Titel: Farbenfälschungen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1895, Band 296/Miszelle 3 (S. 24)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj296/mi296mi01_3

Farbenfälschungen.

An der Versuchsanstalt der deutschen Gesellschaft zur Beförderung rationeller Mal verfahren (A. V.) in München wurden wiederholt eine grosse Anzahl der im Handel befindlichen Farbstoffe eingehenden Untersuchungen unterworfen und hat sich gemäss eines von dieser Versuchsstation veröffentlichten Gutachtens die alte Erfahrung bestätigt, dass besonders die Materialien für die Decorationsmalerei und den Anstrich in geradezu unverantwortlicher Weise gefälscht werden. Insbesondere hat sich ergeben, dass die soliden, echten grünen und blauen Farbstoffe (die grünen und blauen Ultramarine) von sogen. Wand- und Kalkgrünen, Modeblaus, Ultramarinersatz und wie die Schwindelnamen alle heissen, zum Schaden der Consumenten verdrängt werden. Diese Surrogate, sowohl Blau wie Grün, bestehen öfters nur aus Thon oder Schwerspath und sind mit geringen Mengen von nicht lichtbeständigen Anilin- bezieh. Theerfarbstoffen aufgeschönt. Dem Lichte ausgesetzt, verschwinden diese Farben zum Theile schon in wenigen Stunden, während die echten Ultramarinfarben lichtecht und wetterbeständig sind.

Im Interesse der Abnehmer sowie der gewissenhaften Farbenfabriken scheint es bei der nunmehr herannahenden Bauzeit dringend geboten, Behörden, Architekten und Baumeister, Maler, Hausbesitzer u.s.w. zu veranlassen, den im Handel erscheinenden Farben Vorsicht entgegen zu bringen und von den Lieferanten Garantie für Lichtbeständigkeit der betreffenden Fabrikate zu verlangen.

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