Titel: Beiträge zur Untersuchung der Lederfette.
Autor: Schmitz-Dumont, W.
Fundstelle: 1895, Band 296 (S. 233–239)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj296/ar296050

Beiträge zur Untersuchung der Lederfette.

Von Dr. W. Schmitz-Dumont.

(Fortsetzung der Abhandlung S. 210 d. Bd.)

Bestimmung der Säurezahl.

5 g Fett werden in einem 100 bis 150 cc fassenden Kölbchen abgewogen, mit 50 cc eines neutralen Gemisches aus 2 Th. Aether und 1 Th. Alkohol gelöst, mit 5 Tropfen 0,1procentiger alkoholischer Phenolphtaleïnlösung versetzt und mit ⅕- oder ½normaler wässeriger oder alkoholischer Kalilösung bis zur bleibenden Rothfärbung titrirt. Selbst wenn die Fettlösung sehr dunkel gefärbt ist, z.B. bei dunkeln Thranen, lässt sich der Endpunkt der Titration auch ohne Aufhellung der Farbe durch Verdünnen der Lösung genügend scharf erkennen, wenn man während des Titrirens das Kölbchen so umschwenkt, dass der Boden desselben nur von einer dünnen Flüssigkeitschicht bedeckt ist. Auf weissem Untergrunde lässt sich in dieser dünnen Schicht der Eintritt der alkalischen Reaction deutlich wahrnehmen daran, dass die erst bräunlichgelbe Färbung einen nicht zu verkennenden Stich ins Rothe erhält. Nur in wenigen Fällen wird man sich in Beurtheilung des Endpunktes um mehr als 2 Tropfen irren. Unter den hier eingehaltenen Bedingungen würde dadurch im Maximum eine Abweichung von 0,5 der Säurezahl bedingt, die für die Zwecke der Analyse ohne Bedeutung ist. Die Säurezahl mit 0,5027 multiplicirt gibt die Procente freier Säure, berechnet als Oelsäure. (Vgl. auch Bestimmung der Mineralsäuren.)

Bestimmung der Jodzahl.

Dieselbe wird zweckentsprechend nach den von Fahrion24) gegebenen Vorschriften ausgeführt. Nach diesen kommen zur Anwendung: Sublimatlösung, 60 g HgCl2 in 1 l 95procentigem Alkohol enthaltend; Jodlösung, 50 g J in 1 l 95procentigem Alkohol – beide Lösungen sind kühl im Dunkeln aufzubewahren –; Thiosulfatlösung, 24 g Na2S2O3, 5H2O in 1 l destillirtem Wasser; wässerige Jodkaliumlösung, 10procentig. Man bringt 0,150 g Fett in eine etwa 300 cc haltende, mit gut eingeschliffenem Stöpsel versehene Flasche, löst es durch 10 cc Chloroform, fügt 10 cc Sublimatlösung, dann 10 cc der Jodlösung hinzu, wobei man jedesmal genau dieselbe Tropfenzahl Jodlösung aus der entleerten Pipette nachtropfen lässt, mischt durch Umschwenken, lässt 2 Stunden stehen, setzt 20 cc Jodkaliumlösung und 100 bis 150 cc Wasser hinzu, schüttelt gut durch und titrirt unter starkem Umschwenken mit der Thiosulfatlösung bis zur Farblosigkeit. Nähert man sich dem Endpunkte der Titration, was sich durch Uebergang der Braunfärbung der Chloroformschicht in Kirschroth anzeigt, so muss nach jedem Tropfen Thiosulfatlösung gut durchgeschüttelt werden. Gleichzeitig wird nach denselben Angaben ein blinder Versuch ausgeführt, um den Titer der Jodlösung zu ermitteln. Wird bei einem Fette weniger als die Hälfte der bei dem blinden Versuch zugesetzten Thiosulfatlösung verbraucht, so ist die Bestimmung mit der doppelten Menge Jod- und Sublimatlösung zu wiederholen. Zur Titerstellung der Thiosulfatlösung eignet sich das von C. Meineke25) neuerdings wieder nachgeprüfte jodsaure Kalium (absolut rein zu beziehen von E. Merk in Darmstadt) noch besser als das bei der Volhard'schen Methode verwendete Kaliumbichromat.

