Titel: Ueber Dampfkessel.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1895, Band 296 (S. 224–233)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj296/ar296049

Ueber Dampfkessel.

(Fortsetzung des Berichtes S. 126 d. Bd.)

Mit Abbildungen.

4) Vorrichtungen zur Rauchverzehrung.

Einer verdienstvollen Arbeit hat sich der Centralverband der preussischen Dampfkessel-Ueberwachungsvereine unterzogen, indem er die Rauchfrage einer besonderen Commission zur Bearbeitung überwiesen hat. In der 11. Vorstandssitzung des Vereins erstattete Oberingenieur Schneider-Berlin über die Arbeit der Commission einen eingehenden Bericht, der in der Zeitschrift des internationalen Verbandes der Dampfkessel-Ueberwachungsvereine, Nr. 14 Jahrg. 17, veröffentlicht worden ist und dem wir Folgendes entnehmen:

Die auf Anregung des Ministers für Handel und Gewerbe unter dem Vorsitze des Commerzienraths Dr. Delbrück gebildete Commission zur Prüfung von Einrichtungen und Feuerungen zur Rauchbeseitigung hat am 30. April 1894 in Berlin getagt und über die in ihrem Auftrage von Caspar, Schneider, Tschorn und de Grahl an einer Reihe von Dampfkesselanlagen ausgeführten Untersuchungen Bericht erstattet.

Wenngleich sich die Commission in diesem Bericht dagegen verwahrt, dass damit eine Stellungnahme zu den untersuchten Feuerungen ausgesprochen sein solle, weil dazu der Umfang der Versuche bei weitem nicht ausreiche, so bieten die Ergebnisse der Prüfungen doch schon ein reichhaltiges Material für die Beurtheilung der Rauchfrage.

Schon die im J. 1890 vom Centralverbande der preussischen Dampfkessel-Ueberwachungsvereine niedergesetzte Commission, bestehend aus den Oberingenieuren Cario, Schneider und Vogt, hatte in ihrem zu Anfang 1891 erstatteten Gutachten die zahlreichen Bedingungen eingehend erörtert und die Schwierigkeiten hervorgehoben, welche bei den in Deutschland vorhandenen Brennmaterialien zur Erzielung einer möglichst rauchfreien Verbrennung in Betracht kommen.

Die Prüfung der Feuerungen hat gezeigt, dass diese Schwierigkeiten seiner Zeit nicht überschätzt worden sind, dass man mit theilweise recht complicirten technischen Einrichtungen allein das Uebel nicht aus der Welt schaffen kann; und wir begrüssen es mit Genugthuung, dass die Commission beschlossen hat, unter anderem durch weitere Versuche festzustellen, welche Brennmaterialien am geeignetsten erscheinen, den Rauch zu vermindern.

Des weiteren sollen die Versuche, so weit es möglich ist, an denselben Feuerungen, jedoch ohne Einschaltung oder Benutzung der Rauchverbrennungseinrichtung, wiederholt werden.

I. Programm.

Die Ausführung der Versuche geschah nach folgendem Plane:

1) Zweck der Versuche. Die anzustellenden Versuche haben den Zweck, zunächst die von der Commission zur Prüfung und Untersuchung der Rauchverbrennungsvorrichtungen in der Sitzung am 13. December 1892 ausgewählten sechs Feuerungsarten für Dampfkessel in Bezug auf Rauchverhütung und wirthschaftliche Wirkung zu prüfen.

2) Umfang der Versuche. Die Versuche sollen zunächst nur an Berliner Anlagen ausgeführt werden.

Es soll so weit als möglich ermittelt werden die Brauchbarkeit der Einrichtungen

a) bei Anwendung von nachfolgenden in Berlin ortsüblichen Brennmaterialien:

1) oberschlesischen Steinkohlen, 2) niederschlesischen, 3) westfälischen Steinkohlen, 4) böhmischen Braunkohlen, 5) Holz- und anderen Abfällen, sofern die Feuerungsanlage vom Erbauer als dafür besonders geeignet bezeichnet wird;

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b) bei verschiedener Beanspruchung der Rostfläche, und zwar:

1) bei normaler, 2) bei stärkster Beanspruchung, welche nöthigen Falles vom Erbauer der Einrichtung zu bezeichnen sind, und 3) unter Berücksichtigung eines stark wechselnden Betriebes;

c) in Bezug auf die Dampfleistung der Kesselanlage.

3) Durchführung der Versuche. Die Ausführung der einzelnen Messungen erfolgt auf Grund der Bedingungen, welche hierfür vom Verbände der Dampfkessel-Ueberwachungsvereine und dem Verein deutscher Ingenieure aufgestellt worden sind.

Es sollen insbesondere festgestellt werden:

A. Hinsichtlich der Rauchentwickelung:

1) die Stärke der Rauchbildung durch Beobachtung nach einer bestimmten Scala; 2) die in den Heizgasen enthaltenen Russmengen, soweit dieses überhaupt ausführbar ist; die Heizgase sind dabei dicht hinter der Feuerbrücke und an anderen dazu geeigneten Stellen der Feuerzüge abzusaugen; 3) die Wartung und der Gang der Feuerung in Bezug auf: a) das Aufgeben frischen Brennmaterials, b) das Schüren, c) das Schlacken, d) die Handhabung besonderer Einrichtungen (dem Erbauer der Einrichtung soll es frei stehen, seinen eigenen Heizer zu stellen, die Commission behält sich jedoch das Recht vor, wenn nöthig. ausserdem Versuche mit einem von ihr bestimmten Heizer auszuführen); 4) die Flammenbildung und Zusammensetzung der Heizgase dicht hinter dem Verbrennungsraume und am Ende des letzten Kesselzuges; 5) die Temperatur der Heizgase und die Zugstärke am Ende des letzten Kesselzuges und an anderen geeignet erscheinenden Stellen; 6) die chemische Zusammensetzung und der Feuchtigkeitsgrad des Brennmaterials, wobei der Heizwerth desselben nach der Dulong'schen Formel zu berechnen ist.

B. Hinsichtlich der wirthschaftlichen Wirkung, soweit diese nicht schon im Vorstehenden berührt ist;

1) die Verdampfungsziffer bezogen auf 1 k der rohen Kohle und berechnet auf Wasser von 0° und Dampf von 100°; 2) die Ausnutzung des Brennmaterials in Procenten des theoretischen Heizwerthes; 3) die W arme Verluste: a) durch unverbrannte Gase und Russ, b) in den Herdrückständen, c) durch den Kamin, d) durch Strahlung, Leitung und die durch das Mauerwerk angesaugte Luft.

