Titel: Brechen des Eises.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1895, Band 295/Miszelle 5 (S. 301)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj295/mi295mi13_5

Brechen des Eises.

Ueber einen gelungenen Versuch des Eisbrechens durch den Regierungsdampfer „Sperber“ mit der dem Schiffsbaumeister Weedermann in Flensburg patentirten Eisbrechvorrichtung berichtet die Flensburger Nordd. Zeitung. Morgens 9¼ Uhr am 7. Februar dampfte der „Sperber“ von Sonderburg nach Flensburg ab. Auf der ganzen, etwa 35 km langen Strecke wurde Eis angetroffen, meist 19 bis 29 cm starkes Kerneis, das von dem Dampfer ohne Anlauf schlank durchbrochen wurde. Nur da, wo das Eis sich etwas zusammengeschoben hatte (bis zur Stärke von 0,9 m), musste es durch Anläufe genommen werden, deren aber auf der ganzen Strecke nur fünf nöthig wurden. Es ist dies um so bemerkenswerther, als das Eis keineswegs mürbe, sondern in Folge der herrschenden Kälte von – 10° sehr fest war. Um 3½ Uhr Nachmittags, also in 6¼ Stunden, hatte der „Sperber“ Flensburg erreicht, und zwar ohne dass an Schiff oder Eisbrechvorrichtung irgend etwas versagt hätte. Heute Vormittag 9 Uhr dampfte der „Sperber“ wieder von hier ab, um mit Fachleuten an Bord etwas im Eise zu manövriren, was dem Schiffe mit Hilfe der Vorrichtung fast so gut gelang, als befände es sich im offenen Wasser. Der Weedermann'sche Eisbrecher besteht aus einem eisernen Prahm, der bei 12,4 m Länge, 7 m Breite und bis zu 0,86 m Tiefe eine ovale Form mit gewölbtem Boden besitzt. An der Rückseite befindet sich ein keilförmiger Einschnitt, in den der Bug des die Vorrichtung benutzenden Dampfers passt, und der je nach der Grösse des letzteren verstellbar ist. Der Prahm, dessen Tiefgang durch Wasserballast-Tanks geregelt werden kann, wird nun beim Eisbrechen durch den Dampfer auf das Eis hinaufgeschoben und zerbricht dieses durch seine eigene Schwere derart, dass das Schiff selber des Eisbrechens überhoben ist. Dadurch wird, abgesehen von der grösseren Leichtigkeit und Schnelligkeit des Eisbrechens, auch eine grosse Schonung von Schiff und Maschine erreicht, die sonst bei solcher Arbeit nicht wenig angestrengt werden. Hinzugefügt sei noch, dass der „Sperber“ eine Länge von etwa 29 m und eine Maschinenstärke von 250 indicirten Pferdestärken besitzt. Weitere Erprobungen in Gegenwart auch auswärtiger Fachmänner stehen bevor. Fallen die Versuche auch fernerhin so günstig aus, so dürfte die Erfindung für die Aufeisung von Häfen und Wasserstrassen eine Zukunft haben; insbesondere sei hierbei auch an den Nord-Ostsee-Kanal gedacht, den auch zur Winterszeit möglichst lange offen zu halten ja von ganz besonderer Wichtigkeit ist.

(Deutsche Bauzeitung.)

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