Titel: Neuere Pumpen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1895, Band 296 (S. 193–198)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj296/ar296043

Neuere Pumpen.

Von Fr. Freytag in Chemnitz.

(Fortsetzung des Berichtes S. 175 d. Bd.)

Mit Abbildungen.

Die neue Pumpwerksanlage der Stadt Regensburg wird mit Wasser- und Dampfkraft gemischt betrieben.

Die doppelt wirkenden, Fig. 63 und 64 ersichtlichen Pumpen sind nach dem Journal für Gasbeleuchtung und Wasserversorgung liegend angeordnet und nach System Girard mit Doppelplunger und gegen einander gekehrten Stopfbüchsen construirt.

Textabbildung Bd. 296, S. 193

Behufs Erreichung einer möglichst gleichförmigen Umfangskraft in den Antriebsorganen und einer wenig schwankenden Geschwindigkeit im Saugrohr hängte man derartige Pumpen an eine von zwei Jonval-Turbinen mittels Zahnrädervorgelege betriebene Welle mit unter rechtem Winkel versetzten Aussenkurbeln und brachte für beide Pumpen ein gemeinschaftliches Saugrohr an.

Das Förderquantum der Anlage war auf 8000 cbm in 24 Stunden mit einer Steigerungsfähigkeit bis auf 10000 cbm für den Nothfall festgesetzt. Man vertheilte diese Leistung auf die beiden getrennten Zwillingspumpwerke so, dass der gewöhnliche Tagesbedarf von 5000 cbm eventuell mit einem Pumpwerk gedeckt werden kann.

Die Pumpenkolben sind so dimensionirt, dass in jedem Cylinder pro Hub 15 l Wasser verdrängt werden, und fördert demnach jedes Pumpenpaar so viel Secundenliter, als es Umdrehungen in der Minute macht.

Die nothwendige grosse Saughöhe mit lufthaltigem Wasser erforderte leichte Saugventile, die variable Leistungsfähigkeit eine zulässige Steigerung in der minutlichen Hubzahl, so dass man sich zur Wahl von gesteuerten Ventilen (Patent Riedler) entschloss. Die Saugventile wurden in den Windkessel eingebaut, wodurch die zwischen Cylinder und Windkessel hängende Wassersäule, welche aus dem Vacuum angesaugt werden muss, eine möglichst geringe Höhe und Masse erhält, so dass ihre Beschleunigung ohne Gefahr des Losreissens der Wassersäule vom Pumpenkolben sicher erfolgen kann.

Im Saugwindkessel sind eigene Schwallwände eingesetzt die als Wellenbrecher für das in demselben im Tempo der Kolbenbewegung etwa hin und her schwankende Wasser dienen, damit auch bei plötzlicher Beschleunigung der Pumpenhubzahl der Wasserspiegel nicht unter die Saugstutzenunterkante sinken kann, was das Leersaugen und fortgesetzte Leerlaufen des betreffenden Cylinders zur Folge haben müsste.

Zur selbsthätigen Regulirung der Wassertiefe im Saugwindkessel sind an jedem Saugstutzen etwa 80 mm über dem unteren Rand derselben kleine Löcher eingebohrt, durch welche die aus dem Wasser frei werdende Luft in kleinen Mengen von den Pumpen abgesaugt und mit dem Wasser fortgeschafft wird.

Die Steuerung der in Ringtellerform ausgeführten Saug- und Druckventile, welche möglichst nahe an die Pumpenkolben gerückt wurden, erfolgt von Steuer wellen aus mittels Daumenscheiben, die derart geformt sind, dass die Ventilerhebungen in der zweiten Hälfte der Kolbenbewegung, der jeweiligen Kolbengeschwindigkeit entsprechend, allmählich derart verringert werden, dass die Durchflussgeschwindigkeit durch die Ventile bis zum Hubwechsel möglichst constant bleibt. Die Ventileröffnung bleibt eine vollständig ungezwungene und von der Steuerung unbehinderte.

Die Steuerhebel sind so gestellt, dass jedes Ventil mittels derselben bis zum Hubwechsel seinem Sitz bis auf etwa ⅓ mm genähert wird, damit es am Hubende stossfrei von selbst schliesst.

