Titel: Schnellaufende Motoren mit Dampfbetrieb.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1895, Band 296 (S. 49–54)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj296/ar296011

Schnellaufende Motoren mit Dampfbetrieb.

(Schluss des Berichtes S. 25 d. Bd.)

Mit Abbildungen.

Die von Jules Joly ausgestellte, als 35pferdig bezeichnete Maschine mit 300 mm Cylinderdurchmesser und 500 mm Kolbenhub veranschaulichen die Abbildungen Fig. 30 bis 32.

Bei dieser Maschine bewegen sich Cylinder und Kolben in entgegengesetztem Sinne zu einander und wirken beide unter Vermittelung dreier Schubstangen B1, B2, B3 auf die mit drei Kröpfungen – die eine um 180° gegen die beiden anderen versetzt – versehene Schwungradwelle A, welche sich in zwei Lagern P des Maschinengestelles B führt. An der mittleren Kröpfung greift die mit dem Kreuzkopfe K der Maschine, an den beiden äusseren je eine mit dem Cylinder C gelenkig verbundene Schubstange an.

Der Cylinder gleitet auf einer in das Maschinengestell eingelassenen Platte T, welche in ihrer Mitte einen Längsschlitz für den austretenden Dampf hat, der durch die entsprechende Höhlung des Gestelles und das anschliessende Rohr O ins Freie entweicht. Die Führungsschienen des Cylinders sind mit G, diejenigen des Kreuzkopfes mit S bezeichnet.

Auf einem am Maschinengestell angegossenen Consol L ist ein Gusstück befestigt, welches einerseits das Drosselventil X mit darüber liegendem Regulator, andererseits eine Stopfbüchse für den am Schieberkastendeckel aufgeschraubten Einströmstutzen E, der sich teleskopartig in dem Gusstücke hin und her bewegt, trägt.

Auf jedem Ende der Kurbelwelle ist ein Schwungrad aufgekeilt.

Zur Dampfvertheilung dient eine gewöhnliche Meyer-Steuerung, deren Expansionsschieber mittels des Handrades V verstellt werden.

Textabbildung Bd. 296, S. 49

Als Vorzüge der Maschine im Vergleich mit einer gewöhnlichen Maschine von denselben Abmessungen werden genannt:

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1) Der geringe Raum, welchen eine derartige Maschine von bestimmter Leistung einnimmt.

2) Da der Dampf nur auf die beweglichen Theile wirkt, erhält der Rahmen keine Erschütterung, der Gang der Maschine ist ohne Zittern und Stösse. In Folge dessen kann das Fundament sehr verkleinert, selbst unterdrückt werden. (!)

3) Da der Cylinder und der Kolben je die Hälfte des Hubes machen, bleibt man bis Verdoppelung der Tourenzahl noch in denselben Grenzen der absoluten Geschwindigkeit der Organe.

Man hat also die Leistung der Maschine ohne Schaden vermehrt.

Brems versuche haben nach Angabe der Erbauerin ergeben, dass trotz der bedeutenden sich in Bewegung befindlichen Massen die von der Reibung und Trägheit der einzelnen Theile herrührenden Arbeitsverluste durch die Unterdrückung der Reactionen auf das Gestell reichlich ausgeglichen werden. (Von einer Unterdrückung der Reactionen auf das Gestell kann erst dann die Rede sein, wenn die in Bewegung befindlichen Massen sich vollständig ausgleichen, d.h. wenn im vorliegenden Falle das Gewicht von Kolben mit Stange, Kreuzkopf und Schubstange B3 gleich dem Gewichte des Cylinders sammt Zubehör und den beiden Schubstangen B1 B2 wäre. Dies ist thatsächlich wohl kaum der Fall.)

Die Fig. 33 und 34 dargestellte schnellaufende Dampfmaschine der Werkstätte für Maschinenbau vorm. Ducommun in Mülhausen mit zwei Kolben in einem gemeinsamen Cylinder fiel durch ihren ruhigen Gang vortheilhaft auf.

