Titel: Gasglühlicht, dessen Geschichte, Wesen und Wirkung.
Autor: Gentsch, Wilh.
Fundstelle: 1895, Band 295 (S. 265–272)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj295/ar295064

Gasglühlicht, dessen Geschichte, Wesen und Wirkung.

Von Wilh. Gentsch.

(Schluss des Berichtes S. 241 d. B.)

Mit Abbildungen.

(Abdruck untersagt.)

Lampen, Glocken, Laternen.

Das Auer'sche Glühlicht ist eine energische Lichtquelle, welche ihren Ursprung in einer kleinen Fläche hat; das Licht ist deshalb blendend. Dieser Umstand wird bei Ausführung einer derartigen Beleuchtungsanlage stets in Berücksichtigung gezogen werden müssen; mit ihm zu rechnen, gestatten zahlreiche technische Hilfsmittel, so dass die Verwendung des Glühlichtes durch diese Eigenschaft keine Einschränkung erfährt, während sie noch durch die verminderte Wärmeentwickelung begünstigt wird. Da die Brenner selbst mit dem normalen Gewinde versehen werden, so ist man in der Lage, jede Gaslampe, sei es eine Steh-, sei es eine Hängelampe, durch Auswechseln der Brenner für Glühlicht einzurichten. Die Tischlampe macht lichtstreuende Mittel (Augenschützer) erforderlich; man wird sich derselben bei der grossen Lichtfülle ohne Rücksicht auf den von den Blendern verursachten, oft 50 Proc. betragenden Verlust an Helligkeit bedienen. Auch der Argand-Brenner beansprucht den Deflector, der hier überdies noch die Wärmestrahlen aufzufangen hat; zieht man die grössere Lichtmenge des Auer-Brenners in Betracht, so verliert der letztere durch den Schützer gegenüber dem offenen Argand-Brenner nichts. Wo ein grösserer Lichtbedarf von Hängelampen gedeckt werden muss, wird die Aufhängung im Interesse der Lichtvertheilung so hoch geschehen, dass die Lichtquelle nach unten ungedeckt bleiben kann und muss. Vortragsräume, Schulzimmer, in denen weder die Schüler beim Sehen nach der Tafel geblendet werden dürfen, noch der Vortragende in der entgegengesetzten Sehrichtung belästigt werden darf, stellen ihre selbständigen, nicht allgemein zu erledigenden Ansprüche an die Lampenanordnung. In diesem Falle ist der neuerdings in den Vordergrund getretenen indirecten Beleuchtung zu gedenken, bei welcher bekanntlich durch für Lichtstrahlen ganz oder zum Theil undurchlässige Reflectoren die nach unten gerichteten Strahlen aufgefangen und nach der Decke o. dgl. reflectirt werden, so dass die Lichtquelle ganz oder zum Theil verdeckt bleibt und nur gestreutes Licht zur Wirkung gelangt. Die Arbeit der Lichtbrechung geht natürlich nicht ohne Verlust vor sich, der sich je nach der Vollständigkeit der Streuung zwischen 30 bis 66 Proc. hält. Für die doch nur mit der Milchglasglocke verwendbare elektrische Bogenlampe ist die Einbusse gleichbedeutend mit der durch die Glocke bewirkten; für die bisher als stärkstes Gaslicht angesehene Regenerativgaslampe, welche gerade die nach unten gerichteten Lichtstrahlen zur directen Beleuchtung benutzt, bedeutet die Lichtstreuung einen empfindlichen Verlust. Das Gasglühlicht dagegen, welches wiederum des abblendenden Glases bedarf, hat in dem Ersatz des letzteren durch die streuenden Mittel kaum einen Effectverlust zu befürchten.

Für die Gestalt, die Farbe, das Material der Glocke irgend welche Vorschriften zu machen, ist zwecklos, da in jedem einzelnen Falle der Geschmack mit dem Bedürfniss die Wahl beeinflussen wird. Ob roth oder blau gefärbtes, klares, ob Milchglas oder nur mit Arabesken geätztes Glas den Glühkörper verdecken soll, ist der Bestimmung des Lichtes gemäss zu entscheiden, wobei zu beachten bleibt, dass, je mehr die Lichtstrahlen durch künstliche Mittel verändert werden, desto mehr im Allgemeinen an Effect verloren geht.

Anscheinend der Täuschung wegen hat beispielsweise die sonst für elektrische Bogenlampen gebräuchliche Milchglaskugel für das Gasglühlicht Verwendung gefunden; eine besonders geschmackvolle Wahl ist hierin wohl kaum zu erblicken.

In eigener Weise ist auch die klare Glasglocke der Lichtbrechung dadurch dienstbar gemacht worden. dass ihre Oberfläche eine Bearbeitung erfahren hat. So formt Frédureau121) (Fig. 66) aussen wagerechte, im Querschnitt dreieckige Ringe an, welche die von innen auf die Glocke fallenden Lichtstrahlen vorwiegend nach unten zu streuen bestimmt sind.

Textabbildung Bd. 295, S. 265

Einen grossen Rechenapparat setzen Hoser122) zur Ermittelung ihrer Construction in Bewegung. Während ältere Glocken123) auf der äusseren oder inneren Seite vierseitige, das Licht nach allen Seiten streuende Pyramiden aufweisen, lassen Hoser ihre Kugelglocke aussen glatt; die innere Fläche besteht jedoch aus zahlreichen, mit ihrer Spitze radial nach der Lichtquelle gerichteten Pyramiden. Letztere werden von Flächen begrenzt, welche nach einem mit Rücksicht auf eine gleichmässige Lichtzerstreuung gezeichneten Wellenprofil gekrümmt sind.

Abweichend hiervon ordnen Psarondaki und Blondel124) auf der Innen- sowohl wie der Aussenseite der Glocke Furchen an (Fig. 67), welche einander senkrecht kreuzen; so verlaufen beispielsweise die äusseren Rillen a wagerecht, die inneren b dagegen senkrecht.

Als Laternen können für das Gasglühlicht nur diejenigen |266| Constructionen in Frage kommen, welche selbst bei heftiger äusserer Luftbewegung einen ruhigen, gleich-massigen Lufteinlass bieten, mit anderen Worten sturmsicher sind. Es gibt bekanntlich eine ganze Reihe von Ausführungen, welche den obigen Zweck verfolgen und von denen viele den Ansprüchen genügen dürften; sie alle hier zu verzeichnen, würde zu weit führen. Deshalb möge nur erwähnt werden, dass sie im Allgemeinen einen dicht geschlossenen Kasten besitzen und die Luft durch den Hut eintritt. Der Weg derselben wird thunlichst in der Weise geführt, dass mit wachsendem Aussendruck der Widerstand im Innern zunimmt, so dass der Eintritt in den Kasten unter gleicher Geschwindigkeit erfolgt.

