Titel: Ueber Dampfkessel.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1895, Band 296 (S. 248–254)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj296/ar296052

Ueber Dampfkessel.

(Fortsetzung des Berichtes S. 224 d. Bd.)

V. Versuchsergebnisse.

In nachfolgender Tabelle (S. 252) sind die Versuchsergebnisse ziffernmässig zusammengestellt und soll in Nachfolgendem noch näher ausgeführt werden, welchen Ursachen die mehr oder weniger günstige Gestaltung der Versuchsergebnisse im Wesentlichen zuzuschreiben ist.

Gruppe I.

Kowitzke'sche Einrichtung zur Rauchverhütung. (Fig. 11 und 12.)

Bei den Versuchen 1 und 2 (vgl. Tabelle S. 252) mit oberschlesischer Steinkohle schwankte die Beanspruchung der Rostfläche zwischen 60 und 149 k, im Mittel wurden beim ersten Versuch 119,2, beim zweiten Versuch 119,05 k Kohlen auf 1 qm Rostfläche in der Stunde verbrannt.

Die Kohle wurde beim Versuch 1 mit einem Luftüberschuss von 0,635 der theoretischen Luftmenge, beim Versuch 2 mit einem solchen von 0,50 verbrannt, welcher sich am Ende des letzten Kesselzuges auf 0,848 bezieh. 0,89 vergrösserte.

Die Rauchentwickelung war bei beiden Versuchen ausserordentlich gering; es zeigte sich nur nach dem Aufgeben frischen Brennmaterials ein ganz schwaches Rauchwölkchen und nur nach dem Schlacken wurde auf kurze Zeit eine stärkere Rauchentwickelung bis auf 420 wahrgenommen. Im Mittel wurde eine Rauchstärke von 109 bezieh. 108 festgestellt.

Auch die Ausnutzung des Brennmaterials war bei beiden Versuchen eine ungewöhnlich hohe, nämlich 76,53 bezieh. 80,29 Proc. vom Heizwerthe desselben.

Dieses nach jeder Richtung hin günstige Ergebniss ist zum grossen Theile der guten Kesselconstruction zuzuschreiben, sowie auch der ausgezeichneten Leistung des Heizers.

Die verhältnissmässig weiten Flammrohre, in denen sich die Roste befinden, gestatten eine gute Flammenentwickelung. Zur Vermeidung von Wärme Verlusten beim Aufgeben frischen Brennmaterials haben ferner die am Ende der Flammrohre angebrachten Klappen, welche beim Oeffnen der Feuerthüren selbsthätig geschlossen wurden, beigetragen.

Der Heizer warf sehr häufig, aber schnell auf, er verstand es dabei, das Brennmaterial ohne weiteres Zuthun auf dem Roste gleichmässig zu vertheilen und die Kowitzke'sche Einrichtung gut anzuwenden. So sind beispielsweise von demselben am ersten Tage während des 10stündigen Versuches 824 Schaufelungen gemacht worden. Die Luftregulirungsklappe wurde nach jedem Aufgeben frischen Brennmaterials nur auf ganz kurze Zeit geöffnet.

Der sachgemässen Bedienung der Feuerung entsprechend schwankten die Temperatur und der Kohlensäuregehalt der Heizgase sehr wenig.

Die geringen Verluste durch Strahlung und Leitung finden ihre Begründung einestheils darin, dass über Nacht der Nachbarkessel mit betrieben wurde, anderentheils in der zur Zeit der Versuche vorhandenen warmen Witterung.

Weniger günstig hinsichtlich der Rauchentwickelung gestaltete sich der Versuch 3 mit böhmischer Braunkohle; während der ganzen Versuchszeit wurde Rauch festgestellt, wenn auch nur von geringer Stärke, denn die Zahl 420 wurde nicht erreicht. Im Mittel war die Rauchstärke 128.

Die Beanspruchung der Rostfläche schwankte zwischen 102 und 183 k, im Mittel wurden 137 k Kohlen für 1 qm Rostfläche in der Stunde verbrannt, und zwar mit einem Luftüberschuss von 0,797, welcher sich am Kesselende auf 1,104 erhöhte. Die Anzahl der aufgeworfenen Schaufeln betrug während der 10stündigen Versuchszeit 584 zu 4,93 k. Die Dampfleistung der Heizfläche war weit geringer als bei den Versuchen 1 und 2, sie schwankte zwischen 11 und 19,5 k und berechnete sich im Durchschnitt auf nur 16,54 k auf 1 qm Heizfläche in der Stunde; diese geringere Dampfleistung ist zum grössten Theile durch den erheblich grösseren Luftüberschuss bedingt, mit dem die Kohle verbrannt werden musste, um die Rauchbildung möglichst zu vermeiden. Bei alledem wurde das Brennmaterial in sehr günstiger Weise mit 73,64 Proc. ausgenutzt.

