Titel: Neuere Pumpen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1895, Band 296 (S. 145–154)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj296/ar296033

Neuere Pumpen.

Von Fr. Freytag in Chemnitz.

(Fortsetzung des Berichtes S. 121 d. Bd.)

Mit Abbildungen.

Zur Regelung der mittleren Kolbengeschwindigkeit gewöhnlicher direct wirkender Duplex-Dampfpumpen, welche die Expansivkraft des Dampfes ausnutzen, haben L. d'Auria in Philadelphia und H. M. Robert in Washington nach Engineering vom 22. Mai 1891 die in Fig. 38 ersichtliche Einrichtung getroffen.

A und B sind Dampf- und Pumpencylinder der einen Maschinenseite, RR1 und HH1 die Kurbeln bezieh. Wellen und ll1 die zur Bethätigung der Vertheilungschieber in den Schieberkasten S und S1 dienenden Hebel, welche derart angeordnet sind, dass die von der einen Maschine in Bewegung gebrachte Kurbel und Welle den zur anderen Maschine gehörigen Vertheilungschieber bethätigen. Auf den Verlängerungen L und L1 der Hebel l und l1 sitzen Gewichte W und W1, deren Stellungen einer gewissen Kolbengeschwindigkeit entsprechen und geändert werden können.

Textabbildung Bd. 296, S. 145

In den Dampfkanälen eines jeden Cylinders liegen Absperrschieber v, welche ihre Bewegung von der Maschine ableiten, zu welcher sie gehören. Auf den Schiebern befestigte Kurbeln a sind durch Stangen n mit einander verbunden, die zu den Hebeln l und l1 führen. Die Kurbeln a sind, um das Abschneiden des Dampfes veränderlich zu machen, mit Längsschlitzen versehen.

Eine Duplex-Dampfpumpe von J. Klein veranschaulichen die der Revue industrielle entnommenen Abbildungen (Fig. 39 und 40).

AA1 sind die Dampf-, BB1 die Pumpenkolben und CC1 die zu den Dampfcylindern beider Maschinenseiten gehörigen Vertheilungschieber. Der auf der gemeinschaftlichen Stange der Kolben A und B der einen Maschinenseite befestigte Muff b ist durch ein an seinem unteren Ende angreifendes gelenkiges Glied mit dem gabelförmig über die Kolbenstange greifenden Hebel c verbunden, der um einen im Anguss r des Maschinenbettes gelagerten Bolzen w schwingt. Auf dem anderen Ende dieses Bolzens ist eine Schwinge v befestigt, welche mittels Zugstange die Spindel des zur anderen Maschinenseite gehörigen Vertheilungschiebers C1 bethätigt, so dass dieser in Folge der Wirkung des Kolbens A eine hin und her gehende Bewegung annimmt. In ähnlicher Weise ist die Verbindung des Schiebers C mit der Stange des Kolbens A1 hergestellt. Zu dem Zwecke ist im Anguss r des Maschinenbettes ein zweiter Bolzen w1 gelagert, welcher von dem gegabelten, durch Lenker und Muff mit der Stange der Kolben A1B1 verbundenen Hebel eine Drehbewegung erhält und diese mittels Schwinge v1 auf die Spindel des Vertheilungsschiebers C überträgt.

Hierbei öffnet sich der Einströmkanal des einen Dampfcylinders, bevor noch der Kolben des anderen Cylinders seinen Hub vollendet hat.

Sollte aus irgend welchem Grunde, vielleicht in Folge todten Ganges in den Gelenken der Dampfvertheilungsorgane, dieses Voreilen des einen Schiebers gegenüber dem Kolben der anderen Maschine nicht mehr stattfinden, so würde letzterer gegen den einen oder anderen Cylinderdeckel treffen und ein Unfall herbeigeführt werden können.

Um dies zu vermeiden, sind am unteren Theil der Schwingen v und v1 Zapfen ss1 angebracht, welche sich in einer Führung oder Aussparung der Hebel c, c1 bewegen und im letzteren Falle beim Zusammentreffen mit den Zinken am oberen Ende der Hebel cc1 die Schieber aus ihrer mittleren Stellung bringen, so dass stets eine regelrechte Dampfeinströmung stattfindet.

Textabbildung Bd. 296, S. 145

Die Vulcan Iron Works in Wilkesbarre, Pa., bauen eine nach dem Erfinder „Griscom“ benannte Duplex-Dampfpumpe, deren Abbildung und Beschreibung American Machinist vom 3. Januar 1889 bringt. Die mit den Kolbenstangen direct verbundenen Kreuzköpfe sind auf ihren Innenflächen mit Führungen für die Auf- und Abwärtsbewegung je eines Gleitklotzes versehen; letzterer ist mittels Zapfen an eine durch Gegengewicht ausbalancirte Kurbel angeschlossen, auf deren Welle ein Excenter befestigt ist, welches mittels Stange und Hebel einen Corliss-Schieber in schwingende Bewegung versetzt, der, in einem auf jedem Cylinder befestigten Gehäuse untergebracht, Füllungen von ⅞ des Kolbenhubes gestattet.

Die Pumpen sind kräftig gebaut und deshalb namentlich für Bergwerkszwecke verwendbar.

Eine derartige Pumpe mit Dampfcylindern von 610 mm, Wassercylindern von 254 mm Durchmesser und 915 mm |146| gemeinschaftlichem Kolbenhub liefert bei 1,2 m Kolbengeschwindigkeit in der Minute 9 cbm Wasser auf 160 m Höhe.

Eine direct wirkende Duplex-Dampfpumpe für Bergwerke in Colorado von der Deane Steam Pump Company in Holyoke beschreibt The Engineering and Mining Journal vom 4. Juli 1891. Zur Dampfvertheilung dienen Muschelschieber, welche in der gewöhnlichen Weise je von der Kolbenstange des nicht zugehörigen Cylinders bewegt werden.

Die mittels Plunger betriebenen Pumpen sind doppelt wirkend.

Von derselben Firma ist auch eine direct wirkende, eincylindrige Abteufpumpe in den Handel gebracht, deren Aufhängung im Schacht mittels einfachen Hängeeisens und Holzverspreizung erfolgt.

Der aus einem Stück hergestellte Plunger bewegt sich, wie ebenfalls letztgenannter Zeitschrift entnommen, durch Stopfbüchsen nach aussen abgedichtet in den zusammengegossenen Cylindern zweier einfach wirkenden Pumpen. Die zu den letzteren gehörigen Ventile bestehen je aus einer Kautschukplatte mit Messingscheibe und darüber liegender Spiralfeder.

Der von der Kolbenstange bethätigte Steuerungsmechanismus liegt, gegen äussere Beschädigungen geschützt, zwischen seitlichen Wandungen des Maschinenrahmens.