Die Steuerungsspindeln sind bei den Saugventilen direct durch die Ventilkastendeckel durchgeführt und mit unter Wasser liegenden Stopfbüchsen gegen Eintreten von Luft gesichert, die Druckventile werden dagegen durch innen liegende Daumen gesteuert, deren Achsen seitlich durch die Druckventilkästen herausragen, weil das Abdichten von Stopfbüchsen im Scheitel derselben ungemein sicher hätte sein müssen, um das Entweichen der gepressten Luft aus den Windhauben zu verhindern. Diese Stopfbüchsen haben als Liderung Howaldt'sche Metallpackungen. Der freie Hub der Ventile kann 35 mm betragen; er wird bei |194| 40 minutlichen Umdrehungen, entsprechend einer Kolbengeschwindigkeit von 0,8 m, auch thatsächlich erreicht.

Diese Einrichtungen ermöglichen es, die Pumpen mit etwa 60 Touren in der Minute bei einem Höhenunterschied von 7 m zwischen Saugwasserspiegel und Druckventilunterkante zu betreiben, ohne dass ein Abreissen der Saugwassersäule eintritt. Die Geschwindigkeit des Wassers in dem für vier Cylinder gemeinschaftlichen Saugrohr beträgt bei dieser Forderung erst 0,625 m und erfordert keine sehr merkliche Steigerung des Vacuums in den Saugwindkesseln. Bei den weiten Pumpencylindern, die durch die Gruppirung der Ventile bedingt waren, indem zwischen Kolben und Cylinderwandung genügend Raum für das vom Saugventil nach dem Druckventile strömende Wasser bleiben muss, kann mit der trockenen Pumpe keine solche Luftverdünnung erzeugt werden, dass ein selbsthätiges Aufsteigen der Saugwassersäule erfolgen würde, namentlich dann nicht, wenn die Wassersäule bis zum Reservoir auf den Druckventilen lastet, weil das angesaugte Luftquantum sich nicht bis auf 5 at comprimiren lässt, die Druckventile daher sich nicht öffnen; es sind deshalb Einrichtungen getroffen, um vom Wasserraum der Hauptwindkessel her sowohl das mit Fussventil versehene Saugrohr als auch die Saugwindkessel und Pumpencylinder mit Wasser anzufüllen und die Luft auszublasen.

Mit derart angefüllten Pumpen kann mit der Förderung sofort begonnen und zu hoher Hubzahl übergegangen werden, wenn in den Druckwindkesseln und Windhauben der Pumpen genügend comprimirte Luft vorhanden ist. Die Fussventile in den Saugrohren können künstlich offen gehalten werden, so dass dieselben während des Betriebes nicht mitspielen und deshalb auch keine Abnutzung erleiden.

Die Stopfbüchsen der Plunger- und Kolbenstangen sind mit Druckwasserverschlüssen versehen, womit dem Einsaugen von Aussenluft vorgebeugt wird; es lassen aber die Pumpen selbst ohne Anwendung dieser Einrichtung bei 6 m Saughöhe noch zu, dass die in den Windkesseln zu ersetzende Luft durch Einschnüffeln an den Cylindern beschafft wird, doch ist das Nachfüllen mit eigenen kleinen Luftcompressoren rationeller.

Die Pumpen wurden durch die Maschinenfabrik von L. A. Riedinger in Augsburg ausgeführt.

An das Ende der von den beiden Jonval-Turbinen betriebenen Haupttransmission, von welcher aus beide Zwillingspumpen mit Zahnrädern in Holz auf Eisenzähnen angetrieben werden, wurde noch der Dampfmaschinenantrieb gelegt, der durch einen breiten Lederriemen von einer 100pferdigen Woolf'schen Receivermaschine mit Ventilsteuerung der hinter einander liegenden Hoch- und Niederdruckcylinder dann vermittelt wird, wenn durch Heben des von der Donau beeinflussten Unter Wasserspiegels das Gefälle einen gewissen Betrag überschreitet.

Die getroffenen Einrichtungen ermöglichen, die Wasserkraft bis zu einem Gefälle von 300 mm noch auszunutzen, halbe Dampfkraft ist dann nur 15 Stunden lang für die Schicht nöthig.

Das Wasserwerk der Stadt Genf wird ausschliesslich durch Wasserkraft betrieben, welche von 20 in der das Stadtgebiet durchfliessenden Rhone liegenden Turbinen abgegeben wird. Jede Turbine entwickelt, wie Der praktische Maschinenconstructeur nach Mittheilungen in Portefeuille Economique des Machines bezieh. Nouvelles Annales de la Construction berichtet, 210 effective und treibt eine Gruppe von vier einfach wirkenden Druckpumpen. Zwei solche Gruppen heben das Wasser in ein Reservoir von 60 m, die übrigen in ein für die höher gelegenen Stadttheile dienendes Reservoir von 130 m Höhe, welches zugleich das erforderliche Druckwasser für in der Stadt gebrauchte Hilfsmaschinen liefert.

