Titel: Gasglühlicht, dessen Geschichte, Wesen und Wirkung.
Autor: Gentsch, Wilh.
Fundstelle: 1895, Band 295 (S. 241–250)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj295/ar295060

Gasglühlicht, dessen Geschichte, Wesen und Wirkung.

Von Wilh. Gentsch.

(Fortsetzung des Berichtes S. 217 d. Bd.)

Mit Abbildungen.

(Abdruck untersagt.)

Regulirung.

Auf Grund der vorangegangenen Erörterungen ist es leicht einzusehen, dass für jeden Glühkörper nur eine Flamme von bestimmter Grösse und Form vorhanden ist, welche die höchste Leuchtkraft des Körpers verursacht. Es gibt auch Mittel, um die Bunsen-Flamme – und um diese wird es sich besonders handeln – in gewissen Grenzen beliebig zu gestalten; wenn aber solche Maassnahmen praktischen Werth haben sollen, so ist Bedingung, dass der Glühkörper selbst constant bleibt. Eine derartige Beständigkeit ist bisher nur an dem Auer'schen. Strumpf in dem wünschenswerthen Umfange zu beobachten gewesen; es muss also das Vorhandensein eines solchen bei Anordnung einer Regulirung vorausgesetzt werden. Das Auer'sche Präparat wird im Zustande der Weissglut, in dem es plastisch ist, zuweilen, und zwar meist nach Hunderten von Brennstunden, durch mechanische Wirkung der Flamme, deren Gase von innen gegen die Wandung drücken, ausgeweitet, so dass es dem heissen Flammenmantel entrückt wird. Dieser Vorgang bildet eine Ursache, wegen deren die Leuchtkraft des Glühmantels nachlässt; durch Vergrösserung der Flamme, also Erweiterung des Flammenmantels derart, dass der Glühkörper wieder in denselben zu liegen kommt, wird der Mangel behoben und der Strumpf zur ursprünglichen Helle angefacht.

Man wird ja ohne weiteres Gasdruckregler, welche den Zweck haben, einen gleichmässigen Gasdruck vor der Ausströmdüse trotz der Veränderung des Druckes in der Gaszuleitung während des Betriebes zu erhalten, mit gleichem Recht und Erfolg, wie für gewöhnliche Brenner, anwenden können. Um diese handelt es sich hier nicht; die Betrachtung derselben würde ausserhalb der vorliegenden Aufgabe liegen, die dem Gasglühlichte eigenthümlichen Sonderausführungen zu erläutern.

Wie Auer angegeben und es jetzt thatsächlich durchgeführt wird, entströmt das Gas aus der Düse in das Mischrohr nicht aus einem Loche von entsprechendem Querschnitte, sondern aus mehreren (4) kleineren Oeffnungen, welche in dünnem Bleche angebracht sind. Die Weite dieser Durchlässe ist für die Gasmenge bei gegebenem Drucke und demnach für die Flamme bestimmend. Bei der Zusammensetzung eines Brenners ist auf die richtige Ausführung grosse Sorgfalt zu verwenden. Um die Mühe bei Veränderung der Durchlassweite zu verringern und die Verstellung selbst bei fertig montirtem Brenner zu ermöglichen, treffen Gould und Co.72) die in Fig. 36 skizzirte Anordnung. Mit dem festen Plättchen a ist mittels eines Stiftes das Plättchen b verbunden: beide haben die einander überdeckenden Löcher d. Aussen am Brenner ist eine Stellschraube c unverschiebbar gelagert, durch deren Drehen ein an b fester Arm und damit b verstellt wird, so dass die Löcher in a beliebig von b überdeckt werden können.

Textabbildung Bd. 295, S. 241
Textabbildung Bd. 295, S. 241

Auch Fischer und Co.73) richten ihr Augenmerk darauf, den Gasdurchlass zu regeln. Der Gedanke, welcher ihrer Construction zu Grunde liegt, ist der, durch Einstellen des Gashahnes h (Fig. 37), dessen Küken feststeht, die beste Lichtwirkung zu erreichen und dann zu verhindern, dass bei Benutzung des Brenners der Hahn mehr geöffnet werden kann, als diesem Effecte entspricht. Es ist deshalb das drehbare Hahngehäuse mit einer Nase c versehen und an dem festen Hahntheile eine Schraube a gelagert. Auf dieser lässt sich ein Anschlag b verschrauben, welcher den Ausschlag von c begrenzt. Bemerkt sei noch hinsichtlich einer Zündeinrichtung, dass das Zündrohr d hier vor dem Brennerhahn abgezweigt, mit einem besonderen Absperrhahn e ausgestattet ist und in Höhe des Brenners ausmündet.

Das Mischungsverhältniss von Gas und Luft hat bekanntlich auf die Natur der Flamme einen grossen Einfluss. Es werden in dieser Beziehung zwei Grenzen einzuhalten sein, von denen die eine nach der zu geringen, eine mangelhafte Verbrennung bewirkenden Luftaufnahme, die andere nach der zu reichlichen Luftbeimischung gezogen |242| ist; die letztere wird sich dem Explosionsgemisch nähern und eine unruhige Flamme ergeben. Die Bestrebungen sind deshalb nicht neu, den Luftzutritt in die Mischkammer nach Bedarf zu regeln.

So hat Lewis74), trotzdem seine einfache Platinkappe k (Fig. 38) Anspruch auf eine besonders peinliche Behandlung nicht erheben konnte, um die Gasausströmdüse a mehrere concentrische Kegelmäntel c angeordnet und damit eine entsprechende Anzahl Lufteinlässe hergestellt. Diese Konen c lassen sich, da sie mittels Muttern auf dem Gewinde d des Gasstutzens verschiebbar sind, gegen einander sowie gegen den Konus a verstellen, so dass beispielsweise einzelne Lufteinlässe gänzlich ausgeschaltet werden können.

Textabbildung Bd. 295, S. 242

Einfacher verfährt allerdings Meyn75), welcher zwei Cylindertheile a b (Fig. 39) axial gegen einander verschiebt; und zwar besitzt entweder a oder b die beliebig gestalteten Lufteinlässe, wobei a in b oder b in a steckend gedacht sein kann.

Textabbildung Bd. 295, S. 242

Die axiale Verschiebung lässt sich in bekannter Weise durch die Verdrehung ersetzen. So sieht Möller76) einen Ringschieber C vor (Fig. 40). Beiläufig sei hier hinzugefügt, dass er das Drahtgewebe D in der Mitte mit einem Knopf E abschliesst, wohl um unbeschadet des ruhigen Brennens eine Flamme von grosser äusserer Mantelfläche zu erhalten.