Ueber eine ähnliche Abteufpumpe der Pulsometer Engineering Company bringt The Engineer vom 16. Mai 1890 kurze Mittheilungen.

Eine direct wirkende Bergwerkspumpe mit zwei Cylindern beschreibt auch Iron vom 1. Mai 1891 S. 383.

Textabbildung Bd. 296, S. 146

Die daselbst in der Abbildung wiedergegebene, von den Jeansville Iron Works in Jeansville, Pennsylvania, gebaute Pumpe hat Dampfcylinder von 508 und Pumpencylinder von 229 mm Durchmesser; der Kolbenhub beträgt 915 mm.

Alle Bewegungstheile sind äusserst kräftig gehalten, was nach bisherigen Erfahrungen bei diesen Maschinen unbedingt nothwendig ist. Derjenige Theil jeder Kolbenstange, welcher den Kreuzkopf mit dem Plunger verbindet, ist wegen Wirkung saurer Grubenwässer aus Phosphorbronze hergestellt.

Eine direct wirkende stehende Dampfspeisepumpe für Schiffskessel mit bemerkenswerthem Steuerungsmechanismus von G. und J. Weir in Holm Foundry, Cathcart, Glasgow, beschreiben Industries vorn 30. November 1888 bezieh. Engineering vom 26. September 1890.

Der kolbenförmige Vertheilungschieber wird in wagerechter Richtung durch den Arbeitsdampf bethätigt, welcher je nach Stellung eines kleinen, auf seinem Rücken gleitenden Flachschiebers abwechselnd auf einer oder der anderen Endfläche des Kolbenschiebers zur Wirkung kommt. Die Spindel des in senkrechter Richtung geführten Flachschiebers erhält ihre Bewegung von zwei gekuppelten Stangen, deren äussere Enden in einem auf der Kolbenstange befestigten Querstück gleiten, und zwar derart, dass die Spindel nur am Ende eines jeden Kolbenhubes eine auf- bezieh. abwärts gerichtete Bewegung ausführt.

Fig. 41 und 42 veranschaulichen die Stellung des Kolbenschiebers, wenn der Arbeitskolben seinen Abwärtshub vollendet hat.

Die Oeffnungen ABCD (Fig. 41 und 43) liegen in der Fläche Z des Kolbenschiebers, die Oeffnungen FGH in der Cylinderfläche Y, die Oeffnungen II1K in der Fläche X des Schieberkolbens und die Oeffnung L in der Fläche W des Flachschiebers.

Die Oeffnungen B und C stehen durch je einen Kanal mit den Enden des Kolbenschiebers in Verbindung, Durch die Einströmöffnung A gelangt Dampf nach der Oeffnung F, welche mit einem nach dem unteren Cylinderende führenden Kanal communicirt. Die Oeffnung B gestattet den Eintritt frischen Dampfes auf der linken Seite des Kolbenschiebers und hält denselben in seiner auf der Abbildung ersichtlichen Lage. Die Ausströmöffnung L auf der Gleitfläche des Flachschiebers erlaubt den Austritt des Dampfes vom rechten Ende des Kolbenschiebers durch den Kanal C in den Ausströmkanal E, wobei die Oeffnung L den Kanal C ungefähr 3 mm überschreitet, so dass eine geringe Compression des Dampfes auf der rechten Seite des Kolbenschiebers entsteht. Vom oberen Ende des Cylinders strömt der Dampf durch die Oeffnungen H und A in den Ausströmkanal I1. Der Arbeitskolben bewegt sich dann, ebenso wie auch der kleine Flachschieber, nach aufwärts. Erreicht die Oeffnung L jene B, so entweicht der Dampf vom linken Ende des Kolbenschiebers und es strömt nach Oeffnung des Kanales C frischer Dampf rechts hinter diesen Schieber und treibt denselben in seine linke Endstellung, so dass die Oeffnungen K und A einander gegenüber liegen. Frischdampf tritt nun in den oberen Theil des Cylinders und der Abdampf vom unteren Ende desselben durch die Oeffnungen F und G in den Ausströmkanal. Die zwei Aussparungen N in den Cylindern M (Fig. 41 und 42) gestatten den directen Eintritt von Dampf aus dem Schieberkasten durch die Oeffnungen F und H in den Cylinder, nachdem der Flachschieber die Dampfeinströmung abgeschnitten hat. Durch Aenderung der Stellung dieser Aussparungen, welche sich durch Drehung von mit Stellbügeln an beiden Stirnseiten des Schieberkastens versehenen, Fig. 41 ersichtlichen Knaggen erreichen lässt, kann die Füllung an jedem Ende des Kolbenhubes regulirt werden.

Der Schieberkasten selbst besteht aus vier Gusstücken, einem mittleren Stück, worin Dampfeintritts- und Austrittsrohr münden, zwei an beiden Seiten in wagerechter Richtung angesetzten Seitenstücken und dem unteren Deckel.

Der Pumpenkörper besteht aus zwei doppelt wirkenden, |147| von einander unabhängigen und nur durch den Ventilkasten mit einander verbundenen Cylindern. Die Pumpenventile bestehen aus Deltametall; sie sind gruppenweise angeordnet, und zwar enthält bei einer Dampfpumpe von 280 bezieh. 230 mm Durchmesser des Dampf- bezieh. Pumpencylinders und 534 mm Kolbenhub jeder Ventilkasten 2 Gruppen mit je 7 Saugventilen und 2 Gruppen mit je 4 Druck Ventilen, zusammen 22 Ventile. Der Hub der Ventile ist ein äusserst geringer und beträgt im vorliegenden Falle nur 7 mm. Die Druckventile sind noch durch kleine Spiralfedern belastet, so dass Ventilstösse kaum auftreten können. (Ueber Weir'sche Dampfspeisepumpen des Schnelldampfers Normannia der Hamburg-Amerikanischen Packetfahrt-Actiengesellschaft siehe auch Zeitschrift des Vereins deutscher Ingenieure vom 15. October 1892 S. 1211.)

Um die Beschaffung doppelter Pumpen, wie es namentlich für Schiffszwecke nöthig ist, damit bei einem Defect der einen Pumpe mit der anderen gearbeitet werden kann, zu vermeiden, schlägt C. C. Worthington in Irvington, N. Y., vor, drei Seite an Seite liegende Einzelpumpen an Stelle von zwei Doppelpumpen anzuordnen, von denen nur immer zwei Pumpen im Betrieb und die dritte Pumpe erst eingeschaltet wird, wenn irgend welcher Defect an einer der beiden anderen Pumpen ein Arbeiten derselben unmöglich macht.

Textabbildung Bd. 296, S. 147

Hierdurch würde gegenüber der Beschaffung zweier completer Duplex-Dampfpumpen an Platz, worauf es auf Schiffen wesentlich ankommt, gespart, während andererseits die Zuverlässlichkeit gegen augenblickliche Unfälle dieselbe bleibt.

