Titel: Neuerungen an Wirkmaschinen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1895, Band 296 (S. 73–79)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj296/ar296017

Neuerungen an Wirkmaschinen.

Mit Abbildungen.

Zur Herstellung eines beliebig breiten Doppelrandes an gewirkte Jacken und Hosen, sowie zur Erzielung eines schöneren Aussehens desselben als bisher hat sich C. Terrot in Cannstatt (Württemberg) durch D. R. P. Nr. 76358 vom 28. December 1893 auf einem französischen Rundfangstuhle die nachstehend beschriebene Einrichtung schützen lassen.

Textabbildung Bd. 296, S. 73

Der Doppelrand konnte nur 6, höchstens 8 Maschenreihen erhalten, da das ganze Gewirke auf den Maschinennadeln hing und bei noch grösserer Anzahl von Maschenreihen das Abzugsgewicht beim Abschlagen der glatten Maschen seinen Dienst versagte. Deshalb hat nun der Erfinder für den Doppelrand ein zweites maschenbildendes System – Fadenführer, Pressrad, Schere und Nadelexcenter – hinter der die glatte Waare erzeugenden Mailleuse angeordnet und auf diese Weise einen Faden den Maschinennadeln zugeführt, welche denselben auf den Stuhlnadeln kuliren; die Spitzen der Maschinennadeln werden gepresst und die alten Maschen dieser Nadeln über die neuen Schleifen abgeworfen. Die beiden auf diese Weise gleichzeitig auf den Stuhl- und auf den Maschinennadeln hergestellten glatten Waarenschläuche liefern dann nach der Verbindung mit einer auf beiden Nadelreihen gemeinschaftlich hergestellten Maschenreihe einen schönen, beliebig breiten Doppelrand.

Die hierzu bestimmte und in den Fig. 1 bis 4 skizzirte Vorrichtung ist an der Scheibe b mittels eines Armes a befestigt. Der an diesem sitzende Winkel w trägt die von Daumen s beeinflussten Hebel cdg und c1d1g1 Hebel c und Gegenhebel c1 bewegen den Fadenführer f für den zweiten Faden, welcher von den Maschinennadeln m bei deren Vorgehen gegen die Spitzen der Stuhl nadeln n erfasst und auf diese Spitzen in Schleifen gelegt wird. Hebel d drückt jetzt das hintere Ende eines Winkelhebels h nieder und öffnet Schere i, welche das bisher festgehaltene Fadenende freigibt. Das Pressen der Maschinennadeln während des Herabgehens derselben geschieht mittels des Pressrades r in folgender Weise: Ein Hebel k ist mit Hebel g auf gleicher Achse fest. Wird letzterer an seinem Fusse gehoben (Fig. 2), so stellt sich k auch wagerecht, die Stellschraube des um a1 drehbaren Armes q gleitet auf der Erhöhung k1 von k (Fig. 3) und das auf q befindliche Pressrad r wird gegen die Nadeln gedrückt (Fig. 4). Die alten Maschen werden nun über die soeben kulirten Schleifen abgeschlagen und auf diese Weise die beiden beliebig langen, in einander hängenden glatten Waarenschläuche gebildet.

Zum Zwecke des Schliessens des Randes wird an jede letzte, auf den beiden Nadelreihen hängende glatte Maschenreihe |74| ein neues Rand- bezieh. Rechts- und Rechtsstück angearbeitet. Inzwischen löst der von einem Zählwerke bethätigte Daumen s (Fig. 1) die Hebel c1, d1 und g1 der Reihe nach wieder aus, so dass f neben den Nadeln schwingt und seinen Faden zwischen die Schere bringt, welche ihn abschneidet und festhält. Ebenso wird auch Pressrad r mittels des Hebels g1 wieder von den Maschinennadeln zurückgezogen (Fig. 4).

Zur Bewegung der Maschinennadeln m dienen die Excenter e, e1 und e2 (Fig. 3 und 4).

Zu dem Hauptpatent Nr. 62734 haben sich H. Stoll und Co., Reutlinger Strickmaschinenfabrik in Reutlingen (Württemberg) noch ein Zusatzpatent Nr. 77951 vom 24. November 1893 auf eine Einrichtung ertheilen lassen, dahingehend, beim Einseitigstricken die in der Platinenführung ihrer Zungennadel-Wirkmaschine für Links- und Linkswaare eintretenden Unregelmässigkeiten zu beseitigen (Fig. 5 bis 7).