Textabbildung Bd. 295, S. 266

Die Riedinger'sche schattenlose Glühlichtlaterne125) (Fig. 68) besitzt einen dichten Glaskörper B, welcher zwischen den durch zwei Stangen mit einander verbundenen Rahmen A gehalten wird. H ist der aufklappbare Hut, unter welchem der nach unten gewölbte Reflector P festgeschraubt ist. Die Luft tritt unter die Haube b in Richtung des Pfeiles x, passirt Löcher d e f und gelangt zwischen Reflector und Cylinder in den Laternenraum, könnte allerdings mit demselben Recht wieder nach oben entweichen. Die Verbrennungsproducte streichen durch den Schornstein K und treten durch Löcher y aus.

Textabbildung Bd. 295, S. 266

Auch die Baumgarten'sche Laterne126), bei welcher die Luft im Wesentlichen zwischen einem konischen Reflector und der Haube in den Oberraum eintritt, zum Theil aber auch durch die hohlen Eckstäbe in den Unterraum des Kastens geführt werden mag, soll hier Erwähnung linden.

Die Bedingung des dichten Schlusses, welche eine mit einer seitlichen Thür versehene Laterne nicht erfüllt, macht gerade hier besondere, von aussen zu bedienende Zündvorrichtungen erforderlich, welche schon früher besprochen worden sind.

Es haben sich daneben Constructionen entwickelt, welche den Fall vorsehen, dass der Brennerhahn dicht unter dem Brenner selbst, also innerhalb der Laterne verbleibt, während das Oeffnen und Schliessen von aussen zu erfolgen hat. Eine mit Erfolg benutzte Lösung dieser Aufgabe hat beispielsweise Volk127) in der Ausführung gefunden, dass er das Hahnküken und einen am Gasrohr unterhalb des Laternenbodens drehbaren Wirbel mit correspondirenden Bögen versieht, welche paarweis durch Kettchen o. dgl. mit einander verbunden sind, so dass die Drehung des Wirbels eine gleiche Drehung des Hahnkükens bewirkt. Die Bögen sichern hierbei eine geradlinige Bewegung der Ketten durch den Laternenboden, weshalb nur enge Durchlässe in dem letzteren nöthig sind. Während in einem Zimmer nach den Seiten und nach oben gesandte Strahlen für die Beleuchtung nicht verloren gehen, sondern je nach der Reflexionsfähigkeit der begrenzenden Theile mehr oder weniger wieder gewonnen werden, ist der Verlust der von der Strassenlaterne nicht nach unten gerichteten Lichtstrahlen uneinbringbar. Ein Reflector ist deshalb in diesem Falle nicht zu umgehen; derselbe hat den Zweck, die den Raum unter der Laterne nicht direct treffenden Strahlen aufzufangen und dahin zu brechen. Ein schwacher Konus, dessen unten befindliche Basis etwa 5 mm über der Lichtquelle liegt, hat sich anscheinend als beste Form des Reflectors erwiesen, welcher übrigens aus Porzellan hergestellt wird. Auch ebene Ringscheiben mit nach unten gezogenen äusseren Rändern wirken gut; doch muss hier der Cylinder zu tief in den Reflector hineingesteckt werden, wenn nicht anders directe Strahlen an dem letzteren vorbei nach oben streichen sollen. Als wenig vortheilhaft müssen jedoch die convexen Reflectoren bezeichnet werden, welche ja einen Theil der Strahlen gerade nach oben streuen, also das begünstigen, was man durch Anwendung des Strahlenbrechers zu verhindern anstrebt.

Die Wirkung des Auer'schen Gasglühlichtes.

Jede technische Neuerung gewinnt erst dann den Charakter eines Fortschrittes, wenn sie sich aus dem Bereiche der Wissenschaftlichkeit mit Erfolg auf das Gebiet praktischen Wirkens hinüber wagen darf. In dem ersten Abschnitt sind verschiedene Gasglühlichtsysteme erläutert worden, welche zum Theil mehrfach in Benutzung genommen worden sind und überraschende Beleuchtungseffecte erzielt haben. Ihr Erfolg war aber ein vorübergehender; und ebenso rasch, wie sie aufgetaucht, verschwanden sie zumeist; es fehlte ihnen die praktische Verwerthbarkeit, welche eben nicht allein auf der glänzenden Lichtwirkung, sondern auf noch vielen anderen Voraussetzungen beruht.

Auch das Auer'sche Gasglühlicht, ein Kind der neuesten Zeit, ist rasch zu grossem Ansehen gelangt, welchem jedoch auf Grund der bereits vorliegenden Erfahrungen keineswegs ein Sinken, vielmehr ein Steigen vorauszusagen ist, weil das System auf einer weit gesunderen und unseren Verhältnissen entsprechenderen Grundlage fusst, als es bei seinen Vorgängern der Fall gewesen ist. Um den Schein eines Gasglühlichttaumels abzuwälzen, sei gleich bemerkt, dass, wie nichts auf Erden vollkommen ist, auch die hier zur Beurtheilung gezogene Beleuchtung ihre Mängel aufweist. Will man aber feststellen, ob man in dem Licht thatsächlich einen Fortschritt in der Beleuchtungstechnik |267| zu erblicken hat, so kann dies nicht lediglich dadurch erwiesen werden, dass den zu stellenden absoluten Forderungen an eine gute Beleuchtung genügt wird, sondern vielmehr aus der Betrachtung hergeleitet werden, ob das Auer-Licht den heutzutage gebräuchlichen besten Lichtquellen überlegen ist. Und selbst in diesem letzteren Sinne ist die Bejahung sowohl von Experimentatoren, wie durch die Praxis im Wesentlichen erfolgt.

Um einen Vergleich ziehen zu können, ist es erforderlich, festzustellen, wie viel und was für Licht durch das Auer'sche System entwickelt wird. Die

Leuchtkraft

hängt von mehreren Factoren ab, welche verschiedene Combinationen ermöglichen und deshalb auch von einander abweichende Producte liefern. Es ist schon früher128) der Zusammenhang zwischen der Bunsen-Flamme, dem Glühkörper und der erzielten Lichtmenge entwickelt worden; wechseln die beiden ersteren, so muss auch die letztere sich ändern. Ohne Zweifel wird nun die Beschaffenheit der einzelnen Glühkörper selbst nicht genau die gleiche sein; indessen ist die Herstellungsweise heutzutage derart durchgebildet, dass die Abweichungen als ein Spiel des Zufalles und jedenfalls nicht höher zu veranschlagen sind, als bei den anderen fabrikmässig hergestellten Leuchtkörpern. Immerhin ist es zur Prüfung der übrigen Verhältnisse nothwendig, mehrere Glühkörper derselben Serie unter gleichen Bedingungen zu brennen.