Die Anordnung der Steuerung an einer derartigen Triplex-Dampfpumpe veranschaulichen die den Industries entnommenen Abbildungen (Fig. 44 und 45), und zwar für Pumpen stehender und liegender Bauart.

Die zur Führung der Wellen G und H dienenden Stücke F sind auf den Verbindungstangen zwischen Dampf- und Pumpencylinder befestigt. Ein Hebel I auf der Welle G ist durch ein Gelenk L mit der Kolbenstange C, ein zweiter Hebel K mit der Kolbenstange der Maschine B verbunden. Auf der Welle G sitzen ferner zwei kurze Hebel O und P, welche durch Lenkstangen QR mit den Schieberstangen S der Maschinen BC1 in Verbindung stehen. Die Welle H trägt einen Arm T, welcher durch eine Lenkstange V mit dem Kreuzkopfe N, und ferner einen kurzen Hebel X, welcher mit der nach rückwärts bezieh. nach oben verlängerten Gelenkstange Q verbunden ist.

Ein ähnlicher Hebel Z auf der Welle H ist durch eine Stange E mit der Schieberspindel von A1 verbunden. Wenn die Maschine C1 ausser Betrieb kommen soll, wird der Kreuzkopf M der Maschine A1 mit dem Hebel I auf der Welle G und die Schieberstange von B durch Q mit dem kurzen Hebel O auf derselben Welle verbunden, während der Kreuzkopf N von B mit dem Arme T auf der Welle H und die Schieberstange von A1 durch die Stange E mit dem Hebel Z in Verbindung gebracht wird. Die Stangen WR von C1 werden von den Armen UP gelöst. Auf ähnliche Weise können stets zwei Maschinen mit einander gekuppelt werden.

Die in derartigen Fällen vorzunehmenden Arbeiten werden durch Reservebolzen 3 die Kuppelungen 2 und Zapfen 1 erleichtert.

In der Neuzeit finden direct wirkende Pumpen mit zwei-, auch dreifacher Expansion des Arbeitsdampfes als Wasserwerksmaschinen, für hydraulische Hebewerke, Nietmaschinen, als Schachtpumpen u. dgl. vielfache Verwendung.

The Engineer vom 7. October 1892 bringt Beschreibung und Abbildung einer direct wirkenden Duplex-Verbunddampfpumpe von Joseph Evans and Sons in Wolverhampton mit von der Hauptmaschine unabhängigen Condensationsmaschine für die Nicaragua Company in London, E. C; Leadenhall-street.

Hoch- und Niederdruckcylinder jeder Maschinenseite haben 305 bezieh. 508 mm Durchmesser bei 305 mm Kolbenhub, die Pumpencylinder 305 mm Durchmesser. Die wie gewöhnlich wechselweise durch die Kolbenstange der nicht zugehörigen Cylinder vermittelte zwangläufige Bewegung der Steuerschieber geschieht, um die Anzahl abnutzbarer Theile möglichst zu verringern, mittels teleskopartig in einander greifender Stücke – einer an dem Muffe der Kolbenstange jeder Maschinenseite drehbar befestigten Stange, welche bei ihrer Bewegung in der Ausbohrung einer Schwinge gleitet und diese mitnimmt.

Die liegende Condensationsmaschine hat zwei Dampfcylinder von je 127 mm Durchmesser, deren Kolben zum directen Betreiben der dahinter liegenden Luftpumpen von je 203 mm Cylinderdurchmesser dienen.

Die Maschine liefert mit einer Spannung des Arbeitsdampfes von etwa 6,3 at über 225 cbm Wasser in der Stunde.

Eine Duplex-Verbunddampfpumpe mit Condensation von Fielding and Platt in Gloucester für hydraulische Hebewerke beschreibt The Engineer vom 12. Juni 1891.

Die Hauptabmessungen sind:

Hochdruckcylinder (Durchmesser) 305 mm
Niederdruckcylinder „ 457
Pumpencylinder „ 76
Gemeinschaftlicher Kolbenhub 305

Die Pumpe setzt sich aus vier einzelnen Plungerpumpen (zwei auf jeder Maschinenseite) zusammen.

Eine direct wirkende Verbunddampfpumpe mit zwei in Tandem hinter einander liegenden Dampfcylindern von Alexander Shanks and Son in London beschreibt Iron vom 5. August 1890.

Hervorgehoben wird namentlich der ökonomische Vortheil, |148| welcher sich gegenüber gewöhnlichen Pumpen mit Verwendung von mit Expansion des Arbeitsdampfes arbeitenden Dampfpumpen ergibt.

Die Leistung bezieh. Geschwindigkeit der Pumpe wird mit Hilfe eines hydraulischen Widerstandes regulirt, indem der Kolben eines kleinen Wassercylinders unmittelbar auf den Vertheilungschieber einwirkt.

Ein mit der durchgehenden Kolbenstange der Maschine verbundener, an einer festen Stütze drehbar gelagerter zweiarmiger Hebel bethätigt mit seinem äusseren kurzen Arm einen kleinen Steuerschieber, welcher den Eintritt von Dampf vor und hinter den Kolben eines kleinen Hilfscylinders gestattet. Die Kolbenstange des letzteren ist in dem Rahmen des Vertheilungschiebers befestigt, kann aber auch behufs Einstellung desselben mittels Daumen und aussen liegenden Handgriffes bewegt werden. Eine zweite mit dem Rahmen des Vertheilungschiebers verbundene Stange trägt am äussersten Ende ebenfalls einen kleinen Kolben, der sich in einem Wassercylinder führt; die Enden des letzteren stehen durch die Bohrung eines querliegenden Hahnes mit einander in Verbindung, derart, dass durch die Stellung des Hahnes bezieh. Veränderung des Durchgangsquerschnittes seiner Bohrung der Wasserabfluss von einem nach dem anderen Cylinderende regulirt werden kann.

Textabbildung Bd. 296, S. 148

Eine direct wirkende Duplex-Verbundschachtpumpe der Buffalo Steam Pump Co. in Buffalo, N. Y., welche in den Erzbergwerken des Gogebic- und Minnesotadistrictes vielfach anzutreffen ist, zeigen die dem American Machinist vom 5. Mai 1892 S. 7 entnommenen Abbildungen (Fig. 46 und 47).

Die Hochdruckcylinder haben 305, die Niederdruckcylinder 558 mm Durchmesser; der gemeinschaftliche Kolbenhub beträgt 456 mm. Die beiden in zwei Aussenstopfbüchsen mit Metallpackung geführten und mittels eines Rahmengestänges durch directe Verkuppelung mit den Kolbenstangen der Dampfcylinder angetriebenen Taucherkolben jeder Maschinenseite haben je 178 mm Durchmesser.