Die etwas grösseren Wärmeverluste durch Strahlung und Leitung erklären sich aus dem häufigeren Oeffnen der Feuerthüren.

Gruppe II.

Chubb'sche Einrichtung zur Rauchverhütung. (Fig. 13 und 14.)

Bei den drei ersten Versuchen kam oberschlesische Steinkohle von der Grube „Schlesien“ zur Verwendung, und zwar der Reihe nach Würfelkohle, Kleinkohle und Nusskohle II. Die Versuche 1 und 2 fanden bei massiger Beanspruchung der Rostfläche statt.

Auch hier wurden die Roste vom Heizer in kurzen Zwischenräumen beschickt; in der Regel bestand jede Beschickung aus 1 bis 2 Schaufeln, in seltenen Fällen wurden 3 Schaufeln aufgegeben. Der Heizer hatte ausserdem die Gewohnheit, die Kohle vorn auf den Rost zu bringen und |249| die Glut später nach hinten zu schieben, eine schon von Alters her empfohlene Heizmethode, um das Brennmaterial möglichst rauchlos zu verbrennen.

Trotz des grösseren Luftüberschusses in den Heizgasen – derselbe war am ersten Tage 0,706, am zweiten 0,83 – konnte doch keine so rauchfreie Verbrennung erzielt werden, wie bei dem Kessel der Anilinfabrik. Der Schornstein rauchte fast fortwährend, wenn auch nicht gerade in erheblichem Maasse; als mittlere Rauchstärke wurde 137 bezieh. 132 ermittelt.

Dass die Rauchentwickelung bei dieser Kesselanlage stärker war, liegt zum Theil daran, dass die geringere Höhe des Feuerraumes eine so gute Flammenentwickelung nicht zuliess, wie bei der Versuchsgruppe 1, sodann blieb auch der Heizer hinsichtlich der Geschicklichkeit hinter dem der Anilinfabrik zurück. Ferner hat die Chubb'sche Feuerbrücke gegenüber der Kowitzke'schen den Nachtheil, dass sich die feineren, nur 3 bis 4 mm breiten Luftspalten leichter zusetzen und dadurch die Einrichtung theilweise oder ganz unwirksam machen.

Beim Versuch 3 war merkwürdiger Weise die Rauchentwickelung geringer, obgleich die Rostfläche bedeutend stärker und ungleichmässiger beansprucht und die Kohle mit einem geringeren Luftüberschuss, nämlich nur 0,53, verbrannt wurde. Die Rostbeschickung bestand in der Regel aus 2 bis 3, vereinzelt auch aus 4 Schaufeln mit einem durchschnittlichen Kohlengewicht von 4,45 k.

Die Beanspruchung der Rostfläche schwankte zwischen 66 und 146,5 k auf 1 qm in der Stunde; im Mittel wurden 121,02 k verbrannt.

Als mittlere Rauchstärke wurde 114.5 festgestellt, in keinem Falle wurde das Maximum der Rauchstärke erreicht.

Bei der stark wechselnden Beanspruchung schwankten die Temperatur und der Kohlensäuregehalt der Heizgase, namentlich am Ende der Flammrohre, ganz bedeutend.

Obgleich unter den obwaltenden Verhältnissen auf 1 qm Heizfläche in der Stunde 4 k Kohlen verbrannt wurden, betrug die Ausnutzung des Brennmaterials doch noch 68,46 Proc. also nicht viel weniger als an den beiden voraufgehenden Versuchstagen, wo 71,02 bezieh. 69,73 Proc. erreicht wurden, wohingegen die stündliche Dampfleistung um rund 30 Proc. hinter dem 3. Versuche zurückblieb. Dieses verhältnissmässig günstigere Ergebniss des 3. Versuches ist in der Hauptsache dem Umstände zuzuschreiben, dass die Kohle mit geringerem Luftüberschuss verbrannt wurde. Kohlenoxyd wurde bei allen 3 Versuchen in den Heizgasen nicht gefunden.

Versuch 4 wurde mit Böhmischer Braunkohle, Grube „Washington“, vorgenommen; der Betrieb und die Rauchentwickelung gestalteten sich in ähnlicher Weise wie beim Versuch 3.

