekannten Ausführungsart verbunden werden kann. Es entsprechen nun, wie man auf der Zeichnung verfolgen kann, den einzelnen Kastenstellungen die Lagen:

Kasten 1; a, b, c, d,
2; a, 2, c', d,
3; a', 3, c, d,
4; a', 4, c', d,
5; a, b, c, d',
6; a, 6, c', d',
7: a', 7, c, d',
8; a', 8, c', d'.

Es ist daher die Wirkung wie bei dem Schützenwechsel Fig. 10 für vier Kästen, für die anderen vier Kästen kommt zu diesen Stellungen die Bewegung des Punktes d hinzu.

Es ist aus den bis jetzt gemachten Studien über die Schützenwechselconstructionen ersichtlich, dass dieselben im Vergleiche mit anderen Wechselvorrichtungen sehr einfach sind, und da sie nur aus Hebeln und Stangen bestehen, auch die Erzeugungsweise sehr billig ist. Es wird dann noch das Gewicht der Kästen durch ein Gegengewicht auf dem Hebelende i l ausgeglichen und der ganze Mechanismus arbeitet sehr leicht und zwangsläufig. Es ist auch klar ersichtlich, dass die Zeichnungen nur typisch sind, die Verbindung des Mechanismus mit den Schützenkästen hängt hiervon ab, auf welcher Seite und Gegend am Stuhle die Wechselvorrichtung angebracht wird. Die Uebertragung auf die andere Stuhlseite kann so erfolgen wie bei Stühlen von Math. Snoeck in Ensival-Verviers, oder auf eine andere Art. Es erscheint nicht zweckmässig, die completten Mechanismen zu beiden Seiten des Stuhles anzubringen, da dadurch der Stuhl wesentlich vertheuert wird, und der Antrieb der theilweise gezahnten Walzen A und B (Fig. 1) doppelt vorhanden sein muss.

Textabbildung Bd. 295, S. 100

Es ist einleuchtend, dass man jeden jetzt existirenden Schützen Wechselmechanismus durch Knowles-Getriebe in Function setzen kann, man jedoch dieselbe Wirkung durch eine viel einfachere Construction erhält. Dies ist auch die Ursache, dass die sächsischen Webstuhlfabriken das Knowles-Getriebe besonders für den Schützenwechsel bei ihren neuesten Webstühlen benutzen, und dadurch alte Constructionen verschwinden. Je leichter und einfacher ein Mechanismus gemacht ist, desto schneller kann derselbe arbeiten, indem Details, die einer Abnutzung unterworfen sind, nahezu verschwinden. Dadurch kann der Webstuhl |101| rascher arbeiten, was sonst mit den complicirten Mechanismen, bestehend als Excenter, Platine, Messer, Federn u.s.w., nicht möglich gewesen.

Nächstfolgend wollen wir einige solche Schützen Wechsel, wie sie in Deutschland gemacht werden, betrachten, wobei wir jedoch nur Rücksicht auf wirklich eingeführte nehmen werden.

Textabbildung Bd. 295, S. 101

In Fig. 13 ist das Knowles-Getriebe a zwischen zwei Rollenkarten R, R'; Rolle rechts und Hülse links bringen a in Eingriff mit B, Rolle links und Hülse rechts mit A. Die Punkte e1 e2 der beiden Getriebe sind mit Winkelhebeln e' i', e2 i2 verbunden und diese mit Zugstangen wieder mit dem Winkelhebel a c d bezieh. b x c. Der Winkelhebel a c d ist gelagert in c auf dem Winkelhebel b x c, der bei x drehbar gelagert ist.

d c : c x = 2 : 1.

Textabbildung Bd. 295, S. 101

Kommt e1 nach e1' oder i1 nach i1', so gelangt a nach a' und d nach d' – Kasten III. Kommt b nach b' oder c nach c', so wird Winkelhebel a d c gehoben nach a2 d2 c' – Kasten II. Erfolgen beide Bewegungen gleichzeitig, d.h. c nach c' und a2 nach a3, so kommt d2 nach d3 Kasten IV.

Einfacher gestaltet sich die Construction, wenn die Anordnung so getroffen wird wie in Fig. 14. Das eine Getriebe ist mit dem Winkelhebel e c d, das zweite mit e' c' d' versehen, wobei c d = ½ c' d' Die Wirkungsweise ist aus der Zeichnung leicht ersichtlich. Macht man c d = c' d', jedoch a b = ½ b g, so hat man denselben Fall wie in Fig. 8.