Es war für die Schnelligkeit der Ausführung von Interesse, zu prüfen, ob durch einen grösseren Wassergehalt der Fette, z.B. bei Degras (20 Proc), die Jodaddition in einem für das Resultat wesentlichen Grade beeinflusst wird. Berücksichtigt man, dass das in 0,150 g Degras bei Annahme des hohen Wassergehaltes von 20 Proc. 0,03 g betragende Wasser die Concentration der bei der Bestimmung vorhandenen 20 cc Alkohol so gut wie gar nicht ändert, so scheint eine ungünstige Wirkung des Wassers ausgeschlossen. Dementsprechend gaben Parallelbestimmungen, die einerseits direct mit dem Degras, andererseits mit dem daraus durch Petroläther isolirten Fett angestellt wurden, gleichwertige Resultate, wie folgend zusammengestellte Zahlen zeigen:

|234|
Wassergehalt des
Degras
Jodzahl im Degras,
berechnet auf das Fett
Jodzahl im isolirten
Fett
13,31 Proc. 69,0 69,4
10,05 „ 52,3 52,8
10,59 „ 63,9 63,7
10,24 „ 70,7 70,5
18,45 „ 89,1 89,5
11,65 „ 126,0 125,7

Es ist hiernach bei Bestimmung der Jodzahl in Degras und anderen mit Wasser emulgirten Fetten nicht erst nöthig, das wasserfreie Fett zu isoliren; doch muss bei Verwendung des mit Wasser abgemischten Fettes ganz besonders auf gleichmässige Mischung der Probe vor dem Abwiegen geachtet werden. Das Wasser durch Erwärmen aus diesen Fetten zu entfernen, ist keinesfalls zulässig, da durch Einwirkung der Hitze Polymerisation der ungesättigten Verbindungen eintritt und dadurch die Jodzahl geändert wird.

Bestimmung der Verseifungszahl.

1 bis 2 g des Fettes werden in einem weithalsigen Kölbchen von 150 bis 200 cc Inhalt mit 25 cc ½normaler alkoholischer Kalilauge und aufgesetztem Kühlrohr auf dem Wasserbade 1 Stunde unter öfterem Umschwenken zum Sieden erhitzt.

Von grosser Wichtigkeit ist es, nur Kölbchen von bestem Kaliglas, womöglich aus Jenaer Gerätheglas von Schott und Genossen, zu verwenden, da die alkoholische Kalilauge aus weniger resistenten Gefässen beträchtliche Mengen SiO2 aufnimmt, so dass man zu ganz falschen Zahlen gelangt.26)

Beim Abmessen der Kalilauge ist darauf zu achten, dass die Pipette jedesmal gleichmässig entleert wird, wie bereits bei Bestimmung der Jodzahl erwähnt ist. Gleichzeitig wird unter genau denselben Bedingungen mit 25 cc der alkoholischen Kalilauge allein ein blinder Versuch zur Titerstellung der im Titer allmählich abnehmenden Kalilauge ausgeführt. Nach beendeter Verseifung setzt man 1 cc alkoholischer Phenolphtaleïnlösung (0,1procentig) zu und titrirt mit ½normaler Salzsäure die heisse Flüssigkeit zurück. Der Endpunkt der Titration lässt sich auch bei sehr dunkeln Flüssigkeiten in der bei Bestimmung der Säurezahl angegebenen Weise am Umschlag des rothstichigen Brauns in ein gelbstichiges gut erkennen. Um mehr als 2 Tropfen wird man auch hier den Endpunkt selten überschreiten. Da dieser Betrag bei Anwendung von 2 g Fett, den Tropfen Kalilauge zu 0,05 cc gerechnet, einer Abweichung von rund 3 Einheiten der Verseifungszahl entspricht, so ist es zwecklos, die Verseifungszahlen für Fette, welche mehr oder weniger stark gefärbte Seifenlösungen geben, auf Decimalstellen anzugeben, wie dies vielfach gethan wird. Bei Untersuchung von Degras und anderen Fettgemischen mit hohem Wassergehalt kann auch hier, ohne wesentlichen Fehler zu verursachen, direct das wasserhaltige Fett verwendet werden, vorausgesetzt, dass man es zu einer vollständig gleichmässigen Masse verreiben kann. Immerhin wird der Wassergehalt ein gewisses Maximum, etwa 30 bis 40 Proc. nicht überschreiten dürfen. Bei höherem Betrag wird es in den meisten Fällen besser sein, die Fettsubstanzen erst vom Wasser zu trennen. Degras, insbesondere Weissgerberdegras, kann freie Mineralsäuren enthalten und dann ist natürlich bei Verwendung des mit Wasser gemischten Fettes die Verseifungszahl um den der Mineralsäure (vgl. „Bestimmung der Mineralsäuren“) entsprechenden Kaliwerth zu vermindern.