Ueber jeden Versuch ist nach einem bestimmten Schema ein Protokoll aufzunehmen, welches Eigenthum des Centralverbandes der preussischen Dampfkessel-Ueberwachungsvereine bleibt.

4) Personal. Die Versuche sollen unter Anleitung der unterzeichneten Dreier-Commission durch ein besonderes Personal, bestehend aus Ingenieuren, Chemikern und Hilfsarbeitern ausgeführt werden.

Das Programm hat nur die nothwendigsten Forderungen zusammengestellt.

Die Anlagen sollten unter den verschiedenen in der Praxis vorkommenden Verhältnissen untersucht werden. Dem Zwecke der Versuche entsprechend war auf eine unzweifelhafte Feststellung der Rauchstärke der grösste Werth zu legen, die damit zusammenhängenden Umstände waren ebenfalls genau zu beobachten. Zur Beurtheilung der Schädlichkeit des Rauches reicht die einfache Beobachtung nicht aus; es sollte deshalb der Versuch gemacht werden, die festen Bestandtheile des Rauches zu ermitteln; die gasförmigen ergeben sich aus der Gasanalyse. Aber auch die wirthschaftlichen Ergebnisse durften nicht aus den Augen gelassen werden. Das vorliegende Programm musste vor allen Dingen auf eine Klarstellung derjenigen Einwürfe bedacht sein, die erfahrungsmässig fast immer gemacht werden, wenn die Beseitigung der Rauchbelästigung erörtert wird. In erster Linie befürchtet man Betriebsstörungen und Verminderung der Leistungsfähigkeit hinsichtlich der Dampfmenge.

In Bezug auf die wirthschaftlichen Ergebnisse ist ein berechtigtes Misstrauen seitens der Erfinder derartiger Einrichtungen bei der Industrie dadurch hervorgerufen worden, dass der ökonomische Wirkungsgrad der Einrichtung hinter den gegebenen Versprechungen oft weit zurückgeblieben ist.

Von den in der Sitzung vom 13. December 1893 ausgewählten Feuerungsarten für Dampfkessel sind gegenwärtig zur Prüfung herangezogen worden die Einrichtungen von:

1) Kowitzke und Co., bei einer Kesselanlage der Actiengesellschaft für Anilinfabrikation vor dem Schlesischen Thor,

2) Chubb, auf der Pumpstation in Charlottenburg,

3) Schomburg, an der Kesselanlage der Oberpostdirection, Oranienburgerstrasse,

4) Stauss, auf der Pumpstation in Charlottenburg,

5) Kuhn, an einem Kessel der Kunstwollspinnerei von Alb. Hahn,

6) Tenbrink, desgl. der Fabrik von Julius Pintsch,

7) Donneley, an der Kesselanlage des königl. Universitätsgebäudes,

8) Ruthel, desgl. der Fabrik von Kuhnert und Kühne, Martinickenfelde.

Die Untersuchung der Kohlenstaubfeuerung musste unterbleiben, weil die Actiengesellschaft für Kohlenstaubfeuerung die Prüfung vorerst noch ohne Angabe von Gründen ablehnen zu müssen glaubte.

Während der Prüfung der oben angeführten Feuerungseinrichtungen heizte vorwiegend der ständige Wärter der Kesselanlage; einen eigenen Heizer stellten nur die unter 3) und 4) genannten Erfinder.

II. Umfang der Versuche.

Bezüglich des Umfanges der Versuche ist zu bemerken, dass die im Programm bezeichneten Arten von Brennmaterialien nicht bei allen Versuchsanlagen zur Verwendung gelangen konnten. In den meisten Fällen musste man sich mit dem Brennmaterial begnügen, welches die Fabrik gerade zur Verfügung stellte, auch wurden für verschiedene Feuerungseinrichtungen – insbesondere für die mit schrägen Rosten – bestimmte Brennmaterialien als geeignet bezeichnet und konnte man sich aus Furcht vor Betriebsstockungen nicht dazu entschliessen, Versuche mit anderen Kohlensorten anzustellen. Dadurch kam es, dass die Heizversuche zumeist mit oberschlesischer Steinkohle und böhmischer Braunkohle ausgeführt wurden, weil diese alle anderen in Berlin verwendeten Brennmaterialsorten weit überwiegen.

Niederschlesische Steinkohle wird zumeist von den Gottesberger Werken eingeführt; von einer Verwendung dieser Kohle wurde aber abgesehen, weil dieselbe bei ihrer Verbrennung erfahrungsgemäss sehr wenig Rauch entwickelt |226| und somit als Prüfstein für eine rauchverhütende Verbrennungseinrichtung nicht dienen kann.

Auch westfälische Kohle wird in Berlin in geringem Umfange zur Dampferzeugung benutzt; es bot sich nur in einem Falle Gelegenheit, einen Versuch damit zu machen.

Da die westfälische Kohle sich weit schwieriger verheizt als oberschlesische, insbesondere was die Schlackenbildung anbetrifft, so werden mit dieser Kohle noch eingehende Versuche anzustellen sein.

Für die Verwendung von Holzabfällen war lediglich die Ruthel'sche Feuerung vorgesehen.

Ausser mit den im Programm bezeichneten Brennmaterialien wurde noch je ein Versuch mit deutschen Braunkohlebriquetts und englischer Steinkohle an dem Kessel der Pumpstation in Charlottenburg gemacht, bei dem zunächst die Chubb'sche, dann die Stauss'sche Einrichtung zur Rauchverhütung in Anwendung kamen.

Den im Programm gestellten weiteren Anforderungen konnte bis auf die Versuche mit der Ruthel'schen Feuerung im Allgemeinen entsprochen werden; bei letzterer war die Dampfleistung in Folge eigenthümlicher Betriebseinrichtungen nicht mit Sicherheit festzustellen. Wo die Betriebsverhältnisse einen gesteigerten bezieh. stark wechselnden Dampfverbrauch nicht gestatteten, wurde derselbe durch zeitweises Oeffnen des Sicherheitsventils künstlich herbeigeführt.