Textabbildung Bd. 296, S. 74

Die beim Einseitigstricken durch das Heben des einen Mittelhebertheiles n unterbrochene, zwangläufige Führung der Platinen im Schloss veranlasste, dass, besonders bei grosser Geschwindigkeit der Maschine, die Platinenhaken beim Vorgange aus den Nadeln gehoben werden und beim Rückgange diese nicht mehr erfassen. Um diese Mittelheberspitzen n dennoch verstellen zu können, zugleich den durch die Verkürzung des Mittelhebers entstandenen grösseren Zwischenraum möglichst zu verringern und die Führung der Platinen am Mittelheber nicht zu unterbrechen, sind diese Spitzen n excentrisch geformt, in den Schlittentheilen f drehbar gelagert und werden, statt mittels Excenters, nun durch einen Knopf s gehoben. Letzterer ist mit einem Ansatz t1 versehen, der unter Benutzung einer Feder u in eine entsprechend geformte Vertiefung t des Schlittens eingreift. Beim Wechsel des Strick Verfahrens braucht man nur diesen Knopf in die Höhe zu ziehen, um 180° zu drehen und ihn in eine zweite Rast t2, welche t diametral gegenüberliegt (Fig. 7) einschnappen zu lassen.

Fig. 5 und 6 zeigen rechts die Stellung beim Stricken von Links- und Linkswaare, wobei die Platinen mit den Nadeln durch die Mittelheber ganz vorgeschoben werden, dagegen ist links der eine derselben in Folge entgegengesetzter Stellung des Theiles n verkürzt, so dass die Platinen mit den Nadeln nicht ganz vorgeschoben sind und also einseitig gestrickt werden kann.

Eine Vorrichtung zur selbsthätigen Aenderung der drehenden Bewegung des Schlosscylinders in eine schwingende und umgekehrt, an einer Rundstrickmaschine für reguläre Strümpfe, hat sich Harry A. Houseman in Frankford-Philadelphia durch D. R. P. Nr. 76202 vom 18. October 1892 schützen lassen (Fig. 8 bis 14).

Hierbei wird durch Antreffen der Knaggen einer Musterkette an die vorstehenden Zapfen einer Umsteuervorrichtung von zwei mit den entgegengesetzten Enden eines Hebels verbundenen Kuppelungen die eine aus-, die andere eingerückt und umgekehrt. Wird diese Kette gegen eine andere ausgewechselt, oder werden diese Knaggen versetzt, so kann die Maschine selbsthätig die verschiedenartigsten Strümpfe arbeiten.

Die allgemeine Anordnung der Maschine ist folgende: Die Welle f2 erhält durch die von der Riemenscheibe C angetriebene Welle c eine schwingende Bewegung (Fig. 8, 12 und 14). Soll der Schlosscylinder B den röhrenförmigen Theil eines Strumpfes arbeiten, so erfolgt der Antrieb des mit dem Zahnkranz des Schlosscylinders in Eingriff befindlichen, lose auf Welle c sitzenden konischen Rades C1 von c aus durch Vermittelung der Kuppelung D; soll dagegen B bei der Herstellung des Fersen- und Spitzentheils des Strumpfes eine hin und her schwingende Bewegung erhalten, so wird das konische Rad C1 mittels der Kuppelung G und des durch diese bethätigten, lose auf f2 sitzenden Zahnrades E1, sowie des in dieses eingreifenden, fest mit C1 verbundenen Getriebes E in Umdrehung versetzt. Von diesen beiden Kuppelungen ist D auf Welle c, G dagegen auf f2 angeordnet; beide werden durch den mit seinen Gabelenden sie umschliessenden und bei h drehbaren Hebel H in der Weise bethätigt, dass, wenn die eine gegen C1 eingerückt, die andere gleichzeitig davon ausgerückt wird. Man erreicht diese abwechselnde Bewegung selbsthätig mittels einer an H angelenkten Stange I durch eine Umsteuervorrichtung (Fig. 9 bis 11), welche im geeigneten Augenblick von den Knaggen einer über das ununterbrochen sich drehende Kettenrad I1 gelegten Musterkette j in Thätigkeit versetzt wird. Die Welle dieses Kettenrades erhält ihre Drehung von Welle c aus mittels der Zahnräder j4j3, der Schnecke j2 und des Schneckenrades j1 (Fig. 8).