Soll die Verseifungszahl eines Wollfettes ermittelt werden, so wird auf dem beschriebenen Wege, wie Herbig27) bewiesen, nach 1stündigem Kochen am Rückflusskühler eine constante Zahl erreicht, entsprechend dem Gehalt an leicht verseifbaren Fetten. Die hier untersuchten beiden neutralen Wollfette führten zu gleichem Resultat; sie zeigten bei 1stündigem Kochen eine Verseifungszahl von 86,2 und 84,5, bei 2stündigem von 87 und 84,6. Es wird also schon diese partielle Verseifungszahl ein Kriterium für Wollfette abgeben, wenn ihre durch Provenienz und Darstellungsweise bedingten Schwankungen noch durch umfassenderes Material klargestellt sind, als durch die zur Zeit wohl noch allein als maassgebend vorhandenen Analysen von v. Cochenhausen und Herbig.

Die eigentliche Verseifungszahl wird indess nur bei Verseifung unter Druck erhalten.

Der Vollständigkeit halber sei es gestattet, das von Herbig hierzu ausgearbeitete Verfahren kurz zu wiederholen:

Als Gefäss dient ein aus einem Stück getriebenes, einseitig geschlossenes, inwendig polirtes, starkes Kupferrohr. Die Oeffnung wird geschlossen durch eine Rothgussmutter, welche auf den glattgeschliffenen Rand eine Bleidichtung aufpresst. Weite und Höhe des Rohres sind so gewählt, dass das Innere bequem zugänglich ist und beim Umschwenken die Bleidichtung vom Rohrinhalte nicht benetzt wird. 1 bis 2 g Fett werden mit 25 cc doppeltnormaler Kalilösung in dem Kupferrohr durch ein Oelbad auf 105 bis 110° erhitzt und unter öfterem Umschwenken 1 Stunde auf dieser Temperatur erhalten. Nach dem Abkühlen wird das Rohr geöffnet; die gallertartig erstarrte Seife wird im Wasserbad vorsichtig zur Verflüssigung erhitzt, mit neutralem Alkohol in ein Becherglas gespült, auf 200 bis 250 cc mit demselben Alkohol verdünnt und nach Zugabe von 1 cc 0,1procentiger Phenolphtaleïnlösung mit normaler Salzsäure zurücktitrirt. Da das Kupfer28) bei der Verseifung angegriffen wird, ist es unerlässlich, den Titer der Kalilösung durch einen blinden Versuch, unter gleichen Bedingungen im Kupferrohr ausgeführt, zu ermitteln.

Bestimmung des Schmelzpunktes der Fette und Fettsäuren.