Der Umfang der Versuche ist noch kein solcher, dass daraus über den Werth dieser oder jener Einrichtung ein endgültiges Urtheil gefällt werden kann, es ist zunächst auch erforderlich, an Kesselanlagen ohne jede Rauchverhütungseinrichtung zum Vergleiche Versuche anzustellen. Die meisten Versuche haben ferner an Kesseln mit Innenfeuerung stattgefunden, bei denen erfahrungsmässig am leichtesten die Rauchbildung zu vermindern ist. Schwieriger gestaltet sich die Frage bei Kesseln mit Unterfeuerung, insbesondere bei den engröhrigen Siederohr- und den stehenden Feuerbüchskesseln. Für letztere Kesselart ist bei der Prüfungs-Commission bisher keine einzige rauchverhütende Einrichtung zur Prüfung angemeldet worden.

Die bis jetzt ausgeführten Versuche können somit nur als Anfang einer Reihe von weiteren nothwendigen Untersuchungen auf diesem Gebiete angesehen werden.

III. Durchführung der Versuche.

1) Rauchstärke, Zur Feststellung der Stärke der Rauchbildung durch Beobachtung nach einer bestimmten Scala diente ein photometrischer Apparat, mit Hilfe dessen die jeweilige Intensität einer durch den Rauch geschwächten Lichtquelle durch Vergleich mit einer Normalkerze gemessen wurde. Zur Controle wurde auch die Schornsteinmündung unmittelbar beobachtet.

Die zuerst angestellten Bemühungen, die Rauchstärke auf photographischem Wege bildlich darzustellen, blieben leider erfolglos.

Für die Beobachtung der Rauchstärke wurde in fast allen Fällen der Abzugskanal zwischen dem zu untersuchenden Kessel und dem Schornstein gewählt, weil es hier am ehesten möglich war, die Beobachtung auszuführen. Der Kanal wurde zu diesem Zwecke quer durchbohrt und durch die Bohrung ein 50 mm weites Rohr hindurchgesteckt, welches auf der einen Seite mit der Lichtquelle, auf der anderen Seite mit dem Photometer in Verbindung gebracht wurde. Das Rohr war in der Mitte auf eine bestimmte Länge aufgeschlitzt, um dem Rauche nur hier einen Durchlass zu gewähren. Aus den Vorversuchen hatte sich nämlich ergeben, dass eine Rauchsäule von der Breite des ganzen Kanals die Lichtquelle allzusehr verdunkelte.

Textabbildung Bd. 296, S. 226

Als Photometer diente ein nach Prof. Dr. Leonhard Weber von Franz Schmidt und Haensch in Berlin construirter Apparat (Fig. 1 und 2). Die im Lampengehäuse L befindliche Normalkerze wirft ihr Licht durch die Milchglasplatte M nach dem im Kreuzungspunkte der Achsen von A und B angebrachten Lummer-Brodhun'schen Prisma, welches das von der Normalkerze und der hinter dem Rauchkanale angebrachten Lichtquelle herrührende Gesichtsfeld in zwei zu einander concentrisch liegende elliptische Flächen zerlegt. Die Milchglasscheibe M steht mit einem von aussen angebrachten Schieber in Verbindung und kann beliebig im Rohre A verschoben werden. Während der Verschiebung derselben von L nach B nimmt man nach einander einen dunklen Kern in heller Hülle, einen hellen Kern in heller Hülle, einen hellen Kern in dunkler Hülle wahr (Fig. 3 a, b, c).

Zur Bestimmung der Intensität einer Lichtquelle ist die Milchglasscheibe so lange nach links oder nach rechts zu schieben, bis Kern und Hülle gleich hell erscheinen.

Textabbildung Bd. 296, S. 226

Bezeichnet J die Intensität der dem Photometer gegenüberstehenden Lichtquelle, R die Entfernung derselben vom Photometer, r diejenige Entfernung der Milchglasscheibe von der Benzinkerze, welche nach Wahrnehmung des Gesichtsfeldes b an der Scala von A abgelesen wird, so ist J bestimmt durch

. . . . . 1)

wobei C eine dem Photometer angehörige Constante bedeutet.

Findet diese Bestimmung bei vollkommener Rauchlosigkeit statt, so wird nach dem Auftreten des Rauches, der J zu J1 verdunkelt, bei Einstellung der Gleichheit des Gesichtsfeldes nunmehr die Entfernung x statt r abgelesen und zur Berechnung von J1 die Gleichung

. . . . . 2)

erhalten.

|227|

Aus 1) und 2) ergibt sich durch Division die Gleichung

. . . . . 3)

in welcher die Constante C und das Maass R eliminirt sind.

Da bei allen Versuchen dafür Sorge getragen wurde, dass bei vollkommener Rauchlosigkeit die Gleichung 1) für r = 105 mm erfüllt blieb, so stellt Gleichung 3) nur noch ein einfaches Zahlenverhältniss zwischen J und J1 dar, welches für verschiedene x aus der die Gleichung 3) darstellenden Curve (Hyperbel) zu entnehmen ist.

Textabbildung Bd. 296, S. 227

In Fig. 4 ist die Curve für eine als Einheit angenommene Lichtstärke J construirt; der Lichtstärke J entspricht eine Stellung der Milchglasplatte bei x = r = 105 mm, während bei einer Verschiebung auf x = 200 mm die zugehörige Lichtstärke linear abzugreifen ist.

Da die Rauchstärken indirect proportional den Lichtintensitäten sind, so ergeben die innerhalb der Curve liegenden Ordinaten eine Scala für die Stärke der Rauchbildung bei den verschiedenen Feuerungseinrichtungen.

Das Photometer erhielt für die Versuchszwecke einige Abänderungen, um eine einfache und schnelle Einstellung des Gesichtsfeldes zu ermöglichen. Die Bedienung desselben ist äusserst einfach und gestattet ohne Schwierigkeiten Ablesungen von 15 zu 15 Secunden.

Zur Bestimmung der den einzelnen Werthen von x entsprechenden Rauchstärken wurde gleichzeitig vom Photometer aus durch ein Prisma P (Fig. 2) die Mündung des Schornsteines beobachtet und zur bildlichen Darstellung folgende Abstufungen in der Rauchentwickelung zu Grunde gelegt:

für x zwischen 105 und 140 mm dünner grauer Rauch
x 140 175 „ schwärzl. Rauch.
x 175 230 schwärzlicher Rauch.
x 230 350 schwarzer Rauch von der
Stärke 1
x 350 420 schwarzer Rauch von der
Stärke 2.