Von geringerer Bedeutung, weil ihr Zweck nicht recht ersichtlich, sind die allerdings nur vereinzelt vorhandenen Vorschläge, den Zutritt der zur Verbrennung erforderlichen Luft zu regeln. Es möge die von Boult77) gegebene Construction hier Platz finden (Fig. 41). Als Mischkammer ist eine aus Porzellan oder Metall bestehende Schale a vorgesehen, welche seitliche Oeffnungen besitzt und eine innere Mischdüse b trägt. Für Brenner mit grossem Gasverbrauch (100 bis 200 l) sollen mehrere solcher Düsen über einander angeordnet werden. Die Luft tritt in der durch Pfeile angedeuteten Weise ein. Der Brenner d wird von einem Konus e umschlossen, so dass zwischen d und e ein Ringkanal als Führung für die Verbrennungsluft entsteht. Der Eintritt der Luft selbst erfolgt durch Löcher, welche mittels eines Ringschiebers c zu verstellen sind.

Textabbildung Bd. 295, S. 242

Ganz natürlich haben sich aus den Bemühungen, den Gasausfluss der jeweilig erforderlichen Flammenbildung, den Lufteinlass dem vorhandenen Gasverbrauch entsprechend zu bemessen, diejenigen Anordnungen herausgebildet, bei denen Gas- und Luftmengen geregelt werden. Solche Maassnahmen sind schon früher getroffen worden, beispielsweise auch da, wo noch Druckluft in die Gasrohrleitung eingeführt wurde. Man hat da unter anderem die Hahnküken der Gas- und Luftleitung mit einem Paar mit einander kämmender Zahnräder versehen (Clark78)), so dass die Einstellung des einen Hahnes die entsprechende Bewegung des anderen Organs nach sich ziehen musste.

Textabbildung Bd. 295, S. 242
Textabbildung Bd. 295, S. 242

Rawson und Hughes79) (Fig. 42) befestigen am Hahn G einen Arm c, welcher mittels eines Gelenkes b mit einer die Lufteinlässe beeinflussenden Hülse s in Verbindung gebracht ist. Beim Verdrehen des Hahnes G wird somit die Hülse s verschoben und der Luftzutritt regulirt. Am Arm c ist eine zweite Stange a angelenkt, welche den Brennerkopf H auf dem Brennerrohr axial verstellt. Wird der Gasverbrauch durch theilweises Schliessen des Hahnes G vermindert, also eine kleine Flamme erzeugt, so wird auch der Kopf H hoch geschoben; damit wird aber die Flamme selbst in Bezug auf den feststehenden Glühkörper L verlegt, d.h. sie wirkt nur auf einen Theil des letzteren ein. Es findet also gewissermaassen ein Ausschalten des Glühkörpers statt, welches wohl nur dann einen praktischen Werth hat, wenn durch das Höherstellen des Brennerkopfes der Mantel der kleiner gewordenen Flamme den oben verengten Strumpf wieder anzugreifen vermag.

Umgekehrt macht König80) den Leuchtkörperträger a verstellbar (Fig. 43); er versieht ihn zu dem Zwecke mit einem Vierkant, welcher durch ein Querhaupt b und den Deckel k des Mischrohres reicht. Der Brennerkopf besitzt Innengewinde und ist mit der Gallerie l drehbar um das Mischrohr. Durch Drehen von l lässt sich nun das Querhaupt b und damit auch der Träger a höher oder tiefer |243| stellen. Die Gasdüse c ist von einer Kapsel e umgeben; beide haben Löcher d. Die Kapsel e lässt sich von aussen mittels des Griffes f drehen, so dass die Löcher mehr oder weniger geschlossen werden. Der Griff f nimmt zugleich eine äussere Hülse g mit, welche die Lufteinlässe h verändert.

Textabbildung Bd. 295, S. 243
Textabbildung Bd. 295, S. 243

Bell81) überlässt die Regelung des Gasaustritts einem selbsthätigen Regler von im Wesentlichen bekannter Einrichtung. Derselbe ist zwischen Durchgangshahn und Ausströmdüse eingeschaltet (Fig. 44). Das Gas gelangt durch die Bohrung 5, die seitlichen Oeffnungen 7 und das Loch 10 in die Kammer 9 und von da zu dem Auslass 17. Es bestreicht also die beiden Seiten eines im Cylinder 8 spielenden Kolbens 14, so dass dieser bei wechselnder Gasdruckdifferenz auf- und abspielt, dabei aber mittels eines Ringschiebers 13 die seitlichen Durchlässe 7 beeinflusst. Diese Vorkehrung lässt sich in ihrer Wirkung nicht willkürlich von aussen verändern; sie kann durch jeden anderen Gasdruckregler ersetzt werden. Es wird hier offenbar angestrebt, die Flamme gleichmässig zu erhalten, nicht aber ermöglicht, die Stärke der entweichenden Gasstrahlen bei gleichem Gasdruck dem jeweiligen Erforderniss entsprechend zu bemessen. Scheinbar um dies bewerkstelligen zu können, sieht der Constructeur eine Stellschraube 11 vor, welche gegen das Loch 10 verschoben werden kann. Die Lufteingänge 19 schützt er mittels einer Kapsel 21; in dieselbe ist ein Stellring 22 eingesetzt, welcher axial verschiebbar ist und den Luftzutritt zwischen sich und dem Deckel 16 des Gasdruckreglers mehr oder weniger drosselt.

Mit Bezug auf die Zeichnung sei gleich hier die Zündeinrichtung erläutert. Das Hahnküken 38 besitzt eine centrale Bohrung 37, welche das Gas zu der Zündleitung 33 führt. Der Zündbrenner 32 mündet in der Mitte der Bunsen-Flamme über dem Sicherheitssieb. Die Regelung der Zündflamme erfolgt in bekannter Weise durch die Schraube 42. An Stelle der centralen Bohrung kann das Küken auch einen Ringkanal 37 besitzen, so dass die Achsenebene der Zündleitung senkrecht zur Gashahnachse zu liegen kommt.