Auf der Welle f2 ist fest das konische Rad f6, welches in das auf Achse f8 (Fig. 8 und 10) lose sitzende konische Rad f7 greift. Letzteres trägt einen Stift f20 (Fig. 9 und 10). Der auf Achse f8 befestigte Kuppelungsmuff f9 ist mit 2 unter Federwirkung stehenden Stiften f10 versehen und hat ausserdem noch einen excentrischen Theil f11, sowie die Stifte f13 und f14. Die federnden Stifte f10 drücken gegen eine zwischen f9 und f7 befindliche halbkreisförmige Platte f12 (Fig. 11). Stift f20 ist in dem offenen Theil dieser Platte hin und her beweglich. Mit dem den Muff f9 umgebenden Rahmen h1 ist das eine Ende der Stange I fest verbunden.

Zu Anfang des Strickens ist die Kuppelung D mit |75| dem Rade C1 eingerückt. Wenn nun der an Kette j befindliche Ansatz j20 (Fig. 8 und 10) gegen f13 anstösst, so wird f9 gedreht, der Stift f10 kommt der freien Stelle gegenüber der Platte f12 und in die Bahn des Stiftes f20 zu stehen. Wird f10 von letzterem getroffen, so wird Muff f9 noch weiter gedreht, das Excenter f11 verschiebt mittels des Rahmens h1 die Stange I, welche die Kuppelung G in Eingriff mit E1 bringt, während D das Rad C1 loslässt. In Folge dessen dreht sich dieses jetzt entgegengesetzt und veranlasst dadurch den Arbeitscylinder, zurückzuschwingen; dabei hat f20 den Stift f10 so weit verschoben, als die Bewegung des Rades f7 betrug. Da sich f11 gegen h1 anlegt, so verbleibt die Kuppelung G in dieser Stellung.

Textabbildung Bd. 296, S. 75

Nach Beendigung des Fersen- bezieh. Zehenstückes des Strumpfes schlägt ein anderer Ansatz der Kette gegen den Stift f14 und ertheilt hierdurch dem Muff f9 eine halbe Umdrehung; der andere Stift f10 gelangt in den offenen Raum der Platte f12 und in die Bahn des Stiftes f20, trifft diesen, der Muff f9 wird in gleicher Richtung wie vorher gedreht; durch sein Excenter f11, welches gegen die andere Seite des Rahmens h1 wirkt, wird die Stange I in entgegengesetzter |76| Richtung verschoben und Kuppelung G aus-, Kuppelung D aber eingerückt.

Soll die Stange I direct vom Kettenrad und der Kette j verschoben werden (Fig. 12 und 13), so ist erstere an dem einen Ende mit Hebel H, an dem anderen aber mit einem, um einen Träger drehbaren Gelenk i verbunden. Wenn mit dem Stricken der Ferse oder der Spitze des Strumpfes begonnen werden soll, so stösst ein an j befindlicher Knaggen k gegen einen an i befindlichen Knaggen i2 mit schräger Fläche, bewegt dadurch die Stange I um ihren Drehpunkt und bringt die Kuppelung G mit dem Rad E1 in Eingriff, während D von C1 ausgerückt wird. Eine mit Kerben versehene Schiene K hält das vorstehende Ende von I und damit die Kuppelung G in ihrer Lage.

Um dann dem Schlosscylinder wieder eine drehende Bewegung zu ertheilen, ist auf der Kette j ein zweiter Knaggen k1 angeordnet, der gegen die Schiene K trifft und diese ausser Eingriff mit I bringt, welche nun unter Einwirkung einer durch die vorherige Verschiebung von I gespannten Feder L wieder zurückgezogen wird und auf diese Weise die Kuppelung D einrückt.

Zu der soeben beschriebenen Rundstrickmaschine hat sich der Erfinder derselben durch D. R. P. Nr. 76446 vom 18. October 1892 noch die Einrichtung der selbsthätigen Zuführung eines zweiten Fadens bei der Herstellung der Ferse und der Spitze eines Strumpfes unter Benutzung des die Umsteuerung der Maschine bewirkenden Hebels H schützen lassen (Fig. 15 bis 18).