Die Flamme eines Brenners richtet sich nach dem Gasverbrauch bei einem bestimmten Gasdruck, aber auch nach dem Gasdruck bei demselben Gasconsum, ihre Heizwirkung überdies noch nach der Natur des Gases (arm oder reich). Die beste Combination für eine bestimmte Gassorte und den käuflichen Auer'schen Strumpf zu bestimmen, ist Gegenstand vieler gründlicher Versuche gewesen.

Die physikalisch-technische Reichsanstalt (Charlottenburg) hatte 1892 einen ihr von der Deutschen Gasglühlicht-Actiengesellschaft (Berlin) zugesandten Glühkörper bei einem Gasdruck von 34 mm Wassersäule und einem stündlichen Gasverbrauch von 112 l geprüft und als

mittlere wagerechte Leuchtkraft = 66 H.-L. = 57 N.-K.129)
grösste = 74 = 64
niedrigste = 60 = 52

ermittelt.

Fähndrich (Wien) gibt einmal bei 95 l Gasconsum 50 N.-K. und bei 120 l Gasverbrauch 80 N.-K. an, ohne den hierbei beobachteten Gasdruck zu notiren. Dagegen hat er ein andermal die Lichtstärke bei

22 mm Druck und 95 l Verbrauch mit 41,4 N.-K.,
48–50 125 72,4

bestimmt. Er citirt überdies Ergebnisse städtischer Prüfungscommissionen130), welche

bei 133 l Gasverbrauch 117 N.-K., ja sogar
75 75

gefunden hätten.

Vorbildlich sind die v. Oechelhäuser'schen Versuche131), weil sie einen guten Einblick in die Verhältnisse gewähren. Es gelangten vier verschiedene Brenner, d.h. solche von verschiedenem Gasverbrauch (von 100, 110, 120, 130 l) bei demselben Gasdruck zur Anwendung, von denen jeder bei einem Gasdruck von 20 bezieh. 25, 30 und 40 mm geprüft wurde, so dass 16 Combinationen stattfanden, v. Oechelhäuser ermittelte nun als die besten Bedingungen für das Dessauer Gas, welches im Falle vollständigen Verbrennens 5200 bis 5600 Wärmeeinheiten pro Cubikmeter entwickelt.

110 l Consum, 40 mm Druck und 74 H.-L. = 63,8 N.-K. Lichtstärke. Des Weiteren kamen drei Berliner und drei Wiener Brenner an die Reihe, welche nach einander unter 20, 30, 40 mm Druck bei 110 l Consum gebrannt wurden. Hierbei ergaben sich für die Berliner Sorte 50,2, für die Wiener 64,5 N.-K. Eine Drucksteigerung von 20 auf 40 mm hatte bei dem

Berliner Brenner eine Leuchtkraftzunahme um 26 Proc.,
Wiener 30

zur Folge. Der Experimentator weist übrigens darauf hin, dass es vortheilhaft ist, den unteren Rand des Glühstrumpfes am Brennerkopf dicht anliegen zu lassen, den ersteren selbst nach oben zu nicht einzuziehen, sondern Cylindrisch verlaufen zu lassen. Es deckt sich dies mit der Thatsache, dass der Mantel der mit höherem Druck arbeitenden Bunsen-Flamme sich dem Cylinder nähert, v. Oechelhäuser macht auch eine Angabe über Salzenberg's (Bremen) Ergebnisse, nämlich

bei 36 mm Druck, 90 l Consum 64 H.-L. = 55,2 N.-K.

Renk's Resultate haben ihren Ursprung in vergleichenden Versuchen, bei denen die Leistungen von sechs Gasglühlichtbrennern mit denen anderer Gasapparate verglichen wurden. Es sind die Grundlagen, nämlich durchweg 77 mm Gasdruck und 150 l Consum, etwas ungewöhnlich und dem besten, mit dem Auer-Licht zu erreichenden Effecte nicht entsprechend. Immerhin erhielt Renk noch Werthe von

62,59; 57,71; 55,46; 55,44; 53,93; 51,43 N.-K., also im Mittel 55,98 N.-K.

Ja, Lang132) will sogar in der Lage gewesen sein, bei 801 stündl. Cons. und 22 mm Druck 75 H.-L. = 64 N. K. zu erzielen.

Zieht man aus diesen Versuchen das Facit, so ergibt sich, mit Ausnahme der unter besonders ungünstigen Verhältnissen (selten hoher Gasdruck) angenommenen Resultate, als geringster Gasverbrauch 1,00 l, als grösster 2,29 l und im Mittel für die gebräuchlichen Gasdrucke von 20 bis 50 mm: 1,7 l Gas für 1 N.-K. Licht.

Einige Vergleiche mit anderen guten Gasbrennern lassen sich auf Grund der Fähndrich'schen und Renk'schen Zusammenstellung anstellen.

Nach Fähndrich beträgt:133)


Brennergattung

Gasverbrauch
in der Stunde
Liter

Leuchtkraft
in Kerzen
Eine
Kerze Licht
beansprucht
Liter Gas
1) Hohlkopf 150 13 11,5
2) Argand, gewöhnl. 160 16 10,0

Intensiv-
3) lampen von
Siemens
VI
III
II
I
0
00
200
350
600
1400
2000
2400
33
60
130
300
500
650
6,0
5,8
4,6
4,6
4,0
3,7
4) Alter Auer-Brenner 70
100
13
20
5,4
5,0
5) Neuer Auer-Brenner 95
120
50
80
2,0
1,5
|268|

Es ist hieraus zu entnehmen, dass der neue Auer-Brenner nicht allein den Argand-Brenner, sondern auch die Siemens'sche Intensivlampe, doch die beste ihres Princips, um ein Mehrfaches übertrifft. Gleichzeitig sei auf den. Abfall der alten Auer'schen Glühkörper gegenüber den neuen aufmerksam gemacht, welcher allein schon den seit der Erfindung gemachten Fortschritt documentirt.

Renk134) normirte einen Gasdruck von 77 mm, bei dem acht Auer-Brenner im Durchschnitt je 148½ l consumirten, so dass Renk den weiteren, mit sechs Apparaten ausgeführten Versuchen einen Verbrauch von je 150 1 zu Grunde legen konnte, ohne Gefahr zu laufen, rosig gefärbt zu haben. Von den hinzugezogenen zwei Schnitt- und fünf Argand-Brennern consumirte jeder durchschnittlich 285 l, also 135 l mehr. Unter diesen Umständen photometrirte Renk als Helligkeiten:

1) bei Schnittbrenner A 14,53 Normalkerzen
grösster Helligkeit 15,72
grösstem Consum 12,44
2) bei Argand-Brenner A 25,13
B 27,82
C 30,41
D 30,98
E 33,71
3) bei Gasglühlicht A 62,59
B 57,71
C 55,46
D 54,44
E 53,93
F 51,43
im Durchschnitt also
für Schnittbrenner 14,27
„ Argand-Brenner 29,61
„ Gasglühlicht 55,98

Diese Ergebnisse lehren, dass das Gasglühlicht bei 50 Proc. Gasersparniss gegenüber

  • dem Schnittbrenner etwa 4- (genauer 3,9) mal mehr Licht entwickelt, d.h. das Leuchtgas 8mal besser ausnutzt,
  • dem Argand-Brenner etwa 2- (genauer 1,9) mal mehr Licht entwickelt, d.h. das Leuchtgas 4mal besser ausnutzt.

