Titel: Phonautograph von Osenbrück in Bremen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1895, Band 295/Miszelle 2 (S. 24)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj295/mi295mi01_2

Phonautograph von Osenbrück in Bremen.

Die Phonautographen sollen vornehmlich dem Studium der bei der Sprache entstehenden combinirten Schwingungscurven dienen. Ohne auf die Einzelheiten der Constructionen näher einzugehen, soll im Folgenden die allgemeine Anordnung angegeben und die wesentlichen Neuerungen kurz beschrieben werden. Beabsichtigt wird durch die neue Construction, bei Aufzeichnung der Curven die Reibung thunlichst auszuschliessen und die photographische Uebertragung der gezeichneten Curven zu ermöglichen.

Die Welle der Phonautographentrommel ruht, gegen axiale Verschiebungen gesichert, in zwei Lagern. Der dazwischenliegende Theil ist mit Gewinde von etwa 1,5 bis 2 mm Ganghöhe versehen. Durch dieses Gewinde erfolgt mittels eines mit Muttergewinde versehenen Armes die Verschiebung eines parallel der Welle geführten Schlittens, auf dem der Schallbecher mit Diaphragma und Schreibhebel justirbar angebracht ist. Ueber das eine der Lager hinaus ist die Welle verlängert und trägt hier die Trommel. Letztere wird von einem hohlen, an den Enden konisch ausgeschliffenen Glascylinder gebildet, welcher sich zwischen zwei am Rande entsprechend konisch (unter einem Winkel von etwa 60°) abgedrehten Metallscheiben zur Welle laufend festklemmen lässt, zu welchem Ende die eine der Scheiben auf der Welle befestigt, die andere aber axial verschiebbar und mittels Mutter und Spiralfeder in die konische Vertiefung des Glascylinders gepresst wird.

Die Curven werden in einer aufgeblakten Russchicht und diese nachträglich durch aufgesprühte Schellacklösung fixirt. Der Zweck dieser Einrichtung ist, durch Umlegen von lichtempfindlichem Papier um den abgenommenen Cylinder und Belichtung desselben von innen her die Toncurven, welche unter thunlichstem Ausschluss störender Reibung niedergeschrieben waren, behufs näheren Studiums dauernd zu fixiren und dann eventuell photographisch zu vergrössern. Die schallempfangende Membran, welche aus dünnem Glase oder einer Glimmerplatte hergestellt werden soll, steht senkrecht zur Wellenachse. Die Mitte der Membran ist mit einem um eine Spitzenachse drehbaren einarmigen Aluminiumhebel in Contact, dessen in eine Stahlspitze auslaufendes Ende deren Bewegungen in etwa 3½facher Vergrösserung auf den Cylinder überträgt. Zur genauen und sicheren Anstellung der Schreibspitze an die Cylinderfläche sind die erforderlichen Stellorgane vorgesehen. Der Antrieb der Trommel erfolgt mittels Kurbel und Schnurübertragung von Hand oder mittels eines Motors.

Herr Osenbrück ist gern bereit, Mechanikern, welche sich mit Herstellung des Apparates befassen wollen, seine Constructionszeichnungen zur freien Verfügung zu stellen. (B. Pensky in Zeitschrift für Instrumentenkunde, 1894 S. 404.)

-r.

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