Die Verbrennung fand mit dem noch geringeren Luftüberschuss von 0,375 statt; auf 1 qm Rostfläche wurden in der Stunde 119 bis 219 k Kohlen verbrannt, im Mittel 168,37 k. Da die Kohle stark schlackte, so hatte der Heizer Mühe, den Dampf zu halten; durch das häufige Schüren und Schlacken fanden sehr starke Wärmeverluste statt, und erklärt sich hieraus grösstentheils die massige Ausnutzung des Brennmaterials.

Als mittlere Rauchstärke wurde 122 festgestellt; in einigen Fällen wurde in den Heizgasen Kohlenoxyd gefunden.

Bei dem 5. Versuch, welcher mit deutschen Braunkohlen-Briquettes vorgenommen wurde, war die Rauchentwickelung sehr gering, doch enthielt die Kohle sehr viel Asche, wodurch häufig der Luftzutritt durch den Rost versperrt wurde, so dass der Dampf nur mit grosser Mühe zu halten war.

Gruppe III.

Stauss'sche Einrichtung zur Rauchverhütung. (Fig. 15.)

Der erste Versuch wurde mit westfälischer Kleinkohle vorgenommen; die Rauchentwickelung war während des ganzen Versuches ziemlich stark, es wurde häufiger, wenn auch nur auf ganz kurze Zeit, die Rauchstärke 420 erreicht, im Mittel wurde dieselbe auf 139 festgestellt.

Die Kohle stellte an den Heizer Anforderungen, denen er offenbar nicht gewachsen war, und dieser Umstand war für die Rauch Verhütung von nachtheiligstem Einflüsse, dem auch die Rauchverbrennungseinrichtung nicht abzuhelfen vermochte. Die Kohle erforderte ein häufiges Schüren, damit die Schlacke nicht festbrannte und die Rostspalten verstopfte, womit dann jedesmal eine ziemlich starke Rauchentwickelung verknüpft war.

Weit geringer war die Rauchentwickelung bei den Versuchen 2 und 3 (im Mittel 120 bezieh. 114), bei denen mit oberschlesischer Würfelkohle von der Grube „Schlesien“ gefeuert wurde. Zwar fand auch hier beim Schüren jedesmal eine ziemlich starke Rauchentwickelung statt, trotzdem die Luftklappen zur Rauchverbrennungseinrichtung geöffnet waren, ein Zeichen, dass für die durch das Schüren hervorgerufene stärkere Gasentwickelung die nachträglich zugeführte Luft nicht ausreichte, vielleicht auch die Verbrennungstemperatur von ungenügender Höhe war. Sehr viel geringer war dahingegen die Rauchentwickelung nach dem jedesmaligen Aufgeben frischen Brennmaterials.

Beim Versuch 2 wurde mit der Beanspruchung der Rostfläche stark gewechselt, es wurden 78 bis 161 k Kohlen auf 1 qm Rostfläche in der Stunde verbrannt. Es liess sich ohne Weiteres deutlich erkennen, wie mit der stärkeren Beanspruchung der Rostfläche die Rauchbildung zunimmt, zugleich aber auch der Kohlensäuregehalt der Heizgase höher wird, d.h. die Verbrennung unter geringerem Luftüberschuss vor sich geht.

Trotz der grösseren Beanspruchung und stärkeren Rauchentwickelung wurde unter allen 5 Versuchen mit der Stauss'schen Einrichtung bei diesem Versuche das günstigste Ergebniss erzielt, es wurden 71,22 Proc. vom Heizwerthe des Brennmaterials zur Dampfbildung nutzbar gemacht.

Beim Versuch 3 war die Rauchentwickelung noch geringer, aber man sieht auch hier, wie nachtheilig der erheblich grössere Luftüberschuss, durch den die rauchfreiere Verbrennung erzielt wurde, wirthschaftlich gewirkt hat; denn trotz der besseren Rauchverbrennung ist die Ausnutzung des Brennmaterials ein Weniges geringer, weit geringer ist aber noch die Dampfleistung des Kessels geworden, die, auf 1 qm Heizfläche in der Stunde berechnet, von 28,86 auf 19,10 k zurückgegangen ist.

Ein weiterer Vergleich der ziffernmassigen Ergebnisse dieser beiden Versuche zeigt auch noch, dass man von den Endtemperaturen der Heizgase nicht ohne Weiteres auf das Güteverhältniss einer Kesselanlage schliessen kann, |250| wie dieses öfter geschieht; denn bei dem Versuch 2, welcher wirthschaftlich nach jeder Richtung hin günstiger ausgefallen ist als der Versuch 3, war die Endtemperatur 392° C, also 152° C. höher.

