Titel: Warmlaufen der Maschinenlager.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1895, Band 295/Miszelle 7 (S. 301–302)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj295/mi295mi13_7

Warmlaufen der Maschinenlager.

Es ist eine von Ingenieuren und Praktikern getheilte Meinung, dass sich die Reibungswiderstände eines Lagers mit seinem Warmwerden vergrössern, während gerade das Umgekehrte der Fall ist. Ein Lager zeigt bei erhöhter Temperatur, vorausgesetzt, dass die Gleitflächen nicht beschädigt sind, eine geringere Reibung als in kälterem Zustande.

Prof. Thurston in New York baute eine Maschine, um die Reibung von geschmierten Achsschenkeln ziffernmässig zu bestimmen, und erhielt die in folgender Zusammenstellung wiedergegebenen Ergebnisse:

Temperatur der Lager in
Celsius-Graden
Reibung der Lager in
engl. Pfund
29 8,0
49 7,5
64 6,0
82 3,0

Erst bei einer Temperatur über 82° nahm die Reibung wieder |302| zu und betrug bei 93° 6,5 Pfund und bei 115° erst 7,0 Pfund, also immer noch weniger als ein nur 29° warmes Lager.

Weitere Versuche mit stärker belasteten Zapfen ergaben stets, dass die Reibung bei Lagertemperaturen von 80 bis 120° wesentlich geringer war als bei kaltlaufenden Lagern. Jeder Maschinist wird beim Befühlen solche Lager für warm bezieh. für heiss erklären und sich beeilen, durch stärkere Schmierung die Temperatur herabzudrücken, und dennoch ist bei normalem Zustande keine Gefahr für die Maschine vorhanden; sie arbeitet im Gegentheil unter günstigeren Bedingungen als bei kalten Lagern. Obige Versuche wurden später von der Gesellschaft der Maschineningenieure in London wiederholt und die Richtigkeit der angegebenen Resultate bestätigt.

Eine weitere irrige, allgemein verbreitete Ansicht betrifft die Schmiermittel. Von diesen wird meistens angenommen, dass dasjenige Mittel das beste ist, bei dessen Benutzung sich das Lager am wenigsten erwärmt. Aber auch diese Ansicht ist falsch, da die Temperaturerhöhung lediglich von der Natur des Schmiermittels abhängt, und z.B. ein dünnflüssiges Oel eine geringere Temperatursteigerung veranlassen wird, als ein schmalzartiges, und dennoch kann letzteres besser als ersteres sein.

Es ist nun die Frage, wie man das ungefährliche von dem gefährlichen Warmlaufen unterscheidet, und wie man die Unterschiede in den verschiedenen Erhitzungen findet, denen Lager unterworfen sein können. Um mit letzterem anzufangen, so spricht man von Kaltlaufen, Laugehen, Warm- und Heisslaufen. Ein Lager läuft kalt, wenn seine Temperatur ebenso hoch oder doch nur um Geringes höher als die Lufttemperatur ist; es geht lau, wenn sich das Lager noch mit blosser Hand berühren lässt; es läuft warm, wenn es bei der Berührung mit blosser Hand ein brennendes Gefühl hinterlässt, die Gleitflächen und Lagereinrichtungen aber in gutem Zustande sind, und ein Heisslaufen ist eingetreten, wenn die Gleitflächen durch die Erhitzung gelitten haben und das Lager erst wieder nach erfolgter Ausbesserung functioniren kann. (Zeitschrift der Dampfkessel-Ueberwachungsvereine.)

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