Der Durchgangsquerschnitt der mit Spiralfedern belasteten Ventile, von denen für jede Saug- und Druckkammer je drei angeordnet sind, beträgt 50 Proc. des Plungerquerschnittes. Die Ventile liegen sämmtlich über dem Pumpencylinder, so dass die Plungerkolben stets im Wasser arbeiten. Die Saug- und Druckkammern sind oben durch abnehmbare Deckel mit je vier eingehängten Schrauben geschlossen. Das Saugrohr hat 178, das Druckrohr 152 mm Durchmesser.

Zur Dampfvertheilung dienen gewöhnliche Flachschieber, welche ihre Bewegungen in der in Fig. 46 ersichtlichen Weise von den beiden Kreuzköpfen ableiten.

Die Pumpen werden als Condensationsmaschinen gebaut in Verbindung mit einer einfach wirkenden Luftpumpe und einem Condensator; ihre Leistung beträgt in diesem Falle 1,360 bis 1,59 cbm Wasser in der Minute auf 183 m Höhe mit 4,6 at anfänglicher Dampfspannung im Schieberkasten.

Eine Pumpe derselben Construction mit Hochdruckcylindern von 406, Niederdruckcylindern von 762 mm Durchmesser, 458 mm gemeinschaftlichem Kolbenhub und Taucherkolben von je 229 mm Durchmesser fördert 2,3 cbm Wasser in der Minute auf 152 m Höhe.

Eine von derselben Firma erbaute direct wirkende Duplex-Verbunddampfpumpe für die Lake Erie Boiler-Works in Buffalo beschreiben Engineering News vom 13. December 1890.

Die Pumpe dient zur Lieferung des Kraftwassers von 140 at Spannung für hydraulische Nietmaschinen. Der zum Betreiben nöthige Dampf hat 11 at Spannung.

Die Hochdruckcylinder haben 305, die Niederdruckcylinder 470 und die Plungerkolben der Pumpen 83 mm Durchmesser; der gemeinschaftliche Kolbenhub beträgt 305 mm.

Die Vertheilungschieber sind sämmtlich entlastet. Rohrleitungen und Ventilkasten der Pumpe sind aus Messing hergestellt.

Alle der Abnutzung unterworfenen Theile sind reichlich gross und so weit wie möglich nachstellbar gehalten.

Die Pumpe ist bereits längere Zeit im Betrieb und soll äusserst ökonomisch arbeiten.

Eine ebensolche direct wirkende Druckpumpe für Walzwerke, Bergwerke bezieh. für alle solche Ausführungen, welche einen Arbeitsdruck zwischen 20 bis 40 at erfordern, wird von der Gordon Sleam Pump Company in Hamilton, Ohio, gebaut.

Dieselbe Firma baute nach Iron vom 6. Februar 1891 auch für Wasserwerke vieler grösserer Städte Nordamerikas Duplex-Verbunddampfpumpen, welche 4500 bis 23000 cbm Wasser in 24 Stunden liefern.

Eine direct wirkende Duplex-Verbunddampfpumpe von F. Moore in Pittsburgh, Pa., deren Steuerung der 1894 291 * 251 beschriebenen Westinghouse-Luftpumpe nachgebildet ist, beschreiben Industries vom 3. Juli 1891.

Befindet sich der Hochdruckkolben A (Fig. 48 bis 50) in seiner tiefsten Stellung; so strömt frischer Dampf aus der Schieberkammer B durch die Oeffnungen C und D in den Hochdruckcylinder E und wirkt hier auf die untere Fläche des Kolbens A, denselben sammt dem mit ihm verbundenen Pumpenkolben F nach oben treibend. Beide Kolben bleiben nach Beendigung des Aufwärtshubes so lange stillstehen, bis der Niederdruckkolben G seinen Abwärtshub |149| beendet hat und die an ihm befestigte Platte H gegen den Knopf I am unteren Ende der mit dem Vorsteuerschieber I1 verbundenen Stange stösst, wodurch der genannte Schieber sich abwärts bewegt und das Innere der Kammer K durch die Oeffnung N, den Kanal M und die Höhlung des Schiebers mit der Ausströmkammer L in Verbindung kommt. Der in der Kammer B herrschende Ueberdruck auf den gegenüber demjenigen auf den kleineren Schieberkolben P treibt den Vertheilungschieber aufwärts und gestattet den Zutritt frischen Dampfes in den Hochdruckcylinder E über dessen Kolben A, so dass letzterer mit dem Pumpenkolben F sich abwärts bewegt. Sowie der die Bewegungen des Vertheilungschiebers regelnde Vorsteuerschieber vom Niederdruckkolben bethätigt wird, hat letzterer einen vollen Hub zurückgelegt und der im Hochdruckcylinder wirksam gewesene Dampf tritt nun in den Niederdruckcylinder, um hier auf die untere Fläche des Kolbens G zu wirken. Der Vorsteuerschieber I1 wird dann durch den Dampf, welcher in einem von der Kammer B abzweigenden, in Fig. 48 ersichtlichen Hilfskanal gegen seine untere Fläche strömt, gehoben und es wiederholt sich, nachdem auch der Vertheilungschieber seine untere Stellung wieder erreicht hat, das Spiel von Neuem.

Textabbildung Bd. 296, S. 149

Ueber direct wirkende Dreifach-Expansionspumpmaschinen von T. Davidson in Brooklyn, N. Y., für die Brooklyn Water Works berichten American Machinist vom 13. März 1890, Iron vom 6. März 1891, Engineering News vom 12. März 1892.

Textabbildung Bd. 296, S. 149

Es sind in einer Station der genannten Wasserwerke vier Dreifach-Expansionspumpmaschinen aufgestellt, von denen die drei kleineren zusammen 45500 cbm Wasser in 24 Stunden liefern, während die Leistung der grösseren Pumpe 18000 cbm Wasser in derselben Zeit beträgt.

Die Dampfcylinder liegen bei allen vier Maschinen hinter einander und zwar der Mitteldruckcylinder der Pumpe am nächsten, dann folgt der Niederdruck-, hierauf der Hochdruckcylinder.

Der Arbeitsdampf strömt in Rohren von einem Cylinder zum anderen und schliesslich aus dem Niederdruckcylinder in einen Condensator.

Zur Dampfvertheilung des Hoch- und Niederdruckcylinders einer jeden Maschine dienen gewöhnliche Muschelschieber, welche mit dem Hauptschieber des Mitteldruckcylinders in directer Verbindung stehen. Letzterer erhält seine Bewegung einmal in Folge directer Wirkung des Arbeitsdampfes, sodann durch seine Verbindungen mit der Kolbenstange des zugehörigen Cylinders. Wie die den Engineering News entnommenen Abbildungen (Fig. 51 bis 53) erkennen lassen, ist der Schieberkasten M des Mitteldruckcylinders behufs Unterbringung des Drehschiebers A, sowie der beiden Kolbenschieber BB1 ausgebohrt.

