Titel: Einwirkung von Kalk, Gyps und Cement auf Eisen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1895, Band 295/Miszelle 4 (S. 301)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj295/mi295mi13_4

Einwirkung von Kalk, Gyps und Cement auf Eisen.

Die zunehmende Verwendung des Eisens im Bauwesen gibt der Keramik vom 3. December 1894 Veranlassung, auf das bereits auch von uns hervorgehobene Verhalten dieses wichtigen Baumaterials gegen die Einwirkung einiger gebräuchlicher Bindemittel hinzuweisen.

In frischen Kalkmörtel verlegte Eisentheile werden in kurzer Zeit in erheblichem Maasse angegriffen, und zwar besonders die aus Schmied- und Walzeisen, weniger die aus Gusseisen bestehenden.

Die Einwirkung zeigt sich zunächst in einer überaus starken Rostbildung, welche sich jedoch nicht auf die Oberfläche beschränkt, sondern schnell in das Innere sich fortsetzt. Aber auch der etwa noch verbleibende Eisenkern erleidet eine merkwürdige Aenderung seiner Beschaffenheit, welche sich besonders durch die verminderte Festigkeit, sowie die Kurzbrüchigkeit und Sprödigkeit kundgibt. Manchmal auch erkennt man auf der Bruchfläche ein deutlich crystallinisches Gefüge. Bemerkenswerth ist sodann noch die Volumenvermehrung, welche mit der Zerstörung des Eisens Hand in Hand geht und unter Umständen den Bauten gefährlich werden kann, da sie unter ungemeiner Kraftäusserung vor sich geht. So hat man z.B. die Beobachtung gemacht, dass schwere Quadern, welche fehlerhafterweise mit eisernen Dübeln und Klammern in Kalkmörtel versetzt worden waren, aus diesem Grunde aus einander getrieben wurden, so dass eine Neuversetzung nöthig wurde.

Auch Gyps hat eine ähnliche, wenn auch in der Regel schwächere Einwirkung auf Eisen, wenn die beiden Materialien an der Feuchtigkeit unmittelbar ausgesetzten Stellen oder auch in Räumen verwendet werden, in denen die Luft einen hohen Feuchtigkeitsgehalt hat.

Im Gegensatz zu den vorgenannten hat sich reiner Cement als ein ganz vorzügliches Rostschutzmittel erwiesen, so dass in reinem Cement eingebettete Eisentheile auch unter Wasser vom Rost nicht angegriffen werden. Auch ein Anstrich derselben mit dünner Cementbrühe hat sich recht wohl bewährt und dürfte seiner Billigkeit halber auch dem Mennigeanstrich vorzuziehen sein.

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