25 sind die Spulen für den gewöhnlichen, zum Stricken des röhrenförmigen Strumpftheiles nöthigen Faden, während der zweite, beim Stricken der Ferse und Spitze einzuführende Faden auf Spule 26 aufgewickelt ist (Fig. 15). Wie nun aus Fig. 17 ersichtlich, läuft letzterer durch einen Schlitz im Rohre 28, in welchem ein mit einer Oeffnung 30 versehener Kolben 29 sich verschieben lässt. Durch diese Oeffnung 30 geht der Faden hindurch und gelangt dann, nachdem er die Oesen 33½ einer an ihren Enden 32 winkelförmig aufgebogenen Schiene 31, welche in gleiche Linie mit den Oeffnungen des Rohres 28 und des Kolbens 29 gestellt ist (Position beim Fersestricken), passirt hat, durch eine Oese 45 nach dem Fadenführer 46 (Fig. 15).

Um dann diese Zuführung des zweiten Fadens beim Rundstricken unterbrechen zu können, sitzt die Schiene 31 auf dem Zapfen 33, der unten ein kleines konisches Rad 34 trägt, welches durch den bei 36 drehbaren Zahnsector 35 bethätigt wird. Der an letzterem befindliche Stift 41 greift in die Gabel 40 des Hebels 39 auf der senkrechten Stange 38, während ein anderer, ebenfalls auf dieser Stange befestigter Hebel 37 den Kolben 29 trägt. Das untere Ende der Stange 38 ruht in dem wagerecht liegenden Arm 44, der durch Welle 42, Hebel 43 und Stange 41½ mit der am Umsteuerungshebel H befindlichen Gabel für die Kuppelung G verbunden ist (Fig. 16). Wird nun G aus-, Kuppelung D aber eingerückt, so schiebt Hebel H den Arm 44 nebst der Stange 38 nieder, Kolben 29 fällt ebenfalls und die in diesem befindliche Oeffnung 30 kommt ausser Richtung mit der Oeffnung des Rohres 28, so dass der Verstärkungsfaden festgehalten und bei weiterer Bewegung des Fadenführers 46 an der Nadel abgerissen wird.

Damit dieser abgerissene Faden dem gewöhnlichen Strickfaden nicht hindernd im Wege ist, wird durch die Gabel 40 des sich senkenden Armes 39, durch den Stift 41 und durch den Zahnsector 35 die Schiene 31 seitlich gedreht und von dieser in der in Fig. 18 dargestellten Lage der schlaff gewordene Faden gehalten.

Zur Regulirung der Spannung des Hauptfadens ist an Stange 38 der Arm 47 fest (Fig. 15 und 17), auf welchem ein federnder Stab 48 aufliegt, dessen anderes Ende durch Arm 50 mit der Führung 49 für den Hauptfaden verbunden ist. Wird Arm 47 von Stange 38 gehoben, so wird auch Feder 48, Arm 50 und Führung 49 gehoben und dadurch der Hauptfaden straffer gespannt.

Textabbildung Bd. 296, S. 76

Zur Herstellung unterlegter Farbmuster und Pressmuster auf Rundwirkmaschinen bedient sich Zephyrin Lecaisne in Paris eines durch D. R. P. Nr. 77123 vom 9. Mai 1893 geschützten Schlosses, mittels welchem durch ein Musterrad unter Zuhilfenahme der übrigen Schlosstheile die nach dem Abschlag gleich hoch liegenden Nadeln einer Nadelreihe auf zwei verschieden hoch liegende Nadelgruppen vertheilt werden (Fig. 19 bis 31).

Das im Schloss drehbar angeordnete Musterrad besteht aus einer Scheibe M (Fig. 19), in deren Stirnfläche eine Nuth b eingedreht ist, breit und tief genug zur Aufnahme |77| der Nadelfüsse der Zungennadeln. Durch die in den stehengebliebenen Scheibenrand eingearbeiteten Zähne d werden bei der Drehung der Scheibe diejenigen Nadeln, deren Füsse auf diese Zähne d treffen, verschoben, die unberührt gebliebenen Nadeln dagegen nicht, so dass also die ganze Nadelreihe in zwei Gruppen getheilt wird.

Die mit dem Musterrad zusammen arbeitenden Schlosstheile können je nach ihrer Form und Lage folgende drei verschiedene Nadelstellungen hervorbringen:

1) Wenn bei der Verschiebung der Zungennadel a (Fig. 20) die Masche e hinter die Zunge a1 gelangt und der Faden sich bei dieser Nadelstellung über den Nadelschaft legt, so werden durch Vereinigung des ersteren mit der Masche e zu einer Doppelmasche ee1 (Fig. 21) Pressmuster gebildet.

