Titel: Bruchbelastung einer grösseren Eisenbahnbrücke.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1895, Band 295/Miszelle 1 (S. 119–120)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj295/mi295mi05_1

Bruchbelastung einer grösseren Eisenbahnbrücke.1)

An den eisernen Ueberbauten der Brücke über die Neisse bei Forst in der Lausitz (Linie Cottbus-Sorau) hatten sich vor einiger Zeit Mängel gezeigt, die Befürchtungen für die Sicherheit des Bauwerkes erweckten. Um für die Entscheidung der schwierigen Frage, ob eine Verstärkung oder eine vollständige Auswechselung des Eisenwerkes zweckmässiger sei, einen Anhalt zu gewinnen, wurde beschlossen, einen der sechs Brückenkörper, der sich für einen solchen Versuch in besonders günstiger Lage über einem hohen Vorland befindet, bis zum Bruche zu belasten. Dieser Plan ist nun vor kurzem mit bestem Erfolge zur Ausführung gebracht worden. Zwar trat das Nachgeben der Brücke etwas früher, als erwartet war, nämlich schon bei nahe ⅘ der rechnungsmässigen Bruchlast, ein; es ist das aber ohne irgend welchen Nachtheil für die anzustellenden Beobachtungen gewesen, da der Brückenkörper mit einem leichten, aber festen Gerüst umgeben war, an dem sich eine grosse Zahl von Blechtafeln befanden, auf denen spitze, mit dem Eisenwerk verbundene und durch Federdruck auf die Tafeln gepresste Stifte alle Bewegungen der Brücke selbsthätig aufzeichneten. Ausserdem erwies sich die vorgesehene Beschränkung der Fallhöhe durch untergelegte Schwellenstapel als eine sehr nützliche Vorsichtsmaassregel, die die weitgehende nachträgliche Zerstörung verhütet hat, welche bei höherem Absturz wahrscheinlich eingetreten wäre. Der Brückenkörper lässt so, wie er zur Zeit noch auf den Schwellenstapeln ruht, die Vorgänge in aller Reinheit erkennen, die das Nachgeben desselben veranlasst haben, nämlich das wagerechte Ausbiegen der Druckgurte in den Mittelfeldern. Ist die Tragkraft von ⅘ der rechnungsmässigen – einer etwa vierfachen Sicherheit entsprechend – an sich schon als ein sehr günstiges Ergebniss zu betrachten, so darf doch auf Grand des Zustandes der einzelnen Theile nach dem Bruche angenommen werden, dass trotz der ungünstigen Beschaffenheit des zu der Brücke verwendeten Eisens eine noch höhere Zahl erreicht worden wäre, wenn der Obergurt statt des die beiden Hälften verbindenden Gitterwerkes eine kräftigere Versteifung, etwa in Form einer vollen Blechwand, besessen hätte. Bemerkenswerth ist noch, dass die Ausbiegung der Gurte sich nicht über die ganze Trägerlänge, sondern nur über je ein |120| Feld erstreckt und bei dem einen Träger nach der Gleismitte hin, bei den anderen dagegen nach aussen erfolgt ist. (Centralblatt der Bauverwaltung, 1894 S. 484.)

-r.

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Vgl. 1894 293 288.

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