Diese Bestimmung wurde, soweit es nur möglich war, im offenen Capillarröhrchen ausgeführt. In einem etwa 0,3 mm weiten dünnwandigen Capillarrohr wird das geschmolzene Fett etwa 1 cm hoch eingesogen, nach 24 Stunden wird dann der Schmelzpunkt in bekannter Weise ermittelt, unter Anwendung von ausgekochtem, destillirten Wasser und einer Flamme, welche binnen 10 Minuten das Wasser auf 50° erhitzt. Als Schmelzpunkt gilt dann diejenige Temperatur, bei welcher das Fett durch den Wasserdruck |235| in dem Röhrchen hochgetrieben wird. Meistens wird in diesem Augenblick das Fett auch klargeschmolzen sein. Handelt es sich indessen um Prüfung von salbenartigen Fetten, z.B. Kammfett oder breiartige Gemenge von flüssigen und festen Fettsäuren, wie dies bei den Thranen der Fall, so verbietet sich das offene Capillarröhrchen von selbst; man saugt in diesem Falle die geschmolzene Fettsäule von 1 bis 2 cm Länge etwa 1 cm über das untere Röhrenende hinauf und schmilzt dieses vorsichtig in einer sehr kleinen Flamme zu. Nach 24stündigem Liegen wird dann der Schmelzpunkt wie oben ermittelt, meistens wird man sich allerdings darauf beschränken müssen, den Punkt anzugeben, bei welchem die Substanz klargeschmolzen ist, da bei derartigen breiigen Mischungen mehr oder minder dickflüssiger und fester Fettsäuren der Beginn des Schmelzens sich der Beobachtung entzieht. Bei Thranen und Degras sind hier für die Schmelzpunktbestimmung die gelegentlich der Ermittelung der Oxyfettsäuren von diesen getrennt erhaltenen Fettsäuren benutzt worden. Es geschah dies, weil der Schmelzpunkt der Fettsäuren vorläufig hier nur dem Zwecke dient, den unveränderten Thran bezieh. das unveränderte ursprüngliche Fett des Degras zu charakterisiren und dadurch eventuell einen Rückschluss auf Zusatz fremder Fette zu erlauben. Besagte durch nachträgliche Oxydation der Fette entstandenen hochschmelzenden Oxyfettsäuren würden indessen demgegenüber durch ihre sehr wechselnde Menge den Schmelzpunkt in unregelmässiger Weise störend beeinflussen.

Hinsichtlich der Vorbereitung der Fette für die Schmelzpunkte wurde Folgendes eingehalten: Für die in Frage kommenden Zwecke genügte vollständig, etwa 5 g des Fettes in einem kleinen Becherglas mit eingestelltem Glasstab bei 100° bis zur annähernden Gewichtsconstanz zu trocknen. In 1 bis 2 Stunden wurde dies zur Genüge erreicht, während die in dieser Zeit eintretenden Veränderungen der Fettsubstanz keine in Betracht kommende Aenderung des Schmelzpunktes zur Folge haben. Die Fettsäuren wurden aus den durch Verseifen der Fette mit alkoholischer Kalilauge erhaltenen Seifenlösungen, nachdem sie von unverseiften Fettsubstanzen (vgl. „Bestimmung des Unverseifbaren“) und durch anhaltendes Kochen (½ bis 1 Stunde) mit Wasser (etwa 400 cc auf 10 g Fett) von Alkohol befreit worden waren, durch verdünnte Schwefelsäure abgeschieden. Das heisse Wasser wurde unter der Schicht der geschmolzenen Fettsäuren abgezogen. Zur Entfernung der flüchtigen Fettsäuren wurden diese noch zweimal mit Wasser unter starkem Umschütteln umgeschmolzen, dann nach Abhebern des Wassers bei 100° getrocknet.

