Titel: Ueber Neuerungen im Mühlenwesen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1895, Band 296 (S. 159–163)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj296/ar296035

Ueber Neuerungen im Mühlenwesen.

Von Prof. Friedr. Kick.

(Fortsetzung des Berichtes 1891 280 97.)

Mit Abbildungen.

Die Neuerungen im Mühlenwesen, welche in den letzten drei Jahren zur Einführung gelangten, sind wohl zahlreich, aber nur zum kleinen Theile von grösserer Bedeutung, epochemachend ist keine.

Indem wir dieselben gruppenweise besprechen, beginnen wir naturgemäss mit der Getreidereinigung.

1) Von den Maschinen und Hilfsmitteln der Getreidereinigung.

Von den Reinigungs-, Putz- oder Schälmaschinen und deren Nebentheilen.

Bei der Getreideschäl- und -Putzmaschine von Louis Kolping in Buir, Rheinpreussen (D. R. P. Nr. 53520), rotiren durchlochte Eisenscheiben im zu reinigenden Getreide. Jede Scheibe arbeitet für sich in einer schmalen Abtheilung der Maschine, welche oben ihren Einlauf, unten ihren Auslauf hat. Regulirvorrichtungen für Ein- und Auslauf sind vorhanden. Das austretende Getreide passirt einen Ventilator. Da die Löcher der rotirenden Scheiben gross gewählt sind, so kann bei entsprechender Tourenzahl eine ausgiebige Reibung der Körner unter sich und an der Scheibe eintreten. Der Schälstaub wird aber die Spalte der Körner (Weizen, Roggen) füllen und durch die nachfolgende Wirkung des Windes sicher nicht genügend ausgeblasen.

Die „Getreidereinigungsmaschine mit eingeführten Luftströmungen“ von Wilson Ager in Bloomsburg, Columbia, Pennsylvanien (D. R. P. Nr. 54640), ist dem „Conus“ oder „Rubber“ ähnlich; die Trommel ist mit Bürsten besetzt und tangential zu derselben, aber „entgegengesetzt zur Drehungsrichtung“, wird Luft eingeblasen, welche eine „Kühlung der Reibflächen“ bewirken soll. Es gibt jedoch zahlreiche ähnliche Maschinen; bei welchen das Kühlen der Reibflächen durch viel einfachere, natürlichere Luftbewegung erzielt ist.

Textabbildung Bd. 296, S. 159

Die Schälmaschine von A. Hahn und H. Märker in Würzen, Sachsen (D. R. P. Nr. 55792), bewegt das Getreide von unten gegen oben; alle arbeitenden Theile bezieh. alle Wandungen der Maschine, mit welchen das Getreide vom Einlaufe bis zum Auslaufe in Berührung ist, desgleichen die zum Heben angewendeten Schrauben sind mit Reibblech |160| armirt oder aus solchem hergestellt. Das Getreide ist während seines Weges einem Luftstrome ausgesetzt, welcher die abgeriebenen Theile abführen soll.

Fig. 1 zeigt den Verticalschnitt dieser Maschine, Fig. 2 den Horizontalschnitt nach mn. E ist der Einlauf, A der Auslauf, welcher senkrecht versetzt werden kann. An der senkrechten Achse sitzt der Sauglüfter V, der Kegel K und der Cylinder C. Die Schrauben S1S2S3 bewirken den Hub des Getreides. S1 sitzt am Kegel K, S2S3 liegen seitlich von C (vgl. Fig. 2).

Diese Maschine wird sehr intensiv einwirken, solange die Reibflächen scharf sind, bedarf aber einer umständlichen Auswechselung derselben. Für die Abfuhr der abgeriebenen Schalentheilchen kann der Sauglüfter V deshalb nicht hinreichen, weil seine Tourenzahl gleich jener der Verticalachse ist, welche nicht hoch getrieben werden kann, soll das Getreide bei noch scharfem Reibblech nicht arg verletzt werden.