Textabbildung Bd. 296, S. 194

Fig. 65 und 66 veranschaulichen zwei einfach wirkende Kolbenpumpen, von denen jedesmal zwei mit ihren Längsachsen einen Winkel von 90° einschliessende Pumpen zu einer Gruppe für die niedrigere Pressung gehören, wobei noch zu bemerken ist, dass diejenigen für die höhere Pressung im Wesentlichen mit ihnen übereinstimmen und sich nur in den Abmessungen unterscheiden.

Die beiden Pumpen besitzen einen gemeinschaftlichen hohlen Taucherkolben, welcher an den Enden spitz zuläuft und so bemessen ist, dass er im Wasser mehr oder weniger schwimmt; derselbe wird durch die einander zugekehrten grossen Stopfbüchsen jeder Pumpe ohne starke Abnutzung derselben geführt und durch eine Stange mit dem Querhaupte verbunden, um unter dessen Vermittelung von der Kurbel am oberen Ende der Turbinenwelle mittels Pleuelstange bewegt zu werden. Die Pumpenkörper sind an den einander entgegengesetzten Enden so zugespitzt, dass ungeachtet der in Folge der Kurbelbewegung ungleichmässigen Kolbengeschwindigkeit das von den Kolben verdrängte Wasser mit ziemlich gleichförmiger Geschwindigkeit durch |195| die Druckventile in die Rohrleitung gelangt. Hierdurch ist es möglich, die Pumpen für höhere Pressung mit 40 Umdrehungen in der Minute von der Turbinenwelle aus zu betreiben, ohne dass Stösse auftreten. Jede Pumpe ist mit einem Saug- und einem Druckventil versehen, welche in ihrer Einrichtung mit einander übereinstimmen. Die Ventilsitze haben je nach ihrer Grösse vier oder fünf ringförmige Oeffnungen. Die in ähnlicher Weise geformten Ventile erhalten ihre Führung durch die vom Sitze in der Mitte hinaufreichende Säule und werden oben durch Federn niedergepresst, deren Spannung mittels Schraubenspindeln und Handräder geregelt wird.

Die Saugventile waren ursprünglich unter einander und mit dem Saugrohre durch ein Rohr von gleichem Durchmesser verbunden, doch traten Stösse ähnlich wie in hydraulischen Widdern auf, welche die Saugventile rasch abnutzten. Man setzte daher an die Stelle dieser Rohre ein weites Rohr und versah die Saugventile mit kurzen Rohrstücken, welche in dasselbe eintauchen (Fig. 65) und eine Art Windkessel im Rohre bilden. Seitdem arbeiten die Pumpen ohne Störungen von dieser Seite her.

Da die im Windkessel enthaltene Luft eine geringere Spannung als die äussere hat, kann man sie nach Belieben durch einen Hahn von aussen erneuern.

Die Druckventile stehen durch Rohrstücke mit einander und durch einen Krümmer mit einem der Gruppe zugehörigen Sammelgefäss hinter der Kurbel in Verbindung. Dasselbe besteht aus einem gegossenen Bodenstück und dem aus Blech hergestellten Windkessel mit gewölbter Decke. Das Bodenstück ist nach unten gewölbt, hier mit der Druckrohrleitung verbunden und ruht mittels eines weit vorspringenden, flanschenförmigen Sockels, der durch sechs dicke Ankerbolzen gehörig gesichert ist, auf dem Boden. Das Sammelgefäss ist unten mit einem Sicherheitsventil versehen, welches das Wasser dann ausströmen lässt, wenn die Pumpen in Gang gesetzt werden und der Schieber im Druckrohr noch nicht geöffnet ist.