Recht ungünstig hinsichtlich des wirthschaftlichen Wirkungsgrades gestalteten sich die Versuche 4 und 5, obgleich auch hier die Rauchentwickelung nur gering war, insbesondere wenn man die starke Beanspruchung der Rostfläche in Betracht zieht.

Insbesondere sind aber die unter e) aufgeführten Verluste durch Strahlung und Leitung gewachsen, und zwar einerseits durch die höhere Temperatur der Heizgase in den äusseren Feuerzügen, andererseits durch das sehr häufige Schüren und Bearbeiten des Feuers, welches bei beiden Kohlensorten nothwendig war, um den Dampf zu halten.

Die Beobachtungen am Photometer ergaben eine mittlere Rauchstärke von 118 bezieh. 120. Kohlenoxyd wurde mehrfach in den Heizgasen gefunden.

Gruppe IV.

Kuhn'sche Feuerung. (Fig. 16.)

Sehr gering war die Rauchbildung bei den Versuchen 2 und 3, als mit Brucher Gaskohle und mit oberschlesischer Stückkohle der Grube „Concordia“ gefeuert wurde. Man sieht hier den günstigeren Einfluss des kräftigeren Zuges auf die Verbrennung gegenüber dem Versuche 1.

Eine stärkere Rauchbildung trat nur ein, wenn der Rauchschieber mehr geschlossen werden musste und der Rost verschlackte.

Die Verbrennung fand in allen Fällen, besonders bei Versuch 2 und 3, mit einem sehr geringen Luftüberschuss statt, wobei Kohlenoxyd nur in ganz geringen Mengen in den Heizgasen gefunden wurde, trotzdem war die Ausnutzung des Brennmaterials nicht so günstig, wie man hätte erwarten sollen, sie betrug im höchsten Falle (Versuch 3) 65,98 Proc.

Fassen wir die Verlustquellen näher ins Auge, so fällt zunächst auf, dass die Verluste durch angesaugte Luft ganz bedeutend ausgefallen sind; schlecht schliessende Reinigungsluken und dergleichen mehr dürften als Ursachen dieser Verluste anzusehen sein. Sehr hoch sind auch die Verluste durch Strahlung und Leitung, wahrscheinlich bedingt durch den Oberzug und durch die Wärmeabgabe des schrägen Rostes nach dem Heizerstande zu.

Mit dem Kohlengemisch, welches am ersten Tage verfeuert worden ist, wurde weder hinsichtlich der Rauchverhütung noch hinsichtlich des ökonomischen Wirkungsgrades ein zufriedenstellendes Ergebniss erzielt. Die Braunkohle brannte schneller weg, in Folge dessen überstürzte sich die Steinkohle beim Herabgleiten auf dem schrägen Roste, und es trat jedesmal Rauchbildung ein, trotzdem ein bedeutender Luftüberschuss vorhanden war.

Wegen ungünstiger Betriebsverhältnisse konnten die Versuchszeiten nicht länger ausgedehnt werden; es ist nicht ausgeschlossen, dass sich bei längerer Versuchsdauer die Ergebnisse günstiger gestaltet hätten. Von störendem Einfluss für den Gang der Feuerung und die Ausnutzung des Brennmaterials waren die Pausen in der Fabrik, die durch Wassermangel hervorgerufenen unregelmässigen Speisungen des Kessels und endlich die starke Abkühlung desselben am Heizerstande, wo das Mauerwerk den Witterungsverhältnissen ausgesetzt war.

Gruppe V.

Halb-Tenbrink-Feuerung. (Fig. 17 und 18.)

Bei allen drei mit dieser Feuerung vorgenommenen Versuchen war die Rauchentwickelung ausserordentlich schwach, es trat überhaupt nur Rauchbildung ein, wenn geschürt bezieh. der Rost gereinigt wurde und sich die auf dem schrägen Roste herabgleitende Kohle überstürzte.

Beim ersten Versuche schwankte der Kohlenverbrauch auf 1 qm Rostfläche zwischen 103 und 152 k; am zweiten Versuchstage wurde der Betrieb ziemlich gleichmässig gehalten.

Bei diesen beiden Versuchen wurden die eingangs erwähnten Russbestimmungen zur Durchführung gebracht. Der Abzug der Russmengen geschah vor dem Rauchschieber.