Ausser vorstehenden Bestimmungen wurde bei Thranen und Mineralölen die Dichte bei 15° bestimmt, da, wie weiter unten besprochen werden wird, zwischen Dichte und Brauchbarkeit dieser Oele für Lederzubereitung ein gewisser Zusammenhang zu bestehen scheint. Bei Ausführung der Bestimmung im Pyknometer sind die beim Einfüllen der Oele in das Gefäss mitgerissenen Luftblasen stehr störend, weil sie nur äusserst langsam aufsteigen. Lässt man das Oel beim Eingiessen in dünner Schicht über die Wandung des Gefässes herabrinnen, so sammeln sich die Luftbläschen leicht an der Oberfläche, steigen mit ihr in den Pyknometerhals und lassen sich dort durch Abtupfen mit Filtrirpapier entfernen. Sicherer indess, insbesondere bei dunkeln, undurchsichtigen Oelen, in welchen man Luftblasen nicht bemerken kann, ist es, das gefüllte Pyknometergefäss vor Einsetzen des Stöpsels bezieh. Thermometers in einen evacuirbaren Raum zu bringen, einen Vacuumexsiccator oder unter die Glocke einer Luftpumpe29), und darin so lange unter vermindertem Luftdruck zu belassen, bis auf der Oberfläche keine Bläschen mehr erscheinen. Binnen 3 bis 5 Minuten tritt dieser Punkt ein.

Wenn bei vorliegender Untersuchung nur die eben beschriebenen Bestimmungen ausgeführt wurden, so soll damit nicht gesagt sein, dass dieselben unter allen Umständen genügend seien für die Zwecke der Lederindustrie. Je nachdem das Fett auf bestimmte Eigenschaften geprüft, oder die Art eines fremdartigen Zusatzes näher ermittelt werden soll, wird der Chemiker weitere Untersuchungsmethoden heranzuziehen haben. Nach Eitner's und Simand's30) Erfahrungen z.B. wird dem Degras öfters Colophonium zugesetzt; soll auf dieses geprüft werden, so genügt obige Analysenschablone nicht, und es würde vorläufig am besten nach dem Verfahren von v. Hübler und Stadler31) in den Fettsäuren nach Harzsäuren zu suchen sein. Wahrscheinlich erweist sich bei näherer Prüfung ein von Parker C. Mc. Ilhiney32) aufgebrachtes ziemlich einfaches Verfahren, welches auf Ermittelung der vom Fett addirten und substituirten Brommengen beruht, für Auffindung von Harzen in Fetten noch zweckmässiger. In dem Maasse, wie die Beziehungen zwischen Zusammensetzung und Wirkung der Fette erforscht werden, wird mit der Zeit sich noch diese oder jene Bestimmung den hier zusammengestellten als wesentlich einreihen. So lässt sich nach den Arbeiten von Fahrion über die Fettsäuren der Thrane vermuthen, dass die sogen. innere Jodzahl33), d. i. die Jodzahl der flüssigen bezieh. festen Fettsäuren, auch für die Beurtheilung der Fette in der Lederindustrie an Werth gewinnen wird; wie denn zur Zeit das Augenmerk der Chemiker besonders darauf gerichtet ist, aus den Eigenschaften der Fettsäuren, als den weniger veränderlichen bezieh. charakteristischeren Bestandtheilen, Natur und Werth der Fette zu erkennen.

Es möge gestattet sein, noch darauf hinzuweisen, dass neben der Einhaltung einheitlicher Untersuchungsmethoden auch die Abgabe der Untersuchungsresultate an die Interessenten nach einheitlichem Schema einen gewissen Werth hat. Im hiesigen Laboratorium, sowie in dem der Gerberschule zu Freiberg hat sich im Verkehr mit Producenten und Consumenten der Lederfette die Zusammenstellung der analytischen Daten nach folgender Ordnung als praktisch erwiesen:

Wasser Proc.
Asche Proc.
Nichtfett Proc.
(d. i. in Petroläther unlös-
liche organische Substanz)
Fett
(d. i. in Petroläther lösliche
organische Substanz)

unverseifbares
verseifbares

Proc.
Proc.
––––––––––––––––
Sa. 100 Proc.
Oxyfettsäuren
(Degrasbildner) Proc.
(Cholesterin) Proc.
Säurezahl
Verseifungszahl
Jodzahl
Schmelzpunkt des Fettes
der Fettsäuren
|236|

Die zunächst gegebene procentuale Zusammensetzung der Waare aus Wasser, Asche, Nichtfett, verseifbarem und unverseifbarem Fett gibt dem Lederfabrikanten direct an, ob der Gehalt an nutzbarem Fett dem gezahlten Preise entspricht, und ermöglicht ihm, das mit dem Fett zu erzielende Gewichtsrendement des Leders, sowie die Gestehungskosten zu calculiren.