Die Abmessungen bezieh. Leistungen der Pumpen sind hierunter angegeben:

Pumpe für die
niedrigere
Pressung
höhere Pressung
Grosses
Modell
Kleines
Modell
Durchmesser des Pumpen-
körpers in der Mitte

750

600

450

mm
Kolbendurchmesser 430 330 260 mm
Kolbenhub 1100 1100 1100 mm
Wasserlieferung bei 26 Um-
drehungen der Turbine in
der Minute und 95 Proc.
Wirkungsgrad



15,314



8,860



5,335



cbm
Wassergeschwindigkeit im
Pumpenkörper bei 26 Um-
drehungen in der Minute


0,732


0,648


0,749


m
Mittlere Kolbengesehwindig-
keit (26 Umdrehungen)

0,953

0,953

0,953

m
Durchmesser des Sammel-
gefässes

1200

1122

1000

mm
Höhe desselben über Fuss-
boden

8400

7385

6600

mm

Ausser den jeder Gruppe zugehörigen Sammelgefässen, welche vorzüglich zur Erreichung einer gleichmässigen Wassergeschwindigkeit im Druckrohr und zur Ausgleichung der auf die Taucherkolben wirkenden Widerstände dienen, sind im Turbinenhause noch vier Sammler für das Hauptrohr nach dem höheren Reservoir aufgestellt. Es sind dies stehende Blechcylinder von 1500 mm Durchmesser und 12 m Höhe mit gewölbten Böden, in denen die Luft der Windkessel durch einen zweicylindrigen Luftcompressor erneuert wird; in dem einen Cylinder des letzteren wird die Luft auf 6 at, in dem anderen auf 15 at zusammengedrückt. (Siehe auch „Die Ausnutzung der Wasserkräfte der Rhone durch die Stadt Genf“ in der Zeitschrift des Vereins deutscher Ingenieure, 1892.)

Eine von Hayward Tyler and Co. in London construirte doppelt wirkende Plungerpumpe mit selbsthätigen Ventilen, welche durch ein Zahnrädervorgelege betrieben wird, beschreiben Revue industrielle vom 21. Mai 1892 bezieh. The Engineer vom 8. Januar 1892.

Die Hauptabmessungen der Pumpe sind folgende:

Durchmesser der Plungerkolben 380 mm
Kolbenhub 915 mm
Durchmesser des auf der Kurbelwelle befestigten
zweitheiligen Zahnrades

3

m
Durchmesser des Getriebes 0,60 m
Anzahl der minutlichen Umdrehungen 12,5
Leistung der Pumpe in der Stunde 145400 l
Förderhöhe 122 m
Durchmesser der Saugrohre 200 mm
„ „ Druckrohre 225 mm

Die Kolben sind aus Gusseisen, die auf dem gemeinschaftlichen Saug- und Druckrohr sitzenden Windkessel aus Stahl, die doppelsitzigen Ventile, deren Construction Fig. 67 erkennen lässt, aus Bronze gefertigt.

Textabbildung Bd. 296, S. 195

Eine ähnliche Pumpe von derselben Firma für sandiges Wasser, aus zwei doppelt wirkenden Plungerpumpen bestehend, welche durch je ein ausrückbares Zahnrädervorgelege unabhängig von einander betrieben werden, veranschaulicht The Engineer vom 9. März 1894 S. 205.

Die Stopfbüchsen sind mit einem Futter aus Kanonenmetall versehen. Die Ventile bilden Lederklappen.

Jede Pumpe kann stündlich ungefähr 70 cbm Wasser auf 30 m Höhe fördern.

The Engineer vom 30. December 1892 bringt Abbildungen und Beschreibung der neuen Wasserwerksanlage von Long Eaton (England). Dieselbe besteht aus zwei von Messrs. Tangyes in Birmingham gelieferten wagerechten Tandem-Verbundmaschinen mit Oberflächencondensation, deren Hoch- und Niederdruckcylinder 267 bezieh. 508 mm Durchmesser für 812 mm Kolbenhub haben. Jede Maschine treibt mittels Zahnrädervorgelege ein Paar Brunnenpumpen stehender Anordnung mit Plungerkolben von 356 mm Durchmesser, welche das Wasser in ausserhalb des Maschinenhauses aufgestellte Behälter fördern, von wo es durch zwei liegende doppelt wirkende Druckpumpen von je 254 mm Kolbendurchmesser dem ungefähr 8 km entfernt liegenden Hochdruckbehälter bei Castle Donington, der etwa 64 m über dem Marktplatze von Long Eaton liegt, zugeführt wird. Die Luftpumpen und Oberflächencondensatoren liegen vor den Dampfmaschinen; an den Kreuzköpfen der letzteren greifen die Kolbenstangen der Luftpumpen an. Je eine |196| Brunnen- und Druckpumpe werden von einer gemeinschaftlichen, aus Stahl gefertigten Kurbel betrieben.

Die Maschinen können stündlich 270 cbm Wasser liefern.