Textabbildung Bd. 295, S. 243

Werden die Luftlöcher eines Bunsen-Brenners verschlossen, so entsteht ein Brenner mit leuchtender Flamme. Obgleich dieselbe entsprechend ihrer Basis nur mangelhaft wirken kann, würde sie, auf das Gasglühlicht angewandt, da Interimsdienste zu leisten im Stande sein, wo eine Auswechselung des Glühkörpers erforderlich wird. Als eine besondere, dahin zielende Construction sei die von Weil und Rosenthal82) angeführt (Fig. 45). Der Boden h der Mischkammer hat Löcher g von zweierlei Grösse, so dass sich grosse und kleine Oeffnungen abwechseln. Eine über h liegende Platte b, welche mittels des Hebels c drehbar ist, besitzt nur grosse Löcher, welche bei Betrieb des Brenners mit entleuchteter Flamme über den kleinen Löchern g des Bodens h liegen. Wird eine helle Flamme benöthigt, so werden die Oeffnungen von b über die weiteren Durchlässe g des Bodens h gedreht, so dass ein vermehrter Gasaustritt ins Brennerrohr stattfindet, während gleichzeitig eine mit b verbundene innere Hülse f die Luftlöcher d verschliesst. Es wird also offenbar eine kräftigere, hellere Flamme am Brennerkopf entwickelt, als wenn dasselbe Quantum Gas, wie für den Betrieb der Bunsen-Flamme erforderlich, entströmen würde.

Zündung.

Wir können zur Zeit nur mit einem Gasglühlicht rechnen, mit dem, welchem das Auer'sche Präparat zu Grunde liegt. Unbestritten bleibt ja die Thatsache, dass eine schier ungezählte Anzahl von Köpfen an der Verwirklichung der an sich gesunden Idee gearbeitet haben, und in den vorstehenden Kapiteln sind die bemerkenswerthesten Erscheinungen schon um deswillen mit in die Betrachtung gezogen worden, weil in vielen neueren, nach Auer's Erfindungen vorgeschlagenen Methoden ein Zurückgreifen auf Abgethanes zu erkennen ist. Doch hat erst Auer ein Gasglühlicht von einschneidender Bedeutung zu schaffen verstanden; der Erfolg seiner Schöpfung spiegelt sich wohl auch in der Erscheinung wieder, dass zahlreiche, den verschiedensten Klassen entstammende Personen wirkliche oder vermeintliche Vervollkommnungen aller Art des endlich |244| erfundenen Glühlichtes angestrebt haben und noch anstreben, gleichsam um auch von ein paar Strahlen der Sonne getroffen zu werden, welche über dem gelungenen Werke scheint.

Das Anzünden eines Gasglühlichtbrenners ist so recht erst studirt worden, nachdem dieses Licht Lebensfähigkeit erlangt hatte. Das Verfahren, welches man bei der Zündung einzuschlagen hat, ist naturgemäss schwieriger zu definiren, als es bei einer gewöhnlichen Leuchtflamme der Fall sein würde. Es ist dies auf die subtilen Factoren, den Glühstrumpf und den Bunsen-Brenner, zurückzuführen; der erstere ist im kalten Zustande empfindlich gegen Erschütterungen bezieh. Stösse, wie solche die Entzündung des Explosionsgemisches verursacht, der letztere neigt dazu, die Flamme zur Gasausströmungsdüse in der Mischkammer zu führen. Dieser zweite Fall tritt nun bei dem mit einem Sicherheitssieb versehenen Auer'schen Brenner äusserst selten ein; wenn es trotzdem geschieht, so genügt als Gegenmaassregel das Schliessen des Hahnes, darauf folgendes Oeffnen desselben und nochmaliges Anzünden. Wird das Durchschlagen der Flamme nicht sofort erkannt, so macht sich der Brenner durch einen scharfen Ton bemerkbar, so dass dem Uebel bei Zeiten in der angedeuteten Weise abgeholfen werden kann.

Der Vorgang, welcher sich nach dem Oeffnen des Brennerhahnes abspielt, ist offenbar der, dass das durch das Sieb tretende Gas- und Luftgemisch den Strumpf anfüllt und von diesem zu dessen oberer Oeffnung geführt wird. Es sind danach zwei Möglichkeiten der Zündung gegeben: entweder eine solche von unten, d.h. in Höhe der Brennermündung, oder die von oben, d.h. durch die obere Oeffnung des Glühkörpers hindurch erfolgende. Als zweckmässig hat sich das letztere Verfahren erwiesen, welches durch Halten einer offenen Flamme über das obere Ende des Cylinders – ein solcher ist stets vorhanden – nach erfolgter Oeffnung des Gashahnes zur Zündung führt. Den ersten Anprall des verbrennenden Gas- und Luftgemisches hat hierbei der obere, verstärkte Theil des Strumpfes auszuhalten; er thut dies ebenso sicher, wie der übrige Körper die Verbrennung des in ihm angesammelten Gemisches, welche vielfach so heftig vor sich geht, dass Stichflammen um den Brennerkopf herum bis unter die Cylindergalerie ausgestossen werden. Ein über den Lufteinlässen zur Mischkammer des Brenners angeordnetes Schild hat auch die Bestimmung, zu verhindern, dass die nach unten gerichteten Stichflammen das Gas direct an der Ausströmstelle treffen. Diese Art der Zündung von Hand ist einfach und wohl auch von der gewöhnlichen Gasbeleuchtung her beibehalten worden. Das Einführen der Zündflamme von unten zum Brennerkopf ist unthunlich.

Für Laternen, bei denen die Einführung der Flamme bis über den Cylinder kaum durchführbar ist, andererseits aber nicht abgewartet werden darf, bis sich die Haube mit dem brennbaren Gasgemisch angefüllt hat, so dass allenfalls durch dieses die Zündung weiter zum Cylinder getragen werden könnte, hat Muchall83) die in Fig. 46 skizzirte Anordnung getroffen. Ein löffelartiger Gasfänger b nimmt das dem Cylinder entweichende Gasgemisch auf und führt es durch ein Rohr c a nach aussen. Der Theil a des letzteren ist fest, der Theil c dagegen entweder um ein Scharnier aufklappbar oder teleskopartig gegen a verschiebbar, so dass der Cylinder abgehoben werden kann. In das Rohr a ist eine Zunge d eingesetzt, welche Regen und Wind vom Innern des Rohres abhalten und das explosible Gasgemisch an der Zündungsstelle zusammendrücken soll. Die Zündflamme wird an das äussere Ende von a gehalten, worauf die Zündung durch a c b zum Cylinder vor sich geht. Rohr a c ist nur schwach geneigt, so dass der Cylinderzug nicht beeinflusst wird. Die Einrichtung hat sich bei der Wiesbadener Strassenbeleuchtung allem Anscheine nach bewährt; ebenso wie eine Spirituszündlampe, welche mittels zweier Schutzklappen das Rohr a seitlich fasst, so dass das ausströmende Gemisch nicht vom Winde zur Seite geweht werden kann.