Eine weitere Ausdehnung der Rauchscala schien in Anbetracht dessen, dass es sich um eine Untersuchung von rauchverzehrenden Feuerungseinrichtungen handelte, unzweckmässig; dem Werthe x = 350 entspricht eine Rauchentwickelung, welche bei längerer Dauer nach dem Gutachten der Commission nicht mehr statthaft sein dürfte.

Die Beobachtung der Rauchstärke erfolgte stetig; den Ablesungen der jeweiligen Schieberstellungen wurde die Zeit beigeschrieben, um bei der graphischen Darstellung der Rauchcurven den Gang der Feuerung beobachten zu können. Die Richtigkeit der Aufzeichnungen fand jederzeit eine Controle, wenn bei Rauchlosigkeit der Nullpunkt 105 erreicht wurde. Durch die Beobachtung mit dem Photometer wurde nachgewiesen, dass der Rauch erst 40 bis 55 Secunden nach der Wahrnehmung im Fuchs der Essenmündung entquoll.

2) Russmenge. Grosse Schwierigkeiten verursachte die Bestimmung der in den Heizgasen enthaltenen Russmengen. Es sollte eine gewisse Gasmenge durch unverbrennliches Filtermaterial hindurchgeführt werden, um den darin enthaltenen Russ auszuscheiden. Die kleine Russmenge kann auf das genaueste dadurch bestimmt werden, dass man ihn durch Erhitzung im Sauerstoffstrome verbrennt und das Volumen der entwickelten Kohlensäure feststellt, welches im Verhältniss zur Russmenge sehr gross ist.

Es wurden anfänglich Porzellanröhren, welche im Innern einen Asbestpfropfen enthielten, in den Fuchskanal eingeführt und durch diese mit Hilfe eines Aspirators die Rauchgase angesaugt. Die Bestimmung der Russmengen erwies sich aber auf diesem Wege als schwer ausführbar, weil sie einerseits die Entfernung des Asbestes nebst den fein vertheilten Russmengen aus dem Innern der Rohre bedingte; andererseits der hierzu verwendete Asbest nicht vollständig rein zu bekommen war; er enthielt noch Substanzen, die bei der Bestimmung der Russmenge von nachtheiligem Einfluss waren.

Textabbildung Bd. 296, S. 227

Auch die Anwendung von dicken Glasröhren, welche direct als Verbrennungsrohre dienen sollten, führte zu keinem Ergebniss, weil dieselben beim Absaugen der Gase in Folge der hohen Temperatur zersprangen.

Textabbildung Bd. 296, S. 227

Zur Vermeidung des lästigen und umständlichen Entfernens des Asbestpfropfens aus dem Innern der Porzellanröhre wurde ein 50 mm weites Gasrohr von der Form Fig. 5 in Anwendung gebracht. Man beabsichtigte, die in das Rohr gelangenden Russmengen nach Beendigung des Versuches durch Entfernung des Trichters T ohne weiteres herauszunehmen und durch Wägung zu bestimmen. Indess erhitzte sich das Rohr, welches am Ende des ersten Feuerzuges eingeführt wurde, zu stark und verbrannte den in seinem Inneren angesammelten Kohlenstoff.

Es wurde endlich noch folgender Weg eingeschlagen: |228| Die Gase traten (Fig. 6) durch ein Porzellanrohr, welches weit genug war, um ein Verstopfen zu verhüten, durch den Schlauch S in die Wasserflasche F, wo sie gezwungen wurden, zur Ablagerung des Russes das Wasser zu passiren. Die Gewinnung des Russes sollte durch Filtriren erreicht werden.

An Stelle der bisher als Aspiratoren dienenden Wasserflaschen, die ihres geringen Inhaltes wegen unbequem waren, wurde ein etwa 450 l enthaltender Kessel K construirt, welcher die Gase beim Ablassen seiner Wasserfüllung ansaugte.

Um den Verlust von Russtheilchen zu vermeiden, erhielt das Glasrohr G einen Stopfen aus Watte.

Diese Methode des Russabfangens hatte anfänglich den Nachtheil, dass bereits nach Abzug von etwa 200 l die Saugleitung bei G verstopft wurde und der Kessel seine Dienste versagte.

Es wurde deshalb an Stelle der Wasserfläche F der in Fig. 7 dargestellte Apparat eingeschaltet, welcher Schichten von Glaswolle mit zwischenliegender Drahtgaze erhalten hat.

Textabbildung Bd. 296, S. 228

Die Ausscheidung des Russes erfolgte mit dieser Vorrichtung vollständig; die Glaswolle blieb in der obersten Schicht weiss, während sie sich nach unten zu intensiv schwarz färbte. Leider waren die Kosten dieses Apparates, der für jeden Versuch ersetzt werden musste, zu gross, um mehrfache Russbestimmungen vorzunehmen, auch glaubte die Commission, sich zunächst mit einem Versuche begnügen zu können, um von dessen Ergebniss weitere Verwendung der Einrichtung abhängig zu machen.

3) Wartung und Gang der Feuerung. Flammenbildung, Um die Wartung und den Gang der Feuerung zu beobachten, wurde die Zeit der Beschickung, die Anzahl Schaufeln, die Zeit des Schürens, Schlackens u.s.w. während der Versuchzeit notirt, um aus dem Vergleiche mit der Rauchbeobachtung, den Gasanalysen u.s.w. die entsprechenden Schlüsse zu ziehen. Die Aufnotirung der Schaufeln ermöglichte es, die Beanspruchung der Rostfläche nach Einführung des auf eine Schaufel entfallenden Kohlengewichtes halbstündlich festzustellen. Bei den Feuerungen mit schrägem Rost wurde zu diesem Zweck der Fülltrichter stets gefüllt gehalten. Die Flammenbildung wurde durch Schaulöcher beobachtet. Das Brennmaterial wurde dem Heizer in Karren von bestimmtem Gewichtsinhalt nach Bedarf übergeben, zu diesem Zweck wurde im Kesselhause jede Karre abgewogen; die Notirung einer jeden Karre erfolgte zur Controle an verschiedenen Stellen.

Bei den Kesselanlagen mit Planrostfeuerung liess man vor dem Beginne des Versuches das Feuer reinigen und so weit herunterbrennen, dass der Rost nur mit einer sehr dünnen Schicht bedeckt war; in derselben Weise verfuhr man am Ende des Versuches. Diese Methode bot die grösste Sicherheit, dass der Versuch nahezu mit derselben Brennmaterialienmenge auf dem Roste, womit er begonnen hatte, abgeschlossen wurde.