Textabbildung Bd. 295, S. 101

Ich habe bereits früher bemerkt, dass man alle bestehenden Wechselconstructionen mit dem Knowles-Getriebe combiniren kann. Es wäre zu weitführend und nicht ganz zweckmässig, dieselben zu zeichnen, indem nach dem bis jetzt Gesagten jeder Constructeur, der ein Interesse hierfür hat, es selber leicht zu stände bringt, und dann – alte complicirte Wechsel mit Knowles-Getriebe zu kuppeln, wobei man viel einfachere Constructionen hat, die besser arbeiten, – wäre eine Spielerei ohne vielen Werth. Die folgenden drei Beispiele sollen hierzu dienen, neue und einfache Wechsel, die mit Knowles-Getriebe noch nicht gemacht werden, mit diesem zu verbinden, da man dadurch eine wirklich gute und einfache Construction erhält.

Textabbildung Bd. 295, S. 101

Nimmt man im Schützenwechsel1) die beiden Excenter I und II (Fig. 15), verbindet jedes mit einem theilweise verzahnten Rad z1, z2 und verdreht diese Räder um 180°, also auch mit ihnen die Excenter, und durch gezeichnete Anordnung verbindet man dann die gezahnten Hebel a, b mit den Knowles-Getrieben, so erhalten wir eine neue Vorrichtung.

Ersetzt man diese Excenter (Fig. 15) durch Kurbelscheiben und verbindet die Zapfen mit Stangen an den Hebel a b c (Fig. 8), so erhält man den Snoeck-Wechsel mit Knowles-Getriebe.

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Ausserordentlich einfach gestaltet sich dies, wenn man das eine Excenter in das andere legt (Hacking-Wechsel), Fig. 16. Die Verbindung mit dem Knowles-Getriebe hierzu ist wie in Fig. 15. Was den Antrieb der Excenter anbelangt, so ist dieser aus der Patentbeschreibung bekannt.

Neuerungen beim Antrieb.

Textabbildung Bd. 295, S. 102

Gewöhnlich erfolgt der Antrieb bei den Buckskinstühlen durch eine Reibungskuppelung, wobei der Konus fest auf der Welle, der zweite hohle Theil lose, auf dessen Umfang der Antriebsriemen läuft, und von dieser Vorgelegewelle durch konische Kader 1 : 3 die Hauptwelle des Stuhles in Bewegung gesetzt wird. Die amerikanischen Constructionen haben keine Reibungskuppelung, sondern eine Fest- und Losscheibe, welch letztere viel breiter als die erstere, so dass der Riemen bei Leergang ganz auf der Leerscheibe, beim vollen Gang noch theilweise auf der Leerscheibe läuft. Diese wird schwer gemacht oder, wie bei Crompton, mit einem Schwungrade verbunden, das ausgleichend wirken soll. Es ist constructiv schlecht, den schnelleren Gang des Stuhles durch Auswechselung des einen konischen Rades zu erzielen, da die Schräge bei den Zähnen nur für ein Räderpaar genau passen kann. Dieser Uebelstand, der beinahe bei allen Stuhlconstructionen merkwürdiger Weise beibehalten wurde, hat sich beim sehr schnellen Gang noch gefährlich gezeigt, und es kommen nun belgische Stühle auf den Markt, welche diesbezüglich eine Antriebsänderung bereits besitzen.

Textabbildung Bd. 295, S. 102

Eine solche ist in Fig. 17 gezeichnet. Neu ist eine Zwischenwelle mit den Stirnrädern a, b. Diese können gegenseitig ausgewechselt werden, so dass die Summe der Theilkreisradien immer gleich bleibt, daher auch die Entfernung beider Wellen A und B. Die Summe der Zähne von a und b ist immer gleich, z.B. 40:

hat a Zähne hat b Zähne Stuhl macht Touren
18 22 53
19 21 59
20 20 65
21 19 72
22 18 79

Amerikanische und englische Webstühle erhalten eine Vorrichtung, die es erlaubt, den Webstuhl verkehrt laufen zu lassen; ganz natürlich muss danach auch die Schlagvorrichtung construirt sein oder wird sie beim Zurückweben ausgeschaltet.

Textabbildung Bd. 295, S. 102

Eine solche Construction ist in Fig. 18 und 19 gezeichnet.

Soll der Stuhl zurücklaufen, so tritt der Arbeiter auf den Tritt T und presst dadurch die Reibungsscheiben a und d auf die Leerscheibe und Festscheibe. Durch die Zahnräder b, c wird die Festscheibe in verkehrter Richtung laufen, als dies der Fall ist, wenn ein Riemen auf derselben läuft oder Kuppelung eingerückt ist. Das Zurückweben, wobei man die Rollenkarte zurücklaufen lässt, der Stuhl jedoch in gleicher Richtung läuft, hat auch eine Verbesserung erhalten.