Textabbildung Bd. 296, S. 77

2) Wird Nadel a, nachdem sie wieder in die Einschliesstellung gebracht worden ist, soweit zurückgezogen, dass der Faden, wie in Fig. 22, in den Nadelhaken kommt, so entsteht aus dem Faden eine neue gewöhnliche Masche f (Fig. 21).

3) Führt man endlich den Faden der Nadel in ihrer tiefsten Stellung zu (Fig. 23), so legt sich derselbe hinter die Masche ee (Fig. 24, Rückansicht des Nadelbettes) und bildet unterlegte Farbmuster. Sind hierbei einzelne Nadeln, wie z.B. a3 (Fig. 24), in die Einschliesstellung gebracht worden, so bildet der Faden mit den alten Maschen Doppelmaschen und diese ergeben in ihrer Vertheilung in der Waare Pressmuster.

Das Schloss zur Herstellung unterlegter Farbmuster allein ist in Fig. 25 dargestellt. Damit die Nadelfüsse das Musterrad über dem tiefsten Punkte des Umfanges treffen, um, wenn sie in die Bahn der Zähne d kommen, von diesen etwas gesenkt zu werden, werden die in der Abschlagstellung stehenden Nadeln durch das Schlossdreieck s um so viel gehoben, dass beim Senken der Nadeln durch das Musterrad die Maschen noch auf den Nadelzungen liegen bleiben; die von den Zähnen d nicht getroffenen Nadelfüsse passiren den freien Raum b des Rades M. Von den beiden Gruppen h und g, in welche auf diese Weise die Nadelreihe getheilt ist, wird h durch ein Hebedreieck T und ein Senkdreieck H bewegt und die Nadeln dieser Gruppe bilden aus dem zugeführten Faden I gewöhnliche Maschen (Fig. 22), während die Nadeln der anderen Gruppe unthätig bleiben und der Faden I sich somit unter ihre Haken legt (Fig. 23 und 24). Die hintere Nadelreihe bleibt hierbei ausser Thätigkeit.

Mehrere solcher Schlossysteme können hinter einander angebracht und die zugeführten Fäden von verschiedener Farbe und verschiedenem Material sein. Wenn ein unterlegtes Muster ausser auf der vorderen auch auf der hinteren Nadelreihe entstehen soll, so folgt jedem solchen Schlossystem (Fig. 25) ein gewöhnliches Schloss.

Dieselbe Waare kann auch mit der Einrichtung des Schlosses Fig. 26 hergestellt werden, bei welcher das Musterrad M so tief liegt, dass die Nadelfüsse dessen oberen |78| Theil treffen. Auch hier zerlegen die Zähne dieses Rades die Nadelreihe in zwei Gruppen, von denen die höher liegende, wie in Fig. 25, durch ein Hebedreieck X und ein Senkdreieck H bewegt wird.

Bei dem in Fig. 27 dargestellten Schloss zur Herstellung von unterlegten Färb- und Pressmustern liegt der Nadelheber N zur Verschiebung der Nadeln in die Einschliesstellung vor dem Musterrade, und es waren also die Nadeln, wenn sie letzteres treffen, bereits so hoch gehoben, dass die Maschen hinter die Zungen gelangt sind. Durch das Musterrad erfolgt wieder die Theilung der Nadelreihe in zwei Gruppen m und n. Die Nadeln der letzteren werden durch den Senker OP herabgeschoben und bilden, da sie bei dem Einlegen des Fadens in die Stellung Fig. 22 kommen, gewöhnliche Maschen. Dagegen arbeiten die Nadeln m Doppelmaschen, also Pressmuster, da sie während des Einlegens des Fadens I noch hoch stehen; diese Nadeln bilden, da sie schliesslich zu dem Senkdreieck Q kommen, aus dem zweiten vorgelegten Faden K gewöhnliche Maschen. Hierbei sind aber die Nadeln n schon in ihrer tiefsten Lage angekommen, in Folge dessen legt sich der zweite Faden K geradlinig hinter ihre Maschen und bildet unterlegte Farbmuster. Es ergibt sich hieraus, dass die Nadeln n aus dem Faden I gewöhnliche Maschen, während die Nadeln m Pressmuster, dagegen die Nadeln m gewöhnliche Maschen aus dem Faden K, während die Nadeln n unterlegte Farbmuster erzeugen. Ein gewöhnliches Schloss bethätigt die hintere Nadelreihe und stellt aus dem Faden I gewöhnliche Maschen her.