In dem Ausströmkanal liegt ein Mitnehmer O, welcher durch einen mittels Stange mit einem Muff der Kolbenstange verbundenen Hebel eine hin und her gehende Bewegung erhält. In die eigenartig gestaltete Oeffnung des Mitnehmers greift ein im Schieber A befestigter Stahlbolzen derart, dass sich der Schieber vor- oder rückwärts bewegen, gleichzeitig aber auch eine Drehbewegung um seine Achse ausführen kann. Im letzteren Falle werden die Oeffnungen kleiner Hilfskanäle ee1 freigelegt bezieh. geschlossen, welche die Enden der Schieberkasten abwechselnd mit dem in den Schieberkasten tretenden Arbeitsdampf bezieh. den Ausströmkanal in Verbindung bringen. Ist der Cylinderkanal f vollständig geöffnet, so wirkt der durchströmende Dampf auf den Arbeitskolben und durch diesen auf den Mitnehmer C, sowie den Schieber A in der durch die Pfeilrichtungen (Fig. 51) angegebenen Weise. Zunächst wird durch Drehung des Mitnehmers C der Schieber A in eine solche Lage gebracht, dass die Oeffnung des Hilfskanals e frei wird und frischer Dampf hinter den Kolben B1 treten, ferner der hinter dem Kolben B befindliche Dampf durch den Hilfskanal e1 entweichen kann. Bevor der Arbeitskolben seinen Hub vollendet hat, gelangt der Schieber A in eine solche Stellung, dass in Folge Abschliessens der nach den Cylinderenden führenden Kanäle ff1 eine geringe Expansion und Compression des im Cylinder eingeschlossenen Dampfes stattfindet; der Schieber wird nun durch den Mitnehmer weiter gedreht, so dass die Oeffnungen der Hilfskanäle vollständig frei werden. Der hinter dem Schieberkolben B1 wirkende Arbeitsdampf treibt dann den Schieber A in Richtung des in Fig. 51 ersichtlichen Pfeiles weiter nach links, so dass frischer Dampf durch den Kanal f1 für den Rückhub des Arbeitskolbens in den Cylinder treten kann.

Durch die beschriebene Anordnung wird ein stossweises Arbeiten der Pumpe vermieden und eine gleichförmige Kolbenbewegung erzielt.

Die Anordnung einer gemeinschaftlichen Kolbenstange für alle drei Dampfcylinder und den Pumpencylinder ist im |150| vorliegenden Falle aus dem Grunde nicht möglich, weil der hintere Flansch des Mitteldruckcylinders gleichzeitig den vorderen Deckel für den Niederdruckcylinder bildet und ein Platz zum Anbringen einer Stopfbüchse nicht vorhanden ist. Der Niederdruckkolben hat deshalb zwei Kolbenstangen, welche, durch Stopfbüchsen geführt, zu beiden Seiten des Mitteldruckcylinders unter dem Mantel desselben nach dem gemeinschaftlichen Kreuzkopf gehen, ausserdem eine mittlere mit dem Hochdruckkolben verbundene Stange. Um die Maschine mit Leichtigkeit anlassen zu können, führen vom Hauptdampfrohr Leitungen sowohl nach dem Hochdruck, wie auch nach dem Mitteldruckcylinder, so dass beide Cylinder so lange frischen Dampf erhalten, bis die Maschine in Gang gekommen ist. Die mit Dampfmänteln umgebenen Cylinder der grösseren Maschine haben 292, 508 und 914 mm Durchmesser für 914 mm Kolbenhub. Der Pumpencylinder ist mit einem Messingfutter von 914 mm lichtem Durchmesser versehen.

Zur Condensation des Abdampfes dient eine unabhängige Maschine mit Dampfcylinder von 203 und Luftpumpencylinder von 355 mm Durchmesser für 406 mm Kolbenhub.

Für Europa und die britischen Colonien werden die Davidson-Pumpen von Bailey und Co., Albion Works in Salford, Manchester, gebaut. Die Firma lieferte unter anderen sechs Davidson'sche Verbunddampfpumpen für die Denaby Main Colliery in Yorkshire mit einer gesammten Leistung von 3400 cbm in der Stunde bei 90 m Druckhöhe.

Um bei grösseren mit Expansion des Dampfes arbeitenden Pumpen trotz der Abwesenheit des Schwungrades einen gleichmässigen Gang zu erzielen, werden die durchgehenden Kolbenstangen derselben mit den Plungern je zweier kleinen schwingenden Cylinder verbunden, die mit Wasser oder Glycerin von hoher Pressung gefüllt sind.

Zu dem Zwecke ist in der Regel jede Pumpenkolbenstange an ihrem hinteren Ende mit einem Kreuzkopf versehen, welcher in zwei seitlichen Führungen gleitet, während in der Mittelebene desselben die in den schwingenden Cylindern arbeitenden Plunger angreifen. Beim Hin- und Hergang des Kreuzkopfes werden die Plunger in der ersten Hälfte des Hubes in die Cylinder hineingetrieben, während sie in der zweiten Hälfte des Hubes aus denselben heraustreten. Eine Beschreibung dieser Construction von J. F. Holloway, dem Chefingenieur der Worthington Co., ist nach der Zeitschrift Stahl und Eisen, 1893 Nr. 24, folgende Stelle entnommen:

„Die schwingenden Cylinder heissen ‚Compensationscylinder‛ und sind mit Wasser gefüllt, ausser wenn die Pumpen zum Fördern von Oel (für den Betrieb der Oelrohrleitungen bei Pressungen von 105 k/qc) gebraucht werden, in welchem Falle sie mit Oel gefüllt sind. Der Druck auf die Plunger in den Compensationscylindern ist durch eine Verbindung dieser Cylinder durch ihre hohlen Zapfen hindurch mit einem Accumulator erzeugt, dessen Kolben auf und nieder geht, wenn die Plunger der Compensationscylinder sich ein- oder auswärts bewegen. Der angewandte Accumulator ist ein Differentialaccumulator, d.h. er besitzt unten einen kleineren, mit Oel oder Wasser gefüllten Cylinder, in welchem sich ein Kolben auf und nieder bewegt, während darüber ein mit Luft gefüllter grösserer Cylinder steht, in welchem sich ein am oberen Ende des Accumulatorkolbens sitzender entsprechend grösserer Kolben führt. Hieraus ist sofort klar, dass der Druck auf den Quadratzoll des unteren Kolbens gleich ist dem Flächendruck im Luftcylinder, multiplicirt mit dem Unterschiede zwischen der Fläche des Luftcylinders und derjenigen des Wassercylinders. Diese Differenz ist Gegenstand der Berechnung auf Grund der besonderen Anforderungen, für welche die Pumpe gebaut werden soll. Der Druck im Luftpumpencylinder wird durch den Druck im Hauptdruckrohr der Pumpe regulirt, da der Luftcylinder mit dem Windkessel des Druckrohrs in Verbindung steht.“