Textabbildung Bd. 296, S. 160

Die Reinigungsmaschine von Charles Arthur Lees in Christchurch und Stephen William Lester in Sydenham, Australien (D. R. P. Nr. 56588), unterscheidet sich von den gewöhnlichen kegelförmigen Bürstmaschinen, deren bekannte Form durch Fig. 3 gekennzeichnet ist, dadurch, dass der Bürsten- oder Reibkegel nicht nur kreist, sondern auch kleine senkrechte Bewegungen ausführt. Der Vortheil dieser Neuerung ist nicht wohl einzusehen, denn: findet die senkrechte Bewegung sehr langsam statt, dann arbeitet die Maschine mit veränderlichem Abstand des Kegels vom Reibblechmantel und die Wirkung wird lediglich darin bestehen, dass dieselbe periodisch ungleich ausfällt; ist die senkrechte Bewegung sehr rasch, so dass sie eine einflussreiche Geschwindigkeitscomponente zur Rotationsgeschwindigkeit liefert, dann wäre ein bedeutender Arbeitsaufwand hierfür nöthig, welcher nicht im Verhältnisse zur Wirkung stehen kann; findet jedoch die senkrechte Bewegung bei kleinem Hube mit mittlerer, massiger Geschwindigkeit statt, dann wird die Getreideschicht zwischen Kegel und Mantel zeitweise stärker, zeitweise schwächer bearbeitet; dabei dürfte wohl bei Anwendung von Bürsten eine grössere Abnutzung derselben, bei Anwendung von Reibblech sowohl am Kegel als am Mantel, ein ungleichmassiger Angriff der Körner und viel Bruch erfolgen. Was sonst als wichtig betrachtet wird, die genaue Höhenstellung des Kegels für die vortheilhafteste Arbeit einstellen zu können, ist hier absichtlich verworfen.

Textabbildung Bd. 296, S. 160

Wenzel Peroutka in Kladno (D. R. P. Nr. 72137) lässt mehrere feilen artig aufgehauene Walzen w und sogen. Raspelbleche b auf das im Sinne der Pfeile der Fig. 4 bewegte Getreide einwirken. Abgesehen davon, dass bei dieser Anordnung nicht für Staubabfuhr durch Ventilation gesorgt ist, bedarf es der sorgfältigsten Einstellung und Erhaltung der Schärfe der arbeitenden Theile, wenn ein halbwegs gleichmassiges Ergebniss erlangt werden soll.

A. Ehresmann und H. Ehresmann aus Kaiserslautern (D. R. P. Nr. 73035) lagern die Schältrommel excentrisch zur Innenfläche des Mantels. Bei wagerechter Achse hat diese neue Anordnung einige Berechtigung, denn die arbeitenden Flächen von Trommel und Mantel sind gerade an jener Seite einander näher gerückt, wo der Hub des Schälgutes erfolgt, wie dies die Fig. 5 erkennen lässt. Diese Anordnung aber auch auf senkrechte Disposition auszudehnen, wie Ehresmann dies thut, ist fehlerhaft.

Heinrich Führmeyer in Breslau hat mit D. R. P. Nr. 62248 eine Anordnung von Bürstenkörpern patentirt, deren einzelne Bürstenbündel zur Arbeitsfläche des Gegenkörpers derartig verschiedene Schrägstellungen haben, dass dieselben den über die Bürstenoberfläche hingleitenden Arbeitsproducten an verschiedenen Stellen verschieden grosse Widerstände entgegensetzen. Dieser Erfindungsgedanke erregt das Bedenken, dass auch die Abnutzung der Bürsten in seinen verschieden gestellten Bündeln eine verschiedene sein muss. Daher die sonst übliche Nachstellung, welche bei gleichmassiger Abnutzung wieder zu guter Wirkung führt, hier kaum mit Erfolg angewendet werden kann.