Es ist nach alledem die Thatsache erhärtet, dass in dem Auer'schen Brenner das Leuchtgas mehr als doppelt so gut, als in der besten Gaslampe mit leuchtender Flamme, der Siemens'schen Intensivlampe, verwerthet wird, und dass das Verhältniss natürlich nach dem Schnittbrenner zu steigt. Da die Lichtwirkung aus dem Verbrennungsprocess hervorgeht, ist ohne weiteres der Schluss statthaft, dass bei dem Glühlicht auch die Umsetzung von Wärme in Licht in entsprechend höherem Maasse vor sich geht.

Nach Dewar135) gehen bei der Umsetzungsarbeit bei:

Kerze
Oel
Gas

98

Proc.

als

Wärme,

2

Proc.

als

Licht,
Geissler'sche Röhre 97 3
elektr. Glühlampe 95 5
Bogenlampe 90 10
Magnesiumlampe 85 15
Sonnenlicht 70 30
Johanniskäfer 1 99

Die für Gas angegebenen Werthe decken sich mit anderen, speciell für den Argand-Brenner ermittelten. Da für den letzteren auf die Stundenkerze 10 l Gas (Fähndrich), für den Auer-Brenner im Durchschnitt jedoch 1,7 l zu rechnen sind, so würden sich die Verhältnisse für das Auer'sche Glühlicht zu etwa 88 Proc. Wärme und 12 Proc. Licht ergeben.

Es sei eingefügt, dass angesichts der an sich grossen Lichtmenge, welche der Gasglühkörper liefert, die Abweichungen der Anfangsleistungen der Körper unter einander nicht von Belang, jedenfalls aber im Verhältniss nicht so hoch zu veranschlagen sind, wie es beim elektrischen Glühlichte geschehen müsste. v. Oechelhäuser untersuchte drei Gruppen im Handel als 16kerzig bezeichnete elektrische Glühlampen, von denen die ersten je 17, die anderen je 18,5 bezieh. 16,8 H.-L. entwickelten, so dass als Mittel 17,4 H.-L. = 15,0 N.-K. (Normalkerzen136)) resultirten. Auch die von Thomas, Martin und Hasler geprüften 127 Lampen verschiedener Fabrikanten von nominell 16 Kerzen ergaben einen Anfangsdurchschnitt von nur 15 Lichtstärken. Noch grössere Differenzen hat Ch. Haubtmann137) festgestellt, nämlich von zehn Lampensorten verschiedener Nationen 15 bis 21 Kerzen anstatt nominell 16 Kerzen (bei 102 Volt).

Für die Bestimmung der

Leuchtkraftdauer

eines Auer'schen Präparates würde zunächst die Feststellung wichtig sein, wann das Leuchtmittel seine Fähigkeit, Licht zu emittiren, verliert. Bisher sind einzelne Strümpfe bis zu 2400138), ja 4000139) Brennstunden benutzt worden, ohne dass hätte gefolgert werden können, dass selbst nach dieser langen Periode ein Ersterben des Vermögens zu erwarten gewesen wäre. Ja, es ist die Annahme sogar gezeitigt worden, dass die lichtemittirende Eigenschaft des Glühkörpers überhaupt nicht verloren gehe. Da auch eine mechanische, in der Gewichtsabnahme sich zeigende Abnutzung des letzteren, wie dies beispielsweise den aus alkalischen Erden hergestellten Glühkörpern in hohem Grade eigen, nicht zu constatiren ist, könnte die Dauer theoretisch vorläufig als unmessbar gelten. Hierbei würde die beobachtete Leuchtkraftabnahme nicht in Betracht kommen, da diese offenbar nicht in dem Verhalten des Stoffes, sondern in anderen, später zu betrachtenden Ursachen zu suchen ist; dies lehrt. auch die Erscheinung, dass des Oefteren nach erfolgter Abnahme wieder eine Zunahme zu bemerken gewesen ist.

Praktisch zeigen sich jedoch die Verhältnisse in einem wesentlich anderen Bilde; hier spielt die Haltbarkeit des Auer'schen Glühkörpers die Hauptrolle; sie ist der wundeste Punkt des Systems, ist in Folge dessen von den Gegnern zumeist in Missverkennung der Fehler ihrer eigenen Schützlinge stets als Angriffswaffe benutzt, von den betheiligten Kreisen aber mit Energie und gutem Erfolge behandelt worden. Die älteren Strümpfe vermochten kalt keine Erschütterung auszuhalten, ohne staubartig in sich zusammen zu fallen. Auch heute bedarf der Glühkörper einer behutsamen Handhabung; indessen ist dank der vervollkommneten |269| Fabrikation (Scharfbrennen mittels Pressgases bei der Deutschen Gasglühlicht-Actiengesellschaft) eine erhebliche Verbesserung zu verzeichnen; man ist im Stande, den Körper selbst in die Hand zu nehmen und auf den Tisch zu legen, die nöthige Vorsicht ist auf das Maass reducirt worden, welches man auch den elektrischen Beleuchtungsapparaten gegenüber einzuhalten pflegt.

In glühendem Zustande ist der Mantel geschmeidig und zähe; er bleibt aber das zarte Gewebe, und das Springen des Cylinders hat auch seine Vernichtung zur Folge. Letzteres ereignete sich früher verhältnissmässig häufig; ist aber, wie schon gezeigt140), bis zum Unauffälligen einschränkbar geworden.