Die ausgleichende Wirkung der beschriebenen Anordnung beruht nun in Folgendem:

Da in beiden Dampfcylindern beim Beginn des Hubes der volle Dampfdruck auf dem Kolben lastet und derselbe nach beendigter Einströmung und beginnender Expansion allmählich sinkt, ist der Gesammtdruck, welcher im Pumpencylinder zur Wirkung kommt, in der ersten Hälfte des Hubes bedeutend grösser als in der zweiten. Der Drucküberschuss in der ersten Hälfte des Hubes wird nun dazu benutzt, das Wasser aus den schwingenden Compensationscylindern zu verdrängen und den Accumulatorkolben zu heben. Hierdurch wird im Luftcylinder des Accumulators die Luft comprimirt, also eine gewisse Arbeit in dem Accumulator aufgespeichert, die, sobald in der zweiten Hälfte des Hubes die beiden schwingenden Plunger aus ihrer lothrechten Mittellage nach aussen gehen, wieder nutzbar gemacht wird. Durch geeignete Grössenverhältnisse der Accumulatorkolben ist man somit in der Lage, die auf den Pumpencylinder entfallende Arbeit fortwährend constant und gleich der zur Hebung des Wassers nothwendigen Arbeit zu machen. Die erste mit Compensation arbeitende Duplex-Verbunddampfpumpe mit Condensation war im J. 1889 in Paris auf dem Quai d'Orsay ausgestellt und erhielt den „Grand Prix“. (Abbildungen und Beschreibung dieser Maschine finden sich unter anderen im Engineering vom 3. Mai 1889, S. 497.) Zur Dampfvertheilung dienten vier in einem Schieberkasten auf dem oberen Theile jedes Cylinders zu je zwei über einander liegende Einbezieh. Ausströmschieber, System Corliss.

Eine ebensolche, von James Simpson und Co. in London erbaute, direct wirkende Duplex-Verbunddampfpumpe mit Condensation für das Wasserwerk der Stadt Bournemouth (England) veranschaulicht die The Engineer entnommene Abbildung (Fig. 54).

Jede Maschinenseite besteht aus einem Hoch- und dahinterliegenden Niederdruckcylinder mit gemeinschaftlicher, auch durch den Pumpencylinder tretender Kolbenstange, deren vorderes Ende in der auf der Abbildung ersichtlichen Weise mit dem die Plunger der schwingenden Compensationscylinder angreifenden Kreuzkopf verbunden ist. Der Druck in den Compensationscylindern wird durch die Spannung der im Accumulator eingeschlossenen Luft derart geregelt, dass, wenn aus irgend welchem Grunde ein Zerspringen oder Bersten des Accumulators eintreten sollte, die Maschine, ohne Schaden zu erleiden, zum Stillstand kommt.

Die Dampfcylinder sind mit den sie umgebenden Mänteln aus einem Stück gegossen. Zur Dampfvertheilung in allen vier Cylindern dienen Vertheilungs- und Expansionsschieber, System Meyer, von denen die ersteren in der gewöhnlichen Weise nach Worthington's Anordnung durch den Hoch- und Niederdruckcylinder der anderen Maschinenseite |151| gesteuert werden. Die Expansionsschieber werden dagegen von den zugehörigen Cylindern aus bethätigt; sie können während des Ganges der Maschine verstellt werden und gestatten Füllungen von 0,2 bis 0,95 des Kolbenhubes.

Die Pumpen sind doppelt wirkende Kolbenpumpen mit je einer Anzahl kleiner Ventile, aus Gummischeiben mit darüber liegender Feder bestehend. Zur Condensation des Arbeitsdampfes dient eine besondere unterhalb der Maschine aufgestellte doppelt wirkende Worthington-Luftpumpe und ein Condensator, mit Hilfe welcher Apparate ein genügendes Vacuum vor dem Ingangsetzen der Maschine erreicht wird.

Bei neueren derartigen Maschinen legen Simpson und Co. die Luftpumpen in Linie mit den Dampfcylindern und lassen die Kolbenstangen behufs Betreibens der Pumpen noch durch den hinteren Deckel des Niederdruckcylinders treten.

Der Kohlenverbrauch der Maschine ist ein äusserst niedriger und beträgt nach Versuchen, welche an einer ähnlichen Maschine der New River Waterworks zu Stoke Newington, London, von E. L. Morris, dem Ingenieur der New River Company, angestellt wurden, durchschnittlich 0,92 k für 1 Leistung in der Stunde.

Eine von James Simpson und Co. in London für die Oxford Corporation Waterworks gelieferte Duplex-Verbunddampfpumpe mit Condensation, System Worthington, sowie eine ebensolche von der Firma erbaute Dampfpumpe für die West Middlesex Waterworks in Hammersmith beschreibt The Engineer vom 6. März 1891, S. 190. Beide Maschinen arbeiten ebenfalls äusserst ökonomisch. Die West Middlesex Waterworks Company erzielte mit der letztgenannten Maschine gegenüber den beiden Bull-Maschinen, welche vordem die Wasserförderung besorgten, eine jährliche Ersparniss von ungefähr 5000 M.

Zur Dampfvertheilung beider Maschinen dienen für jeden Cylinder vier im unteren Theile desselben liegende Ein- bezieh. Ausströmschieber, System Corliss.

Der Accumulator jeder Maschinenseite liegt zwischen Dampfmaschine und zugehörigem Pumpencylinder.

In ganz hervorragender Weise war die Worthington Pumping Co. auf der Weltausstellung in Chicago 1893 vertreten.

Ausser einer grossen Anzahl in der Maschinenhalle ausgestellter Pumpen hatte die Firma in einem besonderen Pavillon ausserhalb der Maschinenhalle die zur Wasserversorgung der ganzen Ausstellung dienenden Pumpen untergebracht.