Bei den Feuerungen mit schrägem Roste wurde mit vollem Fülltrichter angefangen und ebenso geendet.

Zur Bestimmung der Menge der Herdrückstände (Schlacken und Asche) wurde der Aschenfall jedesmal vor dem Versuche vollständig ausgeräumt und die während des Versuches sich ergebende Asche und Schlacke, sofern dieses anging, besonders gewogen.

Bei Rosten mit Wasserkühlung wurden die Herdrückstände auf dem Kesselmauerwerk völlig getrocknet und dann gewogen.

Textabbildung Bd. 296, S. 228

4) Heizgase. Die Heizgase wurden mit Hilfe von Orsat'schen Apparaten an zwei Stellen gleichzeitig (am Ende des ersten Feuerzuges und dicht vor dem Rauchschieber) auf ihren Gehalt an Kohlensäure, Kohlenoxyd und Sauerstoff untersucht. Bisweilen sind auch Proben von Rauchgasen zur Controle in Glasballons eingeschmolzen worden. Die Gase wurden durchweg mit Porzellanröhren abgesaugt, weil diese feuerbeständig sind und Absorption ausschliessen.

Zum Ansaugen der Gase dienten je zwei mit Glycerin gefüllte Flaschen von 10 l Inhalt, welche Flüssigkeit wegen ihres indifferenten Verhaltens gegen Kohlensäure gewählt wurde.

Das Absaugen der Rauchgase geschah stetig (Fig. 8). Während Flasche 1 die Rauchgase aus der Abzugstelle a entnimmt, drückt die nach Flasche 2 übertretende Flüssigkeit die hier befindliche, vordem abgesogene Rauchgasmenge in den Orsat o. Auf diese Weise erhält man in Zwischenräumen von 20 zu 20 Minuten Durchschnittsproben der Gase zur Analyse. Der in den Rauchgasen enthaltene Russ wurde durch geeignete Filterrohre F aufgefangen, um Verunreinigungen der engen Glasröhren des Orsats zu vermeiden. Der Kohlensäuregehalt der Rauchgase ist im Zusammenhange mit der Rauchentwickelung graphisch aufgezeichnet worden. Die Temperatur der Heizgase wurde in kurzen Zeitabschnitten am Ende des Verbrennungsraumes mit Hilfe eines Dürr'schen Luftpyrometers und am Ende des letzten Kesselzuges, vor dem Rauchschieber mit einem Quecksilberthermometer gemessen.

Die Kenntniss der Temperatur am Ende des Verbrennungsraumes bezieh. am Ende der Flammrohre erschien für die Wärmeabgabe der die Feuerzüge durchstreichenden Rauchgase und zur Berechnung des in Folge angesaugter Luft hervorgerufenen Verlustes von Wichtigkeit.

Die Wirkungsweise des Dürr'schen Pyrometers beruht auf der Ausdehnung einer in einem Porzellankolben K (Fig. 9) eingeschlossenen Luftmenge. An diesen Kolben schliesst sich eine Capillarröhre C aus Kupfer, durch welche die in K befindliche Luft mit dem Innern der Glocke G |229| in Verbindung tritt. Die Glocke taucht in Paraffinöl und ist ähnlich einer Wage aufgehängt, so dass Volumenänderungen der Luft in K sich durch Heben und Senken von G bemerkbar machen. Der Wagebalken trägt in gleicher Höhe mit dem Aufhängepunkte ein Zahnsegment, dessen Drehung auf einen Zeiger übertragen wird.

Das Pyrometer wird vor dem Gebrauche einer bekannten Temperatur ausgesetzt und der Zeiger durch Ansaugen mit Hilfe eines an a befestigten Gummischlauches eingestellt. Nach dem Schliessen des Hahnes a kann der Porzellankolben in den zu untersuchenden Feuerraum gebracht werden.

Textabbildung Bd. 296, S. 229

Um den Einfluss der Barometerschwankungen und der verschiedenen Aussentemperaturen auf das Pyrometer unschädlich zu machen, dient ein Compensator von der Form Fig. 10. In dem -förmig gebogenen Glasrohr, welches an dem einen Ende offen ist, an dem geschlossenen Ende in eine Erweiterung E ausläuft, wird unter dem Einflusse der in E eingeschlossenen Luft eine Säule aus Paraffinöl hin und her verschoben. Das Niveau im freien Schenkel hängt daher von den jeweiligen Verhältnissen ab und muss bei richtiger Angabe des Pyrometers stets auf den Zustand gebracht werden, von welchem bei Berechnung der Scala ausgegangen worden ist. Dieser Zustand ist erreicht, wenn der Oelspiegel im freien Schenkel in gleicher Höhe mit der hier angebrachten Marke M steht. Sollte es sich hingegen zeigen, dass das Niveau unter die Marke M sinkt, so wäre dies ein Beweis, dass die Glocke in Folge Temperatur- oder Barometerstandswechsel eine Aenderung ihrer Lage erlitten hat. Um daher eine Fehlangabe des mit der Glocke in Verbindung stehenden Zeigers zu vermeiden, hat man bei geschlossenem Hahne H so lange durch Ansaugen von Luft mit Hilfe des Hahnes b die Spannung im Pyrometerkasten zu vermindern, bis das Niveau der Flüssigkeit mit der Marke zusammenfällt. In ähnlicher Weise wird, wenn das Oel im Compensator über M steht, durch Hineinblasen bei b der gewünschte Zustand hergestellt. Das Pyrometer wurde vor Beginn und während der Versuche mittels des Quecksilberthermometers controlirt; es erwies sich wegen seiner bequemen Ablesung bei den Versuchen als äusserst zweckmässig; es ist auch zuverlässig und empfindlich.

Textabbildung Bd. 296, S. 229

Zur Messung der Temperatur der in den Fuchs abziehenden Gase wurden Quecksilberthermometer von A. Geissler-Berlin benutzt, welche Messungen bis zu 400° C. ermöglichen.

Bei Bestimmung der Zugstärke erwiesen sich neben den einfachen mit Wasser gefüllten -Röhren die Dürr'schen Zugmesser am geeignetsten.

Die Zugstärke wurde ausser am Rauchschieber noch am Ende des Verbrennungsraumes gemessen, um etwaige Druckverminderung festzustellen. Im Zusammenhang mit den Angaben der Zugmesser wurden die jeweiligen Rauchschieberöffnungen vermerkt.