In den Heizgasen wurden auf 1 cbm 10,4 mg Kohlenruss festgestellt; bei Versuch 1 ergab 1 k Brennmaterial im Mittel 15,95 cbm Verbrennungsgase und demnach 0,1658 g Russ oder einen Verlust von 0,0166 Proc. Kohlenstoff = 1,327 W.-E.

Das Gemisch von Steinkohle mit Braunkohle hat auch hier, wie bei der Kuhn'schen Feuerung, ein schlechtes wirthschaftliches Ergebniss zur Folge gehabt; es wurden nur 57,6 Proc. vom Heizwerthe des Brennmaterials ausgenutzt. Sehr gross waren die Verluste in den Herdrückständen, ebenso die durch nachgesaugte Luft, sowie die unter e) aufgeführten Verluste durch Strahlung und Leitung u.s.w., hervorgerufen durch den stärkeren Betrieb.

Gruppe VI.

Schomburg-Feuerung. (Fig. 19 und 20.)

Die beiden mit dieser Feuerung vorgenommenen Versuche lassen recht deutlich erkennen, wie bei der Verbrennung mit geringerem Luftüberschuss die Rauchentwickelung zunimmt, trotzdem aber das wirthschaftliche Ergebniss besser wird.

Beim Versuch 1 wurde die Kohle mit einem Luftüberschuss von 1,094, beim zweiten Versuch dahingegen nur mit einem solchen von 0,549 verbrannt; die Verluste durch den Kamin betrugen in Folge dessen am ersten Tage 23,71, am zweiten Tage hingegen nur 15 Proc. vom Heizwerthe des Brennmaterials, während die Verluste durch unverbrannte Gase am zweiten Tage nur 1,05 Proc. trotz der stärkeren Rauchentwickelung höher waren. Die Rauchstärken betrugen an den beiden Versuchstagen im Mittel 111 bezieh. 128.

Durch die höhere Verbrennungstemperatur sind allerdings auch die Verluste durch Strahlung und Leitung grösser geworden. Wäre dieser in der Kesselanlage begründete ungünstige Umstand nicht vorhanden gewesen, so wäre das Ergebniss des zweiten Versuchstages noch erheblich besser gewesen.

Die ziemlich grossen Verluste durch nachgesaugte Luft erklären sich ebenfalls aus dem Kesselsystem; schon durch die schlecht verschlossenen Stehbolzenlöcher wird sehr viel Luft aufgesaugt, wodurch die Wirkung der Heizgase bedeutend abgeschwächt werden muss.

Diesem für die wirthschaftliche Wirkung der Wasserröhrenkessel wichtigen Umstände ist von Seiten der Fabrikanten, solcher Kessel bisher nicht genügend Rechnung getragen worden.

Was hinsichtlich der Rauchentwickelung bei den vorher |251| besprochenen Feuerungen mit schrägen Kosten gesagt wurde, trifft auch hier in vollem Umfange zu.

Gruppe VII.

Donneley-Feuerung. (Fig. 21.)

Eine ausserordentlich geringe Rauchentwickelung fand an den beiden ersten Versuchstagen statt; auch am dritten Versuchstage, als mit Brucher Gaskohle geheizt und die Feuerung weit über das normale Maass beansprucht wurde, war die Rauchentwickelung unbedeutend zu nennen.

Es wurden für 1 qm Rostfläche in der Stunde an Kohlen verbrannt:

beim 1. Versuch 136,3 k mit 0,562fachem Luftüberschuss
2. 129 k 0,324 „
3. 221 k 0,173 „

Der dritte Versuch zeigt den geringsten Luftüberschuss, mit dem bei allen Versuchen das Brennmaterial verbrannt wurde, wobei ganz unbedeutende Mengen von Kohlenoxyd in den Heizgasen gefunden wurden.

Einen bedeutenden Unterschied zeigt das wirthschaftliche Ergebniss der beiden ersten Versuchstage. Obgleich beide Mal annähernd das gleiche Kohlenquantum für 1 qm Rostfläche verbrannt wurde, hat sich am ersten Tage eine um über 9 Proc. schlechtere Ausnutzung der Kohle ergeben.

Die Hauptursache liegt auch hier wieder darin, dass am ersten Tage mit einem grösseren Luftüberschuss gearbeitet wurde, wodurch ein Mehrverlust von 4,81 Proc. entstanden ist; höher sind ferner am ersten Tage die Verluste durch Strahlung und Leitung ausgefallen, und zwar hauptsächlich durch die Wasserkühlung der Roststäbe, welche am zweiten Versuchstage so viel wie möglich abgesperrt wurde.