Textabbildung Bd. 296, S. 151

Nach einem von der Ausstellungsbehörde mit der Worthington Co. abgeschlossenen Vertrage hatte die letztere täglich 237000 cbm Wasser zu liefern. Diese Leistung wurde mittels mehrerer liegender, meist Duplex-Verbunddampfpumpen mit Condensation, sowie zweier stehender Pumpen erzielt, von denen die stärkste 56500 cbm Wasser in 24 Stunden lieferte. Diese Maschine setzt sich nach Comptes rendus, 1893 Nr. 159, bezieh. Le Génie civil vom 15. April 1893, S. 377, bezieh. The Engineer vom 24. März 1893, S. 255, aus vier zu je zwei über einander liegenden Dampfcylindern zusammen, von denen die oberen die Hochdruck-, die unteren die Niederdruckcylinder bilden. Die gemeinschaftlichen Kolbenstangen je zweier zusammengehöriger Cylinder dienen mit ihren Verlängerungen zum Betreiben der darunter stehenden Pumpen, welche mitsammt den die Dampfcylinder tragenden Bockgestellen auf einer massiven Fundamentplatte befestigt sind. Zur Ausgleichung der Gewichte der bewegten Massen ist mit jeder Kolbenstange ein einfach wirkender Plunger verbunden, der sich in einem durch Rohre mit einem Luftdruckbehälter in Verbindung stehenden Cylinder bewegt.

Textabbildung Bd. 296, S. 151

Die Maschine entwickelt eine nominelle Leistung von 700 und arbeitet mit voller Füllung, weshalb Compensationsvorrichtungen nicht angeordnet sind. Die Dampfcylinder haben 760 bezieh. 1520, die Plunger der Pumpen 812 mm Durchmesser; der gemeinschaftliche Kolbenhub beträgt 1520 mm. Der Durchmesser der Saug- und Druckrohre beträgt 760, derjenige des Dampfzuleitungsrohres 150 mm. Die Condensationsmaschine hat einen Dampfcylinder von 356 und einen Luftpumpencylinder von 432 mm Durchmesser; der Kolbenhub beträgt 381 mm. Die Condensation erfolgt bei derartigen unabhängigen Condensationsmaschinen (System Worthington) in der Neuzeit nach |152| Industries vom 14. Juni 1889 in einem auf dem Luftpumpencylinder in der in Fig. 55 ersichtlichen Weise befestigten Rohre F. Das zur Condensation nöthige Wasser tritt durch den Stutzen B ein und strömt durch die Oeffnung am unteren Ende des Rohres C in den Condensator aus, um den durch A eintretenden Dampf niederzuschlagen. Die Menge des Einspritzwassers lässt sich durch den Konus D mit Hilfe einer Spindel und des Handrades E regeln.

Mehrere Maschinen dieser Bauart sind in amerikanischen Wasserwerken und Bergwerken im Betrieb, so in dem Wasserwerk der Artesian Water Co. in Memphis, Tenn., drei derartige Maschinen mit einer Leistung von je 37715 cbm in 24 Stunden.

Diese Maschinen veranschaulicht die dem American Machinist vom 15. August 1889 entnommene Abbildung (Fig. 56).

Wie auch Engineering vom 12. Februar 1892, S. 194, berichtet, besteht wieder jede Maschine aus zwei Satz Cylindern und Pumpen wie vordem. Die Hochdruckcylinder haben 762, die Niederdruckcylinder 1524 mm Bohrung für 1220 mm Kolbenhub. Die Plunger haben 685 mm Durchmesser. Zur Dampfvertheilung dienen Corliss-Schieber mit darüber liegenden Expansionsschiebern für eine festgesetzte Füllung.

Textabbildung Bd. 296, S. 152

Die Compensationscylinder, deren Plunger mit den Kolbenstangen direct verbunden, sind auf der Abbildung erkennbar. Zur Ausgleichung der Gewichte der bewegten Massen sind auch hier unter den Compensationscylindern innerhalb der Rahmen Cylinder angebracht, in welchem sich je ein Plunger der durchtretenden Kolbenstange, die an jedem Ende nach aussen durch Stopfbüchsen abgedichtet ist, führt. Unter dem Kolben steht Wasser, welches beim Abwärtshub der Kolbenstange durch ein Rohr aus dem Cylinder in einen Luftdruckbehälter entweicht und aus diesem beim Aufwärtshube der Kolbenstange in den Cylinder zurücktritt, um das Gewicht der hin und her bewegten Theile aufzunehmen. Falls durch Undichtheiten die Spannung im Luftdruckbehälter abnimmt, kann dieselbe durch einen Hilfscompressor wieder auf den normalen Betrag gebracht werden.

Eine Maschine dieser Type, welche beim Bau des St. Clair-Tunnels der Grand Trunk Railway in Canada benutzt wurde, hat von der Fundamentplatte bis zum Scheitel eine Höhe von ungefähr 64 m.

Die grösste direct wirkende Pumpmaschine vorliegender Construction befindet sich in Nashville, Tenn. Die Dampfcylinder haben 1016 und 2032, die Pumpenplunger 673 mm Durchmesser; der gemeinschaftliche Hub beträgt 1524 mm. Die Maschine fördert 37715 cbm Wasser auf eine Höhe von ungefähr 120 m.

Die zweite in Chicago ausgestellte stehende Maschine war eine Dreifach-Expansionspumpmaschine mit vier Cylindern und zwar zwei Hochdruckcylindern von je 381 und einem Mitteldruck- bezieh. Niederdruckcylinder von 839 bezieh. 1454 mm Durchmesser; die Kolbenstange eines jeden Dampfcylinders ist mit dem Plungerkolben der darunter stehenden Pumpe von 560 mm Cylinderdurchmesser und 965 mm Hub verbunden.

Ein wagerechter Balancier verbindet, wie die dem Le Génie civil vom 15. April 1893, S. 378, entnommene Abbildung (Fig. 57) erkennen lässt, die Stange des einen Hochdruckkolbens mit derjenigen des Mitteldruckkolbens und ein anderer Balancier die Stange des anderen Hochdruckkolbens mit der Stange des Niederdruckkolbens derart, dass alle Kolben sich paarweise zugleich, aber im entgegengesetzten Sinne bewegen. Die Steuerung der Dampfvertheilungsorgane der einen Maschinengruppe erfolgt in der den Worthington-Maschinen charakteristischen Weise durch den Steuerungsmechanismus der anderen Gruppe.

Die Wassermenge der Maschine beträgt 30000 cbm in 24 Stunden bei einer mittleren Kolbengeschwindigkeit von 0,69 m in der Secunde; in diesem Falle entwickelt die Maschine 330 e. Der Abdampf der Maschine entweicht in eine von ihr unabhängige Condensationsdampfmaschine mit einem Dampfcylinder von 305 und einem Luftpumpencylinder von 356 mm Durchmesser bei 253 mm gemeinsamem Kolbenhub. Die Saugrohre der Pumpe haben 610, die Druckrohre 507 und die Dampfzuleitungsrohre 100 mm Durchmesser. Die Aufstellung des Maschinenständers ist eine andere als bei der erstgenannten Maschine, indem die auf je einem besonderen Sockel befestigten Pumpen die durch Querstücke gegenseitig versteiften Ständer für den zugehörigen Dampfcylinder tragen. Zur Dampfvertheilung dienen wieder Corliss-Hähne.