Textabbildung Bd. 295, S. 244

Ganz naturgemäss hat sich auch das Verlangen eingestellt, die Entflammung schon durch einen einfachen Handgriff, wie solcher zum Aufdrehen des Gashahnes erforderlich ist, zu bewirken. Es sind deshalb mit sehr geringem Gasverbrauch zu unterhaltende Zündflammen in der verschiedensten Weise zur Anwendung gekommen. Wenn zunächst beurtheilt werden soll, welches die geeignetste Stelle für die Zündflamme sei, so ist hierfür zweifellos die Basis der Bunsen-Flamme anzuführen; erfolgt die Entzündung der letzteren, ehe das Gasgemisch den Glühkörper angefüllt hat, so geschieht dies ruhig und ohne störende Einwirkung auf den Strumpf. Man hat auch ein gleich-massiges Anwärmen des Cylinders und Warmbalten des Glühkörpers geltend gemacht; jedoch würde letzteres nur Bedeutung haben, wenn die entwickelte Wärme hinreicht, um den Körper geschmeidig zu erhalten.

Textabbildung Bd. 295, S. 244

Von den möglichen Sonderausführungen und Combinationen möge die Anordnung von Mactear84) (Fig. 47) Erwähnung finden, welcher ein enges Zündflammrohr a durch das Mischrohr b des Heizbrenners führt und den Austritt des ersteren durch eine Kappe c gegen die Wirkung der Bunsen-Flamme während des Betriebes derselben schützt. Ein Hahn d gestattet das Absperren der Speiseleitung e, welche auch unabhängig von der Hauptleitung f gehalten sein kann; die Einschaltung der Zündflamme geschieht mittels der Schraube g. Der Hahn h vermittelt in bekannter Weise den Zutritt des Gases zu den Löchern k. |245| Mactear lässt in einem anderen Falle die Bohrung im Hahngehäuse für die Zündleitung bis zur Hauptleitung f gehen, so dass Hahn d und Bohr e wegfallen und an deren Stelle ein zweiter Durchlass im Hahn h tritt.

Textabbildung Bd. 295, S. 245

In ähnlicher Weise ist Pintsch85) verfahren, welcher in dem Hahnküken einen Umlauf vorsieht und dadurch erreicht, dass der Zündbrenner d gespeist wird, wenn der Zugang zur Düse c abgesperrt ist. Die Grösse der Zündflamme ist durch die Stellschraube f regelbar. Auch Bell86), dessen Construction schon beschrieben worden, bietet nur unwesentliche Abweichungen. Es ist hier immer Voraussetzung, dass der Brenner von vornherein für die Zündflamme eingerichtet wird; eine nachträgliche Einbringung der letzteren ist nicht angängig. Wohl scheint dies aber bei der von Schlesinger87) getroffenen Anordnung möglich, welche das Zündröhrchen (Fig. 48) zwischen Brennerkopf und Glühkörper hochführt und kurz über dem ersteren nach innen abbiegt, so dass die Zündflamme nahezu senkrecht zur Brennerachse gerichtet ist. Es würde sich für den gedachten Zweck eine besondere Leitung nothwendig machen; um dieselbe zu verdecken, will sie Schlesinger in die Hauptleitung legen88) und erst kurz vor dem Brenner aus der letzteren abzweigen.

Interessant, obgleich von geringerer Bedeutung, ist der Versuch Himmel's89), eine Bunsen-Flamme zum Zünden zu benutzen. Himmel leitet das Mischrohr eines Bunsen-Brenners durch den Kopf des Hauptbrenners bis über das Sicherheitssieb desselben; er legt quer über die Oeffnung des Zündrohres Drähte (Platin), welche glühend werden und beim zufälligen Erlöschen der Hilfsflamme diese wieder anzünden sollen. Ein Bedürfniss, diese doch immerhin empfindliche und Zufälligkeiten ausgesetzte entleuchtete Flamme zum Zünden zu benutzen, liegt wohl kaum vor.

Zurückzusetzen sind jedenfalls diejenigen Anordnungen, bei denen die Zündflamme zwar in Höhe des Brennerkopfes, aber ausserhalb des Glühkörpers liegt. In solchem Fall wirkt sie gegen das untere Ende des letzteren, da ja auch die Zündung durch das Gewebe hindurch erfolgen muss. Dass der an sich zarte Mantel diesem Einflüsse nicht unbeschädigt widerstehen kann, ist einleuchtend. Es sei deshalb nur beiläufig auf die Construction von Fischer und Co.90) verwiesen, welche das Zündrohr parallel dem Brenner hochführen und aus einer seitlichen Oeffnung eine wagerechte, gegen den Glühkörper gerichtete Flamme austreten lassen. Die Gasdurchlässe für beide Brenner sind dadurch von einander abhängig gemacht, dass ihre drehbaren Gehäuse mittels Zahntriebes mit einander verbunden sind, so dass die Drehung des einen Gehäuses eine entsprechende Verstellung des anderen zur Folge hat.

Dagegen kann man, da die Zündung von Hand stets von oben durch den Cylinder geschieht, auch die Vorschläge nicht zurückweisen, nach welchen die Zündflamme über das obere Ende des Glühkörpers zu richten ist. In dieser Weise hat die Gasbeleuchtungsgesellschaft München91) ihre Einrichtung getroffen, indem sie den Cylinder seitlich durchbohrt und hier die Zündflamme direct über dem Strumpf einführt. Aehnliches ist bei der Schultz'schen92) sowohl, wie bei der Schlesinger'schen93) Methode zu constatiren.

Meist wird es beabsichtigt, die Zündflamme zum Erlöschen zu bringen, wenn der Hauptbrenner in Betrieb ist; werden beide Theile von demselben Hahn beeinflusst, so kann bei raschen Bewegungen desselben der Erfolg ausbleiben, wenn die Hauptflamme erlischt, bevor die Zündflamme entzündet ist. Es wird diesem Uebelstande durch geeignete Lage und Gestalt der Hahnwege vorzubeugen, unter Umständen aber, wie dies ja auch vielfach geschieht, eine immerbrennende kleine Flamme selbst während der Benutzung des Brenners zu unterhalten sein.94)