Der Dampf tritt in der Mitte des Cylinders zwischen die beiden Kolben ein und treibt sie aus einander, wirkt sonach auf die Kolben einseitig. Der Cylinderraum steht an beiden Enden mit dem Dampfaustrittskanale durch doppelte Schlitze in Verbindung; von diesen dienen die beiden mittleren der Vorausströmung kurz vor Beendigung der Kolbenhübe, während die beiden äusseren die äusseren Cylinderräume in steter Verbindung mit dem Dampfausströmungsraume halten. Zur Regulirung der Dampfvertheilung dient ein von einem Excenter der Schwungradwelle bewegter Kolbenschieber mit fester Expansion.

Textabbildung Bd. 296, S. 50

Die Uebertragung der Kolbenbewegungen auf die genau unter der Mitte des Cylinders gelagerte Kurbelwelle erfolgt von den Kolbenstangen aus durch zwei symmetrisch zur Mittellinie der Maschine angeordnete zweiarmige Hebel mittels Kuppelstangen, welche zwei einander diametral gegenüberliegende Kurbelzapfen der zu dem Zwecke doppelt gekröpften Welle angreifen. Die an den Kolbenstangen angreifenden Arme der Hebel sind, um die Kolbengeschwindigkeiten innerhalb zulässiger Grenzen zu halten und trotzdem die Kurbelgeschwindigkeit möglichst gross machen zu können, kürzer gehalten als die unteren, mit den Kuppelstangen verbundenen Arme.

Durch die beschriebene Anordnung werden die Massenwirkungen vollständig ausgeglichen und erreicht, dass der Schwerpunkt der Maschine während des Ganges seine Lage beibehält.

Da der Dampf nur zwischen die Kolben eintritt, folgt ferner, dass sämmtliche Lagerschalen auch nach etwaiger Abnutzung stets anliegen und Stösse in Fortfall kommen; dies gilt auch von den Steuerorganen, da der Druck des einströmenden Dampfes stets nur auf die obere Fläche des Kolbenschiebers wirkt.

Textabbildung Bd. 296, S. 50

Kurbelzapfen und Steuermechanismus werden durch ein im geschlossenen Rahmen befindliches Oelbad beständig geschmiert, während dem Cylinder selbsthätig Oel zugeführt wird und die übrigen Reibungsflächen sämmtlich von besonderen Schmiergefässen aus bedient werden. Zur Regulirung der Geschwindigkeit dient ein in das Schwungrad der einen Maschinenseite eingebauter Federregulator, welcher auf ein entlastetes Drosselventil wirkt.

Die Maschinen lassen sich auch als Verbundmaschinen mit zwei oder mehreren Cylindern bauen.

Bei Anwendung von Condensation wird das Vacuum durch ein besonderes Auslassventil nach der Aussenseite der Kolben des grössten Cylinders verlegt, so dass die Innenseite, wo die letzte Expansion vor sich geht, nie der abkühlenden Wirkung des Condensators ausgesetzt ist.

Die schnellaufende Dampfmaschine von H. Grafton in London (1893 288 * 223) hat nach Engineering vom 11. Mai 1894 in neuerer Zeit verschiedene Verbesserungen erfahren; ihre jetzige Gestalt zeigen die der Zeitschrift des Vereins deutscher Ingenieure, 1894 S. 914, entnommenen Abbildungen Fig. 35 und 36.

Der Maschinenrahmen besteht aus den beiden Gusstücken A und B, die in ihrer Theilfuge mit Ansätzen für die Lagerschalen der Kurbelwelle versehen und durch Bolzen mit einander verschraubt sind. In dem oberen Theil A sind von beiden Enden aus die den Dampfcylinder bildenden Stücke G und F mit einem kleinen Trennungsspalt |51| S eingesetzt, der als Einströmkanal dient und bei seiner verhältnissmässig grossen Länge nur geringe Breite zu haben braucht, um dem einströmenden Dampf einen genügenden Querschnitt zu bieten. Ringförmige, an das Aufsatzstück A angegossene Kanäle K und E bilden die Verbindungswege zwischen Schieberspiegel und den Rohren für ein- und austretenden Dampf; letzterer entweicht durch Löcher der Cylinderwandung während der Auspuffperiode in den Kanal E.