Es sind Auer'sche Glühkörper schon bis zu 4000 Brennstunden benutzt worden141) (Schridde). Fähndrich wollte 1892 nur eine Durchschnittsdauer von 350 Brennstunden gelten lassen, v. Oechelhäuser berichtet im selben Jahre von 500, 800 und 2400 Stunden; von 14 Brennern waren 3 Körper nach 1170, 1950 und 2340 Stunden verunglückt, Dem gegenüber wird das Verhalten von 20 elektrischen Glühlampen hervorgehoben, von denen 8 Stück in der Zeit von 59 bis 533 Stunden durchbrannten. Bereits beim Einschalten wurden von 10 Lampen 4 durch Kurzschluss in der Lampe zerstört. Schon 1892 hatten sich also die Zufälligkeiten, welche ein vorzeitiges Unbrauchbarwerden der Leuchtkörper verursachen könnten, bei der elektrischen Glühlampe in mindestens demselben Maasse gezeigt, wie in Bezug auf den Auer-Brenner. Seitdem haben sich durch Verstärkung des Glühstrumpfes, Verbesserung der Cylinder u.s.w. die Verhältnisse wesentlich zu Gunsten des Gasglühlichtes verschoben, so dass die Angaben Muchall's142) und anderer, welche als sicheren Durchschnitt 550 Brennstunden selbst für die gerade im spröden Zustande den meisten Erschütterungen ausgesetzten Strassenlaternenkörper ermittelt haben, nicht zu hoch erscheinen.

Eine

Leuchtkraftabnahme

der Auer'schen Glühkörper ist nicht ausnahmslos beobachtet worden. Es sind vielmehr Fälle bekannt, in denen während mehrerer Brennstunden keine Lichtabnahme, andere, in denen nach einer gewissen Zeit sogar eine Zunahme zu constatiren war.143) Ais Kegel muss jedoch eine Abnahme angesehen und diese auf zwei Umstände zurückgeführt werden, nämlich auf die pressende Wirkung der Flamme und auf das Anfritten von Staubtheilchen an den Mantel. Der Druck der Flamme bewirkt zweifellos eine allmähliche Deformation des weichen Glühkörpers, welcher aus dem Bereiche der heissesten Zone entrückt wird; während die angeschmolzenen Staubtheilchen, welche von aussen einfallen oder durch den Gasstrom angesaugt werden können, das Gewebe nach und nach verdecken. Auch hier sind ebenso viel verschiedene Ergebnisse, wie Versuche zu constatiren. Die bemerkenswerthesten der letzteren seien in nachfolgender Tabelle chronologisch zusammengestellt. Hiernach befinden sich die elektrischen Glühlampen keineswegs im Vortheil. v. Oechelhäuser constatirte bei diesen im Mittel nach 500 Brennstunden eine Leuchtkraft abnähme von 28,7 Proc. nach 800 Stunden eine solche von 38,5 Proc.

Textabbildung Bd. 295, S. 269

wobei der Energieverbrauch um 2,2 Watt gesunken war. Ja, Thomas, Martin und Hasler144) ermittelten sogar als durchschnittliche Lichtstärke der als 16kerzige käuflichen Lampen nach 1000 Brennstunden nur 8½ engl. Kerzen, was einem Abfall von 43,3 Proc. gleichkommt. Der Durchschnitt der Leuchtkraft aus 1000 Brennstunden betrug 11 engl. Kerzen, oder 30 Proc. weniger als die nominelle anfängliche Lichtemission. Diese Ergebnisse werden auch von Haubtmann145) bestätigt, welcher bei 10 Sorten 16kerziger Lampen, die eine anfängliche Lichtstärke von 15 bis 21 Kerzen entwickelten, nach 1000 Brennstunden 5,08 bis 14,98 Kerzen und als Durchschnitt dieser Brennzeit 8,50 bis 16,00 Kerzen fand. Legt man beiden Glühlichtsystemen 500 Brennstunden zu Grunde, was ja, wie gezeigt, beim Gas weit eher zulässig als beim elektrischen Lichte, so würden schon nach den älteren v. Oechelhäuser'schen Ermittelungen als durchschnittliche Lichtstärke

beim elektrischen Glühlichte 14,8 H.-L. = 12,7 N.-K.
Auer-Licht 57,1 = 50,0

zu rechnen sein.

Für die

Strassenbeleuchtung,

welche wetterbeständiger und gegen Erschütterungen widerstandsfähiger Lichtquelle bedarf, werden sturmsichere Lampen und kräftige Glühkörperköpfe erforderlich. Die ersteren sind in guten Ausführungen vorhanden; aber auch der Strumpf ist durch die Behandlung mit Pressgas, auch durch nachträgliches Imprägniren des Kopfes mit einem besonderen Fluid selbst gegen stärkere Erschütterungen wenig empfindlich gemacht worden. Die Ergebnisse der vom 7. Februar bis 24. April 1893 in München angestellten Versuche146), nach denen drei Glühkörper für den Brenner und das Jahr als nicht ausreichend befunden worden waren, sind in der That später durch die Muchall'schen. in Wiesbaden gewonnenen Erfahrungsresultate147) bis zum 1. Januar 1894 berichtigt worden, indem sich hier als Werthe für die längste Brenndauer 1493 und 1741 Stunden, als mittlere Dauer 705 und 579 Stunden und für die für 1000 Brennstunden erforderliche Anzahl Glühkörper 1,42 bezieh. 1,73 vorfinden. Bemerkt sei, dass |270| Muchall hierbei Glascylinder verwandt hatte. Welchen Einfluss übrigens gerade die Erschütterungen auf die Lebenslänge der Strassenlaternenglühkörper ausüben, lehren sowohl die von Teller angegebenen Münchener, wie auch die Muchall'schen Angaben; im ersteren Fall soll der Verbrauch der Consollaternen nur ¼ desjenigen der Candelaber gewesen sein, im letzteren habe das Verhältniss 1,6 : 1,1 geherrscht. Jedenfalls ist die auch von anderer Seite empfohlene Annahme einer Brenndauer der Auer-Körper von 550 Stunden für die Strassenlaternen sicher.

Nach Schilling148) ergab die in München anfangs (6. Dec. 1892) beobachtete Entfernung von 45 m zwischen je zwei Brennern ungenügende Effecte; erst die Verminderung der Distanz auf 38 m hatte Erfolg. Die Flächenhelligkeit, welche, beiläufig bemerkt, mit einem Körper von sehr geringer Leuchtkraft gemessen wurde, konnte als sehr gleichmässig bezeichnet werden. Denn es betrug dieselbe unter verschiedenen Winkeln, also auch in entsprechender Entfernung von der Laterne auf Flächen senkrecht zu den Lichtstrahlen gemessen:

für den Auer-Brenner für die gewöhnl. Laterne
bei 30° 0,86 0,35 Meterkerzen149)
40° 1,19 0,58
50° 1,36 0,74
70° 1,29 1,1
80° 0,89 0,9

Die vereinte Wirkung zweier benachbarter, mit Auer-Brennern versehener Laternen kann demnach auf dem Boden zwischen beiden 2 Meterkerzen erzeugen; es würde dies etwa die Helligkeit sein, welche am Boden zwischen zwei 8 m hoch hängenden, 40 m von einander entfernten elektrischen Bogenlampen von je 500 Kerzen herrscht, während zwischen je zwei gewöhnlichen 16kerzigen Strassenflammen am Boden nur 0,012 Meterkerzen zu ermitteln sind. Schilling empfiehlt für Hauptstrassen eine Laternenentfernung von 25 m und die Combination je dreier Auer-Brenner für eine Laterne, so dass im Minimum 0,8, im Maximum 8 Meterkerzen erzeugt werden. Nach diesen Gesichtspunkten ist beispielsweise eine Strasse in München mit Erfolg beleuchtet worden.

