Titel: Cementbehälter mit Glasplatten.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1895, Band 295/Miszelle 8 (S. 94–95)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj295/mi295mi04_8

Cementbehälter mit Glasplatten.

Die Vortheile, welche die grossen aus Cement hergestellten Behälter für die Vergährung grosser Maischmengen und die Lagerung, sowie für den Verschnitt von Branntwein haben, sind bekannt. Eine Schwierigkeit, welche derartigen Behältern im Betriebe anhängt, ist das Ueberziehen des Cementes mit einer Schicht, die dessen Berührung mit dem Branntwein hindert. Einen Uebelstand bildet auch die Entfernung von. in derartigen Behältern aufgetretenem Schimmel, weil dessen Fäden sich in den Wandungen festsetzen und daher nur schwer zu beseitigen sind.

Beide Nachtheile werden, wie Weinbau und Weinhandel schreiben, durch das Auslegen der Wandungen mit Glasplatten aufgehoben. Die Glasfabrik St. Gobain, Chonuy und Cirey, deren Niederlagen sich in Marseille, Rue Verte, befinden, stellt derartige Glasplatten in einer Dicke von 4 bis 6 mm, und zwar quadratische im Format 24 : 24, rechteckige im Format 26 : 12 cm her, von welchen sich letztere als am empfehlenswerthesten erwiesen haben. Diejenige Seite der Glasplatten, welche in den Bewurf zu liegen kommt, hat Streifen oder Rauten, um ihr Festhalten zu verstärken. Zur Bekleidung des Bodens verwendet man meistens Platten von rohem Spiegelglas im Format 50 : 50, von 11 bis 12 mm Dicke; letztere reicht vollständig aus, um sie gegen Bruch bei dem Betreten durch die Arbeiter zu schützen.

Die Behälter werden aus Backsteinmauerwerk und Cement aufgebaut und hinreichend fundamentirt. Beim Bekleiden der Innenwände mit Glasplatten verwendet man den Cementbrei ziemlich flüssig, damit keine Luftblasen zwischen demselben und dem Glas verbleiben; die Glasplatten werden gewaschen und vor ihrer Verwendung ins Wasser gelegt. Der Boden |95| erhält einen leichten Abfall nach den Stellen, woselbst sich die Ablasshähne befinden, um die Entleerung zu erleichtern; auch kann, nach Art der Wasserstandsröhren, ein aussen sichtbares senkrechtes Glasrohr angebracht werden, das, mit Aichstrichen versehen, jederzeit den Inhalt zu erkennen gestattet.

Die Behälter erhalten eine grosse, meist oben in dem Gewölbe angebrachte Oeffnung, welche sowohl zum Einbringen der Maische wie als Mannloch für vorzunehmende Reinigung dient.

Solche Behälter können zur Vergährung grosser Maischemengen, zu Verschnitten in grossem Maasstabe, sowie zu Hefeablagerungs- und Hefewaschgefässen benutzt werden, aber auch zum Branntweinlagern dienen und findet in ihnen ein Zehren kaum statt; sie werden auch zu manchen anderen gewerblichen Zwecken wohl zu verwerthen sein.

Die Kosten der Glasbekleidung für das Hektoliter Fassungsraum stellen sich je nach der Oertlichkeit und Anlage auf 0,80 bis 1,60 M. (Nach Alkohol, 1895 Nr. 2.)

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