Textabbildung Bd. 296, S. 51

Die beiden gusseisernen Kolben P und V bewegen sich grösstentheils in entgegengesetzter Richtung. Während der untere kastenförmige Kolben P durch die Schubstange O mit der mittleren Wellenkröpfung unmittelbar in Verbindung steht, wird die Bewegung des oberen Scheibenkolbens V, der gleichzeitig als Schieber dient und zu dem Zwecke an seinem Umfange mit einer Anzahl Durchbohrungen versehen ist, mittels eines Querhauptes und zweier Schubstangen auf die Kurbelwelle übertragen. Das Querhaupt ist durch einen Kugelzapfen mit dem stark verrippten Kolben verbunden. Die Wellenkröpfungen sind um 135° versetzt, so dass der Schieber noch nicht in seiner äussersten Stellung angekommen ist, wenn die Kolbenflächen ihren grössten oder geringsten Abstand erreicht haben; mithin gibt diese Anordnung eine principiell gleiche Dampfvertheilung wie der Schieberantrieb durch ein unter einem gewissen Voreilwinkel aufgekeiltes Excenter.

Die Maschinen arbeiten mit 0,25 Füllung und 20 Proc. Vorausströmung, während die Compression bei 54 Proc. und die Voreinströmung bei 97,5 Proc. des wirklichen Hubes beginnt. Letzterer berechnet sich als grösste Dreieckseite c eines stumpfwinkeligen Dreieckes, dessen beide anderen, den Kurbelradien entsprechenden Seiten a und b einen Winkel a = 135° einschliessen zu

Das im untersten Theil der Maschine stehende Gemisch von Oel und Wasser gelangt durch die kastenförmigen Angüsse M des Aufsatzstückes A in den obersten Theil der Maschine, deren einzelne Theile so einem steten Sprühregen ausgesetzt sind.

Versuche an einer Maschine mit 305 mm Cylinderdurchmesser und 159 mm Kolbenhub, welche bei 603,5 minutlichen Umdrehungen und einem Anfangsdruck von 7 at eine Leistung von 36,2 indicirten entwickelte, ergaben einen Speisewasserverbrauch von 12,8 k für 1 indicirte und Stunde; dieselbe Maschine soll bei 650, in kleineren Ausführungen sogar bei 850 minutlichen Umdrehungen vollkommen geräuschlos und ohne jede Erschütterung arbeiten. Die Schubstangen der Maschinen sind 8- bezieh. 15mal so lang wie die zugehörigen Kurbelradien.

Eine eigenartige schnellaufende Dampfmaschine von E. Levêque in Herstall (Belgien) mit sechs im Kreise angeordneten Doppelcylindern, deren Kolben gegen eine schwingende Scheibe wirken, derart, dass durch den nach Art eines Rotationspendels sich bewegenden Kraftarm derselben eine Drehung auf die Kraftwelle übertragen wird, veranschaulichen die dem Engineering, 1894, entnommenen Abbildungen Fig. 37 bis 39.

Ueber jedem der sechs Hochdruckcylinder A ist ein Niederdruckcylinder B angeordnet. Die Dampfvertheilung bei den Hochdruckcylindern besorgt der Schieber D, diejenige bei den Niederdruckcylindern der Schieber D1. Beide Schieber werden von ein und demselben Excenter V gesteuert. Die Schieber sind in einander geschachtelt und in ähnlicher Weise wie die Kolben in den Cylindern durch einen eingelegten Dichtungsring an einander abgedichtet.