Beim dritten Versuche, mit Brucher Gaskohle, mussten in Folge des angestrengten Betriebes die Thüren des Feuergeschränks stets ganz geöffnet bleiben, wodurch ein bedeutender Wärmeverlust verursacht worden ist. Trotz der hohen Dampfleistung von 28,62 k auf 1 qm Heizfläche in der Stunde wurde doch noch eine Ausnutzung von 64,52 Proc. erreicht, wobei sich eine mittlere Rauchstärke von 119 ergeben hat.

Bedeutend sind bei allen drei Versuchen die Verluste in den Herdrückständen ausgefallen, bedingt durch die Bauart der Feuerung. In Folge der neueren Anordnung eines Aschenfalles zwischen den Röhren und dem Kessel bietet sich für die zwischen den Röhren hindurchgefallenen Kohlen- und Kokstheile keine Gelegenheit mehr, verbrannt zu werden. Die Anordnung dieses Aschenfalles hat jedoch den grossen Vorzug, dass die durch die Wasserkühlung der Roststäbe nass gewordene Asche nicht mehr mit den unteren Rohrenden in Berührung kommen kann, wodurch in mehreren Fällen eine schnelle Zerstörung dieser Röhren bewirkt worden ist. Noch zweckmässiger würde es vielleicht sein, die Roststäbe von Innen durch Wasser zu kühlen, welches erwärmt dem Kessel zugeführt werden könnte.

Gruppe VIII.

Ruthel'sche Feuerung. (Fig. 22.)

Es erübrigt noch, der Rauchbeobachtungen zu erwähnen, welche an einer Kesselanlage vorgenommen wurden, die mit der Ruthel'schen Feuerung versehen ist. An beiden Tagen, wo die Beobachtungen gemacht wurden, kamen Holzabfälle vermischt mit Braunkohlen als Heizmaterial zur Verwendung.

Am ersten Tage waren die Holzabfälle feucht, es wurde ausserdem mit einem sehr grossen Luftüberschuss gearbeitet, in Folge dessen war die Rauchentwickelung nur gering; als aber am zweiten Tage mit trockenen Abfällen und geringerem Luftüberschuss gearbeitet wurde, war die Rauchentwickelung erheblich grösser, es zeigte sich oft minutenlang schwarzer Rauch.

Als mittlere Rauchstärke ergab sich am ersten Tage 123, am zweiten Tage 175.

Schlusswort.

Die Verschiedenartigkeit der Versuchsanlagen und der zur Verwendung gelangten Brennmaterialien lässt einen Vergleich der geprüften Einrichtungen unter einander zwar nicht ohne Weiteres zu, auch kann auf Grund der bis jetzt ausgeführten Untersuchungen ein abschliessendes Urtheil über den Werth dieser oder jener Einrichtung nicht gefällt werden, wohl aber berechtigen die aus den einzelnen Beobachtungen genommenen Ergebnisse zu einigen Schlussfolgerungen und zeigen insbesondere die Richtung an, in welcher sich die Bestrebungen der Technik zu bewegen haben werden, um bei der Beseitigung der Rauchbelästigung auch den mindestens ebenso wichtigen wirthschaftlichen Verhältnissen Rechnung zu tragen.

Wenn man die in den Tabellen enthaltenen ziffernmässig festgestellten Versuchsergebnisse überblickt, so fällt zunächst auf, dass die Wirkung der geprüften Einrichtung hinsichtlich der Rauchverhütung ausserordentlich verschieden ausgefallen ist.

Bei den 26 Versuchen schwankt die mittlere Rauchstärke zwischen 106 und 175 der Photometerscala; in keinem Falle konnte zwar eine völlig rauchfreie Verbrennung festgestellt werden, immerhin aber weisen einige Versuche ein Ergebniss auf, das den weitgehendsten Anforderungen in dieser Beziehung Rechnung zu tragen vermag.

Die weit aus einander gehenden Ergebnisse können nicht Wunder nehmen, wenn man die untersuchten Einrichtungen auf diejenigen Bedingungen hin genau prüft, von denen eine rauchfreie Verbrennung abhängig ist.

Diese Bedingungen sind in eingehendster Weise in dem zu Anfang erwähnten Gutachten der Commission des Central Verbandes der preussischen Dampfkessel-Ueberwachungsvereine erörtert, welches im J. 1891 erstattet und dem Minister für Handel und Gewerbe überreicht worden ist.