Textabbildung Bd. 295, S. 245

Auf die Unmenge elektrischer Zündungen, welche für die helle Gasflamme construirt worden sind, muss mit dem Bedeuten verwiesen werden, dass die Uebertragung für den Gasglühlichtbrenner auf der Hand liegt, wenn dem Umstand Rechnung getragen wird, dass hier eine Bunsen-Flamme zu bedienen ist, welche überdies von dem Glühkörper umschlossen wird. Es wird sich also lediglich um Anordnungen handeln können, bei denen gegen einander feste oder doch nur senkrecht verschiebbare Contacte die Funkenbildung verursachen. Richtig ist der Einwurf, dass das Erforderniss einer besonderen, aus einer elektrischen Leitung und einem Stromerzeuger bestehenden Nebenanlage vorhanden ist. Dem gegenüber ist hervorzuheben, dass die elektrischen Zündungen leicht einzurichten sind und insbesondere an fertigen Beleuchtungskörpern gut angebracht werden können. Doch lässt sich die auch von Teller95) gemachte Behauptung nicht widerlegen, dass diese Art Zündungen leicht versagen, indem sich an den Contactstellen Oxydationsproducte absetzen, welche die Funkenbildung beeinträchtigen. Der Verwendung von Constructionen, welche die Oeffnung und den Schluss des Gashahnes allein oder in Verbindung mit der Zündung durch den elektrischen Strom von entfernter Stelle aus zum Zwecke haben, |246| ist ebenfalls freier Spielraum gelassen. Es mögen hier nur ein paar dem Gasglühlicht speciell gewidmete Ausführungen Platz finden.

So führt L. A. Riedinger96) (Fig. 49) einen mit einer Isolirhülse l (Glas, Speckstein o. dgl.) umkleideten Leitungsdraht d durch den Brennerkopf und lässt ihn gegenüber dem Gasvertheilungskonus endigen, so dass der zündende Funke zwischen Konus und Drahtende überspringt, der Strom selbst durch sie und durch den Brennerkörper zurückgeleitet wird. Doch sollen auch zwei Drähte d, deren Enden p einander gegenüber stehen und welche, isolirt gegen den Brennerkörper, mit Contactstiften s verbunden sind, benutzt werden, so dass der Brenner nicht vom Strom durchlaufen wird. Ein besonderer Contactstab, mittels dessen der Gashahn geöffnet wird, liefert den Strom.

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Hiervon weicht die von Leo Stern und Daus97) getroffene Einrichtung dahin ab, dass die Contactstifte b z (Fig. 50), welche in der Ruhelage den Strom schliessen, zwischen Brennerkopf und Glühkörper hochgeführt sind. Der Strom durchkreist eine elektromagnetische Vorrichtung A, welche das Oeffnen des Hahnes vollzieht, wobei der Contact b von z abgehoben und dadurch die Funkenbildung zwischen b z verursacht wird.

In einem anderen Falle wird von Daus98) der Flammenvertheilungskonus mit einem besonderen Contactstift versehen, auf dem ein durch den Konus central durchgeführter zweiter Contact aufruht. Die Zuleitung für den letzteren geht durch die Achse des Mischrohres und die Lufteinlässe desselben, so dass der Contact bei Zündung noch senkrecht gehoben werden kann.

Eine interessante, besonders für Strassenlaternen berechnete Construction, welche allerdings ein im unteren Theile des Brennerkopfes angeordnetes Sicherheitssieb voraussetzt, haben Stegmeier und Geyer99) in Vorschlag gebracht (Fig. 51) und zwar zu dem Zweck, die Zündstelle aus dem Wirkungskreis der Flamme zu verlegen. Eine drehbare Hülse b umgibt den Brenner a, welcher einen Theil des Gasgemisches in eine Zündkammer b1 eintreten lässt. Die Umdrehung erfolgt um etwa ⅕ Kreis durch Anheben des Armes l unter Vermittlung der Zahnsegmente m n. Bei dieser Bewegung wird von der Wandung der Kammer b1 der Contact c gestreift, so dass Funken überspringen, welche das Gasgemisch in b1 entzünden. Die Flamme pflanzt sich dann durch die freigelegte, beim Betrieb des Brenners jedoch von b verschlossene seitliche Oeffnung des Brenners a in diesen fort. Nach Freilassen des Armes l wird dieser und mit ihm der bewegliche Theil der Vorrichtung durch das Gewicht p in die Ruhelage zurückgeführt. Nun steht der Arm l mit der Hülse b, der Contact c dagegen mit einer im Boden der Laterne isolirt eingesetzten Hülse k in leitender Verbindung. Zum Anzünden bedient man sich eines Zündstockes f, dessen Drähte d e zu einer Handbatterie führen, andererseits aber mit einem Stift g bezieh. einer Hülse h verbunden sind. Der Stock wird in die Oeffnung von k so eingeführt, dass die Hülse h an k anliegt, während Stift g den Arm l hebt. Es geht dann der Strom durch d g l m n b b1 nach c k h e. Bei Hausflammen wird die Hülse b mittels eines Schiebers o gedreht, wobei eine Batterie einerseits mit c, andererseits mit dem Brenner a bezieh. der Gasleitung in Verbindung steht.

Textabbildung Bd. 295, S. 246

Bemerkenswerth ist es noch, dass die für gewöhnliche Gaslampen bekannte Zündung mittels Laufflammen in mancherlei modificirter Form auch für das Glühlicht zurechtgestutzt worden ist. Bei diesen Einrichtungen ist im Wesentlichen ein enges Rohr vom Brennerrohr o. dgl. abgezweigt, welches einerseits zu einer vom Brenner entfernten Stelle, von der aus die Zündung erfolgen soll, andererseits bis zum Brenner geführt ist und seitliche Löcher besitzt. Sobald Gas eingelassen wird, entströmt dasselbe den letzteren; zündet man einen solchen Gasstrahl an, so pflanzt sich die Zündung längs dem Rohre also |247| auch bis zum Brenner fort. Nach erfolgter Entflammung desselben wird der Gaszutritt zum Hilfsrohr abgesperrt.

Textabbildung Bd. 295, S. 247

Nach diesem Princip hat Heckert100) eine sturmsichere, offenbar für im Freien brennende Laternen bestimmte Zündvorrichtung ausgeführt (Fig. 51a, 51b). In bekannter Weise sind im Hahngehäuse A zwei Kanäle F G vorgesehen, von denen G durch das Einsatzrohr C den Brenner speist, während F mit dem äusseren Rohr H communicirt. Das letztere hat einen Stutzen D, in den das nach unten durch den Laternenboden hindurch geführte und dann zum Brenner abgebogene Zündrohr E einmündet. Beim Anzünden wird der Gashahn so gestellt, dass das Gas sowohl durch F wie durch G tritt. Hält man an das untere Ende von E eine Flamme, so erfolgt die Zündung in der oben angedeuteten Weise, worauf der Gasdurchlass für F geschlossen, dagegen für G voll geöffnet wird. Um den ganzen Zündvorgang vor Wind zu schützen, ist ein Stutzen I um das Rohr E nach unten geführt. Die Anzündlampe K trägt ihrerseits eine des besseren Treffens wegen trichterförmige Schutzhülse L, in welche beim Anstecken der Stutzen I eintritt, während das Zündrohr bis zur Flamme vordringt.