Textabbildung Bd. 296, S. 51

Schieber D vermittelt den Ein- und Auslass des Dampfes durch Kanäle l und gleitet auf einem Ringe K, welcher in einer Ringnuth beweglich und, von unten behufs Ausgleiches seines Gewichtes durch Federn angedrückt, eine Scheidewand zwischen der Dampfeinlasskammer E und der Dampfauslasskammer H bildet. Unter diesen Ring K kann aus Kammer E Dampf treten, der, von unten nach oben wirkend, den Druck ausgleicht, welcher von oben nach unten auf den Schieber D durch den Dampf ausgeübt wird, der in einer zwischen den Schiebern D, D1 gebildeten ringförmigen Kammer C enthalten ist. Diese Kammer, in welche der Dampf aus den Hochdruckcylindern A tritt, dient als Aufnehmer; von hier tritt der Dampf durch die vom Schieber D1 hinter einander freigelegten sechs Kanäle L in die Niederdruckcylinder. Der Schieber D1 lässt gleichzeitig den Dampf in den Dampfraum H ausströmen, wenn die im obersten Hubpunkte angelangten Kolben zurückgehen.

Der Schieber D hat ebenso wie der Schieber D1 eine |52| doppelcylindrische Wand, zwischen welcher ein ringförmiger Raum G gebildet wird, der als Isolirraum zwischen den Kammern C und H dient und die Abkühlung des Dampfes im Aufnehmer C verhindert.

Die äussere cylindrische Wand der Cylinder ist von einem Dampfmantel umschlossen.

An der Stelle, an welcher das Dampfeinlassrohr in diese Kammer eintritt, befindet sich ein vom Regulator bethätigtes Drosselventil.

Mit dieser Einrichtung soll eine Dampfersparniss erzielt werden, wie sie bei den ersten Sechscylindermaschinen (Amerikanische Patente Nr. 165139 und Nr. 243112) mangelte. Die Anwendung der Hochdruckcylinder nach dem Verbundsystem hat andererseits den Zweck, eine Compression beim Rückgang der Kolben herbeizuführen, welche genügt, um letztere in Anlage an der schwingenden Scheibe F zu halten.

Die Maschine kann sowohl wagerechte als senkrechte Anordnung erhalten; letztere Anordnung ist wegen der leichteren Oelung der einzelnen Theile vor zuziehen.

Textabbildung Bd. 296, S. 52

Eine von der Globe Engineering Company, Limited, in Manchester für eine Spinnerei gebaute schnellaufende Condensationsverbundmaschine entwickelt bei 250 minutlichen Umdrehungen 300 .

Die Maschine, deren Seitenansicht Fig. 40 im Schnitt darstellt, hat vier Cylinder, von denen die beiden Hochdruckcylinder a über den beiden Niederdruckcylindern a1 angeordnet sind. Die Kolben sitzen an je einer gemeinschaftlichen hohlen Stange b und wirken mittels der Pleuelstangen k auf zwei um 180° gegenseitig versetzte Kurbeln. Zur Steuerung je zweier zusammengehöriger Cylinder dienen drei Kolben c, c1, c2 an der gemeinschaftlichen hohlen Stange d; letztere ist mit dem Gleitklotze e verbunden und erhält ihre Bewegung durch die Stange f, den Hebel g, dessen Welle und eine Stange von einem Excenter der Kurbelwelle l aus.

Die Steuerkolben gleiten in Büchsen b, b1, b2, von denen die zwei ersteren zwei Reihen und die letztere eine Reihe Oeffnungen haben. Der Dampf tritt zuerst in den Hochdruckcylinder a über dessen Kolben und dehnt sich hier arbeitverrichtend aus, strömt dann unter den Kolben desselben Cylinders, ohne Arbeit zu verrichten, und erst beim zweiten Kolbenniedergange über den Kolben des Niederdruckcylinders, von hier nach vollbrachter Arbeit beim zweiten Kolbenaufgange unter den Kolben desselben Cylinders, ohne Arbeit zu verrichten, danach in den Condensator.