Die mehr oder weniger starke Rauchentwickelung erklärt sich auch zum Theil aus der verschiedenartigen Beanspruchung der Rostflächen. Es darf nicht übersehen werden, dass es hier nicht galt, Paradeversuche auszuführen bezieh. zu zeigen, unter welchen für die betreffende Einrichtung günstigsten Verhältnissen der Rauch zu beseitigen ist – im Gegentheil, es lag die ganz bestimmte Aufgabe vor, die Prüfung der Einrichtungen unter möglichst schwierigen Verhältnissen zu vollziehen, und in Erfüllung dieser Aufgabe ist man mit der Beanspruchung der Rostfläche, wo dieses nur immer möglich war, bei den Versuchen zeitweise recht weit gegangen.

Für die Beurtheilung der durch den Rauch hervorgerufenen Belästigung gibt die in der Tabelle enthaltene

|252/253|
Textabbildung Bd. 296, S. 252/253

mittlere Rauchstärke einen Maasstab nicht ab. Eine Feuerung beispielsweise, deren photometrisch gemessene Rauchstärke sich dauernd um die Zahl 140 herumbewegte – es ist dieses nach der Scala (vgl. S. 227) der Commission „dünner grauer Rauch“ – würde als belästigend wohl kaum angesehen werden können.

Für die Beurtheilung in dieser Beziehung liefern die der Quelle beigefügten Tafeln, auf die wir hiermit besonders aufmerksam machen, die erforderlichen Grundlagen.

Auf diesen Tafeln ist die jeweilige Rauchentwickelung ihrer Stärke und Zeitdauer nach fortlaufend zur graphischen Darstellung gebracht, über diesem Rauchdiagramm sind des Weiteren in fortlaufenden Curven die Beanspruchung der Rostfläche, sowie der Kohlensäuregehalt und die Temperatur der Heizgase zur Anschauung gebracht. Aus dem Rauchdiagramm kann man ohne Weiteres erkennen, wie oft und auch jedesmal wie lange eine etwa festgesetzte Grenze der Rauchstärke überschritten worden ist, man kann ferner unter Zuhilfenahme der jeweiligen Beanspruchung der Rostfläche und des jeweiligen Kohlen Säuregehalts der Heizgase für jede Zeiteinheit ziemlich genau berechnen, wieviel Cubikmeter Rauch dem Kamin entstiegen sind.1)

Die sehr einfache und völlig sichere Methode der Rauchstärkenbestimmung mittels des Photometers muss für die vorliegenden Untersuchungen als ein grosser Gewinn angesehen werden; ohne die Anwendung dieser oder einer ähnlichen Methode zur Bestimmung der Rauchstärke würden die Versuche zu einem objectiven Ergebniss in dieser Beziehung nicht geführt haben.

Es bleibt das unbestrittene Verdienst der mit der Leitung der Versuche beauftragten Personen, diese Methode zur Rauchbestimmung gefunden und praktisch verwerthet zu haben.

Aus den Versuchen der Commission ergab sich ferner, dass, insbesondere bei den Einrichtungen an Planrostfeuerungen, die Rauchentwickelung mehr oder weniger von der Beanspruchung der Rostfläche abhängt. Wird auf einer gegebenen Rostfläche ein übermässiges Kohlenquantum verbrannt, was im Dampfkesselbetriebe zu gewissen Zeiten gar nicht zu vermeiden ist, so wird eine solche Menge Gas erzeugt, dass die zugeführte Luft zur Verbrennung des Gases nicht mehr ausreicht; es muss Rauch entstehen. Führt somit eine mit geringerem Luftüberschuss |254| vor sich gehende Verbrennung leicht zu einer stärkeren Rauchentwickelung, so ist dieselbe doch wirthschaftlich von Wichtigkeit, weil sowohl der Wirkungsgrad als auch die Dampfleistung einer Kesselanlage in den meisten Fällen selbst bei ziemlich starker Rauchentwickelung dadurch erhöht werden.

Ein Blick auf die in der Tabelle (S. 252) getrennt berechneten Verlustquellen zeigt, wie gewaltig die grösste Verlustquelle, d. i. die durch den Kamin, mit der Vergrösserung des Luftüberschusses wächst und wie wenig dem gegenüber die Verluste durch unverbrannte Gase zu bedeuten haben.

Man erkennt hieraus ohne Weiteres, dass jede Feuerung oder Einrichtung zur Rauchverhütung erst den rechten Werth erhält, wenn sie die rauchfreie Verbrennung unter Aufwendung eines geringen Luftüberschusses ermöglicht.