Muchall berichtet übrigens von eigenartigen Betriebsstörungen in den ersten Zeiten, welche dadurch verursacht worden waren, dass kleine Insecten durch die vier, den Zutritt der Luft vermittelnden Oeffnungen eines jeden Brenners in das Innere desselben gelangt, hier von dem ausströmenden Gas getödtet worden waren und so nach und nach den Brenner innen angefüllt hatten. Es machte sich ein Umhüllen der Mischdüse mittels eines feinen Drahtgeflechtes erforderlich, durch welches die Luftöffnungen verdeckt wurden, ohne dass man die Durchtrittsweite für die Luft beengt hätte.

Zur Zeit haben die in einer grossen Anzahl von Städten in Betrieb befindlichen Strassenlaternen erwiesen, dass die anfänglichen Befürchtungen nicht mehr zutreffend sind, das Auer'sche Licht vielmehr auch hier die gleiche Ueberlegenheit wie im geschlossenen Raume zeigt.

Es möge noch darauf hingewiesen werden, dass kürzlich ein Theater (mit Ausnahme der Bühne) mit Auer-Brennern ausgestattet worden ist. Die Anwendung von Zündflämmchen ermöglicht in diesem Falle das Verdunkeln und Wiedererhellen des Zuschauerraumes in tadelloser Weise.

In

gesundheitlicher Beziehung

lassen die beiden Factoren, die vollständige Verbrennung des Gases in dem Bunsen-Brenner und der erheblich verringerte Gasverbrauch für die Stundenkerze, ohne weiteres die Schlussfolgerung zu, dass die Entwickelung schädlicher Producte und belästigender Wärme beim Auer-Licht theils ganz behoben, theils auf ein hygienisch zulässiges Maass eingeschränkt worden ist. Vorangeschickt sei, dass der Glühkörper selbst eine vollständig neutrale Rolle spielt, d.h. keine Bestandtheile absondert; insbesondere muss der früher verbreitet gewesenen Meinung, es stäube vom Strumpf Magnesia ab, entgegengetreten werden, um so mehr, weil Magnesia im Auer'schen Glühkörper nicht enthalten ist.

Als unvollständiges Verbrennungsproduct entwickelt die gewöhnliche leuchtende Flamme das giftige, auf das Hämoglobin des Blutes zersetzend wirkende Kohlenoxydgas; nach Gruber liegt die Grenze der Schädlichkeit bei einem Gehalt der Luft an Kohlenoxyd von 0,2 pro Mille (0,2 Theile Kohlenoxyd auf 1000 Theile Luft). Renk150) konnte nun unter Benutzung der Fodor'schen Methode, mittels deren sich weniger als 1 Theil Kohlenoxyd in 20000 Theilen Luft nachweisen lässt, selbst nach einem 13stündigen Versuche in den Producten des Auer-Brenners keine messbaren Mengen des Gases ermitteln; auch von anderer Seite erzielte Ergebnisse stimmen mit dem Renk'schen darin überein, dass das Auer-Licht bei Beurtheilung der Luftverderbniss durch Kohlenoxydentwickelung gar nicht in Betracht kommt. Damit sind die entgegenstehenden Angaben Gréhaut's widerlegt.

Für das Maass der Luftverschlechterung ist bekanntlich von v. Pettenkofer als praktische Regel der Kohlensäuregehalt der Luft und als oberste Grenze 1 pro Mille vorgeschlagen und allgemein acceptirt worden. Die Entwickelung dieses Gases erfolgt natürlich, ist bei dem Auer-Brenner jedoch wegen des geringen Gasverbrauchs auf die Kerze erheblich eingeschränkt. Renk149) hatte beispielsweise ermittelt, dass ein Argand-Brenner den Kohlensäuregehalt eines Zimmers in 4 Stunden um 3,394 pro Mille, ein Auer-Brenner jedoch um 1,427 pro Mille vermehrte. Da bei vollständiger Verbrennung des Gases die gebildete Kohlensäuremenge proportional dem Verbrauch an Gas ist, letzteres aber im Auer-Brenner rund 4mal besser als im Argand-Brenner ausgenutzt wird, so ist auch für ersteren nur die halbe Kohlensäureentwickelung in Anrechnung zu bringen. Von Karsten151) wird das Ausnutzungsverhältniss zwischen Siemens-Regenerativ- und dem Auer-Brenner im Mittel zu 4,4 : 1,9 angegeben, wonach sich die Veränderung in der Kohlensäureerzeugung beim Ersatz der einen Lampensorte durch die andere ermitteln lässt. Hierbei sind die Fälle auszunehmen, in denen die Regenerativlampen zu Ventilationszwecken benutzt, also auch alle Verbrennungsproducte abgeführt werden.

Die verminderte Wärmeabgabe ist dem geringeren Gasconsum und der besseren Umsetzung in Licht zuzuschreiben. Die strahlende Wärme, welche bei allen Gasbrennern mit leuchtender Flamme zum Nachtheil für |271| diese schwer ins Gewicht fällt, ist beim Auer-Brenner praktisch nicht vorhanden, v. Oechelhäuser konnte in einer Entfernung von 50 bis 70 cm von der Lampe eine Temperaturerhöhung durch Strahlung überhaupt nicht mehr wahrnehmen. Man ist mit Recht gewöhnt, die elektrische Glühlampe als Licht ohne Wärme zu bezeichnen; nach Renk gibt eine 16kerzige Lampe in der That nur 46 Wärmeeinheiten in der Stunde. Die gewöhnliche 16kerzige Gasflamme liefert etwa das Zwanzigfache, während sich in dem Auer-Licht, für gleiche Helligkeit berechnet, der Werth auf das Dreieinhalbfache ermässigt.