Die Maschine setzt sich hiernach aus zwei gekuppelten einfachwirkenden Dampfmaschinen zusammen, die auf eine gemeinschaftliche Kurbelwelle arbeiten. Die Grundplatte ist in der Mitte zu einem Kasten ausgebildet, in welchem sich ein Gemisch von Oel und Wasser befindet, in welches die Kurbeln, Gegengewichte und Pleuelstangenköpfe bei jeder Umdrehung eintauchen, so dass durch das umhergeschleuderte Oel alle bewegten Theile geschmiert werden.

Textabbildung Bd. 296, S. 52

Eine doppeltwirkende, von dem Gestelle vollständig eingeschlossene schnellaufende Dampfmaschine stehender Anordnung von S. Charlesworth and Co. in Oldham veranschaulicht die dem The Engineer vom 21. September 1894 S. 251 entnommene Abbildung Fig. 41. Das Gestell besteht aus zwei gusseisernen, zusammengeschraubten Hälften, von denen die hintere Hälfte den Cylinder und die Führungen für den Kreuzkopf trägt, während die vordere Hälfte leicht abgenommen werden kann, um Reparaturen o. dgl. an der Kurbel und den anderen in Bewegung befindlichen Theilen vornehmen zu können. Für gewöhnliche Zwecke sind diese Theile nach Abnahme eines an der. vorderen Gestellhälfte angeordneten Deckels zugänglich.

Die Maschine hat 178 mm Cylinderdurchmesser, 152 mm Kolbenhub und leistet mit 4,2 at Dampfspannung bei 350 minutlichen Umdrehungen 10 effective ; sie arbeitet mit Kolbenschiebern und einem mit dem entlasteten Drosselventil verbundenen Pickering-Regulator.

Eine andere doppeltwirkende, stehende Dampfmaschine von 203 mm Cylinderdurchmesser und 152 mm Kolbenhub, welche 325 Umdrehungen in der Minute macht, beschreibt The Engineer vom 21. December 1894.

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Bei dieser Maschine wird, wie Fig. 42 erkennen lässt, die Schieberstange in gleicher Weise wie die Kolbenstange mittels eines Kreuzkopfes geführt; bemerkenswerth ist auch die auf der Abbildung erkennbare Construction der Kurbelwellenlager.

Der kräftig gehaltene Maschinenständer ist mit der Grundplatte aus einem Stück gegossen. Der direct auf der Kurbelwelle angeordnete Regulator bethätigt ein entlastetes Drosselventil, welches mit dem Absperrventil in einem gemeinschaftlichen, vorn am Cylinder befestigten Gehäuse liegt.

Die Maschinen werden in verschiedenen Grössen von Alex. Shanks and Son, Limited, in London ausgeführt.

Textabbildung Bd. 296, S. 53

J. P. Hall and Co. in Oldham haben nach The Engineer vom 3. August 1894 S. 108 für kleinere elektrische Beleuchtungsanlagen eine mit der Dynamo direct gekuppelte, Fig. 42. stehende Zwillingsmaschine mit Cylindern von je 114 mm Durchmesser und 76 mm Kolbenhub in den Handel gebracht, welche bei 500 minutlichen Umdrehungen 7,5 indicirte leisten; die Dynamo liefert bei dieser Geschwindigkeit Strom von 100 Volt Spannung.

Auf der kastenförmigen Grundplatte sind Dynamo und zwei gusseiserne Ständer von H-förmigem Querschnitt zum Tragen der mit ihren Schieberkasten aus einem Stück gegossenen Cylinder befestigt. Zur Dampfvertheilung dienen Kolbenschieber. Die Geschwindigkeit der Maschine regelt ein Pickering-Regulator durch Drosselung des Einströmdampfes.

Ebenfalls für elektrische Beleuchtungszwecke oder auch zum Betreiben von Ventilatoren, Pumpen u. dgl. haben Ransomes in Sims und Jefferies in Ipswich zwei stehende doppeltwirkende schnellaufende Dampfmaschinen in von einander verschiedenen Ausführungen construirt, deren Abbildungen im The Engineer vom 27. Juli 1894 gegeben sind.