Die weiter folgenden Zahlen geben dann einen Einblick in den Charakter des Fettes, werden allerdings in den meisten Fällen einer besonderen Interpretation durch den Chemiker bedürfen. Es seien nun die bei Untersuchung einer Anzahl Lederfette34) nach obiger Analysenschablone erhaltenen Resultate tabellarisch geordnet aufgeführt. Wenn auch diese Zahlen gegenüber den in der Litteratur bereits vorhandenen nur wenig Neues bringen, so ist doch eine Zusammenstellung einheitlich untersuchter Objecte immerhin nicht ganz werthlos.

Tabelle I. Talg und ähnliche thierische Fette.

Textabbildung Bd. 296, S. 236
|237|

Tabelle II. Pflanzenfette.

Textabbildung Bd. 296, S. 237

Tabelle III. Mineralfette und Harzöl.


Farbe

Geruch

Consistenz

Jodzahl
Spezifisches
Gewicht
bei 15° C.
Vaseline

Gereinigte Vaseline

Roh-Vaseline

Vaseline

Vaselinöl


Vaselinlederöl Qual. I.


Vaselinlederöl Qual. II.


Russisches Lederol
(Bakuöl)

Harzöl
weiss

gelb

hellgelb

braungelb

gelb, schwache grüne
Fluorescenz

goldgelb, grüne
Fluorescenz

dunkelgelb, starke
grüne Fluorescenz

dunkelgelb, blaue
Fluorescenz

dunkelgelb, violette
Fluorescenz
geruchlos

desgl.

schwach nach Theer

geruchlos

schwach nach Theer


geruchlos


schwach nach Theer


desgl.


schwacher Kreosot-
geruch
salbenartig

desgl.

desgl.

desgl.

ölig


dickölig


desgl.


desgl.


desgl.


16,6

10,9

10,0

19,0


10,4


16,0


9,2


69,3








0,8965


0,9088


0,9098


0,9047


0,9790







Sämmtliche Präpa-
rate waren frei von
Wasser, Säure und
verseifbarem Fett.

Zu den drei letzten Fetten, den beiden neutralen Wollfetten und dem Holdenfett, einem Gemisch aus Wollfett und Thran, sei bemerkt, dass die Cholesteringehalte mit Rücksicht auf die Mangelhaftigkeit der Bestimmungsmethode nur als einigermaassen annähernde Werthe gegeben sind. Die Fettsäuren zeigten in allen drei Fällen die bekannte, für Wollfettsäuren charakteristische, unkrystallisirte, wachsartige Structur. Als Schmelzpunkt ist in der Tabelle für das Fett sowohl als für die Fettsäuren derjenige Punkt angegeben, bei welchem die Substanz in der beiderseitig offenen Capillarröhre hochgetrieben wird. Es tritt dieser Punkt nicht allzu scharf ein, so dass man in seiner Angabe um 1° schwanken kann. Beide Substanzen werden mit steigender Temperatur erst völlig durchsichtig; doch muss die Temperatur sich noch um 3 bis 7° erhöhen, ehe die Substanz so dünnflüssig geworden ist, dass sie im Röhrchen hochgedrückt wird. Für die Bewerthung des Wollfettes als Lederfett fehlt es zur Zeit noch an maassgebenden Erfahrungen. Nach Eitner35) gibt es eine gut in das Leder eindringende, als Füllmittel verwendbare Sorte und eine andere, welche ohne einzudringen als dicke Schmiere am Leder haften bleibt. Wahrscheinlich ist diese Eigenschaft der zweiten Sorte auf hohen Seifengehalt zurückzuführen. Wirklich principielle Unterschiede hinsichtlich der Verwendung werden sich bei näherer Prüfung wohl nur für das destillirte Wollfett36) ergeben, welches gegenüber dem nichtdestillirten einen weit höheren Gehalt an freien Fettsäuren und Kohlenwasserstoffen zeigt, entstanden durch Spaltung des Neutralfettes bei der Destillation.