Der in zwei Stahlkesseln erzeugte Arbeitsdampf hat 7,8 at Spannung.

Zur Wasserversorgung der Stadt Uxbridge dienen zwei in einen Brunnen eingebaute doppelt wirkende Kolbenpumpen, welche nach The Engineer vom 12. Februar 1892 je von einem mittels Dowson-Gas gespeisten Gasmotor unabhängig von einander betrieben werden.

Der Brunnen hat eine Tiefe von 30,5 m, aus welcher das Wasser in ein ungefähr 2,4 km von ihm entfernt liegendes Reservoir, welches 33,5 m über den Pumpen liegt, gefördert wird.

Vertragsmässig sollten die Pumpen stündlich 45,5 cbm Wasser bei einem 12,7 k in der Stunde nicht überschreitenden Brennmaterial verbrauch inclusive der im Gaserzeuger verbrauchten Kohle und des zur Feuerung des kleinen Dampfkessels dienenden Koks liefern. Diese Menge an Brennmaterial sollte aber auch zur Förderung von 36 cbm Wasser zu gewissen Zeiten auf eine totale Höhe von 80 m ausreichen. Da der Brunnen, aus welchem das Wasser zu entnehmen war, nur einen Durchmesser von 1,524 m hatte, konnte, namentlich in Anbetracht, dass doppelte von einander unabhängige Pumpen aufgestellt werden sollten, die gewöhnliche langsam laufende Pumpe mit grossen Abmessungen keine Verwendung finden und es musste deshalb eine besondere Construction der Pumpen gewühlt werden, welche Aufgabe von der ausführenden Firma, der British Gas Engine and Engineering Co., in zufriedenstellender Weise gelöst wurde.

Wie Fig. 68 erkennen lässt, ist jede Gasmaschine mit einem über dem Brunnen liegenden Schwungrad versehen, welches einen Kurbelzapfen trägt, der sich in einem Schlitz der Nabenverlängerung behufs Aenderung der Länge des Hubes verschieben lässt. Der Hub der Pumpen kann so bis auf den Höchstbetrag von 457 mm gebracht werden. Die Pumpen haben 127 mm Durchmesser, sehr grosse und sorgfältig geführte Ventile mit darüber liegenden Schraubenfedern und sind in unmittelbarer Nähe der bezüglichen Ventilkästen mit je einem Saug- und Druckwindkessel versehen. Die Pumpenkolben tragen Ledermanschetten, welche in Büchsen aus Kanonenmetall in den Pumpenkörpern arbeiten.

Die Aufstellung der Pumpen in den Brunnen machte eine ungewöhnliche Anordnung der verschiedenen Rohranschlüsse und Durchgangskanäle nothwendig, so dass die Form des Pumpenkörpers etwas complicirt ausfallen musste.

Die Maschinen laufen mit einer durchschnittlichen Geschwindigkeit von 86 Umdrehungen in der Minute.

Zum Anlassen der Maschinen und der angehängten Pumpen mittels comprimirter Luft dient eine besondere kleine Gasmaschine, welche einen Atkinson'schen Luftcompressor betreibt. Um die Pumpen hierbei zu entlasten, wird gewöhnlich Luft in den Saug Windkessel gepumpt, was auch nothwendig ist, wenn das Wasser im Brunnen eine solche Höhe erreicht, dass die Pumpen in dasselbe eintauchen. Um letzteres zu verhüten, ist unmittelbar unter dem Niveau der Pumpen ein gusseisernes Schott in den Brunnen eingebaut.

Am 17. October 1891 von J. Tomlinson, dem Vorsitzenden der Institution of Mechanical Engineers in London, angestellte Versuche ergaben einen mechanischen Wirkungsgrad der Maschine von 64,59 Proc.

