Titel: Weichenverschluss.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1895, Band 295/Miszelle 2 (S. 47–48)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj295/mi295mi02_2

Weichenverschluss.

Die im Betriebe zur Sicherung von Weichenstrassen oder einzelnen Weichen der Anschlussgleise vorhandenen Weichenverschlüsse entsprechen in der Mehrzahl nicht allen Ansprüchen, die für die Sicherheit des Betriebes, die schnelle und leichte Bedienung der Weiche und die einfache Anfertigung und Anbringung auf der Strecke gestellt werden müssen. Diese Ansprüche sind:

Sicherheit gegen unbefugtes Oeffnen, sei es durch Anwendung leicht zu erlangender und als Werkzeug zu benutzender Gegenstände (Schienennägel, Schlüssel u.s.w.) oder durch Lösen von Schrauben und Muttern.

Schutz gegen das Eindringen von Sand und Wasser an solchen Stellen des Verschlusses, welche dadurch die Gefahr des Versagens bewirken.

Leichte und schnelle Handhabung während des Betriebes.

Sicherheit gegen eine falsche Stellung der Weiche, wenn sich ein Theil des Verschlusses, der Schlüssel, in den Händen des verantwortlichen Beamten befindet.

Verhinderung des Aufklaffens der Weichenzunge.

Der nachfolgend beschriebene Verschluss von Schwarz, Eisenbahnwerkmeister zu Schleusenau bei Bromberg, entspricht im Wesentlichen diesen Ansprüchen. Das an der Backenschiene befestigte gusseiserne Gehäuse besteht aus einem Stücke; die dasselbe abschliessende Decke liegt am Stege der Backenschiene an, kann also nicht abgeschraubt werden, um von hier aus das Schloss zu öffnen.

Die Anordnung der Zuhaltung, sowie der eigenthümlich geformte Schlüssel verhindern ein Oeffnen durch beliebige Werkzeuge.

Gegen das Eindringen von Staub und Wasser durch das Schlüsselloch ist letzteres durch einen Deckel und bei Benutzung der Weiche zum Verschiebedienste, während welcher sich der Schlüssel im Schloss befindet, durch den an diesem angebrachten Deckel geschützt.

Die Handhabung des Verschlusses ist die eines gewöhnlichen Thürschlosses.

Bei falscher Stellung der Weiche kann sie weder verschlossen noch der Schlüssel entfernt werden, da der Verschlussbolzen |48| das Heraustreten des Riegels dann verhindert. Der verantwortliche Beamte kann sich nur im Besitze des Schlüssels befinden, wenn die Weiche für das zu sichernde Gleis richtig gestellt und verschlossen ist.

Der in der Weichenzunge eingenietete Verschlussbolzen tritt durch einen Schlitz der Backenschiene in das an dieser befestigte Gehäuse.

Durch Drehung des Schlüssels nach rechts drückt der kurze Bart desselben die Zuhaltung aus ihrem Eingriffe, und der längere Bart erfasst den Riegel und gibt hierdurch den Verschlussbolzen frei.

Der Riegel bleibt in dieser Stellung stehen und die Weiche kann für den Verschiebedienst beliebig umgelegt werden; der Schlüssel kann aber jetzt nicht ausgezogen werden.

Ist die Weiche für die Durchfahrt eines Zuges für das richtige Gleis gestellt, so genügt eine Drehung des Schlüssels nach links und der Riegel tritt wieder in den Einschnitt des Verschlussbolzens. Die Weiche ist jetzt verschlossen und der Schlüssel kann ausgezogen werden.

Der Verschluss ist seit dem Jahre 1891 im Bezirke der königl. Eisenbahndirection Bromberg versuchsweise in Betrieb genommen und jetzt bereits an 250 Weichen in Benutzung. (Organ für die Fortschritte des Eisenbahnwesens, 1894 S. 214.)

-r.

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