Die Maschinen weichen insofern von einander ab, als die Geschwindigkeit bei der einen Maschine mittels des von einem Pickering-Regulator bethätigten Drosselventils, bei der anderen durch einen auf der Schwungradwelle angeordneten Federregulator geregelt wird, welch letzterer direct auf den zur Dampfvertheilung dienenden Kolbenschieber wirkt und damit die Füllungen proportional den Widerständen ändert.

In beiden Fällen lässt sich die Geschwindigkeit der Maschine auch nach dem Ingangsetzen derselben einstellen.

Den vorstehend beschriebenen, sämmtlich mit gesättigtem Dampf gespeisten Maschinen fügen wir Mittheilungen über den von der Eisengiesserei und Maschinenfabrik L. W. Schröder in Aschersleben gebauten Heissdampfmotor, System Schmidt, an, welcher in einer verbesserten Ausführung – mit Dampfsteuerung – auf der vorjährigen Thüringer Gewerbe- und Industrie-Ausstellung zu Erfurt zum Betreiben einer Pumpenanlage diente.

Der Fig. 43 und 44 ersichtliche Motor hatte 130 mm Cylinderdurchmesser, 200 mm Kolbenhub und lief mit 240 Umdrehungen in der Minute; er ist mit einem Einlass- und einem Auslassventil versehen, welche beide selbsthätig durch den Dampf gesteuert werden und beide mittels Feder auf Oeffnung belastet sind. Irgend welche Steuerungsgelenke sind nicht vorhanden, und es kann sogar bei Maschinen, bei denen nur eine geringe Gleichförmigkeit des Ganges erforderlich, der Regulator entbehrt werden. Der Dampf regulirt dann selbst die Umdrehungszahl der Maschine.

Textabbildung Bd. 296, S. 53

Das Arbeiten der Ventile geschieht in folgender Weise:

Das Einlassventil wird durch eine Feder so weit offen gehalten, dass die ringförmige Oeffnung nur einen Bruchtheil von dem Ventilquerschnitt ausmacht, und zwar so lange, als der Druck zu beiden Seiten des Ventils gleich oder nur unwesentlich verschieden ist. Bewegt sich nun der Dampfkolben von seiner Endstellung am Boden des Cylinders, so wird, da das Ventil bei Beginn des Hubes offen ist, der Dampf durch das Ventil nachströmen. In Folge der Verengung in der ringförmigen Oeffnung des Ventils wird der Dampf einen gewissen Druckabfall nach der Cylinderseite hin erleiden. Wenn sich der Kolben noch in der Nähe des todten Punktes befindet, wird dieser Druckabfall nur gering sein; je weiter er sich aber davon entfernt, um so grösser wird seine Geschwindigkeit und dem zufolge auch der Druckabfall, so dass schliesslich die Spannungsdifferenz (etwa ⅓ at) des Dampfes unter und über dem Ventil so gross wird, dass sie die Federspannung überwindet und das Ventil zudrückt. Durch Drehen eines Handrades regulirt man den Hub des Ventils und damit die Tourenzahl der Maschine, denn je grösser die Oeffnung des Ventils ist, um so grösser muss die Kolbengeschwindigkeit sein, um den zur Ueberwindung der Federspannung erforderlichen Druckabfall zu erzeugen.

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Die Hubänderung des Ventils kann auch, anstatt mittels Handrad, durch einen Regulator besorgt werden, wenn eine grosse Gleichförmigkeit der Bewegung bei wechselnder Belastung gewünscht wird.