Bei den Crompton-Stühlen, wie dieselben in Ensival gebaut werden, erfolgt beim Umstellen des Wendehakens auf der Cylinderlaterne gleichzeitig das Auslösen des Schlagwerkzeuges und des Waarenbaumregulators. Bei englischen Stühlen, nach Knowles-Hollingworth's Patent gebaut, wie in Fig. 20 angedeutet erscheint.

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A und B sind die segmental gezahnten Walzen, zwischen welchen die Getriebe liegen und von welchen sie ihre Verdrehung erhalten; A' B' dienen zum Antrieb des Wechselmechanismus und der Schlag Vorrichtung. Schrauben x und y dienen als Klemmschrauben, da A' oder B' lose auf Nabe von A bezieh. B sitzen, und erlauben eine richtige Stellung des Wechsels und des Schlages. Der Antrieb erfolgt von der Kurbelwelle mit einer Uebersetzung 1 : 1 auf die senkrechte Welle a, die durch Räder b und c die untere Welle D mit B, B' direct antreibt. A und A' sind lose auf Welle C, fest darauf die Klauenkuppelung K und Zahnrad E. Durch Räder d, e erfolgt der Antrieb von A A'. Ist K in Eingriff mit e, so dreht sich Welle C in derselben Richtung wie A A', ist K in Eingriff mit f, so entgegengesetzt. Die Rollenkarte erhält ihre stetige Bewebung vom Rade E mit einer Uebersetzung 1 : 6. Durch die eben beschriebene Einrückung kann C zurücklaufen, also beim Rückweben. Es wird in diesem Falle die Welle a ausser Verbindung mit der Kurbelwelle gebracht und am Handrade H gedreht. Diese Arbeit ist eine ziemlich schwere, da man die Schaftmaschine, den Wechsel und die Schlagvorrichtung durch die Hand bewegen musste. Damit dies entfalle, kann man von der Transmission aus, wenn der Riemen auf der Leerscheibe läuft, also der Stuhl stillsteht, diese Arbeit verrichten lassen.

Zu dem Behufe bringt man auf die Leerscheibe (die sich immer dreht, wenn die Transmission arbeitet) eine Kettenrolle und verbindet diese durch Zwischen trieb mit der Kettenrolle L, welche lose auf der Welle C sitzt. Diese Rolle L dreht sich in derselben Richtung wie das Rad f. Bringt man die Kuppelung K in Eingriff mit dem Rade f und dieses durch eine zweite Kuppelung mit der Kettenrolle L, so verrichtet der Leerscheibenantrieb dieselbe Arbeit, die früher der Weber am Handrade H leisten musste, d.h. die Musterkarte bewegt sich zurück u.s.w.

Will man jedoch, dass dies nur für einen Schuss erfolge und der Mechanismus nach jeder Umdrehung der Welle C stillstehe, werden beide Kuppelungen durch eine Ausrückstange passend verbunden; die Nabe der Kuppelung zwischen f und L hat eine Schraubennuth, die in sich zurückkehrt, und in dieselbe greift ein Bolzen, der auf der Ausrückstange befestigt ist. Es kommen dadurch nach jedem Schuss die Kuppelungen ausser Eingriff. Der Arbeiter braucht bloss einzurücken für jeden Schuss, bis er den letzten guten gefunden hat.

Eine andere Vorrichtung (Patent Ed. Hollingworth) bezweckt, den Waarenbaum, Mustercylinder u.s.w. zwangsweise, beim Zurückdehnen der Waare, im correcten Verhältniss zurückzuführen, so dass Mustercylinder und Waarenbaum nach beliebig grossen zurückgenommenen Waarenstücken die richtige Stellung behalten. Zu dem Behufe sitzt auf der Welle C in Fig. 20 eine Kettenrolle M, die durch eine Gliederkette A den Waarenbaum antreibt. Es wird der Antrieb aus Fig. 21 leicht erklärlich sein. Die Querwelle D kann durch Anwendung von Wechselrädern B in variable Rücklauf- und Vorlaufgeschwindigkeit zum Mustercylinder gebracht werden.

Auf der Querwelle D sitzt das Handrad a lose und auf seiner hülsenartigen Nabe die Schnecke s fest. Damit sich diese Schnecke durch die Drehung von D auch mitdrehe, dient ein Stift c, der im Arme x verschiebbar gemacht ist, welcher Arm x fest verkeilt mit D ist.

