Titel: Ein Meteorograph für das Montblanc-Observatorium.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1895, Band 295/Miszelle 8 (S. 302)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj295/mi295mi13_8

Ein Meteorograph für das Montblanc-Observatorium.

Von J. Janssen.

Wegen der schwierigen Zugänglichkeit des Montblanc-Observatoriums im Winter stellte man sich die Aufgabe, ein selbstregistrirendes Instrument zu construiren, welches während des ganzen Winters und Frühjahrs sich selbst überlassen werden könnte. Diese Aufgabe ist nunmehr von Jules Richard gelöst worden, d.h. das Instrument ist hergestellt.

Das Uhrgewicht dieses Meteorographen wiegt 90 k und sinkt in 8 Monaten etwa 5 m herab. Für die Uhr wurde das Echappement Denison gewählt, welches nur einer sehr geringen Oelung bedarf. Denison erzählt sogar, dass die Amplitude des Balanciers sich fast gar nicht änderte, als das Oel gefror und die Consistenz von Seife annahm.

Zur Registrirung des Luftdrucks dient ein Quecksilberbarometer, System Gay-Lussac, mit weitem Rohr. Bei diesem System werden die Bewegungen des Quecksilbers im kurzen Schenkel auf die betreffende Schreibfeder übertragen.

Für Registrirung der Temperatur und Feuchtigkeit ist man bezieh. zum Metallgefäss (System Bourdon) und zum Haarhygrometer Saussure's zurückgekehrt. Thermometergefäss und Haarbündel sind durch lange Stangen mit ihren Schreib federn verbunden, um erstere der vollen Wirkung der Atmosphäre aussetzen zu können, ohne den eigentlichen Registrirapparat dadurch zu schädigen.

Richtung und Geschwindigkeit des Windes werden auf demselben Papiere registrirt, und zwar in folgender Weise: Ein Cylinder mit einer gewissen Zahl von Zapfen, die schraubenförmig angeordnet sind, empfängt seine Bewegung von einer Windfahne oder von einem Robinson'schen Schalenkreuz und wirkt vermöge dieser Zapfen auf eine gleiche Anzahl von Schreibfedern, welche hinter einander angehoben werden und jedesmal so lange schreiben, bis der Zapfen vorüber gegangen ist. Für die Richtung sind acht Federn vorhanden, den acht Hauptrichtungen des Windes entsprechend. Für die Geschwindigkeit sind zehn Zapfen und zehn Schreib federn vorgesehen, so dass jede Feder während einer Zehntelrotation des Cylinders in Thätigkeit ist, was einem Windwege von 10 km entspricht. Die Geschwindigkeit wird somit durch die mehr oder weniger lange Schreibspur der Federn dargestellt. Um für diesen Meteorographen eine möglichst gleichmässige Temperatur zu erzielen und ihn zugleich der Einwirkung des Staubes zu entziehen, wird man ihn noch mit einem besonderen Schutzhäuschen umgeben.

Verfasser verhehlt sich nicht, dass man trotz der peinlichsten Vorsichtsmaassregeln, welche getroffen worden sind, noch mit gewissen unbekannten Factoren zu rechnen haben werde. Aber das sich an den Apparat knüpfende Interesse ist so gross, dass Verfasser keinen Augenblick zögerte, diesen Versuch zu machen. Die Erfahrung möge lehren, was für Modificationen zu treffen sind, um zu einem gänzlich befriedigenden Resultate zu gelangen. (Compt. rend., 1894 Bd. 119 S. 386, nach Zeitschrift für Instrumentenkunde.)

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