In dem Wasserwerke der Stadt Kidderminster (England) wurden nach The Engineer vom 24. August 1894 vor Kurzem die bisherigen, mittels Zahnrädervorgelege zum Betreiben dreier in einem Brunnen eingebauten Druckpumpen dienenden, ohne Condensation und mit Meyer'scher Expansionssteuerung arbeitenden beiden Dampfmaschinen von je 508 mm Cylinderdurchmesser für 1067 mm Kolbenhub durch zwei von der Firma Worth, Mackenzie and Co. erbaute liegende Verbunddampfmaschinen mit Oberflächencondensation von je 356 bezieh. 610 mm Cylinderdurchmesser für 610 mm Kolbenhub ersetzt. Die Maschinen sollen nach Erforderniss etwa 3,6 cbm Wasser in der Minute auf eine Höhe von 61 m fördern; den Dampf liefern die alten Kessel mit 4,2 at Arbeitsspannung, doch sollen die Maschinen in Dreifach-Expansionsmaschinen umgebaut werden, sobald nach dem Einbau neuer Kessel die anfängliche Dampfspannung erhöht wird. Die mit Dampfmantel umgebenen Cylinder sind mit Hartgussbüchsen ausgefüttert, von denen bei Umwandelung in eine Dreifach-Expansionsmaschine diejenige des Niederdruckcylinders auf einen lichten Durchmesser von ungefähr 559 mm verringert und ein neuer Hochdruckcylinder hinter den bisherigen liegend angeordnet wird.

Textabbildung Bd. 296, S. 196

Beide Cylinder sind, um gleiche Arbeitsleistungen auf jeder Maschinenseite zu erhalten und den Dampf möglichst vortheilhaft ausnutzen zu können, mit je einem während des Ganges der Maschine stellbaren Expansionsschieber und einem Zeigerwerk versehen, an welchem der jedesmalige Füllungsgrad abgelesen werden kann. Die Pumpen selbst bieten nichts Bemerkenswerthes.

Im Anschluss an die vorstehend beschriebenen Wasserwerksanlagen sollen noch einige Mittheilungen über Wasserdruckbetriebsanlagen bezieh. die in derartigen Anstalten zur Verwendung kommenden Pumpmaschinen folgen.

Bereits seit Jahrzehnten hat Wasser von hohem Druck zum Betreiben von Hebemaschinen in den Hafenstädten Englands und Belgiens eine ausgedehnte Verwendung gefunden und auch in Deutschland sind derartige Anlagen, z.B. in Geestemünde, Harburg, im städtischen Freihafengebiet zu Hamburg u.s.w., erfolgreich in Betrieb. Auch in Maschinen- und Brückenbauanstalten, beim Berg- und |197| Tunnelbau, sowie in grösseren Städten wird die Betriebskraft des gepressten Wassers immer mehr und mehr eingeführt, da sie sowohl bezüglich der Kosten als auch der Bequemlichkeit und Vielseitigkeit ihrer Handhabung alle Vortheile einer centralen Kraftversorgung bei einfachster Fortleitung von der Erzeugungsstelle an die verschiedenen Verbrauchsstellen bietet.

Die Wasserdruckbetriebsanlage in Birmingham besteht aus drei Satz liegender, dreifach gekuppelter hydraulischer Pumpen, welche von Gasmotoren betrieben werden. Die neben einander liegenden Pumpen arbeiten nach Engineering vom 12. Februar 1892 S. 196 unter einem Druck von ungefähr 52 k auf 1 qc und absorbiren hierbei Leistungen von 20, 35 und 50 ; sie haben je drei Plungerkolben aus hartem Kanonenmetall von 63,5 mm Durchmesser für 229 mm Hub des kleineren und 76 mm Durchmesser für 305 mm Hub des grösseren Modells. Die mit Kurbelscheiben an den beiden Enden und einer mittleren Kröpfung versehene Welle einer jeden Pumpe läuft mit 49 minutlichen Umdrehungen und wird mittels Zahnräder von einer Vorgelegswelle, diese mittels Riemen von der zugehörigen Gasmaschine aus betrieben. Die von Crossley Brothers and Co., Ltd., in Manchester gelieferten Otto-Gasmotoren haben nominelle Leistungen von bezüglich 12, 20 und 20 , können jedoch 25, 50 und 50 indicirte entwickeln. Jede Maschine erhält ihr Gas direct von der communalen Gasleitung in der Silver-street.

Die Pumpen saugen ihr Wasser aus einem Rohr von 152 mm lichtem Durchmesser, in welches Druckwasser aus der städtischen Leitung mit 2,8 oder 5,6 at Spannung fliesst, und fördern dasselbe mit ungefähr 52 at Spannung in zwei Hochdruckleitungen von je 152 mm lichtem Durchmesser, welche nach verschiedenen Richtungen durch die Stadt führen.

Die Hochdruckleitungen stehen mit zwei Accumulatoren in Verbindung, deren Plunger durch gusseiserne Gewichte so belastet sind, dass das Wasser einen gleichbleibenden Druck von 52 at erhält.