Textabbildung Bd. 295, S. 103

Steckt nun Stift c in a, so wird s sich drehen und durch Schneckenrad r der Waarenbaum W B angetrieben. Will man die Verbindung mit dem Mustercylinder lösen, so braucht man bloss Stift c herausziehen. Das Rad a hat mehrere Oeffnungen für den Stift c, damit die Einschaltung ohne langes Suchen vor sich gehen kann. Ist der Waarenbaum durch Herausziehen des Stiftes c von dem Mustercylinder unabhängig gemacht und will man zur bedingungsweisen Regulirung des Waarenbaumes gehen, so erfolgt der Antrieb des Mechanismus von der Ladenachse durch Hebel i aus. Zu dem Behufe ist auf der Hülse von s festgekeilt das Schaltrad d, lose der Schalthebel f mit Schaltklinken e und Gewichtshebel g. Der Arm i hebt g, Gewichte h ziehen nach unten und die Schaltung ist aus Fig. 22 leicht erklärlich und wie bei den negativen Regulatoren.

In Fig. 23 ist die Abwinde- und Aufwindevorrichtung für zwei Kettenbäume I und II gezeichnet. Der Antrieb derselben erfolgt von der Lade L aus, und zwar für die Waarenaufwickelung in der bekannten Art durch Bolzen x. Die Kettenabwindevorrichtung (Kettenbaumregulator) vom Winkelhebel a, der durch Verbindung mit dem Ladestelzenbolzen y in eine schwingende Bewegung gebracht wird.

Die schwingende Bewegung des Hebels a wird auf |104| den Hebel c übertragen, von diesem durch die Stange d auf die Klinken e, welche das Schaltrad f, Welle g und Schnecke h verdrehen und diese mit dem Schneckenrade i den Kettenbaum l. In gleicher Weise schwingt Hebel m und dieser bewegt durch Stange n die Klinken o, welche das Rad p, Querwelle r, Schnecke s und diese mit dem Schneckenrade t den Kettenbaum II. Die Kettenspannung wird durch die Gewichtshebel G und G1 bewirkt, durch welche die Streichbäume S und S1 das Bestreben erhalten, stuhlauswärts zu schwingen und so die Kettenfäden spannen. Die Grösse der Schaltung ist abhängig von der Grösse der Schwingung der Hebel c für den Baum I, des Hebels m für den Baum II. Indem der Weg der Punkte z und k für jeden Schuss gleich gross ist, die Schaltung jedoch bedingungsweise erfolgen soll, ist die Verbindung dieser Punkte mit Hebel c bezieh. m keine fixe, sondern nur hebend dann, wenn die Lade stuhleinwärts schwingt. Durch Schraube A kann man den Rückgang des Hebels c aus seiner durch Stellring b bewirkten Höhenlage begrenzen, ebenso durch Schraube B den Hebel m im Schlitze l, so dass diese Hebel in einer Lage stehen bleiben, wenn beim Vorwärtsschwingen der Lade der Stellring b und Schleife l nach unten gehen. Es erfolgt dadurch, dass der Stellring b bei seinem Aufgange erst, nachdem er ein Stück Weges zurück gelegt hatte, auf den Hebel c stösst, desgleichen die Schleife l auf den Bolzen y. Durch die verschiedenen Stellungen der Hebel c und m wird auch die Schwingung derselben verschieden gross – also auch die Verdrehung der Kettenbäume.

Geschieht es nun, dass zu wenig Waare aufgewickelt wird, d.h. dass man zu viel Kette abwindet, so schwingen die Streichbäume auswärts, die Schrauben A und B drücken den Hebel c bezieh. m rechts, heben also links, und die Schaltung wird kleiner. Im entgegengesetzten Falle werden die Streichbäume stuhleinwärts gezogen, die Schrauben A bezieh. B werden von ihren Hebeln c–m abgehoben, diese können links tiefer gehen, und die Schaltung wird grösser.

Rollenkarte.

Textabbildung Bd. 295, S. 104

Die bisher übliche Anwendung einer Rollenkarte bei den Buckskinstühlen hat manche Uebelstände zu verzeichnen. In erster Linie bei grossen Mustern das grosse Gewicht der Rollenkarte, der bedeutende Preis, die complicirte Verbindungs- und Herstellungsart, so auch die Gefahr eines Bruches dann, wenn die Verbindung nicht genau gemacht wurde. Man hat daher versucht, die Rollenkarten durch Pappkarten oder endlich durch Papierleinwand zu ersetzen.

Die Pappkartenanordnung, wie dies bei den sächsischen Stühlen der Fall ist, zeigt Fig. 24.