5) Chemische Zusammensetzung und Heizwerth des Brennmaterials. Zur Feststellung der chemischen Zusammensetzung und des Feuchtigkeitgrades des Brennmaterials sind während eines jeden Versuches Durchschnittproben entnommen und diese in dicht verschlossenen Blechbüchsen der chemisch-technischen Versuchsanstalt übergeben worden. In derselben Weise wurden den Herdrückständen Durchschnittproben entnommen und auf den Gehalt an Kohlenstoff untersucht.

Die Berechnung des Heizwerthes erfolgte nach der Dulong'schen Formel

1)

6) Verdampfungsziffer. Um die wirthschaftliche Wirkung der rauchverhütenden Einrichtungen beurtheilen zu können, wurde das während des Versuches in den Kessel hineingespeiste Wasser dem Gewichte nach festgestellt. Hierbei wurde gleichzeitig die Temperatur des Speisewassers gemessen. Nur bei den Versuchen mit der Kowitzke'schen Einrichtung zur Rauch Verhütung ging das Speisewasser durch einen Vorwärmer und musste daher nach dem Verlassen desselben die Temperaturerhöhung durch stetige Messungen festgestellt werden. Alle mit der Speiseleitung des Versuchskessels etwa zusammenhängenden anderen Leitungen wurden abgeflanscht.

Die jeweilige Dampfspannung wurde an dem auf seine Richtigkeit verglichenen Betriebsmanometer abgelesen. Grosser Werth wurde schliesslich darauf gelegt, dass der zu Anfang des Versuches im Kessel vorhandene Wasserstand bis zum Schlusse beibehalten wurde.

7) Ausnutzung des Brennmaterials. Diese ergibt sich ohne weiteres aus der Verdampfungsziffer und dem Heizwerthe des verwendeten Brennmaterials bezieh. aus dem Procentsatze des Heizwerthes der Kohle, welcher zur Dampfbildung nutzbar gemacht worden ist. Die bezüglichen Werthe sind in den nachfolgenden Tabellen enthalten.

8) Wärmeverluste. Zur Ermittelung der Wärmeverluste durch unverbrannte Gase, durch den Kamin und durch nachgesaugte Luft dienten die Temperatur und die chemische Zusammensetzung der Heizgase. Kohlenoxyd wurde nur selten in den Heizgasen gefunden und auch dann nur in sehr geringen Mengen. Um die Verluste durch nachgesaugte Luft bestimmen zu können, war es nothwendig, die Temperatur und Zusammensetzung der Heizgase sowohl am Ende des ersten Feuerzuges bezieh. hinter der Feuerbrücke, als auch am Ende des Kessels vor dem Rauchschieber zu ermitteln. Die Bestimmung der durch Russ hervorgerufenen Wärmeverluste musste wegen der bereits erwähnten Schwierigkeiten des Russabfangens sich auf ein Beispiel beschränken. Die Bestimmung der Wärmeverluste in den Herdrückständen erfolgte auf Grund des in denselben ermittelten Kohlenstoffes. Als Rest bleiben die durch Strahlung und Leitung hervorgerufenen Verluste übrig.

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IV. Beschreibung der Versuchskessel.

1) Die Prüfung der Kowitzke'schen Einrichtung fand an einem Kessel der Actiengesellschaft für Anilinfabrikation in Treptow bei Berlin statt. Der Versuchskessel ist ein Zweiflammrohrkessel mit Galloway-Rohren; die Anordnung der Kesselanlage geht aus Fig. 11 und 12 hervor.

Der Kessel ist im J. 1884 von Berninghaus in Duisburg für einen Betriebsdruck von 5 at gebaut; er hat:

Wasserberührte Heizfläche 99,5 qm
Dampfberührte Heizfläche 22,0 qm
Rostfläche2) 2,1 qm
Verhältniss der Rostfläche zur wasserberührten
Heizfläche

1 : 47,62
Abmessung des Fuchses 0,65 . 0,8 = 0,52 qm
Höhe des Schornsteins 42 m
Oberer Querschnitt 2,01 qm

Zur Verhütung von Wärmeverlusten sind am Ende der Flammrohre Drehklappen angebracht, welche sich beim Oeffnen der Feuerthüren selbsthätig schliessen.

Textabbildung Bd. 296, S. 230

Die Speisung des Kessels erfolgt durch eine Dampfpumpe; das Speisewasser geht, bevor es in den Kessel eintritt, durch einen Schmid'schen Wassermesser und einen Röhrenvorwärmer.

Die Kowitzke'sche Einrichtung zur Rauchbeseitigung besteht in einer hohlen gusseisernen Feuerbrücke, welche oben bogenförmig ausgebildet einen 30 mm weiten Schlitz für den Durchzug der Luft besitzt; unten ist dieselbe mit einer jalousieartigen Klappe versehen, die mittels einer Zugstange vom Stande des Heizers aus geöffnet bezieh. geschlossen werden kann, je nachdem die mehr oder weniger vorgeschrittene Verbrennung es erfordert. Zur besseren Erwärmung der Luft enthält die Feuerbrücke eine Anzahl dünner Heizrippen.

Es muss erwähnt werden, dass das Princip dieser und der beiden folgenden Einrichtungen nicht neu ist.

2) Die Prüfung der Chubb'schen, eine der Kowitzke'schen ganz ähnliche Einrichtung wurde an einem Kessel der Pumpstation Charlottenburg vorgenommen. Die ganze Anordnung der Kesselanlage, sowie die Bauart des Versuchskessels sind aus Fig. 13 und 14 ersichtlich.

Der Kessel ist im J. 1889 von der Maschinenfabrik Cyclop Mehlis und Behrens in Berlin für einen Betriebsdruck von 6 at erbaut. Er hat:

Wasserberührte Heizfläche 59,31 qm
Rostfläche 1,96 qm
Verhältniss der Rostfläche zur wasserberührten
Heizfläche

1 : 30,26

qm
Höhe des Schornsteins 41 m
Querschnitt an der Mündung 2,19 qm

Die Füchse der in der Pumpstation Charlottenburg befindlichen drei Kessel haben je einen Querschnitt von 0,7 × 0,8 = 0,56 qm und münden in einen Hauptkanal von 1,94 × 1,6 = 3,10 qm. Der Kessel befand sich bei Tag und Nacht allein im Betriebe; der Rauchschieber wurde, wie aus der Abbildung zu ersehen ist, versetzt, um die Gase besser abziehen zu können. Die Speisung erfolgte mittels Speisepumpe. Die Einrichtung zur Rauchverhütung besteht aus einer hohlen gusseisernen Feuerbrücke, welche oben zwei schmale Schlitze für den Durchgang der Luft besitzt; unten ist dieselbe, wie bei der Kowitzke'schen Einrichtung, mit einer Klappe versehen, die vom Heizerstande aus regulirt werden kann.