Seit etwa 11 Jahren haben in London die London Hydraulic Power Co. in Verbindung mit der General Hydraulic Power Co. die Herstellung und den Vertrieb von Druckwasser für Aufzüge und motorische Zwecke in Händen. Ueber 90 km Rohrleitungen liegen zur Zeit zwischen Kensington und den London Docks auf der Nordseite, sowie zwischen Westminster Bridge und den Surrey Docks auf der Südseite der Thames und bilden ein Rohrnetz, welches beinahe die ganze City, Westminster, Kensington, Wapping und Southwark durchdringt. Das Druckwasser wird den Leitungen durch Pumpmaschinen zugeführt, welche auf der Central Pumping Station, Falcon Wharf, Blackfriars, in der Millbankstreet, Westminster und in Wapping aufgestellt sind. Eine vierte Pumpstation ist im nördlichen Theil von London errichtet. Die Kraftbehälter bestehen aus mächtigen Accumulatoren, welche mit Druckwasser von etwa 56 at Spannung gefüllt sind, demnach dieselben Dienste verrichten, wie grosse Hochdruckbehälter, welche etwa 560 m über dem Strassenniveau aufgestellt sind.

Das Wasser wird der Thames oder einzelnen Brunnen entnommen und durch Filtration gereinigt, bevor es von den Pumpmaschinen der Druckwasserstationen in die Leitungen gelangt. Die in dem Druckwasser aufgespeicherte Kraft ist Tag und Nacht, auch Sonntags, mit einer Spannung von über 50 at verfügbar.

Im J. 1892 wurden nach The Engineer vom 20. Januar 1893 über 1750 Maschinen mit Druckwasser, deren Verbrauch sich auf ungefähr 30000 cbm in der Woche stellt, betrieben.

Von den genannten Stationen ist diejenige zu Wapping die bedeutendste und soll deren maschinelle Einrichtung etwas näher besprochen werden. Das Wasser, im Betrage von ungefähr 150 cbm in der Stunde, wird bei dieser Station einem Brunnen, in welchen noch ein nach dem London Dock führendes Heberrohr einmündet, entnommen. Im Brunnen aufgestellte, mittels Druckwasser aus der Hauptleitung betriebene Plungerpumpen fördern das Wasser in über dem Kesselhause liegende Behälter. Von hier fliesst das Wasser durch Ueberlaufrohre und nach dem Passiren einer Filteranlage in unter der Erde liegende Behälter, aus welchen es dann mittels Circulationspumpen durch Oberflächencondensatoren in Rein Wasserbehälter über dem Kesselhause, nachdem durch Pumpmaschinen in die Leitungen gedrückt wird.

Die im Brunnen aufgestellte, von der Hydraulic Engineering Co. in Chester erbaute stehende Pumpe arbeitet mit einem in einer oberen Stopfbüchse geführten hohlen Plungerkolben, der selbst wieder einen hydraulischen Cylinder bildet, indem er mit einem festliegenden, röhrenförmigen Plunger, durch welchen Druckwasser in und aus dem Inneren des Hauptplungers strömt, versehen ist. Auf jeder Seite des Arbeitscylinders liegt ein kleinerer Cylinder, deren Plunger durch ein am Hauptplunger befestigtes Querstück mit einander verbunden sind. Die kleinen Cylinder stehen mit dem Druckwasser in steter Verbindung; dasselbe wirkt auf ihre Plunger mit einer für den Abwärtshub des Hauptplungers genügenden Kraft. Der festliegende Plunger kommt je nach Stellung eines Flachschiebers abwechselnd mit dem Druckwasser bezieh. dem Abflusswasser in Verbindung, je nachdem der Schieber in Folge Wirkung des hydraulischen Druckes in kurzen, an jedem Ende desselben liegenden Cylindern hin und her bewegt wird.

Die Druckänderung in den letztgenannten Cylindern erreicht man mit Hilfe eines zweiten Flachschiebers, der durch Knaggen auf einer an den Hauptplunger angeschlossenen Stange seine Bewegung erhält. Die Geschwindigkeit, mit welcher sich der Hauptschieber bewegt, wird durch mehr oder weniger starke Verengung der nach den beiden kurzen Cylindern führenden Kanäle mit Hilfe des zweiten Schiebers geregelt. Die Anordnung gestattet eine Geschwindigkeitsänderung des vom Hauptschieber zurückzulegenden Weges und eine Pause von irgend welcher gewünschten Dauer während der Umkehr der Plungerbewegung. Die Hauptplunger haben 508 mm Durchmesser, 1220 mm Hub und arbeiten mit einer Geschwindigkeit von 10 Hüben in der Minute.