Ist die Tourenzahl mittels Handrad eingestellt, so wird die Maschine diese gewünschte Tourenzahl auch bei wechselnder Belastung innerhalb gewisser Grenzen beibehalten, denn bei grosser Belastung der Maschine wird das Ventil erst zuschlagen, wenn der Kolben sich weiter von dem todten Punkt entfernt hat, wo seine Geschwindigkeit grösser wird; dadurch wird auch die Füllung grösser, während bei geringerer Belastung der Kolben schon etwas früher die zum Schlusse des Ventils erforderliche Geschwindigkeit erreicht und damit die Füllung kleiner ausfällt.

Das Oeffnen des Ventils geschieht kurz vor dem todten Punkte, sobald die Compression eine solche Höhe erreicht, dass die Druckdifferenz über und unter dem Ventil nicht mehr ausreichend ist, die Federspannung zu überwinden und das Ventil geschlossen zu halten. Beim Anlassen der Maschine oder in Fällen, wo die Compression nicht genügend hoch ist, drückt der Kolben das Einlassventil selbst auf.

Textabbildung Bd. 296, S. 54

Der Austritt des Dampfes erfolgt bei 0,9 des Hubes, indem der Kolben in dieser Stellung einen Kanal in dem Cylinder frei gibt, welcher den Dampf direct in den Auspuffraum führt. Da dieser Kanal aber beim Rückgange des Kolbens wieder verschlossen wird, so würde eine Compression von 90 Proc. eintreten, wenn nicht das Austrittsventil eine zweite Austrittsöffnung freigeben würde. Während der Eintritts- und Expansionsperiode hält der Dampf im Cylinder das Auslassventil geschlossen, sobald aber der Dampf aus dem Cylinder entweicht, wird das Ventil durch eine Feder geöffnet und so lange offen gehalten, bis der Kolben den zweiten Kanal abschliesst, was bei etwa 20 Proc. des Hubes stattfindet. Jetzt tritt die Compression ein und sobald diese so hoch ist, dass sie die Federspannung des Auslassventils überwindet (bei etwa 1/4 at), schliesst die Compression das Ventil, indem sie durch eine dritte kleine Oeffnung in der Cylinderwand ganz am unteren Ende des Cylinders unter den Führungskolben des Ventils tritt.

Den zur Erzeugung des überhitzten Dampfes dienenden Schlangenrohrkessel mit Schlammabscheider veranschaulicht Fig. 45.

Der Schlammsammler ist beim Betriebe bis zu einer gewissen Höhe mit Wasser gefüllt, während der darüber befindliche Raum als Dampfbehälter Verwendung findet. An der höchsten Stelle dieses Dampfraumes mündet das Speiserohr.

Das Speisewasser fällt durch Anordnung eines Ueberlauftellers in dünnen Strahlen durch den Dampfraum. Die sich dabei ausscheidenden Kesselstein- und Schlammtheile setzen sich entweder auf die in der Mitte des Schlammsammlers angebrachte Scheidewand, oder gelangen durch das hier befestigte Einhängerohr unten auf den Boden, wo sie sich ihrem specifisch grösseren Gewicht zufolge ablagern. Das gereinigte Speisewasser tritt unterhalb der Scheidewand in den Schlangenrohrkessel, wo es, theilweise in Dampf verwandelt, als Gemisch von Dampf und Wasser in den Dampfraum des Schlammsammlers ausgeworfen wird.

Da der Dampfraum sehr klein gewählt ist, wird hier eine vollständige Trennung von Dampf und Wasser wahrscheinlich nicht stattfinden. Der in den Vorüberhitzer tretende, stark mit Wasser vermischte Dampf wird hier erst getrocknet und gelangt als solcher, durch die Feuergase hoch überhitzt, aus dem Hauptüberhitzer in die Maschine.

Die Regelung der Temperatur des überhitzten Dampfes erfolgt durch eine im Rauchrohre angebrachte Klappe.

Hervorzuheben ist der geringe Dampfverbrauch der Maschine, welcher sich nach angestellten Versuchen auf nur 11,87 k für 1 effective stellt; bei derartig kleinen Maschinen rechnet man sonst auf wenigstens 30 k.

Freytag.

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