3) Die Prüfung der Stauss'schen Feuerungseinrichtung fand an demselben Versuchskessel statt, nachdem die Chubb'sche Einrichtung beseitigt und hierfür die Stauss'sche eingebaut worden war.

Textabbildung Bd. 296, S. 230

Letztere (Fig. 15) besteht aus einem System dünner, gusseiserner Platten, welche über einem Luftkasten aufrecht stehend derartig angeordnet sind, dass sie paarweise ganz schmale Schlitze bilden, die durch senkrechte Seitenrippen abgeschlossen sind und die Luft nach oben durchstreichen lassen. Die Aussenseiten dieser Plattenpaare bilden breitere, unten und oben durch wagerechte Leisten begrenzte Schlitze, in welche die Heizgase eindringen und |231| dabei die zwischen den Platten hindurchstreichende Luft erwärmen sollen. Die Regulirung der Luftzufuhr findet selbsthätig durch Cataracte statt.

Textabbildung Bd. 296, S. 231

4) Die Kuhn'sche Feuerung wurde an einem Kessel der Alb. Hahn'schen Kunst Wollspinnerei geprüft. Der Versuchskessel (vgl. Fig. 16), ein Cornwall-Kessel mit Quersieder und Galloway-Röhren, ist von G. Kuhn in Stuttgart im J. 1893 für einen Betriebsdruck von 8 at gebaut.

Die mechanischen Verhältnisse des Kessels sind:

Wasserberührte Heizfläche 83 qm
Dampfberührte Heizfläche 18,5 qm
Rostfläche 1,5 qm
Verhältniss der Rostfläche zur wasserberührten
Heizfläche

1 : 55,33
Abmessung des Fuchses 0,75 . 0,9 = 0,675 qm
Höhe des Schornsteins 33 m
Querschnitt an der Mündung 1,21 qm

Die Speisung erfolgte mittels Dampfpumpe.

Die Kuhn'sche Feuerung ist ihrem Princip nach eine Tenbrink-Innenfeuerung (vgl. 1891 279 * 2 und * 121); der Feuerherd wird nach dem Heizer st an de zu durch einen schrägen Rost, nach hinten zu durch einen Quersieder begrenzt; der Raum zwischen dem Quersieder und der unteren Flammrohrwand ist mit Chamotte ausgefüllt, so dass nur der Raum oberhalb des Sieders für den Durchgang der Verbrennungsgase vorgesehen ist. Das Brennmaterial gelangt durch einen Fülltrichter, welcher vorn in die Verkleidungsplatte des Kesselmauerwerks eingesetzt ist, auf den schrägen Rost, wo es durch sein eigenes Gewicht herabrutscht und allmählich in Brand geräth. Die unverbrennlichen Bestandtheile stauen sich unten an und geben dem Rost nach unten den nöthigen Abschluss. Ueber der Einfüllöffnung befindet sich noch ein Luftkanal, durch welchen je nach Bedarf der rückwärts brennenden Flamme Luft zugeführt werden kann. Das Reinigen der Rostplatten geschieht mittels einer Schürstange, welche vorn am Ende ein kurzes Schwert trägt; hiermit werden, von unten anfangend, die anhaftenden Schlacken durch die Röstspalten allmählich hinabgestossen. Die Regulirung der Feuerung erfolgt in der Hauptsache durch den Kaminschieber. Der Vorgang in der Feuerung ist folgender:

Die Rauchgase entwickeln sich vorherrschend auf der Rostplatte, wo zunächst eine trockene Destillation des Brennmaterials stattfindet und die flüchtigen Bestandtheile desselben entweichen. Diese zumeist zur Rauchbildung Anlass gebenden flüchtigen Kohlenwasserstoffe werden im Augenblicke ihres Aufsteigens von dem Feuerstrome getroffen, der vom unteren Theile des Rostes aus der vollen Glut des Brennmaterials aufsteigt.

Während der Versuche blieb die oberhalb des Fülltrichters befindliche Luftklappe geschlossen, weil die zur Verbrennung erforderliche Luftmenge durch die freie Rostfläche treten konnte.

5) Zur Prüfung einer Halb-Tenbrink-Feuerung wurde die Kesselanlage der Firma Julius Pintsch in Berlin gewählt (Fig. 17 und 18).

Die mechanischen Verhältnisse des Kessels sind:

Wasserberührte Heizfläche 50,86 qm
Dampfberührte Heizfläche 6,13 qm
Rostfläche 0,750 . 0,910 = 0,68 qm
Verhältniss der Rostfläche zur wasserberührten
Heizfläche

1 : 74,8
Abmessung des Fuchses 0,668 . 0,310 = 0,20 qm
Höhe des Schornsteins 26,7 m

Die Speisung erfolgte durch einen Injector.

Die Feuerung ist hier als Aussenfeuerung angewandt. Als das nothwendige Zwischenglied zwischen dem Hauptkessel und dem darunter gelagerten schrägen Rost dient ähnlich der Kuhn'schen Feuerung ein Quersieder, weshalb auf die nähere Beschreibung dieser Feuerung hier nicht eingegangen werden braucht. Die Regulirung der Luftzufuhr kann neben dem Kaminschieber noch durch eine seitlich am Kesselmauerwerk angebrachte Luftklappe, die Beobachtung der Flammenbildung durch Schaulöcher erfolgen.

Textabbildung Bd. 296, S. 231

6) Die Schomburg'sche Feuerung wurde an der Kesselanlage der Oberpostdirection Berlin geprüft.

Der Versuchskessel, ein Wasserrohrkessel Patent Heine (vgl. Fig. 19 und 20), ist für einen Betriebsdruck von 6 at erbaut.

Die mechanischen Verhältnisse des Kessels sind:

Wasserberührte Heizfläche 66,1 qm
Rostfläche 1,0 qm
Verhältniss der Rostfläche zur Heizfläche 1 : 66,1
Abmessung des Fuchses 0,7 . 0,6 = 0,42 qm
Höhe des Schornsteins 36 m
Querschnitt an der Mündung 0,785 qm
|232|

Die Speisung des Kessels erfolgte mit Hilfe einer Dampfpumpe.