Für die Hygiene des Auges ist die Blendwirkung der Lichtquelle von Interesse, welches inbesondere bei Verwendung des Glühlichtes in Schulen u.s.w., wo beim Sehen nach der Wandtafel die directen Lichtstrahlen das Auge nachtheilig beeinflussen können, wächst. Die grosse Lichtmenge lässt es zwar zu, die Brenner hoch zu hängen (2½ bis 3 m), doch sind Lichtschützer, welche stets einen Verlust von Licht verursachen, erforderlich. Nach v. Oechelhäuser haben die gebräuchlichen Auer'schen Glühkörper etwa 2000 qmm glühende Fläche; unter Zugrundelegung einer Helligkeit von 60 Kerzen erhält man auf 1 Kerze etwa 33 qmm Leuchtfläche. Dem gegenüber steht die Bernstein'sche Angabe152), gemäss welcher bei der elektrischen Glühflamme auf 1 Kerze nur 4 qmm leuchtende Fläche kommen. Da das Verhältniss der Leuchtfläche zur Lichtstärke das Maass für die Blendwirkung ergibt, so beträgt die letztere beim Auer-Brenner nur ⅛ der der elektrischen Glühlampe. Wie viel das menschliche Auge überhaupt ertragen kann, hat Weber gezeigt, dessen Versuche auf 68000 bis 189000 Meterkerzen führten; der letzte Werth wurde auf einem weissen, am hellen Sonnentage in wagerechter Lage Mittags und im Freien aufgelegten Carton gemessen.

Des Weiteren ist die Erhellung der Subsellien in Hörsälen, Zeichensälen in Betracht zu ziehen; und hierfür hat Renk153) grundlegende Vergleiche angestellt. Er benutzte zu seinen Ermittelungen einen Argand-Brenner von 25,5 Normalkerzen, an dessen Stelle er später einen Auer-Brenner von 52,4 Normalkerzen setzte, und erhielt auf dem unter dem Licht befindlichen Tisch:


Bei Argand
M.-K.

Bei Auer
M.-K.154)
Zuwachs
an Helligkeit
bei Auer
gegen Argand
Unter der Lampe 33,71 45,38 34,6 Proc.
50 cm seitlich 24,73 36,26 46,6 „
100 „ „ 11,46 17,71 54,5 „
150 „ „ 5,36 9,96 85,9 „
200 „ „ 2,50 6,00 140,0 „

Die Gleichmässigkeit der Beleuchtung, welche von der Gestalt der Lichtquelle abhängt, stellt sich demnach für den Glühkörper weit günstiger, da der Unterschied zwischen der hellsten und der dunkelsten Stelle bei diesem das 7,5fache, beim Argand-Brenner dagegen das 13,5 fache betrug. Schirme und Augenschützer beeinflussen die Wirkung des Lichtes erheblich. Nach Renk griffen folgende Verhältnisse Platz:

Milchglas-
schirm
ohne
Augen-
schützer
M.-K.
Augen-
schützer
aus
Mischglas
M.-K.
Augen-
schützer
aus
mattirtem
Glas
M.-K
Aenderung
der Helligkeit bei
Verwendung von
Milchglas
Proc.
Mattglas
Proc.
Unter der Lampe
50 cm seitlich
100 „ „
150 „ „
200 „ „
61,65
42,32
20,61
10,78
5,58
74,38
34,27
12,78
5,38
2,88
57,60
33,28
16,00
8,32
4,88
+ 20,6
– 19,0
– 37,9
– 50,1
– 48,1
– 12,5
– 22,9
– 22,4
– 21,4
– 6,6
im Durchschnitt – 26,9 – 17,2

Das Milchglas ergibt also eine grössere Lichteinbusse als das Mattglas. Es wird dies bei Anlage einer Schulzimmerbeleuchtung zu berücksichtigen sein, wenn der Anforderung der Hygieine, nämlich einer Platzhelligkeit von 10 Kerzen, im Minimum aber einer solchen von 3 Kerzen, entsprochen werden soll.

Auch für Zwecke der neuerdings in Aufnahme gekommenen indirecten Beleuchtung, bei welcher bekanntlich die nach unten gerichteten directen Lichtstrahlen von einem Reflector aufgefangen und, da dieser rationell durchscheinend gewählt wird, zum Theil diffus durchgelassen, zum grösseren Theil aber nach der Decke geworfen werden, ist der Auer-Brenner wegen seiner Eigenschaft, die Lichtstrahlen im Wesentlichen schräg nach oben zu senden, mit Erfolg benutzt worden. In dem Hörsaal des hygienischen Instituts in Halle befanden sich vier Wenham-Regenerativlampen, welche bekanntlich ihr Licht hauptsächlich nach unten ausstrahlen, bei Anwendung zur indirecten Beleuchtung also sämmtlicher direct wirkenden Strahlen verlustig gehen; sie wurden von Renk durch je zwei Auer-Brenner ersetzt. Dies hatte den Erfolg, dass die ursprüngliche Helligkeit von 17,48 Meterkerzen auf den Subsellien im Durchschnitt auf 38,6 M.-K., d.h. um 121 Proc. gesteigert wurde, wobei der Gasverbrauch noch um 28 Proc. fiel.

Dass das Auer'sche Gasglühlicht in Bezug auf den Kostenpunkt den anderen Gasbeleuchtungsarten überlegen ist, ist praktisch nachgewiesen worden. Die Verhältnisse haben sich, wie gezeigt, im Laufe der Zeit noch mehr und ganz erheblich zu Gunsten des Auer-Brenners verschoben, woran die vergrösserte Widerstandsfähigkeit des Glühkörpers und der Cylinder den Hauptantheil haben.

Als Kostenvergleiche mit der elektrischen Glühlampe, für welche die jeweiligen örtlichen Preise für Gas bezieh. elektrischen Strom verschiedene Werthe ergeben, seien folgende Beispiele angeführt.

Für 600 Brennstunden im Jahre berechnet v. Oechelhäuser:

Auer-Licht:
600 Stunden zu durchschnittl. (bei wechseln-
dem Druck) 100 l, 60 cbm Gas à 16 Pf.

9,60

M.
12 Monate Unterhaltungskosten im Abonne-
ment à 60 Pf.

7,20

4 Ersatzglühkörper (2 bis 3 sind für zu-
fällige Beschädigung gerechnet)

1,60

––––––––––––––––––
Summa 18,40 M.
für 1 Stunde 3,07 Pf.
3 elektrische Glühlampen à 16 Kerzen à 3,6 Pf.:
600 Stunden à 10,8 Pf. 64,80 M.
3 Lampengebühren à 5 M. 15,00
––––––––––––––––––
Summa 79,80 M.
für 1 Stunde 13,3 Pf.
|272|
1 elektrische Glühlampe a 50 Kerzen:
600 Stunden à 11,25 Pf. 67,50 M.
1 Lampengebühr 5,00
––––––––––––––––––
Summa 72,50 M.
für 1 Stunde 12,08 Pf.

Die elektrische Glühlampe stellt sich hiernach im Betrieb rund 4mal theurer als die Auer-Lampe.