Das hierbei entstehende Maschenbild veranschaulicht Fig. 28. Durch den Faden K und die Nadeln m sind die Maschen p hergestellt worden, welche mit den Henkeln der aus dem Faden I entstandenen Maschen q die Doppelmaschen p1 geben; die Nadeln n haben die Maschen r gefertigt. An den Stellen, an welchen der Faden K keine Maschen bildet, liegt er geradlinig zwischen den übrigen Maschen.

Die vorstehend geschilderte Einrichtung der Schlösser mit den Musterrädern zeigt, dass beide nur die eine Nadelreihe bethätigen, in Folge dessen die Waare eine rechte und eine linke Seite hat; doch liesse sich diese Verwendung der Schlösser mit Musterrädern auch auf beide Nadelbetten ausdehnen.

Betreffs des Antriebes des Musterrades ist zu erwähnen, dass derselbe durch ein Zahnrad 6 (Fig. 29 und 30) eingeleitet wird, welches entweder in einen Zahnkranz 7 des Rundstuhles oder in die Nadelstege selbst eingreift; zwei konische Rädchen 8, 8 übertragen dann die Drehbewegung der Achse 5 auf diejenige 9 des Musterrades.

Fig. 31 zeigt noch die Einrichtung des benutzten Rundwirkstuhles. Durch Kurbel 10, Zahnrad 11 und Zahnkranz 12 werden die beiden unter sich verbundenen Ringe 2 in Drehung versetzt, auf welch letzteren die an den kegelförmigen Nadelbetten sich führenden Schlösser angeschraubt sind.

Damit Strümpfe und Socken am Körper der dieselben tragenden Person festsitzen ohne Benutzung der leicht verloren gehenden Umlegstrumpfbänder oder der Strumpfhalter, welche die Bewegungen des Körpers behindern und die Strümpfe durch die dabei verwendeten Klammern oft beschädigen, bedient sich Arthur Michaëlis in Berlin nach einem ihm durch D. R. P. Nr. 76579 vom 2. December 1893 geschützten Verfahren eingestrickter elastischer Streifen.

Wie die Fig. 32 bis 34 zeigen, bildet das in die Fläche des Oberlängens A verlegte Strumpfband oder der Strumpfhalter a (Fig. 32) mit diesem Oberlängen ein zusammenhängendes Ganzes dadurch, dass die zur Herstellung des Strumpfes verwendeten Baumwoll-, Woll- oder Seidenfäden an der gewünschten Stelle durch elastische Fäden, am zweckmässigsten durch solche, die mit demselben Material als das des Hauptfadens übersponnen sind, ersetzt werden. Nach Herstellung der gewünschten Breite des elastischen Streifens folgen wieder die ursprünglichen Baumwoll- u.s.w. Fäden bis zu Ende des Strumpfes. Dieser elastische Streifen kann auch den oberen Abschluss des Strumpfes bilden, oder überhaupt an einer oder mehreren zum Festhalten des Strumpfes am Körper geeigneten Stellen des Oberlängens eingefügt werden (Fig. 33 und 34).

Textabbildung Bd. 296, S. 78

Auch an anderen Bekleidungsstücken, z.B. Unterbeinkleidern und Unterjacken, können diese elastischen Streifen zu gleichem Zwecke verwendet werden, bei Unterjacken besonders, um das lästige Heraustreten der Aermel derselben zu vermeiden.

Zur Erzielung grösserer Sicherheit gegen das Abfallen von Maschen bezieh. das Zerspalten der Strickfäden durch Strickmaschinennadeln hat sich Franz Grönros in St. Petersburg durch D. R. P. Nr. 76807 vom 20. Februar 1894 eine zweitheilige Nadel für Strick- und Wirkmaschinen zur Herstellung von Links- und Linkswaare, Petinetwaare u. dgl. schützen lassen (Fig. 35 bis 47).

Diese Nadel besteht aus zwei unabhängig auf einander beweglichen Theilen, von welchen der gezaschte untere mit seinem Haken den Faden aufnimmt, während der mit Haken und Zasche versehene obere sowohl den Haken des ersteren in der zur Maschenbildung erforderlichen Weise öffnet und schliesst, als auch die Masche in seinen Haken aufnimmt und von einer Nadel auf die andere seitlich oder gegenüberliegend übertragen kann.

