Titel: Die Verwerthung der in Schlacken der Schmelzöfen enthaltenen Wärme.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1895, Band 295/Miszelle 13 (S. 96)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj295/mi295mi04_13

Die Verwerthung der in Schlacken der Schmelzöfen enthaltenen Wärme.

John Hewell und E. A. Ashcroft haben zu Broken Hill in Neusüdwales Versuche zur Dampferzeugung durch die heissflüssige Schlacke von Blei- und Silberschmelzöfen gemacht; das dabei angewendete Verfahren dürfte unter Umständen auch bei Eisenhütten zur Verwerthung der in der Hochofenschlacke enthaltenen Wärme Beachtung verdienen. Zuerst versuchte man die Schlacke in einem geschlossenen Behälter direct mit dem Wasser in Berührung zu bringen, wobei sich jedoch durch Bildung erkalteter, schlecht wärmeleitender Krusten, sowie wegen Condensation des Dampfes durch das zugeführte Speisewasser Schwierigkeiten einstellten. Nach mehreren Abänderungen des Apparates führte man das Wasser von unten her zu, in der Erwartung, durch den aufsteigenden Strom die Schlacke schwebend und in Bewegung zu erhalten, daher die Entstehung der Krusten zu vermeiden. Das Ergebniss war ein besseres, allein die Wärmeabgabe seitens der Schlacke erforderte zu lange Zeit und als eigentliche Schwierigkeit des Verfahrens ergab sich der eigenthümliche Zustand der Kugelbildung, welchen das Wasser bei Berührung mit stark erhitzten Flächen annimmt, wobei eine trockene Dampfschicht die Uebertragung der Wärme an das Wasser beträchtlich verzögert. Dieser Zustand trat bei einer Temperatur zwischen 260 und 370° ein.

Die Erfahrungen führten dazu, die directe Berührung zwischen Wasser und Schlacke zu vermeiden, und nachstehende Einrichtung hatte den gewünschten Erfolg. Das Wasser befindet sich in einem kurzen wagerechten Stahlkessel mit halbkugelförmigen Enden, welcher von sechs, in zwei Reihen angeordneten senkrechten, nach unten etwas erweiterten Röhren aus Schmiedeeisen oder Kupfer durchzogen ist. Die oberen Enden der Röhren münden in eine gemeinschaftliche Eingussschale, in welche der Schlackenwagen seinen Inhalt entleert, der nun die Röhren ausfüllt; letztere sind unten durch gusseiserne Klappen geschlossen, von welchen je drei an einer gemeinschaftlichen Drehungsachse befestigt sind. Hat die Schlacke einen Theil ihrer Wärme abgegeben, so werden die Klappen geöffnet, die Schlackenkegel fallen in einen untergeschobenen Wagen und zerbröckeln dabei. Die beiden Enden des Kessels sind von feuerfestem Ziegelmauerwerk mit Blechhülle umgeben; in den Raum zwischen dem Mauerwerk und der Kessel wand wird die zerkleinerte, in den Wagen gefallene Schlacke geschüttet, um ihre Wärme weiter abzugeben und die Enden des Kessels gegen Abkühlung zu sichern, dann wieder in den Wagen fallen gelassen und entfernt. Will man die Wärme der Schlacke noch vollständiger ausnutzen, so kann man dieselbe zuletzt in Bassins stürzen, durch welche das Speisewasser geleitet und daher vorgewärmt, nebstdem auch durch Absatz eines Theiles seiner Beimengungen gereinigt wird.

Die Heizröhren sind bei derartigen Kesseln in solcher Anzahl und Grösse anzubringen, dass die Wärmemenge, welche zur Erzeugung der in bestimmter Zeit benöthigten Dampfmenge erforderlich ist, in eben dieser Zeit von der Schlacke abgegeben wird. Die Berechnung ergibt für Erzeugung einer gegebenen Menge Dampf einen verhältnissmässig kleinen Kessel. Selbstverständlich sind auch ein Dampfdom und die sonstigen Armaturen, Sicherheitsventile u.s.w. anzubringen. Besteht bereits eine Anlage von Kesseln, so können die alten durch neue obiger Construction ersetzt, die Dampfleitungen und andere Theile beibehalten werden. Ein Versuch mit der beschriebenen Einrichtung scheint für Hütten, welche Brennstoff zur Dampferzeugung mit Kostenaufwand beschaffen müssen, wohl empfehlenswerth. (Oesterreichische Zeitschrift, 1894 Nr. 48.)

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