Titel: Fortschritte der deutschen Roheisenerzeugung.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1895, Band 295/Miszelle 5 (S. 263)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj295/mi295mi11_5

Fortschritte der deutschen Roheisenerzeugung.

Gelegentlich der Versammlung des Vereins deutscher Eisenhüttenleute zu Düsseldorf am 13. Januar 1895 machte der Secretär des Vereins, Ingenieur Schrödter, einige Mittheilungen „über die Fortschritte der deutschen Roheisenerzeugung seit 1882“. Danach ist die Roheisenerzeugung der Erde von 1879 bis 1892 von 14397282 t auf 26859554 t gestiegen. Hinsichtlich der Erzeugungsmengen hatte bis zum Jahre 1890 Grossbritannien die Führung; neuerdings ist dieselbe von den Vereinigten Staaten übernommen worden. Indessen wechselten hier die Verhältnisse sehr rasch; während am 1. Juni 1893 255 Hochöfen im Betriebe waren, standen am 1. April 1894 nur 88 im Feuer. In Deutschland ist die Entwickelung stetig, die Erzeugung erfährt hier von Jahr zu Jahr eine ziemlich gleichbleibende Zunahme. Deutschland steht bezüglich der Production an dritter Stelle. In Frankreich, Oesterreich und Russland hat die Eisenproduction ebenfalls zugenommen. Belgien hat sich seit einer Reihe von Jahren auf gleicher Höhe gehalten, während Schweden in der Erzeugung von Eisen fortgeschritten ist. Der Vortragende gibt nun die Vertheilung der Roheisenerzeugung in Deutschland nach geographischen Gebieten und nach Sorten an. Während in Giesserei-Roheisen zwar ein erfreulicher Fortschritt vorhanden ist, hält die Erzeugung mit dem Verbrauch nicht gleichen Schritt, so dass die Einfuhr in Deutschland noch immer ziemlich erheblich ist. Die Gesammterzeugung an Thomas-Roheisen hat sich von 1883 bis 1893 um nicht weniger als 517 Proc. vermehrt, das Thomas-Roheisen bildet mit über 2¼ Millionen Tonnen zur Zeit schon annähernd die Hälfte der gesammten deutschen Jahreserzeugung. Sowohl Puddel-Roheisen wie Bessemer-Roheisen haben in Folge dessen einen absoluten Rückgang von 30 bezieh. 22 Proc. zu verzeichnen. Der Schwerpunkt der deutschen Roheisenerzeugung hat sich damit nach den Westgrenzen unseres Vaterlandes verschoben. Die Saar-Lothringischen Hochöfen haben ihre Erzeugung mehr als verdoppelt, die niederrheinisch-westfälischen haben nur mit 43, die oberschlesischen nur mit 21 Proc. Zunahme folgen können. Die Vorgänge in Mitteldeutschland sind zwar nicht unerheblich an sich, aber für das Gesammtergebniss nicht durchschlagend. Die Verlegung der Roheisenerzeugung nach dem Minettebezirk ist ohne Zweifel weiter begünstigt worden durch die technischen Fortschritte, die den Koksverbrauch für die Tonne Roheisen ständig ermässigt haben, sowie durch den Umstand, dass die Kohlenbecken der Ruhr und Schlesiens an Erzen arm sind. Sind die oberschlesischen Hochöfen auf ungarische, steierische und schwedische Erze angewiesen, so sind die niederrheinisch-westfälischen Hochöfen von Spanien und Schweden so lange für die phosphorhaltigen Sorten abhängig, als sie keine billigeren Verfrachtungsgelegenheiten für die lothringische Minette erhalten.

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