Textabbildung Bd. 296, S. 160

Unter der Bezeichnung: „Maschine zum Schälen von genässtem Getreide mittels umlaufender Schmirgelscheiben“ haben sich Hugh James Sanderson und Alexander Henry Reed in London eine Maschine patentiren lassen (D. R. P. Nr. 55786), bei welcher Schmirgelscheiben in einer langsam kreisenden Trommel mit massiger Geschwindigkeit rotiren und hierbei auf eine Post Getreide einwirken, welche selbsthätig entfernt und durch eine neue Post ersetzt wird. Die Einwirkungszeit lässt sich nach Bedarf durch Wechselräder reguliren.

Die Patentbeschreibung ist nach amerikanischem Muster, in mehreren Patentansprüchen ausklingend, gehalten, die Patentzeichnung ist durch Hunderte von Buchstaben belebt und der Text erfreut sich der absonderlichsten Wendungen, so ist z.B. im Anspruch 1) von „der langsam kreisenden, die Schmirgelscheiben bewegenden Trommel D die Rede, während diese Trommel auf die Bewegung der Schmirgelscheiben gar keinen Einfluss übt, das Wort „bewegenden“ wahrscheinlich durch „umhüllenden“ zu ersetzen wäre. Die Schälmaschinen mit postenweiser Arbeit sind als Graupengänge bekannt, arbeiten aber gewöhnlich mit einem Stein grösseren Durchmessers. Die Anwendung von Schmirgelscheiben zu postenweiser Arbeit ist neu.

Zu den Maschinen, welche postenweise reinigen oder schälen, gehören auch die Maschinen von Anton Wimmer in Scheibbs, Niederösterreich (D. R. P. Nr. 63429), und Feodor Pötzsch in Ostrau i. S. (D. R. P. Nr. 67315). Bei Wimmer ist die Steinachse senkrecht, bei Pötzsch wagerecht disponirt; das Neue bezieht sich nicht auf die arbeitenden Theile, sondern auf die Bewegung der Organe für den Getreide-Ein- und -Auslauf.

Die neueste Schälmaschine von Anton Wimmer in Scheibbs ist durch Fig. 6 im Wesentlichen gekennzeichnet. Diese Maschine arbeitet continuirlich mit den Schmirgelscheiben S1S2, d. i. mit zwei, mit Schmirgel durch Wasserglaskitt bekleideten gusseisernen Scheiben oder Trommeln. Die Achse a ist in Fusslager f und Halslager h gelagert. E ist der Getreideeinlauf, s sind Siebe, in dem Gusseisenmantel eingesetzt. Der Getreideeinlauf befindet sich thatsächlich nicht in derselben Ebene mit den Ventilationsrohren rr, wie |161| dies die Fig. 6 darstellt, sondern ist gegen vorn gesetzt; hingegen sind die Ventilationsrohre rr beiderseits angebracht und führen zu einem oberhalb angebrachten Staubfänger mit Filterschläuchen. Nach oben bildet der Deckel d den Abschluss. Die kräftige Ventilation führt alle abgetrennten Kleietheilchen weg.

Textabbildung Bd. 296, S. 161

Bei einmaligem Durchgang wird der Weizen gut geputzt, bei mehrmaligem Durchgang (bis viermal) findet ein sanftes, gutes Schälen statt, soweit dies der Bau des Getreidekornes gestattet, und die so geschälte Frucht liefert wesentlich grössere Griesausbeute. Der Kraftverbrauch ist angeblich sehr gering.