Die Schomburg-Feuerung ist eine Schüttfeuerung (Fig. 19) mit Fülltrichter und Füllschacht. Der schräge Rost schliesst sich unmittelbar an den Fülltrichter an und liegt unten auf einem Rostbalken, der durch Wasser gekühlt wird. Zur Leitung der in Folge trockener Destillation des Brennmaterials entweichenden Gase ist über dem Roste auf etwa zwei Drittel seiner Länge ein Chamottegewölbe gespannt, dessen Neigung zu der der Roststäbe aus der Figur ersichtlich ist. Die Verbrennungsluft gelangt durch eine oberhalb des Trichters befindliche Luftklappe in den Füllschacht und wird mit den Verbrennungsgasen dem von unten aufsteigenden Feuerstrom zugeführt.

Textabbildung Bd. 296, S. 232

Die Regulirung der Feuerung geschieht durch den Rauchschieber. Zur Vergrösserung des Luftüberschusses können im Bedarfsfalle die Rostthüren geöffnet werden.

Textabbildung Bd. 296, S. 232

7) Die Prüfung der Donneley-Feuerung fand an der Kesselanlage des königlichen Universitätsgebäudes zu Berlin statt.

Der Versuchskessel ist ein Zweiflammrohrkessel, welcher für einen Betriebsdruck von 6 at erbaut ist.

Die mechanischen Verhältnisse des Kessels sind:

Wasserberührte Heizfläche 65,50 qm
Rostfläche 1,6 qm
Verhältniss der Rostfläche zur wasserberührten
Heizfläche

1 : 40,94
Höhe des Schornsteins 27 m
Querschnitt an der Mündung 1,13 qm

Die Füchse der zur Kesselanlage gehörigen drei Kessel haben je einen Querschnitt von 0,52 qm und münden in einen gemeinschaftlichen Fuchs von 1,25 qm Querschnitt.

Die Speisung erfolgte mittels einer Dampfpumpe.

Die Donneley-Feuerung ist an dem Versuchskessel als Vorfeuerung mit zwei von einander getrennten Verbrennungsräumen ausgeführt (Fig. 21).

Sie besteht aus einem Füllschacht, welcher nach dem Heizerstande zu durch einen nahezu senkrechten Planrost und nach dem Kessel zu durch einen Röhrenrost begrenzt wird. Die Wasserröhren des letzteren münden oben und unten in schmiedeeiserne Sammelrohre, welche mit dem Wasserraume des Kessels in Verbindung stehen. Seitlich ist der Schacht durch Mauerwerk abgeschlossen, während unten zwischen dem Roste und der Schürplatte ein Zwischenraum zur Entfernung der Schlacken vorhanden ist.

Zwischen den Wasserrohren und der Kesselstirnwand befindet sich der eigentliche Verbrennungsraum, welcher oben durch ein Gewölbe abgedeckt ist. Das Gewölbe ist dicht an den Wasserröhren, parallel zu diesen, nach unten verlängert, um die aus dem Brennmaterial entweichenden flüchtigen Bestandtheile mit dem von unten aufsteigenden Feuerstrom in Berührung zu bringen.

Textabbildung Bd. 296, S. 232

Das Ganze sitzt in einem nach allen Seiten abgeschlossenen gusseisernen Kasten, welcher über dem Füllschachte einen Füllkasten mit verschiebbarer Klappe trägt. An der Stirnwand des Kastens befinden sich ferner zwei geräumige Thüren, um das Reinigen und Abschlacken des Rostes zu ermöglichen.

Die Regulirung der Luftzufuhr erfolgt entweder durch die Rostthüren oder durch eine besondere, unmittelbar vor dem Füllkasten angebrachte Luftklappe.

Das Brennmaterial, welches durch den Füllkasten in den Füllschacht eingeführt wird, sinkt, je nach der Schnelligkeit des Abbrandes, durch sein eigenes Gewicht allmählich |233| herab. Zur Verhütung eines schädlichen Luftüberschusses ist der Füllkasten stets voll zu halten.

Die Regulirung der Feuerung erfolgt lediglich durch den Rauchschieber.

8) Zur Prüfung der Ruthel-Feuerung stellte die Firma Kuhnert und Kühne in Martinickenfelde ihre Kesselanlage zur Verfügung. Die Feuerung dient hier insbesondere zur Verwerthung von Holzabfällen, wie Säge- und Hobelspänen, und besteht (vgl. Fig. 22) in einer Vorfeuerung. Der Rost ist zusammengesetzt aus

einem Planrost von 0,75 m Länge,
Stellrost 0,13 m Höhe,
Kipprost 0,40 m Länge

und hat eine Breite von 2 . 0,9 = 1,8 m. Der Versuchskessel ist von der Maschinenfabrik Petzold und Co. im Jahre 1891 angefertigt; die festgesetzte höchste Dampfspannung beträgt 7 at.

Die mechanischen Verhältnisse des Kessels sind:

Wasserberührte Heizfläche 142,5 qm
Rostfläche 2,3 qm
Verhältniss der Rostfläche zur wasserberührten
Heizfläche

1 : 61,98
Querschnitt des Fuchses 1,0 qm
Höhe des Schornsteins 30,5 m.
Querschnitt an der Mündung 0,785 qm

Die Speisung des Kessels erfolgte mittels einer Dampfpumpe.

Bemerkung.

In den Abbildungen der Versuchskessel sind zum allgemeinen Verständniss diejenigen Stellen bezeichnet worden, an denen die Temperaturen gemessen, die Gase abgesaugt und die Zugstärken ermittelt worden sind; es bedeuten:

A 1 und A 2 : die Stellen, an denen die Heizgase abgesaugt
wurden;
Z 1 und Z 2 : die Stellen, an denen die Zugstärken ge-
messen wurden;
T 1 und P: die Beobachtungstellen für die Temperatur
der Heizgase;
Ph: die Beobachtungstelle für das Photometer.

(Fortsetzung folgt.)

|229|

Es bedeuten: C = Kohlenstoff, H = Wasserstoff, O = Sauerstoff, S = Schwefel, W = Feuchtigkeit,

|230|

Die Rostfläche betrug vor dem Einsetzen der Kowitzke'schen Feuerbrücke 3,26 qm.

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