Schutz der Glühkörper.

Das von Auer geschaffene Gasglühlicht – mit einem anderen kann zur Zeit nicht gerechnet werden – bedarf eines schützenden Cylinders. Demselben liegt nicht die Verpflichtung ob, die Flamme bilden zu helfen, denn diese ist vom Glühkörper umschlossen; auch hat er weniger die Rolle eines Zugglases. Seine Bestimmung ist es, eine Luftschicht abzugrenzen, innerhalb deren die Bunsen-Flamme ohne seitliche Beeinflussungen sich nach oben zu entwickeln vermag. Es ist ja schon früher auseinandergesetzt worden, dass nur eine Flamme mit fixem Mantel das beständige, ruhige Licht zu entwickeln vermag; andererseits ist aber auch der Glühkörper vor Stoss, Verunreinigung u.s.w. zu bewahren, soll er nicht frühzeitig brechen oder an Leuchtkraft verlieren.

Selten ist deshalb der Cylinder auf seine Fähigkeit, die Luft zu führen und dadurch auf die Flamme einzuwirken, geprüft worden. Es ist hierbei die parabolische Ausschweifung des unter dem Brennerkopf liegenden Theiles des Glases zu erwähnen, ferner die Anordnung Rawson's101), welcher den unteren Cylinderrand in gleiche Höhe mit dem oberen Rand des Brennerkopfes verlegt, in einigem Abstand von dem ersteren aber noch ein kurzes Cylinderstück, gleichsam als Fortsetzung nach unten, einsetzt, so dass durch den gebildeten ringförmigen Zwischenraum Luft zum Fuss der Flamme zutreten könne. Rawson scheint hier jedoch eine zwecklose Einrichtung getroffen zu haben.

Der nothwendige Schutzcylinder bringt nun einen Uebelstand mit sich, welchen man mit den mannigfachsten Mitteln zu bekämpfen versucht hat, und den man hat zwar erheblich verringern, keineswegs aber beheben können. Es ist das Springen der Cylinder gemeint, welches meist ziemlich heftig vor sich geht und deshalb auf ungewöhnlich hohe Spannungen im Glase schliessen lässt. Die gebräuchlichen Glassorten zeigen die Erscheinung mit einer gewissen Regelmässigkeit, und man hat deshalb zu besonders gehärtetem Material greifen müssen, um die Zerstörung mehr in das Gebiet des Zufalls hinüber zu spielen, was ja zum Theil gelungen sein dürfte.

Textabbildung Bd. 295, S. 247

Die Erklärung des Vorganges ist auf verschiedene Weise versucht worden. Dem Verfasser wahrscheinlich sind folgende Beziehungen. Die Höhe des Glühkörpers macht nur einen Bruchtheil von der des Schutzglases aus. Obgleich nun die von dem Mantel der Bunsen-Flamme entwickelte Wärme im Glühlicht ungleich günstiger in Licht umgesetzt wird, als es bei der leuchtenden Flamme der Fall ist, so entwickelt der glühende Körper zweifellos genug Wärmestrahlen, welche das zunächst liegende Stück des Glases entsprechend erhitzen. Die Wirkung der Flamme selbst wird hierbei nicht in Frage kommen, da sie vom Strumpf beeinflusst wird; andererseits aber können Flammentheile durch die Poren des letzteren höchstens in solcher Menge und mit solcher Geschwindigkeit durchtreten, dass sie die Adhäsion an den Strumpf nicht überwinden, diesen vielmehr nur in dünner Schicht nach oben bestreichen könnten. Die Bestrahlung erfolgt unbeschadet der in Richtung der Pfeile a (Fig. 52) zwischen Glühkörper und Glas durchstreichenden Luft, welche hier nur dürftig angewärmt wird. Der Luftcylinder umschliesst weiter oben die in Richtung des Pfeiles b aus dem Strumpf entweichenden warmen Verbrennungsproducte und hält den oberen Theil des Cylinders kühl. Die Bedingungen für ungleichmässige Ausdehnungsbestrebungen des letzteren sind damit gegeben. Hängt man einen Konus c mittels Drahtes d und Querhauptes e über die obere Oeffnung des Strumpfes, so werden die Verbrennungsproducte nach f f abgelenkt; sie durchdringen den Luftcylinder |248| und bewirken eine Erwärmung des oberen Cylindertheiles, welcher Umstand eine wesentliche Verringerung, wenn nicht gar eine gänzliche Beseitigung der Spannungsdifferenzen zur Folge haben dürfte.

Es sei noch bemerkt, dass die der Gasglühlichtlampe eigenthümliche Zersprengung des Cylinders immer nach gewisser Betriebszeit eintritt, während das Platzen beim Anzünden von Hand in derselben Weise wie bei gewöhnlichen Lampen vor sich geht und auch nach gleichen Gesichtspunkten zu beurtheilen sein wird.

Schon früher ist der Vorschlag102) gemacht worden, einen Schoner aus beliebigem Metall an wagerechten Querarmen auf den oberen Cylinderrand zu legen, wobei ein Mittelstück in den Cylinder tauchen soll. Der Zweck des Mittels ist der, wie oben entwickelt, nämlich die Wärme auf den oberen Theil des Glases zu übertragen, allerdings nur durch die Wärmeleitung der Metalltheile des Schoners. Die Behebung der Spannungen im Glase hat auch die Anordnung von Längs- und Querschlitzen in den Wandungen des Cylinders103) zum Zweck.

Man ist des Weiteren dazu übergegangen, den Glaskörper in Theile zu zerlegen, welche sich in gewissen Grenzen gegen einander verschieben können, ohne der Bestimmung untreu zu werden. Das Maass der Verschiebung gibt ein Bild von der Grösse der Spannung in dem aus einem Stück hergestellten Cylinder.

Textabbildung Bd. 295, S. 248

So stecken Reich und Co.104) zwei Cylinder mit ihren passend geformten Enden auf einander (Fig. 53), und zwar entweder den unteren Theil in den oberen oder umgekehrt, jedoch immer so, dass nach aussen eine glatte Fläche resultirt. Umständlicher und wohl kaum praktischer ist Fritz105) verfahren, welcher einen geraden oder oben eingezogenen niedrigen Ring c (Fig. 54) um den Fuss des Glühkörpers legt und als Fortsetzung des ersteren mit Spielraum den eigentlichen Cylinder a anordnet, während ein concentrisches Schutzglas b beide umschliesst. Der Cylinder a kann mittels Stellschraube d verstellt werden, wobei er durch Stäbe e geführt wird, oder er sitzt fest auf dem Oberrand von b, in welchem Falle ein Falzring die Lage sichert.