Textabbildung Bd. 296, S. 161

Eine zwar stetig wirkende Schälmaschine, aber bestimmt, Reis, Gerste, Erbsen u. dgl. zu schälen, wie dies gewöhnlich Aufgabe der postenweise arbeitenden Maschinen ist, hat August Kühnemann und Jos. Winter in Aschersleben (D. R. P. Nr. 70681) patentirt. Die Anordnung ist originell und dürfte insbesondere für das Erbsenschälen Vortheile bieten, wenn auch auf Kosten der Einfachheit. Fig. 7 stellt einen Querschnitt durch diese Maschine dar, aus welchem die Hauptanordnung ersichtlich ist. Trommeln T aus Stein oder Kunststein, z.B. deren vier, rotiren in dem durch die Pfeile angegebenen Sinne. Zwischen diesen Trommeln liegt ein festgestelltes Prisma P aus gelochtem Blech, welches mit einem Ventilator in Verbindung steht. Das Schälgut gelangt durch ein Einlaufrohr an das eine Ende des Raumes zwischen Walzen und Blechprisma und wird durch die Wirkung der Walzen um das Blechprisma herumgeführt. Der allmähliche Vorschub bezieh. die Weiterbewegung des Schälgutes in der Richtung der Achsen erfolgt nach der Patentbeschreibung durch Einwirkung eines Schiebers, welcher, unter der Mündung des Einlaufrohres angebracht, durch seine hin und her gehende Bewegung ein Vorschieben der Schälgutkörnchen bewirken soll. Der Raum zwischen Prisma und Trommeln ist nach aussen zu durch stellbare Abschlusstücke a begrenzt, natürlich auch sowohl an der Einlauf- wie Auslaufseite entsprechend abgeschlossen.

Eine Netzvorrichtung mit selbsthätiger Einstellung der Spritzöffnung von Stephan Steinmetz in Leipzig-Gohlis (D. R. P. Nr. 60839) bezweckt, „die abfliessende Wassermenge entsprechend der vor der Spritzöffnung vorbeifallenden Getreidemenge“ zu regeln. Dieser Zweck ist dadurch erreicht, dass die Achse der Gossenklappe durch ein Hebelwerk mit dem Kegelventil der Spritzöffnung so in Verbindung steht, dass bei weiterer Oeffnung der Klappe bezieh. mächtigerem Getreidestrom auch das Ventil weiter geöffnet ist.

Zum Schlusse sei noch bemerkt, dass Odeon Horace Titus in Wilmington, Nordamerika (D. R. P. Nr. 73277), eine gerippte Schälwalze dadurch bildet, dass er Winkeleisen auf gerippte Scheiben, welche mit der Achse verkeilt sind, aufschraubt; während Rudolf Müller in Kiew (D. R. P. Nr. 70817) statt der Raspelbleche Stahldrahtgewebe herstellt, deren Schuss aus gleichseitig dreieckigem Draht besteht.

2) Zerkleinerungsmaschinen.

Weizenschneidmaschinen, Walzenstühle, Mahlgänge, Speisevorrichtungen.

Getreidequerschneidmaschine. Unter der unrichtigen Benennung „Getreidespaltmaschine“ haben A. Kühnemann und Joseph Winter in Aschersleben (D. R. P. Nr. 61939) eine Getreideschneidmaschine patentirt, welche für die Erzeugung der sogen. Perlgraupen vorarbeiten, d.h. die Gerstenkörner in zwei oder mehrere kürzere Stücke theilen soll.

Das Princip der Maschine ist folgendes: Das Getreide (Gerste o. dgl.) wird durch ein Zuführungsrohr centrisch auf eine mit etwa 200 minutlichen Umdrehungen laufende Scheibe gebracht. Diese Scheibe besitzt auf der oberen Fläche gegen den Aussenrand radiale Rillen, welche so bemessen sind, dass sich die Körner nur in ihrer Längsrichtung einlegen können. Damit die Bewegung der Körner nur längs der Rillen erfolgen kann, verhindert ein fixer, darüber befindlicher Bürstenring das Ausfliegen über die Rillenseitenwände.

Indem nun die Körner gezwungen sind, in den radialen Rillen sich nach auswärts zu schieben, werden sie schliesslich mit einem Theile ihrer Länge noch in der Rille liegen, mit dem restlichen Theile aber über die Scheibe vorragen, um endlich auszufliegen. Bevor das Ausfliegen der ganzen Körner erfolgen kann, stossen sie an Messer, welche das Querschneiden bewirken.