Zwischen den beiden Hochdruck- und dem Mitteldruckcylinder, sowie zwischen letzterem und dem Niederdruckcylinder |153| befindet sich je ein mit Röhren versehener Zwischenbehälter, welcher mit frischem Dampf geheizt ist.

Die Maximaldruckhöhe der in Chicago ausgestellten Pumpen wird zu 70 m angegeben.

Unter den von der Worthington Co. in Chicago ausgestellten liegenden Pumpen ist eine grössere Duplex-Verbunddampfpumpe mit Condensation derselben Construction, wie in Fig. 54 ersichtlich, bemerkenswerth, ferner eine von dieser abweichende schnell laufende Dreifach-Expansionspumpmaschine mit sechs Cylindern.

Textabbildung Bd. 296, S. 153

Die erstgenannte liegende Pumpe hat zwei Hochdruckcylinder von je 635 und zwei Niederdruckcylinder von je 1270 mm Bohrung. Hoch- und Niederdruckcylinder jeder Maschinenseite sind wie gewöhnlich hinter einander liegend angeordnet; ihre Kolbenstangen bethätigen zwei doppelt wirkende Plungerkolben von je 700 mm Durchmesser. Der gemeinschaftliche Hub beträgt 965 mm. Die Maschine ist, um mit Expansion arbeiten zu können, ohne dass darunter die Gleichförmigkeit der Bewegung leidet, mit der oben beschriebenen Worthington'schen Compensationseinrichtung versehen. Zum Fortschaffen der Condensationsproducte dienen zwei unter den Hochdruckcylindern im Fundament liegende und von der Maschine durch einen senkrechten Balancier angetriebene wagerechte Luftpumpen von je 305 mm Durchmesser für 965 mm Kolbenhub. Die Pumpe leistet mit 500 effectiven 45300 cbm Wasser in 24 Stunden. Der Durchmesser der Saug- und Druckrohre beträgt 762, derjenige der Dampfzuleitungsrohre 127 mm.

Bei Versuchen, welche im Februar 1892 von G. H. Barrus und J. de Kinder mit einer genau gleichen Maschine der Wasserstation der Stadt Lowell (Mass.) angestellt wurden, betrug der Nutzeffect 63000 mk auf 1000 Wärmeeinheiten. Die vorgenannte zweite liegende Pumpmaschine arbeitet mit der verhältnissmässig grossen Kolbengeschwindigkeit von 1,83 m in der Secunde.

Die sechs Cylinder von bezieh. 242, 381 und 636 mm Durchmesser liegen zu je drei in Tandem hinter einander; ihre Kolbenstangen dienen zum directen Betreiben der Plungerkolben der Pumpen von je 280 mm Durchmesser. Der gemeinschaftliche Hub beträgt 1220 mm.

Zur Dampfvertheilung dienen Corliss-Hähne, welche variable Füllungen in beiden Hochdruckcylindern gestatten. Mittel- und Niederdruckcylinder sind von Dampfmänteln umgeben.

Zur Condensation dient eine unabhängige Maschine, deren zwei Luftpumpen von je 228 mm Durchmesser mittels einer einfach wirkenden Zwillingsmaschine von 305 mm Durchmesser der Dampfcylinder bei 253 mm Kolbenhub betrieben werden. Die Dampfzuleitungsrohre haben 102, die Saugrohre 610, die Druckrohre 508 mm Durchmesser. Die Leistung der Maschine für 19000 cbm Wasser in 24 Stunden beträgt 190 .

Zur Beschaffung von Trinkwasser auf dem Ausstellungsplatze diente eine in der 68. Strassen-Wasserstation in Chicago aufgestellte liegende Worthington-Pumpmaschine derselben Construction wie die erstgenannte liegende Tandem-Duplex-Dampfpumpe mit Condensation der Ausstellung, doch war die Leistung der Maschine eine höhere und betrug 57000 cbm in 24 Stunden. Die Dampfcylinder hatten 838 bezieh. 1676 mm, die Pumpenkolben 762 mm Durchmesser bei 1270 mm gemeinschaftlichem Kolbenhub.

Folgende Mittheilungen über Worthington-Pumpen, welche der Zeitschrift des Vereins deutscher Ingenieure, 1893 S. 607, entnommen sind, dürften noch am Platze sein:

Für Wasserwerkmaschinen fand die Worthington-Pumpe zuerst Anwendung in Savannah im J. 1854, 1856 in Cambridge, wo eine Maschine für 1360 cbm Leistung und 30 m Druckhöhe gebaut wurde. Der Hochdruckcylinder von 305 mm Bohrung war concentrisch im Niederdruckcylinder von 635 mm Bohrung angebracht, dieser also ringförmig ausgeführt. Von der Maschine wurde eine doppelt wirkende Wasserpumpe von 356 mm Durchmesser und 635 mm Hub angetrieben.

Die erste Duplex-Pumpmaschine wurde von Worthington 1863 in Charlestown, Mass., gebaut. Die Anordnung ist in Amerika für billige Anlagen, wo die Anlagekosten die erste Rolle spielen, mehr in Anwendung gekommen als irgend ein anderes Pumpensystem. In der ersten Zeit ihrer Entwickelung, in den 60er und 70er Jahren, kamen daneben überhaupt nur die Cornwall-Maschine und die wenigen grossen und im Wesentlichen schlechten Balanciermaschinen in Betracht. Ende der 1880er Jahre war die Worthington-Maschine bei mehr als 200 amerikanischen Wasserwerken in Verwendung.

Wichtig für die Entwickelung des Pumpenbaues war die Anwendung dieser Duplex-Maschinen für den Betrieb der Oelrohrleitungen; mehrere diesem Zwecke dienende Pumpen leisten bis zu 400 .

Neben Worthington haben in Nordamerika die Fabriken von G. F. Blake in Boston, L. J. Knowles in Worcester, Mass., und eine Anzahl kleinerer Fabriken das gleiche Feld bearbeitet und insbesondere die einfach wirkenden eincylindrigen Pumpen ausgeführt. Tausende solcher Pumpen werden fabrikmässig erzeugt und finden in allen Theilen der Union für untergeordnete Zwecke, wo Dampfersparniss keine Rolle spielt, Verwendung. Seit dem Erlöschen der Worthington'schen Patente auf Duplex-Pumpen bauen diese |154| beiden und alle anderen Pumpenfirmen auch überwiegend Zweicylindermaschinen. Die genannten beiden Fabriken sind seit mehreren Jahren zu einem gemeinschaftlichen Unternehmen vereinigt und neuestens soll dieses auch mit der Worthington Co. verschmolzen werden, so dass die Fabrikation dieser Pumpengattung, soweit sie von Bedeutung ist, nahezu monopolisirt ist.

(Fortsetzung folgt.)

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