Gegenwärtig nimmt das Wollfett unter den Lederfetten nur einen untergeordneten Rang ein und wird mehr als billiges Verfälschungsmittel für Degras und auch Talg37) benutzt, obwohl manche empfehlenswerthe Eigenschaften, wie seine grosse Emulsionsfähigkeit mit Wasser, seine geringe Veränderlichkeit unter dem Einflüsse der Luft (wird nicht ranzig), und vielleicht auch die amorphe Structur seiner Fettsäuren eine eingehendere Prüfung seiner Verwendbarkeit nahe legen. In den Vereinigten Staaten wird das Wollfett unter der Bezeichnung Degras in der Lederindustrie gebraucht.38)

|238|

Tabelle IV. Thrane.

Textabbildung Bd. 296, S. 238
|239|

Zu Pferdefett bezieh. Kammfett möge noch auf die neueren eingehenden Untersuchungen von Amthor39) und Zinke hingewiesen sein.

Bei den Talgarten hat, abgesehen von Verfälschungen, hier nur der Schmelzpunkt Einfluss auf die besonderen Verwendungen derselben. Der schädliche Einfluss der vorhandenen freien Fettsäuren auf das Entstehen eines Fettausschlages (Stearinsäure) auf dem Leder ist noch zu wenig erforscht, als dass man einen Maximalgehalt an freien Fettsäuren festsetzen könnte, über den hinaus ein Talg als unbrauchbar zu bezeichnen wäre.

Hammeltalg40) soll leichter ausschlagen als Rindstalg, auf Grund eines grösseren Krystallisirvermögens seiner Fettsäuren; es kommen jedoch als Hammeltalg auch Ziegen- und Bockstalg41) in den Handel, deren Fettsäuren fast amorph erstarren, dieser würde demnach trotz seines weit geringeren Preises hier der werthvollere sein. Von Seiten der Gerber wird öfters dem Chemiker die Aufgabe gestellt, zu entscheiden, ob ein Rindstalg mit Hammel- bezieh. Schaftalg versetzt ist; indess ist bei der Aehnlichkeit dieser beiden Fette und den Schwankungen, welche jedes für sich in Zusammensetzung und Eigenschaften zeigt, die Lösung dieser Aufgabe zur Zeit noch unmöglich. Die Fälschung eines Talges mit Mineralöl, wie sie hier bei dem einen Freiberger Landtalg constatirt wurde, dürfte ihrer leichten Erkennbarkeit halber nur selten vorkommen.

Seit kurzem wird neben diesen Talgarten der raffinirte Fischtalg zu gleichen Zwecken mit gutem Erfolg verwendet.42)

Von den Pflanzenfetten (vgl. Tabelle II) ist wohl nur Leinöl in der Lederindustrie verwandt worden. Wie Fahrion43) festgestellt hat, lässt sich mit Leinöl ein Sämischleder erzielen und ein dem Degras ähnliches, an Oxysäuren reiches, vorzügliches Lederschmiermittel darstellen.

Aus der Zahl der Mineralfette (vgl. Tabelle III) haben sich die Vaselinöle als Lederschmiermittel bezieh. als Zusätze zu Lederschmieren bereits eingebürgert, und es scheint nicht ausgeschlossen, dass sich auch für Vaseline und Paraffin mit der Zeit ausgedehntere Verwendung findet. Erstes Erforderniss für Brauchbarkeit der Mineralfette ist selbstverständlich Abwesenheit von Schwefelsäure, herrührend von dem Reinigungsprocesse derselben. Nach Simand44) ist für Beurtheilung der Vaselinöle das specifische Gewicht in Betracht zu ziehen; es soll nicht unter 0,900 sinken, da Oele mit niederer Dichte während des Lagerns leicht auf dem Narben austreten. Oft werden Oele von niedrigem specifischen Gewicht durch Auflösen von Paraffin auf ein höheres gebracht; derartig verfälschte Producte scheiden das Paraffin, wenn es in merklicher Menge vorhanden, beim Abkühlen auf – 10° C. während 1 bis 2 Stunden ab. Fluorescenz, sowie eine nicht zu dunkle Farbe der Oele sind ohne Einfluss auf die Farbe des Leders.

