Titel: Entseuchungsmittel „Formalin“.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1895, Band 295/Miszelle 3 (S. 144)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj295/mi295mi06_3

Entseuchungsmittel „Formalin“.

Die Chemische Fabrik auf Actien (vorm. E. Schering) in Berlin bringt unter dem Namen Formalin eine 40procentige Lösung von Formaldehyd CH2O in den Handel. Es soll ein fast ebenso kräftiges Entseuchungsmittel sein wie Quecksilbersublimat, ist nicht giftig und hinterlässt keinen bleibenden Geruch.

Das Formalin ist eine stechend riechende, wasserhelle Flüssigkeit. Der Gehalt kann leicht durch directe Titration mit Ammoniak unter Benutzung von Rosolsäure als Indicator ermittelt werden. – Selbst in Verdünnung von 1 : 20000 werden Milzbrandbacillen durch Formalin in einer Stunde getödtet, zur Entseuchung von Kleidungsstücken, Tapeten u.s.w. wird Bestäuben mit 1- bis 2procentiger Formalinlösung empfohlen; für Reinigung einer Wand von 50 qm Fläche genügen 5 g der käuflichen 40procentigen Lösung. Formalin verdampft leicht und dringt daher in alle Ritzen und Poren ein. Lumpen werden vor dem Verpacken mit Formalin-Streupulver (Kieselguhr mit 20 Proc. Formalin) bestäubt. Eine eigenthümliche Wirkung übt Formalin auf thierisches Gewebe aus: auf Haut gebracht, verbindet es sich mit ihr, wobei Erhärtung und schliesslich Absterben derselben erfolgt, ohne alle Eiterung oder Wundbildung. Versuche zur Beseitigung von Polypen und ähnlichen Neubildungen am Menschen mit Hilfe von Formalin sollen sehr günstig ausgefallen sein. (Papierzeitung vom 27. Januar 1895.)

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