Im Maschinenhause sind sechs stehende, ebenfalls von der Hydraulic Engineering Co. in Chester gelieferte Dreifach-Expansionspumpmaschinen aufgestellt. Jede Maschine hat Cylinder von 381, 559 und 914 mm Durchmesser für 610 mm Hub der auf eine Welle mit um 120° gegenseitig versetzten Kröpfungen arbeitenden Kolben. Jeder Cylinder treibt in der gewöhnlichen Weise mittels eines am zugehörigen Kreuzkopf angreifenden Doppelhebels eine darunter |198| liegende einfach wirkende Plungerpumpe mit einem Durchmesser des Plungers von 127 mm. Die Spannung des Kesseldampfes beträgt 10,5 at.

Die Pumpen liefern mit ungefähr 61 minutlichen Umdrehungen der Maschine je 1,4 cbm Wasser in der Minute unter einem Druck von etwa 56 at. Alle Cylinder sind von Dampfmänteln umgeben und das sich in diesen bildende Condenswasser gelangt durch eigene Schwere in die Kessel zurück.

Die Maschinen arbeiten, wie bereits angedeutet, mit Oberflächencondensation und sollen für 1 und Stunde 6,4 k Dampf gebrauchen. Das Gehäuse des Condensators bildet einen Theil des Maschinenständers und jede Maschine hat ihre eigene unabhängige Luft-, Circulations- und Speisepumpe, welche vom Kreuzkopf des Mitteldruckcylinders aus in derselben Weise wie bei Schiffsmaschinen betrieben werden.

Textabbildung Bd. 296, S. 198

Die Hochdruckcylinder arbeiten mit von Hand stellbarer Meyer'scher Expansionssteuerung. Ein Centrifugalregulator und Drosselventil dienen zur Geschwindigkeitsregulirung der Maschine. Die Pumpmaschinen drücken das Wasser zunächst in zwei Accumulatoren, welche in einem besonderen hohen Raume aufgestellt sind. Die Plunger der letzteren von 508 mm Durchmesser und 585 mm Hub sind je mit 112 t belastet, so dass, da der Querschnitt eines jeden Plungers 2027 qc und der Druck 56 k auf 1 qc beträgt, eine totale Belastung von 2027 . 56 = 113,5 t resultirt. Rechnet man für Ueberwindung der Reibung in den Packungen u.s.w. 7 Proc. des Belastungsgewichtes, so ergeben sich ungefähr 121 t; das Mehrgewicht von 9 t wird durch das Eigengewicht des Plungers u.s.w. geschaffen.

Textabbildung Bd. 296, S. 198

In der Regel wirken die Accumulatoren in ihren Endstellungen auf eine Drosselklappe der Dampfmaschine ein. Diese Anordnung hat den Nachtheil, dass kein gänzlicher Abschluss erfolgt und bei einem Rohrbruch die Maschine durchgehen wird, da sie noch Dampf erhält.

Bei dem Fig. 69 und 70 dargestellten Apparat (D. R. P. Nr. 66142) sind diese Uebelstände beseitigt. Der Apparat wirkt nach Stahl und Eisen, April 1893, folgendermaassen:

In die Dampfleitung L für die Maschine ist der Apparat A eingeschaltet. Das Kupferröhrchen B von etwa 15 mm Durchmesser führt zu einem in der Nähe des Accumulators befindlichen Dreiwegehahn H, dessen Abgänge mit dem Accumulator bezieh. dem Wasserreservoir verbunden sind. Steht nun der Accumulatordruck auf dem kleinen Kolben p (Fig. 70), dann bleibt der Schieber C geöffnet und die Pumpe im Betrieb, bis der Accumulator in seiner höchsten Stellung den Hahn H umsteuert. Das Wasser tritt aus und der Dampfdruck auf den Kolben P schliesst den Schieber C; dasselbe tritt ein, wenn in Folge eines Rohrbruches der Druck im Rohrnetz sinkt. Die Gefahr, dass die dann plötzlich entlastete Maschine durchgeht, ist also beseitigt. Sobald der Accumulator nahezu unten angelangt ist, stellt er den Hahn so, dass das Druckwasser auf p strömen kann, wodurch der Schieber C geöffnet wird. Die Maschine geht dann von selbst wieder an.

(Fortsetzung folgt.)

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