Harzöle (Löwenthran) kommen ihres unangenehmen Geruches halber nicht in Gebrauch. Indess haftet diese Eigenschaft den raffinirten, säurefreien Oelen in geringem Maasse an, so dass diese gleich wie Vaselinöl verwerthet werden könnten.

Es sei im Anschluss noch auf die von A. Chapman45) und F. Rolfe ausgeführten Analysen von Robbenthranen hingewiesen. Sie fanden: Dichte 0,9226 bis 0,9258; Säurezahl 19,04 bis 19,60; Verseifungszahl 186 bis 194,6; Jodzahl 129,5 bis 141; Reichert-Meissl'sche Zahl 0,13 bis 0,45; Schmelzpunkt der Fettsäuren 22 bis 23° C.

B. Weiss46) bestimmte die Acetylzahl verschiedener Thransorten, sie schwankten von 11,6 bis 66,3.

(Schluss folgt.)

|233|

Chem. Zeitung, Bd. 16 S. 862.

|233|

Chem. Zeitung, Bd. 29 S. 2.

|234|

R. Hefelmann hat dies durch eingehende Untersuchungen klar gestellt.

|234|

D. p. J. 1894 292 66.

|234|

Versilberung des Kupferrohres auf der Innenseite, sowie des dichtenden Bleiringes und der schliessenden Mutter dürfte vortheilhaft sein, ohne den Apparat wesentlich zu vertheuern.

|235|

Je nach der Höhe der Lufttemperatur stellt man dabei das Pyknometer in ein Gefäss mit genügend abgekühltem Wasser.

|235|

Der Gerber, 1893 S. 278.

|235|

Benedikt, Analyse der Fette und Wasserarten, 1892 S. 181.

|235|

Journ. Amer. Chem. Soc., 1894 S. 261.

|235|

Wallenstein und Fink, Chem.-Ztg., 1894 S. 1189.

|236|

Die grösste Anzahl derselben wurde durch freundliche Mühewaltung des Herrn Dr. J. Pässler, Chemiker an der Gerberschule zu Freiberg, zur Verfügung gestellt.

|237|

Der Gerber, 1890 S. 145.

|237|

J. Lewkowitsch, J. S. J., Bd. 11 S. 134, und Chem. Centralblatt, Bd. 92 S. 652. Fand in destillirtem Wollfett 54,91 Proc. freie Fettsäuren und 34,54 Proc. Kohlenwasserstoffe.

|237|

Leopold Mayer, D. p. J. 1883 247 305.

|237|

Ch. Bush, J. Am. Chem. Soc., Bd. 16 S. 535.

|239|

Zeitschr. f. an gew. Chem., Bd. 31 S. 382; vgl. auch Filsinger, Chem.-Ztg., Bd. 16 S. 792, und Kalman, ebenda Bd. IG S. 922.

|239|

W. Eitner, Der Gerber, 1886 S. 270. Das Krystallisiren und dadurch bedingte Ausschlagen der Fettsäuren soll durch Zusatz von Mineraltalg und Mineralöl verhindert werden. Vgl. ebenda 1894 S. 217.

|239|

Benedikt, Analyse der Fette, 1892 S. 419.

|239|

W. Eitner, Der Gerber, 1894 S. 121.

|239|

Deutsche Gerberzeitung, 1892 Nr. 33 ff.

|239|

Der Gerber, 1890 S. 193.

|239|

Chem. News, Bd. 70 S. 1.

|239|

Der Gerber, 1889 S. 193.

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