Es ist in Fig. 24 a der Schemel, b die zweinasige Platine, welche entweder mit dem Messer c oder d in Eingriff gebracht wird, wie bei einer Crompton-Maschine es der Fall ist. Der Hebel h bewegt sich in der Pfeilrichtung hin und her und wird in der gezeichneten Lage den Hebel f g mit in die Höhe nehmen, und da dieser Hebel f bei e im Hebel d1 seinen Drehpunkt hat, auch diesen Hebel d1, mithin b heben, so dass die Platine b mit dem oberen Messer in Eingriff kommt.

Textabbildung Bd. 295, S. 104

Wird jedoch f g nach links abgelenkt, so erfasst h denselben nicht mehr und b wird von Messer d ergriffen. Im ersten Fall kommt der Schaft ins Oberfach, im letzteren Fall ins Unterfach.

Ist nun in der Karte K ein Loch und stösst der Cylinder L gegen die Nadel i, so wird diese in das Loch eindringen und in Ruhe bleiben – es wird der erste Fall – Oberfach eintreten. Eine feste Kartenstelle drückt die Nadel i nach links, diese g ebenfalls, h geht an Ansatz f vorüber – es erfolgt das Unterfach. Eine Feder K bringt die Nadel i in die äusserste Stellung rechts zurück.

Fig. 25 zeigt eine andere Anordnung, die dasselbe bewirkt.

Es sei b die zweinasige Platine des Trittes einer Crompton-Schaftmaschine und c, d die Messer wie bei Fig. 24. Stösst eine feste Kartenstelle gegen die Nadel i, so drückt diese den Hebel d unten links und sein zweiter Arm hebt die Platine b so hoch, dass sie vom Messer c erfasst wird – Oberfach. Indem die Walze L mit der Karte hin und her schwingt, ist es nöthig, dass b während der ganzen Fachdauer in der gehobenen Stellung bleibt.

Hierzu dient Hebel l m l1. Ist die Nadel nach links gedrückt worden, so geht n nach links, l fällt nach unten und hält i an der Verstärkung bei k. Beim Einfallen der Maschine geht n nach rechts und hebt l von i ab.

Bei den belgischen Crompton-Stühlen ist die Pappkarte durch eine endlose Papierleinwand ersetzt, wie dies bei einer Verdol-Maschine der Fall ist. Die Kartenwalze trägt Warzen, die mit Warzenlöchern der Karte correspondiren. Es ist in Fig. 26 die ganze Anordnung gezeichnet. a ist der Tritt mit der zweinasigen Platine b, c ist das obere, d das untere Messer. Der Antrieb dieser Messer erfolgt von der Kurbelscheibe x, welche durch konische Räder 1 : 1 von der Kurbelwelle ihre Bewegung erhält.

Die Platine b ruht auf einer Rolle des Hebels d. Auf |105| diesen Hebel d wirkt eine Stange i, die in der gezeichneten Lage von einer hin und her schwingenden Schiene n nach rechts gestossen wird, dadurch d mit b so hoch hebt, dass b mit dem Messer c in Eingriff kommt. Befindet sich nun in der Karte k ein Loch, so erfolgt die eben beschriebene Wirkung, da i mit der Nadel k in Verbindung ist und diese auf der Karte steht.

Textabbildung Bd. 295, S. 105

Folgt nun in der Karte eine feste Stelle, so wird k gehoben, i links auch so, dass die Schiene n unter seinem linken Ende frei sich bewegt und keine Wirkung ausüben kann. Es erfolgt die Mitnahme der Platine b durch das Messer d. l und l1 sind Führungen für die Nadel k.

Die Mehrzahl der in der Buckskinweberei benutzten Webstühle ist für 24 bis 36 Schäfte eingerichtet. Es kommt natürlich vor, dass man mit weniger Schäften arbeitet, und dann entweder die nicht in Verwendung kommenden Schemel aus der Maschine entfernt oder dieselben leer mitlaufen lässt. Im letzteren Fall verursachen sie Stösse in der Schaftmaschine, auch kann leicht ein Bruch erfolgen.

Textabbildung Bd. 295, S. 105

Auf das untere Messer d wird unter die Platinennasen ein entsprechend geformtes Blech e befestigt. Auf diese Weise werden die Nasen von diesem Messer nicht ergriffen. Indem für die Platinen, die nicht arbeiten sollen, keine Rollen in der Karte sind, kommen sie auch mit dem oberen Messer c nicht in Eingriff. Damit aber die Schemel (die nicht arbeiten sollen) nicht zurückfallen, wenn die Maschine ausgehoben hat, ist eine Stütze f vorhanden. Die Blechstücke e umfassen zwei bis acht Platinen b und werden mit kleinen Schrauben auf das Messer befestigt.

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D. R. P. Kl. 86 Nr. 68647.

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