Textabbildung Bd. 296, S. 161

Die Messer sind in einen die Scheibe umschliessenden Ring eingesetzt und durch einen Deckring gehalten. Ihr Abstand von der rotirenden Scheibe lässt sich nach der beabsichtigten Grösse der Theilstücke verändern.

Eine Weizenspaltmaschine, mit Walzen arbeitend, bestimmt, der Länge der Falte oder des Einschnittes nach zu spalten, stammt aus der Maschinenfabrik von Ferdinand Kraus in Neuss a. Rh. (D. R. P. Nr. 60148). Fig. 8 zeigt die Anordnung. A und B sind geriffelte Hartgusswalzen, |162| C und D sind Walzen aus elastischem Material (Kautschuk, Tuch o. dgl.), bestimmt, die Körner in die Riffel zu streifen, so dass sie der Länge nach in denselben liegen und darüber etwas vorragen; die rascher bewegte Walze A kann sie spalten (der Länge nach theilen).

Die interessanteste Neuerung in der Gruppe der Zerkleinerungsmaschinen für Müllereizwecke ist der Walzenstuhl mit nachgiebig mit einander verbundenen Lagerarmen von Jos. Lewis Willford in Minneapolis, Minnesota (D. R. P. Nr. 55463). Der Erfinder bezweckt mit seiner Neuerung eine genauere Einstellung der Walzen, unter Beseitigung jener Ungenauigkeiten der Einstellung, welche von dem Spiele in den Achsenlagern der die beweglich gelagerte Walze tragenden Hebel herrühren.

Textabbildung Bd. 296, S. 162

Der Erfinder bezeichnet das erwähnte Spiel in den Hebelachsenlagern als „verlorene Bewegung“, eine etwas sonderbare, irreführende Benennung.

Aus Fig. 9 bis 12 ist zu ersehen, dass die Walzen I II in den Armen A1 und A2 ruhen, welche mit einander durch eine federnde, kräftige Schiene s verbunden sind. Dieselbe Anordnung ist natürlich auch auf der Rückseite zu denken, so dass I und II je in zwei Armen A1A1 und A2A2 ruhen. Diese Arme sind in verschiedener Weise gestützt. Der Arm A1 liegt mit einer kurzen Rippe in entsprechender Nuth der Stütze a und unten mit der Schiene s auf dem Blocke b; der Arm A2 ruht gleichfalls mit s auf dem Blocke b, liegt aber andererseits oben mittels eines verstellbaren cylindrischen Stückes c an dem Excenter e an (Fig. 10).

Beide durch die Federschiene s verbundenen Arme sind durch s und die Schraube x mit dem Blocke b verbunden und zugleich der Wirkung der Feder F ausgesetzt, durch welche die Arme gegen ihre Stützen a, b und e gedrückt werden.

Bei dieser Stützung ist die Walze II, bezieh. ihre beiden Arme A2, als festgestellt (unbeweglich) zu betrachten; während die Walze I und ihre Arme A1 insofern beweglich ist bezieh. sind, als bei einem sehr bedeutenden Walzendrucke A1 sich um die Stütze a etwas drehen kann, bei welcher Drehung das untere Ende von A1 aufsteigt, hierbei den Federdruck von s und F überwindend.

Zum Zwecke des Wagerechtstellens der Walzen ist der Block b mittels Schrauben, welche an dem Fortsatze des Gestelles g ihre Stütze finden, etwas verschiebbar. Um diese Verschiebbarkeit zu ermöglichen, passirt die Schraube x in g ein Langloch, wie dies auch in Fig. 9 angedeutet ist.

Wird der Block b gegen links geschoben, so muss A1 an a aufsteigen, zugleich A2 an e etwas sinken, hierdurch steigt Walze I und sinkt II, und zwar auf der vorderen Seite des Walzenstuhles. Durch Verschieben des auf der Rückseite des Walzenstuhles befindlichen gleichen Blockes gegen rechts sinkt Walze I und steigt Walze II auf der Rückseite. Durch entsprechende Verschiebung der Blöcke b auf beiden Maschinenseiten ist daher Wagerechtstellung leicht möglich.

