Titel: Directe Nutzbarmachung der chemischen Energie von Brenngasen zur Stromerzeugung.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1895, Band 295/Miszelle 2 (S. 191)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj295/mi295mi08_2

Directe Nutzbarmachung der chemischen Energie von Brenngasen zur Stromerzeugung.

In der Sitzung des württembergischen Zweigvereins für angewandte Chemie vom 11. Januar 1895 berichtete Prof. Häussermann über die Publicationen von Borchers, welche die directe Nutzbarmachung der chemischen Energie von Brenngasen zur Stromerzeugung zum Gegenstand haben (vgl. 1895 295 95). Im Anschluss hieran theilt der Redner mit, dass er die Borchers'schen Versuche in seinem Laboratorium in Gemeinschaft mit Barnes und Vesenmeyer wiederholt, dabei aber zu ganz anderen Resultaten als Borchers gekommen ist. Sowohl bei Verwendung von salzsaurer als auch von ammoniakalischer Kupferchlorürlösung gingen auch bei abgehaltenem Luftzutritt nennenswerthe Mengen des Kupfers der Kathode in Lösung, und es liess sich das Auftreten eines Stromes sehr deutlich nachweisen, bevor Kohlenoxyd und Luft in den Elektrolyten eingeleitet wurden. Sobald man Gase einzuleiten begann, nahm der Strom bemerkenswerther Weise an Stärke erheblich ab. Um die Wirkung der kupfernen Kathode zu eliminiren, wurde dann in Glasgefässen gearbeitet und als Elektroden nur Kohlen platten benutzt. Unter diesen Bedingungen konnte ein Strom durch Einleiten von Kohlenoxyd und Luft in die Kupferchlorürlösung überhaupt nicht hervorgerufen werden.

Hieraus geht unzweideutig hervor, dass bei der Borchers'schen Versuchsanordnung das Material der Kathode eine sehr wesentliche Rolle spielt, wie dieses übrigens Borchers selbst ausdrücklich hervorgehoben hat.

Weiterhin wurde dann versucht, an Stelle von Salzsäure oder von Ammoniak ein indifferentes Lösungsmittel für Kupferchlorür zu verwenden. Als solches bot sich zunächst eine gesättigte Chlornatriumlösung dar, in welcher sich Kupferchlorür reichlich (1 : 10) löst. Die Lösung absorbirt Kohlenoxyd ebenso gut, wie die salzsaure oder ammoniakalische Lösung, und dürfte sich deshalb bei gasanalytischen Arbeiten die Benutzung derselben empfehlen. Dagegen erwies sich die kupferchlorürhaltende Chlornatriumlösung im vorliegenden Fall nicht brauchbar, da sich ergab, dass sie metallisches Kupfer stark angreift. Ein in die Lösung eingestelltes Kupferblech hatte nach etwa 24 Stunden einen Gewichtsverlust von mehreren Procenten erlitten, wobei noch zu bemerken ist, dass jede Bewegung und Temperaturerhöhung vermieden worden war. In den Lösungen anderer Chlormetalle, wie z.B. Chlorkalium und Chlormagnesium, ist Kupferchlorür sehr viel weniger löslich als in Kochsalzlauge, und wurden deshalb diese Chlormetalle nicht weiter berücksichtigt.

Der Redner gibt schliesslich der Ueberzeugung Ausdruck, dass die Frage „der kalten Verbrennung“ der Generatorgase vorläufig noch als eine vollständig offene angesehen werden müsse und dass die beschriebene Gasbatterie noch sehr weitgehender Verbesserungen bedürfe, bevor sie als ein zur directen Erzeugung von Elektricität aus Brenngasen geeigneter Apparat angesehen werden könne.

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