Dass man diesem Grundsatze mit einem Theil der geprüften Einrichtungen sehr nahe gekommen ist, geht aus den Ziffern massigen Ergebnissen zur Genüge hervor. Der oft erhobene Vorwurf ferner, dass durch derartige Einrichtungen die Leistungsfähigkeit der Kesselanlage beeinträchtigt wird, hat sich bei den meisten der von der Commission bis jetzt geprüften Einrichtungen als zutreffend nicht erwiesen.

Auch das wirthschaftliche Ergebniss ist im Allgemeinen ein zufriedenstellendes, in einzelnen Fällen kann dasselbe sogar als recht gut bezeichnet werden. Für die Verwendung derartiger Einrichtungen in der Praxis sind freilich die geschilderten günstigen Umstände allein noch nicht maassgebend; mit Recht verlangt man, dass eine derartige Einrichtung nicht zu theuer sein darf, dass die Bedienung der Feuerung nicht unnöthig erschwert wird und dass sie vor allen Dingen eine gewisse Haltbarkeit besitzen muss.

In dieser Beziehung stehen die Einrichtungen (Donneley- und Tenbrink-Feuerung), bei denen hinsichtlich der Rauchverhütung mit das beste Ergebniss erzielt worden ist, leider nicht ganz einwandfrei da.

Dem grossen Enthusiasmus, welcher die Gemüther der Erfinder rauchverhütender Einrichtungen zumeist erfüllt, steht fast allgemein eine starke skeptische Anschauung seitens der Dampfkesselbesitzer und weiter technischer Kreise gegenüber, zum nicht geringen Theil hervorgerufen durch den Uebereifer der Erfinder und die damit im Zusammenhange stehenden zahlreichen Misserfolge, genährt auch durch die mehrfach ausgesprochenen Ansichten unberufener Sachverständiger, welche glauben, die Rauchfrage ohne Weiteres vom grünen Tisch aus lösen zu können.

Diese sich scharf gegenüber stehenden Anschauungen beweisen mehr wie alles Andere, dass es in dieser Frage noch sehr der Aufklärung bedarf.

Auch die von der Commission bis jetzt ausgeführten Prüfungen bezieh. deren Ergebnisse können nur als ein Beitrag zu dieser Aufklärung angesehen werden, und es kann nur gewünscht werden, dass diese Untersuchungen auf Grund des einmal entworfenen Programms Fortsetzung finden.

Bezüglich der Fortsetzung der Untersuchungen spricht die Commission ihre Ansicht dahin aus, dass man an Hand der mit dieser oder jener Einrichtung erlangten praktischen Erfahrungen nur Schritt für Schritt vorgehen kann, wenn die Ergebnisse Werth besitzen sollen.

Um diesen Zweck zu erreichen, müssten in erster Linie die sich über ganz Deutschland erstreckenden Dampfkessel-Ueberwachungsvereine aufgefordert werden, an den in ihrem engeren Bezirke etwa vorhandenen Einrichtungen zur Rauchverhütung Versuche anzustellen und sich bei Ausführung derselben des von der Commission entworfenen Programms zu bedienen.

Zur Bestimmung der Rauchstärke nach der von der Commission angewendeten Methode könnten den betreffenden Vereinen die vorhandenen Einrichtungen erwünschten Falles jedesmal zur Verfügung gestellt werden.

Auch die Kostenfrage dürfte unter solchen Umständen keine Schwierigkeiten bereiten, denn jeder Verein wird sicherlich schon im Interesse seiner Mitglieder ohne Weiteres bereit sein, die durch derartige Prüfungen entstehenden Kosten selbst zu decken.“

Die im Vorstehenden mitgetheilten Untersuchungen bestätigen aufs Neue die Schwierigkeit der Herstellung wirklich rauchfreier Feuerungen und zeigen, wie wenig berechtigt die Bestrebungen derjenigen sind, die Staatsund polizeiliche Hilfe gegen die bösen Gewerbetreibenden in Anspruch nehmen wollen. Dem Vereine und insbesondere der ausführenden Commission gebührt der Dank aller Betheiligten. Hoffentlich geht die angeregte Fortsetzung der Versuche bald in Erfüllung.

(Fortsetzung folgt.)

|252|

Die eingehende Besprechung dieser graphischen Darstellungen würde uns hier zu weit führen, weshalb wir auf |253| Nr. 17 der angeführten Quelle (Zeitschrift des internationalen Verbandes) verweisen.

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