Durch Drehung der Achse des Excenters e werden Arm A2 und Walze II gegen Walze I genähert oder entfernt, je nach der Drehungsrichtung. Aber auch durch Drehen des Handrades B kann auf die Stellung der Walzen eingewirkt werden, denn die frei durch den Kopf des Armes A1 gehende Stange Z trägt am Ende ein Gewinde, mit welchem sie sich in ein Muttergewinde des Kopfes von A2 einschraubt und hierbei das Stück c verstellt, wie dies durch Fig. 10 noch deutlicher wird. Die beigegebenen Detailfiguren (Fig. 10 bis 12), deren Theile mit denselben Buchstaben bezeichnet sind, welche früher für die gleichen Theile benutzt wurden, dürften das Verständniss erleichtern, wenn sie auch gleich den Zeichnungen der Patentbeschreibung einiges zu wünschen übrig lassen.

Es lässt sich nicht verkennen, dass die vorliegende Erfindung Vortheile bietet. Als ein constructiver Uebelstand muss jedoch hervorgehoben werden, dass die Federschiene s durchlocht ist, um der Schraube x den Durchgang zu gestatten. Es brechen Federn erfahrungsgemäss an solchen Stellen sehr leicht, und wäre daher eine solche Gestaltsänderung der Schraube x angezeigt, dass sie die Federschiene beiderseits umgreift, statt durchdringt.

Das in Fig. 10 gezeichnete Excenter e ist ein Doppelexcenter, da der Walzenstuhl als zweipaariger gedacht ist.

Textabbildung Bd. 296, S. 162

Walzenstuhl mit Ventilation. Jacob Häffner in Hof i. B. (D. R. P. Nr. 69526) setzt in das Innere des Walzenstuhles ein mit Filtertuch F überspanntes Gerippe G (Fig. 13 und 14), welches in langsame Drehung versetzt wird. In das Filtergerippe G sind zwei festliegende Rohre RR1 gelegt, in welchen die mit Lüftungsschrauben armirte Achse A kreist. Bei x befindet sich ein Abklopfer. Der Patentanspruch betrifft die symmetrisch zur Mittelachse angeordneten Lüftungsschrauben.

Joh. Gottlieb Zeidler in Görlitz patentirte unter D. R. P. Nr. 73265 Mahlscheiben mit aus Schneidschienen hergestellter Mahlbahn. Die Schneidschienen sind aus Stahlblech, hochkantig |163| neben einander in den Mahlkranz der oberen und unteren Scheibe eingesetzt, und zwar Schiene an Schiene. Dieselben sind verschieden hoch, so dass die Mahlbahn Stufen aufweist, deren rechtwinkelige Kanten schneidend auf das Mahlgut wirken. Entsprechende Krümmung der Schienen befördert das Ausstreifen des Mahlgutes.

Speisevorrichtungen. Die vorliegenden, Speisevorrichtungen betreffenden Patente sind zwar mit Rücksicht auf Bekanntes von keinem besonderen Belang, aber immerhin erwähnenswerth.

Textabbildung Bd. 296, S. 163

K. J. Neuenfeld in Landsberg a. d. W. (D. R. P. Nr. 55794) hat sich die Aufgabe gestellt, für Windmühlen eine Speisevorrichtung zu construiren, welche bei plötzlichem bedeutendem Nachlassen des Windes die Speisung ganz einstellt. Er treibt zu diesem Zwecke die Speisewalze durch die Frictionsscheiben ff1 (Fig. 16) an, macht die Stellung der Frictionsscheibe f von einem Schwungkugelregler R abhängig und schrägt die Scheibe f1 so ab, dass, wenn bei sinkender Geschwindigkeit die Regulatorkugeln und dadurch f sinkt, keine Berührung zwischen f und f1 stattfindet, daher auch die an der Achse von f1 sitzende Speisewalze w ausser Wirkung tritt.