Textabbildung Bd. 295, S. 248

Sehr in Aufnahme gekommen sind auch Cylinder, deren Wandungen aus Glasstäben u.s.w. zusammengesetzt werden und die das Licht gleichzeitig streuen. Es sind dickwandige prismatische Glasröhren106) verwendet worden. Loll107) hat beispielsweise Glasröhren (Fig. 55) in Metallringe eingesetzt, welche mit Luftdurchlässen versehen sind; der untere Ring passt in den Cylinderhalter. Durch die Röhren soll in der angedeuteten Weise Luft durchstreichen, um eine Kühlung herbeizuführen. Fritz108) hat für seine Cylinder beliebig façonnirte Hohlgläser gewählt. Alt ist übrigens eine Combination109), bei welcher der Cylinder aus Glasstäben hergestellt und ihm ein glatter Glaskonus aufgesetzt ist.

Textabbildung Bd. 295, S. 248

Da nun einmal die ungleich-massigen Erwärmungsverhältnisse gegeben, hat es nahe gelegen, einen Ersatz für das spröde Glas zu suchen, welcher in dem so viel verwandten, nachgiebigen Glimmer gefunden worden ist. Es ist allerdings nicht Jedermanns Sache, mit dem Glimmercylinder so zu hantiren, dass derselbe vor Kniffen und Beulen bewahrt und ein Abblättern vermieden wird; doch sind bei einigen, nicht schwer einzuhaltenden Vorsichtsmaassregeln beim Putzen u.s.w. schon hübsche Erfolge erzielt worden. Teller berichtet beispielsweise110), dass bei 4 Laternen einer Münchener Strassenbeleuchtung in 2 Monaten 25 Glascylinder gesprungen seien? wogegen die Glimmercylinder sich widerstandsfähig gezeigt hätten. Der geringe Lichtverlust, welcher gelegentlich der Benutzung des Glimmers beobachtet und zu 3 bis 5 Hefner-Lampen gemessen worden ist, dürfte thatsächlich der entwickelten Lichtmenge gegenüber nicht von Belang sein.

Textabbildung Bd. 295, S. 248

Die Natur des Stoffes lässt es nicht zu, glatte, entsprechend lange Röhren aus einem Stücke herzustellen; sondern es werden wenig schöne Nähte erforderlich, welche in einfacher Ueberlappung und Vernietung bestehen. Auch scheinen Versteifungen angebracht, wenn sich die Cylinder nicht in der Brennerhöhe mit der Zeit ausbauchen und schief ziehen sollen. Schwintzer und Gräff111) schachteln mehrere niedrige Marienglascylinder a (Fig. 56) mit ihren Enden in einander, zwängen sie in Blechgestelle h und stellen die Verbindung durch Klammern c her. Die Erweiterung des unteren Theiles erinnert beiläufig an die üblichen Zuggläser für Erdölbrenner.

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Eine gemischte Ausführung hat Zietz112) gewählt, welcher lediglich den unteren Theil a (Fig. 57) aus Glimmer herstellt, den oberen b dagegen in Glas belässt. Der erstere erhält zwei Verstärkungsringe c d, welche noch durch zwei oder mehr Versteifungsstangen e mit einander verbunden sind. Ring c passt in die Brennergallerie; Ring d dagegen ist zur Aufnahme des Glasaufsatzes b geeignet geformt und trägt ausserdem ein Metallgewebe f, welches den Zweck hat, von oben einfallende Staubtheilchen aufzuhalten und, wenn b springen sollte, die Glassplitter aufzufangen. Es würde sich gegen diese Construction wenig einwenden lassen, wenn eben die störenden, bei dem Glimmercylinder jedoch nothwendigen Versteifungen e umgangen werden könnten.

Textabbildung Bd. 295, S. 249
Textabbildung Bd. 295, S. 249

Auch jene Versuche sind hier zu verzeichnen, welche die Missverhältnisse dadurch auszugleichen bestrebt sind, dass in Höhe der Flamme zwischen dieser und dem Cylinder ein Glimmerring gewissermaassen zum Abhalten der strahlenden Wärme eingesetzt wird.113) Zu nicht verständlichem Zwecke sind diese Schutzvorrichtungen zum Theil aus mit Löchern, Schlitzen o. dgl. versehenen Glimmerplatten gerollt worden.114)

Für die bekanntlich bei Gasglühlicht gebräuchlichen glatten Cylinder hat Campe115) eine anscheinend praktische Fassung für Einsatzcylinder erfunden, welche aus Fig. 58 und 59 erkenntlich ist und nebenbei eine Vorwärmung der Verbrennungsluft gestatten soll. Die Fassung besteht aus einem inneren glatten Blechcylinder a und einem äusseren gewellten Blechcylinder b, welche beide durch Winkel e mit einander verbunden sind. Der Wellblechcylinder b besitzt verbreiterte Wellen c, aus denen federnde Nasen d herausragen. Mittels der letzteren wird die Fassung a b in Folge Reibung an jeder Stelle des äusseren Cylinders h gehalten, während der innere Cylinder g zwischen a b sitzt. Durch die zwischen dem Wellblech b und dem Cylinder h entstehenden Kanäle f soll Luft in Richtung der Pfeile x durchstreichen und sich dabei an g erwärmen.

Wenn ein Glascylinder beim Anzünden eines Brenners platzt, so haben seine einzelnen Scherben das Bestreben, zu einem Haufen zusammenzufallen, wobei der Glühkörper zerstört wird. Geht die Katastrophe nach einer gewissen Brennzeit vor sich, so werden die kleinen Splitter der Mittelpartie nach aussen gestreut, während der obere Theil auf den Glühkörper herabfällt und diesen gleichfalls vernichtet. In jedem Falle ist also nicht allein der Verlust des Schutzglases, sondern auch der empfindlichere des Glühkörpers zu beklagen.

Textabbildung Bd. 295, S. 249
Textabbildung Bd. 295, S. 249

Um wenigstens den letzteren vor solchen Zufälligkeiten zu bewahren, sind die verschiedensten Einsätze (Drahtgeflechte u.s.w.) theils vorgeschlagen, theils auch in Benutzung genommen worden, deren Aufgabe es ist, die herabfallenden Glastheile von dem Strumpf abzuhalten.