Lang155) kommt zu folgenden Ergebnissen, wenn eine Lichtstärke von 48 Hefner-Lichten verlangt wird:


Auer-Brenner
3 Schnitt-
brenner
3 elektrische
Glühlampen
Stündlicher Gasver-
brauch 90 l
Leuchtkraft (Mittel
von 500 Brennst.)
48 H.-L.
Dauer eines Strum-
pfes 500 Brennst.
Kosten desselben
1,50 M.
Kosten eines Glas-
cylinders 30 Pf.
Stünd-
licher Gas-
verbrauch
des Bren-
ners 120 l.
Preis des elektri-
schen Stromes
für 1 Ampère-
stunde 8 Pf.
(1 Brennst. = 4 Pf.)
Preis einer elek-
trischen Glüh-
lampe 1 M.
Leuchkraft
16 H.-L.
(Durchschnitt bei
1000 Brennst.)
Bei 500 Brenn-
stunden
Verbrauch an Glüh-
körpern = 1.
Verbrauch an Cy-
lindern = 2.
Verbrauch an
Lampen = 3.
Reine Betriebs-
kosten
10 M. 31,50 M. 61,50 M.
Bei 1000 Brenn-
stunden
Verbrauch an Glüh-
körpern = 2.
Verbrauch an Cy-
lindern = 4.
Verbrauch an
Lampen = 3.
Reine Betriebs-
kosten
20 M. 63 M. 123 M.

Lang erhält hiernach ein Verhältniss der Betriebskosten des Auer-Lichtes zu denen des elektrischen Glühlichtes gleich 1 : 6.

Derselbe Experimentator rechnet übrigens unter Zugrundelegung massiger Lichtmengen niedrigere Betriebskosten für das Auer-Licht als für die elektrische Bogenlampe heraus, nämlich:


Hefner-
Lichte

Brenn-
stunden
Auer-Brenner Eine Bogen-
lampe.
Kosten
Anzahl Kosten
200 500
1000
4 40
80
45
90
600 500
1000
12 120
240
125
250

Leider ist hierbei nicht bemerkt, ob beide Lichtquellen frei oder verdeckt mit einander verglichen worden sind. Im Allgemeinen dürfte die Bogenlampe als grosse Lichtquelle ökonomisch im Vortheil sein; sie tritt jedoch da zurück, wo kleinere Lichtmengen erforderlich werden, auch da, wo eine gleichmässige Vertheilung des Lichtes nothwendig ist.

Die praktischen Versuche Muchall's führten zu nachstehender Berechnung des Selbstkostenpreises der Gasglühlichtstrassenbeleuchtung.

Für 1000 Brennstunden:
für Gasverbrauch 10,00 M.
für Ersatz der Cylinder und Glühkörper 4,32
für Verzinsung und Tilgung des Anlagekapitals
der Brenner und für Abschreibungen

1,04

für Bedienung und Unterhaltung der Strassen-
beleuchtungseinrichtungen

7,00

––––––––––––––––––
im Ganzen 22,36 M.

Dem gegenüber stellte sich der Selbstkostenpreis der gewöhnlichen Schnittbrennerflammen gleichfalls

für 1000 Brennstunden:
für Gasverbrauch (auf 1 Brennstunde 0,180 cbm)
180 cbm zu je 10 Pf.

18,00

M.
für Bedienung und Unterhaltung der Strassen-
beleuchtungseinrichtungen

7,00

––––––––––––––––––
im Ganzen zu 25,00 M.

Es wurde also neben 2½- bis 3facher Helligkeit eine directe Betriebsersparniss erzielt.

––––––––––

Alles in Allem genommen muss anerkannt werden, dass das Auer-Licht in ökonomischer und hygienischer Beziehung einen grossen Fortschritt im Beleuchtungswesen bedeutet. Die gegentheiligen älteren Ansichten, welche durchweg, auf die Vorläufer der Auer'schen Erfindung zurückgreifend, sich des Beweises der Analogie bedienten, sind durch die rasch gewachsene Ausbreitung dieser Beleuchtung, durch die erfolgreichen Bestrebungen, ihre Anwendung zu verallgemeinern, praktisch da widerlegt, wo nackte Zahlenwerthe bemängelt wurden. Freilich ist dieser Fortschritt nicht mit einem Abschluss auf dem Beleuchtungsgebiete zu verwechseln; Aufgabe der Technik wird es vielmehr bleiben, nach praktisch brauchbaren Mitteln zu suchen, welche eine noch vollkommenere Umsetzung von Wärme in Licht gestatten, als es beim Auer'schen Glühkörper möglich ist.

|265|

Le Gaz, Bd. 38 S. 68.

|265|

D. R. P. Nr. 56863.

|265|

U. S. P. Nr. 258759. Brit. Spec. 13893 v. J. 1889.

|265|

D. R. P. Nr. 78866.

|266|

Schilling Journ. f. Gasbel, 1893 Bd. 36 S. 633.

|266|

D. R. P. Nr. 35776.

|266|

D. R. G. M. Nr. 12944.

|267|

S. Gestaltung der Glühkörper.

|267|

1 Hefner-Licht (H.-L.) = 0,862 Normalkerzen (N.-K.).

|267|

Schilling Journ. f. Gasbel, 1892 S. 527 f.

|267|

Verhandlungen des Ver. z. Beförd. des Gewerbefl. 1892.

|267|

Chemiker-Zeitung, 1893 S. 1034.

|267|

Schilling Journ. f. Gasbel. u. Wasservers., 1892 S. 527.

|268|

Bericht vom 12. November 1892.

|268|

Engineer, 1895 S. 77.

|268|

1 deutsche Vereinskerze (1 N.-K.) = 1,162 Hefner-Einheiten (H.-E.).

|268|

L'Electricien, 1892 S. 201.

|268|

v. Oechelhäuser.

|268|

Schilling Journ. f. Gasbel., 1894.

|269|

Vgl. Cylinder.

|269|

Schilling Journ. f. Gasbel., 1894 S. 619.

|269|

Schilling Journ. f. Gasbel., 1894 S. 273.

|269|

Schilling Journ. f. Gasbel., 1893 S. 309 f.

|269|

Journ. of Gaslighting, 1892 S. 153.

|269|

L'Electricien, 1892, S. 201.

|269|

Schilling Journ. f. Gasbel., 1893 S. 609 f.

|269|

Schilling Journ. f. Gasbel, 1894 S. 273.

|270|

Schilling Journ. f. Gasbel., 1893 S. 608.

|270|

Vgl. Fussnote 154 S. 271.

|270|

Gutachten vom 30. Sept. 1894.

|270|

Vgl. Fussnote 154 S. 271.

|270|

Naturwissenschaftl. Verein f. Schleswig-Holstein Bd. X.

|271|

A. Bernstein, Ueber die Umwandlung des elektrischen Stromes in Licht, Hamburg 1891 S. 20.

|271|

Gutachten vom 12. Nov. 1892.

|271|

M.-K. = Meterkerze ist jene Helligkeit, welche eine Normalkerze auf einer 1 m entfernten weissen Fläche hervorruft.

|272|

Chemiker-Zeitung, 1893 S. 1034.

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