Textabbildung Bd. 296, S. 163

Die Firma Adolf Bühler, Maschinenfabrik in Uzwil, Schweiz (D. R. P. Nr. 64048), und Schmid und Weyermann in Barcelona (D. R. P. Nr. 67692) liessen sich Speisevorrichtungen patentiren, welche die Speisung erhöhen, wenn mehr Mahlgut in der Gosse sich befindet, dieselbe vermindern, wenn weniger Mahlgut vorhanden.

Textabbildung Bd. 296, S. 163

Innerhalb gewisser, bescheidener Grenzen mag eine solche Regelung ohne ungünstige Beeinflussung des Productes wohl möglich sein; für richtig geführte Hochmüllerei mit genügender Aufsicht halten wir sie weder für erforderlich, noch für empfehlenswerth; anders stellt sich die Sache allerdings bei der sogen. automatischen Müllerei, bei welcher die Aufsicht auf ein Minimum beschränkt ist und die Qualität der Producte gegen Quantität und Billigkeit mehr zurücktritt.

Bei der Speisevorrichtung von Bühler hängt ein Gefäss A (Fig. 17) an den kurzen Armen zweier Hebel H, getragen durch Gegengewichte G. Nimmt die Füllung zu, so sinkt A und die Mahlgutbewegung im Sinne des Pfeiles wächst. A erhält von der Excenterwelle e Schwingungen, welche den Auslauf des Mahlgutes veranlassen. Damit die Bewegung von A langsam erfolge, ist mit dem Hebel H eine Flüssigkeitsbremse B verbunden.

Bei der Construction von Schmid und Weyermann ist eine Klappe mit einem Gewichtshebel so verbunden, dass bei stärkerer Füllung diese Klappe etwas weiter von der schiefen Ebene eines Rüttelschuhes abgehoben wird, wodurch mehr Mahlgut austritt.

Bei der Speisevorrichtung von Friedr. Sperling in Berlin (D. R. P. Nr. 65636) stösst der Rüttelschuh mittels Federdruck gegen einen Zwei- oder Vielschlag. Die Feder, eine Schraubenfeder, ist auf einen Bolzen gesteckt, welcher, wenn zurückgeschoben, die Feder mit verschiebt, sie ausser Spannung setzt und zugleich den Rüttelschuh vom Vielschlag zurückdrückt, so dass ersterer keine Stösse mehr empfängt. Bei abgestellter Speisung ist daher die Feder ausser Spannung. Diese Abstellung erfolgt selbsthätig dadurch, dass, wenn kein Mahlgut die Gosse füllt, eine Klappe durch Wirkung eines Gewichtes sich in gehobener Lage befindet. Die Hebung der Klappe bezieh. die Drehung der Klappenachse vermittelt die Verschiebung des vorerwähnten, die Ausrückung des Schuhes bewirkenden Bolzens.

Um das Verlegen der Speisevorrichtung, welches bei blätterigem, feuchtem Mahlgute leicht eintritt, zu verhindern, führt Aug. Mebert und Bernh. Gerber in Augsburg (D. R. P. Nr. 69298) zwischen Speisewalze und Schuber einen „Räumer“ (ein abgebogenes Blechstreifchen) hin und her. Diese Hin- und Herbewegung des Räumers wird durch eine Schraube mit rechtem und linkem Gewinde (ähnlich der Bewegung von Schleifscheiben bei den Krempelschleifvorrichtungen) erzielt.

Zum Schlusse dieses Theiles sei auf eine grössere, sehr sachgemässe Abhandlung über Eigenschaften der Walzenstühle hingewiesen, welche Ingenieur A. Roeder1) in der Zeitschrift Der Müller, Berlin, 1893 Nr. 14 bis 20, veröffentlichte und in welcher er insbesondere über Walzenstellung, Speisung, Abstellung und Ausrückung sehr beachtenswerthe Mittheilungen macht.

(Schluss folgt.)

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Ingenieur der Firma Gebr. Böhmer in Magdeburg.

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