Der Kopf des unabhängig von der eigentlichen Hakennadel a (Fig. 35) beweglichen Deckers b hat die Form |79| eines Hakens c, in welchem sich (Fig. 36) eine Nuth befindet, durch welche die Hakennadel a hindurchgeht. Dieser Haken c endigt in eine Spitze d, die sich in der Zasche der Nadel a führt. Beim Eindringen in die fertigen, auf der betreffenden Nadel hängenden Maschen liegt diese Spitze d (Fig. 40 und 37) stets verdeckt, so dass ein sicheres Abheben der fertigen Maschen von den Nadeln auf die Decker erfolgen muss. Zu diesem Zwecke sind die Nadeln a am vorderen Ende geschweift, damit, wie Fig. 40 und 44 zeigen, beim Arbeiten die Spitze d stets in die Zasche der betreffenden Nadel kommt. Das Eindringen des von den Nadeln herangezogenen Strickfadens in die vorhandenen Maschen wird hauptsächlich dadurch gesichert, dass, während die alte Masche in der Breite fg (Fig. 37) über den Decker hinweghängt, die Hakennadel mit der neuen Masche durch dessen Aussparung hindurchgezogen wird.

Textabbildung Bd. 296, S. 79

Der Vorgang beim Arbeiten ist folgender:

Die Waare hängt (Fig. 38) auf der rechtsseitigen Nadel a, deren Decker b zurückgezogen ist. Letzterer wird nun über a hinweg nach links geschoben (Fig. 39), die links liegenden Nadeln mit ihren Deckern bleiben noch in Ruhe, die Nadel a geht ebenfalls nach links (Fig. 40), wobei sich die zuletzt gebildete Masche über die gezaschte Erhöhung der Nadel a legt. Letztere verbleibt in dieser Lage kurze Zeit, unterdessen geht ihr Decker b zurück und kommt mit seinem hakenförmigen Kopf c in die auf a hängende Masche. Vom Fadenführer wird der nun ebenfalls zurückgehenden Nadel a Garn aufgelegt, welches diese durch die vorige, auf dem Decker b hängende Masche hindurchzieht (Fig. 41), worauf sich dieser nach links bewegt und die alte Masche fallen lässt (Fig. 42).

Der linke Decker b1 geht nun ebenfalls vor, der rechte weicht vor ihm zurück (Fig. 43), die rechts befindliche Nadel a schiebt sich wieder nach links und Decker b1 gelangt hinter deren Erhöhung. Geht letzterer dann wieder nach links (Fig. 44 und 45), so dringt er in die auf der Nadel a hängende, zuletzt gebildete Masche, da seine Spitze wieder in der Zasche von a verdeckt liegt; Nadel a geht zurück nach rechts (Fig. 46). Der ebenfalls nun nach rechts gehenden Nadel a1 wird Faden vorgehalten; diese arbeitet aus demselben eine neue Masche, welche sie jetzt durch die auf dem Decker b1 hängende Masche hindurchzieht; letzterer lässt dann bei seiner Bewegung nach rechts (Fig. 47) dieselbe fallen und führt, nachdem er sich nach links zurückgezogen hat, wieder die Anfangsstellung herbei. Die Waare ist also von der rechten auf die linke Nadel übertragen worden.

Falls Petinetmuster gearbeitet werden sollen, müssen sämmtliche Decker b1 aus ihrer Anfangstellung (Fig. 38) in die von Fig. 43 und die Nadeln a, deren Maschen verhängt werden sollen, nach links in die Stellung Fig. 44 bewegt werden. Die nach links zurückgehenden Decker b1 nehmen von den Nadeln a die Maschen auf, wie in Fig. 45, die Nadeln a aber werden, wie in Fig. 38, bis in die Abschlagstellung zurückgezogen, und die einzelnen zu verhängenden Maschen von a befinden sich auf den Deckern der anderen Nadelreihe. Das eine Nadelbett wird nun um eine oder mehrere Nadeltheilungen seitlich versetzt, die Nadeln a werden nach links in die Stellung Fig. 45, die Decker b1 aber nach rechts in die Stellung Fig. 43 gebracht und die Nadeln mit der neu hinzugekommenen Masche, sowie endlich auch die Decker b1 in ihre Anfangsstellung (Fig. 38) zurückbewegt.

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