Hierzu gehört beispielsweise die Schutzvorrichtung von Bruère116), deren Theile aus Metall (Flusstahlblech) gestanzt und gut vernickelt werden sollen. Eine ringförmige Fussplatte b (Fig. 60) und zwei concentrische obere Ringe c d sind durch vier Streben e mit einander fest verbunden. Die Vorrichtung umgibt den Glühkörper und ist etwa |250| mittels Bajonnetverschlusses an dem Brenner befestigt. Ein weiterer Zweck der Bruère'schen Construction ist der, durch den nicht zu hoch über dem Kopf des Strumpfes befindlichen Ring d den Glühkörper davor zu bewahren, dass er durch einen Luftzug von unten oder bei zu starkem Gasdruck aus seiner Aufhängung herausgehoben werde. Doch noch einen dritten Effect hat der Einsatz; die Streben e dienen nämlich als Führung für den Cylinder, wenn derselbe behufs Reinigung u.s.w. abgehoben wird.

Textabbildung Bd. 295, S. 250

Gerade das Abnehmen und Einsetzen des Cylinders ist häufig Ursache des Zerstörens des Glühkörpers durch Anstossen an denselben; man neigt in solchen Fällen sehr dazu, mit dem Glase natürliche und bei gewöhnlichen Brennern angängige Schwenkungen auszuführen, welche beim Glühlichtbrenner nicht am Platze sind. Neben der obigen sind eine Reihe anderer Führungen für den Cylinder erdacht worden, welche alle die zufällige, von der senkrechten abweichende Bewegung des Cylinders beim Heben und Senken desselben von Hand verhindern wollen.

Gutmann117) (Fig. 61 und 62) benutzt einen zweitheiligen Cylinder A, dessen Mantelhälften a um ein Scharnier b aufklappbar sind, während ein Verschlusshaken c dieselben zusammenhält. Soll beispielsweise der Cylinder abgenommen werden, so wird die Schutzvorrichtung aus einander geklappt, um den Cylinderträger gelegt, wobei dessen nach auswärts gebogene Zacken z durch Löcher l durchtreten können, und mittels des Hakens c verschlossen. Das Glas kann nunmehr nur senkrecht herausgenommen und ebenso wieder eingeführt werden. Nach Wiedereinsetzen des Cylinders wird die Schutzvorrichtung A wieder abgenommen.

Textabbildung Bd. 295, S. 250

Für Lampen, welche einen Tragering für Glocken besitzen, hat Ohlen118) die folgende, gleichfalls abnehmbare Führung construirt (Fig. 63). Das das Schutzglas f umfassende Blechrohr a ist mit einer Scheibe b, welche in den Tragering d passt, verbunden und durch Streben c abgesteift. Bei Erforderniss wird die Vorrichtung über den Cylinder f geschoben, so dass die Scheibe b auf dem Ring d aufruht. Der Cylinder f kann nunmehr nur senkrecht herausgenommen und wieder eingeführt werden. Trotz der Anwendung von Cylindern ist es mitunter, wenngleich selten, möglich, dass der Glühkörper seitliche Schwankungen vollführt, wenn er den Brennerkopf nicht fest umschliesst. Um seinen unteren Rand zu halten und so Verletzung desselben, unruhiges Licht u.s.w. zu verhindern, ist vorgeschlagen worden119), um den Brennerkopf c (Fig. 64) eine aus zwei oder mehr Flügeln bestehende Schutzhülse d zu legen, welche am Brennerrohr e befestigt ist und gewöhnlich einen grösseren Abstand von dem Brennerkopf c hat. Wird jedoch der Glühkörper b eingehängt, so dass dessen Unterrand zwischen c und d sich befindet, so werden etwa durch Hochschieben eines Ringes g die Theile der Hülse dem Brenner genähert und wird der Strumpf entsprechend gefasst.

Textabbildung Bd. 295, S. 250

Pintsch120) schiebt über den Brennerkopf b (Fig. 65) zwei unten mit einander verbundene concentrische Ringe a, zwischen welche der Fuss des Glühkörpers d zu liegen kommt. Es soll auf diese Weise verhindert werden, dass aufsteigende Luftströme den Strumpf aufweiten und zerreissen. Eine zweite Bestimmung des Doppelringes a ist die, den Glühkörper aufzufangen, wenn er von seiner Aufhängung aus irgend welchem Grunde abfällt.

(Schluss folgt.)

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D. R. G. M. Nr. 12908.

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D. R. G. M. Nr. 15635.

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Brit. Spec. 105 v. J. 1883.

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D. R. G. M. Nr. 16040.

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Brit. Spec. 5022 v. J. 1891.

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Brit. Spec. 9240 v. J. 1891.

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Brit. Spec. 4240 v. J. 1884.

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Brit. Spec. 1195 v. J. 1886.

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D. R. G. M. Nr. 20396.

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U. S. P. Nr. 416548.

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D. R. P. Nr. 77394.

|244|

D. R. P. Nr. 74038.

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U. S. P. Nr. 378699. Brit. Spec. 5322 v. J. 1887.

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Fig. 24 S. 219.

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Fig. 44 S. 243.

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Schw. Pat. 6629. D. R. G. M. Nr. 15568.

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D. R. G. M. Nr. 16315.

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D. R. G. M. Nr. 16193.

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D. R. G. M. Nr. 18097.

|245|

D. R. G. M. Nr. 12396.

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D. R. G. M. Nr. 12560.

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D. R. G. M. Nr. 13125.

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Schilling Journ. f. Gasbel., 1893 S. 605 f.

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Schilling Journ. f. Gasbel., 1893 S. 609.

|246|

D. R. G. M. Nr. 11633 und 11634.

|246|

D. R. G. M. Nr. 14790.

|246|

D. R. G. M. Nr. 15922.

|246|

D. R. P. Nr. 72746.

|247|

D. R. P. Nr. 78758.

|247|

D. R. P. Nr. 43012.

|248|

D. R. G. M. Nr. 23254.

|248|

D. R. G. M. Nr. 13832.

|248|

D. R. G. M. Nr. 22973.

|248|

D. R. G. M. Nr. 29647.

|248|

D. R. G. M. Nr. 22445.

|248|

D. R. G. M. Nr. 23786.

|248|

D. R. G. M. Nr. 23788.

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U. S. P. Nr. 165116.

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Schilling Journ. f. Gasbel., 1893 S. 609.

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D. R. G. M. Nr. 13828.

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D. R. G. M. Nr. 21615.

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D. R. G. M. Nr. 27580.

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D. R. G. M. Nr. 29459, 29960, 31911.

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D. R. P. Nr. 77800.

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D. R. P. Nr. 75386.

|250|

D. R. P. Nr. 76088.

|250|

D. R. P. Nr. 79199.

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D. R. P. Nr. 69989.

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Schw. Pat. Nr. 6936.

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